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Abbé Barruel Teil 9

Aus Freimaurer-Wiki

Augustin Barruel2.jpg

Inhaltsverzeichnis

Abbé Barruel Teil 9

Bearbeitung von Roland Müller

Abbé Barruel: Denkwürdigkeiten

Teilstück IX: Wie aus Freimaurern und Illuminaten Jakobiner wurden

http://freemasonry.bcy.ca/texts/robison-barruel.html
Gemäss diesem Auszug aus den Transactions der englischen Forschungsloge „Quatuor Coronati“ (1940) waren keine Freimaurer:
Barnave
Bonneville
Fauchet
Mounier

Unterschiedlich aktiv als Freimaurer waren:

Bailly
Brissot
des Moulin
Lafayette
Lamétherie
Talleyrand

gesamter Text

http://www.archive.org/stream/arsquatuorcorona50free#page/30/mode/2up

Nach einer Liste in Michel Gaudart de Soulages, Hubert Lamant:

Dictionnnaire des Francs-Maçons Français. Lattès 1995, zählen neben vielen anderen Franzosen zu den “Faux Frères”:

d’Alembert
Diderot
Rousseau
Volney
Danton
Robespierre
Mirabeau
Babeuf

Zu ergänzen ist u. a., dass die Mitgliedschaft bei den Freimaurern bis heute – gemäss diversen Lexika - umstritten ist bei:

Condorcet
Holbach
Mirabeau
Necker

Von der weitverzweigten Familie La Rochefoucauld waren Freimaurer:

  • Jacques Louis de la Rochefoucauld-Bayers (1717-1797); Colonel
  • René Claude de La Rochefoucauld-Bayers (1760-1795), Offizier, Sohn des vorigen

François Jean Charles de La Rochefoucauld de Maumont, dit le marquis des Bayers (1724-1802), Colonel (vermutlich die Person, die in den Quatuor Coronati Transactions mit dem Todesjahr 1792 erwähnt wird)

Duc François Alexandre Frédéric de La Rochefoucauld-Liancourt (1747-1827)

Weishaupt, Knigge, Bode und Busche (besser: von dem Bussche) waren sowohl Illuminaten wie Freimaurer.

Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus (frz. 1797-1798; dt. 1800-1803) Vierter Theil

Eilftes Kapitel

Vierte Epoche der Secte. Deputation der Illuminaten von Weishaupt an die Freymaurer zu Paris;

Zustand der französischen Freymaurerey zur Zeit dieser Deputation; Bemühungen und Successe dieser Deputirten; Coalition der mitverschwornen Sophisten. Aus Freymaurern und Illuminaten, entstehen die Jacobiner.

Seiten 346- 398

Seit dem Jahre 1782, hatten Philo Knigge und Weishaupt schon den Plan gemacht, die französische. Nation in ihren Illuminatismus zu ziehen, aber ihr hitziges, ungeduldiges und schwer im Zaum zu haltendes Temperament, war für diese beyden Oberhäupter ein mächtiger Beweggrund, um mit ihren Anwerbungen über Straßburg hinaus nicht zu eilig vorzuschreiten. In Frankreich konnte die Explosion noch zu frühzeitig seyn; dieses zu hurtige, aufbrausende und ungestüme Volk, konnte vielleicht nicht harren, bis daß die übrigen zu dem großen Zwecke überall bereit wären; insbesondere aber war Weishaupt nicht der Mann, der mit einer getheilten und localen Revolution zu befriedigen stand, die zu nichts anders dienen konnte, als die verschiedenen Souverains von Europa auf ihre Hut zu stellen.

Wir haben gesehen, wie er in dem Innern seines Heiligthums seine Adepten zustutzet, und wie er die verschiedenen Rang-Ordnungen durch die künstlich eingerichtete Correspondenz-Kette [chaîne de corresponcance], in eine solche Verbindung mit einander gesetzt hat, daß ihm nichts weiter übrig bleibt, als das Signal zu geben, wenn der, die großen Complotte begünstigende, Tag erscheinen würde.

Durch diese Correspondenz-Kette benachrichtiget, sollten die Legionen Brüder zur bestimmten Stunde auf einmal aus ihren Clubs, ihren Logen, ihren Academien, ihren Hölen und ihren unterirdischen Schlupfwinkeln von Mittag bis Mitternacht, von Morgen bis Abend hervortreten, und ganz Europa sollte in einem und demselbigen Augenblick, in Aufruhr sich befinden.

Alle Völker sollten ihren 14ten Julius haben, sie sollten ihn alle auf einmal haben; alle Könige sollten an dem nemlichen Tage, wie Ludewig der XVI., von ihren Unterthanen gefangen, erwachen.

Die Altäre und die Throne sollten überall im nemlichen Augenblick zertrümmern. (S. den 2ten Theil von diesen Memoiren Kap. 18.) Nach diesem Plan mußten natürlicher Weise, die Franzosen das zuletzt zu [den] illuminirende Volk seyn, weil man sich versichert hielt, daß seine Geschäftigkeit die Zelt nicht ruhig erwarten würde, daß die Explosion gleichzeitig, allgemein seyn könnte.

Indessen existirten schon in dem Mittelpunkte dieses Königreichs selbst einige Adepten; einige derselben hatten zur Zeit der Wilhelmsbader Versammlung, Zutritt zu Kniggens Geheimnissen erhalten.

Schon in dem nemlichen Jahre fand der Maire Dietrich zu Straßburg, welcher im Elsaß Robespierre nachahmte, sich auf der Liste der Brüder. (Welt- und Menschenkenntnisse [im frz. Original dt.: Welt un menschen kentniss] p. 130.)

Einen wichtigern Adepten hatten sie noch in der Person des Marquis Mirabeau, den die Revolution so berüchtigt machen sollte. Durch welch einen seltsamen, unglücklichen Zufall waren die Minister des redlichsten Mannes unter den Königen, auf den Gedanken gerathen, einen Theil seiner Angelegenheiten diesem Menschen zu vertrauen, dessen ganzes Leben bis dahin nichts anders gewesen war, als ein Gewebe häuslicher Verräthereyen, und der abscheulichsten Immoralität?

Nicht genug war es, daß die Güte Ludewig des XVI. ihn seinen Richtern und dem Schafot entrissen hatte, seine Schandthaten mußten, dem Anschein nach, noch durch eine geheime Mission belohnet werden, welche in gewisser Maße das Zutrauen seines Fürsten voraussetzte.

Als Abgesandter zu Berlin betrieb Mirabeau die Geschäfte seines Königs, als wie er die seiner Eltern behandelt hatte. Bereit, allen Partheyen zu dienen und sie zu verrathen, geneigt und willig insbesondere, den ganz sich hinzugeben, die die Schandthaten am then-ersten verkaufen, und am mehrsten sie zu begehen, ihm bieten würden, befand er sich in den preußischen Staaten mit Illuminaten umringet, und wurde bald davon aufgesuchet. Nicolai, Biester, Gedicke, Leuchsenring machten seine Lieblings-Gesellschaft aus. Zu Braunschweig traf er Mauvillon, würdiger Schüler von Knigge, und Derozeit Professor am Carolino. Durch diesen wurde er zu den höchsten Mysterien des Illuminatismus eingeweihet. (Rede eines Logen-Meisters über das endliche Schicksal der Maurerey. Anhang zu dieser Rede; wichtige Nachricht von Hoffmann Th. 2. Abschnitt 7. etc.)

Mirabeau kannte, vor seiner Einweihung, alle Hülfs-Mittel der Maurer-Logen, und wußte die, welche der Kopf eines Weishaupts zur Beförderung der Revolutionen hinzugefüget hatte, zu schätzen.

In Frankreich zurück, fing er selbst an, die neuen Mysterien in seiner Loge, die der Philaleten genannt, einzuführen. Sein erster Spieß-Geselle war das Ungeheuer der Abbé de Perigord, welcher sich schon bereitete die Rolle eines Judas in der ersten Ordnung der Kirche zu spielen. Weishaupts Mysterien in seiner Loge einzuführen, genügte Mirabeau nicht, er glaubte in allen Arglisten und Kunstgriffen des Codex geübtere Apostel, als er es war, nach Frankreich berufen zu müssen.

Er kannte die Ursache, welche bislang die Oberhäupter des Illuminatismus noch abgehalten hatten, um die Eroberung von Frankreich sich zu bewerben, er wußte sie aber zu überreden, daß es nun Zeit für sie sey, bey einer Nation sich zu zeigen, die nur ihre Mittel zu einer Revolution erwartete, zu welcher so viele andere Verschworne seit langer Zeit sich vorbereiteten, und unter welchen diese ihre neue Mitbrüder, ohne Zweifel, die geschicktesten waren, die glücklichen Erfolge zu gesichern.

Die, dem Derozeit gleich angehobenen Briefwechsel zwischen ihm und Mauvillon, entwischte Geheimnisse (38), sind dem Geschichtschreiber nicht zureichend, alle die Berathschlagungen und Intriguen aufzudecken, die diese Correspondenz zur Folge hatte.

(38) Eben diesem Mauvillon schreiben die Teutschen, den größten Antheil an zweyen Werken von Mirabeau; de la Monarchie Prussienne, das andere, Essay sur les Illuminés betitelt, zu; daher schreiben sich dann die großen Lobes-Erhebungen von Weishaupt (die man im ersten Th. 5. Br. 7.) findet, und, alle die Arglist, weiche im zweyten herrschen. Dieses letzte sollte das Publicum täuschen, indem es schien, die Geheimnisse der Secte zu verrathen, ohne ein Wort zu sagen, das sie kennbar machte, leitete es die Aufmerksamkeit des Lesers auf ganz verschiedene andere Gegenstände.

Diese List machte die Franzosen glauben, daß sie den Illuminatismus kenneten; ste hatten aber einen so falschen Begrif davon, daß alle ihre Schriftsteller, die Illuminaten des Weishaupts mit den von Swedenborg verwechselten. Uebrigens dienete diese List dem Mirabeau, seinen Illuminatismus in Frankreich einzuführen, selbst zu der Zeit, da es schien, daß er schreibt, ihn zu entlarven. Bis zu dem Namen der Philaleten, welchen er seiner Loge gab, war alles Arglist, denn dieser Name von Philaleten bezeichnet Illuminaten einer andern Art.

Soviel ist inzwischen gewiß, daß die Politik von Mirabeau in Weishaupts Areopagus die Oberhand gewann. Die Stimmen vereinigten sich, und es ward beschlossen, daß Frankreich illuminirt werden sollte."

Das Geschäft war gleichwohl zu wichtig, um den gemeinen Adepten überlassen zu werden.

Eben der, welcher nach der Retraite von Weishaupt für das Haupt des Illuminaten-Orden geachtet wurde, der nemliche Amelius Bode, der würdige Nachfolger von Knigge und Weishaupt zugleich, erbot sich, und ward zum Abgeordneten an die Logen erwählet, bei welchen der Anfang des Apostolats gemacht werden sollte.

Zum Mit-Gehülfen bestimmte man Boden einen andern Schüler von Knigge, welchen die Secte Bayard benahmt hatte, und dessen wahrer Name Wilhelm Baron von Busche war, Capitain in Holländischen Diensten, Erbe eines großen Vermögens, verschlagen, voll von solchen Listen und Kniffen, welche die insinuirenden Brüder Klugheit und Weisheit nennen. Dieser Baron hatte zuerst in Auftrag gehabt, die Complotte der Secte selbst in den Provinzen fortzupflanzen, die da glaubten, an ihm nur einen Officier zu haben, der bereit wäre, sein Leben für die Aufrechthaltung der Gesetze hinzugeben. (S. Or. Schriften Philo Berichte 6.) Der Eifer, mit welchem er dieses sein Probe-Stück ausgeführet halte, brachte ihm ohne Zweifel die Ehre zuwege, den Chef des Ordens nach Paris zu begleiten.

