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Alfred zur Linde

Aus Freimaurer-Wiki

Johannisloge:

"Alfred zur Linde"

Orient: Essen
Matr.-Nr.: 385
Gründungsdatum: 1859
Großloge: AFuAMvD


Alfred-Zur Linde-Essen.png

Inhaltsverzeichnis

Festschrift anlässlich "Freimaurer Ruhr 2010"

Quelle: Website Freimaurer Ruhr 2010

Logen Alfred zur Linde, Schiller und Sophia, Essen

Geschrieben am 23.02.2010 14:36:44

Logen Alfred zur Linde, Schiller und Sophia, Essen: Spiegel der Vielfalt freimaurerischer Identität
Max Kleensang

Von den Anfängen

erzählt Krummacher in seiner Parabel Das krause Bäumchen: „In alter Zeit wohnte an den Ufern des Ruhrstromes ein raues und wildes Volk. Es betete grausame Götzen an und lebte gleich den Tieren des Feldes. Das Land selbst war eine Wildnis, voll verderblicher Sümpfe oder bedeckt mit verworrenem Gesträuch und schädlichem Unkraut.“ Um 796 gründete dann Luidger, der spätere Bischof von Münster, hier eine Abtei und legte den Grundstein zur Abteikirche in Werden. Der entstehende Ort Essen lag später am Hellweg, wurde Hansestadt und erlebte im 16. und 17. Jahrhundert eine erste Blüte. 1815 fiel Essen durch den Wiener Kongress endgültig an Preußen.

Die heutige Stadt Essen

und die dortige Freimaurerei sind durch die industrielle und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt geprägt: 1801-3 konstruiert und baut Franz Dinnendahl die erste Dampfmaschine im Ruhrgebiet. 1803 druckt und verlegt der Hofdrucker Baedeker in Essen „Freymaurerlieder/gesammelt und herausgegeben/zum Besten armer Brüder“, das erste Zeugnis freimaurerischer Aktivität in Essen. 1811 gründet Friedrich Krupp seine Firma und hinterlässt sie seinem Sohn Alfred nahezu bankrott. Er wird Freimaurer zusammen mit seinem Bruder Wilhelm in der Düsseldorfer Loge Zu den drey Verbündeten. Als Essener Stadthauptmann lässt er die mittelalterlichen Stadtmauern niederlegen und mit den Steinen die Wege pflastern. Er plante, alle Wege zu befestigen, aber die Steine reichten nicht; denn die mittelalterlichen Bauleute waren die gleichen Spitzbuben wie die späteren und hatten die mächtig erscheinenden Mauern im Inneren mit Bauschutt verfüllt.

1838 beginnt der Tiefenbergbau der Kohle unterhalb der Mergelschicht. 1847 fertigt Alfred Krupp die ersten Gussstahlkanonen. Kohle und Stahl befeuern und festigen die weitere Stadtentwicklung. 1846 zählt die Stadt ca. 8.000 Einwohner auf einer Fläche von ca. 9 Quadratkilometern, 1852 sind es 10.500, 1861 ca. 20.800, 1883 bereits ca. 57.000. 1896 wird Essen mit mehr als 100.000 Einwohnern Großstadt. 1929 ist Essen mit ca. 650.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt in Deutschland.

Die erste Essener Loge

entstand in diesem Umfeld, das industriell keimte und wirtschaftlich wuchs. Freimaurer gab es in Essen und Logen darum herum schon lange, in Wesel seit 1775, in Bo-chum seit 1785, in Emmerich seit 1793, in Münster seit 1802, in Jülich seit 1815, in Elberfeld seit 1815, in Duisburg seit 1820, in Mülheim seit 1839, in Mönchengladbach seit 1845. In ihnen waren die in Essen wohnenden Freimaurer aufgenommen worden. Eine neue Loge braucht zur Gründung schließlich neun Meister. Neues entsteht in der Freimaurerei aus dem schon vorhandenem.

Das Maurerische Kränzchen

Die Essener Maurer trafen sich 1856/57 zwanglos in einem Zimmer des Gasthauses Bürhaus am Steeler Tor. Ein Teilnehmer, Bruder Mertens, erließ am 3. September 1857 ein Rundschreiben an die in Essen und Umgebung wohnenden Brüder, in dem er sie zu einem Treffen im Bürhaus am 5. September 1857 einlud, „um über die Gründung eines maurerischen Kränzchens (der Vorstufe zu einer Loge) zu beraten und die einleitenden Schritte zu tun“. Die gut besuchte Versammlung beauftragte drei Brüder, eine Satzung auszuarbeiten. Sie luden am 9. September 1857 zu einem Treffen am 12. September, um über den Satzungsentwurf zu beraten. Die Satzung wurde am 19. September 1857 in einer weiteren Versammlung endgültig genehmigt:

§ I 1.
Um den Brüdern Freimaurern in Ermangelung einer Loge hierselbst zu Zusammenkünften die Gelegenheit zu bieten, die den Zweck haben, Frohsinn des Lebens und geistige Anregung zu fördern, durch geeignete Unterhaltung aus dem Gebiete menschlichen Wissens, bei Genuss von Speise und Trank vereinigen sich die Unterzeichneten zu einem maurerischen Kränzchen ….

Die Anwesenden, 24 Brüder, unterschrieben, weitere 23 in den folgenden Wochen.

Das Tempo lässt auf einen schwärmerischen, romantischen Überschwang der Brüder während der Gründung des Kränzchens schließen, die ersten Worte der Satzung auf deren alten freimaurerischen Geist: „Frohsinn und geistige Anregung“. Es war wie ein flash mob anno 1857, nur ohne Mobiltelefon, Internet oder Autos.

Die „Logen-Errichtungs-Gesellschaft“

Allerdings benötigte man nach damaliger preußischer Auffassung ein eigenes Logenhaus, auch wenn die ersten Logen in London oder Hamburg sich in einem Gasthaus oder einer Weinhandlung zusammenfanden. Ein geeignetes Grundstück, 300 Quadratmeter groß mit einer massiven Scheune in zentraler Lage an der Lindenallee war bald gefunden. Der Landwirt Encke war bereit, für 6.000 Thaler etwa, umgerechnet rund 36.000 Euro, zu verkaufen. Aber die Versuche, die nötigen Mittel auf freiwilliger Basis aufzubringen, scheiterten. Also wurde am 3. März 1858 eine Logen-Errichtungs-Gesellschaft gegründet, deren Gesellschafter sich verpflichteten, jährlich 12 Thaler zu zahlen, „während es denselben überlassen bleibt, sich außerdem zu Beiträgen als Darlehen zu verpflichten, welche jährlich zu 4 Prozent verzinslich sind, und zwar in Summen nicht unter 50 Thalern“. 34 Brüder traten der Gesellschaft bei, 2.150 Thaler kamen zusammen, in späteren Sammlungen noch einmal 2.250. Am 24. April 1858 ging das Grundstück an Carl Langen, dem späteren Meister vom Stuhl, als Vertreter der Logen-Errichtungs-Gesellschaft über.

