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Symbolische Großloge von Deutschland

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ab 1933 Symbolische Großloge von Deutschland im Exil

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Inhaltsverzeichnis

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Logen

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Siehe auch


Symbolische Großloge von Deutschland

Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932)


entstanden im Juli 1930. Eine Gruppe von Freimaurern, die den verschiedensten deutschen Systemen entstammten, und die mit der ablehnenden Haltung der deutschen Freimaurer gegenüber internationalen und pazifistischen Problemen, der Liga usw. nicht einverstanden waren, vereinigten sich mit 600 aus dem Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne ausgetretenen, teils im Auslande regularisierten, teils die Regularisierung anstrebenden Mitgliedern zur Gründung einer Großloge.

Da Verhandlungen mit dem Deutschen Großlogenbund ergebnislos blieben, die Wiener Großloge eine Patentierung der neuen Großloge ablehnen mußte, setzte der seit kurzer Zeit bestehende Oberste Rat des A. u. A. Schottischen Ritus für Deutschland am 27. Juli acht Logen ein, die sich hierauf auf Grund der von der Großloge von England herausgegebenen Bestimmungen über Regularität zu einer eigenen Großloge vereinigten.


Die neue, zehnte Großloge Deutschlands wird von den neun älteren Deutschen Großlogen nicht anerkannt. Sie unterscheidet sich von diesen schon durch ihre Prinzipienerklärung, in der sie den internationalen freimaurerischen Verkehr propagiert, und durch ihr Konkordat mit dem Schottischen Ritus, indem sie ihren Mitgliedern den Beitritt zu den Hochgraden des Obersten Rates von Deutschland gestattet. Ihr Arbeitsprogramm gilt vor allem dem Friedensproblem und der sozialen Frage. ( Die symbolische GroSloge gibt eine eigene Zeitschrift heraus, die "Alten Pflichten". Die Gründung dieser GroßIoge, zu deren erstem Großmeister Dr. Leo Müffelmann, Berlin, gewählt wurde, hat zu einem heftigen Meinungsaustausch geführt, der auch in die Offentlichkeit getragen wurde.


Die Geschichte der Symbolischen Großloge

Das Bijou der Loge Spinoza der Symbolischen Großloge, gegründet im Januar 1933. Mit hoher Wahrscheinichkeit die letzte Logengründung vor der dunklen Zeit.

Die Geschichte der Symbolischen Großloge ist untrennbar mit dem Leben vom Bruder Leo Müffelmann verbunden. Er war Sohn von Br. Dr. Ludwig Müffelmann, der 1879 in der Loge Zu den drei Rosen (Hamburger System) in Rostock aufgenommen wurde. Spitze der Deutschen Demokratischen Partei, leitete er im freiheitlichen Sinne die Rostocker Zeitung und dann die „Neue Zeit in Berlin“ Stadtverordneter und Verfechter der humanitären und übernationalen Richtung in der Freimaurerei. Er war MvSt der Loge Humanitas und wurde erster Provinzial- Großmeister der seither geschlossenen Provinzial-Großloge von Hamburg. Nach dem Ersten Weltkrieg kämpfte er leidenschaftlich für den wahren Humanitätsgedanken, für Freiheit, Versöhnung und echtes Menschentum. 1921 stiftete er die Loge zu den alten Pflichten. Seine kompromissloses Eintreten für die übernationalen Forderungen der FM trugen ihm in den letzten Lebensjahren starke Gegnerschaft ein. Er starb 1927.

Sein Sohn Leo Müffelmann geb. 1881, Hauptmann der R. wurde 1913 von seinem Vater in die Loge „Humanitas“ ebenfalls Hamburger System aufgenommen stand für die Ziele seines Vaters.

Nur zaghaft bekannten sich seinerzeit die deutsche Freimaurerei zu der vom amerikanischen Präsidenten und Nichtfreimaurer Woodrow Wilson entworfene Völkerbundsidee. Mit seinem Vater zusammen war er einer der Gründer des Bluntschli-Ausschusses und ebenfalls ein leidenschaftlicher Vertreter des Internationalismus und ging, als die Anfeindungen immer stärker wurden, zur Loge „Bluntschli zur reinen Erkenntnis“ in Berlin (Großloge Zur Sonne, Bayreuth). Müffelmann und der Bruder Hjalmar Schacht unterzeichneten im Dezember 1919 einen Aufruf von insgesamt 8 Brüdern zur Unterstützung und Verbreitung des Völkerbundsgedankens in der Freimaurerei.

