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Rezension: Dieter Ney: Müssen Freimaurer Vampire jagen ?

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Inhaltsverzeichnis

Nach Lust und Laune durch Masonien ...

... im offenen Cabrio sozusagen, nach tollen Leuten Ausschau haltend, mit denen ich gern ein paar Seiten verbringen möchte. So empfand ich beim Lesen dieses Buches. Neun interessante Portraits wehte mir der Fahrtwind zu: nicht die üblichen Ikonen, mit denen wir uns gerne schmücken, nicht Mozart und Goethe, nicht Washington und Garibaldi, nein, es sind Brüder, deren Namen ich noch nie gehört hatte, oder schon lange nicht mehr, oder die mir ganz anders begegnet sind: zum Beispiel mit köstlicher Schokolade. Von Rudi Rabe.

Wussten Sie, dass Theodor Tobler, der Erfinder dieser verführerisch schmeckenden Schweizer Schokolade, der Toblerone, ein Freimaurer war? Wenn Sie nicht gerade ein Schweizer sind, wussten Sie es eher nicht. Er war einer. Ich wusste es auch nicht; hier im Wiki hätte ich es erfahren können.

Und wie kam er auf die ausgefallene Form seiner Schokolade? Auf diese kleinen aneinander gereihten Schoko-Pyramiden, die beim Abbeißen so schön knacken? Das ist doch klar: Obergescheite wissen, „dass sich die Form der Toblerone einer Anknüpfung an freimaurerische Symbole verdankte. Und wer weiß, vielleicht hat die Toblerone ja eine geheime Bedeutung, die nur die vermeintlichen Nachfahren der Kathedralenbauer zu entziffern vermögen, ganz so wie die berühmte Pyramide auf der Dollarnote.“ Womöglich eine „Schokoladenverschwörung“?

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Achtung Ironie! Im Portrait Theodor Toblers enttarnt Dieter Ney den gängigen Verschwörungsunsinn. Aber vor einem ernsten Hintergrund, nämlich dem Kampf, den Tobler in den 1930er Jahren mit Gleichgesinnten gegen freimaurerfeindliche Schweizer Nazis und deren Angriffe führte: mit schmerzlichen Rückschlägen aber letztlich mit Erfolg.

Der Autor macht das so inspirierend, wie er das ganze Buch geschrieben hat. 220 Seiten anregende Biographien, immer wieder verknüpft mit den freimaurerischen Imperativen – im Fall Tobler ist das zum Beispiel dessen für damalige Zeiten sensationelle Sozialpolitik zum Wohle seiner Schokoladekocher – und mit Episoden aus der allgemeinen oder der freimaurerischen Geschichte.

Freimaurer müssen keine Vampire jagen, aber den Vampirismus.

Diese kluge Antwort auf den Buchtitel erschließt sich aus dem Porträt Gerard van Swietens. Das war vielleicht ein Freimaurer, aber jedenfalls ein holländischer Republikaner, der nach dreimaligem kaiserlichen Umwerben zwar widerstrebend aber dann doch nach Wien zog und dort nicht nur der Leibarzt Maria Theresias wurde sondern auch einer ihrer oberster Helfer gegen den grassierenden und oft auch gesundheitsschädlichen Aberglauben. Einer war eben der Glaube an Vampire, der zu abenteuerlichen Abwehrzeremonien führte bis zum Wiederausgraben von „lebenden Toten“, also Leichen, die man der nächtlichen Blutsaugerei verdächtigte. Die katholisch gläubige aber dennoch aufgeklärte Kaiserin kämpfte mit Hilfe Van Swietens dagegen.

Dieter Ney zieht daraus folgende Lehre: „Ganz in diesem Sinne steht außer Frage, dass Freimaurer zwar keine Vampire jagen müssen, aber doch immerhin den Vampirismus, wobei Vampirismus hier als Platzhalter steht für alle Religionen und Ideologien, die aus einem Menschen etwas anderes machen als einen Menschen, z. B. zu Monstern, Ungläubigen, Ausländern, Sozialschmarotzern.“

Auch hier also wieder die Verbindung einer spannenden Biographie mit dem masonischen Pensum. Diese Methode macht das Buch lebendiger als so manche bloß abstrakte Proklamation hehrer Verpflichtungen. Und so kann der Autor im Vorwort durchaus selbstbewusst festhalten: Wenn es mir „gelingt, ein wenig von der Begeisterung für die freimaurerischen Ideen zu vermitteln, die diese Brüder angetrieben haben, dann ist vielleicht schon mehr gelungen, als ich es einer Darstellung der institutionellen Seite der Freimaurerei zutraue.“

Um die große Bandbreite zu zeigen und um Ihren Gusto anzuregen hier die Liste der Portraitierten:

  • Gerard van Swieten (1700-1772) – oder: Müssen Freimaurer Vampire jagen?
  • Der Chevalier d’Eon (1728-1810) – oder: Ein ganzes Leben als Geheimnis.
  • Joseph-Ignace Guillotin (1738-1814) – oder: Der Fluch eines einfachen Mechanismus.
  • Multatuli (1820-1887) – oder: Kein fliegenrettender Dichter.
  • Friedrich Küchenmeister (1821-1890) – oder: Wieso die Katholische Kirche die Feuerbestattung verbot.
  • Fréderic Auguste Bartholdi (1834-1904) – oder: Von der Mühe, Freiheit zu schenken.
  • Henri La Fontaine (1854-1943) – oder: Mit der Suchmaschine zum Weltfrieden.
  • Felix Salten (1869-1945) – oder: Bambi und der Jugendschutz.
  • Theodor Tobler (1876-1941) – oder: Als eine Verschwörungstheorie zur Schundliteratur wurde.

Der Autor im Nachwort: „ Bei der Auswahl der Brüder, über die ich schreiben wollte, ließ ich mich einfach treiben und machte mir keine Gedanken darüber, ob sie nun ausgesprochen repräsentativ oder sogar typisch für die Freimaurerei im Allgemeinen waren – das ist wohl eher nicht der Fall.“ ... „Erst in der Rückschau fielen mir an meiner Auswahl durchgehende Merkmale auf. Es handelte sich immer um Freimaurer, die aus den freimaurerischen Idealen konkrete Handlungsimpulse entwickelten, die in der Gesellschaft sichtbar werden sollten. Gleichwohl haftete ihren Projekten immer eine Fragilität, eine Verletzlichkeit an, die wir in unserer Machergesellschaft gerne ausblenden.“

Dieter Ney: Müssen Freimaurer Vampire jagen? Wahre Geschichten über Freimaurer-Persönlichkeiten; Edition Keiper, http://editionkeiper.at/EDITION/im_zentrum.php, Graz.

Verlangsinformation

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Dieter Ney, M.A., geb. 1966 in Aachen, Studium der Fächer Philosophie, Katholische Theologie, Vergleichende Religionswissenschaft, Skandinavistik und Psychologie an Universitäten in Deutschland, Belgien und Frankreich, fünf Jahre Tätigkeit im wissenschaftlichen Mittelbau am Philosophischen Seminar der Universität Bonn, freiberuflicher Setzer für diverse wissenschaftliche Fachverlage, freier Journalist, Software-Entwickler, IT-Consultant, Mitglied mehrerer Freimaurerlogen in Europa und seit 2010 Vorstandsvorsitzender des deutschen freimaurerischen Bildungswerkes Akademie forum masonicum e.V.

Über das Buch

Dieses Buch widmet sich nicht der Freimaurerei auch wenn von ihr unvermeidlich die Rede ist , es widmet sich Freimaurern, von denen es sich zu erzählen lohnt: gescheiterten, erfolgreichen, vorbildlichen, sich empörenden und Reformern. Es handelt u. a. vom jüdischen Unternehmer Theodor Tobler, von seiner berühmten Schokolade, aber auch von seinem Engagement in einem Prozess, in dem es um das verschwörungstheoretische Pamphlet der Protokolle der Weisen von Zion ging, und vom Pazifisten Henri La Fontaine, der von der Idee überzeugt war, dass das Zugänglichmachen des Weltwissens dem Weltfrieden förderlich sein wird, und eine Art Zettelkasten-Google erschaffen hat. Es erzählt die abenteuerliche Geschichte des Charles-Geneviève-Louis-Auguste-André-Timothée d’Éon de Beaumont, eines Spions im Dienste des französischen Königs, der weite Teile seines Lebens als Frau lebte, und von Schriftstellern wie Eduard Douwes Dekker alias Multatuli, dessen antikolonialistischer Roman »Max Havelaar« als wichtigster der niederländischen Sprache gilt, oder Felix Salten, der tragischerweise von seinen beiden größten literarischen Erfolgen (»Bambi, eine Geschichte aus dem Walde« und »Josefine Mutzenbacher«) finanziell nicht profitieren konnte. Es ist die Rede von so verschiedenen Medizinern wie Gerard van Swieten, dem aufgeklärten niederländischen Leibarzt von Maria-Theresia, der aufgrund seines Kampfes gegen den Aberglauben des Vampirismus unfreiwillig zum Vorbild für den Vampirjäger Abraham Van Helsing in Bram Stokers »Dracula« wurde, Joseph Ignace Guillotin, dem Namensgeber der Guillotine, und Friedrich Küchenmeister, dem Pionier im Kampf um die Etablierung der Verbrennung als Bestattungsmethode.


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