Über das Bauvorhaben schrieb der Mühlheimer Anzeiger für Stadt und Land am 1. April 1859:

Bei meinem Bericht über die Bautätigkeit in unserer Stadt (Essen) während des letzten Jahres habe ich im Übrigen noch ein Bauwerk vergessen, welches von Maurern für Maurer aufgeführt ist. Ich meine die Freimaurerloge. Über die architektonischen Reize desselben, soweit sie sich äußerlich darstellen, lässt sich nicht viel sagen. Der Fremde, welcher diese geheimnisvoll dem Licht verschlossenen Umfassungswände betrachtet, wird dem Gebäude eher landwirt-schaftliche als gesellschaftliche Tendenz zumuten. Indes mag das bescheidene Gewand bestimmt sein, einen tüchtigen Kern zu umschließen und zum Gedeihen zu bringen. Dem vernehmen nach wird sich die Loge im Mai constituieren!

Die Gründung der Loge

Am 30. April 1859 konstituierten 15 aktive Mitglieder und 14 permanent Besuchende die Loge. Bei der Wahl des Namens einigten sie sich auf Alfred zur Linde. Das mag wohl in Anlehnung an den Namen der Dortmunder Loge Zur alten Linde geschehen sein und im Gedenken an Bischof Altfried, dem Gründer von Stift und Münster. Der Sage nach soll Jahrhunderte lang auf einer Höhe an der Ruhrallee in Essen, von der aus man einen herrlichen Blick über das Ruhrtal hat, eine mächtige Linde gestanden haben. Der Volksmund nennt es bis heute das krause Bäumchen. Dort soll Bischof Altfried gerne gesessen haben, gestorben und begraben sein. Tatsächlich, sagen historisch Genauere, wird der Baum eher eine Femeeiche gewesen sein. Aber Linde klingt milder und romantischer und das Essener Logensiegel zeigt sie bis heute.

Am 30. Juni 1859 ergeht ein Bericht an das Bundesdirektorium der Großen National Mutterloge Zu den drei Weltkugeln mit der Bitte, der Loge das Konstitutionspatent zu erteilen. Das geschah am 2. September 1859.

Am 27. November 1859 fand die feierliche Einbringung des Lichtes in den Tempel der neuen Bauhütte statt. 151 Brüder trugen sich in das Anwesenheitsbuch ein. Aus der Festansprache des Meisters vom Stuhl, Carl Langen:

Hier, wo vor nun fast tausend Jahren Altfried, der Sohn eines Bewohners dieses mit Wald bedeckten, dem vollen Lichte der Sonne unzugänglichen Bo-dens, vom inneren Lichte des Großen Baumeisters erleuchtet, … , diese Lehre verbreitete und pflegte, ist auf der Grundlage derselben eine geistige wie materielle Entwicklung vor sich gegangen, die in jüngerer Zeit selbst schwindelnde Höhe erreicht hat. Der Markt des Lebens hat sich damit erweitert und ist geräuschvoller geworden. Um und unter uns flammen Lichter, erschallen Hammerschläge der riesigsten Art. In diesem Strudel des Treibens sehnt sich gewiss jedes ernste Gemüt nach einem geistigen Ruhepunkt. Kein Wunder nun, dass viele von den an diesem Markte des Lebens und in dessen Nähe wohnenden Brüdern von der Idee ergriffen wurden, hier in der Mitte dieses Treibens, einen solchen geistigen Ruhepunkt, eine Loge zu errichten.

Und wenn diese gute Loge Alfred zur Linde nicht vor 150 Jahren errichtet worden wäre, wir würden es heute im gleichen Geist tun!

Die Entwicklung der Loge

Die Loge wuchs wie die Stadt. Ihr geistiges Leben nahm durch Vorträge, z.B. zu den Ritualen und Symbolen, seinen Aufschwung. Die Feste, oft zu Ehren von Angehörigen des preußischen Herrscherhauses, wurden zu gesellschaftlichen Ereignissen. Der Einfluss der Loge auf die Stadtkultur war nicht demonstrativ öffentlich. Nur ihre einzelnen Mitglieder wirkten, als Stadtverordnete, Bürgermeister oder Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Essener Straßen tragen ihre Namen, wie Gum-mert, Chefarzt in den Krupp´schen Krankenanstalten, Hammacher, Wirtschafts- und Sozialpolitiker, oder Kerckhoff, Bürgermeister. Sie waren wohltätig, wie Wilhelm Potthoff mit der Kaiser-Wilhelm-Stiftung, Carl Theodor Heyden, Mitbegründer des Verein gegen Bettelei und Verarmung oder auch Friedrich Adolf Hammacher mit einer Stif-tung zum Besten Hilfsbedürftiger der Fortbildungsschule, die seinen Namen trägt.

Am 14. Oktober 1873 stimmten die Essener Meister über einen Antrag des Bundesdirektoriums ab, den § 165 der Bundesstatuten, der ein christliches Bekenntnis für die Aufnahme zum Freimaurer forderte, zu streichen. 17 der anwesenden 18 Meister stimmten zu und schrieben;“…, dass die Meisterschaft unserer Loge sich … dahingehend erklärt hat, dass der Aufnahme von Israeliten in den Freimaurerorden nichts entgegensteht.“ So hatten vorher schon die Großlogen von Sachsen, Hamburg, Frankfurt am Main, Bayreuth und Darmstadt beschlossen. In Preußen stimmten von 110 Logen 65 zu, 43 dagegen, womit die zur Änderung notwendige 2/3 Mehrheit nicht erreicht war. Weiter Abstimmungen scheiterten obgleich das Bundesdirektorium erklärt hatte, „…das die Ausschließung von Israeliten von der Aufnahme in unseren Logen nicht vereinbar ist mit dem Grundwesen der Freimaurerei…“. In Essen traten 1884 etliche Brüder deshalb aus.

Aber die Loge wuchs gleichwohl weiter, auf 152 ordentliche Mitglieder und 108 ständig Besuchende am 12. Dezember 1909, dem 50. Jubiläum. An diesem Tag wurde der Neubau eines wesentlich größeren Logenhauses auf dem Grundstück des alten an der heutigen Logenstraße eingeweiht.