Die Umstände konnten Derozeit nicht günstiger für die Deputirten, und nicht unglücklicher für Frankreich seyn. Der Philosophismus des Seculi hatte in den Logen alles gewirket, was man nur von den Schülern Voltaire und Jean Jacques erwarten konnte, um das Reich der Gleichheit und der Freyheit vorzubereiten, deren höchste Mysterien, nach Weishaupts System, in der Gottesvergessenheit, und in einer unbedingten Anarchie bestanden. Zwischen den alten Graden und den der modernen Freymaurerey, war eine Demarcations- oder Gränz-Linie gezogen worden.

Die ersten mit allen ihren Kinder-Spielen und aller Dunkelheit ihrer Symbole, waren dem gemeinen Haufen der Brüder preißgegeben. Die andern, philosophische Grade betitelt, waren insbesondere die, welche ich unter dem Namen von Sonnen-Rittern, Rosencreuzern, und Kadosch-Rittern kennbar gemacht habe.

An der Spitze aller dieser Logen, die entweder auf die alten Mysterien sich beschränkten, oder neuen Mysterien initiirt waren, fanden sich in Paris drey Logen, die sich besonders auszeichneten, durch die Autorität, die sie über die andern ausübten, oder durch ihren Einfluß auf die Meynung der Brüder.

Die erste, der große Orient genannt, war weniger eine Loge, als der Vereinigungs-Punct aller regelmäßigen Logen des ganzen Königreichs, durch ihre Deputirte repräsentirt. Sie war gewissermaßen das große maurerische Parlament, mit vier Kammern oder Abheilungen, die vereinigt die große Loge des geheimen Raths ausmachten, wo alles, was Beziehung auf das Wohl des Ordens hatte, in der letzten Instanz entschieden wurde. Die vier Kammern wurden die der Administration[,] von Paris, der Provinzen und der Grade genannt. Diese, ihrem Wesen nach, die geheimste von allen, ließ ihren Sitzungen keinen besuchenden und visitirenden Brüder zu; aber alle Venerablen konnten den gewöhnlichen Arbeiten der andern Kammern beiwohnen.

Zu diesem maurerischen Parlament gehörten drey Groß-Beamten des Ordens, der Großmeister, der General-Administrator, und der Ober-Bewahrer, oder Ober-Aufseher [le Grand-Maître, l’Administrateur général, & le grand Conservateur]. Bey der Ankunft der Illuminaten-Deputirten, war der erste dieser Groß-Beamten der Durchlauchtigste Bruder Herzog von Orleans, erster Prinz von Geblüt. Die zwey andern waren auch Brüder vom höchsten Range. Ihre Namen allein würden uns überzeugen können, daß auch in dem höchsten Rathe des Ordens sogar, es Ehren-Grade für diejenigen gegeben habe, deren Rang den Complotten zum Schutze diente, welchen man aber keinesweges gesonnen war, die Geheimnisse anzuvertrauen. (S. die alphabetische Tabelle der Correspondenz der Logen des großen Orients von Frankreich).

Bey weitem verhielt sichs jedoch nicht so mit Philipp Orleans. Seine Würde als Groß-Meister, seine Gottlosigkeit, und seine sehr bekannte Gelübde, der Rache alles aufzuopfern, verkündigten den Deputirten des Illuminatismus laut alles, was er bereit war, zu ihren Gunsten bey der Menge der Logen, deren Groß-Meister er war, zu thun.

Die Correspondenz-Tabelle zeiget uns, daß im Jahre 1787 nicht weniger denn zwevhundert zwey und Achtzig Städte allein in Frankreich sich befanden, deren eine jede unter den Befehlen dieses Groß-Meisters, regelmäßige Logen hatte. Sechzehn waren in Lyon, sieben in Bordeaux, fünfe in Nantes, sechs in Marseille, zehn in Montpellier; zehn in Toulouse, und beynahe in jeder Stadt eine ihrer Bevölkerung angemessene Zahl.

Diese Herrschaft umfasset aber nicht allein die französischen Maurer; die, nemlich zum Gebrauch der Brüder, gedruckte Correspondenz-Tabelle, zeiget uns Logen zu Chambery in Savoyen, zu Locle in der Schweiz, zu Brüssel in Braband, zu Cölln, Lüttich, Spa in Teutschland, zu Leopold, Warschau in Pohlen, zu St. Petersburg, Moscau in Rußland, zu Portsmouth, selbst in Virginien, in dem Fort Royal zu Grenada, und in allen französischen Colonien, die insgesammt unter eben diesem Groß-Meister stehen, und ihre Instructionen vom großen Orient zu Paris empfangen. Philipp Orleans und sein großer Orient, sicherten also der Secte beynahe eben so viele Eroberungen zu, als sie deren schon in Teutschland unter Knigge und unter Weishaupt gemacht hatten. (Ebendaselbst Artic. Fremde Länder.)
Unter diesem großen Orient befand sich in Paris eine Loge, die mit der Besorgung der auswärtigen Correspondenz absonderlich beauftraget war, man nannte sie die der vereinigten Freunde. In dieser zeichnete sich vorzüglich der berüchtigte Revolutionair Savalette de Lange aus.

Dieser Adepte, der zur Aufsicht über den königlichen Schatz bestellet, und also mit alle dem Zutrauen beehret war, welches der getreueste Unterthan nur hätte verdienen können, war zu gleicher Zeit der Mann aller Mysterien, aller Logen, und aller Complotte. Um sie alle zu vereinigen, hatte er aus seiner Loge einen Mischmasch aller sophistischen, martinistischen und maurischen Systeme gemacht. Aber um das Publicum noch mehr zu täuschen und anzulocken, hatte er sie auf eine gewisse Art auch zur Loge des Vergnügens, und des Luxus der Aristocratie gemacht. Eine wohllautende Musik, Concerts und Bälle riefen die Brüder der höhern Classen herbey, die in köstlicher Equipage angefahren kamen. Im Umkreise waren Wachen gestellet, damit die Menge der Wagen keine Unordnung verursachte. Unter den Augen des Königs selbst gewissermaßen, wurden diese Feste gefeyert.

Die Loge war Brillant, die Crösuße der Freymaurerey, ist zu sagen, die reichsten Maurer bestritten die Kosten des Orchester, der Erleuchtung, der Erfrischungen, und aller Ergötzlichkeiten, wovon sie glaubten, daß es der einzige Zweck ihrer Vereinigung sey, aber sie wußten nicht, daß während die Brüder mit ihren weiblichen Adepten in dem allgemeinen Saal tanzten, oder die Süßigkeiten ihrer Gleichheit und Freyheit besangen, über ihnen ein geheimer Ausschuß sich befand, wo alle Maaßregeln genommen wurden, um diese Gleichheit bald außerhalb der Loge, über den Rang und die Glücks-Güter [sur les rangs & les fortunes], über die Schlösser und Bauern-Hütten, über die Marquis und Bürger zu verbreiten.

In der That war über der allgemeinen Loge, eine andere Loge, die geheime Comité der vereinigten Brüder [le Comité secret des Amis Réunis] genannt, deren Ober-Adepten gleichfalls zwey berühmte Männer in den Mysterien waren, Respective zu Lyon und Paris, der eine der große Willermoz, und der andere Chappe de la Henrière.

So lange, als unten das Fest dauerte, standen zwey fürchterliche Brüder [deux Frères Terribles] mit ihren Schwerdten, der eine unter an der Treppe, und der andere an der Thür des neuen Heiligthums, um solche zu vertheidigen.

Da war das Archiv der geheimen Correspondenz; selbst demjenigen, an welchen alle Briefe und Paquete aus Teutschland oder aus Italien addressiret wurden, war nicht vergönnet, über die Schwelle der Thür zu treten.

Den Chiffer der Correspondenz kannte er nicht, es war ihm nur bloß aufgetragen, die Briefe zu übergeben; Savalette de Lange empfing sie, und das Geheimniß blieb in der Comité.

Der Leser wird leicht die Art dieser Correspondenz und die Berathschlagungen, welche ihren Gegenstand ausmachten, begreifen, wann er vernommen haben wirb, daß, um zu diesen Berathschlagungen zugelassen zu werden, es nicht genug war, allen alten Graden eingeweihet zu seyn, man mußte auch seyn, was die Brüder Meister aller philosophischen Grade nannten. Ist zu sagen, mit den Sonnen-Rittern, allem Christenthum, und mit den Kadosch-Rittern, allem Gottesdienste und allen Königen, Haß geschworen haben (39).

(39) Von einem Bruder, der selbst lange Zeit nur Ueberbringer dieser Correspondenz war, weiß ich, daß, als ihn die Lust anwandelte, in diese Grade sich aufnehmen zu lassen, um Zutritt zu dem Comité zu erlangen, er dadurch abgeschreckt ward, daß man eine lebenswierige Verpflichtung [un engagement pour la vie], und eine jährliche Beysteuer von Sechshundert Franken, von ihm begehrte.

Noch habe ich von ihm erfahren, daß der gewöhnliche Beytrag eines jeden Bruders jährlich eben so hoch sich belaufe, und daß man wegen deren Berechnung auf den Bruder Savalette sich verlasse, welcher niemals Rechnung ablege.

Dieses ist noch eine, allen den der Hinterhalts-Adepten hinzuzusetzende Beytrags-Quelle zu den Complots-Kosten. Und wer kann sagen, wie viel diese Hülfs-Mittel unter den Händen eines königlichen Schatzmeisters sich noch vermehret haben! Die Verschwornen wußten die Menschen und die Bedienungen zu wählen.

Weit unbekannter, aber noch furchtbarer, waren die Hölen, wo die Brüder von Avignon, Schüler von Swedenborg und von St. Martin, ihre Mysterien, mit denen der alten Rosencreuzer, der gewöhnlichen Maurer, und der sophistischen Maurer, vermengten.

Aeußerlich unter der Larve von Marktschreyern und Geister-Sehern, redeten diese neuen Adepten von nichts anders, als von ihrer Macht, die Geister zu citiren, die Todten zu befragen, und erscheinen zu lassen, und hundert andere Wunderwerke dieser Art zu bewirken. Im Inneren ihrer Logen, brüteten diese neuen Wunderthäter [ces nouveaux Thaumaturges], Complots, die fast ganz den von Weishaupt ähnlich, aber in der Art und Weise noch abscheulicher waren.

Ich habe ihre Mysterien desorganisirend genannt, indem ich die von Swedenborg und von St. Martin darstellete; ich wollte den fürchterlichen Prüfungen und abscheulichen Eiden noch keinen Glauben beymessen, welche von vielen Schriftstellern ihnen zur Last gelegt wurden. Ich hätte nur auf die Autorität ihres Gesetzbuchs selbst, oder ihren Adepten mich stützend, ihrer erwähnen mögen. Die bis jetzt mir in den Weg gekommene Adepten, haben zwar nur einen Theil ihrer Mysterien kennen lernen können, aber aus dem, was sie davon erfahren haben, ist es sehr leicht, alles das zu errathen, was ihnen zu lernen oder zu erfahren übrig blieb.

Unleugbar ist es zuvörderst, daß diese Illuminaten Swedenborgs, in Frankreich Martinisten genannt, die sich auch öfters den Namen von wohlthätigen Rittern [Chevaliers bienfaisans] gaben, ihre reisenden Brüder hatten, gleich wie die Illuminaten von Weishaupt.

