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Frey-Mäurer 1778

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Inhaltsverzeichnis

Frey-Mäurer

Aus der Fraktur in die lateinische Schrift transkribiert von Roland Müller

Frey-Mäurer

Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft
Von D. Johann Georg Krünitz
Band 15, 1778, 60-74

siehe auch am Schluss dieses Lexikonartikels
Die Zeichensprache der Freymaurer
Band 161, 1834, 470-473
Systeme der Freymaurey
Band 178, 1841, 734-736


Frey=Mäurer, Fr. Franc-Maçon,

ein Mitglied des Freymäurer=Ordens, eines sehr alten und in alle Welttheile ausgebreiteten Ordens, welcher sich zur Ausübung der Freundschaft, der Wohlthätigkeit, und aller dem Staat und der Gesellschaft schuldigen Pflichten auf eine besonders genaue Art verbunden hat, und dessen zum Theile von dem Geschäfte des Mauerns hergenommene Gebräuche eine hieroglyphische Deutung auf gewisse höchst wichtige, noch nicht verrathene Mysterien haben.

Um sich eine richtige Idee von den Freymäurern zu machen, muß man sie als eine Gesellschaft mystischer Philosophen betrachten; und ihr ganzes Geheimniß besteht in einem symbolischen Unterricht, daß nur die Moral wahre Wissenschaft, und wahre Tugend nur die gesellige sey. Ihre Versammlungen werden Logen genannt.

Die Absicht der Freymaurer=Gesellschaft ist, den Menschen vernünftig, sanft und tugendhaft zu bilden, und in dieser Absicht bemühet sie sich, seine Irrthümer zu zerstreuen, seine Sitten durch unschuldige Vergnügen des Lebens zu mildern, ihm beyzustehen, und ihn in seinen Bedürfnissen zu unterstützen.
Alle Glieder dieser Gesellschaft sind Brüder; und weder Sprachen, noch Kleider, noch Meinungen, weder Würden, Stand, noch Güter machen unter ihnen den geringsten Unterschied. Die Gleichheit ist ihr erstes Gesetz. Nach diesem System wird die ganze Welt gleichsam als eine Republik angesehen; eine jede besondere Nation ist eine Familie, und jedes einzelne Glied ein Sohn derselben. Da nun alle einzelne Glieder dieser Gesellschaft Brüder sind; Brüder, welche sich vorgesetzt haben, vernünftig und tugendhaft zu handeln: so haben sie die Pflicht auf sich, sich unter einander zu lieben und zu helfen, sich auch gegen andere Menschen rechtschaffen und anständig zu betragen, und gute getreue Bürger des Staats zu seyn.
Daher schwören die Mäurer in allen ihren Graden, ihrer Obrigkeit treu und gehorsam zu seyn. Da der Orden keine äußere Zwangsmittel besitzt, so nimmt er zu der Gewalt der Moral seine Zuflucht, und bemühet sich daher, seine Glieder empfindsam und tugendhaft zu machen. Aus dieser Quelle entspringen alle übrige Gesetze, deren Gegenstand Einigkeit, Ordnung, Harmonie, Anständigkeit der Sitten und Ruhe des Geistes ist. Diese nun in ihrer Stärke zu erhalten, und Zerrüttungen vorzubeugen, war es nothwendig, das schöne Geschlecht zu entfernen.

Schreiben eines Maurers an Mylord Rob. Truell, einem Mitgliede der Gesellschaft der Plauderer, über die Ausschließung des schönen Geschlechts aus dem Freymäurerorden. Aus dem Engl. übersetzt. 1741, 8.
Ge. Fr. Müllers ehrenrettende Beantwortung der immerwährenden neubegierdigen Frage: Weshalb kein Frauenzimmer in den Freymäurer=Orden aufgenommen werde? gelegentlich bey einem Besuche der zunftmäßigen freyen und angenommenen Mäurer, in ihrer Versammlung abgelesen. Berl. 1777, gr. 4. 1 B.

Man hat die Gewohnheit, jedem neu angenommenen Bruder ein Par Frauenzimmerhandschuhe zu überreichen, um sie derjenigen zu geben, die er am meisten schätzt.

Ja, man hat so gar seit einiger Zeit, durch Nachahmung, Frauenzimmer in die Geheimnisse der Mäurerey eingeweihet: doch sind diese von denjenigen, welche dem männlichen Geschlechte mitgetheilet werden, unterschieden. Die Grade der Frauenzimmer sind aus dem ersten Buche Mosis genommen. Die Symbolen und Bilder haben auf die Tugenden ihres Geschlechts Beziehung, und die Loge stellt bey der Aufnahme den Garten Eden vor. Dieser weibliche Orden hat die Lehre zur Absicht, daß das Weib von Gott zur Gehülfinn des Mannes geschaffen sey, und daß diese Vereinigung, als ein Geschenk seiner wohlthätigen Hand, eine Freystätte des Vergnügens, der Ruhe und der Unschuld seyn sollte; daß aber die Neugier auf der einen, und die Süßigkeit der Verführung auf der andern Seite, den Fall des ganzen menschlichen Geschlechts verursacht habe.
Beym Schlusse ermahnt man die Aufgenommenen, diesen Schaden durch ihre Tugenden wieder zu ersetzen, wodurch sie allein das Band der Vereinigung befestigen, und uns die reinen und wahren Freuden des Lebens empfinden laßen können.