In den Kriegswirren 1914 bis1918 konnten die Logenarbeiten fortgesetzt werden. Die Schwestern (die Frauen der Mitglieder) und die nicht Eingezogenen bewährten sich ausgezeichnet. Der Meister vom Stuhl, Sanitätsrat Dr. Paul Schneider wirkte besonders verdienstvoll. Er schulte Schwestern zu Krankenschwestern, mit denen er die Verwundeten der Essener Lazarette ehrenamtlich betreute. Sie wurden wiederholt auch im Logenhaus betreut, bewirtet und unterhalten. Die Ernennungen zum Ehrenmitglied der Großen National Mutterloge Zu den drei Weltkugeln und sechs weiterer benachbarter Logen bestätigen seinen unermüdlichen Einsatz besser als Worte. 18 Brüder fielen während des Krieges und mancher verlor seinen Sohn.

In den schweren Nachkriegsjahren standen die Mitglieder wie ein Mann zusammen. Das Logenleben blühte wieder auf. In den Jahren 1924 bis 1929 waren oft fast alle Brüder zu den Arbeiten und Feiern anwesend. Auch das gesellschaftliche Leben erreichte mit zahlreichen Festlichkeiten einen neuen Höhepunkt.

1929 nahmen die Angriffe und Verleumdungen durch Hitler und seine Gefolgsleute zu. Nach der Machtergreifung setzte sich die Hetzkampagne verstärkt fort und gipfelte schon 1933 in der Regierungs-Verordnung, dass sich alle Logen aufzulösen hätten.

Am 16. Juni 1935 beschloss die Große National Mutterloge Zu den drei Weltkugeln ihre Auflosung zum 15. Juli 1935 und empfahl allen Tochterlogen, ein Gleiches zu tun. Am 20. Juli 1935 trafen sich die Essener Schwestern und Brüder zum letzten Mal zu einem geselligen Beisammensein im Logenhaus. Ihnen war bewusst, dass die offizielle Schließung der Loge nur noch eine Frage von Tagen war. Die beweglichen Gegenstände des Logenhauses wurden unter den Brüdern verteilt. Alle kamen am 25. September 1935 noch einmal zusammen, standen in Gegenwart des Gestapobeamten, Polizeikommissar Nolens, Hand in Hand in der Kette und sangen: „Ein feste Burg ist unser Gott…“. Das Logenhaus und das Grundstück wurden anschließend beschlagnahmt, Versammlungen von Brüdern in jeglicher Form verboten.

Die „dunkle Zeit“

Die Akten der Gestapoleitstelle Düsseldorf sind vorhanden und ausgewertet. Auch Essener Freimaurer wurden vorgeladen und bespitzelt, ihre Wohnungen wurden durchsucht und ihre Post überwacht. Einige wurden ab 1933 verhaftet. Aber sie wurden offensichtlich nicht primär wegen ihrer freimaurerischen Vergangenheit verfolgt, sondern weil sie Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Liberale oder kritische Journalisten waren.

Die Gestapoleitstelle kannte offenbar nicht die Namen aller Essener Freimaurer, wie sich aus dem Vergleich ihrer Akten und der Logenverzeichnisse ergab. Nach den Erzählungen älterer Bruder war ein Essener Mitglied für Inhaftierte besonders hilfreich. Er war vor und im 1. Weltkrieg Flieger und kannte Hermann Göring persönlich. Kam es wieder zu einer Verhaftung, soll es zu Anrufen nach Berlin gekommen sein, etwa des Inhalts: „Hermann, wie sieht das denn aus für Deine Geltung, wenn Freunde von uns verhaftet werden? Hast Du Deinen Laden nicht im Griff?“ Wenige Tage später waren die Betreffenden wieder frei.

26 Brüder der Loge Alfred zur Linde wanderten gelegentlich im Ruhrtal und trafen sich mehr oder minder regelmäßig mittwochs als Trampel-Klub im Essener Hof, Brüder der Loge Schiller (zu dieser Loge später mehr) tarnten ihre Treffen als Kreis der Kegler im Kaiserhof ( Die Abkürzung KK hat auch die Bedeutung Königliche Kunst, ein Synonym für Freimaurerei).

Ein Schicksal der „dunklen Zeit“: Dr. med. Paul Schneider

Dr. med. Paul Schneider wurde 1867 in Küstrin geboren und war ursprünglich mosaischen Glaubens. Wenige Tage vor seiner evangelischen Trauung ließ er sich taufen. Er war praktischer Arzt, preußischer Sanitätsrat und hatte seine Praxis in der Kindlingerstraße 4, in unmittelbarer Nähe zum Logenhaus, war Meister vom Stuhl 1911 bis 1919 und 1922 bis 1935, hoch geehrt. Auch ihn traf das Berufsverbot und er behandelte nur noch privat in seinem Haus in Ratingen.

Eine Enkelin erzählte: Im Herbst 1944 erhielt er seinen Einberufungsbefehl nach Treblinka, Sammelpunkt Essener Hauptbahnhof, 5.00 Uhr. Selbstverständlich wollte er in preußischer Pflichterfüllung Folge leisten und packte einen kleinen Koffer. Gegen Mittag des Vortages holten ihn mehrere zu einer letzten Ausfahrt in einem Auto ab. Seinen Koffer solle er bitte schon einladen, sie würden ihn später zum Hauptbahnhof bringen. Bei Dunkelheit wurden alle Angehörigen aus dem Ratinger Haus abgeholt und in einen Zug verfrachtet. Nach Tagen kamen sie in Bremen an und wurden in eine Wohnung gebracht. Nach wenigen weiteren Tagen bekam das Focke-Wulff-Flugzeugwerk endlich wieder einen Werksarzt, Dienstfreiwilliger aus Friesland, Niederlanden, hager, 77 Jahre alt, Poul Snyder nach seinen Papieren. Die Familie war wieder vereint. Paul starb 1946 in Bremen friedlich im Bett.

Der Neubeginn

Das große Logenhaus lag 1945 in Trümmern. Die Logen selbst wurden noch nicht wieder zugelassen. Also traf sich im Herbst wieder der Trampel-Klub, Durchschnittsalter inzwischen 65 Jahre. Am 22. Juni 1946 feierten die Brüder in den Theaterstuben eine sehr bescheidene Tafelloge zum Johannisfest, am 2. November 1946 im Bernewäldchen das Stiftungsfest. Am 8. Dezember 1946 gab die britische Militärregierung ihre Zustimmung zu Logenversammlungen und das Logenleben durfte offiziell wieder beginnen.

Am 26. November 1947 diskutierten die Brüder die Neukonstituierung der Loge. Am 16. Juni 1948 erteilte der Regierungspräsident in Düsseldorf die Genehmigung, so dass die Loge Alfred zur Linde ihre freimaurerische Arbeit mit der symbolischen Lichteinbringung am 7. August 1948 wieder aufnehmen konnte. 1953 wurde die Loge in das Vereinsregister eingetragen. Die neu auferstandene Loge wurde Mitglied der Großloge AFuAM.

