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Traktat: „Das ‚Geheimnis’ der Freimaurer“

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Inhaltsverzeichnis

„Das ‚Geheimnis’ der Freimaurer“

Skizze, vorgelegt beim Gästeabend am 26. März 2013 von Br Richard Schöpe

Die freimaurerischen Symbole und Erkennungszeichen gehen auf das Brauchtum in den mittelalterlichen Dombauhütten zurück. Bauleute genossen damals das Privileg weitgehender Freizügigkeit und mussten sich auf ihren Wanderungen von Bauhütte zu Bauhütte ihren Baumeistern gegenüber als Fachkräfte zu Erkennen geben. Die hierbei verwendeten freimaurerischen Rituale und Erkennungszeichen haben im Laufe der Jahrhunderte viel an praktischer Bedeutung verloren.

Früher, so ist zu lesen, als es noch keine Logenausweise und gedruckte Mitgliederlisten gab, als die Segnungen elektronischer Kommunikationstechnik und mit ihnen die Möglichkeit schneller Identifikation eines angeblichen Bruders noch in weiter Zukunft lag, ja früher bedurfte es der Abnahme des Passwortes und der sich daran anschließenden rituellen Prüfung, um besuchende Brüder von neugierigen Profanen und getarnten Staatsspitzeln zu unterscheiden.

Die Aufgabe, Nicht-Freimaurer von unseren Tempelarbeiten fern zu halten, kann eine rituelle Prüfung und die vorgeschaltete Abnahme des Passwortes schon lange nicht mehr erfüllen:

Bereits kurz nach Gründung der ersten freimaurerischen Großloge am Tage Johannis des Täufers im Jahre 1717 in einer Londoner Gastwirtschaft erschien 1730 in London die Verräterschrift „Masonry dissected“ – „Zergliederte Freimaurerei“ eines gewissen Samuel Prichard. Zusammen mit sämtlichen Einzelheiten der damals verwendeten Ri-tuale wurden so auch die freimaurerischen Erkennungszeichen allen Interessierten be-kannt.

Rund 200 Jahre später – zu Beginn der Hitler-Diktatur – wurden die deutschen Freimaurer vor die Wahl gestellt, entweder auf Tempelarbeiten zu verzichten oder „Beobachter“ aus den Reihen von „SD“ und „SS“ teilnehmen zu lassen. Etliche Logen ließen sich nicht nötigen; sie schlossen lieber ihre Tempel oder gingen ins Exil, als dass sie solchem Ansinnen gefolgt wären. Andere jedoch ließen bei ihren Tempelarbeiten solche Spitzel zu, offenbarten ihnen damit die vollständigen Rituale und hofften auf Belohnung solchen Wohlverhaltens. Genützt hat ihnen das wenig, auch sie mussten wenig später ihre Lichter für lange Zeit löschen. Erkennungszeichen und Passwort aber waren – mit allen anderen rituellen Details – bekannt gemacht. Nicht durch auf Sensationslust spekulierende Verräter wohlgemerkt, sondern ganz offiziell durch Freimaurer.

In den Jahren 1974 bis 1980 fanden zwischen der Katholischen Kirche und der Frei-maurerei in Deutschland offizielle Gespräche im Auftrag der Deutschen Bischofskonfe-renz und den Vereinigten Großlogen von Deutschland statt. Die Bischöfe wollten prüfen und die Freimaurer wollten darlegen, dass sich das Wesen der Freimaurerei im Nachkriegsdeutschland so grundlegend verändert hat, dass kirchliche Bedenken gegen eine Zugehörigkeit römisch-katholischer Gläubiger nunmehr unbegründet sind. Die Bischofskonferenz prüfte die ihr zu diesem Zweck von den Vereinigten Großlogen von Deutschland überlassenen Lehrlings-, Gesellen- und Meisterrituale sehr sorgfältig. Sie kam hierbei zu folgenden Erkenntnissen:

Die Freimaurerei hat sich in ihrem Wesen nicht gewandelt.
Die gleichzeitige Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche und zur Freimaurerei ist ausgeschlossen.

Wenngleich ich auch die zweite Feststellung bedauere, so sehr begrüße ich doch die erste: Die Freimaurerei hat sich in ihrem Wesen nicht gewandelt.