Ausgemacht ist es auch, daß diese vorgebliche Philaleten, oder Freunde der Wahrheit [amateurs de la vérité], sich auch Gesetze gegeben, ihre Gesellschaften ordentlich eingerichtet, und, so wie Weishaupt, in die Maurer-Logen sich eingeschlichen hatten, um darinn Menschen aufzusuchen, die zu ihren Mysterien, und zu den neuen Graden, die sie ihnen mitzutheilen hatten, geneigt sich finden lassen würden.

Unter diesen Graden ist einer, den sie Phönix-Ritter nennen. Einer dieser Ritter, der für einen Sachsen, und Baron des heil. Römischen Reichs, sich ausgab, und mit glänzenden Certificaten verschiedener teutscher Fürsten versehen war (40), übte wenige Jahre vor der Revolution sein Apostel-Amt in Frankreich aus.

(40) Ich würde diesen Mann genannt haben; in meinen handschriftlichen Nachrichten ist er als ein im Preußischen sehr berüchtigter Philaleten-Illuminate aufgeführet. Aber die Umstände, in welche der jetzt in Frankreich sich befindet, welchen, wie wir sehen werden, diese Mysterien so sehr empört haben, machen mir es abermals zur Pflicht, alle Namen zu verschweigen.

Nachdem er einige Tage in einer Stadt des Innern sich aufgehalten, die Logen besucht, und die Brüder beobachtet hatte, glaubte er darunter Drey zu erkennen, die er würdig achtete, zu den höhern Kenntnissen erhoben zu werden. Der Venerable oder Logen-Meister, den ich hier selbst seine Geschichte erzählen lassen werde, fand sich unter der Zahl der Erwählten.

„Die Einladung angenommen, sagte mir dieser Venerable, begaben wie uns alle Drey, mit brennendem Verlangen nach den großen Mysterien, die er uns ankündigte, zu unserm Illuminaten. Weil er mit uns die gewöhnlichen Prüfungen nicht vornehmen konnte, so dispensirte er er [einmal genügt] uns, so viel, als ihm möglich war, es zu thun. In der Mitte seines Zimmers hatte er eine Kohl-Pfanne mit glühenden Kohlen gesetzt. Auf einem Tische befanden sich verschiedene Sinnbilder, und unter andern ein Phönix, den eine Schlange zirkelförmig umringte, und sich in den Schwanz biß."

„Die Mysterien eröfneten sich mit einer Erklärung der feurigen Kohlen und der andern Symbolen. Er sagte uns unter andern, diese glühenden Kohlen sind zubereitet worden, um Sie zu belehren, daß das Feuer der Grund aller Dinge sey, daß durch dasselbe in der Natur alles gewirkt, alles in Tätigkeit gesetzt werde, daß der Mensch selbst ihm seine Kraft zu leben, zu denken und zu handeln verdanke.

Dieses war das Wesentliche seiner ersten Lection. Nun schritt der Illuminate zur Erklärung der andern Sinnbilder. Der Zirkel, den die Schlange formiret, ist das Bild der ewigen Welt, welche gleich diesem Zirkel, weder Anfang noch Ende hat, sagte er. Auch ist Ihnen bekannt, daß die Schlange jährlich ihre Haut abwirft und erneuert, hiedurch lernen Sie die Revolutionen des Weltalls kennen, die, einer Natur, welche in gewissen Epochen schwach zu werden, und dem Untergange sich zu nähern scheinet, in der Unermeßlichkeit der Zeit-Alter aber nur veraltet, um von neuem zu verjüngern, und zu neuen Revolutionen sich anzuschicken. — Dieser Phönix stellet Ihnen, noch natürlicher, die Folge, und die ewige Dauer dieser Natur-Erscheinungen dar. Die Fabel läßt ihn mit seiner Asche wieder hervorgehen, um Sie zu belehren, wie dieses Welt-Gebäude aus der seinigen wiedergebohren wird, und ohne Aufhören wiedergebohren werden wird."

„Um diese ganze Lehre aufzutischen, hatte der Baron Illuminate von uns nichts weiter verlangt, als ein gewöhnliches Versprechen der Geheimhaltung; auf einmal hielt er inne, und deutete uns an, daß er nicht mehr sagen könne, ohne einen Eid zu fordern, dessen Formul er gleich anfing zu lesen, um zu sehen, ob wir auch geneigt wären, ihn zu leisten.

Dieser Eid machte uns alle innerlich schaudern. Von den Worten habe ich wenig behalten, aber er enthielt, mit den greulichsten Ausdrücken, das Versprechen, den Häuptern seines Illuminatismus zu gehorchen. Wir suchten unsern Unwillen zurückzuhalten, um zu seinen höchsten Mysterien zu gelangen; aber er kam nun zu dem Versprechen, auch die heiligsten Bande abzuschwören, die eines Staats-Bürgers, eines Unterthanen, die Familien-Bande, mit Vater und Mutter, mit Freunden, Kindern, Ehe-Gatten. Bey diesen Worten konnte einer von uns Dreyen sich nicht mehr halten, stürzte zur Thür hinaus, trat mit einem bloßen Degen in der Hand wieder herein, und ging mit der Heftigkeit eines Menschen, der seiner selbst nicht mehr mächtig ist, auf den illuminirten Baron los.

Wir waren so glücklich, ihn aufzuhalten, bis sein Blut sich etwas abgekühlet hatte. Nun aber, nahm er das Wort, schalt unsern Illuminaten einen Bösewicht, und drohete, daß, wenn er noch vier und zwanzig Stunden in der Stadt bliebe, er ihn würde richten und hängen lassen."

Man kann leicht denken, daß der Baron nicht säumte, diesen Drohungen zuvorzukommen.
Was ich weiter zu erzählen habe, um noch einiges Licht über diese ungeheure Secte zu verbreiten, hat nicht in Frankreich, sondern zu Wien in Oesterreich sich zugetragen. Ein junger Mann von einer der angesehensten Familien, und welcher in dem damaligen Kriege, durch seine Tapferkeit sich ausgezeichnet hatte, war auch, wie so viele andere, auf den Einfall gerathen, Freymaurer zu werden. Seine Loge war, ohne daß er es wußte, eine derjenigen, wo der Illuminatismus dominirte. Oefters erhielt er den Auftrag, Briefe zu bestellen, die ihm verdächtig waren. Ab und an brachte er sie auch unbestellt zurück, unter dem Vorwande, daß er die Personen nicht gefunden habe, an welche sie gerichtet waren; im Grunde aber, weil er fürchtete, das Werkzeug einer Verrätherey zu werden.

Indessen hatte die Neugierde das Uebergewicht, und er fuhr fort, um die Aufnahme in die höhern Grade anzuhalten. Seine Aufnahme sollte den andern Tag vor sich gehen, als ein außerordentlich dringender Brief ihn zu einem rendez-vous aufforderte. Er fand allda einen Adepten und alten Freund seines Vaters:
„Ich thue, sagte ihm dieser Freund, einen Schritt für Sie, der ganz gewiß das Leben mir kosten wird, wenn Sie nur ein wenig indiskret sind. Aber ich glaube der Freundschaft, womit ihr Vater mich beehret, und der, die ich für Sie habe, ihn schuldig zu seyn.

Ich bin verloren, wenn Sie nicht das tiefste Stillschweigen in Ansehung meiner bewahren; aber, ich sage es Ihnen zuvor, daß Sie selbst verloren sind, wenn Sie sich der Loge zu dem Grade darstellen, den Sie nachsuchen. Ich kenne Sie, den Eid, welchen man Ihnen vorlegen wird, werden Sie nicht schwören; Sie sind keiner Verstellung fähig, noch weniger sind Sie es, so zu denken und zu handeln, wie man es von Ihnen verlangen wird. Der Abscheu wird Sie verrathen, und dann ist es um Sie geschehen. Schon stehen Sie als verdächtig auf der schwarzen Liste. So wie ich Sie kenne, werden Sie bald zu der rothen Liste, Blut-Liste, übergehen: und alsdann hoffen Sie nicht ihren Giften, oder ihren Emissarien zu entgehen."

Die Furcht brachte diesen jungen Mann nicht zum Entschluß. Ehe er sich ergab, wollte er zum wenigsten wissen, welche die schrecklichen Verpflichtungen wären, die er nicht würde halten können. Sein Freund machte ihn also mit dem Eide bekannt, den man ihn würde vorschreiben; er fand darinn auch die Verzichtleistung auf die allerheiligsten Bande der Religion, der bürgerlichen Gesellschaft, der Natur, um keine andere Gesetze anzuerkennen, als die Befehle seiner Illuminirten-Obern.

Der Abscheu vor solchen Verpflichtungen bemächtigte sich seiner in der That; er fand Ausflüchte; und anstatt zur Einweihung sich einzustellen, entsagte er, weil es noch Zeit war, den Logen-Besuchen.

Die Umstände der Revolution haben ihn aus den österreichischen Diensten in die englischen Dienste gebracht, aber von ihm selbst habe ich vernommen, wie sehr er befürchtete, daß sein Freund, für den ihm geleisteten Dienst, auf die rothe Liste sey gesetzt worden. Bald nachher erfuhr er wenigstens dessen Todt.

Meinem Leser wich verlangen, zu den Deputirten des Bayerschen Illuminatismus sich zurück geführt zu sehen; aber um desto besser wahrnehmen zu machen, was der Zweck ihrer Mission seyn sollte, und wirklich war, habe ich anzumerken, wie die Loge, wo wir sie werden ankommen sehen, beschaffen war; und muß man zu dem Ende die andern Arten Illuminaten wieder hervorziehen, die Theosophen sich nennen, und in Frankreich ihnen zuvorgekommen waren.

Wir wollen gleich Anfangs das näher zusammen, stellen, was man über die schwarze Liste, und die Blut-Liste eben gelesen hat; eine Sache, welcher ich lange mich geweigert hatte, Glauben beizumessen, bis ich endlich umständliche Nachrichten von Personen erhielt, die aufs genaueste unterrichtet waren.

Man weiß, daß das zehn Meile von Paris entlegene, dem Herrn Gerardin zugehörige Schloß Hermenonville, ein berüchtigtes Nest dieses Illuminatismus war. Man weiß, daß da, bey dem Grabe von Jean Jacques Rousseau [le tombeau de Jean-Jacques], unter dem Vorwande, die Menschen zu dem Alter der Natur zurück zu führen, die schrecklichste Sitten-Verderbniß herrschte. Der berüchtigte Gaukler, St. Germain, hatte den Vorsitz bey diesen Mysterien, er war deren Schöpfer, und hatte auch seine rothe Liste.

Der Ritter Lescure machte davon die traurigste Erfahrung. Er wollte dieser schrecklichen Gesellschaft entsagen, vielleicht auch sie entdecken. Ein vergiftetes Getränk machte seinem Leben ein baldiges Ende, und ihm war die Ursache seines Todes nicht unbekannt. Ehe er verschied, sagte er dem Marquis von Montroi, einem General, ganz bestimmt, daß er als ein Opfer dieser infamen Bande von Illuminaten sterbe (41).

(41) Nichts gleicht den schändlichen Sitten, welche in dieser Horde von Hermenonville herrschten. Jede in den Mysterien aufgenommene Frau war generis communis unter den Brüdern; die, welche St. Germain gewählt hatte, ward die Jungfrau genannt. Sie hatte nur einzig und allein den Vorzug, nicht dem blinden Ohngefähr, oder der Wahl dieser wahren Adamiten, überlassen zu werden, es sey dann, daß es St Germain gefiel, sich eine andere Jungfrau zu ernennen. Dieser verächtliche Charlatan, noch gewandter, als Cagliostro. hatte wirklich seine Adepten überredet, daß er im Besitz eines Elixirs der Unsterblichkeit sey; daß er inzwischen verschiedene Seelen-Wanderungen gemacht habe, daß er dreymal gestorben sey, aber daß er nicht mehr sterben werde, daß nach seiner letzten Veränderung, er schon Fünfzehnhundert Jahr gelebt habe.

