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Logenwiederbegründungen 1945-1946

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Inhaltsverzeichnis

Logenwiederbegründungen 1945-1946

Von Arnold Grunwald

Über die Zeit nach 1945 gibt es noch Wissenslücken, da bisher keine übergreifende Arbeit vorliegt. Das ist deswegen schwierig, da man alle Logen einbeziehen müsste, auch die, die gar nicht mehr bestehen. Ich lege für Interessierte hier einmal den Versuch einer ersten Zusammenfassung vor. Für Verbesserungs- und Änderungsvorschläge wäre ich dankbar.

Wiederbegründung der Freimaurerei in Deutschland nach 1945

Die Geschichte der Wiedereröffnung von Logen nach dem Zweiten Weltkrieg in den Jahren 1945/46 verlief an einzelnen Orten so unterschiedlich, dass man bis heute darüber keinen zusammenfassenden Überblick hat.

Die Situation in den vier Besatzungszonen und den vier Bereichen der Alliierten in Berlin ist unterschiedlich zu betrachten. Auch in den drei westlichen Besatzungszonen gab es kein einheitliches Vorgehen. Am 01.01.1947 schlossen sich die amerikanische und britische Besatzungszone zu der sogenannten "Bizone" zusammen, um die Verwaltung und Bewirtschaftung zu vereinheitlichten. Frankreich protestierte dagegen, trat dann nach Verhandlungen in London am 08.04.1949 der "Bizone" bei, die nun zur "Trizone" wurde.

In der sowjetischen Besatzungszone wurde die Wiederbegründung der Freimaurerei schon 1946 gänzlich verboten. In Berlin lagen unter dem Viermächtestatus völlig andere Bedingungen vor wie in den drei Westzonen. Gerade das aber war folgenreich, da dort der Sitz der drei preußischen Großlogen lag, denen vor 1935 fast Dreiviertel der deutschen Freimaurer angehört hatten.

Logeneröffnungen, von denen für die Jahre 1945 und 1946 berichtet werden, waren nur geduldete Maßnahmen regionaler Militärinstanzen. Rechtliche Grundlagen wurden in den Westzonen erst im Jahre 1947 geschaffen. Bis 1947 verhielten sich Franzosen und Amerikaner gegenüber den freimaurerischen Aktivitäten in ihren Besatzungszonen eher liberal und die Briten restriktiv.

Eine große Zahl deutscher Logen konnte in diesen Jahren nicht wiederbelebt werden, da sie vormals auf dem Gebiet lagen, das nun zum Machtbereich der Sowjetunion und Polens gehörte. Andere Logen wurden nicht wiederbelebt, da es nur noch wenigen Mitglieder am Ort gab. Aus diesem Grunde schlossen sich an mehreren Orten Logen unter einer neuen Bezeichnung zusammen. An vielen Orten fanden sich gleich nach Kriegsende Brüder zusammen. Manfred Steffens berichtet für Hamburg: `Nicht einmal drei Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, am 26. Mai 1945, trafen sich auf Initiative des früheren Meisters vom Stuhl Dr. Uterhack insgesamt neun ehemalige Mitglieder der Loge zu einem ersten Gespräch. Eine Woche später, am 2. Juni, rekonstruierten sie ihre Loge und wählten Dr. Uterhack erneut an die Spitze der Loge.

Steffens spricht nicht von "Wiederbegründung", sondern von "Rekonstituierung". Er berichtet, die "Große Loge von Hamburg" habe sich am 04.10.1945 bei einem Treffen im Hamburger Freimaurer-Krankenhaus rekonstituiert, wobei Pastor Hintze zum Großmeister gewählt worden sei. Steffens gibt für das Bestreben der Logen, sich schnell wieder zu begründen und dem wohlwollenden Verständnis mancher Militärbehörden für diesen Wunsch, dem aber das Verbot zur Bildung von Vereinen entgegenstand, folgenden Hinweis: `Diese paradoxe Lage führte dazu, dass die meisten Logen wieder auflebten, aber von den Behörden nicht zugelassen wurden. Die Militärregierungen lehnten im allgemeinen Anträge auf Wiederzulassungen von Logen ab, schritten aber andererseits in keiner Weise ein, wenn sich die Logen rekonstituierten oder sogar maurerische Arbeit wieder aufnahmen.´

Rolf Appel hat in seinem grundlegenden Buch "Woher - Wohin" über frühe Logenwiederbegründungen im Jahre 1945 berichtet, wobei in einigen Fällen das genaue Datum nicht genannt wird. Der Loge "Absalom zu den drei Nesseln" in Hamburg sei 1945 erlaubt worden, das Johannisfest zu feiern, wobei die Auflage bestanden habe, dass nicht mehr als 20 Brüder hätten teilnehmen dürfen. Die Loge "Badenia zum Fortschritt" in Baden-Baden habe am 27.12.1945 die Arbeitsgenehmigung durch die französischen Militärbehörden erhalten. Die Loge "Herder" in Bremen sei am 02.08.1945 neu gegründet worden. Die Loge "Zur Weltkugel" in Lübeck habe am 26.06.1945 ohne Genehmigung ihre erste Tempelarbeit durchgeführt.

Die Loge "Wieland" in München sei 1945 wiedererweckt worden. In diesem Zusammenhang zählt Appel zwanzig Namen von Freimaurern auf, die sich kurz nach Kriegsende um die Wiederbegründung von Logen bemüht haben.

Emil Selter hat 1949 einen Vortrag mit dem Titel "Die Einigung der Freimaurerei in Deutschland seit der Gründung der Bundesgroßloge Zu den Alten Pflichten" verfasst. Dabei erwähnt er auch frühe Logenwiederbegründungen. Selter schreibt: `In der der zweiten Hälfte 1945 schlossen sich 65 Mitglieder von sechs früheren Kasseler Logen ohne Rücksicht auf ihre frühere Großlogenzugehörigkeit zur Loge `Goethe zur Bruderliebe´ zusammen und schlossen damit den Spalt zwischen ehemals christlichen und ehemals humanitären Logen; in Frankfurt a. M. bildete sich aus zwei ehemaligen Logen der Symbolischen Großloge von Deutschland am 15.11.1945 die Loge `Lessing´, die ausdrücklich nicht zu ihrer früheren Großloge zurückkehrte, sondern eine einige Großloge in Deutschland abwarten wollte.

Gleiche Bestrebungen zeigten sich aber auch außerhalb Hessens: In München bildete sich eine Vereinigung von Freimaurern aller früherer Systeme, die allerdings später sich doch wieder in ihre alten Logen zum Teil aufteilte; in Braunschweig schlossen sich alle Brüder ohne Rücksicht auf ihr früheres System unter dem Namen der ältesten Braunschweiger Loge `Carl zur gekrönten Säule´ zu einer Loge zusammen; in Erlangen, in Würzburg und in Coburg wurden gleiche Zusammenschlüsse durchgeführt, und in Köln vereinigten sich die aus fünf Logen verschiedener Großlogen überlebenden Brüder bereits am 23.2.1946 zu der neuen Loge `Zum Ewigen Dom´, während sich in Bielefeld zwei Logen - allerdings der gleichen Großloge früher zugehörig - zu der Loge `Zu den drei Sparren´ zusammenschlossen. So umfangreich diese Liste auch ist, so will sie keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erheben.´

Rolf Keil berichtet über den Zusammenschluss der Logen "Goethe" und "Spinoza" zur Loge "Lessing": `Im Sommer 1945 fand sich ein kleiner Bruderkreis dieser beiden Logen zusammen, um zunächst einmal festzustellen, ob die Voraussetzungen für die Fortsetzung oder Gründung einer neuen Loge gegeben seien. Rasch war klar, dass die beiden Logen "Spinoza" und "Goethe zu den drei Säulen" durch den Krieg zu ausgezehrt waren, um sie wieder zu beleben.´

Obwohl die Amerikaner bei Logengenehmigungen eher großzügig verfuhren, hielt man sich auch dort an restriktive Vorschriften. Die Gründung der Loge "Lessing" in Frankfurt musste das erfahren. Rolf Keil schreibt: `Der Kampf mit den Windmühlen der Bürokratie führte zu einem Kuriosum. Neugründungen von Vereinen waren durch die Militärbehörden untersagt, lediglich Wiedergründungen durften durchgeführt werden. (...)