Wieder einmal aber haben Freimaurer ihre vollständigen Rituale und mit ihnen Erken-nungszeichen und Passwörter einem Kreis hochrangiger Gegner unseres Bruderbundes bekannt gemacht.

Sicherlich war der freiwillige, der erzwungene oder der leichtfertige Bruch freimaureri-scher Verschwiegenheitsgebote gegenüber Profanen auch einer der Gründe, warum Ri-tuale, Erkennungszeichen und Passwörter immer wieder mal geändert wurden. Mit äu-ßerst zweifelhaften Erfolgen übrigens, denn die zwecks Geheimnisschutz erfolgten Än-derungen wurden der Öffentlichkeit bald wieder bekannt, was dann erneute Änderun-gen erforderte.

Was sich im Verlauf der Jahrhunderte nicht änderte, war die Neugier der Menschen und ihr immer währendes Bemühen, das mysteriöse „Geheimnis der Freimaurer“ zu lüften. Dies wiederum führte dann zu oft grotesken, manchmal lächerlichen, nicht selten ärger-lichen und zuweilen auch unfreiwillig komischen Enthüllungen. Meine nachfolgenden Ausführungen zeigen in lockerer Auswahl einige charakteristische Beispiele hierfür.

August von Kotzebue: „Der Freimaurer“

LUSTSPIEL IN EINEM AKT

PERSONEN

Der Graf von Hecht
Karoline, seine Nichte
Der Baron
Hans, des Grafen Bedienter
(Der Schauplatz ein Zimmer)

August Friedrich Ferdinand von Kotzebue

August Friedrich Ferdinand von Kotzebue (* 3. Mai 1761 in Weimar; † 23. März 1819 in Mannheim) war ein deut-scher Dramatiker und Schriftsteller, der auch als russischer Generalkonsul tätig war. Seine Ermordung diente als Rechtfertigung der Karlsbader Beschlüsse. Er ist der Vater von Otto von Kotzebue und Alexander von Kotzebue und Bruder der Schriftstellerin Karoline Ludecus.

Kotzebue als Freimaurer

Kotzebue wurde während seinen Tätigkeiten in Russland Freimaurer, er gehörte den Logen in Moskau und Reval an. In welcher Loge er in den Freimaurer-Bund aufgenommen wurde, ist nicht bekannt. In Reval war er Ehren-mitglied der Loge „Drei Streithämmer“. In Petersburg, wo er ab 1781 als Sekretär arbeitete, hatte er in der Loge „Hygiea“ das Amt des Redners inne.

Das Lustspiel „Der Freimaurer“ von Kotzebue

Die Zahl seiner Lustspiele und Dramen beläuft sich auf über 220; 87 davon inszenierte Goethe mit insgesamt 600 Vorstellungen. Kotzebues Popularität war beispiellos, nicht bloß auf der deutschen, sondern auch auf den Bühnen des europäischen Kulturraums. Unter seinen Lustspielen findet sich auch der Einakter „Der Freimaurer. Der Verschwiegene wider Willen“.

Erste Szene

Karoline allein.

Vergebens plag' ich ihn, er will mir nichts erzählen. –

Wie mag die Neugier uns Weiber doch so quälen!

Ein Buch von Frau La Roche und Ewalds Unterricht,

Darum kümmern wir uns in der Regel nicht.

Doch, was die Männer insgeheim vor uns bewahren,

Das möchten gar zu gern wir wissen und erfahren!

Und ist es auch vielleicht für uns von keinem Wert,

Genug schmeichelt doch, wenn man es nur erfährt.

Im Grund'ist's Eitelkeit – schau hinter die Kulissen,

Es kitzelt, wenn man weiß, was Andre noch nicht wissen.

Und wer sich brüsten kann mit einer Neuigkeit,

Der wächst um einen Zoll, wird noch einmal so breit.

Wenn's auch ein Unglück wär, nur neu vor allen Dingen,

So mag man's gar zu gern dem Andern hinterbringen;

Und wenn es dem auch gleich das Herz im Leibe bricht,

Genug, man setzt hinzu: Erschrecken Sie nur nicht. –

Verdammte Maurerei! Die war mit allem Rechte,

Schon längst Skandal und Qual dem weiblichen Geschlechte.

Dem Maurer wöchentlich ein Abend bestimmt,

An dem Er aus dem Schrank das wohl Verschloss'ne nimmt,

Es in die Tasche steckt, mit Sorgfalt es verhehlend,

Er geht, Gott weiß wohin, er tut, man weiß nicht was,

Indes die Frau daheim mit schwerem Herzen saß.