Aus eben diesem Grunde ist es auch ausdrücklich verbothen, in den Logen über theologische und politische Gegenstände zu streiten; ja, man darf nicht einmahl davon reden, und eben so wenig zuchtlose und unanständige Gespräche führen. Wahrheit, Gerechtigkeit, Klugheit, Mäßigung, Treue, Glaube und Mitleid, sind die Tugenden, die ein Mäurer ausüben muß. Ueberhaupt ist der einzige Endzweck dieser verehrungswürdigen Gesellschaft, den Menschen zu verbessern, und die Moral zu vervollkommnen.
Der Orden der Mäurer nimmt es zur Grundregel, daß jedes Glied nicht nur in ihm selbst, sondern auch in dem Ansehen seiner Mitbrüder eine sichere und wirksame Stütze findet. Ein Unglücklicher, der durch Gewalt, Verläumdung oder Haß unterdrückt wird, ist mehrentheils ohne Rettung verloren; ist er aber ein Mäurer, so wird es ihm sehr leicht, unter allen Nationen ein Vaterland, Brüder und Beschützer, ja nicht selten sein Glück zu finden.
Daher ist ein Hauptzweck dieser Gesellschaft, die freundschaftliche Hülfe und Dienstwilligkeit unter Unbekannten in der Fremde, auf der Reise und bey andern Vorfallenheiten, durch die Zunftverbindlichkeit eines Freymäurers zu befördern; und sie haben deshalb geheime Zeichen, Geberden, Worte etc. unter sich, um sich als Freymäurerbrüder zu erkennen.
Uebrigens muß man die Gesellschaft der Mäurer weder nach ihren Geheimnissen, noch nach ihren Sprachen, Gebräuchen und Bildern beurtheilen. Ihre Mysterien zielen auf die Erheiterung des Geistes, Erhaltung der Harmonie, und Bildung des Herzens.

Die Allegorie der Gesellschaft selbst ist sinnreich und unterhaltend. Man nimmt sich vor, einen Tempel aufzubauen; und dies ist der Tempel der Tugend. Die Werkzeuge zu diesem Bau sind Symbolen der Architectur des Herzens. Das Winkelmaß, der Triangel und der Zirkel, bilden die Billigkeit, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit vor. Das Licht ist eine Anspielung auf die Tugend. Der Mensch, ehe er zur Arbeit an diesem erhabenen Tempel zugelaßen wird, d. i. ehe er die Bahn der Tugend betritt, ist ein Unglücklicher, der im Finstern wandelt; will er in diesen Tempel zugelaßen werden, so muß er sich vorher von seinen Lastern reinigen, und deshalb hinreichende Proben seiner Beständigkeit und seines guten Willens ablegen. Die Handschuhe und der weiße Schurz, womit man einen neugeweihten Bruder bekleidet, stellen die Reinigkeit und Unschuld der Sitten vor, durch welche sich ein ächter Mäurer auszeichnen muß.
Die Mäurer erkennen keinen andern Unterschied, als den die Tugend gibt. Geburt, Rang und Glücksgüter werden wagerecht gesetzt, so bald man den ersten Grad ertheilet. Alle Grade haben einen mystischen Sinn; aber wenig Mäurer sind fähig, die Allegorie derselben zu enthüllen.
Nach der Sprache der Freymäurer werden alle, die nicht zu ihrer Gesellschaft gehören, für Profane gehalten; aber jeder redliche und tugendhafte Mann ist ihr Freund, und nur ein solcher ist es, welchen sie des Brudernahmens, oder des Anspruchs, ein Mitglied ihrer Gesellschaft zu seyn, würdigen. Man wird keinen einzigen guten Mäurer, d. i. einen vernünftigen und rechtschaffenen Mann finden, welcher den Profanen die Geheimnisse seiner Gesellschaft entdeckt. Man hat immer bemerkt, daß auch diejenigen, welche in allen andern Dingen sehr unvorsichtig gewesen, dennoch hierin undurchdringlich geblieben sind.

Wenn man diese Gesellschaft deswegen schmähet, weil sie ihr Geheimniß auf das heiligste verwahret; so ist es eben, als wenn man an einem Gebäude die Regelmäßigkeit des Entwurfs tadeln wollte. Geheimnisse dieser Art sind nur alsdenn ehrwürdig, wenn man dieselben unter dem Siegel des Eides geheim hält; werden sie allgemein verbreitet, so hören sie auf, Geheimnisse zu seyn.

Leute, welche alles auf das genaueste nehmen, halten die Freymäurerey aus dem Grunde dem Staate für nachtheilig, weil sich ihr System auf Gleichheit und Freyheit gründet. Man versteht hierunter eine vollkommene Gleichheit des Standes, des Ranges und der Lebensart; in dieser Bedeutung aber ist eine vollkommene Gleichheit höchst widersinnig und chimärisch. Die Menschen sind sich nie, weder der Stärke, den Talenten, noch der Gestalt nach, vollkommen gleich; jeder hat noch überdieß jenen schrecklichen angebornen Hang, über Andere zu herrschen, und es würde unmöglich seyn, eine völlige individuelle Gleichheit einzuführen.
Die Gleichheit der Freymäurer besteht darin, daß sie sich insgesammt wie Brüder ansehen, um unter sich die Pflichten der Wohlthätigkeit und des Mitleids auszuüben.