Schon im Januar 1946 kam der Dämpfer für die junge Loge: `The Free Mason Lodge `Lessing´ falls in the category of secret organizations which hold secret meetings and as such is not permitted to operate regardless of previously granted permission.´, hieß es in einem Schreiben der Militärregierung für den Stadtkreis Frankfurt am Main. Zum Glück waren die Strukturen bereits gelegt. Offiziell wurde die Loge `Lessing´ erst im Mai 1947 anerkannt und bekam die Erlaubnis zu arbeiten.´

Alle Wiederbegründungen von Logen und Großlogen in den Jahren 1945/46 in den westlichen Besatzungszonen entbehrten der rechtlichen Grundlage und mussten vielerorts rückgängig gemacht werden.

Die "Bundesgroßloge Zu den Alten Pflichten"

Nach den Erfahrungen über die Zerstrittenheit der Großlogen während der Weimarer Republik und in der Nazizeit entstand an vielen Stellen der Wunsch nach einer Einheitsgroßloge für Deutschland. Diesen Wunsch teilte die Mehrheit der verbliebenen Freimaurer und zwar unabhängig von der früheren Zugehörigkeit zu einer bestimmten Großloge. Lediglich die GLLFvD in Berlin stand diesem Wunsch kritisch und bald ablehnend gegenüber.

Herbert Buchwald aus Lübeck unternahm 1945 unter schwierigsten Bedingungen - zum Teil auf offenen Kohlezügen - Reisen, die ihn nach Hessen und Württemberg/Baden führten, um für die Wiederbelebung der Freimaurerei zu werben. Das Ergebnis war, dass sich am 10. und 11.11.1945 in Bensheim an der Bergstraße in der amerikanischen Besatzungszone Vertreter der früheren humanitären Großlogen im Hause des Br. Wilhelm Andreae zu einer Besprechung einfanden. Neben Herbert Buchwald von der Loge "Zur Weltkugel" aus Lübeck gehörten zu den Teilnehmern Pastor Wilhelm Hintze von der Loge "Zur Maienblume" in Hamburg, Fritz Lichtenberg von der Loge "Furchtlos und treu" in Stuttgart, der Großmeister von Hessen, Georg Guyot, der Großmeister des Eklektischen Bundes Br. Ganser und etwa 30 weitere Freimaurer. Sie beschlossen, die "Bundesgroßloge Zu den Alten Pflichten" zu gründen. Die "Symbolische Großloge von Deutschland" hatte schon vorher ihre Zustimmung zum Eintritt erklärt, der Vorsitzende des FzaS, Br. Satow, entschied sich gegen den Beitritt. Zur Bundesgroßloge gehörten die früheren Großlogen von Hamburg, Frankfurt, Darmstadt, Bayreuth und die zur Großloge von Sachsen gehörenden Logen in Westdeutschland.

Fritz Lichtenberg wurde am 11.11.1945 in einer Festarbeit, die im Hause des Br. Andreae stattfand, zum ersten Großmeister gewählt. Als Großmeister für das Gebiet Bayern wurde Bernhard Bayer, früher GL "Zur Sonne", eingesetzt. Am gleichen Tage wurde ein Manifest verfasst. Das Manifest begann mit folgenden Worten: `An alle Brüder der bisherigen anerkannten ger. und vollk. Freimaurerlogen! Die Zeit der Unterdrückung und Verfolgung der zur deutschen Freimaurerei gehörenden Brüder ist vorüber. In Deutschland können und sollen wir dank dem Entgegenkommen und entsprechend dem Wunsche der amerikanischen Militärregierung (die britische Militärregierung wird sich, wie zu hoffen steht, eine entsprechende Einstellung ebenfalls in Kürze zu eigen machen) wieder maurerisch arbeiten, um dadurch am Wiederaufbau und der Gesundung unseres Vaterlandes tatkräftig zu helfen.´

Die Gründung der "Bundesgroßloge" am 10.11.1945 war erfolgt, ohne dass eine Genehmigung der amerikanischen Militärbehörden vorlag. Bei der nächsten Festarbeit am 03.02.1946 in Stuttgart nahmen 19 Brüder teil. Fritz Lichtenberg erhielt `auf Grund seiner guten Beziehungen zu dem Militärbefehlshaber in Baden-Württemberg, einem Br. Dawsen, die Genehmigung der Militärregierung, und am 3. 2. 1946 wurde die Bundesgroßloge in gehöriger Form rituell eingesetzt. Am 24.03.1946 verstarb Fritz Lichtenberg an einem Herzanfall.

Nach dem Tode Lichtenbergs wurde August Hirscher aus Esslingen dessen Nachfolger. Zahlreiche Logen schlossen sich der "Bundesgroßloge Zu den Alten Pflichten" an. In Norddeutschland z.B. die Loge "Friedrich zum weißen Pferde" aus Hannover, die Loge "Zum hellleuchtenden Licht" in Celle und die Loge "Ernst August zum goldenen Anker" in Harburg. In Hamburg ließ sich Pastor Hintze zum Großmeister von Norddeutschland der "Bundesgroßloge Zu den alten Pflichten" ernennen.

Am 01.05.1946 schrieb der Schriftführer der Loge "Roland" in Hamburg, Alfred Buss, an befreundete Logen: `Die Vereinigung ehemaliger Freimaurer der früheren zur Großen Loge von Preußen genannt zur Freundschaft gehörigen 5 Logen Roland, Globus, Konrad Ekhof, Drei Lichter am Wege, Armin zur Treue und Einigkeit (...) haben nach mehrfachen Aussprachen am 25. April 1946 nach voraufgegangener schriftlicher Einladung beschlossen, sich der "Bundesgroßloge von Deutschland Zu den alten Pflichten" anzuschließen.´

August Horneffer, hatte seine Loge in Berlin der "Bundesgroßloge Zu den Alten Pflichten" angeschlossen. Er schied mit seiner Loge aber wieder aus und teilte Karl Manecke in Hamm den Grund für seine Gesinnungsänderung mit: `Wir alle mussten, wie Du jetzt siehst, die Stuttgarter Gründung als die allein zugelassene frm.-Institution für ganz Deutschland ansehen. Das ist nun gründlich vorbei. (...) Nicht Tatsache, sondern Wunsch ist die Einheitsgroßloge; nicht Einheit will sie, sondern einseitigen Linkskurs. Fischer ist Ignorant und Feind des `christlichen Humanismus´, zu welchem ich mich mit 2/3 der deutschen Freimaurer nach wie vor bekenne.´

Am 27.07.1947 erklärte August Hirscher, dass die "Bundesgroßloge Zu den Alten Pflichten" nicht mehr bestehe. Am 29.09.1947 wurde die "Großloge für Württemberg-Baden" gegründet. August Hirscher wurde zu ihrem Großmeister gewählt. Die "Bundesgroßloge Zu den alten Pflichten" wurde unter dem Großmeister Hirscher in die "Großloge Württemberg-Baden" übergeleitet. Die "Großloge Württemberg-Baden" ging später in der VGLvD auf.

Die wesentliche Diskussion drehte sich immer um die Erhaltung der christlichen Freimaurerei und die Verteidigung des dort üblichen Hochgradsystems. In einem Rundschreiben vom 15.08.1946 schlug Karl Manecke aus Hamm zur Erhaltung der Hochgrade nötigenfalls eine besondere Einrichtung vor, die den Namen "Hochloge aller deutschen Bauhütten" tragen könne. Das wurde aber nie realisiert. In dieser Zeit gehörten die "Herforder Tagungen" zu den bedeutenden Treffen der Freimaurer im nördlichen Teil Deutschlands. In Herford versammelten sich die Meister v. Stuhl und Vertreter der wiedererstehenden Logen. Sie vertraten 35 christliche Logen der britischen Zone der drei preußischen Großlogen. Sie beschlossen eine Resolution, welche die Wiederaufnahme der freimaurerischen Tätigkeit vereinheitlichen sollte. Die wichtigste Entscheidung war, dass man eine einheitliche Großloge für Niedersachsen oder aber für die britische Zone gründen wolle, wobei jede Loge ihr altes Ritual beibehalten könne.

