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Symbolik

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Courtesy Lodge of Research Vermont
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Inhaltsverzeichnis

Zeichensystem

In der Freimaurerei werden die Symbole als ein Verweissystem verstanden, bei dem das eine für etwas anderes steht, für einen mehr oder weniger festgelegten Sinn oder Inhalt. Dieses Verweissystem ist plausibel und lernbar. Es ordnet den Umgang mit der komplexen profanen Welt in einsichtiger Weise und bietet als Ordnungsgefüge Hilfe und Stütze für das eigene Handeln. Durch das rituelle Erlebnis werden Sinn und Inhalt des Zeichens vertieft zum Symbol. Das gruppenspezifische Verweissystem soll durch freie Interpretation zum individuellen verhaltensbestimmenden Symbolsystem werden. Einerseits fügt sich die Symbolwelt ein in die Zeichensysteme barocker Gelehrtheit, andererseits popularisiert das freimaurerische Zeichensystem ein damals und heute nur Gelehrten verständliches Sinngefüge aus antiken und mittelalterlichen Inhalten.

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Symbolik

Quelle: QCWiki


Das griechische Wort „Symbol“ (von Symbolon = zusammenwerfen, zusammenfügen, Erkennungsmarke) hat eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte in den Sprachen unseres Kulturkreises durchlebt. Ein Symbol ist ein Sinnbild, das einen Gehalt veranschaulichen und erkennbar werden lassen soll. Symbole sperren sich einer vollständigen rationalen Erklärung. Sie sprechen einen ursprünglichen Bezug zu einer Sache aus und treten als Vermittler zwischen Mensch und Gegenstand auf.

Religionen benötigen Symbole vor allem zur Vergegenwärtigung des Jenseitigen im Diesseits. Dadurch kommt der Charakter des Symbols besonders deutlich zutage. Es ist es selbst und zugleich ein anderes, das selbst nicht erscheinen kann. Das Symbol wird dadurch auch zum Stellvertreter. In Religion lassen Symbole das übersinnliche in sinnlicher Gestalt auftreten. Das Symbol trägt immer ein Element der Entsprechung mit dem, was es symbolisiert, bei sich.

Für die Freimaurerei ist die Übertragung des Symbolcharakters auf die Sprache besonders bedeutsam, wie er in den Mysterienkulten der griechischen Achsenzeit erstmals zur Geltung gekommen ist. Aus pythagoreischer Mystik entnommen gewinnen Worte und Sätze Symbolcharakter, die zwar für sich einen Sinn ergeben, aber in ihrer gewandelten Bedeutung nur den Eingeweihten in die Mysterienkulte verständlich waren.

Die Zahl 3

Von stärkster Aussagekraft ist die Symbolik der Zahl 3 noch immer im Freimaurerischen Ritus. Für die Schule der Pythagoreer steht die 3 als Symbol der Gerechtigkeit. Sie liegt aufgespannt und sinnlich wirksam vor uns im rechtwinkligen Dreieck und im Winkelmaß. Die drei Säulen im Tempel und die drei großen und kleinen Lichter, die drei Johannisgrade und die stets betonte Dreiheit werden zum tragenden Bestand einer Symbolik, in welcher Gerechtigkeit, Ethik und Moral vergegenwärtigt werden. Die Symbolik ist der vorsichtige und deutliche Hinweis in einem. Das Sinnbild der Gerechtigkeit ist noch nicht die Gerechtigkeit selbst. Von dieser Symbolik lehrt die Freimaurerei. Sie ist die Gegenwart des nicht Gegenwärtigen, jedoch abzüglich aller jenseitiger Komponenten. Symbolik der Gerechtigkeit bedeutet in der Freimaurerei nicht die Besinnung auf das jenseits der Welt thronende Gerechte an sich, vielmehr erscheint sie in Symbolen der Hoffnung, die das moralisch Vollkommenere erahnen lassen in den unvollkommenen Gestalten des Gegenwärtigen.