Das Urtheil über ihre Freyheit ist eben so ungegründet. Man nimmt an, daß die Mäurer eine gänzliche Unabhängigkeit von den Gesetzen lehren, und daß sie die bürgerliche Subordination als ein die Menschheit entehrendes Joch betrachten. Das System der Mäurerey ist vielmehr der Unregelmäßigkeit und der Zügellosigkeit gerade entgegen gesetzt, und es erlaubt keine andere Freyheit, als die sittliche. Nur in dieser Rücksicht nennen sich die Logen frey, weil sich Tugend und Liebe umarmen müssen, und weil jene niemahls ächt seyn kann, wenn sie nicht frey und ungezwungen ausgeübet wird. Eben dieses ist der Grund, warum sich die Arbeiter an dem Tempel der Tugend in Italien liberi Muratori nennen. In Frankreich hat man das Wort Franchise angenommen; ein Ausdruck, der noch genauer die Freyheit des Herzens bezeichnet, und von diesem sind die Beywörter Franche-maçonnerie und Franc-maçon, abgeleitet.

Unter allen Verläumdungen ist diese die unwürdigste, wenn man die Mäurer beschuldigt, daß sie Atheismus und Irreligion lehren. Alles ist Frömmigkeit und Sittlichkeit in ihren unschuldigen Geheimnissen. Sie rufen Gott als den großen Baumeister der Welten an; und dieser Ausdruck ist edel und erhaben. Wer glauben kann, daß eine Gesellschaft, welche die Gottlosigkeit lehrt, und schändliche Gebräuche hat, lange Zeit bestehen könne, der kennt das menschliche Herz noch wenig. So oft von einer lange dauernden Gesellschaft die Rede ist, kann man kühn behaupten, daß sie sich nur durch ihre gute Moral ehrwürdig gemacht hat.

Es ist immer niedrig und ungerecht, wenn man die Freymäurer=Logen, wie der schwache und unwissende Pöbel, beurtheilt; da sie sich doch nur damit beschäftigen, Tempel der Tugend, und Altäre, der Freundschaft und Menschlichkeit geweihet, zu errichten.
Besser unterrichtete und gerechte Leute verwechseln niemahls diese geheimnißvollen Versammlungen mit unerlaubten Zusammenkünften, oder mit verdächtigen, dem State verhaßten Secten. Also urtheilt ein Statist vom ersten Range, der Freyherr von Bielfeld, im 1 Th. seines Lehrbegriffs der Staatskunst, Breßl. und Lpz. 1777, gr. 8. S. 214.

„Die Polizey muß keine Versammlungen gewisser Gesellschaften oder Verbrüderungen erlauben, deren Absichten, Grundsätze, Satzungen und Einrichtungen sie nicht weiß, weil sich in solchen finstern Versammlungen hundert Complotte, hundert gefährliche oder schädliche Entwürfe für den Stat anspinnen können.
Indessen muß man unter dieser Regel die Logen der Freymäurer nicht mit begreifen. Dieser Orden ist auf dem ganzen Erdboden ausgebreitet, besteht seit Jahrhunderten in den gesittetsten Ländern; hat sich niemahls in Statssachen gemischt, und hat dem gemeinen Wesen und seinen Bürgern niemahls etwas anders, als Vortheile, gebracht. Es gibt so viel regierende Fürsten, große Herren, Obrigkeiten, ja Geistliche, welche Glieder dieser Gesellschaft sind, daß der Stat von ihren Versammlungen nichts zu fürchten hat, viel Unterthanen, und sonderlich viel Arme, nichts anders als Gutes von ihnen zu gewarten haben”.

Der klarste und überzeugendste Beweis, daß in der Freymäurer=Versammlung nichts vorgeht, was die Ruhe des States stören kann, ist wohl dieser, daß sie sich seit vielen Jahrhunderten nicht nur in allen Provinzen Europens, sondern auch in manchen asiatischen Gegenden, und fast im ganzen von Europäern bewohnten Amerika, ausgebreitet, dennoch aber niemahls die geringste Unordnung angesponnen, sondern sich vielmehr beständig durch Werke der Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit, (wohin unter andern auch das im XIII Th. S. 368, erwähnte Kinderhaus der Freymäurer zu Stockholm, welches zugleich ein Findelhaus ist, zu rechnen,) ausgezeichnet hat.
Und hat man sie auch gleich in einigen Staten aus einem ungegründeten Argwöhn nicht geduldet: so ist es doch nicht zu läugnen, daß man sie im Gegentheil in vielen andern geschützt und aufgemuntert hat.

Der König von Preußen, Friederich der Große, ertheilte dem Orden in allen seinen Landen öffentliche Freyheit. Am Johannistage 1743 feyerte die ehrwürdige Loge ihre Aufnahme in Berlin auf eine überaus solenne Art. Seit der Zeit sind fast in allen Städten der preußischen Provinzen Freymäurer. In Berlin zeichnen sich diese schätzbare Männer ganz vorzüglich durch Mildthätigkeit und Wohlthaten gegen die Armuth aus allen Religions=Secten aus.
Die hiesige Loge ward in England, unter d. 30 Nov. 1773 zur großen Landes=Loge erklärt, und es ward ihr d. 16 Jul. 1774, von Sr. Majestät dem Könige, ein förmlicher Freyheits= und Schutz=Brief, (unter der im XIII Th gegenwärtigen Werkes, S. 362, erwähnten Bedingung,) allergnädigst verliehen. Sie haben aus allen Ständen des States ihre Mitglieder; selbst den Predigerstand, wenigstens in dem Preußischen, nicht ausgenommen. Kein Prediger darf auch deshalb, daß er unter dem Orden ist, Cassation befürchten, wie es 1745 im Braunschweigischen geschah. *

*Dieses in den churfürstl. braunschweig=lüneburgischen Landen an alle Superintendenten d. d. Hannover d. 14 Jun. 1745 ergangene königliche und churfürstliche Consistorialrescript, worin allen Geistlichen der Eintritt in den Freymäurerorden ernstlich untersaget worden, findet man unter andern auch in Köhlers Münzbelustig 17 Th. Nürnb. 1745, 4. S. 418, f.

