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Pierer: Entstehung der Freimaurerei. Periode I

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Inhaltsverzeichnis

Pierer: Entstehung der Freimaurerei. Periode I

Entstehung der Freimaurerei

Quelle: Eugen Pierer, Pierer's Universal-Lexikon, Band 6., Seite 682, Altenburg 1858

II.

Die Freimaurerei nimmt zum Zeichen ihrer Allgemeinheit an, daß sie so alt als die Welt, die Welt aber 4000 v. Chr. erschaffen sei; deshalb zählt sie immer in ihrer Zeitrechnung die Jahre nach Christus + 4000, also das Jahr 1859 = 5859 als Jahr des Lichts. Bes. sonst fand man es oft, daß Schriftsteller über Freimaurerei bis auf den Tempelbau Salomos, die ägyptischen Priester, die Eleusinischen Geheimnisse, den Pythagoreischen Bund, die Essäer od. Therapeuten, die römischen Baugewerke (s. Sub ascia dicare), die Druiden, Culdeer etc. zurückführten, aber ohne allen Grund, denn obschon alle diese Einrichtungen, bes. hinsichtlich des Geheimhaltens, eine gewisse Ähnlichkeit mit der Freimaurerei haben, so hängen sie doch in historischer Beziehung auf keine Weise mit derselben zusammen.

Baugesellschaften

Dagegen ist der Zusammenhang der Freimaurerei mit den Baugesellschaften (s.d.) des Mittelalters, durch welche im 12.–15. Jahrh. die herrlichen Bauwerke des Mittelalters, bes. das Strasburger Münster, hervorgingen, nachzuweisen, denn fast überall finden sich an letzteren Embleme der Freimaurerei schon angewendet, u. es ist wohl anzunehmen, daß die Vorsteher dieser Bauhütten, die alten kunstverständigen u. in der Kunst lebenden Baumeister, die Baugesellschaften nicht blos in einem zunftmäßigen, sondern höheren Sinne nahmen. Auch Urkunden, so die Ordnungen der Steinmetzen 1464 in Strasburg, scheinen schon hierauf hinzudeuten, obschon die Kölner Urkunde, angeblich vom 24. Juni 1535, welche dies geradezu ausspricht, u. bei welcher mehrere bekannte Männer damaliger Zeit, wie Melanchthon, Coligny u. A. mit unterschrieben sind, höchst wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. untergeschoben worden ist.

Unbezweifelt kamen die Baugesellschaften bald nach England, u. schon in früher Zeit ist, nach der altenglischen Sitte, daß die Großen Mitglieder einer Zunft waren, nachzuweisen, daß Prinzen u. Könige von England Protectoren der dasigen Baugesellschaften waren, so der Sage nach Prinz Edwin 926 der Yorker Baugesellschaft. Unter Masonen verstand man sämmtliche zum Bau verwendete Künstler u. Handwerker, doch unterschied man schon seit dem 14. Jahrh. Free Masons, d.i. Steinmetzen, welche den freistehenden Stein bearbeiten, von den Rough Masons, den Maurern, welche die rauhen Bruchsteine zusammenfügen. Die älteste neuere Urkunde, entstanden zwischen 1427 bis 1445, ist von Halliwell in Londen 1840 herausgegeben; dieselbe enthält die alte Zunftsage, welche die Geschichte bis auf König Athelstan zurückführt, Vorschriften über das gegenseitige Verhalten der Genossen, Verordnungen des Parlements u. endlich die Legende von den 4 Gekrönten. (Quatuor Coronati)