Nach dem 1. Weltkrieg erstarkten die Gegner der Freimaurerei. 1920 wurden die DAP in NSDAP umbenannt und bekämpft im Punkt 24 des Parteiprogramms die Freimaurerei als Pflegestätte des jüdisch materialistischen Geistes. Die drei altpreußischen Großlogen lehnten es zwecks Verteidigung der FM ab an der allgemeinen humanitären Welt- und Menschenverbrüderung teilzunehmen. Die innere Zerrissenheit in Deutschland wurde mit Stellungnahmen zum Versailler Vertrag in die Deutsche Freimaurerei hineingetragen. Einerseits standen die deutschen Freimaurer konsequent auf nationalem Boden, andererseits fühlte sich ein Teil eingedenk der universellen Grundlage der FM zur Weltfreimaurerei und dem Gedanken der Weltbruderkette hingezogen. (Bis 1933 waren es ein Viertel aller ca. 80000 deutschen Freimaurer.)

Nicht nur die Nationalsozialisten bekämpften die Freimaurerei. Im November 1922 wurde auf dem 4. Kongress der Kommunistischen Internationale folgender Beschluss gefasst: Es ist eine unbedingte Notwendigkeit, dass die führenden Organe der Partei alle Brücken abbrechen, die zum Bürgertum führen und deshalb auch einen radikalen Bruch mit der Freimaurerei vollziehen. Die Freimaurerei ist die unredlichste und infamste Prellerei des Proletariats. Wir sehen uns gezwungen sie bis aufs Äußerste zu bekämpfen. Leo Trotzki erläuterte 1923 in der Istwestija, wie die FM von der kommunistischen Partei beurteilt wird und dass sie mit glühenden Eisen mit ihrer Gefolgschaft ausgerottet werden muss. Müffelmanns Teilnahme an der internationalen freimaurerischen Manifestation in Belgrad 1926 und seiner führenden Betätigung in der Allgemeinen Freimaurerliga wurde von den national gesinnten Freimaurern als Provokation und Beleidigung ausgelegt. Er wurde heftig angefeindet und ausgeschlossen. Er verließ infolgedessen 1928 seine Großloge und wurde Mitglied der Loge Labor in Wien. Er arbeitete übrigens eng mit Bruder Eugen Lennhoff zusammen und bekam 1929 den 33. Grad im AASR des Obersten Rates von Österreich.

Nachdem am 18.4.1930 der Oberste Rat für Deutschland des AASR auf Betreiben der Obersten Räte der Schweiz und der Niederlande gesetzmäßig installiert worden war, schieden im Sommer 1930 im Bestreben nach Regularität ca. 600 Mitglieder aus dem FZAS und andere Brüder aus ihren Logen aus , die in den existierenden nationalen Großlogen keine Heimat mehr sahen und gründeten dann allen Anfeindungen zum Trotz am 27. Juli 1930 die Symbolische Großloge von Deutschland, Sitz Hamburg e.V. mit Anschluss der Loge „Zur Erkenntnis“ in Hamburg-Harburg.

Die Großloge erfüllte alle die von der Großloge von England für eine internationale Anerkennung gestellten Bedingungen und wurde in der Folgezeit von ausländischen Großlogen akzeptiert. Da sie von dem Deutschen Großlogenbund nicht anerkannt wurde, erhielt sie ihr Patent vom obersten Rat des AASR. Leo Müffelmann wurde zum 1. Großmeister gewählt. Die Symbolische Großloge von Deutschland sollte künftig die blaue Basis für den AASR in Deutschland bilden.

In der Großlogenzeitschrift „Die alten Pflichten“ Nr. 1 heißt es unter dem Titel unsere Aufgabe: „Eine neue Großloge ist notwendig, weil auch die humanitären Großlogen folgende Ideen nicht anerkannt werden, die aber Wesensinhalt moderner Freimaurerei sind, wenn die FM zeitgemäß sein soll: Internationale Zusammenarbeit in der allgemeinen Weltkette, Bruderliebe aller Freimaurer der ganzen Welt.“ Die neue Großloge erhielt Zustrom vor allem aus den Logen der bereits bestehenden Großlogenorganisationen, so dass sie kurz vor Hitlers Machtergreifung 1932 bereits 26 Tochterlogen mit etwa 1200 Mitgliedern umfasste. Bekannte Mitglieder der Symbolischen Großloge waren Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky und Wilhelm Ostwald.