Es fanden sich Tröpfe, die dem Evangelium Glauben versagten, und an die Seelen-Wanderung, an die Fünfzehnhundert Jahre ihres St. Germain. glaubten! Sie wußten nicht, daß dieses alles nur eine Erdichtung Maurerischer Grade ist. Zufolge dieser Erdichtung ist der Maurer-Lehrling drey Jahr alt, der Geselle fünf, der Meister sieben.

Dieses Alter nimmt in gewissen Graden so zu, daß endlich der Schottsche Ritter in einem Alter von Fünfhundert sich befindet. Wenn also ein Maurer sagt, er habe so viel Jahre, so will dieses nur sagen: ich bin von dem und dem Grade (S. Geschichte der unbekannten Schottischen Grade).

Dieser Thatsachen versichert, fürchte ich von nun an, nicht mehr die Zerstöhrungs-Gelübde der Reiche und der Altare, alle Lehre, die mit der, welche ich aus den Werken der Seele gezogen, übereinstimmt, und endlich alle die Eide, alle die abscheulichen Prüfungen, wovon eine Menge Schriftsteller uns die Umstände erzählen, in die Zahl der historischen Wahrheiten aufzunehmen. Ich werde demnach sagen, ohne zu besorgen, diese Art von Illuminaten zu verläumden, daß der Unterschied zwischen ihrer Secte, und der von Weishaupt, nur in der Weise bestehe.

Der Atheismus lieget ihrer vorgeblichen Theosophie, wie den Mysterien von Weishaupt, zum Grunde. Für sie und für ihn ist der Natur-Mensch nicht bestimmt, unter den bürgerlichen Gesetzen zu leben; für sie, wie für ihn, sind die Souveraine nur Tyrannen; alle Mittel, welche dahin zielen, die Erde von den Priestern und Königen, von den Altären und Gesetzen zu befreyen, die fürchterlichsten Verbrechen, in dieser Absicht begangen, sind erhabene Thaten. Aber noch weit mehr, als Weishaupt, verstehen sie die Kunst, ihres Eides zu bilden, ihren Eifer in der Laufbahn der Meuchelmörder und Vatermörder anzufeuren. Hier können selbst die Mysterien von Weishaupt. die Vergleichung mit den der theosophischen Illuminaten nicht aushalten. Man urtheile darüber aus folgender Erzählung:

„Wenn einer, den die Secte durch alle ihre Blendwerk [toute l’illusion des visionaires], zu täuschen gewußt hat, endlich hoffet die Kunst der Wunder, die Wissenschaft der Wissenschaften, in den höchsten Geheimnissen der Adepten zu finden; so schlägt man ihm vor, seine Ergebenheit gegen die Obern, die diese Wissenschaft in ihren Händen halten. zur Vollkommenheit zu bringen. Dieses ist ein neuer Bund, welcher nur noch ein blindes Werkzeug, aller Complotte, darin man ihn ziehet, aus ihm machen soll.

An dem zur Initiirung bestimmten Tage, führet man ihn, auf einem dunklen Fußsteige, zur Prüfungs-Höle. In dieser Höle wird alles angewandt, und in Bewegung gesetzt, was die Imagination schrecken, und allmählig vom Schrecken zum Entzücken leiten kann; Bilder des Todes, Gespenster-Spiel, Blut-Tränke, Begräbniß-Lampen, unterirdische Stimmen etc., bis daß endlich der Adepte wechselsweise erschrecket, ermüdet begeistert, und der Macht seiner Vernunft beraubet, nichts weites mehr vermag, als dem Antriebe zu folgen, der ihm wird gegeben werden.

Die Stimme eines unsichtbaren Hierophanten, durchdringet, alsdann diesen Abgrund, macht das Gewölbe wiederhallen von drohenden Tönen, und schreibt diesen abscheulichen Eid vor, den der Auszunehmende nachsaget.“

„Ich zerreiße die fleischlichen Bande, die mich an Vater, Mutter, Bruder, Schwestern, Frau, Anverwandte. Freunde, Buhlschwestern, Könige, Obere, Wohlthäter, und überhaupt an irgend einem Menschen haften, dem ich Treue, Gehorsam, Dankbarkeit oder Dienste versprochen habe."

„Ich schwöre dem neuen Obern, den ich anerkenne, alles zu offenbaren, was ich werde gesehen, gethan, gelesen, gehöret, erfahren oder errathen haben, und selbst aufzusuchen, und auszuforschen, was sich meinen Augen nicht darstellet. Ich schwöre, die Aqua toffana als ein sicheres, geschwindes, und nöthiges Mittel im Ehren zu halten, die Erde durch den Tod oder durch Schwächung der Seelen-Kräfte, von denjenigen zu reinigen, welche suchen, die Wahrheit geringschätzig zu machen, oder aus meinen Händen zu reißen." (S. die enthüllte rothe Loge p. ir., und die Geschichte des Meuchelmords Gustaph [Gustave] des III., König von Schweden, 4. Abschnitt.)

Wann dieser Eid kaum ausgesprochen ist, so kündiget die nemliche Stimme dem Initirten an, daß er von diesem Augenblick an, von allen, dem Vaterlande und Gesetzen, bislang geleisteten Eiden, freygesprochen sey. „Hüten Sie sich (füget sie hinzu) vor der Versuchung, das, was Sie gehört haben, kund werden zu lassen, denn der Blitz ist nicht schneller, als der Dolg, welcher Sie erreichen wird, wo Sie sich auch aufhalten mögen."

So formten sich die Adepten dieser schändlichen, aus der Raserey von Swedenborg entsprungenen, und nach und nach aus England, Avignon, und Lyon, nach Paris versetzten Secte.

Im Jahre 1781 hatte sich in dieser letzten Stadt in der Straße Sourdiere, ein gänzlich von dieser Art Illuminaten an der Zahl 125 a 130, zusammengesetzten Club formiret. Ihr Chef war ebenfalls der Savalette de Lange, welchen wir mit der Correspondenz in dem Comité des Amis reunis so beschäftiget gesehen haben. Der berüchtigte Graf St. Germain, hielt auch seine Zusammenkünfte irr der nemlichen Loge. Eine besondere Deputation lud den Cagliostro dazu ein. Bis jetzt waren dessen Mysterien nur die eines Marktschreyers gewesen, hier wurden sie die eines wahren Mitverschwornen. In dieser Loge lernete er die Revolution kennen, womit er Frankreich, in dem ihm eigenen Tone, und mit allen seinen prophetischen Possen bedrohete, als er aus der Bastille entlassen, in London wieder auftrat. Von da erhielt er Auftrag, seine Revolution selbst in Rom zu bereiten.
Einer der Adepten, die die Loge la Sourdiere an ihn abgeordnet hatte, war der vormalige Director der Brief-Post zu Bisantz Herr Raymond, ein wahrer Enthusiaste, der den Kopf von Swedenborg und seinen Erscheinungen voll hatte. Von ihm weiß man, daß diese Loge Derozelt aus beynahe 130 zu Paris wohnhaften Mitgliedern bestand, und aus mehr denn 150, auf der Oberfläche der Erde zerstreuter Reisenden oder Correspondenten; daß, gleich dem Holbachschen Club, sie auch ihre Schriftsteller und Druck-Pressen hatte, die beschäftiget waren, ihre Revolutions-Producte zu schmieden, und überall zu verbreiten (42).

(42) Alle diese Umstände weiß ich von einem Mann, der mit dem Director Raymond sehr vertraut gewesen ist, welchen aber alle dessen Bemühungen, nicht in seine Mysterien haben ziehen können. Dieser nemliche Mann, dessen Redlichkeit mir genau bekannt ist, versichert mich, die Protocolle oder schriftlichen Verhandlungen dieser Loge gesehen zu haben, die gewöhnlich bey Clonsier in der Sarbonnen-Straße [chez Clousier, rue de Sorbonne], gedruckt worden, aber in solcher Bilderschrift, daß nur allein die Adepten sie lesen konnten.

Dietrich, der Secretair dieser Loge, vereinigte in seiner Person alle Arten des Illuminatismus. Er hatte neben sich den Condorcet, welchem nichts mehr fehlte, als die Complotte von Weishaupt zu kennen, um sie alle zu umfassen, wenn es anders wahr ist, daß ihn Dietrich nicht schon zum Mit-Bruder von Weishaupt gemacht hatte. -

Der Leser bemerke wohl, aus was für Mitgliedern diese Loge bestand. Wir werden in der Folge wieder zu ihr zurückkehren, um große Greuel zu erklären. Jetzt wollen wir aber noch in neue Maurer-Hölen dringen, deren Kenntniß wesentlich ist, um zu sehen, wie alle Secten, der Ursprung, die Ursachen dieser Greuel in einer einzigen sich vereinigen, und bald nur noch eine Masse von Verschwornen, unter dem höchst unglücklichen Namen von Jacobinern, ausmachen.

Neben allen den Logen, die ich schon genannt habe, waren deren noch zwey andere, und um so mehr zu bemerkende, in Paris, als sie uns zeigen, wie die Verschwornen sich vertheilten, und sich selbst gewissermaßen claßificirten, nach Maaßgabe des Irrthums oder des Interesses, wodurch sie in das Complott sich ziehen ließen, die eine ward genannt die Neun Schwestern, Neuf Soeurs; sie war die der, Philosophen sich nennenenden, Brüder-Maurer. Die andere genannt die Aufrichtigkeit, de Ia Candeur, bestand voremlich aus Maurern, die in der Welt mit allen Ehren-Zeichen des Adels angethan waren, die aber verrätherisch, in ihren Logen, gegen den Adel, und besonders gegen die Monarchie und Religion conspirirten.

Die Loge der Neun Schwestern hatte zum Protector den von den Sophisten verleiteten, mit ihnen conspirirenden und alle ihre Projekte gutheißenden unglücklichen Herzog Rochefoucauld; und zum Venerable Pastorel [Bastorel], der öffentlich dem Glücke und der Aristocratie schmeichelte, auch selbst der Religion schonte; dessen Revolutions-Rolle aber weniger würde Verwunderung erreget haben, wenn man die besser gekannt hätte, die er insgeheim in den Logen spielte. Auch in der seinigen sähe man den Condorcet, dessen Namen sich überall findet, wo man dm von Verschwornen siehet.

Mit ihm standen alle zeitigen Sophisten auf der Liste: Brissot, Garat, der Commandeur Dolomieu [,] Lacépide [Lacépède], Bailly, Camille des Moulins, Cerutti, Fourcroix, Danton, Millin, Lalande, Bonne, Chateau-Randon, Chenier, Mercier [,] Gudin, Lametherie und der Marquis de la Salle, welcher die Loge des Contrat Social nicht philosophisch genug fand, und sich zu Condorcet gesellet hatte; und Champfort, für den die Revolution der Freyheit und Gleichheit niemals geschwind genug ging, bis daß sie ihn in Ketten legte, und in der Verzweiflung, sein Philosophismus ihm nur noch im Selbstmord Freyheit zeigt.

Unter den Abbés oder abtrünnigen Mönchen, sahe man in dieser Loge: Noel, Pingre [Pingré], Mulol [Mulot]. Diese zwey letztern, nebst Lalande, waren außerdem, Mitglieder der geheimen Comités des großen Orients. Dom Gerles, mit Rabaud von St. Etienne, und Pethion, geselleten sich in den ersten Tagen der Revolution, auch zu ihnen in der Loge der Neun Schwestern. Fauchet, mit Goupil de Preseln und Bonneville, eilten der Bouche de Fer zu. Syeys, der eifrigste von allen Brüdern dieser und anderer Revolutionairen-Logen, hatte im Palais Royal, selbst eine neue Loge errichtet, unter dem Namen des Club der zwey und zwanziger; dieses waren die Auserwählten der Auserwählten (Memoiren über die Logen).