Großloge "Zur Einigkeit" in Baden-Baden

In der französischen Besatzungszone verhielt man sich der Freimaurerei gegenüber besonders entgegenkommend. Die französische Militärloge "Mont Tonnere" in Baden-Baden lud die Brüder der "Badenia zum Fortschritt" zu ihren Arbeiten ein. Die Loge "Badenia zum Fortschritt" erhielt am 27.12.1945 von der Militärverwaltung eine Arbeitsgenehmigung, die aber mit der Verbindung zum "Grand Orient de France" in Zusammenhang stand. Der Mstr. v. Stuhl der Feldloge erhielt die Ehrenmitgliedschaft der Loge "Badenia zum Fortschritt."

Paul Bauer bemühte sich, die Logen der französischen Besatzungszone im südwestdeutschen Raum zu vereinen. Er fand bei acht Logen Unterstützung, die sowohl den humanitären wie den drei altpreußischen Logen ehemals zugehört hatten. Am 14.12.1947 wurde die Großloge "Zur Einigkeit" in Baden-Baden begründet. Zum Großmeister wurde Paul Bauer gewählt, der in der zur GLLFvD gehörenden Loge "Zur Beständigkeit" in Berlin aufgenommen worden war. Die Einsetzungsfeier fand im Tempel der Loge "Mont Tennerre" statt. An der Einweihungsfeier nahmen der Großmeister der "Großloge Württemberg-Baden", August Hirscher, der stellvertretende Großmeister der Großloge "Zur Sonne" Theodor Vogel und der Großmeister des "Grand Orient de France" Br. Vinaud teil. Br. Bauer behielt das Amt des Großmeisters bis zum 19.06.1949. An diesem Tage löste sich die Großloge "Zur Einigkeit" auf. Die Mitgliedslogen traten der VGLvD bei.

Zur Situation in Berlin nach 1945

Die Situation in Berlin war im Jahre 1945 und in den folgenden Jahren eine besondere. Die 20 Stadtbezirke waren in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die Amerikaner verhielten sich gegenüber den Freimaurern gesprächsoffen, die Briten und Franzosen zurückhaltend und die Russen zeigten kein Entgegenkommen. (Anm.: Als Quelle für die Verhältnisse in Berlin dient folgende Veröffentlichung: "Die Sondersituation Berlins in der deutschen Freimaurerei 1945-1958", Sonderveröffentlichung der Zeitschrift "Am Rauhen Stein" der "Große Loge Royal York zur Freundschaft", Berlin 2015 mit Beiträgen von Christian Meier/Günter Biesenthal, Thomas Richert, Klaus-J. Wilcke und Pantelis Carelos. Die Zitierung der Einzelquellen unterbleibt im Folgenden, da es bei den Beiträgen zu zahlreichen Überschneidungen kommt.)

Ab September 1945 führte Paul Rosenthal von der GL GLFvD Verhandlungen mit den amerikanischen Besatzungsbehörden. Am 17.12.1945 wurden Paul Rosenthal, Hans Oehmen und Bruno Rogowski (GL GLFvD) von der amerikanischen Militärregierung vorgeladen, um Fragebogen über ihre Tätigkeiten in der NS-Zeit abzugeben. Es wurde ihnen die Benutzung von zwei Räumen im Ordenhaus in der Eisenacher Str. 11-13 gestattet. (Die Ordenshäuser der GLvPr und der GNML 3WK in der Splittberger Straße und Dorotheenstraße lagen im russischen Sektor.)

Am 13.12.1945 erhielt die GL GLFvD eine vorläufige Genehmigung für Zusammenkünfte im Bezirk Schöneberg. Die Ordensbrüder hatten die Amerikaner überzeugt, dass mit Ausnahme der Juden keine Gruppe so unter Verfolgung gelitten hätte wie die Mitglieder der GL GLFvD. Diese Behauptung wurde erst später revidiert. Die amerikanische Militärregierung übergab am 13.12.1945 folgendes Schreiben:

`Es wird die Erlaubnis erteilt, eine Großloge der Freimaurer im Berliner Verwaltungsbezirk Schöneberg-Friedenau zu bilden. Die Erlaubnis erstreckt sich nur bis an die Grenzen des erwähnten Verwaltungsbezirks.

Die Kommendatur gibt der Militärregierung als verantwortliche Leiter folgende Personen bekannt:

Paul Rosenthal, Dr. Hans Oehmen, Dr. Bruno Rogowsky.

Diese Herren sind für die Leitung und für die Organisation der Großloge der Freimaurer im oben erwähnten Verwaltungsbezirk verantwortlich.´ Es wurde im Weiteren darauf verwiesen, dass keine Nazis oder Militaristen zugelassen werden dürften. Im Spätsommer 1945 nahm Br. Traugott Mann von der GNML 3WK mit Colonel Richmond Gespräche auf. Im Mai erlangte das "Vorläufige geschäftsführende Bundesdirektorium" eine Arbeitserlaubnis für den amerikanischen Sektor.

Im August begannen die Logen mit den ersten Arbeiten. Am 10.11.1946 wurde Fritz Sasse zum National-Großmeister gewählt. Fritz Sasse, geb. 1889 in Berlin, war bis zum I. Weltkrieg Pfarrer und Feldgeistlicher in Danzig. Von 1918-1932 war er Pfarrer in Berlin-Fiedrichshain, dann in Krahne/Lehnin und ab 1939 in Berlin-Johannisthal. Aufgenommen wurde er am 27.01.1923 in der Loge "Zur Eintracht" der GNML 3WK. Sein Sohn war 1944 als Widerstandskämpfer hingerichtet worden Sasse wurde Mitglied der SPD. Als es zum zwangsweisen Zusammenschluss der SPD und KPD zur SED kam, wurde er ohne sein Mittun Mitglied der SED. Man ernannte ihn zum Bezirksverordneten des Bezirks Treptow. Sowohl Brüder Berliner Großlogen wie auch Theodor Vogel machten ihm das zum Vorwurf und unterstellten ihm `kommunistische und staatsfeindliche´ Ziele. Sasse trat aufgrund dieser Querelen am 14.12.1950 vom Amt des National-Großmeisters zurück. In einem Schreiben vom 28.3.1951 erklärte der Minister für gesamtdeutsche Fragen, dass die politischen Bedenken gegen Fritz Sasse hinfällig seien.

Am 19.12.1945 trafen sich die Ordensbrüder der GL GLFvD zu einer ersten Versammlung. Am 27.12.1945 wurde die "Große Landesloge von Deutschland" feierlich wiedereröffnet. Über die Aufnahme wurde gekugelt und jeder musste ein Gelöbnis ablegen. Paul Rosenthal wurde zum Landes-Großmeister, Hans Oehmen zum 1. Abg. Landes-Großmeister, Oskar Greuel zum 1. Landes-Groß-Aufseher, Hans Gosovius zum 2. Landes-Groß-Aufseher, Johannis Klinkmüller zum Landes-Groß-Schatzmeister und Walter Zimmermann zum Landes-Groß-Sekretär gewählt. In einem Rundschreiben vom 20.01.1946 informierte Hans Oehmen die Bruderschaft über den Stand der Verhandlungen.

Am 10.10.1945 besuchte Br. Nöllenberg von der GLvPr das Büro des Verbindungsoffiziers im Bezirksamt Kreuzberg und erkundigte sich bei Oberleutnant Nowalsky über die mögliche Wiederzulassung der Freimaurerei. Er erhielt die Auskunft, dass Nowalsky sich darum kümmern werde.