Constitutionen

Um 1500 erschienen die alten Constitutionen u. Grundgesetze. Um 1600 verlor die gothische Bauart u. damit zugleich das alte Steinmetzenthum seine Geltung; durch Inigo Jones wurde der Augustische Baustyl in England eingeführt, u. zugleich eine Verbindung der Kunstliebhaber u. Baulustigen mit den Künstlern u. Baugewerken aller Art eingeleitet. In der Mitte des 17. Jahrh. wurden Nichtbaun erker als Freemasons angenommen, z.B. 1641 Robert Moray, Generalquartiermeister der schottischen Armee in Edinburg, u. 1646 Elias Ashmole, ein ausgezeichneter Gelehrter seiner Zeit in London. Daß zur Zeit Cromwells die Masonen politisch thätig gewesen, od. erst entstanden seien, ist eine Erfindung späterer Zeit. Nach der großen Feuersbrunst in London 1666, bes. bei dem Baue der Paulskirche, gewann der Bund der Masonen unter der Leitung des Baumeisters Christoph Wren neuen Aufschwung. Wilhelm III. wurde 1695 in die Brüderschaft aufgenommen u. soll oft den Vorsitz in einer Loge zu Hampton-Court geführt haben. Nach dem Tode Wilhelms III. u. als der alternde Wren sich der Freimaurerei wenig mehr annahm, geriethen die Logen mehr u. mehr in Verfall; deshalb beschloß die fast einzig noch bestehende Loge zu St. Paul 1702, auch Personen, die nicht Handwerksmaurer waren, als Mitglieder anzunehmen u. legte so den Grund der Allgemeinheit der Freimaurerei.

Erste Periode der eigentlichen Freimaurerei 1717–1783

1717 vereinten sich 4 Logen in London zur höchsten großen Loge von London. 1720 feierte die Londoner Großloge zuerst ihr Stiftungsfest, u. 1723 ließ Anderson sein Constitutionsbuch der englischen Großloge erscheinen, nachdem Georg I. sie völlig anerkannt hatte. Dies Andersonsche Constitutionsbuch gilt für die Grundlage der Maurerei. 1731 wurde die Großloge von Irland in Dublin errichtet auf Grund des Constitutionsbuchs von Anderson, welches anch die Grundlage für das 1751 herausgegebene zweite Irländische Constitutionsbuch bildet. In ähnlicher Weise erfolgte 1736 die Errichtung der Großloge von Schottland in Edinburg, welche mit der von London in Übereinstimmung in maurerischen Dingen blieb.

Dagegen erhoben sich in England selbst Mißhelligkeiten, indem zunächst nicht alle in u. um London lebenden Maurer sich an der 1717 errichteten Großloge betheiligt hatten u. später selbständig Logen hielten u. Aufnahmen bewirkten. Ob man sich auch im Allgemeinen der Großloge unterwarf, so fanden doch immer noch heimliche Aufnahmen statt. Unzufriedenheit erzeugten die Einführung unterschiedener Farben an der Bekleidung der Maurer 1731 u. die Errichtung der Stewardsloge, u. die derselben ertheilten Vorrechte 1735. Nach zeitweiligem Frieden erhoben sich die Unzufriedenen wieder seit 1755, indem sie sich als Altenglische Maurer im Gegensatz zu den Neuenglischen bezeichneten u. sich auf die älteste Loge im Lande, zu York, beriefen, welche Loge zwar vereinzelt fortarbeitete, aber mit London in brüderlicher Verbindung blieb, bis sie unthätig wurde u. gegen 1784 erlosch. 1764 war die Trennung bis zur Feindseligkeit vollendet, 1772 ward die altenglische Großloge von Irland u. Schottland anerkannt. Die Spaltung dauerte fort bis 1813, wo die getrennten Brüder zusammentraten [Seite 683] in der neugestalteten Vereinigten Großen Loge der alten englischen Freimaurer. Das neue Constitutionsbuch erschien 1815, in 2. Auflage 1827 u. in 3. u. letzter 1841. In Schottland, welches in der mythischen u. mystischen Geschichte der Manrerei so oft genannt wird, bestand seit alten Zeiten unter den Bauleuten eine ähnliche Vereinigung wie in England.

