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Pierer: Entstehung der Freimaurerei. Periode III

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Pierer: Entstehung der Freimaurerei. Periode III

Dritte Periode

Quelle: Eugen Pierer, Pierer's Universal-Lexikon, Band 6. Altenburg 1858

Die Freimaurerei während der Revolution u. dem französischen Kaiserreiche.

Die Französische Revolution schien anfangs der Institution der Freimaurerei höchst nachtheilig zu sein. In Frankreich hörten fast alle Logenversammlungen auf, da die Mitglieder auswanderten od. guillotinirt wurden od. voll anderer Tendenz zu den Clubs traten; sehr schädlich wirkte auch ein, daß der Herzog von Orleans (Egalité) als Großmeister erst Republikaner war u. dann unter der Guillotine fiel. In Großbritannien trug man darauf an, daß alle geheime Gesellschaften geschlossen werden sollten, was durch Parlamentsschluß auch wirklich geschah; dabei wurde aber die Freimaurerei ausdrücklich ausgenommen, weil Wohlthätigkeit einer ihrer Zwecke sei.

In Deutschland trug Kaiser Franz II. 1794 beim Reichstage ebenfalls darauf an, alle geheime Gesellschaften, also auch die Freimaurerei, in allen Reichsländern zu verbieten, viele Reichsstände, bes. Preußen u. Braunschweig, remonstrirten hierauf, daß dies dem Kaiser zwar in seinen Ländern überlassen bleibe, es den Reichsständen aber freistehe, vermöge der deutschen Freiheit, diese Maßregeln in den ihrigen zu ergreifen od. zu unterlassen. Die österreichischen Logen deckten darauf freiwillig. 1801 mußte jeder österreichische Beamter einen Revers unterschreiben, nicht Freimaurer zu sein od. werden zu wollen; auch mehrere katholische Staaten (Mainz, Trier, Würzburg etc.) schärften das frühere Verbot ein. Im übrigen Deutschland blieb die F. bestehen, doch stellten mehrere Logen temporär ihre Sitzungen ein, theils (wie in Frankfurt a. M.) des Kriegs wegen, theils um jeden Verdacht politischer Umtriebe zu vermeiden. Auch in den Niederlanden bestand die Freimaurerei selbst nach der französischen Invasion fort, eben so wurde sie in Dänemark u. Schweden nicht gestört.

In Russland entzog 1794 Katharina II., auf den Verdacht, daß die Logen zu politischen Clubs führen könnten, der Moskauer Loge ihren Schutz, allein dennoch dauerten die Logen fort u. selbst der höhere Adel nahm an ihnen Theil. Unter Paul I. wurden 1798 alle geheimen Gesellschaften, also auch die Freimaurerei, untersagt, wohl um den Malteserorden zu heben, wenigstens wurden die Logenmeister auf gegebenen Handschlag, keine Logen mehr zu halten, zu Malteserrittern ernannt. Alexander I. bestätigte 1801 dies Verbot; 1803 wurde er aber durch den Staatsrath Böber bewogen, sie zu gestatten; ja er ließ sich sogar selbst von diesem aufnehmen. In den innern Verhältnissen der Logen änderte sich im Ganzen wenig, die Systemsucht hatte aufgehört, ja man schaffte in einigen Großlogen die höheren Grade ab u. ersetzte sie durch andere Institutionen. Dies war bes. bei der Großloge Royal York der Fall.

Royal York und Feßler

Nachdem die Mutterloge Royal York in Berlin sich von der großen Landesloge 1778 wieder getrennt hatte, arbeitete sie nämlich eine Zeit lang nach dem früheren System, dann trug sie dem Professor Feßler u. sieben Mitgliedern auf, ihre Rituale u. Verfassung zu revidiren; Feßler gab ihr 1797 statt der vier höheren Grade sechs Erkenntnißstufen (Allerheiliges, Justification, Feier, Übergang, Heimath, Vollendung). Jeder dieser Erkenntnißstufen geht eine Einleitung (Initiation) voran, welche den Namen derselben führt. Schon früher hatte Feßler um 1792 in Schlesien den Bund der Euergeten (Wohlthäter), auf maurerische Formen gestützt, zur Beförderung der Sittenreinheit, zu gründen versucht, er kam aber eigentlich nie damit recht zu Stande, u. die Euergeten lösten sich 1795 wieder auf.