Die GL GLFvD hatte schon 1933 die Verbindungen zu den beiden preußischen Großlogen GLvPr und GNML 3WK unterbunden, um einen radikalen national-konservativen Kurs zu verfolgen. Daraufhin hatten sich die GLvPr und die GNML 3WK angenähert. In den ersten Nachkriegsjahren bestand diese Zusammenarbeit weiterhin. Am 22.10.1945 verschickten diese beiden Großlogen ein gemeinsames Rundschreiben an ihre Tochterlogen in Westdeutschland, in dem sie mitteilten, dass die Großlogen nun auch wieder aktiv an der Wiederherstellung der Freimaurerei arbeiteten.

Am 16.02.1946 trafen sich Brüder der GLvPr zur ersten Versammlung im Restaurant "Zum Schultheiß" in Kreuzberg. Sie setzten einen elfköpfigen Arbeitsausschuss ein, der die Konstituierung der Großloge vorbereiten sollte. Am 27.03.1946 wurde die Großloge konstituiert, wobei beschlossen wurde, dass nur vier Johannislogen arbeiten sollten. Die Brüder der acht anderen GLvPr-Logen sollten sich einer dieser vier Logen anschließen. Es wurde so entschieden, da nicht mehr viele Brüder auffindbar waren und einige der ehemaligen Logen sich im sowjetischen Sektor befanden. Die in Arbeit gesetzten vier Johannislogen waren diejenigen, die 1798 die GL RYzF gebildet hatten: "Friedrich zur gekrönten Gerechtigkeit", "Zur siegenden Wahrheit", "Urania zur Unsterblichkeit" und "Pythagoras zum flammenden Stern".

Am 18.05.1946 wurden Vertreter der GLvPr, der GL GLFvD und der GNML 3WK in die US-Kommandantur Steglitz einbestellt. Captain Biel erteilte den drei Großlogen die Genehmigung für Zusammenkünfte im Bezirk Schöneberg-Friedenau. Der GLvPr empfahl er, in Zukunft auf die Bezeichnung "von Preußen" zu verzichten. Nun nannte sie sich "Große Loge Royal York zur Freundschaft" (GL RYzF). Vordem hieß sie "Große Loge von Preußen zur Freundschaft". Den Zusatz "Royal York" hatte sie nach Einritt Englands in den Ersten Weltkrieg gestrichen, nahm ihn nun aber wieder auf. Die Genehmigung zur Wiedereröffnung der GL RYzF wurde also mit diesem Datum erteilt.

Im April 1946 schrieb die GL RYzF die Tochterlogen in den westlichen Besatzungszonen an, um folgendes mitzuteilen: Die Konstituierung bedeute noch nicht die Genehmigung durch die Besatzungsmacht. Durch die amerikanische Kommandantur sei nur die Versammlung genehmigt worden. Dieses sei auch den vier Berliner Tochterlogen gestattet worden. Die Tochterlogen in den westlichen Besatzungszonen möchten ausstehende Entscheidungen noch abwarten. Der Großloge in Berlin war es verboten, Beziehungen zu ihren Tochterlogen in den Besatzungsgebieten aufzunehmen.

Am 24.06.1946 konnte die GL RYzF das Johannisfest im Schöneberger Ratskeller feiern. Es nahmen 300 Brr. teil, auch die Großmeister der beiden anderen preußischen Großlogen.

Br. August Horneffer und Br. Thiel versuchten in einem Treffen der Großlogen in Berlin am 19.08.1946 die Einigung der christlichen Großlogen zu erzielen. Es wurden die unterschiedlichsten Organisationsformen vorgestellt. So hatte Br. Thiel von der Loge "Zur siegenden Wahrheit" mit der GNML-Loge "Zu den drei Seraphim" und der GL GLFvD-Loge "Pilgrim" eine "Kartellverbindung" gegründet, die die Teilnahme an gemeinsamen Arbeiten möglich machte. Diese Einigungsbestrebungen blieben ohne Erfolg.

1947 wurde ein "Großmeisterverein" der vier Großlogen ins Leben gerufen, der aber am 02.06.1948 wieder eingestellt wurde. Die Amerikaner übergaben 1947 ein "8-Punkte-Programm", in dem die Bedingungen für die vorläufige Genehmigung aufgeführt wurden.

Am 13.06.1949 gestattete die amerikanische Militärverwaltung der GL GLFvD die Konstitution als Großloge. Br. Theodor Vogel erhob dagegen Einspruch, der aber folgenlos blieb.

Großloge "Zu den Alten Pflichten" in Berlin

Die acht Logen der ehemaligen "Provinziallgroßloge von Hamburg" in Berlin waren von den Brüdern Walter Venzke und Carl Nowack wiederbelebt worden. Eine Verbindung nach Hamburg war nicht möglich, da Hamburg unter britischer Besatzung stand, die noch nicht die Arbeit von Logen genehmigt hatte. Am 01.06.1946 trafen sich 100 Brüder im Ratskeller in Schöneberg. Sie kamen aus unterschiedlichen humanitären Logen. Die Brüder wurden gleichmäßig auf die früheren Logen der "Provinzialgroßloge von Hamburg" in Berlin verteilt. Am 10.10.1946 erfolgte die Lichteinbringung in alle acht Logen im Ratskeller Schöneberg. Es waren folgende Logen: "Hammonia zur Treue", "Victoria", "Humanitas", "Germania zur Einigkeit", "Pestalozzi zur Wahrheit", "Alte Pflichten zur aufgehenden Sonne", "Zum Spiegel der Wahrheit", "Zur aufgehenden Sonne", "Friedrich-Ludwig-Schröder".

Man beschloss, der "Bundesgroßloge Zu den Alten Pflichten" beizutreten. Am 18.05.1946 erteilte die amerikanische Militärregierung im amerikanischen Sektor den Logen die Erlaubnis, unter der "Bundesgroßloge Zu den Alten Pflichten" zu arbeiten.

Am 23.08.1947 beschloss die Meisterversammlung der ehemaligen Logen der "Provinzialgroßloge Hamburg", sich nunmehr "Große Loge der humanitären Freimaurer Berlin" zu nennen. Am 25.10.1947 erfolgte die Umbenennung in "Große Freimaurerloge zu den Alten Pflichten in Berlin". Kurz darauf erfolgte die Umbenennung in GL "Zu den Alten Pflichten". Dieser Vereinigung traten auch einige GNML 3WK-Logen bei. Erster Großmeister wurde Br. Kurt Laschinsky von der Loge "Victoria", ("Provinzialgroßloge Hamburg") zu seinem Nachfolger wurde am 04.06.1947 Br. Erich Rüdiger von der Loge "Hammonia" (GL RYzF) gewählt. Beide waren Direktoren bei der AEG. 1946 schied Br. Erich Rüdiger aus der GL RYzF aus, um sich intensiv dem Aufbau der Großloge "Zu den Alten Pflichten" zu widmen.

Die GL "Zu den Alten Pflichten" gab das "Mitteilungsblatt der Großen Freimaurerloge Zu den Alten Pflichten" heraus. Im Mitteilungsblatt wurde monatlich der Arbeitskalender der "Großen Freimaurerloge Zu den Alten Pflichten", deren Frauenzirkel "Zur Humanität", der "Großen National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln" und der Großen Loge "Royal York zur Freundschaft " bekanntgegeben.