Entscheidend für die weitere Entwicklung war 1931 die Gründung der Loge „Zur Quelle Siloah“. Dieser in deutscher Sprache arbeitenden Loge folgte bald die hebräisch arbeitende Loge Ha ́Ri.

Das Jahr 1931 sah auch den ersten Versuch der humanitären Großlogen eine Einheitsloge zu gründen. Ein Ausschuss der Großmeister vom Eklektischen Bund, Zur Sonne, Zur Eintracht und der Großen Loge von Hamburg erarbeiteten einen Entwurf eines Grundgesetzes für den Deutschen Großlogenbund , der den Namen „Vereinigte Großlogen zu den alten Pflichten“ erhalten sollte. Dazu kam es jedoch nicht mehr.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme nahm der Druck auf alle deutschen Freimaurer zu. Sie wurden als un-arische Volksverhetzer, Vaterlandsverräter und Kapitalisten verfemt, es wurde ihnen Hochverrat am Deutschen Volk und der arischen Rasse vorgeworfen. Während sich die anderen deutschen Großlogen teilweise den Nazis anbiederten, um der Verfolgung zu entgehen, lehnte man dies beim Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne und der Symbolischen Großloge strikt ab. Großmeister Müffelmann ließ die Logen seiner Obedienz mit Schreiben vom 15. April 1933 schließen und alle Unterlagen nach Palästina in Sicherheit bringen.

Er entschloss sich das Licht seiner Großloge nach Jerusalem zu überführen, wo am 3. Juli 1933 die Symbolische Großloge von Deutschland im Exil beschlossen und am 15. November 1933 feierlich konstituiert wurde.

Müffelmann hatte in der Zwischenzeit eine neue berufliche Existenz gefunden. Getreu seiner Gesinnung nahm Leo Müffelmann am Weltkongress der Allgemeinen Freimaurer-Liga in Den Haag teil. Vom Kongress und einer Geschäftsreise aus London zurückkehrend wurde er am 5. September 1933 von der Gestapo verhaftet, vier Wochen im Polizeigefängnis festgehalten und schließlich in das KZ Sonnenberg überstellt.

Obwohl sein Rechtsanwalt auch bei Hjalmar Schacht, der Müffelmanns Bürge war, intervenierte, blieb er bis Ende 1933 in Haft. Durch die Schläge im KZ und die Haftbedingungen hatte er schwere bleibende gesundheitliche Schäden erlitten. Dokumentiert wurden die schrecklichen Zustände und sadistischen Quälereien in diesem Lager im Buch „frühe Lager“ von Wolfgang Benz und Barbara Diestel. Nachdem u.a.amerikanische Interventionen zu seiner Freilassung in Berlin eingegangen waren, musste er bei der ihn überwachenden Gestapo eine Stellungnahme unterschreiben, dass er während seiner Haft stets entgegenkommend behandelt worden wäre. Im April 1934 konnte er im Zuge einer Mittelmeerreise Jerusalem aufsuchen und am 24.4.1934 an jener Arbeit teilnehmen, bei der die Loge „Libanon“ als dritte Loge der symbolischen Großloge von Deutschland im Exil installiert wurde. Leo Müffelmann gab den Brüdern Richtlinien zur Arbeit der SGvD im Exil und empfing das Versprechen der Brüder zur regulären Arbeit, bis das Licht zu gegebener Zeit wieder nach Deutschland zurückgebracht werden könne. Er wurde zum Großmeister ad vitam ernannt und Br. Emanuel Propper zum amtierenden Großmeister gewählt.

Der Schweizer Arzt, amtierender Großmeister und Zionist Emanuel Propper untersuchte den schwerkranken Müffelmann und riet ihm zum Verbleib im Exil. Dieser lehnte ab, weil noch viele Brüder seiner Hilfe bedurften. Er verstarb nach seiner Rückkehr in das Deutsche Reich am 29.8.1934.