Geistige Anregung, die schon in der ersten Satzung an erster Stelle stand, war gewährleistet, der Frohsinn des Lebens noch recht begrenzt. Die Brüder mussten für ihre Zusammenkünfte von einem Gasthaus in das nächste ziehen, mal wurden die Räume zu klein, mal wurde gebaut, und Speise und Trank blieben Mangelware. Gegenstände aus dem alten Logenhaus tauchten nach und nach wieder auf, der Hammer, die drei Säulen, davon eine mit einem Einschussloch, Bücher und das Bild Friedrich des Großen von Preußen, Stifter der alten Große National Mutterloge Zu den drei Weltkugeln, das im alten Logenhaus hing.

Preußen war vergangen, eine neue Vereinigte Großloge der Freimaurer von Deutschland als Dachverband aller Großlogen formierte sich. Am 19. Juni 1949 gehörten beide Meister vom Stuhl der Essener Logen Alfred zur Linde und Schiller zu den Unterzeichnern der neuen Großlogen-Verfassung und nahmen an dem Gründungs-Festakt in der Frankfurter Paulskirche teil. 1955 fand dann in Essen der Großlogentag dieses Jahres statt.

1955 kamen Freimaurer der Universellen Liga, einem Zusammenschluss von Freimaurern aus ganz Westeuropa in der Villa Hügel zusammen. Alfred Krupp, erst seit wenigen Jahren wieder Herr seiner Firma, hatte persönlich zugestimmt. Die Regionalgruppe Ruhr der Universellen Liga traf sich dann dort regelmäßig alle zwei Monate und nahm das Abendessen im Parkhaus Hügel ein.

Das neue Logenhaus

Der Wunsch nach einem eigenen Logenhaus war allseitig wach geblieben. Die Hauptversammlung 1958 beauftragte den Vorstand, mit der Stadt über den Erwerb des Grundstücks an der Admiral-Scheer-Straße zu verhandeln. Der Vertrag kam Mitte 1959 zustande. Die notwendigen finanziellen Mittel stammten im Wesentlichen aus dem Verkauf des Trümmergrundstücks an der Logenstraße. 1960 wurde das Richtfest gefeiert, 1961 das Logenhaus eingeweiht. Es entsprach den Wünschen der Mitglieder mit fast 60 Appartements, einem großen Tempel, Gesellschaftsräumen und einer Gastronomie im Parterre.

Nun hatte die Loge zwar ein eigenes Haus, das unter persönlichen Opfern und dem zielstrebigen Einsatz der Brüder, die zum Kreis der Bauleute gehörten, entstanden war. Aber da es nur mit knappsten Mittel gebaut worden war, hieß es sparsam zu wirtschaften, um Zins und Tilgung zu erwirtschaften. Jeder nur mögliche Raum musse vermietet werden, die Belle Etage an eine Tanzschule. Für die Loge blieben nur ein Clubraum und die Bibliothek als eigene Räume. Die rituellen Treffen wurden auf den Ruhetag der Tanzschule gelegt. Das führte zu manchen heißen Diskussionen und nach und nach zu Verbesserungen. Endlich konnte 1982 die Loge nach einigen Konsolidierungen und Umgestaltungen die Räume im Parterre beziehen. Sie sind heute das Heim der Essener Logen.

Der Wandel

Die Mitgliederstruktur der Loge begann sich zu wandeln. Die älteren Brüder, die noch in den 20er Jahren aufgenommen worden waren, wurden weniger. Mit ihnen verlor die Loge Mitglieder, die stets anwesend waren und gleichsam das innere Gerüst bildeten. Mit dem Wirtschaftswunder wurden Aufbau und Fortschritt wichtiger als geistige Anregung und die Zahl der Mitglieder sank. Doch der Wunsch Nachkommender, der alten weltweiten Bruderschaft verbunden zu sein und in einer Essener Loge aufgenommen zu werden, blieb.

Heute hindern eine unzureichende Mobilität älterer Brüder und berufliche Verpflichtungen jüngerer Brüder viele Mitglieder, regelmäßige an den wöchentlichen Treffen teilzunehmen. Umso herzlicher ist dann die Nähe, wenn diese wieder da sind und auch über ihre Erlebnisse in anderen Logen berichten, so wie wir uns über die Besuche der Mitglieder anderer Loge freuen, deren Wege nach Essen führen.

Die Berufsstruktur der Mitglieder von 1859 ist überliefert und ausgewertet. Vergleichen wir sie mit der der heutigen Essener Logen Alfred zur Linde und Schiller von 2009 insgesamt:

Berufsfeld 1859 [%]    2009 [%]   
Techniker 21 24
Bauwesen 10 11
Handel und Banken    27 24
Mediziner 9 13
Pädagogen 7 6
Verwaltung und
Dienstleistung
6 6
Rechtswesen 6 6
Künstler 3 6
Handwerker 2 1
Sonstiges 9 3

Die Mitgliedschaft scheint sich kaum verändert zu haben, die Technik schon. Früher waren Techniker die Berg- und Hüttenleute. Heute sind es Maschinenbauer, Elektrotechniker, Physiker, Mathematiker und Informatiker.

Musik war in der Loge immer wichtig. Seit dem Jahresempfang 1992 wurden Kammerkonzerte ein regelmäßiges Element des Essener Logenlebens. Zuerst wurden damit Künstler aus osteuropäischen Ländern gefördert, später vor allem Absolventen der Essener Folkwang Musik-Hochschule.

Weitere Essener Logen

Die erste Vorgängerloge der schon angesprochenen heutigen Loge Schiller gehörte zu den ältesten Tochterlogen der Freimaurerbunds Zur aufgehenden Sonne. Sie war ein Kind der geistesgeschichtlichen Entwicklung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, “bedeutendster und zugleich einzig erwähnenswerter Vertreter echter Freimaurerei in Deutschland, der den quantitativ zwar unbedeutenden aber geistig regsamen linksliberalen Flügel repräsentierte.“ Der Bund setzte sich mit dem Anspruch einer Reformloge sprachlich von den nach seiner Auffassung rückständigen Altlogen ab, die den Bund ihrerseits nicht anerkannten.

Zur Entstehung: Am 19. März 1908 trafen sich drei jüngere Herren und beschlossen, ein Freimaurerkränzchen zu gründen. Weitere Interessenten meldeten sich auf Zeitungsinserate, eine sonst unter Feimaurern eher abgelehnten Form der Mitgliederwerbung. Schon am 30. April 1908 konnte die Logengründung unter dem Namen Glück auf zum Licht vorgenommen werden. Sie besaß nun alle Rechte und Pflichten einer Ortsloge für den Stadt- und Landkreis Essen. Die Bundesgrundsätze enthielten detailliert Forderungen: Verzicht auf den Gottesglauben in Logensatzungen sowie die Entfernung oder den Ersatz der Bibel aus den Logen und die Entfernung aller Lieder, Sprüche, Zurufe oder Gebete aus dem Ritual, die den Glauben an einen persönlichen Gott voraussetzten. Nur wenn diese Forderungen erfüllt würden, könnte es dem Aufnahme suchenden Freidenker oder Freireligiösen wie zwei Jahrhunderte zuvor in England möglich sein, mit Lust und Liebe und ohne Heuchelei an den hohen ethischen Zielen der Logen mitzuarbeiten.