Sie standen hier unter Patronen, welches Amt lange Jahre in der Familie der Grafen St. Clair, Herrn von Roslin, erblich war. Versammlungsort war das Dorf Kilwinning, andere Grafschaften versammelten sich in Aberdeen. Im 17. Jahrh. gerieth die Freimaurerei in Verfall, bis sie sich seit 1723 wieder hob, so daß 1736 bereits 32 Logen in Edinburg den Großmeister wählten, am 30. November, dem Geburtstage des St. Andreas, des Schutzpatrons von Schottland. Die Großloge Schottlands hat stets nur die 3 ursprünglichen Grade anerkannt u. sich gegen jede Art von Hochgraden erklärt u. verwahrt.

Frankreich als Quelle der Hochgrade

Nicht Schottland, sondern Frankreich ist die Quelle der Hochgrade. Im Jahre 1725 wurde von Engländern die erste Loge in Paris gegründet; 1742 gab es 22 Logen in Paris. 1743 wurde das erste Allgemeine Gesetzbuch zum Gebrauch der Logen in Frankreich bekannt gemacht, dessen 20. Artikel sich gegen die Hochgrade erklärte. 1740 hatte Michael Andr. Ramsay (s.d.) einen Vortrag in Paris gehalten, in welchem er die F. aus den Kreuzzügen ableitete u. sie mit dem Orden des St. Johannes, dem Malteserorden, in Zusammenhang brachte. 1747 erschien von Abbé Larndan eine feindselige Schrift: Franc-Maçon écrasé. welche zuerst die Fabel von den Übergriffen der Maurerei in die Politik zu Cromwells Zeiten, um die Stuarts wieder auf den englischen Thron zu setzen, erzählt. Auf Grund des von Ramsay gehaltenen Vortrags bildeten sich schon 1742 drei neue schottische Grade.

1743 erfand man in Lyon einen 7. Grad, welche die Rache der Templer darstellt. 1745 zog Prinz Karl Eduard Stuart nach Großbritannien, um den englischen Thron zu erobern, u. kam nach der Schlacht bei Culloden 1746 wieder nach Frankreich zurück. Ihn erhob die Fabel der Hochgrade zum Großmeister der Maurerei, od. zum unbekannten Großmeister der Tempelherren u. zum Spender des Rosecroix-Grads. Alle diese Ordensgrade zerfallen in nichts, da der Prinz 1780 amtlich seine Unbekanntschaft mit den Mysterien der Maurer erklärte. 1754 gründete der Chevalier de Bonneville ein Capitel der Hochgrade, genannt das Capitel von Clermont, welches von französischen Offizieren im Siebenjährigen Kriege nach Deutschland verpflanzt u. von Sam. Rosa verbreitet wurde.

Diesem Capitel folgt 1756 das der Ritter vom Orient, 1758 das der Kaiser des Morgen- u. Abendlandes mit 25 Graden, 1704 führte Tschudy den Grad des St. Andreas von Schottland ein. Um das Ritterwesen, u. bes. den Tempelherrenorden, mit der Maurerei in Verbindung zu bringen, wurde behauptet, daß, nachdem Jakob Molay, der Großmeister der Templer, 1314 in Paris verbrannt worden sei, 7 Templer, worunter der Marschall des Ordens, Aumont, nach einer schottischen Insel geflüchtet wären, dort einen, schon beim Beginn der Verfolgung der Templer dahin geflüchteten Tempelherrn, Harris, gefunden u. daß sie alle als Handwerksmaurer, um ihr Leben zu fristen, gearbeitet u. den Tempelherrenorden fortgepflanzt, ihn jedoch, um verborgen zu bleiben, in. Bilder u. Sinnbilder der Handwerksmaurer gehüllt hätten. Hierauf wurde nun der 6. Grad, der Tempelherr, gegründet.