Im Heft August/1949 luden die Große Loge "Royal York zur Freundschaft" und die "Große Freimaurer-Loge Zu den Alten Pflichten" gemeinsam zu einer Goethe-Feier am 05.10.1949 `Brüder, Schwestern, Angehörige und Gäste´ ein. Den Festvortrag hielt August Horneffer mit dem Thema: `Was lehrt uns Meister Goethe?´ Im Mitteilungsblatt September 1949 wurden im Arbeitskalender Angaben für folgende neun Mitgliedslogen der GL "Zu den Alten Pflichten" in Berlin bekanntgegeben: "Hammonia zur Treue", "Victoria", "Humanitas", "Germania zur Einigkeit", "Pestalozzi zur Wahrheit", "Alte Pflichten Zur aufgehenden Sonne", "Zum Spiegel der Wahrheit", "Zur aufgehenden Sonne" und "Friedrich-Ludwig-Schröder". Im gleichen Heft erschien ein Artikel von Lilian Wüster-Bättig mit dem Titel "Wie werden Frauen Freimaurerinnen?" Dabei führte sie aus: `Zehntausende von Frauen arbeiten in Berlin an der Beseitigung der Trümmer und am Wiederaufbau unserer Stadt. Hunderte haben sich nun zusammengeschlossen, um die geistigen Trümmer zu beseitigen und innerhalb der Freimaurerei für die Wiedererweckung echter Humanität zu arbeiten.´ Es gab in dieser Zeit in Berlin folgende vier Großlogen:

Großlogen Großmeister

  • 1 GNML "Zu den 3 Weltkugeln" Fritz Sasse, Pfarrer
  • 2 GL "Große Landesloge F. v. D." Hans Oehmen, Oberstudiendirektor (Dr.)
  • 3 GL "Royal York zur Freundschaft" August Horneffer, Schriftsteller (Dr.)
  • 4 GL "Zu den alten Pflichten" Erich Rüdiger, Direktor

Am 24.11.1949 trafen sich die Großmeister der Berliner Großlogen mit Br. Theodor Vogel in Berlin. In Planung war eine "Dachorganisation" der vier Berliner Großlogen mit der Bezeichnung "Vereinigte Großlogen Berlin". Vorplanungen für diese Vereinigung sollten bis zum 31.12.1949 abgeschlossen sein. GL GLFvD und GNML 3WK kamen der Forderung nach. Der Großbeamtenrat der GL RYzF erklärte am 05.01.1950, dass eine "Vereinigte Großloge Berlin" keine Chance auf internationale Anerkennung habe. Zudem befürchtete die GL RYzF in solch einem Verband als kleinste Großloge an Bedeutung zu verlieren. Sie empfahl die Zusammenarbeit mit der GL "Zu den Alten Pflichten". Dieser Vorschlag wurde in einer Mitgliederversammlung am 22.01.1950 mit 112 zu 8 Stimmen angenommen.

Die "Vereinigte Großloge in Berlin" (VGLiB)

Am 12.07.1948 gaben die Großmeister Sasse, (GNML 3WK), Horneffer, (GL RYzF), und Rüdiger, (GL "Zu den Alten Pflichten") eine gemeinsame Erklärung heraus, in der sie die Absicht verlautbarten, ihre Großlogen in einer "Vereinigten Landesloge Berlin" zusammenzuschließen, die im Logenhaus in der Emser Straße 12-13 ihren Sitz haben sollte. Jede Großloge sollte ihre Selbständigkeit beibehalten. Diese Großloge sollte keinen eigenen Großmeister und keinen Beamtenrat konstituieren, sondern von einem Direktorium geleitet werden, das aus den drei Großmeistern bestand. Mit der GL GLFvD sollten Verhandlungen aufgenommen werden.

Am 23.01.1950 gründeten die GL RYzF und die GL "Zu den Alten Pflichten" die "Vereinigte Großloge in Berlin" (VGLiB). Es traten auch einige Logen der GNML 3WK bei. Am 22.03.1950 fand im Logenhaus an der Emser Straße 12-13 die konstituierende Sitzung statt. Beide Großlogen sollten in Bezug auf Ritual, Brauchtum und wirtschaftliche Belange selbständig bleiben. August Horneffer wurde zum Großmeister der VGLiB gewählt. So gab es in der VGLiB drei Großmeister: Fritz Sasse von der GLNMl 3WK, Erich Rüdiger von der GL "Zu den Alten Pflichten" und August Horneffer von der GLRYzF.

August Horneffer vertrat die Funktion des Großmeisters in Personalunion für zwei Großlogen.

Dieser Dachorganisation gehörten 13 Logen an. Sowohl ehemals "christliche" wie "humanitäre". Die VGLiB wurde als Dachorganisation später Verhandlungspartner bei den Bemühungen um die Begründung der VGLvD in Westdeutschland. Die VGLvD und die VGLiB tauschten "Freundschaftsbürgen" aus, und Vertreter beider Organisationen nahmen an den jeweiligen Großbeamtenratssitzungen teil. Die GL "Zu den Alten Pflichten" beschloss den Anschluss an die VGLvD, selbst wenn die GL RYzF dem nicht folgen würde. August Horneffer, Großmeister der GL RYzF, empfahl nun ebenfalls den Anschluss an die VGLvD. Nach dem Beitritt in die VGLvD wurde die VGLiB nicht aufgelöst. Am 13.11.1954 trat August Horneffer aus Altergründen vom Großmeisteramt der GL RYzF zurück. Sein Nachfolger wurde Erich Rüdiger.

Er wurde zugeordneter Großmeister der VGLiB für den Distrikt Berlin. Die GL "Zu den Alten Pflichten" verlor an Bedeutung und schlief ein. Ihr letztes Sitzungsprotokoll datiert vom 11.11.1954. Ihre nunmehr noch neun Logen bildeten den Distrikt II der VGLvD in Berlin. Ende 1958 endete ohne besondere Beschlussfassung die Bezeichnung VGLiB. Man sprach nur noch von den Berliner Logen der VGLvD, die inzwischen GL AFuAM hieß.

Frankfurter Arbeitsgemeinschaft von Freimaurerlogen

Im Jahre 1946 gab es viele Anstrengungen zu einer Einigung der Freimaurerei. Es kam zu Treffen mit Diskussionen und Vorträgen und zur Verfassung zahlreicher Rundschreiben. Bei den Planungen zu einer Versammlung übernahmen die Brüder Höpker, ehemaliger Vorsitzender des "Vereins deutscher Freimaurer" (VDF), Bernhard Beyer, Großmeister der ehemaligen Großloge "Zur Sonne" in Bayreuth und Theodor Vogel, Mstr. v. Stuhl der Loge "Brudertreue am Main" aus Schweinfurt die führende Rolle. Sie bestimmten Frankfurt a. M. zum Tagungsort am 14./15.06.1947. Dieses Treffen wurde als "Frankfurter Konvent" bezeichnet. Der Plan war, eine Einheitsgroßloge für ganz Deutschland vorzubereiten, die dann gegründet werden sollte, wenn die Besatzungsmächte ihre Beschränkungen eingestellt haben würden.

Die Loge "Lessing" aus Frankfurt hatte unter Mitwirkung der Brüder August Pauls, Emil Selter und Georg Geier die Tagung organisiert. August Pauls wurde zum Leiter der Verhandlungen bestimmt. Die humanitären Logen wurden durch August Hirscher von der "Bundesgroßloge Zu den Alten Pflichten" vertreten. Br. Karl Manecke, der die christlichen Logen GNML 3WK und GrLvPR in der britischen Besatzungszone betreute, sollte deren Standpunkt darstellen. Zum Geschäftsführer wurde. Georg Beier aus Frankfurt gewählt.

Die Großmeister der Großlogen in Berlin waren nicht eingeladen worden, ebenso kein Vertreter der GLLFvD aus den Westzonen. Die Berliner Großmeister erhielten keine Einladung, da sie schriftlich mitgeteilt hatten, dass sie den `Zeitpunkt für eine Einigung nicht für gekommen erachteten.´ Die Mitglieder der SVGL und des FzAS gehörten dadurch zu den Eingeladenen, da sie schon durch die "Bundesgroßloge Zu den Alten Pflichten" als gleichwertige Partner als integriert galten.

Der Einladung folgten 23 Mitglieder früherer Großlogen. Es wurden Beschlüsse gefasst, die alle auf zukünftigen Realisierungen verwiesen. Es wurde eine Geschäftsordnung beschlossen. Der erste Punkt lautete: `Mitglied soll jede deutsche Freimaurerloge werden, die nach ihrem eigenen Ermessen und nicht nach Weisung einer Großloge oder einer sonstigen übergeordneten Stelle in der Arbeitsgemeinschaft ihre Meinung äußert.´ Zum Abschluss wurde folgendes Bekenntnis angenommen:

1. Wir bekennen uns zu den alten Formen der Bruderschaft. Zum Zusammenschluss der Freimaurer in Bauhütten, zum Zusammenschluss der Bauhütten zur Großloge, damit sie gerecht und vollkommen werden, und damit zum Anschluss an die Bruderkette der ganzen Welt.