Die in den Neun Schwestern herrschende revolutionaire Meynung, kann man noch näher aus den Werken kennen lernen, welche aus der Feder der Brüder, in den Augenblicken flossen, als der Hof die Unvorsichtigkeit hatte, die Sophisten einzuladen, dem Publicum ihr räthliches Gutachten über die Art, die General-Stände zu formiren, mitzutheilen. Eins dieser Werke, das von Lamethrie, las man bey dem Duc de Rochefoucauld. Ein angesehener französischer Herr, von dem ich diese Anecdote habe, machte die Anmerkung, daß dieser Plan für die Religion und für die Rechte des Souveräns beeinträchtigend wäre. Wohlan denn, erwiederte der, von diesen Sophisten begeisterte, Herzog, entweder der Hof genehmiget unsere Projecte, und wir haben alsdann, was wir haben wollen; oder der Hof verwirft sie, und alles, was hieraus für uns entspringen wird, ist die Entbehrlichkeit eines Königs.

Dieses war in der That der Haupt-Gedanke der Maurer-Sophisten solcher, als Bailly, Gudin [,] Lamethrie, Dupont (S. ihre Werke oder ihre Meinungen. Th. 2. dieser Memoiren).
Sie mußten einen, ihrer Gleichheit und Freyheit des souverainen Volks, unterworfenen, König haben, der durch sie gebiete; oder aber, diese eingebildete Weisen bedurften gar keines Königs mehr. Wir werden inzwischen sehen, daß in eben derselben Loge schon Derozeit Sophisten sich fanden, die, so wie Brissot selbst, es nicht weiter nöthig achteten, auf Bedingungen, mit dem Throne sich einzulassen, und die nur anfingen, ihn geringschätzig zu behandeln, um ihn gänzlich zu vernichten. Andere Brüder, deren Köpfe mit andern Planen angefüllet waren, vereinbarten ihren Ehrgeitz mit maurerischer Freyheit und Gleichheit, in der Loge der Aufrichtigkeit de la Candeur.

Von den Rechten des Menschen schon stammelnd, und mit dem vorläufigen Ausrufe, daß die heiligsten aller Pflichten in der Insurrection bestehe, erträumte sich Lafayette, ein Schüler von Syeys, den Ruhm eines Washington.

Die Lameths mit dem Beynahmen, die Undankbaren, suchten darinn nichts weiter, als den Hof für seine Wohlthaten zu bestrafen; so wie der Marquis Montesquieu [Montesquiou] und Moreton de Chabrillant, und Custine, wegen der ihnen bezeigten Verachtung, ihn zu bestrafen. Aber es befanden sich daselbst auch die Philipp Orleans, besonders ergebene Maurer. Sein Rath Laclos, sein Kanzler la Touche, Sillery, der verächtlichste seiner Sklaven, und d'Aiguillon der scheuslichste seiner Vermummeten (43).

(43) Ganz Paris weiß, daß er den fünften Oktober, mitten unter den Furien der Halle, aufgeputzt, gekleidet und bewafnet, wie diese, in Versailles war.

Mit ihnen waren noch in derselben Loge der Marquis von Lusignan, und der Prinz von Broglio [de Broglie], dessen Jugend einen Namen beflecken sollte, der für eine solche Beschimpfung nicht geeignet war.

Guillotin, der einzige Bruder nicht von Stande, den ich in der Loge erblicke, machte die Erfahrung ihrer ganzen Macht.

Als er, wegen einer aufrührerischen Schrift, vor das Parlament citirt war, sahe er zu seiner Vertheidigung, Tausende von Adepten herzuströmen, deren Drohungen und Zusammenrottirung der Obrigkeit fühlbar machten, daß es nicht mehr Zeit sey, gegen die verbündeten Maurer mit Strenge zu verfahren. So war der Zustand der Logen, und der merkwürdigsten Brüder-Maurer in Paris, bey der Ankunft der Deputirten des teutschen Illuminatismus, beschaffen.

Die mehresten Schriftsteller lassen sie in der Straße Cogberon [Coq-héron] abtreten, und ihren Auftrag in der Loge des Contrat-Social ausrichten. Ich befürchte, meine Leser zu diesen Irrthum geleitet zu haben, indem ich im zweyten Theil meiner Memoiren, Kap. 13., einer, in dieser nemlichen Straße, errichteten Loge Erwähnung gethan habe. Man bemerke aber, daß ich Derozeit nur der, dem Herzog Rochefoucauld anhangenden, Sophisten gedacht habe, deren keiner Mitglied des Contrat-Social war. Ich habe in dem Namen der Straße mich irren können, wo die Verschwornen zusammentrafen, aber in denen Verschwornen selbst, habe ich mich nicht geirret.

Um sie recht genau zu unterscheiden, und nicht mit einer andern Art Maurer zu verwechseln, habe ich die aller sorgfältigsten Nachforschungen angestellet; unter andern habe ich mir eine zahlreiche Liste der Brüder des Contrat-Social verschaft (44); ich habe darin sehr königlich gesinnte Männer angetroffen, und nicht einen von denen, die sich, durch Eifer für die Revolution, ausgezeichnet haben.

(44) Ich würde gerne diese Liste mittheilen, nur weiß ich nicht, ob es so vielen Marquis, Barons, Grafen und Herzogen angenehm seyn würde, daß sie öffentlich bekannnt werde. Ich schreibe nicht die Geschichte der hintergangenen Brüder, mir genüget die Verschwornen zu entlarven. — Anmerken muß ich gleichwohl, daß zur Zeit der Verbündung, davon ich zu reden haben werde, die Königinn selbst, zur Aufnahme einiger, weniger aristocratischer, Brüder rieth, aus Furcht, die Loge mögte sonst zu verdächtig werden.

Ferner habe ich die Quelle des für diese Loge, höchst beleidigenden Irrthums entdeckt, in dem, was, unter dem erborgten Namen Jacques le Sueur, der Autor des schmutzigen, und mit Lästerungen gegen die achtungswürdigsten Personen angefülleten Roman, der abgerissenen Larven (des Masquesarrachés) von ihr gesagt hatte. Dieser Autor setzt unter die Zahl der Revolutions-Verschwornen, Männer, die ich in Paris jederzeit als Feinde der Revolution gekannt habe. Er macht zu Mitgliedern des Contrat-Social Maurer, die niemals dazu gehöreten, als den Herzog la Rochefoucauld, den Abbé Fauchet, Bailly und Lafyette. Er läßt sie von dem Groß-Meister Philipp Orleans regieren, und niemals hat sie eine andere Abhängigkeit als die von Edemburg anerkannt.

Der Notorität zuwider [Contre la foi publique], bürdet er dem würdigen Kardinal von Malines, Sitten auf, die mir dem guten Ruf der Weisheit und allen andern Tugenden dieses Prälaten, im offenbarsten Widerspruche stehen.

Ueberhaupt sehe ich gar nicht ein, daß man die Autorität dieses vorgeblichen le Sueur anführen könne; es sey dann, in dem, was er von der Aufnahme der Illuminaten-Philaleten sagt; aber auch da mischt er abscheuliche Personalitäten mit ein, und macht sich zum Acteur der Scene, wenn er nur Schrift-Dieb (pIagiarius) [plagiaire] von Mirabeau ist.

Ueberdem habe ich überzeugende Beweise, daß die Gesandte von Weishaupt sich nicht an größere Feinde ihres Systems, es sey maurerisch oder desorganisirend, hätten wenden können, als an die Mitglieder, des Contrat-Social, da diese das berüchtigste Werk von Bonneville, dem größen [besser: grossen] Freunde von Bode, in versammleter Loge verbrennen ließen.
Endlich habe ich auch den Original-Beweis in maurerischem Styl, den, von einem Mann meiner Bekanntschaft, abgefaßten Brief in Händen, welchen der Contrat-Social, nach angestellter Ueberlegung,. an viele andere Logen erlassen hat, um sie zu bewegen, mit Ludewig dem XVI., wider die Jacobiner, sich zu vereinigen.

Wahr ist es, daß die royalistischen Brüder des Contrat-Social, in dem Projecte zu einem maurerischen Bündnisse, durchaus hintergangen wurden; sie luden die Logen ein, sich zu coalisiren, den König der Constitution von 1789 zu vertheidigen. Ludewig der XVI. welcher in der That gesonnen war, den, zu Gunsten dieser Constitution, ihm abgedrungenen Eid zu halten, war mit der Liste der verbündeten Maurer sehr zufrieden.

Der Minister la Porte beurtheilte sie nicht so. Als er den entworfenen Plan [la planche tracée], und die Zahl der Unterzeichneten sahe:
es ist unmöglich, sagte er, daß diese Leute nicht constitutionel seyn sollten, und daß man wahre Royalisten aus ihnen machen könne. — Lassen sie uns anfangen, antworten die Agenten des Contrat-Social, den König so zu erhalten, wie er ist; und wir wollen nachher suchen, die wahre Monarchie herzustellen.

Diese Antwort entschuldiget die Brüder des Contrat-Social, aber ihre Absicht machte darum nicht weniger die Täuschung vollkommen.

Beym ersten Anblick konnten sie sehen, und sahen es nicht, daß die mehresten der unterzeichneten Brüder, mit ihrer Gleichheit und Freyheit, unter einem Könige, Dogen des gesetzgebenden Souverain-Volks, zufriedene Menschen waren: daß Lafayette und Bailly und mehrere andere Revolutionisten, den Plan unterschrieben haben würden, ohne darum aufzuhören, Jacobiner und Rebellen zu seyn.

Sie sahen nicht, daß diese nemlichen constitutionelle Brüder dem Contrat-Social sich entgegengelegt haben würden, wenn sie gewußt hätten, daß man suche, den König in alle seine alten Rechte einzusetzen. Sie sahen nicht, daß es leichter war, constitutionelle Brüder zu der ganzen Demokratie des großen Clubs zu leiten, als wahre Royalisten daraus zu machen. Hauptsächlich war ihnen unbewußt, daß in den Logen viele Adepten der Demokratie sich befanden, die sie, als Verräther der Freyheit und Gleichheit, anklagen würden.
Dieses geschah in der That. Umsonst endigten die Urheber der Föderation ihren Brief mit den Worten:

„Dieser Plan ist nur für euer Kapitel. Macht, mit Vorsicht, Gebrauch davon. Wir haben ein gedoppeltes heiliges Interesse in Obacht zu nehmen; das der französischen Monarchie, und ihres Königs; das der Maurerey und ihrer Glieder."

Das Interesse der Maurerey überwog alles andere. Während daß die Halb-Adepten den Plan unterschrieben, denuncirten ihn, die besser unterrichteten Brüder, seinem ganzen Inhalt nach, dem großen Club, und die vom Contrat-Social werden in Bann gethan. Von dieser That-Sache vergewissert, und da ich überdem sehe, daß die Brüder des Contrat-Social in diesem Plane ausdrücklich sagen, es müssen überhaupt keine politische und berathschlagende Clubs seyn; auch von vielen Freymaurern mir versichert worden, daß aus dem Comité des amis reunis, die Einladung mit den teutschen Brüdern zu delibriren, hervorgegangen oder erlassen sey; so kann ich den Schriftstellern nicht beypflichten, die sie bey dem Contrat-Social abtreten lassen, und dieser Loge, die nach ihrer Ankunft, formirten politischen Comités zuschreiben. Es, kann wohl seyn, daß Local-Convenienzen, eine dieser politischen Comités in die nemliche Straße versetzt haben. Aber gewiß bestand sie nicht aus Mitgliedern des Contrat-Social.

