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Grundregeln der Freimaurerei, 1801 und 1803

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Grundregeln der Freimaurerei, 1801 und 1803

Bearbeitet von Roland Müller

C. Lenning: Encyclopädie der Freimaurerei.
Band 1, 1822, 268-273.


Dann liefert „allgemeine moralische Lehren der Brüderschaft" auch das ,,Constitutions-Buch der Grossen Provinzial-Loge von Hamburg und Nieder-Sachsen, [1801] S. 47—57, wobei die,, Allgem. Grund-Regeln der Freymaurerey, auf Anordnung der --- schott. Loge, Casimir zu den drey gekrönten Sternen und drey gekrönten Säulen, zum Gebrauche der Brüder herausgegeben im J. 5777," (48 SS., kl. 8.) S. 10 ff., oder die ,,Allgem. Grundregeln der Freymaurer; nebst einer Rede über den Zweck der Maurerey;" (Pressburg, 1784; 8.) S. 9 ff., zum Grunde liegen.

S. 48 f. "Von der allgemeinen Denkungart eines Freimaurers."

„Temperament und Erziehung haben den mächtigsten Einfluss sowol auf die Denkungart eines Menschen, als auf seine Tugenden. Freimaurer müssen sich daher bestreben, ihren Verstand und ihr Herz zu bilden, damit sie untereinander, wo nicht völlig gleich, — (Welches unmöglich ist,)— doch ziemlich ähnlich denken mögen. Diess wird ihr Freundschaftband dauerhaft, ihre Freuden edel und ihre Tage heiter machen. — Die Freimaurerei hat gewisse Worte zu Sinnbildern gewählt, als: Weisheit, Stärke, Schönheit, Freiheit, u. s. w., — Worte, deren Jedes einen ganzen Gedanken, malt.
Ein wahrer Bruder muss nicht nur suchen, ein jedes in seiner wahren Bedeutung verstehen zu lernen, sondern sie auch in seine ganze Denkungart zu verweben. Wer sich von Vorurtheilen frei gemacht hat, der ist frei, dessen Geist ist stark, dessen Gesinnungen sind sich immer gleich, und dessen Seele kann durch kein Unglück, selbst durch kein unerwartetes Glück, von ihrer wahren Grösse verlieren."

S. 49-52 werden als „nothwendige Eigenschaften eines Freimaurers" ausgezeichnet:

  1. „die Uneigennützigkeit, welche jedem Mitgliede einer Gesellschaft, die an dem Wohl Aller arbeitet, wesentlich nothwendig ist; (sie gründet sich auf ein gutes, menschenfreundliches Herz; und ihre Wirkungen sind Gerechtigkeit, Billigkeit gegen Andere sowol, als gegen sich selbst, und ein thätiger Eifer, nach Vermögen nützlich zu werden;)"
  2. „die Verschwiegenheit, deren Erleichterungmittel die Behutsamkeit, sowie Gegenwart des Geistes bei allen Reden und Handlungen, ist;"
  3. „die Unerschrockenheit, als das Siegel der Verschwiegenheit;"
  4. „die Beständigkeit, welche die Folge eines richtigen Verstandes und einer gesetzten Art, zu denken, ist;"
  5. „feine, anständige Sitten und Gefälligkeit; denn, der wichtigste Dienst kann durch die rauhe Art, mit der er geleistet wird, seinen ganzen Werth verlieren."

Auf einen andern Abschnitt „von der Aufführung der Brüder gegen Nicht-Maurer" (S. 53 f.) folget S. 54 f. der „von der wahren Ehre eines FMrers."

„Das Wort: Ehre, in der freimaurerischen Bedeutung, drückt zugleich die Hochachtung, die Liebe und Bewunderung aus, welche sich nützliche und ungemeine Verdienste erwerben ; und in diesem Verstände ist es die Pflicht eines Bruders, nach Ehre zu streben; sie ist der Lohn für nützliche Bemühungen. Wer aber Ehre verlangt, ohne genützt zu haben, sucht sich widerrechtlich eines fremden Eigenthums zu bemächtigen.
Da also die wahre Ehre eine Folge und der Lohn gemeinnütziger Bemühungen ist; — da es die Pflicht erfodert, so nützlich, als möglich, zu werden; — da das Bewußtsein, unsre Pflicht erfüllt zu haben , ein gutes Gewissen genannt wird; so kann man kürzlich sagen: die wahre Ehre eines Freimaurers ist ein gutes Gewissen. Damit versehen, wird er seinen Pflichten beständig treu seyn und nie Gefallen an einem Lobe finden, dem sein Bewusstseyn widerspricht."

Nach einem kurzen Abschnitte „von den Beschäftigungen eines Freimaurers" (S. 55) werden S. 56 f. die sämmtlichen vorhergehenden Lehren so in ein treffliches Gemälde zusammengefasst. —