Die berlinischen Versammlungen sind in der That von großem Werthe, und ungemein glänzend.

Auch in Schweden, Holland, Curland und England, beschützt die Regierung öffentlich den Freymäurer=Orden. Man sieht in London und Stockholm oftmahls öffentliche Aufzüge, wo die Mäurer mit ihren Kleidungen, Zierrathen und Zeichen bekleidet sind. In ganz Deutschland steht diese Gesellschaft in der größten Achtung; und in allen französischen Provinzen gibt es eine Menge Mäurer=Logen, welche der Regierung keinesweges unbekannt sind.

Der eigenthümliche Character gefährlicher Gesellschaften besteht darin, sich den Augen der Redlichen, vorzüglich der Obrigkeit, zu entziehen. Die Logen der Mäurer hingegen sind gegen niemand anders, als den Pöbel, zurückhaltend. Wenn sie ihre Thüren den Schwachen, Boshaften und Lasterhaften verschließen, so öffnen sie solche ohne Unterschied den Männern von Verdienste und Stande, und vornehmlich den Tugendhaften.
Ja, es ist eine ihrer Grund=Maximen, daß sie sich bemühen, obrigkeitliche Personen, Stats=Bediente, und selbst Regenten in ihren Schooß aufzunehmen. Und überhaupt, wie viel regierende Prinzen, wie viele durch ihren Stand, durch glänzende Eigenschaften und Reinigkeit ihrer Sitten ausgezeichnete Männer, sind nicht unter der Zahl ihrer Brüder!

Der Baron von Bielfeld erzählt in seinen freundschaftlichen Briefen, (1 B. 4 Br.) daß der jetzige König von Preußen, als Kronprinz, in der Nacht vom 15 Aug. 1738 zugleich nebst dem Hauptmanne vom Regimente des Königs, nach allen gewöhnlichen Gebräuchen als Freymäurer zu Braunschweig aufgenommen worden sey.

Im Jahre 1740 äusserten Se. königliche Majestät bey der Thronbesteigung ein Verlangen, daß in Berlin eine Freymäurer=Loge gestiftet werden möchte. Der Baron von Bielfeld, und der geheime Rath Jordan, nahmen es über sich, eine Loge unter dem Nahmen der drey Weltkugeln zu errichten. Sie fing auch wirklich im Monath Junius 1740 zu arbeiten an, und im Julius dieses Jahres wurden schon der Prinz Wilhelm, der Markgraf Carl, und der Herzog von Holstein=Beck, in dieser neuen Loge aufgenommen.

Das Ansehen der Loge wuchs in wenig Jahren. Sie errichtete 1754 eine Tochter=Loge unter dem Nahmen Concorde, oder der Eintracht, welcher ihr damahliger Großmeister, der Baron von Bielfeld, ein Patent d. 9 Dec. besagten Jahres ertheilte. In dem J. 1755 errichtete sie die zweyte Tochter=Loge unter dem Nahmen de l' Amoitié, bey welcher in französischer Sprache gearbeitet wird. Im J. 1762 stiftete sie die Loge de la parfaite Union zu Stettin; und das Patent für selbige ward am 18 März 1762 ausgefertiget. Kurz nachher nahm sie den Nahmen zu den drey Zirkeln an. Ferner errichtete sie im J. 1763, d. 26 Dec. durch Deputation eine neue Loge in Magdeburg, zu den drey Säulen betitelt; ertheilte 1769, d. 13 Jan. der Loge zu den drey Kronen in Königsberg das Patent; stiftete 1770, den 24 Febr. die dritte Filial=Loge zu Berlin, der flammende Stern genannt; 1774, d. 17 Aug. die vierte Filial=Loge daselbst, mit dem Nahmen Friedrich zu den drey Seraphinen, in welcher gleichfalls französisch gearbeitet wird; d. 6 Dec. gedachten Jahres, die Loge Augusta zur goldnen Krone in Stargard; 1775, d. 14 Jun. die Loge zum goldnen Schwert in Wesel, und d. 4 Sept. bes. Jahres hierselbst die fünfte Filial=Loge, die Verschwiegenheit zu den drey verbundenen Händen genannt.

Als der Baron von Bielfeld die hiesigen Staten verließ, ward der Markgraf Carl Großmeister; und da Derselbe im Kriege mit Tode abging, erwählte sie den Prinzen Friedrich August von Braunschweig=Lüneburg Durchlaucht zum Nachfolger. Sie schickte auch ihrerseits einen Deputirten zu dem im Jahr 1775 in Braunschweig gehaltenen großen und ansehnlichen Convent, den die nach einem gewissen System, welchem 9 hier ungenannte Fürsten und Prinzen einverleibet sind, arbeitenden Logen in Deutschland veranstalteten.