Auch ist die angeblich von Orleans herrührende, über der Thür dieser Loge: ein jeder bringet seinen Licht-Strahl hieher, eine Fabel. An die Comités des amis reunis, und nicht an den Contrat-Social, adressirte demnach Mirabeau seine, aus Teutschland angekommene, Brüder. Savalette und Bonneville, hatten aus dieser Comité, den Vereinigungspunct, der eifrigsten Adepten für die Revolution, und der erfahrensten in den Mysterien gemacht. Dahin begaben sich an den bestimmten Tagen und Stunden, und ohne Unterschied, aus allen Logen in Paris, selbst aus den Provinzen, alle diejenigen, welche die Secte zu ihren geheimsten Berathschlagungen berief.

Es trafen daselbst zusammen, die auserwählten Philaleten, und die auserwählten Kadosch, oder Rosencreuzer, die aus der Straße Sourdiere des Neufs Soeurs, der Neun Schwestern, und de la Candeur, der Aufrichtigkeit, und selbst aus den geheimsten Comités des großen Orients. Es war der Sammel-Platz der reisenden Brüder die von Lyon, Avignon oder Bordeaux kamen. Die aus Teutschland mit den neuen Mysterien angekommene Brüder, konnten in Paris kein günstigeres Centrum für ihre Mission finden; da war es wo sie den Gegenstand und die Wichtigkeit ihres Auftrags darlegten. Der Codex von Weishaupt wurde auf den Expeditions-Tisch gelegt, und man ernannte Commissarien, zu dessen Untersuchung, und zur Berichts-Erstattung. -

Hier aber schließen sich die Thüre des unterirdischen, Senats für die Geschichte. Ich schmeichle mir nicht, hineinzudringen, um die Deliberationen umständlich mittheilen zu, können. Ich kenne viele Brüder, die im allgemeinen, der Deputation sich noch erinnern, aber kaum erinnern sie sich des Amelius Bode, und des Bayard Busche anders, als unter dem National-Namen der teutschen Brüder. Sie haben wohl gesehen, daß ihnen in verschiedenen Logen, diejenigen Ehrenbezeugungen gemacht worden, welche man nur den besuchenden Brüdern von großer Wichtigkeit erzeigte; aber in diesen Besuchen, wurde auch die, zwischen den alten Mysterien und den von Weishaupt, zu schließende Allianz nicht verhandelt.

Alles, was meine Nachrichten davon sagen, ist, daß man zu förmlichen Unterhandlungen schritt, davon die Deputirten nicht verfehlten, an ihren Areopagus zu berichten; daß diese Unterhandlungen länger dauerten, als man anfänglich erwartet hatte, daß sie endlich mit dem Beschlusse sich endigten, die neuen Mysterien in den französischen Logen einzuführen, ohne in ihrer alten Form etwas zu verändern; sie zu illuminiren, ohne selbst den Namen der Secte, ihnen bekannt zu machen die diese Mysterien ihnen zuführten; und aus dem Codex von Weishaupt endlich nichts anders zu nehmen, als die den Umständen angemessene Mittel, die Revolution zu beschleunigen.

Wenn die Thaten, welche gleich auf die Unterhandlung folgten, uns nicht bestimmtere Begriffe von ihren Resultaten gegeben hätten; so würden wir, über die großen Successe, wovon die Illuminaten, Amelius und Bayard, die Nachrichten an die teutschen Brüder zurück brachten, in Ungewißheit geblieben seyn. Aber diese Thaten reden zu der Geschichte; wir wollen die Epochen näher zusammen rücken, und so wird es uns leicht werden, daraus abzuleiten, was die französische Revolution der teutschen Ambassade zu danken hat.

In der Epoche der illuminirten Deputirten befanden sich noch zu Paris, eine Menge Charlatane, die um das Geld der Lebendigen, die Geister und Todten hervorriefen, oder aber schlaue Schafe magnetisirten, und nachtwandern machten; ist zu sagen, wohl unterrichtete Gaudiebe in der Rolle, die sie zu spielen hatten, und hauptsächlich in der Kunst, Crisen vorzuspiegeln, und sich in Rapport zu setzen; es gab deren auch die heileten für das Geld der Kranken, Gesunde heileten; mit einem Wort, es war zu der Zeit, als Mesmer noch, mit Beyfall, sein Wesen trieb.

Ich mache diese Anmerkung, weil es gewiß ist, daß die Deputirten des Illuminatismus, die Absicht ihrer Reise, unter dem Vorwande verbargen, in der Wissenschaft von Mesmer sich zu unterrichten, deren Ruf sie aus dem Innern von Teutschland, angeblich herbeiziehe; hauptsächlich mache ich sie aber, weil dieser Umstand uns nicht erlaubt, ihre Ankunft später, als bis in das Jahr 1787 hinauszusetzen. Denn schon im folgenden Jahre machte man sich in Paris beynahe nichts mehr mit den Mesmerismus zu schaffen: Die Magnetisir-Geräthschaften waren nur noch bey einigen, sich lächerlich gemachten, Adepten anzutreffen, und das Hotel der Herzogin von Bourbon diente denselben fast noch zur alleinigen Stütze. Zu der Zeit würde also jener Vorwand eben so lächerlich gewesen seyn, als es die von Mesmer hinters Licht geführte, geworden waren.

Die Notablen, das Parlament, und Brienne und Necker, beschäftigten die Pariser mit wichtigeren Gegenständen. Meine Nachrichten, und die am besten unterrichteten Personen, die Freymaurer selbst, deren Logen sie als besuchende Brüder durchwanderten, bestimmen übrigens die Ankunft dieser Deputirten zur Zeit der ersten Zusammen-Berufung der Notablen, deren erste Sitzung den 22. Februar 1787 sich eröfnete: Von eben diesem Jahre an, zeigen sich auch in der That deutliche Spuren unter den französischen Freymaurern von dem Einflüsse des Weishauptschen Codex. In diesem Jahre verschwanden zuerst die Mysterien des amis reunis, und der andern, der vorgespiegelten Mysticität der Martinisten [la mysticité simulée des Martinistes], ergebenen Logen; selbst der Name der Philaleten schien in Vergessenheit zu kommen.

Den maurerischen Geheimnissen wird eine neue Wendung gegeben, ein neuer Grad wird in den Logen eingeführet, und die Pariser Brüder eilen, ihn den Brüdern in den Provinzen zuzusenden.

Die Adepten laufen den neuen Mysterien zu. Ich habe den Denkzettel eines Bruders unter meinen Augen, der gegen das Ende des Jahrs 1787 den Codex davon in seiner Loge erhielt, mehr als achtzig Meilen weit von Paris. Zufolge der getroffenen Uebereinkunft, behielt dieser neue Grad, die maurerischen Sinnbilder und Gebräuche bey; das Band war Auror-Farbe, das Kleinod ein Stern, das Fest wurde zur Zeit der Tag- und Nacht-Gleiche, gefeyert; aber die Grundlage der Mysterien war, eine, nach der des Hyerophanten Illuminaten-Epopten, abgemessene Rede. Die Morgen-Röthe eines schönen Tages kündigt sich an; das bisher unbekannt gewesene Geheimniß der Freymaurer, wird das Eigenthum aller freyen Menschen werden.

Hierin waren alle Principien der Gleichheit und Freyheit, und der vorgeblichen natürlichen Religion, enthalten, welche Weishaupt in seinem Epopten-Grade auskramet; sie wurden mit eben demselben Enthusiasmus vorgetragen. Die Reden des Initianten-Sonnen-Ritter oder Kadosch, waren mit dieser in keine Vergleichung zu stellen.
Der Freymaurer, von dem ich diese Nachricht habe, hatte alle andere Grade erhalten, und dennoch empörten ihn die neuen Mysterien; er weigerte den Beytritt; aber, fügt er hinzu, der größte Theil der Brüder dieser Loge, war dergestalt davon electrisiret, daß sie die eifrigsten Anstifter der Revolution wurden. Einige haben darin merkwürdige Stellen bekleidet, und einer von ihnen selbst, ist bis zum Minsterio gelanget.

Der Name Illmninat [le nom d’Illuminé], ward gleichwohl in diesem Grade nicht genannt; es war einzig und allein eine neue Erklärung des Ursprungs der Maurer und ihrer Geheimnisse. Die Brüder waren zu dieser Erklärung reif; sie standen in Frankreich auf eben demselben Puncte, als Knigge seine Freymaurer des protestantischen Teutschlandes uns schildert; sie hatten keine längere Prüfungen nöthig; sie wurden mit eben derselben Leichtigkeit illuminirt; auf den Namen kam es nicht an; sie erhielten die Grade, und wurden mit dem nemlichen Enthusiasmus angefüllet.

Bis zu diesem Augenblick war es nicht ganz leicht über die Disposition der französischen Logen zu urtheilen, zu welchen Art von Revolution sie sich schlagen würden. Die Freymaurer überhaupt, wollten eine Verändrung der Constitution, aber ihre desorganisirende Gleichheit und Freyheit, zeigte sich nicht in ihren ganzem Lichte, als bey den Auserwählten der Auserwählten. Ihre Mysterien enthülleten sich in ihren Hlnterhalts-Graden, aber die Beweise ihres Schreckens herrschten mehr darin, als die Ueberzeugungs-Mittel, Ich kenne Maurer, die in dem Kadosch-Grade allem Gottesdienst und jedem Könige, Haß geschworen hatten, und die kurze Zeit nachher, den Eid vergaßen, und nicht weniger für die Monarchie sich entschieden. Bey den mehresten Brüdern überwog der französische Sinn, den für die Freymaurerey: Meinung, und Herz blieben noch immer für den König gestimmet.

Man mußte diese Stimmung der Brüder besiegen, dazu waren alle Kräfte des Sophismus, und alle Täuschungen der Hyerophanten erforderlich.

In seinem Epopten-Grade schien Weishaupt sein Genie erschöpft zu haben, um seine Zöglinge zu der Verachtung der Altäre zu dem Haß der Throne zu leiten. Da war es, wo er Principien zum Grunde legte, auf deren Folgen drang, und die Herzen mit einem Feuer der Wuth entflammete, wovon er selbst gegen die Könige glühete.

Diese Wirkung brachte auch sein maurerischer Epopte hervor. Aber die Zahl der in den alten Logen für den Illuminatismus angeworbenen Brüder, war nicht hinreichend; Weishaupts Epopte vermahnet seine Adepten, sich durch die Menge zu verstärken; auch sahe man in der Epoche des neuen Grades, und der Abreise der Deputieren, in Paris und in den Provinzen, die Logen zahlreicher werden, als jemals, und das Freymaurer- System über die Wahl der Brüder sich verändern. So herabgewürdiget auch die Freymaurerey schon war, so bestanden doch bis dahin nur selten ihre Versammlungen aus Hand-Arbeitern des gemeinen Pöbels.

Damals hingegen waren die Vorstädte St. Antoine und St. Marceau, mit Lastträger- und Schuhputzer-Freymaurern angefüllet. Damals ließen die in den Flecken und Dörfern zerstreuete Adepten, sichs angelegen seyn, Logen zu errichten, wo der geringste Handwerker und Bauern sich einfanden, um von Gleichheit und Freyheit schwatzen zu hören, und mit den Menschen-Rechten die Köpfe sich zu erhitzen.

Damals forderte selbst Orleans alles auf, an den Mysterien Theil zu nehmen, und ließ sogar die französischen Garden Freymaurer werden, die zur Belagerung der Bastille und von Versailles bestimmt waren.

