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Rezension: Günter K. Kodek – Die österreichische Freimaurerei von den Anfängen bis 1985

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„DER KODEK“

So nennt man das Opus Magnum des Freimaurers und Freimaurerforschers Günter Kodek (1939 bis 2014): sechs Bände, für die ich oben eine Dachmarke einsetzte, weil die Bücher - obwohl sie zusammengehören - verschiedene Titel haben. Von Rudi Rabe

In drei Bänden hat der Autor die Geschichte der Österreichischen Freimaurerei vom 18. Jahrhundert bis 1985 chronologisch aufgezeichnet; und weitere drei enthalten die Namen und Daten von zehntausend (!) österreichischen Brüdern aus diesen zweieinhalb Jahrhunderten. Ein monumentales Werk!


„Ein zweites Mal würde ich das nicht machen“, meint Günter Kodek von einer Last befreit und gut gelaunt bei der Buchpräsentation im Mai 2014. Kein Wunder: Vor fünfzehn Jahren hatte er begonnen, aber der Stein, den er wälzte, wurde nicht kleiner sondern immer größer und größer: Archive, Protokolle, Recherchen ... Unleserliches, Widersprüche, Lücken ... weiter, immer weiter, doch der Horizont wanderte mit. So ähnlich muss es Eugen Lennhoff und Oskar Posner gegangen sein, als sie in den 1920iger und frühen dreißiger Jahren ihr bis heute wegweisendes Internationales Freimaurer-Lexikon schufen.

Ein „titanisches Werk“

Jetzt endlich im Jahr 2014 ist das Ziel erreicht: Fast auf den Tag genau zu seinem 75. Geburtstag kann Günter Kodek die letzten zwei Bände vorstellen. Viel Applaus bei der Präsentation im Haus der österreichischen Großloge in der Wiener Rauhensteingasse: Ein „titanisches Werk, es gibt im Ausland nichts Vergleichbares“, sagt der Moderator; ein „Lebenswerk, das in die Geschichte eingehen wird“, konstatiert Großmeister Nikolaus Schwärzler.

Leider konnte Günter Kodek das Gefühl, etwas Großes geleistet zu haben, nicht mehr lange genießen. Schon seit längerem von einer schweren Krankheit gezeichnet starb er weniger als fünf Monate nach der Buchvorstellung. Doch sein Werk wird bleiben: Die sechs Bücher werden das Jahrhundert überleben. Zu große Worte? Nein! Eine realistische Einschätzung: siehe Lennhoff-Posner.


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Das sind die letzten zwei Bücher der sechsteiligen Reihe.

Sie widmen sich der Zeit vom Zweiten Weltkrieg
bis 1985.
















Und hier die vier Bände, welche die Zeit vom 18. Jahrhundert bis 1938 behandeln, also bis zum Einmarsch Hitlers nach Österreich: Sofort haben die Nazis die Freimaurerei verboten und zerstört.



So sehen die Bücher innen aus:



Gezieltes Nachschlagen oder einfach Schmökern!

Dies sind die zwei alternativen Möglichkeiten, diese Bücher zu nutzen. Also schmökern wir ein wenig im Buch oben links (1945-1985). Zum Beispiel in den interessanten Nachkriegsjahren: so fern schon ... und doch für die Älteren immer noch ziemlich nah. Es ging den Freimaurern wie dem ganzen Land: Alles war kaputt.

Die erste österreichische Loge, die sich nach Kriegsende reaktivierte, war sechs Wochen nach Kriegsende am 21. Juni 1945 die Klagenfurter ‚Paracelsus’. Die sieben Kärntner Brüder wollten auch gleich international anerkannt werden: Also schrieben sie an die ‚Großloge von England’; Kärnten war ja britische Besatzungszone, und London war leichter zu erreichen als Wien. Doch die ‚United Grand Lodge’ blieb stumm. Sie hielt noch jahrelang Distanz zu den Freimaurern der ehemaligen Feindstaaten. Erst 1952 erkannte sie die österreichische Großloge an; diese hatte sich inzwischen konsolidiert.

Im zuerst nur sowjetisch und dann von allen vier Siegermächten besetzten Wien dauerte es 1945 einen Monat länger als in Kärnten: Am 28. Juli trafen sich 48 Brüder. Welch kleines Häuflein! Vor dem Nazi-Einmarsch waren es 850. Die meisten waren verschleppt oder ermordet worden, ausgewandert, in Kriegsgefangenschaft geraten, gefallen oder gestorben. Die 48 Überlebenden beschlossen, eine Sammelloge einzurichten, die zugleich die Großloge sein sollte: die ‚Humanitas renata’. Es dauerte noch Monate bis die Wiener und die Kärntner voneinander erfuhren.

Die Nazis hatten alles geraubt oder zerstört. Es gab keine schriftlichen Rituale. Zwei Brüder schrieben die Texte aus dem Gedächtnis nieder. Wie sich später herausstellte, waren sie bis auf Kleinigkeiten korrekt.

Lebensmittel und Brennstoffe waren in den Nachkriegsjahren rationiert. Also musste jeder Bruder im Winter Heizmaterial mitbringen: ein Holzscheit oder mehr; manchmal wurden Arbeiten wegen der Kälte abgesagt. Für die ‚Weiße Tafel’ musste jeder Fett-, Brot- und Zuckermarken abliefern.

Im Schneckentempo ging es aufwärts. Ende 1950 zählte die Kette 321 Brüder in sieben Logen: immer noch viel weniger als vor dem Krieg; und ein Zehntel von 2014.

Großmeister Bernhard Scheichelbauer – einer der Großen seit 1945 – verlangte Disziplin. Anfang 1950 knöpfte er sich anonyme Briefschreiber vor („gröbste Verletzung der Pflicht“). Und ein Jahr später beendete er eine Bundeshauptversammlung abrupt, weil eine Gruppe Obstruktion betreibe; es ging um eine Statutenänderung.

Man könnte sich verlieren in den Kodek-Büchern ... sie enden um die Jahreswende 1985/86: eine Zäsur vor allem für die Wiener Logen, die nun unter der Führung von Großmeister Alexander Giese von der Dorotheergasse in das neu erstandene Haus in der Rauhensteingasse zogen.

Die österreichische Kette war in vierzig Jahren auf 1900 Mitglieder angewachsen; davon ein Drittel außerhalb Wiens.


Die sechs Bände können ein bibliophiler Schatz für jeden Bruder sein.

"DER KODEK" konzentriert sich zwar auf die 'reguläre' Großloge von Österreich, er berücksichtigt aber auch die anderen (kleineren) 'Obödienzen' und die Hochgrade/Seitengrade.

Tausende Stunden investierte Günter Kodek, manche auch nur deswegen, weil Unterlagen mangelhaft waren. Also appellierte er bei der Präsentation an alle, die Protokolle führen, ihre Arbeit noch besser zu machen, „damit kommende Generation auch etwas über uns erfahren können.“


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Siehe auch


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