Fragt sie, so lächelt er mit vornehm güt'gen Blicken,

Als wäre sie ein Kind, als woll' es sich nicht schicken,

Ihr zu vertrau’n, was nur dem Mann zu wissen ziemt,

Und nichts erfährt sie, nichts! Auch nicht einmal verblümt!

Beim Licht besehen ist auch wohl nicht viel dahinter,

So eine Art von Klub, ein Zeitvertreib im Winter.

Doch bleibt es ärgerlich, dass, wenn die Schönheit fragt,

Die Stärke schweigen darf, und ihr zu trotzen wagt. –

Ich liebe den Baron, doch eh' ich's ihm gestehe,

Muss er mir beichten, wie sich's ziemt in guter Ehe;

Und tut er's nicht – was dann? – Ich breche? – Das zwar nicht –

Der Mann ist brav und hübsch – nur Sklave seiner Pflicht,

Doch prüfen will ich ihn – ein lockendes Vergnügen,

Der Männer Stolz und Trotz durch Schönheit zu besiegen!

Gelingt es – ein Triumph für meine Eitelkeit;

Gelingt es nicht – ein Ruhm für seine Festigkeit.

Wilhelm Busch: „Der Freimaurer“

Der Sohn eines wohlhabenden Bäckers in einer schwäbischen Stadt soll seine Wanderschaft antreten. Sein Nachbar rät ihm: »Gib dich für einen Freimaurer aus, und sie werden dich in der Fremde freundlich aufnehmen.« – »Woran aber kann ich die Freimaurer erkennen?« – »Sie zeigen sich gegenseitig die Zungenspitze.« – Anderntags macht der Wanderbursche zu Waiblingen im Gasthof »Zum Adler« die Probe aufs Exempel. Er schiebt, den Landrichter starr ansehend, der neben ihm am Stammtisch Platz genommen hat, die Zungenspitze zwischen die Lippen. Da der vermeintliche Freimaurer nicht darauf reagiert, kommt die Zunge immer weiter heraus. Der Landrichter glaubt sich verhöhnt und verabreicht dem Jungen eine kräftige Maulschelle. Dieser, sich den Backen reibend, ruft: »Aha! Das ist keiner!«

K. Wehrhan: „Die Freimaurerei im Volksglauben“ (1921)

In der Loge geht es so geheimnisvoll zu, dass selbst die wenigsten Mitglieder über alles genau unterrichtet sind, weshalb die Freimaurer nicht einmal vor ihren eigenen Brüdern alles offenbaren dürfen. Nur hier und da ist zufällig etwas von ihrer Heimlichkeit ans Licht gekommen, durch Verrat, durch ge-heimnisvolle Bücher, die sie vielleicht einmal mit nach Hause genommen haben, wo sie in verkehrte Hände geraten sind, durch Neugierde gewisser Personen und auf andere Weise. Ausgeplaudert haben vor allem diejenigen, die nicht alle proben bestanden und den furchtbaren Eid noch nicht geleistet haben.

Arthur Hantzsch: „Die fürchterlichen Eide der Johannis-Freimaurerei“ (1931)

Auf Grund seines Eides, den der einmal aufgenommene Logenbruder geleistet hat, ist er verpflichtet, alle Geheimnisse seines Brr’s, wenn sie ihm als solche anvertraut werden, als seine eigenen zu verschweigen - Mord und Hochverrat ausgenommen.

Also muss der Bruder seines Bruders Geheimnisse, soweit es sich etwa nur um Diebstahl, Betrug, Urkundenfälschung, Meineid, Totschlag oder ähnliche in den Augen der „gerechten und vollkommenen“ Logenbrüder „geringfügige“ Sachen handelt, als seine eigenen verschweigen. Und Mord? - Es ist noch nicht vorgekommen, dass ein Logenmord durch Logen-brüder herausgekommen wäre.

Von Hochverrat braucht man in der Freimaurerei erst gar nicht zu reden, denn die Freimaurerei ist international genau wie das Judentum, welches in der deut-schen Freimaurerei seinen moralischen Rückhalt hat. Juden werden wegen ihrer Zahlungsfähigkeit auch nur zu gern aufgenommen.