Man frage die Offiziers dieser Legionen, und sie werden antworten, daß sie in dieser Epoche die Logen der Gleichheit verließen, als sie solche mit ihren Untergebenen angefüllet sahen. In dieser nemlichen Epoche stiftete man in Parts eine Menge Clubs und Gesellschaften, gleich denen, welche die teutsche Union jenseit des Rheins vervielfältiget hatte. Nicht gewöhnliche Logen sind es mehr, es sind Clubs, anordnende Comités, politische Comités. Alle diese Clubs deliberiren; ihre Beschlüsse, so wie die des Comité der Schwarzen (des Noirs), werden an die Comité der Correspondenz des großen Orients gebracht; von da gehen sie an alle Venerable der Provinzen.

Dieses ist Weishaupts Kette; ist die Kunst, in einem Tage die Völker von Morgen bis Abend, von Mittag bis Mitternacht, zum Aufstande zu bringen. Der letzte oder vornehmste dieser anordnenden oder regulirenden Clubs, ist im Grunde nichts anders, als der aus Teutschland nach Parts versetzte Areopagus. Die Stelle von Spartacus, Philo, Marius, vertreten Orleans, Mirabeau, Syeys, Savalette und Condorcet.

Kaum haben sie die Kette von Weishaupt kennen gelernet, so ist sie schon veranstaltet, und nach alten Seiten ausgebreitet. Die Instructionen gehen aus, bis an die äußersten Gränzen, und allen Venerablen wird aufgegeben, deren Empfang anzuzeigen und ihrer Antwort, den Eid hinzuzufügen, alle Befehle, die auf gleiche Weise ihnen zukommen, treu und pünctlich auszurichten. Diejenigen, die damit Anstand nehmen würden, sind mit der Aqua-tophana, und den Dolchen, welche die Verräher erwarten, bedrohet. (45) (S. §. 2. dieser Memoiren Kap. 13.)

(45) Die Epoche dieser Briefe, dieser Befehle, und dieser Drohungen, ist die der Staaten von Bretagne gegen den Junius und Julius 1788. Zu der Zeit erhielt wenigstens ein Maurer-Kadosch, Mitglied dieser Staaten, den Brief. Der neue Grad war sechs Monat vorher übersandt worden.


Den Brüdern, die diese Befehle erschrecken und empören, bleibt kein ander Mittel übrig, als die Logen und den Hammer, unter einem Vorwande, welchen die Furcht und der Schrecken ihnen eingeben können, zu verlassen. Eifrigere Brüder bleiben an ihrer Stelle; (Ibid.) die Befehle folgen einer dem andern, und werden dringender, bis zu dem Augenblicke, wo die General-Stände eintreffen.

Der Tag des allgemeinen Aufstandes ist auf den 14ten Juli 1789 anberahmet. An diesem Tage lässet das Geschrey von Freyheit und Gleichheit, außer den Logen, sich hören; Paris bewafnet sich mit Aexen, Bayonetten und Picken; die Bastille ist gefallen.'

Die Couriere, welche die Nachricht davon den Provinzen überbrachten, kamen zurück und sagten, daß sie überall Dörfer und Städte in Aufruhr gesehen hätten, daß auf dem ganzen Wege Freyheits- und Gleichheits-Geschrey eben so widerhalle, wie bey den Brüdern, in der Haupt-Stadt. An diesem Tag sind alle Logen, alle Maurer-Hölen verschwunden. Man findet keine wahre Adepten mehr, als in den Sessionen, auf den Rathhäusern und in den Revolutions- Comitéen. So wie sie in den Wahl-Versammlungen geherrscht haben, herrschen sie in der sogenannten National-Versammlung.

Ihre Räuber-Horden haben ihre Kräfte versucht; die Barrieren von Paris sind verbrannt; in den Provinzen liegen die Schlösser in der Asche; das fürchterliche Lanternen-Spiel [le redoutable jeu des lanternes] hat angefangen; Köpfe sind auf Picken getragen worden; der Monarch ist in seinem Schlosse belagert gewesen; seine Garden sind hingeopfert; Wunder der Treue und des Muths haben einzig und allein, das Leben der Königin gerettet; der Souverain ist gefangen in seine Haupt-Stadt geführet.

Wir wollen die Erinnerungen jener Greuel abkürzen, Europa kennt sie und schaudert; aber lassen Sie uns wieder zu der Hand zurückkehren, die deren Kette leitet, und sie organislret.

Die Kunst der Correspondenz hat die Brüder aus ihren Logen treten machen, und Frankreich hat an einem Tage das Schauspiel einer Million Furien dargestellet, die überall das Freyheits- und Gleichheits-Geschrey erhoben, und überall gleiche Verwüstungen machten.

Welche Menschen haben denn bis jetzt, über diese ersten unglücklichen Begebenheiten, das Präsidium geführet?

Die ganze Geschichte zeiget uns eine neue Höle, wo, unter dem Namen des Bretagner-Clubs [Club Breton], Mirabeau und Syeys, Barnave, Chappellier, der Marquis de la Coste, Glezen, Bouche, Pethion, das heißt, wo der engere Ausschuß der Adepten der Hauptstadt und der Provinzen, die Stelle der Central-Comité vertritt, und vermittelst der künstlichveranstalteten Correspondenz, die Zeit und die Art der Insurrektion bestimmet hat.

Noch stehen sie aber auf der ersten Stufe ihrer Verbrechen; die lange Reihe derer, die sie weiter im Sinne haben, erfordert noch eine Vereinbarung der dazu dienenden Mittel und Hände. Um alle diese zu dirigiren, erwarten sie, mit Ungeduld, die Zeit, aus ihren Finsternissen hervortreten zu können. In einem Gottes-Hause, in der Kirche der Jacobiner genannten, Ordens-Geistlichen, rufet Mirabeau alle Adepten der Pariser Logen zusammen; da nimmt er, mit den Männern seines Bretagneschen-Clubs, seinen Sitz.

Die Horde seiner mitverschwornen Brüder eilet, seinem Aufrufe zu folgen. Von diesem Augenblicke an, ist dieser Tempel oder diese Kirche in der Geschichte der Revolution, nur noch unter dem Namen von Club bekannt; der Name dieser ehemaligen Ordens-Geistlichen, die darinn vor Zeiten Lobgesänge zur Ehre des lebendigen Gottes erschallen ließen, ging selbst zu der Horde über, die eine Schule der Gottes-Lästerung und den Mittelpunct ihrer Complotte daraus machte. Bald wird nun ganz Europa die Anführer, die Agenten, die Beförderer und Bewunderer der französischen Revolution nicht weiter kennen, als unter der Benennung von Jacobinern.

Da der Fluch über diese Benennung einmal ausgesprochen war; so war es gewissermaßen gerecht, daß in und unter derselben, alle die begriffen und verstanden werden, die wider Gott, wider die Könige, und wider die bürgerliche Gesellschaften conspirirten.

Wir müssen uns gefallen lassen, in diese Höle, das Vorbild aller derer, welche die Secte unter gleichem Namen in den Provinzen etablirte und vervielfältigte, zu treten. Dahin führet uns endlich das uns vorgesteckte Ziel, den vielen Verschwörungs-Secten, von ihrem Ursprung an, bis zu dem Zeitpuncte zu folgen, wo sie alle in eine zusammengeschmolzen, das ungeheure Ganze, Jacobiner genannt, ausmachen. Bislang haben die Finsternisse sie mit ihrem Schleyer bedecken, und unsere Angaben und Beweise vielleicht nicht für einen jeden Leser zureichend seyn können, um diese unglückliche Verbindung, beym Eintritt der Sophisten in die Maurer-Logen, anfangen und durch die Vereinigung der Sophisten mit den Deputirten des Illuminatismus, vollenden zu sehen: aber hier in dieser Höle zeiget sich auf einmal alles, durch denselbigen Eid vereiniget.

Sophisten und Adepten der Hinterhalts-Logen, Rosen-Creuzer, Sonnen-Ritter und Kadosch-Maurer, Schüler von Voltaire und von Jean Jacques, Adepten der Tempel-Herren, Abkömmlinge von Swedenborg und St. Martin, und Weishaupts Epopten; alle arbeiten hier mit vereinigten Kräften, an den Revolutions-Zerstörungen und Frevelthaten.

[Hier sind 15 Zeilen nicht übersetzt worden.]

Man suche sie nicht mehr in dem Holbachschen Hotel, oder in ihren Logen, diese haben sie verlassen, und sind zu dem neuen Schlupfwinkel übergangen. Alle sind sie in dem Club der Jacobiner befindlich, und haben sie sogar allda den Mantel der Philosophie abgelegt, und mit der rothen Mütze sich bedeckt. Alle Condorcet, Brissot, Bailly, Garat, Ceruty, Mercier, Rabaud, Cara, Gorsas, Dupui, Dupont, Lalande, Atheisten, Deisten, Encyclopedisten [,] Oeconomisten, Philosophen sich nennende aller Art, alle stehen sie auf der Liste der Jacobiner, und in der ersten Reihe der Rebellen, so wie sie vorhin auf der der Gottesvergessenen standen.

Sie sind mit dem Kehrich der Straßen-Räuber, und der Logen, so wie mit den Helden der Schandthaten und Mysterien, mit den Banditen von Philipp d' Orleans, wie mit dessen würdigsten Advocatens Chabroud und seinem Neben-Buhler Lafayette vergesellschaftet. Sie befinden sich da mit den Apostaten der Aristocratie, so wie mit den Judassen des Clerus, mit dem Herzog von Chartres, dem Marquis von Montesquiou, de la Salle, dem [besser: den] Grafen von Pardieu, de Latouche und Charles [,] Theodor Lameth, Victor de Broglie, Alexander Beauharnois, St. Fargeau; wie auch mit Syeys und Perigord d'Autun, Noel, Chabot, Dom Gerles, Fauchet und seinen Intrüs [ses intrus].

Nicht von ohngefähr, erblicket man in dieser Höle, alle die alten Verschwörer, der Pariser Logen und Lyceen, und alle die Brüder, die in den der Provinzen sich ausgezeichnet haben.

Barrere, Menduze [Mendouze], Bonnecarrere und Collot d' Herbois. Nicht von ohngefähr ist es, daß zu Paris, wie in den Provinzen, alle Jacobiner-Clubs, hauptsächlich aus Rosen-Creuzern oder Tempel-Herren, Sonnen-Rittern oder Kadosch-Adepten bestanden; aus denen insbesondere die unter dem Namen von Philaleten zu Paris, Lyon, Avignon, Bordeaux oder Grenoble, den Mysterien von Swedenborg anhingen.

Man sehe jetzt die eifrigen Brüder-Martinisten, die Savalette de Lange, die Milanois, oder aber die Villermoz. Sie hatten die Rosen-Creuzer ihre alten Vorgänger übertroffen, und werden sie noch bey den Jacobinern übertreffen (46).

(46) Ich finde in meinen Nachrichten, daß diese Beobachtung den Teutschen nicht entgangen ist. Unter den Freymaurern, die bey den Rosen-Creuzern oder Philaleten vorhin große Träumer oder Geister-Seher waren, fanden sich bald die eifrigsten Apostel von Weishaupt, und seiner Revolution.