Nachfolgende sind es, womit sie in der engsten und genauesten Verbindung steht, und denen der Durchlauchtigste Herzog Ferdinand von Braunschweig als Großmeister vorgesetzt ist:

  1. Braunschweig, die Loge zur gekrönten Säule.
  2. Bremen, zum silbernen Schlüssel.
  3. Cassel, zum gekrönten Löwen.
  4. Coppenhagen, Zorobabel zum Nordstern.
  5. Dresden, zu den drey Schwertern.
  6.  und zu den wahren Freunden.
  7. Eisenach, Carolina.
  8. Frankfurth am Mayn zu den drey Disteln.
  9. Görlitz, zur gekrönten Schlange.
  10. Guben, zu den drey Säulen.
  11. Göttingen, Augusta zu den drey Flammen.
  12. Glatz, zu den drey Triangeln.
  13. Hamburg, Absalon zu den drey Nesseln.
  14. ferner daselbst St. George zur Fichte.
  15. und Emanuel zur Mayenblume.
  16. Hannover, zum weißen Pferde.
  17. Hasenpoth (in Curland) zur grünen Flagge.
  18. Hildesheim, Ferdinand zur gekrönten Säule.
  19. Husum (in Dänemark) Carl zur guten Hoffnung.
  20. Leipzig, Minerva zu den drey Palmen.
  21. Marienberg (im Erzgebürge).
  22. Marienwerder (in Preussen).
  23. Marpurg, die Loge zum gekrönten Löwen.
  24. Mietau, zu den drey gekrönten Schwertern.
  25. Meynungen, Charlotta zu den drey Nelken.
  26. Naumburg, zu den drey Hämmern.
  27. Nieder Zauche, zum glänzenden Siebengestirn.
  28. Neu=Brandenburg (im Meklenburgischen) zum gekrönten Greif.
  29. Nyeborg, St. Knud zum goldenen Lindwurm.
  30. Osten (in Schlesien) zur goldenen Himmelskugel.
  31. Querfurt, Minerva zu den drey Lichtern.
  32. Rendsburg, Josua zum Korallenbaume.
  33. Riga, zum Schwert.
  34. Rostock, zu den drey Sternen.
  35. Sachsenfels, zu den drey Rosen.
  36. Schleswig, Salomo zum goldenen Löwen.
  37. Stuttgard, Carl zu den drey Cedern.
  38. Warschau, zu den drey Helmen.
  39. Weimar, Amalia.
  40. Wetzlar,
  41. Wismar, zu den drey Löwen.

Außer diesen werden reisende Brüder, die mit richtigen Adressen versehen sind, noch viele mit der preussisch=brandenburgischen Mutter= und Stamm=Loge zu den drey Weltkugeln verbundene und vereinigte Logen nicht nur in Deutschland, sondern auch selbst in Frankreich, Italien und den Niederlanden, antreffen.

Historische kurze Nachricht von der Freymäurer Mutterloge zu den drey Weltkugeln in Berlin. Berl. 1775, gr. 8. ein halb. B.

Die auf den Herzog Ferdinand, als Großmeister der vereinigten Freymäurerlogen in Deutschland, zum Vorschein gekommene Gedächtnißmedaille, stellt das Bildniß Sr. Hochfürstl. Durchl. mit der Umschrift: FERDINAND. DUX. BRUNS. ET LUNEB. und der Unterschrift: OMN. IN GERM. VNIT. LIB. MURAR. SUPR. MODERATOR, auf dem Revers einen unter dem Auge der Vorsehung ruhenden Löwen, über demselben: VIDI. VICI. QUIESCO; unter demselben: OB FELIC. REUNION. MURAR. LIBEROR. GERMAN. vor. Siehe Fig. 792.

Bey dieser Gelegenheit theile auch eine Nachricht und Abbildung einiger Freymäurer=Medaillen mit.

Eine Medaille auf die englische Freymäurer=Brüderschaft, v. J. 1733. Fig. 793. Die Hauptseite zeiget ein, auf römische Art, sehr wohl geschnittenes Brustbild eines Mannes, mit kurz=lockigen Haaren, und dem umher stehenden Nahmen: CAROLUS SACKVILLE. MAGISTER, FL. Auf der Gegen=Seite steht der Harpocrates, oder der heidnische Gott des Stillschweigens, als eine nackte Mannsperson, welche eine Blume auf dem Haupte hat, einen Finger der rechten Hand auf die Lippen leget, den linken Arm auf eine halbe Säule stützet, und in der linken Hand ein mit Blumen und Früchten gefülltes Horn des Ueberflusses (Cornu copiä) hält. Unten bey den Füßen, ist zu beyden Seiten allerhand Mäurerhandwerkszeug auf die Erde neben herum gestellt, mit der Ueberschrift: AB. ORIGINE. Unten auf dem Avers und Revers ist der Nahme des Medailleurs befindlich: L. NATTER. F.ecit. FLORENT.iae.

Fig. 794 und 795, sind zwo Freymäurer=Medaillen der hamburgischen und braunschweigischen Logen.