Ein Höhepunkt des Logenlebens war zweifellos die Ausrichtung des Großlogentags des Freimaurerbundes Zur aufgehenden Sonne am 27./28 Juli 1918 in Essen. Nach der vierjährigen Kriegszeit immerhin ein gewagtes Unternehmen, zumal wegen der allgemein schlechten Versorgungslage das Brudermahl ausfiel.

Die geistigen Aktivitäten des Freimaurerbunds Zur aufgehenden Sonne standen auf einem beachtlichen Niveau. In ihren Reihen gab es neben Personen von höchster wissenschaftlicher Bedeutung zahlreiche Brüder, deren Namen im öffentlichen Leben Rang und Klang hatten. Erinnert sei nur an: Prof. Dr. Wilhelm Ostwald, Nobelpreisträger Chemie 1909, Prof. Dr. Ludwig Hermann Plate, Zoologe und Leiter des Häckel-Museum in Jena, Max Weber, Sozialwissenschaftler, Paul Cassirer, Schriftsteller, Siegfried Jacobsohn, Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky, Publizisten.

Spannungen blieben unter solch streitbaren Charakteren nicht aus und erreichten Essen. Auf einer außerordentlichen Generalversammlung am 8. Dezember 1918 beschlossen die Mitglieder den Austritt aus dem Freimaurerbund, und erklärten sich sämtlich bereit, zur Bayreuther Großloge Zur Sonne überzutreten. Vermittlungsversuche und Gespräche mit der Essener Loge Alfred zur Linde überzeugten nicht. Die Bruderschaft wollte ihrer Geisteshaltung entsprechend nicht einer christlich orientierten Großloge beitreten, sondern der liberal-humanitären Bayreuther Großloge und wählte den neuen Namen Freie Forschung und Duldsamkeit, der gleichsam programmatisch eine Forderung und ein Programm enthielt. Die Einsetzung erfolgte am 30. Dezember 1919 im Logenhaus der Essener Loge Alfred zur Linde. Die Mitgliederentwicklung der jungen Loge war nicht ungünstig und betrug 1930 etwa 110.

Doch Spannungen blieben, vor allem, weil 1928 eine Trennung der deutschen Freimaurerei von der internatonalen vollzogen zu werden schien. Diesen Bestrebungen widersetzten sich 32 Brüder und traten dem Alten und Angenommenen Schottischen Ritus / AASR bei, der als pazifistisch und kosmopolitisch galt. Deshalb wurden sie von der Großloge Zur Sonne offiziell ausgeschlossen. Damit war die Loge Freie Forschung und Duldsamkeit gespalten und geriet in finanzielle Schwierigkeiten.

Die ausgeschlossenen Brüder bildeten das Freimaurerische Kränzchen Acacia. Der gewählte Name entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie: Die Akazie ist eine Symbolpflanze für Freimaurer, eine andere Bedeutung dieses Namens hat mit Unschuld und Freisein von Bosheit zu tun. Nach einigen Umwegen hat dann die Wiener Loge Schiller im November 1931 die Mitglieder der Acacia als ihre ordentlichen Mitglieder aufgenommen. Sie arbeiteten fortan als Nebenstelle der Wiener Loge in Essen.

Die Freie Forschung und Duldsamkeit löste ihre Loge Anfang März 1933 auf, am 25. März 1933 fasste die Wiener Loge Schiller den gleichen Beschluss.

Die Essener Loge „Schiller“

1947 wurde die Loge reaktiviert. Auf den ersten Seiten des ersten Protokollbuchs der neu konstituierten Loge Schiller berichtet der Schriftführer über die Anfänge der Logentätigkeit nach dem zweiten Weltkrieg:

Nach dem Zusammenbruch des tausendjährigen Reiches trafen sich die Brüder jeden Mittwochabend zwanglos in verschiedenen Lokalen, ohne eine dauernde zusagende Bleibe zu finden: in der Wirtschaft Walterscheid, Essen-Stadtwald, Franckenstraße, im Bahnhofs-Restaurant, in Essen-Werden, im Holsterhauser Hof, Alfredstraße, und schließlich im Kaiserhof in Essen. Hier saßen wir viele Wochen lang als Mittwochs-Stammtisch im Restaurant und im Frühstücks-Zimmer. Man gab und dann gegen eine Miete von 25 Mark pro Abend das kleine Gesellschaftszimmer Nr. 144 im ersten Stock des Hotels. Hier wollten wir bleiben, bis die Raumfrage geklärt ist. Die Raumnot in Essen ist jedoch so groß, dass in absehbarer Zeit eine Lösung nicht zu erwarten ist.

Und:

So trafen wir uns also zwanglos im Kaiserhof und langsam erwachte unsere Loge zu neuem Leben. Es war uns aber nicht möglich, die alte Loge Freie Forschung und Duldsamkeit zu erwecken. So traten wir alten, einst ausgewiesenen Brüder, das alte Erbe an. Im Gedenken an unsere Logenzugehörigkeit zur Loge Schiller im Orient Wien, und zur Wiener Großloge, nannten wir auch unsere Vereinigung: Loge Schiller im Orient Essen. Unser Bijou ist eine Nachformung des Wiener Bijou.

Die Stadtverwaltung genehmigte am 6. November 1947 die Gründung der Freimaurer-Loge Schiller und die Aufnahme der Vereinstätigkeit. Diese schloss sich ebenfalls wie Alfred zur Linde der Großloge AFuAM an. Ihre festliche Einsetzung erfolgte am 5. November 1948. Aus dem Protokoll:

Unser Meister vom Stuhl begrüßte alle Brüder und im besonderen die Brüder anderer Oriente, die so auch die Verbundenheit der Freimaurer aller deutschen Großlogen und den Willen zur deutschen Einheitsgroßloge bekundeten. In längeren Darlegungen führte der Meister vom Stuhl der Loge Alfred zur Linde aus, dass in der deutschen Freimaurerei die Systemstreigkeiten aufhören müssten, dass es, wie wir im religiösen Leben jedes Dogma ablehnen, kein freimaurerisches Dogma, keinen Freimaurer-Papst geben könne. Denn wir wären zur Freimaurerei gekommen nicht auf der Suche nach irgendeinem System, …, sondern auf der Suche nach freien, fortschrittlichen Männern, die sich keinem Dogma beugten. Zum Zeichen des guten Willens überreichte er unseren Brüdern Schuh und Loosen das Bijou der Loge Alfred zur Linde und damit wieder die Ehrenmitgliedschaft zurück, die diese Brüder im früheren Kampf niedergelegt hatten. Wir haben uns alle über dieses Zeichen der engen Verbundenheit der beiden Essener Logen gefreut.