Das von ihm gerettete Licht seiner Großloge und jenes der Großen Loge von Hamburg das 1935 nach Chile weitergetragen wurde, und schließlich am 19. Juni 1949 im Zuge der feierlichen Gründung in die Vereinigte Großloge von Deutschland in der Paulskirche eingebracht wurde. Br. Bünger, Meister vom Stuhl der bereits 1946 wiedergegründeten Harburger Loge „Zur Erkenntnis“ übergab das exilierte Licht symbolisch an den 1. Großmeister der neuen deutschen Großloge Br. Theodor Vogel. Am gleichen Tag wurde die symbolische GL im Exil aufgelöst und ihre 5 Tochterlogen schlossen sich der Großloge von Israel an.

Die Einsetzungsarbeit der Loge Jacob de Molay zum Nordstern erfolgte nach dem Ritual der Symbolischen Großloge, dessen Niederschrift seinerzeit von dem verstorbenen Bruder Kurt Friedemann Mitglied in der Loge „Zur Erkenntnis“ in Harburg, zur Verfügung gestellt wurde. Quelle: Jacob de Molay zum flammenden Stern


Lichteinbringung

Erschienen in der Zeitschrift „Die Alten Pflichten“ der Symbolischen Großloge von Deutschland Nr.4, 3. Jahrgang, Januar 1933

Loge „Spinoza" im Orient Frankfurt/Main.

Am Sonntag, dem 22. Januar d. J., fand in Frankfurt a. M. die feierliche Lichteinbringung in die neue Loge „Spinoza" durch den ehrwürdigsten Großmeister Müffelmann statt. Eine außerordentlich stattliche Zahl von Brüdern des In- und Auslandes hatte sich eingefunden. Die verschiedensten Obödienzen hatten Vertreter entsandt.

Besonders begrüßt wurde es, dass zum ersten Male der Grand 0rient de France sich offiziell vertreten ließ und als Sprecher das Mitglied seines Conseil federal, Br. Professor Maurice Loewe, abgeordnet hatte, der mit zwei andern Brüdern des Grand Orient de France gekommen war. Große Freude löste es auch aus, dass der Präsident der Allgemeinen Freimaurer-Liga, Br. Uhlmann, Basel, mit einem anderen Schweizer Bruder gekommen war.

Nach der Lichteinbringung, die durch den ehrwürdigsten Großmeister Br. Müffelmann unter Assistenz des sehr ehrwürdigen Br. Ueberle als Stellv. Großzeremonienmeister erfolgte, setzt der Großmeister als Stuhlmeister der neuen Loge „Spinoza" Br. Ernst Klein ein und gab der Freude Ausdruck, dass er gerade Br. Klein, der in der Freimaurerei kein Unbekannter sei und sich als Kämpfer für die freimaurerische Idee bewährt habe, den Hammer überreichen könne. Br. Klein verpflichtete dann die Beamten der neuen Loge.

Im Anschluss an die Lichteinbringung erfolgte unter Leitung Br. Kleins die Aufnahme zweier Suchender, die außerordentlich feierlich durchgeführt wurde.

Dabei sprach Br. Klein:

„Das erste Wort sei der Ausdruck des Dankes an alle Brüder, die wir Brüder der vollkommenen und gerechten Johannisloge „Spinoza" heute am Tage der Lichteinbringung in: diesem Kreise begrüßen dürfen. Ein Wort des Dankes an die Brüder, die ausländische Großobödienzen oder ausländische Logen hier vertreten, an den Delegierten des Grand Orient de France, den verehrten Br. Maurice Loewe von Paris, und an den Vertreter der Loge „Georges Jacques Danton" in Saarbrücken, den gel. Br. Charles Kayser, und auch den Br. Uhlmann aus Basel, den bewährten Vorkämpfer des Ligagedankens. Ihre Anwesenheit bringt uns zum Bewusstsein, dass wir Brüder der Loge „Spinoza" uns heute und allezeit eingereiht fühlen dürfen in die große, endlose, unsichtbare, doch heute sichtbar werdende Bruderkette, die sich um die ganze Kulturwelt spannt. Dank dem ehrwürdigsten Großmeister Br. Müffelmann und dem sehr ehrwürdigen I. Großaufseher Br. Ueberle, deren Gegenwart sichtbares Zeichen der dauernden und engen Verflochtenheit unserer engeren Bruderkette mit den übrigen 28 Bauhütten unseres Systems und mit der Symbolischen Großloge von Deutschland ist. Dank den gel. Brüdern der Loge „Goethe zu den 3 Säulen" in Offenbach, der Loge, die bis zur Gründung unserer gel. Loge „Spinoza" uns Heimat war, die selbstlos und opferwillig diese Gründung in wahrhaft brüderlichem Geiste förderte. Dank allen Brüdern, die heute sich mit uns vereinigen, den Vertretern der Bundesloge Mannheim, Aschaffenburg, Bonn; dann auch nicht zuletzt dem in der wahren Freimaurerei allseits verehrten Br. Paul Seiter aus Solingen, einem jener tapferen und freien deutschen Männer, die ihre innere Freiheit und Unabhängigkeit nie zu opfern bereit waren. Leider ist es uns nicht vergönnt, heute den verehrten Br. Bluntschli zu grüßen, den Bruder ohne Furcht und Tadel, an dessen Seite ich seit vielen Jahren gegen die Verengung des wahrhaft maurerischen Ideals und gegen die Verschleuderung ältester maurerischer Werte stehen durfte.

In diesem Zusammenhang sei auch der Name des in den Ewigen Osten eingegangenen Br. Ludwig Bangel genannt, des Mannes, dem Freiheit des Mannes und Bekenntnis zu unseren Idealen alles war und der heute in dieser Kette stehen würde, wenn es ihm vergönnt gewesen wäre, diese schöne und erhebende Stunde zu erleben. Bei der Nennung seines Namens, der leuchten wird in der Geschichte der deutschen Freimaurerei und leuchten soll über der Geschichte unserer Loge „Spinoza" gedenke ich aller wahrhaften, stolzen und freien Männer, die in Winkelmaß, Senkblei und Zirkel die Symbole freien Menschtums sehen, der Märtyrer der K. K. — In Ordnung m. Br. — die ihr Haupt nicht beugten vor der Gewalt, die zufällig ist, Erscheinung des vergehenden Tages, Ver¬neinung ewiger Gewalten und Kräfte, die uns leuchtende Vorbilder bleiben sollen, wenn an uns die Frage heran¬tritt, wie wir uns mit der Gewalt, die nicht an die ewigen Gesetze der Menschheit sich gebunden weiß, auseinander¬zusetzen haben — Nehmen Sie Platz, m. B r.

Erwarten Sie von mir nicht, meine Brüder, dass ich jetzt vor Ihnen ein Programm der heute feierlich installierten Loge „Spinoza" im Orient Frankfurt a. M. ausbreite und in Ihre Hände das Gelübde ablege, zugleich im Namen der Brüder, die zu unserer Bauhütte gehören, diesem Programm die Treue zu halten. Ich meinte fast, dass es sich angesichts der Tatsache erübrigt, dass wir diese Stunde unter bittere Entsagungen und nicht immer leichten Kämpfen seit mehr denn einem Jahrfünft vorbereitet und dass wir einen sehr mühsamen Weg, an dessen vorläufigem Ende dieser Tag steht, durchlaufen haben. Die Meister, Gründer der Loge „Spinoza", kommen aus deutschen Großlogen verschiedener Systeme. Sie haben dort die ersten Zeiten flammender Begeisterung erlebt, in denen sie sich mit allem, was einem freien Manne eigen ist, der K. K. schenkten, in denen sie die schwer lastenden Enttäuschungen erlebten, um dann, nachdem sie sich freigemacht hatten, den Tempel zu suchen, in dem Brüder in dem Geist der Alten Pflichten arbeiten.

Heute sind sie alle in der tiefsten Seele von Dankbarkeit erfüllt, dass diese Stunde sie grüßt, reichen sie sich die Hände in einem wortlosen, den ganzen Menschen erfüllenden Erleben zu dem jede Willensregung ergreifenden Gelöbnis: zu bauen, Hand in Hand, in aufrichtigster Brüderlichkeit, in grenzenloser Aufrichtigkeit, in letzter Hingabe des Eigenste" am heiligen Tempel der Menschlichkeit.