„Der Freimaurer muss ein redliches, treues, menschenliebendes, sanftes und gefühlvolles Herz haben.
Er soll mitleidig gegen das Unglück Anderer, nachgebend , frei von Hass und Rache , und bescheiden seyn.
Er soll grossmüthig seyn und freigebig ohne Verschwendung, — ein öffentlicher Feind des Lasters, ein Verehrer der Weisheit, Tugend und Unschuld, — standhaft im Unglück und in Gefahr, — im Glücke nicht übermüthig.
Er soll sittlich und mässig seyn, auch sogar in seinen Wünschen.
Er soll sich von allen schädlichen Leidenschaften befreien und alle Arten von Ausschweifungen fliehen, die den Geist und den Körper entehren.
Er soll ein guter Bürger, Ehemann, Vater, Sohn und Bruder seyn,— jede Pflicht, die ihm Tugend und Geselligkeit auflegen, mit treuem Eifer erfüllen.
Er soll sich von den Fesseln der Vorurtheile losmachen und auf dem geraden Wege der Vernunft in's innere der Wahrheit dringen: doch soll er solche Vorurtheile mit Schonung behandeln, auf welche andre Menschen ihre Ruhe bauen.
Er soll den Müssiggang fliehen und in seinen Berufsgeschäften mit Ordnung, Fleiss und Pünctlichkeit handeln.
Er soll, ohne vorwitzige Neugierde, Alles zu erforschen suchen, wodurch er klüger und besser werden kann.
Er soll nach allen Kräften jede gute Anstalt zum Besten der Menschheit unterstützen.
Er soll, heimlich oder öffentlich, jedes verkannte Talent, jedes unterdrückte Genie, ermuntern.
Er soll verschwiegen seyn und sich, daher an Gegenwart des Geistes, Wachsamkeit auf sich selbst, Muth und Unerschrockenheit gewöhnen,
— nicht Ansehen, Stand, noch Gefahr, achten, wo es Pflicht gilt."

— Vgl. unten Meister, sodann das, vom Br. Krause entworfene, liebenswürdige Bild eines harmonisch gebildeten Menschen, das ist eines vollendeten Freimaurers, in Bruder Mossdorfs „Mittheilungen an denk. FMrer," S. 90 f.!

Noch verdienet, nachgelesen zu werden, die kleine Abhandlung in dem „Constitutions-Buche der Loge Archimedes z. d. 3 Reissbretern in Altenburg," [1803] S. 241- 243, über die Frage: „welche Eigenschaften werden erfodert, um vollkommner Freimaurer zu werden?" deren Verf. ganz richtig bemerkt,

„dass, um ein vollkommener Freimaurer werden zu können, man besitzen müsse:
einen lebhaften Geist und rege Phantasie,
eine edle Richtung des Gemüths auf die hohe Bestimmung des Menschen,
einen schuldlosen Wandel,
ein gefühlvolles, für Freundschaft, Bruder - und Menschenliebe empfängliches Herz."

Im ersten Abschnitte dieses C.-B. wurde S. 17, (§.10,) der sehr empfehlungwerthe Grundsatz, nach welchem der Freimaurer in sittlicher Hinsicht handeln müsse, aufgestellt:

„Handle so, wie ein Mensch, der von der reinsten Achtung für Recht und Pflicht, für Gott und Menschen, durchdrungen ist, handeln soll.'

Ebendaselbst hat das Capitel: Grundsätze, (S. 20-22,) den für jeden im Herzen vorbereiteten Mason höchst anziehenden Schluss:

"§. 13. Hat aber auch ein Freimaurer sowol die allgemeinen, als alle daraus abzuleitenden besonderen, Grundsätze und Lebensregeln sich angeeignet, so dünke er sich doch ja nicht besser und humaner, als irgend ein andrer gebildeter Mann, den er noch nicht kennt; denn, beinahe in allen Ständen trifft man zuweilen durch ihr Herz Veredelte an, die nicht Freimaurer sind und doch manchen Freimaurer beschämen." ——
„О! Brüder, kommt Euch einst auf Eu'ren Lebenswegen
ein Mann von Geist und Herz entgegen,
der, in sich selber gross, des blinden Glückes wegen
nie stolz sich überhebt, Gefühl für Menschenrechte
und Mitleid mit des Bruders Schwächen hegt, —
der gern und liebevoll der Vorurtheile Knechte
befreit, nicht sie fanatisch widerlegt, —
der wohlthut, wie ein Gott, im Stillen,
nicht, weil die Welt ihn lobt, — weil sein Gefühl gebeut,
weil, seine Pflichten zu erfüllen
und recht zu handeln, ihn erfreut, —
der zu der bessern Welt den Geist erhebt, —
wann die Begierde stürmt, vor jedem Unrecht bebt,—
nicht fragt: ob Dieser hier ein Christ,
ein Heide, Muselmann und Jude ist, —
der räth und hilft, weil alle Menschen Brüder
und Gottes Kinder sind, — nicht stolz auf Ärm're nieder,
nicht schüchtern aufwärts, blickt, wann sich der Höh're naht, —
die Blumen, die auf seinem Pfad'
vielleicht nur einzeln blühn, doch dankbar pflücket
und von dem Wenigen, das ihm das Schicksal schenkt,
noch Andern reicht, den Nächsten noch beglücket,—
im Ungemach den Blick zum Himmel lenkt,
der Zukunft ruhig harrt; — — kommt Euch ein Mann entgegen,
der, wie im Weltall Gott, so Heil und Segen
in seinem Kreise schafft, — der seine kleine Welt,
gleich Gottes Sonn', erfreut, belebt, erwärmt, erhellt,
so fragt ihn nicht: ob ein Patent,
mit grossem Siegel ausgezieret,
als Maurer ihn legitimiret?
fragt nicht: ob er den Sinn der grossen Lichter kennt? —
drückt ihn an's Herz! — Gott selbst und die Natur
erliessen ihm den Maurerschwur
und weihten ihn an irgend einer heil'gen Stätte
zum diamantnen Glied' in unsrer Bruderkette."


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