Leitgedanken ästhetischer Theorien

Seit den philosophischen Schriften der mittelalterlichen Mystik wird behauptet, dass uns der Zugang zu den göttlichen Dingen nur durch Symbole als Weg offen stehe (Nikolaus von Kusa). Hierdurch erfüllt Symbolik immer auch die Sehnsucht der Menschen nach Verdunkelung und Verflüchtigung des Klaren und Sichtbaren. In der Goethe-Zeit gestaltet sich die Symbolik zu einem Leitgedanken ästhetischer Theorien. Eingang in die Theoriebildung der Psychoanalyse findet die Symbolik im frühen 20. Jahrhundert durch die Traumdeutung. Symbolik übernimmt hier die Mittlerrolle zwischen menschlichem Bewusstsein und den Kräften des Unbewussten in der Psyche.

Auch Ernst Cassirer hat in seiner Philosophie der symbolischen Formen das Wechselverhältnis untersucht, das sich zwischen dem Gegenstand und dem Betrachter durch das Symbol ereignet. Für ihn manifestiert sich im Symbol eine objektive Bedeutung. Allerdings handele es sich dabei nicht um ein triviales Abbildungsverhältnis, sondern um eine Art Verwandlung. Wurzel des Geschehens betrachtet er im Ritus, der in seinem Ursprung „keinen bloß allegorischen, nachbildenden oder darstellenden, sondern durchaus realen Sinn“ habe (S. 51).

Symbole

Im ursprünglichen Sprachgebrauch war der Sinn des griechischen Wortes »symbolon« der eines Erkennungszeichens. Wenn zwei Freunde für längere Zeit oder für immer voneinander schieden, so zerbrachen sie eine Münze, ein Tontäfelchen oder einen Ring; kam nach Jahren jemand von der befreundeten Familie zurück, so konnten die zusammengefügten Teile (symbállein = zusammenwerfen, zusammenfügen) bestätigen, dass der Träger des einen Bruchstückes wirklich Anspruch auf die Gastfreundschaft besaß. Das Symbol ist also ein »Zusammengefügtes«, in dem ein sonst nicht wahrnehmbarer Sinninhalt manifestiert wird. Zunächst »Symbol aus etwas« (die beiden zusammenzufügenden Teile) geht der Sprachgebrauch über zum »Symbol von etwas«; das Symbol steht stellvertretend für eine geistige Realität (die Freundschaft der Besitzer der Bruchstücke), die an ihm wahrnehmbar wird. Das Symbol ist sichtbares Zeichen einer unsichtbaren Wirklichkeit.

Schon in der Antike konnten mit »Symbola« die verschiedensten Dinge bezeichnet werden, z.B. Verträge in der Rechtskunde, das Losungswort im Kriegswesen und in Mysterienbünden, der zur Weissagung dienende Vogelflug. Bischof Cyprianus von Carthago (Mitte des 3. Jh.) gebraucht das Wort Symbol erstmals in der Bedeutung von Glaubensbekenntnis (Symbolum). Die Stoiker erblickten im Symbol einen verhüllenden Hinweis auf eine philosophische oder theologische Wahrheit; diese »symbolische« - richtiger: allegorische - Auslegungsweise übernahm Philon von Alexandrien für die Erklärung der Bibel.

Als Zusammengesetztes steht das Symbol im Schnittpunkt zweier verschiedener Seinsebenen. Gerade durch seinen Schnittpunktcharakter ist es aber nicht nur ein (von einer Ebene auf die andere) hinweisendes Zeichen, sondern es hat auch an beiden teil: im Äußeren offenbart es das Innere, im Körperlichen das Geistige, im Sichtbaren das Unsichtbare. Nach Goethe (Maximen und Reflexionen) ist die wahre Symbolik überall dort, »wo das Besondere das Allgemeine repräsentiert, nicht als Traum und Schatten, sondern als lebendig augenblickliche Offenbarung des Unerforschlichen«. Zwischen dem Symbol und dem von ihm Repräsentierten besteht ein innerer Zusammenhang, der auf eine Wesenseinheit hinausläuft. Das Bezeichnete (Signifikat) und das Bezeichnende (Signifikant) lassen sich - im Gegensatz zum willkürlich gesetzten Zeichen - nicht austauschen. Die Erscheinung des Symbols ist nicht etwas Zufälliges, sondern gehört letztlich zum Wesen der sich darstellenden Wirklichkeit.

