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Rezension: Ekhart Wycik - Zauberflöte ... die unbekannte Bekannte

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Inhaltsverzeichnis

Rezension: Ekhart Wycik - Zauberflöte ... die unbekannte Bekannte

150 kurzweilige Seiten; im Anhang ein Literaturverzeichnis und ein musikalisches Glossar.

Rezension von Schwester Brigitte
Loge ‚Pamina’ im österreichischen ‚Droit Humain’

„Das tollste Gulasch der Operngeschichte“

Nicht schon wieder die Zauberflöte! Diesen Gedanken hatte ich, als das Buch auf meinem Schreibtisch lag und ich gebeten wurde, einen Beitrag darüber zu schreiben. Bin ich doch sozusagen ein „Zauberflöten geschädigtes“ Mitglied einer Loge des ‚Droit Humain’ in Wien, die ausgerechnet ‚Pamina’ heißt; mehr brauche ich ja nicht zu sagen. Zahlreiche Zeichnungen – in Österreich heißen diese Baustücke - über Mozarts Werk habe ich schon gehört. Es vergeht fast keine Arbeit, bei der nicht Mozart gespielt wird, von den Festarbeiten ganz zu schweigen. Mozart also – Verzeihung! – bis zum Erbrechen.

Also machte ich mich etwas widerwillig – ich geb’s zu - ans Lesen. Und schildere gerne meine ganz persönlichen Eindrücke.

Das erste Bild auf Seite 5 bestätigt meine Vorurteile. Allseits bekannt ist das dem Maler Ignaz Unterberger zugeschriebene Bild über eine Versammlung einer Wiener Freimaurerloge 1785, rechts unten sitzt angeblich Mozart, daneben angeblich sein Librettist Emanuel Schikaneder. Alles schon gehabt.

Laut gelacht

Aber bald ändern sich meine Eindrücke. Die Sprache des Autors ist witzig und modern und unterscheidet sich wohltuend von manchen staubtrockenen und freudlosen Interpretationen der Zauberflöte. Wenn er zum Beispiel Papageno als einen Vogelmenschen nach Art der Star-Wars-Kreaturen oder als „Edelproleten im komischen Federkostüm“ bezeichnet, der wie am Ballermann mit Alkohol als Sorgenbrecher und einer passenden Frau belohnt wird. Oder Schikaneder als C-Promi auf dem Society-Parkett, mit ständig neuen It-Girls in beiden Armen beschreibt. Mit allen Wassern gewaschen und durchaus mit heutigen Entertainern wie Stefan Raab oder Dieter Bohlen vergleichbar.

Spritzig, witzig und pointenreich geht es weiter mit einem verstörend bunten Bild der Zauberflöte. Mozarts und Schikaneders Interesse war nämlich nicht, ein esoterisches Werk zu komponieren oder gar eine Freimaureroper, ihr einziges Ziel war, einen Bestseller zu schreiben, Geld einzuspielen, Kasse zu machen. Und das gelingt am besten, wenn das Publikum unterhalten wird, und zwar alle gesellschaftlichen Schichten. Das einfache Volk genauso wie das Bürgertum und der Adel.

Also wird ein großartiges „Gulasch für alle“ in bester Qualität gekocht. Eine perfekte Mischung aus Freimaurerei – das Individuum auf der Suche nach seiner Selbstvervollkommnung. Klamauk, Wiener Vorstadtspektakel, und Dualismus – nur Mann und Frau gemeinsam erreichen die Vollendung.

„Tollstes Gulasch der Operngeschichte“

So heißt das sechste Kapitel. Und das trifft es genau. Ein schlechter Koch kann kein wirklich gutes Gulasch zubereiten, das wissen wir Wiener genau. Lieblos zusammengerührt bleibt es immer nur Fleisch mit Saft. Köstliche Erfahrungen hat jedoch derjenige gemacht, der schon einmal ein echtes Wiener Rindsgulasch gegessen hat, das nur „eingeweihte“ Köche wirklich gut zusammenbringen. Also ist die Bezeichnung des Autors, die Zauberflöte sei das „tollste Gulasch der Operngeschichte“ als großes Kompliment zu werten. Hier wurde nichts zufällig zusammengewürfelt, im Gegenteil: Die Autoren der Zauberflöte schaffen eine geradezu spielerisch erscheinende, sorgfältig abgewogene Komposition der Stilelemente, Handlungsträger und Konstellationen. Das beweist Buchautor Ekhart Wycik an vielen Beispielen.