Fig. 794 enthält auf der ersten Seite ein Sinnbild, welches aus der in der Luft zwischen dem oben zur Rechten stehenden Mond, und unten zur Linken hervorstrahlenden Sonne, schwebenden Erdkugel bestehet, mit der Umschrift: FACIES SVPREMI EADEM. Im Abschnitt ist zu lesen: HAMBVRGI. Die andere Seite zeiget einen mit vielen Strahlen und Frey=Mäurergeräthe umgebenen Wappenschild, in dessen blauen Felde ein abgekürzter schwebender, und mit drey silbernen Castellen besetzter Sparren zu sehen ist.

Fig. 795, stellt auf der ersten Seite den Hercules vor, welcher sich mit dem rechten Arm auf einen oben mit der Löwenhaut bedeckten dicken Stamm stützet, und den Zeigefinger auf den Mund drückt, in dem linken Arm aber ein unterwärts gekehrtes und mit Mäurerwerkzeuge angefülltes Horn des Ueberflusses hält, mit der Ueberschrift: FAVETE LINGVIS, und der Unterschrift: AeQVITAS CONCORDIA ET VIRTVS. Auf der andern Seite hält eine oben zur Rechten aus den Wolken hervorgehende Hand eine Blehwage über etliche unten auf der Erde über einander liegende viereckige Werkstücke, mit der Ueberschrift: AeQVA LEGE SORTITVR INSIGNES ET IMOS.

Eine Medaille der Freymäurerloge in der magdeburgischen Stadt Halle, vom J. 1744, bildet Fig. 796 ab. Die erste Seite zeiget den auf einen Säulenfuß sitzenden, in der rechten Hand ein Senkbley haltenden, und mit dem linken Arm sich auf eine nebenstehende große Erdkugel lehnenden Logen=Meister, in landüblicher Kleidung, bedeckt mit dem Hut, und umgürtet mit einem Schurzfell, worauf unten zwey Ringe zu sehen sind. Am Halse hängt ein Winkelmaß an einem Bande. Um ihn herum liegt auf der Erde allerhand Mäurerwerkzeug, und ein Quaderstein, an welchem die Buchstaben C. S. v. BR. stehen.
Zur rechten Seite ist ein zerbrochenes Säulengebäude von ionischer Ordnung. Ueber ihm scheint die Sonne, zu welcher ein gekrönter Adler ausflieget. Umher ist zu lesen: STVSTVDIO. SAPIENTIA. SILENTIO.
Die andere Seite zeiget drey in einander geschlungene Hände, davon der von der rechten Seite hervor gehende Arm mit einem Priesterrockärmel, der von der linken Seite hervor gestreckte Arm mit einer eisernen Arm=Schiene eines Harnisches, und der darüber von oben herab reichende Arm mit einer bürgerlichen Kleidung, angethan ist. Darüber sieht man den gestirnten Himmel mit dem gehörnten Mond, und unten in der Ferne die Lage der Stadt Halle. Umher wird die auf der ersten Seite abgebrochene Umschrift also fortgesetzt: ET NON FVCATA AMICITIA QVID NOBILIVS. Im Abschnitt ist zu lesen: HALAe. MDCCXLIV. D. XXIV. IVN.

Der Revers dieser Medaille zeiget an, daß auch Personen geistlichen Standes in diese Loge aufgenommen worden sind.

Es gibt verschiedene Bücher und Schriften, deren Verfasser das Freymäurergeheimniß entdeckt haben wollen; als:
Der verrathene Freymäurerorden; Der zerschmetterte Freymäurer; Der hellbrennende Leuchter des Freymäurerordens; Das so genannte Constitutionsbuch; Die allerhöchsten Grade der Freymäurerey, u. a. m.
Diese Schriften haben theils Fremden selbst, theils der Schalkheit manchen Frey=Mäurer, ihr Daseyn zu danken. Die seltsamen Fragen und Antworten, die sonderbaren Gebräuche, das Tändelhafte, und wirklich Läppische, was häufig genug in diesen Schriften vorkommt, laßen gar nicht vermuthen, daß der Orden sich in der That mit solchen lächerlichen und nichtsbedeutenden Kleinigkeiten und wahren Spielwerken beschäftige; denn, welcher vernünftige Mann würde in ihrer Gesellschaft bleiben! und doch zählt man noch immer die Edelsten und Besten des menschlichen Geschlechts unter ihren Gliedern.

Man kann zwar deswegen nicht behaupten, daß alle Dinge, welche in diesen Büchern stehen, bloß aus der Luft gegriffen und gänzlich erdichtet seyn sollten. Es ist sehr möglich, daß hin und wieder Gesellschaften existirt haben, in welchen man sich statt reeller Dinge mit solchen Kleinigkeiten belustigte, und die sich, um die Unwissenden desto stärker anzureitzen, den Nahmen Freymäurer beylegten. Elende niedrige Seelen, welche man in solche aufnahm, und denen nichts zu heilig ist, welches sie nicht mit Füßen treten sollten, glaubten das Geheimniß der Mäurer entdeckt zu haben, und suchten es nunmehr der ganzen Welt mitzutheilen.