Über uns steht, als Verpflichtung, der Name unserer gerechten und vollkommenen Johannisloge „Spinoza". Ich weiß nicht, ob der überzeugte Spinozist sich damit einverstanden erklären kann, dass dieser Name die Pforte eines freimaurerischen Tempels ziert. Vielleicht ist er geneigt, darin eine Art von Missbrauch oder von Spielerei mit einer sehr ernsthaften philosophischen Weltwertung zu sehen. Wir sind weit davon entfernt, mit diesem Namen nur zu paradieren, ihn über die zukünftige Geschichte unserer Loge nur als Motto, als prangenden Titel eines Aushängeschildes zu, schreiben. Dazu ist uns die Lebensarbeit dieses ökumenischen, die tiefsten Geheimnisse durchforschenden Geistes zu ernst und zu wertvoll.

Aber es sei hier ein für uns wegweisendes Wort Spinozas genannt, dieses Philosophen der Sachlichkeit, dem der Mensch, das Einzelindividuum nicht den Maßstab für den Wert der Dinge, des Seienden, darstellte, dessen philosophisches Eros sich in dem Wort darstellte:


„Es gehört auch zu meinem Glück, mir Mühe zu geben, dass viele Andere dasselbe wie ich verstehen, dass ihr Verstand und ihre Begierde mit meinem Verstand und meiner Begierde übereinkommen."


Ihm liegt das Ziel der immanenten Ethik in der Vollendung: dass ein jeder die Sphäre seines Handelns so weit erstreckt, als seine Wesenheit reicht; dieses Ziel ist das einem jeden gesetzte.

Die Idee aber, die ihre Vollendung erlangt, will im Bewusstsein des andern verwirklicht werden, um auch in ihrem Leben: zu wirken. So ist Spinoza die Unsterblichkeit nicht unendliche Fortdauer des, Persönlichkeitsbewusst seins, sondern Aufgabe, die jedem Einzelnen das Leben stellt.

Es spürt jeder unter uns, wie stark und wie an den tiefsten Wurzeln diese in Alfrescomanier dargestellte Quintessenz des Spinozismus sich mit dem Wesen der K. K. berührt. Es gibt auch für uns nicht den Menschen als den Maßstab der Dinge. Wenn wir das Symbol des A. B. a. W. gebrauchen, drücken wir damit nichts anderes aus, als das, was man die Spinozistische Sachlichkeit nennt. Wenn Spinoza jene Deutung des Unsterblichkeitsbegriffes gibt, stimmen wir ihm freudigst zu. Wenn für ihn Glück ist, dass die ihn füllende Idee im Bewusstsein der anderen verwirklicht wird, gibt er dem disziplinierten Fanatismus Ausdruck, mit dem wir den Menschen als Gefäß für maurerische Ideen suchen.

In diesem Geiste sei uns der Name, der ehrwürdige und verehrungswürdige Name „Spinoza" Verpflichtung. Ihr alle, meine Brüder, fühlt in dieser Stunde mit mir. Und unsere jungen Brüder, vorab die heute neu aufgenommenen, spüren, wie Freude und wie Freude- und fruchtbringend es ist, in diesen Gemeinschaftsgeist hineinzuwachsen.

So sei nun der Grundstein gelegt zu dieser Gemeinschaft, die sich gründet auf wahrhaft brüderlicher Liebe, die in wechselseitige Verbindung tritt mit der Gesinnungs- und Willensgemeinschaft über alle Grenzen hinweg, die empfangen und die geben, die deutsch sein und Gemeinschaft über alle nationalen Abgrenzungen hinweg sein will. Die ihre eigenen, aus Sprach- und Nationalbewusstsein kommenden Kräfte und Worte bejaht und darstellt — und jenseits aller Überheblichkeit aus Bruderhänden empfängt, was sie an Werten halten und darbieten.

In die Kette, meine Br. Br.! Wir werden und wachsen in schmalen Bezirken. Wir spüren schmerzhaft, dass Engen uns hemmen. Sie liegen wie Ketten um Sehnen und Wollen. Wir machen uns frei! Der Geist ist's, der frei macht! So reicht Euch die Hände von Bruder zu Bruder! Wir stehen geschlossen — die Reihe der Freien. Die Freiheit wird Segen geschlossenem Bund. Löst die Kette!" Die erhebende Feier, die durch musikalische Vorträge umrahmt wurde, schloss Br. Klein mit folgendem Kettenspruch:

„Baruch Spinoza!