Da die Geistlichkeit auf diese höheren Grade den bedeutendsten Einfluß übte, so kam nächst dem Namen Ritter der: Tempelherr u. Cleriker, nebst dem des Capitels, statt der Loge auf. Während nun die englische Freimaurerei von London aus in Spanien (1729 in Gibraltar, 1728 in Madrid), in Portugal (1736 in Lissabon), in Italien (in Florenz 1735), in Rußland (1731 in Moskau), in den Niederlanden (1735 in Haag [obschon bereits 1731 der Großherzog von Toscana, nachmaliger Kaiser Franz I., in einer zu Haag von Delegirten der großen Loge zu London gebildeten, später sogleich wieder geschlossenen Deputationsloge aufgenommen worden war]), in Schweden (1736 in Stockholm), in der Schweiz (1735 in Genf, 1739 in Lausanne), noch später in der Türkei u. in Deutschland (1737 wurde die Loge St. Georg, später Absalom, auch die Loge zu Sachsenfeld [später in Rußdorf erloschen], dann die zu Naumburg, in Hamburg, 1740 die Provinzialloge zu Naumburg u. 1746 die Provinzialloge in Hannover von England aus gegründet) Logen errichtet hatte, breitete sich dieselbe auch nach fernen Welttheilen aus; in Aleppo u. Damask wurden seit 1728 Logen eröffnet, dieselben 1730 nach Nordamerika übergetragen u. auch in Ostindien die F. auf englische Weise geübt u. überall Provinzialgroßmeister ernannt.

Strikte Observanz

In Deutschland brachte das System der stricten Observanz große Bewegung hervor. Es theilte Europa in 9 Provinzen, zuerst Aragonien, Auvergne, Languedoc, Leon, Burgund, Britannien, Niederdeutschtland (mit Einschluß Polens, Livlands u. Kurlands), Italien u. Griechenland, in deren jeder der Sitz eines Heermeisters sein sollte; da sich aber später die meisten dieser Provinzen abgeneigt zeigten, dieses System anzunehmen, in 9 andere, nämlich Niederdeutschland (mit Polen u. Preußen), Auvergne, Languedoc, Italien u. Griechenland, Österreich, die Lombardei, Rußland u. Schweden. Dieses System verdankt zum Theil sein Entstehen, bes. seine Verbreitung dem Freiherrn von Hund, welcher 1742 zu Frankfurt a. M. zum Freimaurer aufgenommen u. 1743 zu Paris katholisch u. in die daselbst beginnenden höheren Grade eingeweiht worden war. Hier hatte er den k. k. General Graf Marschal, welcher schon früher in den Bund aufgenommen u. zum Provinzialgroßmeister von Obersachsen ernannt worden war u. seit 1734 Logen (so zu Naumburg, 1741 zu Leipzig, 1742 zu Altenburg) gestiftet, später aber bei einem Aufenthalt in Paris sich zu den höheren Graden hatte bekehren lassen, gewonnen u. errichtete 1747 im Einverständniß mit demselben einzelne Logen, ja sogar 1764 einen Logenbund, welcher den Namen Stricte Observanz erhielt, weil in den lateinischen Reversen jedes Mitglied strengen Gehorsam (Strictam observantiam) geloben mußte.

Der Freiherr von Hund war so durchdrungen von der Wahrheit der Erzählung von dem Tempelorden (von dem seine Anhänger ein Namensverzeichniß seit Molay bis zur neuesten Zeit publicirten), daß er hoffte, es werde einmal ein Monarch [Seite 684] denselben zum wirklichen Orden erheben, u. Alles that, denselben in Ansehen zu erhalten. Sein System wurde auf 7 Grade erhöht, nämlich außer den 3 Johannisgraden bestand der Schottische Meister, der Noviz des Ordens, der Tempelherr (der entweder zum Eques Socius od. Armiger ernannt wurde), u. der Eques professus, dem angeblich Aufschlüsse über die Geheimnisse u. Geschichte der Maurerei ertheilt wurden. Geheime Oberhäupter (hohe, od. unbekannte Obere, Cleriker) leiteten angeblich den Orden zu Zwecken, welche, sowie die Oberen selbst, den Brüdern der niederen Grade geheim gehalten wurden; wahrscheinlich waren es wenigstens Anfangs Jesuiten, welche unter diesem Namen ein verdecktes Spiel trieben.