2. Wir wissen, dass unsere Brüder von uns die Einigung erwarten. Wir wissen, dass wir sie noch nicht zu realisieren vermögen. Deswegen bekennen wir Freimaurer uns zu der Kraft der Idee, die Form werden muss.

3. Das Bekenntnis zu dieser Form ist für uns das Bekenntnis zu einer höheren Wirklichkeit in dieser Wirklichkeit und damit das Bekenntnis mindestens zur dereinstigen Wirklichkeit der geeinten Freimaurerei Deutschlands in einer Großloge.

Die Versammlung beschloss die Gründung der "Frankfurter Arbeitsgemeinschaft von Freimaurerlogen", die also eine Folgeorganisation des "Frankfurter Konvents" war. (Anm.: Aus Gründen der Abkürzung wird hier das Kürzel FAGFL verwandt, das aber in der Praxis nie in Gebrauch war.)

Am 27.07.1947 traf sich ein kleiner Kreis von Brüdern zu einer Aussprache. Es wurde folgender Beschluss gefasste: `Es soll fortan in Deutschland nur eine Johannisfreimaurerei geben, für die humanitär und christlich nichts Trennendes ist. Indem wir uns alle zur Humanität bekennen, der schönsten reinen Menschenliebe, der Brüderlichkeit aller, bekennen wir uns zu der Religion, in der alle Menschen übereinstimmen. Die Brüder können darüber hinaus auch in der Nachfolge Jesu des Meisters tätigen aber dogmen- und kirchenfreien Christentum sich binden. Also verpflichten wir uns vor allem und ohne Ausnahme zu der brüderlichen Liebe, die der Grundstein und Schlussstein, der Kitt und der Ruhm unserer alten Bruderschaft ist.´

Der letzte Satz wurde aufgrund der nun folgenden Diskussionen, die sich auch um die Einlassung zum Christentum bewegten, noch einmal umformuliert. Der betreffende Passus lautete nun: "Wir erkennen die Nachfolge Jesu als einen Weg freimaurerischer Betätigung an." (Selter)

Schnell schlossen sich viele Logen der FAGFL an. Es waren Mitglieder aus allen früheren deutschen Großlogen, auch Logen der GLLFvD und Logen der ehemaligen "Großloge von Sachsen". Bis zur ersten Mitgliederversammlung am 02.11.1947 waren schon 84 Logen, am Ende der zweiten Mitgliederversammlung am 17.05.1948 120 Logen der FAGFL beigetreten.

Fritz Sasse, Großmeister der GNML 3WK, verschickte am 08.05.1948 an August Pauls ein umfassendes Schreiben, in welchem er seine Stellung zu den Bemühungen zur Gründung einer Einheitsgroßloge darstellte. Zur Situation in Berlin führte er aus: `Sie sehen also, gel. Br. Pauls, dass im Gegensatz zu den Verhältnissen im Westen hier nicht die einzelnen Logen genehmigt sind und arbeiten, sondern die Großlogen, die auch genau wie früher ihre Tochterlogen betreuen und für sie den Verkehr mit den Behörden pflegen.´ Das Schreiben endete mit folgendem Satz: `Einigkeit im weitesten Sinne bejahen wir; Einheit müssen wir ablehnen.´

Die FAGFL lud zu einer Aussprache am 15.05.1948 in Frankfurt ein. Der Großmeister der "Großen Landesloge Baden-Württemberg" Br. Küster aus Darmstadt, nahm die Einladung an. Es wurde ein programmatisches Schreiben verfasst, das Ordensbruder Pinkerneil aus Marburg zugestellt wurde. In einem Antwortschreiben erklärte Pinkerneil die Unvereinbarkeit der GLLFvD mit den Vorstellungen der FAGFL.

Die GLLFvD errichtete 1948 eine Verbindungsstelle in Bremen und gründete mit nur vier Logen die "Landesgroßloge in Baden-Württemberg". Eine Besonderheit geschah in Hannover. Die Loge "Licht und Wahrheit" in Hannover entstand 1945/46 aus der Loge "Ceder" der GLLFvD und zwei Logen der GNML 3WK. Durch Einverbrüderungen und Aufnahmen wuchs sie zur damals größten Loge in Deutschland. Sie warnte 1947 andere Logen vor Eintritt in die FAGfF, mit der Begründung, dass diese den Bestimmungen der Besatzungsbehörden widerspräche. Sie nahm an den Tagungen der GLLFvD in Bremen teil und wandte sich gegen die Gründung der "Landesloge in Niedersachsen". Sie erließ einen Aufruf zur Gründung einer christlichen Großloge in Niedersachsen. Der Ordensmeister der GLLFvD, Br. Oehmen aus Berlin, erklärte die Loge "Licht und Wahrheit" als nicht mehr zur GLLFvD gehörig, da ihr Logen der GNML 3WK zugehörten.

Am 12.03.1948 veranstaltete die FAGFL eine Stuhlmeistertagung. Sie empfahl die Gründung von Landesgroßlogen, da eine Einheitsgroßloge für Deutschland z. Zt. nicht realisierbar sei. Ihr Wunschziel sei aber die Vereinigung aller Freimaurer unter einem Dach.

Es gründeten sich nun auf regionaler Ebene Arbeitsgemeinschaften und Zusammenschlüsse von Logen zu Landesgroßlogen oder gar Großlogen. In Bayern wurde von Theodor Vogel die "Arbeitsgemeinschaft der Stuhlmeister bayrischer Bauhütten" gegründet, die am 21.01.1948 von der Militärbehörde die Lizenz als Großloge unter dem früheren Namen "Zur Sonne" erhielt. Am 22.05.1948 wurde die "Großloge der Freimaurer in Hessen" gegründet. In Stuttgart die Großloge "Württemberg-Baden". Am 12.03.1948 die "Landesgroßloge von Niedersachsen". Am 22.05.1948 erhielt die "Großloge von Hamburg" von der britischen Militärregierung die Arbeitserlaubnis. Am 21.10.1948 vereinigten sich 26 Logen in Nordrhein-Westfahlen in einem "Stuhlmeisterzirkel".

Am 15.und 16.05.1948 trafen sich die Großmeister der bereits bestehenden und der im Aufbau befindlichen Großlogen in Frankfurt. Man bekräftigte die Beschlüsse der FAGFL. Es wurde ein Großmeistertag für den Herbst des Jahres beschlossen. Die Geschäftsführung zur Vorbereitung wurde Theodor Vogel übertragen.

Am 17.05.1948 fand in Frankfurt eine Festarbeit im Gedenken des Zusammentretens der Deutschen Nationalversammlung statt, an der 300 Brüder teilnahmen. Am 18.05.1948 wurden unter der Leitung der FAGL Vorgespräche geführt. Die Frankfurter Brüder Pauls, Geier und Selter schlugen an diesem Tag die Errichtung einer geeinten Großloge vor. Theodor Vogel verweigerte die Zustimmung und erklärte, dass die 31 bayrischen Großlogen dieser Vereinigung nicht beitreten würden.