Als Feßler aus Royal York ausgetreten war, gab er eine geschriebene Geschichte des Freimaurerbundes heraus, die an Logen auch anderer Systeme verkauft wurde u. viel Gründliches über Geschichte der Freimaurerei enthält. Die Großloge Royal York nahm 1800 das altenglische (Yorker) Ritual für die drei Johannisgrade an u. vereinigte sich 1801 mit der Großloge[688] für das Kurfürstenthum Braunschweig-Lüneburg u. mit der großen englischen Loge in Hamburg zur reinen Freimaurerei in den 3 ersten Graden.

Schröder

In dieser großen Provinzialloge in Hamburg hatte der Schauspieldirector Schröder in den letzten Jahren des 18. Jahrh. im Stillen eine ähnliche Änderung bewirkt. Er ging nämlich auf das einfache altenglische Ritual zurück, u. dies Ritual war es, welches viele andere Logen annahmen (Hamburger od. Schrödersches System); der diesem System angehörende geschichtliche Engbund ist eine besondere Vereinigung zum Behuf geschichtlicher Forschungen ohne alle maurerische Formen.

Seit 1796 war die Freimaurerei in Frankreich wieder aufgelebt, um 1800 stand sie schon in voller Blüthe, u. als das Napoleonische Kaiserreich 1804 an die Stelle der Revolution trat, wurde der Große Orient von Paris errichtet, alle Logen Frankreichs unter denselben gestellt u. Napoleons Bruder Joseph zum Großmeister ernannt, obgleich derselbe nicht Maurer war u. auch nie eine Loge besuchte. An seiner Stelle besorgte Cambacérès das Großmeisterthum. Er vereinigte das bisher auf dem Continent unbekannte, 1804 von dem Grafen von Grasse u. Tilly aus Nordamerika dahin gebrachte System des Suprême Conseil, welches 33 Grade kannte, mit dem des Großen Orient u. wurde auch von diesem System Großmeister.

In Paris gab es damals 120 Logen, im ganzen Französischen Reich 1200. Fast überall, wohin die Waffen der Franzosen reichten, in Italien, Polen, Spanien, Portugal, lebte die F. wieder auf, u. viele französische Regimenter führten Regimentslogen. In den bestehenden Systemen änderten die französische Invasion wenig, nur im Königreich Westfalen wurde eine Großloge in Kassel errichtet u. in Warschau 1809 der Große Orient von Polen wieder proclamirt u. die Logen in Polen mußten sich demselben anschließen od. decken. In Preußen stellten die Berliner Logen vom Oct. 1806 bis Dec. 1808 ihre Arbeiten ein, um Collisionen mit Freimaurern der französischen Armee zu vermeiden, doch dauerten die innern Oriente der Großlogen in besonderen Ausschüssen ohne maurerische Formen fort, um die Arbeit in den Logen außerhalb der Hauptstadt zu leiten. Wie die französische wirkte die englische Freimaurerei in dieser Zeit bedeutend, u. englische Logen entstanden, wohin die britischen Waffen reichten, in Portugal, Spanien, Sicilien, Malta etc. Auch in Schweden wuchs das Ansehn der Freimaurerei, als der bisherige Großmeister, Herzog von Südermanland, 1809 nach Gustavs IV. Absetzung als Karl XIII. König wurde. Derselbe stiftete 1811 selbst für Freimaurer den Karls XIII. Orden, den außer den Prinzen noch 30 Mitglieder bekamen u. welcher den Rittergrad des schwedischen Systems bildet.

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