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Rezension: Peter Stiegnitz: Gott ohne Kirche

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Rezension von Joachim Woerner

Gott ohne Kirche: Religion und Freimaurerei

Die vorliegende Arbeit ist nahezu unmöglich zu rezensieren, weil das eigentlich eines zweiten Buches bedürfte, um ihr gerecht zu werden. Zu Zeiten umsichtig zusammengesetzter Lektorate war das noch bei Sachbüchern weniger häufig der Fall. Die im Nachwort erklärte Absicht des Verfassers und seines Verlegers, eine Pionierleistung vorstellen zu wollen, ist aber zweifellos gelungen, obwohl der Haupttitel des Buches "Gott ohne Kirche" dabei zu kurz kommt.

Das Fazit lautet: Die Freimaurerei ist keine Religion, sondern will sie praktisch ergänzen! Dazu erfolgt eine umfangreiche, bis teilweise in vorchristliche Zeiten reichende Beweisführung, die viele interessante Details bringt, aber auch die Gefahr von Widersprüchen, wenn man weiter hinterfragt. Das gilt für die Definition des Begriffs Religion ebenso wie für die Erläuterung, was Freimaurerei ist bzw. sein will. Die im Anhang unter "Anmerkungen" aufgeführten Literatur-Quellenbezüge darüber sind in Anbetracht der Vielfältigkeit der Freimaurerei unzulänglich.

Der Aufbau von Beziehungsketten durch Aussprüche von historischen Persönlichkeiten ist immer problematisch, weil es nicht nur eine Logik der Sprache, sondern auch des Denkens, Fühlens und Wirkens gibt. Die unter Freimaurern manchmal für Zeitgenossen übliche Bezeichnung "Brüder ohne Schurz" ist deshalb für Menschen ungeeignet, die vor vielen, ja hunderten von Jahren bereits lebten, bevor es den Begriff Freimaurer oder Freemasons überhaupt gab. Oft liest oder hört man mal einen Satz und denkt spontan: Der könnte von Dir (oder X) sein! Aber daraus gleich eine gemeinsame Wurzel zu konstruieren?

Freemasons (mit unterschiedlicher Schreibart) gab es in England schon im frühen Mittelalter. Aber der Begriff Freimaurer entstand erst um 1700 und stellt logischerweise keine Übersetzung dar. Vielmehr erlitten die alten Freemasons nicht nur in England eine technische und kommerzielle Niederlage durch den Backstein, was zur Folge hatte, daß die Hochbau-Steinmetze zu 90 % zähneknirschend umsattelten und Maurer wurden. Folgerichtig benutzte man danach in der deutschen, französischen und vielen anderen Sprachen nicht die korrekte Übersetzung, z. B. Freie Steinmetze, sondern Freimaurer oder kurz Maurer. Noch im 16. Jahrhundert wäre es aber eine Beleidigung gewesen, einen gestandenen Steinmetz als "Maurer" zu bezeichnen.

Auch andere Darstellungen bedürfen der Überarbeitung. Die erwähnte "Mason Hall" von 1436 in London war beispielsweise ein Zunft-Gebäude, ähnlich der "Carpenters Hall" und anderer. Mit der "Freemasons' Hall" (Baujahr 1927-33, Erstbau 1775) in der Great Queen Street als "Zentrum ... aller Freimaurer" hat der alte Handwerksbau der Steinmetze nichts zu tun!

Solche Irrtümer beeinträchtigen freilich weder den Lesegenuß noch die Fülle der Zitate und zumeist relevanten Informationen, die der Verfasser für dieses Buch zusammenstellte.

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