Der höchste Obere hieß Eques a penna rubra (Ritter von der rothen Feder). Jeder von den höheren Graden bekam einen Ordensnamen, so Eques ab ense (von Hund), Eques a struthione (Schubart von Kleefeld), Eques ab aquila fulva (Stark) etc. u. führte denselben in maurerischen Angelegenheiten. Wirklich gelang es von Hund, viele Logen zu errichten u. selbst die Mutterloge zu den 3 Weltkugeln in Berlin zur Stricken Observanz zu bekehren. Bereits vor Errichtung der Stricten Observanz war nämlich Friedrich der Große 1738 noch als Kronprinz in Braunschweig von vertrauten u. ihm befreundeten Mitgliedern zum Freimaurer aufgenommen worden u. hatte gestattet, daß nach seiner Thronbesteigung die Loge aux trois globes (jetzt die Nationalmutterloge zu den 3 Weltkugeln) in Berlin 1740 gestiftet werde, welche in kurzer Zeit 14 Töchterlogen zählte. Sie arbeitete Anfangs in französischer Sprache. Nach Friedrich II. hatten sich mehrere fürstliche u. andere vornehme Personen in den Bund aufnehmen lassen. Die Logen, bes. die der Stricten Observanz, waren damals Sammelplätze der vornehmen Welt, sie zählten zwar nur wenig Brüder, aber fast alle aus den ersten Klassen der Gesellschaft.

Solche große u. schnelle Ausbreitung der Freimaurerei mußte aber Reaction erwecken. Schon 1731 untersagte man die Freimaurerei in Neapel, 1735 in den Niederlande, 1738 Kaiser Karl VI. (aber nur in den österreichischen Niederlanden), Hamburg, Schweden (hier bei Todesstrafe), Polen 1734, Toscana 1740, ja in Spanien u. Portugal wurden die Freimaurer eingekerkert u. hart verfolgt. In der Türkei, wo man auch Muhammedaner (mehrere derselben, welche gegen Ende des Siebenjährigen Krieges nach Deutschland kamen, legitimirten sich als Maurer) aufnahm, befahl die Pforte, daß man, sobald wieder Logen gehalten würden, das Haus, worin sie stattfänden, umzingeln u. mit Mann u. Maus verbrennen solle. Am wichtigsten war aber, daß Papst Clemens XII. die F. 1738 mit Bann u. Excommunication belegte, was Benedict XIV. 1751 bestätigte. Dies bewog einen großen Theil, bes. der französischen Geistlichkeit, die Logen zu verlassen.

Nur die Jesuiten achteten die päpstliche Bulle nicht, denn sie begannen eben damals ihr Clermontisches System u. bildeten es vielleicht eben darum zum neuen Tempelherrnorden aus. In anderen Gegenden wirkte das Verbot nur wenig u. wurde sogar in manchen bald, wie in den Niederlanden (1740), Toscana, Schweden (1746), zurückgenommen. In noch anderen wichen die Freimaurer durch Stiftung ähnlicher Gesellschaften aus; solche waren z.B. der Mopsorden, vom Kurfürsten von Köln gestiftet, der Esperanceorden, von Paris ausgehend, der Harmonieorden (s.d. a.) etc. Das Austreten der meisten Geistlichen aus den französischen Logen hatte diesen die bestimmte Farbe u. den Halt genommen; französische Lebhaftigkeit, Frivolität u. Leichtgläubigkeit, sowie das bereits in den Templergraden mit ihnen getriebene, noch für baaren Ernst gehaltene Spiel, waren Ursachen, daß dort Grade auf Grade gehäuft, die verschiedensten Systeme geschaffen u. die gröbsten Täuschungen in den Logen vorgenommen wurden. Alchemie, Geisterseherei u. Theosophie wetteiferten mit einander, den Brüdern den Kopf zu verdrehen.