Ein ziemlich vollständiges Verzeichniß freymäurerischen Schriften, findet man im Almanach oder Taschenbuch für die Brüder Freymäurer, von den Jahren 1776, 1777 und 1778. Ich führe hier nur einige der allerneuesten an:

Jo. Jac. Moser von Geduldung der Freymäurergesellschaften; besonders in Rücksicht auf den westphälischen Frieden. 1776, 8. 3 B.
Anderweite Beantwortung der Fragen des Hrn. Etatsrath Moser von Geduldung der Freymäurergesellschaften in Rücksicht auf den westphälischen Frieden. 1776, 8. 2 und ein halber Bog.
Carl Hubert Lobreich von Plumenoek geoffenbarter Einfluß in das allgemeine Wohl der Staaten der ächten Frey=Mäurerey, aus dem wahren Endzweck ihrer ursprünglichen Stiftung erwiesen, und der Schrift des Königl. Dänischen Etats=Raths Jo. Jac. Mosers, von Gednidung der Freymäurer=Gesellschaften, besonders in Absicht auf den westphälischen Frieden, entgegen gesetzt. Samt dem klar= und deutlichen Unterricht, das wahre Rosenkreutzerische Astralpulver ächt zu bereiten, und zum Besten des gemeinen Wesens wider fast alle Krankheiten zu gebrauchen. Amsterdam 1777, gr. 8. 10 B.
Vertheidigung der Freymäurergesellschaft, ist die erste Abhandl. in dem neuen Diogenes, oder Beurtheil. alltäglicher und unbemerkter Weltbegebenheiten. Rostock und Lpz. 1777.
Apologie des Ordens der Freymäurer, von dem Bruder **** Mit=Gliede der ** schottischen Loge zu P *. Neue ganz umgearbeitete, und einzige authentische Ausgabe. Philadelphia, im J. 3882, d. i. 1778. Berl. 1778, 8. 16 B.
Alphabetisches Verzeichnis aller bekannten Freimaurer-Logen, aus öffentlichen Urkunden dieser ehrwürdigen Gesellschaft zusammen getragen. Leipz. 1778, 8. 9 B. Es werden hier 891 Logen aufgeführt. Der Verf. zweifelt aber selbst noch an der Vollständigkeit, und die schwedischen Logen sind gleichfalls nicht mit verzeichnet. Die Einrichtung des tabellarischen Verzeichnisses ist, daß er zuförderst die Logen mit fortschreitender Zahl, den Ort, das Land, den Nahmen, das Großmeisterthum worunter sie stehen, die Zeit der Stiftung, den Tag der Versammlung, und in der letzten Columne andere Merkwürdigkeiten bemerkt. Nach einer aus Paris am Ende des vorigen Jahrs eingegangenen Nachricht, stehen allein unter dem Großmeisterthum des Herzogs von Chartres, 670 in Frankreich eingerichtete Logen. Hieraus kann man leicht schließen, wie mangelhaft dieses Verzeichniß sey.
Freymäurer=Bibliothek, (herausgegeben von Hrn. geh. R. H **.) Erstes Stück. Berl. 1778, gr. 8. 14 B.

Die Zeichensprache der Freymaurer

Oekonomisch-technologische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft und der Kunstgeschichte
Von D. Johann Georg Krünitz
Band 161, 1834, 470-473

Unter „Sprache (Zeichen)“

Die Zeichensprache der Freymaurer, worunter man die Hieroglyphen, Symbole und Erkennungszeichen derselben versteht, ist jedem Maurer verständlich, in welchem Lande er auch geboren seyn und welche Sprache er auch reden mag; ja die Erkennungszeichen kann man selbst in der Nacht verstehen, und sie auch theilweise dem Blinden und Tauben beibringen, da sie in Worten, Zeichen und Griffen bestehen.
In welchem Lande sich auch Maurer treffen, so können sie sich als solche erkennen, es sey am Tage oder in der Nacht.

Die allgemeine Maurersprache wird dem angehenden Maurer bei seiner Einweihung mitgetheilt, die besondere, die den einzelnen Graden in der Maurerey angehört, nur dann erst, wenn er zu diesen Graden befördert wird. Zeichen und Griff können so unvermerkt gegeben werden, daß sie von allen Personen, die um mehrere Freimaurer stehen, nicht bemerkt werden. Das Wort zu ertheilen, hat schon mehr Schwierigkeiten, da es nicht mit einem Male ausgesprochen, sondern buchstabirt werden muß. Durch den Griff kann man sich dem Blinden, durch das Zeichen dem Stummen und durch das Wort und den Griff in der Nacht zu erkennen geben.

Jeder Grad in der Maurerey, wie auch schon oben bemerkt worden, hat seine Zeichen, Worte und Griffe, z. B. der Johannisgrad, Andreasgrad etc., und dann wieder die Stufen in demselben, als Lehrling, Gesell und Meister; denn es ist in vielen Fällen nicht genug, sich nur als Maurer im Allgemeinen zu erkennen zu geben, sondern man muß auch die Zeichen der Stusen und Grade, die man erlangt oder erstiegen hat, angeben, welches dann durch die besonderen Zeichen, Worte und Griffe geschieht.

Die Zeichen selbst hier anzuführen, die man in so vielen, in neuester Zeit erschienenen Schriften der aufgedeckten Freymaurer=Geheimnisse findet, würde zwecklos seyn, da der wahre Maurer sich über dergleichen Geheimnisse seines Ordens nicht äußert, und auch in Rücksicht seines geleisteten Eides nicht äußern darf, es also auch ungewiß ist, ob die in vielen Freimaurerschriften mitgetheilten Zeichen die richtigen sind, oder ob nicht die Spekulation auf einen ansehnlichen Gewinn dergleichen Geheimnisse zum Theil erdichtet und an das Licht fördert, weil aufgedeckte Geheimnisse, von welcher Art sie auch seyn mögen, immer für den Uneingeweihten einen großen Reiz haben, sie zu wissen.