In Wyciks detaillierter Interpretation des Werkes erkennt man den gelernten Musiker. Er setzt sich akribisch mit der Partitur und deren Zahlensymbolik auseinander und schafft es dennoch, dass seine Erklärung auch von Laien verstanden wird. Viele Notenspielereien, wunderliche Konstellationen, Querbezüge und Wechselwirkungen werden minutiös aufgelistet. Er gibt auch zu, dass sich all diese Interpretationen und Vermutungen nicht wirklich beweisen lassen. Seine Schlussfolgerungen nach dem Warum hinter der Musik seien vom streng wissenschaftlichen Standpunkt her spekulativer Natur. Und ob die Autoren der Zauberflöte ihr Werk in allen diesen Verästelungen bewusst geschaffen haben, oder ob sich manches einfach so gefügt hat, wen kümmert’s. Wahrscheinlich sei es unmöglich, die Zauberflöte jemals komplett in allen Verästelungen und Tiefenschichten zu analysieren und zu begreifen, vermutet er.

Frauenfeindliche Zauberflöte?

Intensiv setzt sich der Autor mit dem uralten symbolischen „Tanz der Geschlechter“ auseinander. Und er räumt auch mit dem Vorurteil, die Zauberflöte sei „frauenfeindlich“ gründlich auf. Sarastro: „Ein Mann muss eure Herzen leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus ihrem Wirkungskreis zu schreiten“. Oder Sprecher: „Ein Weib tut wenig, plaudert viel/du Jüngling glaubst dem Zungenspiel“. Diese Aussagen stehen wirklich nicht für Gleichberechtigung und schon gar nicht für Freimaurerei und haben der Zauberflöte zu Recht eine schlechte Presse gebracht.

Aber: Der Autor beweist, dass auch die Königin und deren Damengesellschaft in ihrer Misandrie der Misogynie der Männer in nichts nachstehen, was aber in der Literatur konsequent übersehen wird. Der Autor dröselt minutiös auf, wie selbst renommierte Mozart Biographen wie W. Hildesheimer oder C. Clément auf die „frauenfeindliche“ Haltung hereinfallen. Es wird gänzlich übersehen, dass es auch in der Damengesellschaft „männerfeindliche“ Aussagen gibt.

Der Autor macht sich daher die Mühe, neben den unappetitlichen Macho-Aussprüchen der Männer, unvoreingenommen auch die Sprüche und Praktiken der Königin und ihrer Drei Damen unter die Lupe zu nehmen. Bei gründlicher Textbetrachtung lästern die Königin und ihre Damen ebenso schlecht über die männerzentrierte Welt Sarastros wie dieser seine Macho-Stammtisch-Sprüche über die Damen loslässt. Die Zauberflöte zeigt gleichermaßen die flache, peinliche Fratze von Frauenverächtern, wie sie ebenso das Zerrbild keifender Männerhasserinnen bringt. Fazit: die Damen sind keinen Deut besser als die Herren, Schattenseiten gibt es bei beiden Geschlechtern. Und beiden wird im Stück, wie in einem Spiegel, ihre dunklen Seiten vorgehalten.

Nichts liegt daher ferner, als die Zauberflöte „frauenfeindlich“ zu nennen. Und ebenso wenig kann man die Zauberflöte als Freimaurer-Oper bezeichnen. Wenn schon, dann als eine Freimaurer- und Freimaurerinnen-Oper. Das rinnt wahrlich wie Öl runter, danke lieber Autor.

In Wahrheit ist die Zauberflöte die erste Oper, in der ein Paar gemeinsam Schwierigkeiten überwindet und dadurch zueinander findet. Pamina ist die erste wirklich starke gleichberechtigte Partnerin der Musikgeschichte. Mozart und Schikaneder stellen zum ersten Mal ein selbstbewusstes, gleichberechtigtes Paar auf die Bühne. Pamina siegt zusammen mit dem Helden. Die Geharnischten: „Ein Weib, das Nacht und Tod nicht scheut/Ist würdig und wird eingeweiht“. Vom Verdikt der Frauenfeindlichkeit bleibt da wirklich nichts übrig.

Fazit: Ekhart Wycik hat in diesem Buch auf der Basis von Mozarts Partitur eine Fülle von Details, Fakten und Analysen über die Zauberflöte zusammengetragen, die man so in keinem Opernführer findet. Witzig und spannend, sachkundig und augenzwinkernd bringt er Leserinnen und Lesern ein Stück europäischer und freimaurerischer Musikgeschichte näher und erfreut damit nicht nur ein Fachpublikum, sondern auch solche, die sich sonst weniger mit klassischer Musik beschäftigen.

Ekhart Wycik - Zauberflöte …. die unbekannte Bekannte
Freimaurerische Symbole, Strukturen und Musik in Mozarts letzter Oper
Salier Verlag, Leipzig, 2016

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