Kuriose Nebenzweige

Der Graf St. Germain, Casanova u. Cagliostro (s.d. a.) schlichen sich ein, spiegelten das Auffinden tiefer Geheimnisse als Zweck der Freimaurerei vor, stifteten neue Systeme u. Orden (Letzter bes. die Ägyptische Maurerei, s.d.), ja manche Systeme gaben, bes. seit dem Siebenjährigen Kriege 90 höhere Grade, mit hochtrabenden Namen (wie Conseil de chevalier de l'Orient, C. des empereurs de l'Orient et de l'Occident etc.), noch andere Zweige der Maurerei stifteten besondere Abzweigungen u. Orden, die als Koëns (Elu-Coëns), Hermetische Freimaurerei, Philalethen etc., welche die größte Verwirrung in der F. verursachten. Mit der französischen Armee, die 1757 in Deutschland erschien, drang auch die neuere französische Maurerei mit allem ihren Unwesen ein u. machte der Stricken Observanz viel zu schaffen, indem dadurch viele Brüder an deren Vorspiegelungen u. daraus hervorgehende Betrügereien glaubten. Ein früher anhaltscher Superintendent, Rosa, verbreitete im Namen u. Auftrag der 3 Weltkugeln, 1765–61 sein System (Rosaisches System), durch Deutschland u. behauptete, daß dasselbe Aufschlüsse über Alchemie, Theosophie, Kosmosophie u. Mechanik gäbe.

Auch die Afrikanischen Bauherren (s.d.) trennten sich von Hund. Ebenso wie sie waren die Illuminaten (gestiftet 1767 von Weishaupt) u. die Neuen Rosenkreuzer (s. b.), ein Auswuchs u. Mißbrauch der Freimaurerei, od. schlichen sich doch, sie benutzend, später in sie ein. Bedeutender aber war für von Hund das Mißtrauen, welches man in ihn u. sein Heermeisterthum zu setzen begann. Der Betrüger Johnson a Fünen (eigentlich ein Vagabund Becker od. Leucht, welcher Kassendefecte gemacht hatte), wollte von den geheimen Oberen in Schottland als Großprior abgeschickt sein, die deutsche Maurerei zu reformiren, auch höhere Geheimnisse besitzen; er berief die echten Maurer nach Jena u. beredete von Hund 1704 zum Congreß von Altenberge bei Kahla, im Herzogthum Altenburg, wo man viel Spielereien trieb, Johnson Posten, geharnischt u. in Templertracht, aussetzte u. in gleichem Costüm Patrouillen reiten ließ u. selbst ritt, um zu vermeiden, daß ihn der König von Preußen, welcher ihn, wie er angab, verfolgte, nicht aufheben lasse, u. als Johnson endlich mit der Kasse entfloh, die übrigen Brüder so in Hund drangen, mehr zu sagen, als bisher, daß er endlich auf sein Ehrenwort u. seinen Degen versicherte, daß das, was er über dies Heermeisterthum ausgesagt habe (s. oben), Wahrheit sei, u. daß er bis vor Kurzem mit unbekannten Oberen zu Old Aberdeen correspondirt habe.

Die Mehrzahl des Convents nahm diese Erklärung an, ein nicht unbedeutender Theil erklärte sich bes. später dagegen. 1767 erregten die Cleriker des Tempel- [Seite 685] ordens (Clerici ordinis templarii), die sich durch ihr Haupt, den Frater Archidemi des ab aquila fulva, ankündigten, der sich aber zuerst nicht öffentlich nannte, sondern unter dem neuen lateinischen Namen verbarg, aber behauptete, die wahre Weisheit mittheilen zu wollen, die besondere Aufmerksamkeit der Häupter der Stricten Observanz. Dies Clerikalische System hatte aber den Oberhofprediger Stark in Darmstadt zum Stifter.