Nach Dir ist die Loge geheißen. Du warst keiner der Großen unseres Bundes, nicht hat Dich Schurz und Winkelmaß geziert. Und doch möge uns Dein Name als Schild und Ansporn dienen. Im Stamme schon warst Du, Ast am Baume des Lebens, getroffen. Um des als allein seligend vermeinten Glaubens willen wurden Deine Väter von frommen Eifern aus der Jahrhunderte besessenen Heimat verjagt. An Dir hat sich das Schicksal der Väter erneut erfüllt. Um Deines Glaubens willen bist Du von den Brüdern Deines Blutes, Deines Stammes und Deines angestammten Glaubens gebannt, verstoßen und ausgeschlossen worden aus ihrer Gemeinschaft, auf ihr Betreiben auch ausgestoßen aus der bürgerlichen Gemeinde.

Du hast, um Deinem Glauben und Denken zu leben, das Vaterhaus freiwillig verlassen, hast elterliches Gut und Erbe ausgeschlagen, um nicht an als falsch Erkanntes gebunden zu sein, hast den Ruf eines Königs, hast den Ruf einer hohen Stätte der Wissenschaft nicht erhört, um ohne Bindungen forschen und lehren zu können.

Die Mitwelt hat Deine Lehre verachtet, verboten und unterdrückt; erst die Nachwelt hat ihren Wert erfasst: Du hast erkannt und bekannt, dass wir alle Kinder Gottes sind, weil wir ein Teil sind der unendlichen Kraft des Allmächtigen Baumeisters aller Welten, dass Gott in uns allen ist, weil alles in Gott ist. Du hast erstrebt, was Dir in Deinem Namen, verheißen: Glückseligkeit; aber Dein Weg dahin war, wie er Dir auch in Deinem Namen vorhergesagt: dornenvoll. Nicht wollen wir uns bekennen zu allem, wozu Du Dich bekannt. Aber Deine Treue, Deine Aufrichtigkeit, Dein Bekenner¬mut und der Leidensweg Deines irdischen Lebens soll uns Beispiel geben. Du sollst uns Leitstern, sein!

Du, Benedictus de Spinoza!"

An die Lichteinbringung und Aufnahme schloss sich eine Tafelloge, die durch Br. Emil Selter als, zugeordneten Stuhlmeister der Loge „Spinoza" geleitet wurde. Trinksprüche und Reden folgten in schneller Reihenfolge. Besonders bedeutungsvoll: Die Ausführungen des Großmeisters über die übernationale Arbeit der „Symbolischen Großloge von Deutschland" und seine Begrüßung der Vertreter des Grand Orient de France. Dann: Die Worte Br. Maurice Loewes, der zweimal sprach, zunächst französisch und hier die freimaurerischen Ideen seiner Großloge entwickelte, die ausklangen in den Ruf „Europa über alles", und darauf deutsch, um seinen Dank für das, was er sehen und hören konnte, zum Ausdruck zu bringen. Großen Beifall fand auch Br. Uhlmann, der die Arbeit der „Symbolischen Großloge von Deutschland" im Sinne der Weltfreimaurerei betonte.

Es war: eine Lichteinbringung, die sich entwickelte zu einer Manifestation der übernationalen W e l t f r e i m au r er e i. Es war: ein Erlebnis!

Symbolische Großloge bei Wikipedia

Gründung der Symbolischen Großloge

Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich die reguläre deutsche Freimaurerei einem kompromisslosen Nationalismus verschrieben. Ihre Öffentlichkeitsarbeit war darauf ausgerichtet, das Verhältnis zur stärker werdenden völkischen Rechten zu verbessern und die deutsche Freimaurerei als weltanschauliche Einheit zu positionieren.

Der streng nationalistische Kurs stieß auf Widerstände innerhalb der Bruderschaft und führte zu einer weiteren Aufspaltung der deutschen Freimaurerei. Die liberale und internationale Strömung, der Müffelmann angehörte, führte zur Gründung des Bluntschli-Ausschuss der deutschen Liga für Völkerbund, der der Großloge zur Sonne nahestand. Diesem Ausschuss gehörten Ludwig und Leo Müffelmann sowie Hjalmar Schacht an. Die internationalen Ideale dieser Gruppe wurden von den Leitungen der Großlogen abgelehnt und bekämpft.