Die in der wissenschaftlichen Literatur im Hinblick auf »Symbol« und »Zeichen« anzutreffende Begriffsverwirrung ist in der Weise zu klären, dass in den anthropologischen Disziplinen der Begriff Symbol als signum repraesentativum (vergegenwärtigendes, teilhabendes Zeichen) vom willkürlich bezeichnenden Zeichen, dem signum significativum, zu unterscheiden ist. Nach M. Thiel gehört letzteres zur Vertretungs-Symbolik (das Zeichen steht stellvertretend für etwas anderes), ersteres zur Transparenz-Symbolik (im Symbol scheint das Sein durch). Als drittes ist die Real-Symbolik zu nennen, bei der das Symbol nicht als solches erfaßt, sondern mit dem Symbolisierten als Einheit erlebt, empfunden wird (häufig bei den sog. Naturvölkern anzutreffen, aber auch in Hochkulturen und ›höheren‹ Religionsformen) wenn man auch nicht von einer Identität sprechen darf, so können »Bild« und Wirklichkeit doch so ineinander übergehen, dass sie eins zu sein scheinen. Die hiermit aufgezeigte Abgrenzung zwischen dem willkürlich bezeichnenden Zeichen und dem das Symbolisierte durch Analogie vergegenwärtigenden (transparent machenden) oder an ihm (an seiner Realität) teilhabenden Symbol ist für jede weitere Terminologie grundlegend.

Die dem Bild und Symbol nahestehenden Termini ergeben aneinandergereiht eine Art »Spektralband«, bei dem infolge verschiedener Wertigkeit nicht alle Begriffe gleich viel ›Raum‹ einnehmen und auch ihr Nebeneinander durchaus variabel ist: Allegorie, Analogie, Archetyp, Chiffre, Emblem, Gleichnis, Metapher, Motiv, Typos.

Die Spannung zwischen sinnlicher Anschaulichkeit und geistiger Bedeutung macht das Symbol zu einem wichtigen Ausdrucksmittel in Philosophie, Religion und Kunst. In der Philosophie zeigt sich, dass die Grundgegebenheiten von Welt und Leben rational nicht ausschöpfbar sind; im Symbol jedoch wird die Natur, die materielle Welt transparent auf ihren Existenzgrund hin. Das Symbol ist Verhüllung und Offenbarung zugleich; deshalb ist die Deutung von Symbolen oft so schwierig. Bei der Übertragung in die Sprache der Begriffe, bleibt immer ein unübersetzbarer Rest. Gerade weil das Symbol auf das Unsichtbare und Unbegreifbare weist und es repräsentiert, lässt es sich nicht mit unserer Ratio begreifen. Mircea Eliade hebt als Eigenart des Symbols hervor, dass es sich an den ganzen Menschen wendet und nicht nur seinen Verstand. Das Symbol ist immer ein Extrakt, ein Auszug aus einer Fülle von Einzelgedanken; es fasst ganze Gedankenreihen in eine sonst unerreichte bildhafte Kürze zusammen. Symbole sind keine starren, präzise abzugrenzenden Gebilde, sondern veränderlich und oft mehrdeutig mehrdeutig (Ambivalenz).

Quelle: Manfred Lurker, Gründungsmitglied der Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung. Artikel »Symbol«, in: Wörterbuch der Symbolik. Unter Mitarbeit zahlreicher Fachwissenschaftler, herausgegeben von Manfred Lurker. Fünfte, durchgesehene und erweiterte Auflage. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 1991, S. 719-720. (= Kröners Taschenausgabe Band 464).

Literaturhinweise

  • Burkert, Walter, Antike Mysterien, München 1990.
  • Cassirer, Ernst, Philosophie der symbolischen Formen, Darmstadt 1987.
  • Eliade, Mircea, Geschichte der religiösen Ideen, Freiburg i. Br. 1978.
  • Jung, Carl Gustav, Der Mensch und seine Symbole, Olten 1979.
  • Lehner, Alfried, Die Esotherik der Freimaurer, Gerabronn 1997.
  • Lehner, Alfried, Freimaurerische Symbole und Rituale in der Entwicklung der unterschiedlichen Logensysteme, in: Joachim Berger und Klaus-Jürgen Grün (Hrsg.), Geheime Gesellschaft. Weimar und die deutsche Freimaurerei, München 2002.

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