Es wurde eine Erklärung der Großmeister verfasst, in dem es unter anderem hieß: `Die in Frankfurt am Main anlässlich der Hundertjahrfeier versammelten Gründer des Frankfurter Konvents und die Großmeister der deutschen Großlogen bekunden und geben der Bruderschaft in feierlicher Form bekannt, dass sie die gegenwärtig lizensierten oder im Aufbau befindlichen Großlogen, die auf Landesebne arbeiten, nicht als endgültige und bleibende Form betrachten. (…) In dem gegenwärtigen Zeitpunkt, in dem die Früchte der Aufbauarbeit zu reifen beginnen, erkennen wir dankbar die Arbeit und Treue an, mit der die Frankfurter Arbeitsgemeinschaft von Freimaurerlogen den Weg zur Einigung frei gemacht hat. (…) Darum beschwören wir alle die, welche noch ferne stehen: Lehnt ab jeden Partikularismus, habt Vertrauen in die Kraft Eurer Rituale, denen wir alle Achtung und Ehrfurcht entgegenbringen; aber tretet mit uns in die Kette und damit zurück in die Bruderkette der Welt.´ [Gründung der VGLvD]

Theodor Vogel gründete am 19.06.1948 den "Deutschen Großmeisterverein" und lud im Oktober zu einer Versammlung in Bad Kissingen ein. Appel berichtet: `Nach einer von Emotionen getragenen mehrstündigen Diskussion wurde die Gründung einer "Vereinigte Großloge der Freimaurer von Deutschland" beschlossen und Br. Vogel einstimmig zum künftigen Großmeister vorgeschlagen.´

Bei dieser Versammlung wurden auch die Aktivitäten Fischers diskutiert und gerügt. Im Protokoll heißt es: `Im Verlauf der Diskussion wurde auch auf die Festnummer hingewiesen, welche von Br. Fischer anlässlich der 100-Jahrfeier der 1. Deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche herausgegeben worden ist und die nicht nur nicht geeignete, sondern ihm als "private Mitteilungen" zu seiner persönlichen Orientierung als frm. Redakteur zugegangene Berichte enthält.

Alle anwesenden Brr. brachten zum Ausdruck, dass sie die Handlungsweise von Br. Fischer missbilligten, sehr enttäuscht seien und das Mittel und Wege gefunden werden müssen, um derartige Vorkommnisse in Zukunft unmöglich zu machen, ohne der Pressefreiheit und der Redefreiheit irgendwie Abbruch zu tun. Es wurde der Mstr. vom Stuhle der Loge "Lessing" veranlasst, Br. Fischer zu Rede zu stellen, ihn über sein Verhalten aufzuklären und auf ihn einzuwirken, dass derartige Entgleisungen sich unter keinen Umständen wiederholen.´´

Es wurde ein Verfassung- und ein Ritualausschuss gewählt. Theodor Vogel legte einen eigenen Entwurf für die Verfassung vor, dem niemand widersprechen mochte. Man traf sich im Oktober 1948 zu weiteren Besprechungen in Offenbach, um das Grundgesetz und eine Verfassung der zu schaffenden Großloge zu formulieren. Es wurde beschlossen die Großloge in der Frankfurter Paulskirche zu installieren. Die FGAL wurde mit der Geschäftsführung beauftragt.

Dem Grundgesetz wurde folgende Präambel vorangestellt:

`Überzeugt von der entscheidenden Bedeutung ihrer gemeinsamen Beratungen für das Schicksal der Freimaurerei und in dem von den Vertretern aller deutschen Gro0ßlogen ausgesprochenen Bekenntnis, dass es nur eine Freimaurerei gibt, die alle auf der Oberfläche der Erde zerstreuten, durch die Königliche Kunst aber verbundenen Brüder Freimaurer umfasst, dass die deutschen Freimaurer durch Schicksal, Erleben und Erleiden unlösbar zu engster Gemeinschaft verbunden sind, dass von den alten Formen und Ritualen, dem vielgestaltigen Leben und dem eigenen Wesen der alten deutschen Großlogen nichts untergehen darf, was über Zeit und Raum gültig zu sein verdient, dass wir verpflichtet sind, die Sehnsucht vieler freimaurerischer Organisationen endlich Wirklichkeit werden zu lassen, dass alle Fragen der Ordnung in einem festen, unlöslichen Zusammenleben geregelt werden können, wenn die Fragen der Lehre nicht angetastet werden und Geist und Form der Zusammenarbeit freimaurerischen Ursprungs sind, sehen die in Bad Kissingen versammelten ehrwst. Brüder einen Weg zur Einigung der deutschen Freimaurerei. Sie sind willens, ihren Bruderschaften und Bauhütten das folgende Grundgesetz vorzuschlagen, sich für seine Annahme einzusetzen und alles zu tun, um diesem brüderlichen Gesetz der Einigung zu dienen.´

Br. Pinkerneil als Vertreter GLLFvD stimmte dieser Präambel zu, nicht aber dem folgenden Grundgesetz. Er verließ die Sitzung und nahm an folgenden Verhandlungen nicht mehr teil.

Am 19.03.1949 trafen sich der Verfassungsausschuss und die Großmeister zu einer Tagung in Hann.-Münden. Der Verfassungsentwurf wurde den Logen mit der Bitte um Änderungswünsche zugeleitet. Am 18.06.1949 wurde der endgültige Entwurf auf einer Tagung von allen westdeutschen Großlogen angenommen.

Theodor Vogel hatte für die Tage vom 17.-19.06.1949 nach Frankfurt eingeladen. Am Freitag, den 17.06.1949 fand eine Sitzung der Landesgroßmeister und des Großbeamtenrats statt. Am Samstag, den 18.06.1949 wurde in den Räumen der Loge "Carl und Charlotte zur Treue" in Offenbach eine Tagung veranstaltet, bei der 151 Logen vertreten waren. Die Verfassung und der Beschluss zur Gründung der VDLvD wurden einstimmig angenommen. Br. Theodor Vogel wurde zum Großmeister gewählt.

Am Sonntag, den 19.06.1949 versammelten sich am Vormittag die Brüder in der Frankfurter Paulskirche. Es kam es zur Gründung der "Vereinigte Großloge der Freimaurer von Deutschland" (VGLvD. Man beachte die Einzahl. Die 1958 gegründete Dachorganisation "Vereinigte Großlogen von Deutschland" hat ebenfalls die Abkürzung VGLvD. Dort steht die Mehrzahl.

Die Gründerlogen der VGLvD am 19. Juni 1949

42 Logen der Großen National-Mutterloge "Zu den drei Weltkugeln"
35 Logen der Großloge "Royal York zur Freundschaft"
34 Logen der Großloge "Zur Sonne"
18 Logen der "Großen Loge von Hamburg"
14 Logen der "Großen Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes"
7 Logen der Großen Freimaurerloge "Zur Eintracht"
5 Logen der "Symbolischen Großloge von Deutschland"
4 Logen der "Großen Landesloge von Deutschland"
4 Logen der "Großen Landesloge von Sachsen"
1 Loge des "Freimaurerbundes Zur aufgehenden Sonne"
10 in der Zeit nach 1945 gegründete Logen.

Es gehörten damit 174 Logen aus allen ehemaligen Großlogen zu den Gründerlogen der VGLvD. Der VGLvD hatten sich anfangs noch nicht alle Logen in den westlichen Besatzungszonen angeschlossen. Die vier Logen der GLLFvD, die der VGLvD beigetreten waren, traten später wieder aus.

Zu den Mitbegründern gehörten auch Logen der Großloge von Sachsen. Die Erklärung ist folgende: Nach dem sog. "Settegast-Streit" hatten nicht nur die preußischen Großlogen im Gegenzug auch Logen in nichtpreußischen Gebieten begründet, sondern die humanitären Logen auch in ganz Deutschland Logen installiert. Daher gab es in Großstädten wie Hamburg oder Bremen Logen fast aller damaligen deutschen Großlogen. Die Großloge von Sachsen hatte also auch Tochterlogen in den jetzigen Westzonen.

Die GLLFvD und GNML 3WK schlossen sich am 29.04.1952 im "Bund christlicher Freimaurer-Großlogen in Deutschland" mit Sitz in Berlin zusammen. Die GLLFvD nahm Kontakte zu den skandinavischen Großlogen auf. Am 13.02.1953 wurde die GLLFvD durch den "Sveska Frimurare Order" wieder anerkannt. Drei Jahre später, am 10.09.1956, wurde die GLLFvD von den Großlogen von Dänemark, Norwegen und Island anerkannt.