1928 nahm Müffelmann am internationalen Freimaurerkongress in Belgrad teil und tauschte dort mit dem GOdF-Großmeister Groussier den Bruderkuss aus, was als Provokation der national gesinnten Freimaurer und Beleidigung der völkischen Kräfte in Deutschland ausgelegt wurde. Daraufhin schlossen ihn die deutschen Großloge aus der deutschen Freimaurerei aus. Müffelmann schloss sich daraufhin der Loge Labor der international ausgerichteten Großloge von Wien an und erreichte dort 1929 den 33. Grad (AASR).

1930 gründeten 600 Freimaurer, die in den existierenden nationalen Großlogen keine Heimat mehr sahen, im Bestreben nach Regularität die Symbolische Großloge von Deutschland, Sitz Hamburg e. V.. Sie erfüllte alle die von der Großloge von England für eine internationale Anerkennung gestellten Bedingungen und wurde in der Folgezeit von ausländischen Großlogen akzeptiert. Erster Großmeister wurde Leo Müffelmann. Bereits 1932 bestand die Großloge aus 1200 Mitgliedern in 26 Logen. Bekannte Mitglieder der Symbolischen Großloge waren Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky und Wilhelm Ostwald.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung nahm der Druck auf alle deutschen Freimaurer zu. Sie wurden als unarische Volksverhetzer, Vaterlandsverräter und Kapitalisten verfemt. Etwa 1932 rief der Großmeister der Freimaurerbundes „Zur aufgehenden Sonne“, Max Seber, zum geistigen Widerstand gegen das NS-Regime auf. Während sich mehrere deutsche Großlogen 1933 den Nazis anbiederten, lehnte man dies beim Freimaurerbund „Zur aufgehenden Sonne“ und bei der Symbolischen Großloge strikt ab. Noch im selben Jahr wurden diese durch ihre Großmeister Seber und Müffelmann (am 15. April 1933) aufgelöst. Ebenfalls lösten sich im gleichen Jahr die so genannten „humanitären“ Großlogen von Bayreuth, Darmstadt, Frankfurt a. M. und Hamburg auf. Die übrigen fünf deutschen Großlogen hingegen wandelten sich 1933 in national-christliche Orden ohne freimaurerische Bezüge um. Damit wollten sie durch Anpassung einer Zwangsauflösung entgehen. 1935 mussten sie trotzdem geschlossen werden.

Am 5. September 1933 wurde Müffelmann von der Gestapo verhaftet und nach einem Verhör ins KZ Sonnenburg verbracht. In seinem Tagebuch schrieb er dazu 3 Monate Schutzhaft, September bis November 1933 wegen Zugehörigkeit zur Freimaurerei. Am 26. November 1933 wurde er infolge von Schlägen und den Haftbedingungen schwer krank und mit bleibenden Schäden aus dem Konzentrationslager entlassen.


Exilgründung in Palästina, Tod nach KZ-Haft

Müffelmann reiste nach seiner Entlassung aus dem KZ nach Jerusalem und begründete dort am 15. November 1933 die Symbolische Großloge von Deutschland im Exil mit Sitz in Jerusalem/ Palästina , deren Gründung bereits am 5. Juli 1933 beschlossen wurde. Diese war damit die einzige deutsche freimaurerische Großloge, die nach dem endgültigen Verbot der Freimaurerei durch die nationalsozialistische Diktatur ab 1935 weiterexistieren konnte; die national-christlichen Orden mussten sich 1935 ebenfalls auflösen. Müffelmann kehrte trotz seines sich weiter verschlechternden Gesundheitszustandes 1934 nach Deutschland zurück.

Am 29. August 1934 erlag Müffelmann unmittelbar nach seiner Rückkehr den Folgen der durch eine erneute KZ-Haft erlittenen gesundheitlichen Schäden. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf.

Das von ihm aus Deutschland nach Jerusalem gerettete Licht der Symbolischen Großloge und das der Großen Loge von Hamburg (deren Licht in Logen in Palästina und Chile weiterexistierte) wurde schließlich am 19. Juni 1949 feierlich in die neu gegründeten Vereinigten Großlogen von Deutschland eingebracht.

Siehe auch:


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