Aber auch von der andern Seite betrachtet, giebt es wohl wenige Geheimnisse, die nicht enthüllt worden wären, und besonders von Ordens=Verbrüderungen; denn es giebt unter vielen Mitgliedern eines Ordens, selbst bei der sorgfältigsten Prüfung vor der Aufnahme, immer Individuen, die, sey es aus Rache oder aus sonst einem Grunde, sich ihrer eingegangenen Verpflichtungen entziehen, ihren Eid brechen, und so der Enthüller oder Entdecker von Geheimnissen werden, die für das größere Publikum oft von geringem Interesse und gar keinem Nutzen, für den Orden aber von Wichtigkeit sind, indem sie seine Verbindung in Erkennung der Mitglieder durch Zeichen und Symbole in allen Ländern und Orten erleichtern, durch Aufdeckung dieser Zeichen etc. aber erschweren; nicht zu gedenken, daß dabei oft noch die Absicht vorwaltet, den Orden durch Aufdeckung mancher Ceremonien, die mit den Zeichen in Verbindung stehen, und aus dem Zusammenhange gerissen, komisch und kleinlich erscheinen, lächerlich zu machen, und im Publikum um sein mysterieuses Ansehen zu bringen.

Dergleichen enthüllte Geheimnisse findet man nicht bloß in den neuesten Schriften über die Geheimnisse der Freimäurer etc., z. B.
im Signatstern, der Sarsena etc.,
sondern auch in älteren Schriften, z. B.
in der kurzgefaßten Geschichte u. geretteten Ehre des erlauchten Freimaurer=Ordens v. Ehrhardt (Coburg, 1754);
in dem Compaß der Weisen (Berlin, 1782) etc., die alle den Zweck haben, den Uneingeweihten in die Geheimnisse der Maurerey einzuweihen.

Ueber die Maurerey selbst; s. den Art. Frey-Mäurer. Th 15, S. 60 u. f.

Systeme der Freymaurey

Oekonomisch-technologische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft und der Kunstgeschichte
Von D. Johann Georg Krünitz
Band 178, 1841, 734-736

Unter „System“

Auch in der Freymaurerey kommt System vor, und soll hier so viel als Ritus oder Ritual bedeuten, die Liturgie der Loge; daher sagt man, eine Lege arbeite nach diesem oder jenem Systeme, das Tempelherren=System, das Eklectische System etc. etc.

Das Ritual ist sich nicht in allen Logen gleich, und man hat deren fast so viele, als es große oder Mutterlogen giebt. Manches Ritual ist aus der neuesten Zeit, wie z. B. dasjenige der großen Loge Royal=York in Berlin, und das der großen Loge in Hamburg. Das Englische System ist das älteste, welches sich in alle Welttheile verbreitet hat; es wurde aber späterhin an vielen Orten durch das Schwedische, Französische etc. verdrängt.

Diese Systeme, obgleich verschieden, trennen jedoch die Brüder nicht von einander, sondern jede Loge und deren Mitglieder sind gegen Andere tolerant, und müssen es auch seyn, da sie eine Bruderkette umschlingt, und auch das Gesetz der Moral, welches ihre Schritte leitet, diese Bruderliebe empfiehlt. Es ist auch nichts Wesentliches, wenn in diesem oder jenem Systeme einige Ceremonien etc. anders ausgeführt werden, oder ein Beamter so oder anders genannt wird.

Die Zeit und verschiedene Ansichten haben diese Veränderungen in den Ritualen hervorgebracht, und wohl deshalb, um Eindruck, vorzüglich bei der Einweihung, hervorzubringen, auch wohl um der fortgesetzten Bildung des Geistes zu entsprechen. Von einigen Ritualen, besonders alten, sind Bruchstücke gedruckt worden; aber man würde mehr als ein Dutzend Rituale verrathen oder drucken lassen müssen, wenn man vollständig über die Haltung einer Loge, oder wie eine Einweihung vollzogen wird, jeden Uneingeweihten belehren wollte.
Der Zweck, der in einem Systeme liegt, ist das eigentliche Geheimniß der Freimaurerey, welches schwerlich der Uneingeweihte errathen möchte.

System ist daher in der Freimaurerey eine Zusammenstellung der Ceremomen und Gebräuche, und die Ordnung, nach welcher sie unter einander verbunden sind.
Die hauptsächlichsten oder vorzüglichsten eingegangenen und noch gangbaren Systeme sind:

1) Eingegangene: die strikte Observanz oder das Tempelherrn=System; die Afrikanischen Bauherren; die Asiatischen Brüder; die Kreuzbrüder; die Cleriker; das Clermontsche System; das Rosaische System; das Lermasche System; das Melissinosche System; die Martinisten; das Rosenkreuzer System; das Illuminaten System; die Philaleten.

2) Nochgangbare Systeme: das Englische System; das Schwedische System; das Französische System; das Schottländische System; das Holländische System; das Schweizerische System; das Dänische System und System der sonstigen vereinigten Logen; das Eklectische System; das Hamburger oder Schrödersche System; das System der großen Loge zu den drei Weltkugeln; das System der Loge Royal=York, auch Feßlerisches System genannt; das System der Landesloge, auch Zinnendorfisches System genannt.



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