Am 21.08.1954 wurde in Berlin mit Theodor Vogel und Br. Bernhard über die Bedingungen für den Eintritt der VGLiB in die VGLvD verhandelt. Am 18.10.1954 wurde auf dem Großlogentag in Coburg zwischen VGLvD und GL RYzF ein "Brüderliches Abkommen" beschlossen, das einstimmig angenommen wurde. In Zukunft sprach man vom "Coburger Abkommen". Alle dreizehn Logen der VGLiB traten einzeln der VGLvD bei, so dass die VGLiB nicht aufgelöst werden musste. Die GL RYzF konnte ihren Sonderstatus erhalten.

Anhang 1: Namensänderungen der VGLvD von 1949

Die VGLvD hat folgende Namensänderungen vollzogen:

19.06.1949: Gründung mit der Bezeichnung: "Vereinigte Großloge der Freimaurer von Deutschland"

(VGLvD) in der Frankfurter Paulskirche.

15.06.1951: Umbenennung in: "Vereinigte Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland" (GL AFuAM) auf dem Großlogentag in Bad Ems.

15.10.1958: Umbenennung in: "Große Landesloge der Alten und Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland" beim Großlogentag in Berlin im Zuge der Gründung der "VGLvD – Bruderschaft der Freimaurer". Man nannte sich Landesloge, da die GLGLL (FO) in ihrem Namen auch die Bezeichnung Landesloge führte.

1968: Umbenennung in: "Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland"

(GL A.F.u.A.M.v.D.) auf dem Großlogentag in Kassel.

Schlussanmerkung

Die neue Großloge VGLvD verstand sich nicht als eine Nachfolgorganisation, sondern als ein Neuanfang. Die ehemals als irregulär betrachteten Logen der SGLvD und des FzaS wurden nunmehr als gleichberechtigte Partner betrachtet. Dass FzaS- und SGLvD-Logen zu den Mitbegründern der VGL gehören, obwohl sie früher als irregulär betrachtet worden waren, war ein Beweis für den Sinneswandel der Feimaurerei in der Nachkriegszeit. Eine Loge der SGLvD aus Israel hatte zusammen mit einer humanitären Loge aus Chile, die der "Großloge von Hamburg" angehörte, das Licht bei der Neugründung eingebracht.

Für die FzaS- und SGLvD-Logen war es schwierig, ihre Logen wiederzubeleben, da es an den meisten früheren Standorten zu wenige Mitglieder gab. Immerhin hatte die SGLvD bis 1949 schon wieder fünf Logen reaktiviert. Emil Selter von der Loge "Lessing", gehörte zur SGLvD.

Die FzAS hatte in der Nachkriegszeit an mehreren Orten Reaktivierungsversuche unternommen. Die Mitgliederzahl blieb aber gering. Sie löste sich 1952 auf und gliederte ihre sämtlichen Logen der VGLvD an. Drechsler berichtet: `Die offizielle Eingliederung des FZAS erfolgte am 12. Juni 1952 in der Harburger Loge "Zur Erkenntnis". Sie wurde durchgeführt von dem 1. dep. Großmeister Paul Ehmke.´

Dass christliche Logen der Großlogen GNML 3WK und GLRYzF aus den Westzonen nicht mehr auf ihrem Ordensgefüge beharrten und sich der Neugründung anschlossen, beruht auch darin, dass sie von Seiten der Großloge dazu aufgefordert worden waren. Für die GNML 3WK war dafür Karl Manecke, für die GL RYzF August Horneffer verantwortlich, die einen Anschluss an die VGLvD für alle zuständigen Logen in den Westzonen empfohlen hatten. Logen aus Berlin, auch die in der VGLiB zusammengeschlossenen Logen, konnten sich 1949 der VGLvD aufgrund der politischen Verhältnisse nicht anschließen.

Die VGLvD war bei ihrer Gründung keine anerkannte Großloge der UGLoE. Sie unterhielt Beziehungen zu irregulären Großlogen in Frankreich und Belgien. Als sie später um Anerkennung durch die UGLoE bemüht war, wurde von dort die Vorbedingung gestellt, diese Beziehungen abzubrechen. Die Anerkennungsbemühungen zogen sich über Jahre hin. Die VGLvD wurde von der UGLoE erst am 05.12.1956 anerkannt.

Theodor Vogel von der VGLvD und die Ordensbrüder Pauk und Hoffmann von der GLLFvD verhandelten in London um Anerkennung. Es gab ein Problem. Die GLLFvD war zwar nicht durch die UGLoE anerkannt, wohl aber durch die skandinavischen Großlogen, die wiederum von der UGLoE anerkannt waren. In London herrschte aber der Grundsatz: "Ein Land - eine Großloge". Die UGLoE war nicht bereit, zwei Großlogen für Deutschland anzuerkennen. Sie wurden aufgefordert, sich zuerst innerhalb des deutschen Großlogengefüges zu einigen.

1955 war ein Vertragswerk der beiden Großlogen VGLvD und GLLFvD schon unterschriftsreif. Theodor Vogel wollte beide Großlogen unter der Bezeichnung "Deutsche-Bundes-Großloge" zusammenführen. Die GLLFvD verweigerte diese Bezeichnung, da es sich nicht um eine Großloge, sondern um zwei Großlogen unter einem Dach handele. Zudem verlangte sie, auch die GNML 3WK einzubeziehen. Es wurde eine Großmeisterkonferenz der europäischen Großmeister einberufen, um zu einer Einigung zu kommen.

Man fand eine Lösung. Es sollte eine Dachorganisation für zwei Großlogen geschaffen werden. Das hatte es bisher noch für kein Land gegeben und sollte es auch in Zukunft nicht noch einmal geben. Es wurde eine "Magna Charta" erarbeitet, die am 27.04.1958 vom Großmeister Br. Theodor Vogel für die VGLvD und Logengroßmeister Willy Cossmann für die GLLFvD unterzeichnet wurde. Es kam zur Gründung der "VGLvD - Bruderschaft der Freimaurer von Deutschland". Die GLLFvD setze die Bezeichnung FO hinzu, die VGLvD gab sich die Bezeichnung "Große Landesloge der Alten und Angenommenen Maurer von Deutschland" (GL A.F.u.A.M.) Die GNM 3WK gehörte nicht zu den Verhandlungspartnern. Am 19. 04.1959 wurde ein Abkommen mit der GNML 3WK getroffen, in dem dieser Großloge besondere Rechte in der VGLvD zugesprochen wurden. Die vollständige Eingliederung der GNM 3WK in die VGLvD erfolgte im Jahre 1970.

Literatur

  • Appel, Rolf: Woher - Wohin, Berlin 2002
  • Bernheim, Alain: Nachforschungen über die Geschichte des Alten und Angenommenen Ritus in Deutschland, freimaurer-wiki.de, Traktate
  • Drechsler, Johannes: Die Brüder vom FzaS - Ein Streifzug durch die Geschichte des Freimaurerbundes Zur Aufgehenden Sonne, Hamburg 1971
  • Große Loge Royal York zur Freundschaft: Die Sondersituation Berlins in der deutschen Freimaurerei 1945-1958, Vier Fallstudien. Mit Beitragen von Christian Meyer/Günter Biesenthal, Thomas Richert, Klaus-J. Wilcke, Pantelis Carelos, *Sonderveröffentlichung der Zeitschrift "Am Rauhen Stein", Berlin 2015
  • Heuer, Hans-Joachim/ Lustig, Gidon: Geschichte und Entwicklung der Großen Loge Royal York zur Freundschaft, Berlin 1998
  • Lüneburger Logenarchiv, Lüneburg, (Abk.: Lbg.-Log.-Arch.)

K*eil, Rolf: E pluribus unum - Vielfalt in Einigkeit, Vortrag in der Loge Lessing - "Lessing Nr. 769" in Frankfurt, freimaurer-wiki.de, Traktate

  • Selter, Emil: Die Einigung der Freimaurerei in Deutschland seit der Gründung der Bundesgroßloge "Zu den Alten Pflichten", Logenarchiv der Loge "Lessing" in Frankfurt a. M., S. 2/3.
  • Steffens, Manfred: Freimaurer in Deutschland - Bilanz eines Jahrtausends, 2. Aufl. Frankfurt 1966, Bauhütten-Verlag

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