Außer den 3 Graden der Johannismaurerei hatte das System noch 4 höhere, nämlich:

a) den Jungschotten;
b) den Schottischen Altmeister, od. St. Andreasritter;
c) den Provinz-Capitular vom rothen Kreuze u.
d) den Magus, od. den Ritter der Klarheit des Lichts,
    welcher letzte Grad aber wieder folgende 5 Abtheilungen hatte:
aa) den Ritter u. Noviz vom 3. Jahre;
bb) denselben vom 4. u.
cc) denselben vom 5. Jahre;
dd) den Leviten, u.
ee) den Priester.

Convent zu Kohlo

Auf dem Convent zu Kohlo, wo eine Reformation der Stricken Observanz vorgenommen u. der Herzog Karl von Braunschweig zum Großmeister ernannt wurde, blieb von Hund, nachdem er seine sogenannte Legitimation nochmals auf seine Ehre u. seinen Degen bekräftigt hatte, nur Heermeister über die Logen Stricter Observanz in Ober- u. Niedersachsen, Dänemark u. Kurland. Noch nicht ganz hatte sich aber der alte mystische u. leichtgläubige Geist durch diesen Convent in der F. gegeben, denn noch vermochte der Leipziger Weinwirth Schrepfer in seinen Logen 1772–74 durch Geistererscheinungen zu blenden, u. von Gugomos (Eques ab cygno tri umphante) brachte, sich für einen Abgesandten des heiligen Stuhls in Cypern ausgebend u. sich auf Geistererscheinungen, Goldmachen u. göttliche Geheimnisse berufend, den Convent von Wiesbaden 1775 zusammen, wo er aber entlarvt wurde, entfloh u. später widerrief. Eben so fanden die theosophisch-mystischen Martinisten Anhang in Deutschland, in Schlesien entstanden die Kreuzbrüder, dagegen in Oberdeutschland die Asiatischen Brüder (s. b.), aber alle waren nur von kurzer Dauer.

Auf der andern Seite wurden viele bisher Gläubige enttäuscht, u. selbst Schubart von Kleefeld, der Nachfolger Rosas bei den 3 Weltkugeln in Berlin, erkannte die Nichtigkeit des Tempelherrnsystems u. legte seinen Hammer nieder.

Die Convente von Braunschweig 1775 u. Wolfenbüttel 1778

Die Convente von Braunschweig 1775 u. Wolfenbüttel 1778 machten dasselbe noch mehr wankend, u. endlich siegte die Vernunft bei dem durch ein Circular des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig (der seinem Vater nach dessen Tode 1783 als Großmeister der Stricten Observanz gefolgt war) veranlaßten Convent zu Wilhelmsbad 1783, woran die Stricte Observanz, die neuen Rosenkreuzer u. auch Illuminaten Theil nahmen.

Die Rücksicht auf von Hund war seit dessen Tod (er st. 1776 zu Meiningen) geschwunden, ein anderer Heermeister der 7. Provinz, der schon früher zu Turin erwählt worden war u. jetzt anerkannt wurde, Bernez, wurde vom Convent nicht beachtet, das schon sehr wankend gewordene Tempelherrnsystem für aufgehoben erklärt u. die Stricte Observanz auf neue Grundsätze u. auf 4 Grade mit verändertem System zurückgeführt (Wilhelmsbader od. Rectificirtes System). Dieser Convent war durch die starken Angriffe des Oberhofpredigers Stark zu Darmstadt veranlaßt worden, welche dieser, als es ihm mißlungen war, die Logen Kurlands für sein Clerikalisches System zu gewinnen, gegen die Stricte Observanz gerichtet hatte; durch denselben erhielt aber auch das Clerikalische System einen bedeutenden Stoß u. löste sich nun nach u. nach von selbst auf, bes. durch Nicolais, Biesters u. Gedikes entschiedene Sprache in der Berliner Monatsschrift, welche den protestantischen Oberhofprediger von Stark von 1784 an geradezu des Katholicismus beschuldigten, was sich bei seinem Tode auch als wahr erwies.

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