Über das Logenleben in den ersten Nachkriegsjahren wird berichtet:

Bedingt durch die innere Unruhe, die Ratlosigkeit, der durch das Nazi-Regime fehlgeleiteten Menschen, war zu dieser Zeit das Interesse an der Freimaurerei in der Öffentlichkeit, so auch in Essen, sehr groß. Die Loge Schiller konnte zu dieser Zeit viele Neuaufnahmen verbuchen. Viele davon waren aber nur von kurzem Bestand. Die Arbeiten fanden vorerst in den Räumen des Hotels Kaiserhof statt. Die allgemeine Arbeit wurde bestimmt durch das allgemeine Interesse an allen Erneuerungen in Wissenschaft, Kunst und Technik. Es fand in unserer Loge ein reger Austausch mit der Presse, dem Kunstmuseum und dem Völkerkundemuseum statt. Bekannte Wissenschaftler und Könner der jeweiligen Materie waren unsere Gastredner. Die Verbindung zu der alten Essener Loge Alfred zur Linde wurde wieder aufgenommen und das erste Johannisfest wurde gemeinsam im Hotel Burghof gefeiert.

Ab 1950, nach einem Umbau der alten Waldhausenvilla in der Hohenzollernstraße, hatte die Loge Schiller in Verbindung mit der Loge Alfred zur Linde in den unteren Räumen dieses Hauses ihr Domizil. Es war ein Provisorium, denn die Räume standen an sonstigen Tagen anderen Vereinen zur Verfügung. Seit 1990 arbeitet die Bruderschaft wieder gemeinsam mit der Loge Alfred zur Linde in dem Logenhaus Admiral-Scheer-Straße. Zahlreiche gemeinsame Aktivitäten, u. a. eine gemeinsam durchgeführte Freimaurer-Ausstellung im Vestibül des Essener Rathauses, bezeugen die Verbundenheit der Essener Bruderkette.

Gerhard Loosen und der AASR

Gerhard Loosen wurde am 8. September 1883 geboren und gilt als bedeutende Persönlichkeit der Essener Freimaurerei, als umstritten und selber streitbar. Er war Direktor der Rheinisch-Westfälischen-Elektrizitätsgesellschaft. 1920 wurde er in der Loge Freie Forschung und Duldsamkeit aufgenommen. Er war Meister vom Stuhl 1926 bis 1931 und 1949 bis 1956. In dieser Position fühlte er sich vor allem als Diener der Loge und seiner Brüder. Er leistete seine Arbeit mit viel Umsicht und brüderlicher Liebe.

Die weltumspannende Maurerei, wie sie sich in den Roten Logen dokumentiert, war das wahre Betätigungsfeld von Gerhard Loosen. Seine Aufnahme erfolgte durch den Großkommandeur von Deutschland in der Anwesenheit des Großkommandeurs von Holland. 1930 wurde er Mitglied des Obersten Rates von Deutschland und zählt zu deren Gründern. Seine kosmopolische Haltung brachte ihn mit bedeutenden Freimaurern zusammen, z. B. mit Leo Müffelmann oder Raoul Koner, denen der Wiederaufbau der Freimaurerei nach den dunklen Jahren maßgeblich zu verdanken ist. Tatsache ist, dass unter Mitwirkung von Gerhard Loosen die Zusammenarbeit mit der Essener Loge Alfred zur Linde, die seit ihrer Gründung zur eher national ausgerichteten Altpreußischen Großloge Zu den drei Weltkugeln gehörte, aufgekündigt wurde, und die Loge Freie Forschung und Duldsamkeit sich spaltete. Gerhard Loosen starb am 21. März 1961.

Gerhard Loosens Engagement soll ein Anlass dafür sein, an dieser Stelle die Roten Logen, den sog. Alten und Angenommenen Schottischen Ritus AASR anzusprechen, der über die Lehrlinge, Gesellen und Meister hinausgehend weitere Stufen freimaurerischer Persönlichkeitsentwicklung bearbeitet.

Der vor mehr als 200 Jahren konstituierte Alte und Angenommene Schottische Ritus ist heute weltweit das am meisten verbreitete System vertiefender Grade. Zu mehr als 50 Obersten Räten in aller Welt pflegt der Oberste Rat für Deutschland enge Beziehungen. Regelmäßig treffen sich die Großkommandeure zu Europa- und zu Weltkonferenzen, territorial souverän und ohne übergeordnete Instanz. Am 10. Februar 1930 wurde der Oberste Rat für Deutschland der Freimaurer des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus gegründet und am 18. April 1930 durch den Obersten Rat für das Königreich der Niederlande unter Assistenz der Obersten Räte von Österreich und Italien feierlich installiert.

Der AASR tritt als Organisation kaum nach außen auf. Demgegenüber verfügen seine Mitglieder über unbegrenzte, nur dem Gesetz und ihrem Gewissen unterworfene freie Möglichkeiten tätigen Wirkens. Und für dieses Wirken im gesellschaftlichen Umfeld hat der AASR wichtige Denk- und Handlungsansätze in seiner 200jährigen Geschichte entwickelt. Vornehmste Aufgabe des AASR ist es, durch rituelle Arbeit und Unterweisung seinen Mitgliedern zu helfen, ihren Lebensweg mit Sinn zu erfüllen. der AASR versteht sich als tatgerichtete Freimaurerei. Die Aufgaben der Ritus-Mitglieder sind:

  • Vertiefung und geistige Durchdringung freimaurerischen Gedankengutes in besonderen rituellen Graden,
  • Auswertung gewonnener Einsichten aus Leben, Wissenschaft und Kunst für Gegenwart und Zukunft,
  • Umsetzung der Erfahrungen und Erkenntnisse in die Tat zur Selbstgestaltung des Einzelnen sowie zur Mitgestaltung der Gesellschaft,
  • Förderung des gegenseitigen Verstehens und des friedlichen Miteinanders aller Menschen in allen Lebensbereichen.

Essen ist mit der Gründung des AASR durch die tatkräftige Beteiligung von Gerhard Loosen in besonderer Weise verbunden. Am 2. Oktober 1930 Jahr setzte der Oberste Rat für Deutschland sein erstes Atelier, Nr. 7, in Essen ein. Die vorher in Deutschland arbeitenden Ateliers waren noch von den Obersten Räten umliegender Staaten eingerichtet worden. Gerade die Mitglieder des AASR in Essen bildeten damals einen entschiedenen humanitär, pazifistisch und international orientierten Gegenpol zu den anderen eher national ausgerichteten Logen.