Die Teutschen erwähnen insbesondere des, auch im Preußischen sich berüchtiggemachten Martinisten Hülmer (47) und eines George Föster [Georg Forster?], welcher in den Mysterien von Swedenborg, vierzehn Tage fastete und betete, um, bald die Erscheinung eines Geistes, bald den Stein der Weisen zu erhalten. Der eine und der andere, sind nun die rasendsten Jacobiner. Wir haben in Frankreich auch Beyspiele dieser Art gehabt; vorzüglich können wir den Prunelle de Lierre anführen, der aus einem liebenswürdigen Manne und guten Naturalisten, erst eine Martinistische-Nacht-Eule [une espèce de hibou martiniste], und durch eine neue Verwandlung, ein eben so rasender Jacobiner als Föster, ward. Der Buchhändler Perisse war in Lyon für die Correspondenz der Martinisten das, was Savalette zu Paris war, nur war er weniger vorsichtig. Man sahe ihn nach der Loge gehen, mit einem Porte-Feuille, das sein Domestique kaum tragen konnte. Weishaupts Mysterien befanden sich darinn; die Revolution erfolgte, und Perisse ward aus einem Adepten desselben, einer der eifrigsten Jacobiner, gleichwie sein Mit-Adepte Milanois.

Was kann man nicht von den Martinisten in Avignon sagen! Kann wohl irgend etwas die Grausamkeit der Aufhetzer dieser Loge übertreffen? Alles dieses bestätiget immer mehr, daß von den Adepten Swedenborgs zu den von Weishaupt nur ein Schritt zu thun war. Die angebliche Theosophie des einen, ist nicht mehr werth, als der Atheismus des andern, Weishaupt führete grader zum Ziele; aber die Ausrottung aller Religionen, war der gemeinsame Zweck ihrer Mysterien.
Merkwürdig ist es, daß Weishaupt im Begriff war, die seinigen auch auf die Theosophie des Feuer-Principiums und auf die Theologie der Perser zu begründen; so wie die Ritter des Phönix, die Philaleten und Martinisten es gethan hatten. (S. Or. S. der Illum. Th. 1. Br. 46.)

(47) S. die dem XIII Kap. nachgetragene Berichtigung.)

Sie haben sich alle zu Weishaupten gewandt, und sind aus seinen Adepten die eifrigsten Jacobiner geworden. (S. Liste der vornehmsten Jacobiner, in dem Werke betitelt: Ursachen und Wirkungen der Revolution.)

Welcher Ursache man aber auch diese Vereinigung so vieler Verschwornen und so vieler Systeme zuschreibt, so leidet sie weiter keinen Zweifel.

Mit der Ankunft von Bode hatte sie den Anfang genommen, und ohnstreitig war sie, in dem Jacobiner- Club, zur Vervollkommung gediehen.

Wir haben sie alle in dieser Höle gesehen; ihre Liste ist publiciret, sie allein befasset alle andere Listen der Hinterhalts-Adepten, die bis dahin in ihren Logen zerstreuet waren. Und hier ist nicht eine bloße Local-Vereinigung; es ist nicht eine bloße Gleichförmigkeit der Verschwornen, es ist eine Gleichförmigkeit oder Uebereinstimmung in Grundsätzen, in Formen, Eiden und Mitteln, es ist der Zusammenfluß der Verschwornen, der die Coalition veststellet.

Man lese alle in diesem Club gehaltene Reden, alle Journale der Brüder, und sehe ihre, von nun an, offene, Archive. Ihre Götter sind da, Voltaire und Jean Jacques; so wie sie vorhin die Götter der Sophisten in ihren Lyceen waren. Da erschallen noch, der nemliche Sophismus, dieselben Gottes-Lästerungen, wie im Holbachschen Hotel wider das Christenthum, und dieselbigen Lobpreisungen der Gleichheit und Freyheit, welche in den Logen aller Secten das wichtigste Geheimniß ausmachten. — Die Adepten dieser Gleichheit und Freyheit, glaubten noch in ihren ersten Schlupfwinkeln sich zu befinden, wenn sie in den Jacobiner-Club treten.

Das Costüme und die Symbole haben sich verändert, die rothe Mütze, die in die Stelle der Schürze und des Winkelmaaß getreten ist, bemerkzeichnet den Gegenstand der Alten Mysterien um so deutlicher.

Der Präsident ist ihr Venerable; die Brüder begehren, und er bewilliget, oder er weigert das Wort, ganz dem Gebrauche der Logen gemäß. Die Deliberationen werden angestellet, und die Stimmen werden gesammelt, wie in der Halle der Mysterien. Die Gesetze der Jacobiner und der Freymaurer, wegen der Aufnahme oder Abweisung der Brüder, sind auch die nemlichen. Wie im großen Orient, oder in der Loge des amis reunis, und in allen Logen, wird jeder Candidat verworfen, wenn nicht dem Club zwey Pathen ihn vorschlagen, die für seine Aufführung und Unterwürfigkeit bürgen. Zu mehrerer Vergewisserung dieser seiner Unterwürfigkeit muß er auch eben den Eid schwören, den die Maurer bey der Initiirung in die höchsten Mysterien schwören.

Um Jacobiner zu werden, muß der Initiirte, gleich dem, der Rosen-Creuzer-Illluminat, oder Weishaupts Bruder zu werden begehret, den Beschlüssen der Brüder, blinden und unbedingten Gehorsam geloben. Insbesondere muß er gleich Anfangs schwören, allen, den Beschlüssen des Clubs gemäß, von der National-Versammlung erlassene Dekrete, zu befolgen und befolgen zu machen.

Nächstdem muß er sich verbindlich machen, dem Club einen Jeden zu denunciren, von dem er weiß, daß er diesen vom Club eingegebenen Dekreten sich zuwiderleget; daß er bey dieser Denunciation keine Ausnahme machen wolle, so wenig in Ansehung seiner vertrautesten Freunde, als seines Vaters, seiner Mutter, oder irgend eines andern Gliedes seiner Familie. Endlich muß er, gleich allen Adepten von Weishaupt, schwören, alles auszuführen, und ausführen zu lassen; was die vertrautesten Mitglieder dieses Clubs befehlen werden; selbst alle diejenigen Befehle, die etwa mit seiner Beurtheilung, und mit seinem Gewissen, im Widerspruch stehen mögten. (S. Nachrichten über den Jacobiner Club).
Denn, bey den Jacobinern, wie im großen Orient, giebt es innigst vertraute Comités und Brüder.

Alle diese Brüder haben die Logen nicht verlassen, um auf ihre Mittel die Revolutionen anzufachen, zu verbreiten und zu beschleunigen, Verzicht zu thun.

Es giebt bey ihnen, wie in dem großen Orient, Bericht- [,] Finanz- und Correspondenz-Comités, endlich auch noch eine vierte Comlté, vorzugsweise, die geheime Comité benahmet. Und beynahe alle diese Mitglieder der Comitéen sind die, welche wir schon gesehen haben, aus ihren Logen zu dem Club sich begeben. (S. die Liste dieser Comités, in den Ursachen und Wirkungen der Revolution, oder Montjoil [Montjoie] über Orleans-Conspiration, Buch 13.)

Endlich finden sich noch in dem Jacobiner-Club, so wie in den Hinterhalts-Logen der Illuminirten-Freymaurer, Gesetze der Ausschließung und der Proscription, eine schwarze und eine rothe Liste. Die rothe Liste, ist auch eine Blut-Liste, die Namen der ausgeschlossenen Brüder, stehen niemals vergebens darinn aufgezeichnet. Paris hat mehr als einmal ihre Namen gelesen, es hat sie unter dem Beil hinrichten sehen, oder durch die Flucht dem Tode entrinnen. (Ibid; und Brissot an seine Committenten, nach seiner Ausschließung von den Jacobinern.)

Diese Jacobiner-Höle hat also mit den Hinterhalts-Logen, in deren Stelle sie getreten ist, alles gemein: Gleichförmige Adepten, gleichförmige Zwecke, Principien, Complotte, Mittel und Eide; alles zeiget dem Geschichtschreiber die Coalition der Adepten der Ruchlosigkeit, des Aufruhrs und der Anarchie, die von nun an, nur eine und dieselbe Secte, unter dem unglücklichen Jacobiner-Namen, ausmachen.

Wir kannten sie schon, die einen als Sophisten, die andern als Hinterhals-Maurer [eher: Hinterhalts-Maurer], und noch andere endlich als Illuminaten. Sie, haben diese Unterscheidungs-Namen abgelegt, und sind die einen, wie die andern, nichts weiter, als Jacobiner. Es hat uns Mühe gemacht, die Beweise dieser schrecklichen Association aufzustellen.

Von der Zeit an, daß Voltaire, zu Gunsten seiner Gleichheit und Freyheit, schwur, den sogenannten Infamen unter die Füße zu treten; daß Montesquieu bey einem jeden, den Monarchen und den Gesetzen, die es nicht selbst gemacht hatte, unterworfenen Volke, nur Sklaven sahe; daß Jean Jacques in dem ganzen menschlichen Geschlechte nur den für einen Uebelthäter erkannte, der, nachdem er zuerst einen Strich Landes umzäunet hatte, es sich beygehen ließ, zu sagen: dieses ist mein Eigenthum; und so der Stifter der bürgerlichen Gesellschaft ward; bis zu dem unglücklichen Zeitpunkte, wo die Schüler von Voltaire, von Montesquieu, von Jean Jacques, im Namen dieser nemlichen Gleichheit, dieser nemlichen Freyheit, in den Clubs der Jacobiner alle Sophisme ihrer Academien gegen Christum zusammengetragen; alle Complotte der Logen gegen die Könige, alle Weishaupt-Lästerungen wider die Könige, wider das Vaterland und die bürgerliche Gesellschaft, vereinbaret haben; sind wir genöthiget gewesen, viele Systeme zu erforschen, viele Kunstgriffe zu enthüllen, und in viele Hölen zu dringen, um ihren Gang zu beleuchten.

Endlich aber treffen wir sie insgesammt, in dem Neste an, wo alle ihre Complotte, alle ihre Mittel zusammengeschmolzen werden sollten.

Die Geschichte bedarf in der Folge meiner Nachforschungen nicht weiter, um alle die Greuel, und alle das Unglück der französischen Revolution, so aus dieser Räuber-Höle hervorgegangen sind, zu beweisen. Die öffentlichen Nachrichten, und die Journale und Schriften der Jacobiner selbst, reden und zeugen laut davon.

Ich könnte also, dem Anschein nach, meine Feder niederlegen, und mein Tagewerk für vollendet achten. Aber diese associirte Bösewichte haben zwar, ohne Ausnahme, den Wunsch und das Gelübde, alles, was existiret, umzustoßen, und ihre Freyheit und ihre Gleichheit in einer neuen Ordnung der Dinge zu begründen, mit einander gemein; in dieser neuen Ordnung der Dinge finden sich gleichwohl noch widereinanderlaufende Wünsche. Alle entsagen dem Gott des Evangeliums; aber die einen begehren den Gott ihres Philosophismus, und der Philosophismus der andern duldet gar keinen Gott.

Lafayette begehret einen König, der, gleich einem Doge, der Oberherrschaft und den Gesetzen des souverainen Volkes, untergeordnet sey.

Philipp wollte keinen König weiter haben, oder es selber seyn. Brissot will so wenig den König von Philipp Orleans, als den König von Lafayette, suchet hingegen die Magistratur seiner Demokratie auf den Thron zu setzen. Mirabeau will eine Ordnung der Dinge, wovon er das große Triebrad sey, sie mag seyn, welche sie wolle.

Dietrich, Condorcet, Baboeuf und die vertrautesten Adepten von Weishaupt, wollen keinen anderen Führer, als den Mensch-König, und nur ihn für ihren Herrn erkennen.

Der Wettstreit der Leidenschaften kann den Lauf oder Gang der Hinterhalts-Complotte unterbrechen. Ich werde noch versuchen, zu sagen, in welcher Ordnung sie die französische Revolution entwickelt hat; und von ihrem allmähligen Gange, Anwendung auf den Weg der verschiedenen Secten machen, die ihn mit so großer Ueberlegung ersonnen hatten.

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