Die Freimaurerische Akademie ist eine wichtige inhaltliche Säule des AASR. Sie tagt in der Regel zweimal jährlich. Dabei erörtern die Teilnehmer die den Ritualen zugrunde liegenden geistesgeschichtlichen Fragen und untersuchen zugleich, auf welch vielfältige Weise das Ritual mit der Entwicklung der Wissenschaften und dem Selbstverständnis des Menschen als vernunftbegabtes Wesen in Einklang steht. Die 102. Akademie fand 11. bis 13. April 2008 in Essen mit dem Generalthema: Kultur – Grundlage der Gesellschaft statt. Im Grußwort des lokalen Tagungsleiters heißt es:

Der Europäische Rat hat Essen zur Kulturhauptstadt 2010 ernannt. Diese besondere Auszeichnung und die Tradition der Freimaurerei in Essen haben die Ateliers dazu bewogen, die Stadt Essen zum Ort der Frühjahrstagung 2008 vorzuschlagen. Die Stadt will stellvertretend für das ganze Ruhrgebiet mit seinen 5,3 Millionen Menschen beispielhaft zeigen, wie Kultur den Strukturwandel vorantreiben kann, … und kann sicherlich auf ihre kulturellen Stätten und Besonderheiten stolz sein.

Die Freimaurerinnenloge „Sophia“

Freimaurerei ist nicht möglich, ohne die Perspektive der Frauen zu berücksichtigen. Schon in seinem Aufnahmeantrag erklärt der Suchende: „Meine Ehefrau/Lebensgefährtin habe ich von meinem Aufnahmeantrag an die Loge unterrichtet.“ Es kann niemand Mitglied einer Loge werden, wenn erkennbar sein sollte, dass dadurch das persönliche Umfeld des Betreffenden Schaden leidet. Bei seiner Aufnahme schließlich erhält das neue Mitglied ein Paar weißer Frauenhandschuhe: „Gib diese Handschuhe der Gefährtin Deines Lebens.“ Damit soll gezeigt werden, dass trotz der fehlenden Möglichkeit, als Frau Mitglied in einer AFuAM-Loge zu werden, dies keine diskriminierende Abgrenzung sein soll. Nach der Aufnahme erhält der neue Freimaurer drei Rosen, oft mit dem Hinweis, sie der Frau zu geben, die seinem Herzen am nächsten steht. Dreimal ist die Frau angesprochen: Ehefrau, Gefährtin des Lebens, die dem Herzen am nächsten Stehende.

Nun gibt es schon lange Frauen, die sich ebenfalls zur Freimaurerei hingezogen fühlen. So ist für England ab 1776 nachgewiesen, dass auch Frauen von Freimaurern zu rituellen Handlungen zusammenkamen. Berichte über diese Aktivitäten existieren jedoch nach etwa 1800 nicht mehr, vielleicht unterließen die Frauen ihr freimaurerisches Tun, oder sie schwiegen darüber. In Frankreich zählt die Freimaurerinnen-Großloge mit etwa 20.000 Mitgliedern heute zu den anerkannten Großlogen im dortigen Logensystem.

Die Frage, ob Frauen die gleiche rituelle Perspektive wie die Männer haben und deshalb eine gemeinsame „Arbeit“ im freimaurerischen Sinne möglich ist, wird seit alters her diskutiert. So genannte Schwesternfeste, bei denen eine Tempelarbeit in Gegenwart der Damen nach einem besonderen Ritual stattfand und der sich eine Tafelloge anschloss, hielt die Essener Loge Alfred zur Linde erstmalig in den Wintermonaten der Jahre 1896 und 1897 ab. Sie wurden zu einer beliebten ständigen Einrichtung. Nachträglich haben diese dann die Billigung der Bundesbehörde gefunden. 1913 wählte ein Bruder der Essener Loge Freie Forschung und Duldsamkeit das Vortragsthema: „Über die Zulassung von Frauen zu den Logen“, an dem sich eine lebhafte Diskussion anschloss. Sämtliche Teilnehmer an dem Abend waren sich einig, dass Frauen den Logen, soll wohl heißen, den normalen rituellen Arbeiten, unbedingt fern bleiben müssen.

Fast zeitgleich mit dem Wiederaufleben der Freimaurerei nach dem zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland auch ein freimaurerischer Frauenzirkel gegründet, ein Novum in der Geschichte der deutschen Freimaurerei. Im Mai 1949 erschien in den Amtlichen Mitteilungen der Großen Freimaurerloge Zu den Alten Pflichten in Berlin der Hinweis: Wiederholt ist aus dem Kreise unserer Brüder die Anregung gekommen, ähnlich dem Eastern Star in Amerika eine Frauenloge zu gründen. Um zu dieser Frage eingehend Stellung nehmen zu können, bitten wir um Mitteilung, welche Schwestern sich an einer Frauen-Loge beteiligen würden. Die Frauen-Loge ist selbstverständlich vollkommen selbständig und wird nach einem eigenen Ritual arbeiten. Die Großloge wird ihre Hilfe nicht versagen. Wir bitten die interessierten Schwestern der einzelnen Logen, über den zuständigen Stuhlmeister ihre Meldung an die Grossloge abzugeben. Auch Meldungen von Damen, die noch keine Bindung zur Freimaurerei haben, können abgegeben werden.

Am 16. Juni 1949 fand im Logenhaus in Berlin in der Emser Straße, bis heute ein zentraler Ort der deutschen Freimaurerei, die Gründungsversammlung statt. Mit der Eintragung in das Vereinregister erlangte die angehende Frauenloge öffentlichrechtliche Existenz. Die Gründungsfeier wurde am 30. Juni 1949 begangen. August Horneffer, Großmeister der Großloge Royal York zur Freundschaft und Erich Rüdiger, Großmeister der Großloge Zu den Alten Pflichten verpflichteten die erste Vorsitzende des Frauenzirkels Zur Humanität, Schwester Elisabeth Mallon-Lippert mit Handschlag. Als dritte Unterschrift der Gründungsliste erkannte der Verfasser dieses Beitrags die von Sigrid Gast, die er aus vielen Begegnungen und gemeinsamen Aktivitäten in Essen persönlich kannte, ohne zu der Zeit von ihrer Zugehörigkeit zum Bund zu wissen.

1982 folgte die Gründung der Loge Tusculum in Düsseldorf und Unter dem Regenbogen in Wetzlar, die im selben Jahr zusammen mit Berlin die Großloge Zur Humanität Bund freimaurerisch arbeitender Frauen gründeten. Seit Oktober 2003 lautet der Name dieser Großloge: Frauen-Großloge von Deutschland, die inzwischen 15 Logen umfasst und weiter wächst.

Die Frauenlogen arbeiten nach einem der Großloge AFuAM ähnlichen Ritual und ebenfalls in den drei Graden des Lehrlings, der Gesellin und der Meisterin.

Die ersten Arbeiten von Freimaurerinnen im Essener Logenhaus fanden im Juni und September 1999 statt. Die Freimaurerinnenloge Tusculum fragte im November 1998 an, ob sie in Essen arbeiten könnten, da das Düsseldorfer Logenhaus renoviert werde. Alfred zur Linde stimmte zu: „Gerne kommen wir dem Wunsch nach, zu den angegebenen Terminen die Räume des Logenhauses Essen der Freimaurerischen Frauenloge Tusculum zur Verfügung zu stellen, denn es ist für uns selbstverständliche Pflicht, denen die Pforten der Bauhütte zu öffnen, die … ohne Dach wohnen.“ Quasi als Dank lud Tusculum die Mitglieder von Alfred zur Linde zu einem Gedankenaustausch über Freimaurerei für den 29. August 2000 in das Logenhaus Essen ein.

Ihr Selbstverständnis beschreibt Loge Sophia wie folgt: „Eine Loge sollte nach unserer Auffassung nicht zu viele Mitglieder haben, damit der persönliche Umgang möglich bleibt und damit jede Schwester sich eher bewusst bleibt, dass es auf jede einzelne ankommt. Darum entschlossen sich Anfang des Jahres 2001 sieben Meisterinnen der freimaurerischen Frauenloge Tusculum, Düsseldorf, zum Aufbau einer neuen Frauenloge in Essen. Nach Absprache mit Brüdern der Essener Logen begannen wir am 23. April 2001 mit Gästeabenden. Die Lichteinbringung in der Freimaurerinnenloge Sophia, Essen, Matrikel Nr. 13, fand am 1. März 2003 statt.

Wir veranstalten monatliche Gästeabende (außer in den Ferienmonaten Juli/August); sie sind gleichsam Fenster und Tür unserer Freimaurerinnloge nach draußen.

Wir laden an der Freimaurerei interessierte Frauen ein, uns und unsere Arbeit kennen zu lernen. Wir bieten jedes Mal den Vortrag einer Freimaurerin und bitten danach um ein gemeinsames Gespräch über das Gehörte. Die Vorträge behandeln Themen, die die Freimaurerei betreffen und solche, die uns als Freimaurerinnen besonders interessieren. Das gegenseitige Kennenlernen, das sich aus dem gemeinsamen Gespräch über eine bestimmte Sache ergibt, ist für beide Seiten – Gästinnen und Freimaurerinnen – bereichernd.

Die in der Freimaurerei im Mittelpunkt stehenden Werte Toleranz, Solidarität, Humanität, Menschenliebe beziehen sich alle auf das menschliche Miteinander, dass wir auch an den Gästeabenden im Sinne dieser freimaurerischen Werte zu praktizieren suchen.

Wir und viele andere Frauen haben den hohen Wert der Freimaurerei für das eigene Leben erfahren können. Die Freimaurerei wendet sich an einzelne Frauen (und Männer), die eine gewisse Empfänglichkeit für Symbolik mitbringen und die in der bewussten Entwicklung ihrer Persönlichkeit einen Sinn erkennen, im Bemühen um ein Wachsen und Reifen. Wir Menschen heute versuchen oft, den Prozess des Lebens zu beschleunigen, indem wir gar nicht wahrnehmen, dass es in uns etwas zu entwickeln gibt. Wir verkürzen so eigenmächtig das Leben. ‚Wie kannst Du die Pflanze schneller wachsen lassen, indem du an ihren Blättern ziehst?’ (Rabindranath Tagore). Wir wollen auf den Geist der Zeit hören und unsere eigenen persönlichen Antworten finden mittels der freimaurerischen Methode der Arbeit an uns selbst.

Gewiss, die Freimaurerei ist nur ein Weg und die Freimaurerinnenloge ist nur eine von Gemeinschaften mit ähnlichen Zielsetzungen, die heute Frauen offen stehen. ‚Was hat die Freimaurerei Ihnen gegeben?’, so die Frage einer Gästin. Die Antwort einer Freimaurerin: ‚Sie hat meine Vorstellung, die ich vom Menschen habe, auf eine breitere Basis gestellt, das ist wahrscheinlich der beste Dienst, den die Freimaurerei mir leisten konnte.’ Wir empfinden diese breitere Basis als notwendig in unserer Gesellschaft, in der wir mit so vielen vertrauten und fremden Kulturen zusammen leben.

Toleranz besteht in der Freimaurerei etwa darin, dass wir den Mitmenschen ermöglichen, in Freiheit zu leben und im Bewusstsein, dass sein Denken, sein Gewissen, sein religiöser Glaube oder seine Weltanschauung nicht nur irgendwie geduldet, sondern respektiert werden, auch von denen, die selbst damit nicht übereinstimmen.

Das Profil der Freimaurerinnenloge lässt schon von außen die Vielfalt der einzelnen Frauen erkennen, die sich unterscheiden nach Alter, Bildung, sozialem Stand, Weltanschauung und religiöser Überzeugung. Toleranz und Menschenliebe gehören zusammen. Es gibt keine Toleranz ohne allgemeine Menschenliebe und umgekehrt auch keine echte Menschenliebe ohne Toleranz bei einem eigenen festen Standpunkt.

Die Freimaurerinnenloge Sophia hat zurzeit (September 2009) 18 Mitglieder. Gemessen an der Zahl der Männer, die im Laufe von 150 Jahren ihren Weg in die Essener Logen fanden, bilden die Frauen im Bild ‚Freimaurerei in Essen’ nur eine kleine Minderheit. Wir genießen das Vertrauen unserer Brüder und danken ihnen für die selbstverständliche Aufnahme in ihrem Logenhaus. Wir Freimaurerinnen sind uns bewusst, dass wir nicht nur einander, sondern auch unseren Brüdern Schwestern sind.“

Die Vielfalt freimaurerischen Lebens wird fortentwickelt

Am 5. September 2009 feierte die Loge Alfred zur Linde ihr 150. Jubiläum, eine Ruhrloge (das jährliche Treffen der einzelnen Logen des Ruhrgebiets) und 150 Jahre Freimaurerei in Essen. Der Tag schloss mit einer rituell gebundenen festlichen Tafel im Saalbau, weil so viele Teilnehmer im Logenhaus Essen keinen Platz mehr gefunden hätten. An den Hämmern, den rituellen Positionen, saßen die Stuhlmeister der Logen Alfred zur Linde, Schiller und die Stuhlmeisterin der Freimaurerinnenloge Sophia. Trotz der Unterschiede in Geschichte, Ritual und Geschlecht verbinden die Essener Logen viele Gemeinsamkeiten, mit denen sie die freimaurerische Kultur weiterhin beleben und befruchten werden.

Kontakt

Loge Alfred zur Linde
Admiral-Scheer-Straße 32
45128 Essen

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