Erich Ludendorff: „Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse“ (1927)

„Das Geheimnis“ der Freimaurerei ist überall der Jude. (...) Das jüdische Volk selbst kennt natürlich das Geheimnis der Freimaurerei nur zu gut. (...) Denjenigen Deutschen aber, die trotz ihres Blutes den freimaurerischen Verstrickungen nicht mehr entrinnen können, namentlich den eingeweihten Freimaurern, ist durch mei-ne Veröffentlichungen ihr Handwerk gelegt und damit eine Quelle der Volksver-seuchung verstopft.

Erich Ludendorff: „Schändliche Geheimnisse der Hochgrade“ (1932)

Seht Euch den gold-, silbern- und grünlich-glitzernden Orden an (...) Er ist der Orden deutscher Logenmeister oder „Meister vom Stuhl“. Die tragen ihn stolz bei den Geheimsitzungen der Freimaurer in den fensterlosen, dunklen Logen bei bewachten Türen. Sie tragen ihn am grünen Bande. Grün ist die Farbe des Ju-denszepters, des Akazienzweiges, oder „Stabes Mose“, mit dem die Judenherr-schaft über alle Völker errichtet wird. Auf der Vorderseite des Ordens liegt der Mann Deutschen Blutes lebend auf ein Kreuz genagelt. Kann sich das Ziel der Freimaurerei Fesselung und Wehrlosmachung Deutscher Kraft noch mehr enthül-len?

Pfarrer Rüdiger Hauth: „Die geheimen Tempelrituale der Mormonen“ (1985)

Den zweiten Block der Tempel-Rituale bezeichnen die Mormonen als „Endow-ment“, was wörtlich übersetzt „Ausstattung“ oder „Begabung“ bedeutet. Sie wollen damit ausdrücken, dass die Tempelbesucher im Rahmen dieser Zeremonie mit bestimmten Dingen „ausgestattet“ werden, wozu einerseits Belehrungen und Ge-setze, andererseits geheime Zeichen und Worte gehören. Da sich die Mormonen das jenseitige himmlische Reich als ein geographisch abgegrenztes Gebiet vor-stellen, dessen Zugänge von Engeln bewacht werden, ist die Kenntnis der gehei-men Zeichen und Worte sehr wichtig; denn damit kann man sich den Wächtern als jemand zu erkennen geben, der berechtigt ist, in die „himmlische Herrlichkeit“ zu gelangen.(...)

(Es folgen detaillierte Beschreibungen des „Ersten Erkennungszeichen des Aaronschen Priestertums“;

bemerkenswert ist die nahezu völlige Übereinstimmung mit den freimaurerischen Erkennungsmerkmalen.)(...)

Am 15. März 1842 war Smith Mitglied der Freimaurerloge von Nauvoo geworden. Doch war er schon lange vor-her mit freimaurerischen Strukturen und Inhalten in Berührung gekommen. Einer seiner besten Freunde, Herbert C. Kimball, war seit 1823 Freimaurer gewesen, und sein Bruder Hyrum (!) seit 1827. In den Landkreisen um sein Heimatdorf Palmyra/N.Y. herum gab es in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts zudem eine starke anti-freimaurerische Strömung; und bei den Volksfesten traten ehemalige (ausgeschlossene) Logenmitglieder auf, die die Rituale der Freimaurer öffentlich vorführten.

18. Mai 1991

Aufnahme in die Bruderschaft

- Die Freimaurer bilden die älteste bruderschaftliche Organisation der Welt -

Ein schwarz gestrichener Raum, flackerndes Kerzenlicht, ein Totenschädel. Auf dem Tisch rinnt eine Sanduhr, Symbol der Vergänglichkeit alles Irdischen. Die Freimaurer nennen dieses Verlies die „Kammer der verlorenen Schritte“. Ein „Suchender“, der in eine Loge aufgenommen werden will, soll sich hier noch einmal überlegen, ob er sich traut, das Einweihungsritual zu über-stehen. Dabei weiss er nicht, was ihm bevorsteht.

Auch ich hatte keine Ahnung, was die Freimaurer in ihren Berlinern Tempeln treiben. Kein Wunder, denn über ihre Sitten und Gebräuche hüllen sie sich in eisernes Schweigen. Deshalb meine Bewerbung - inkognito - um Aufnahme im Logenhaus in der Emser Straße in Wilmersdorf. Die künftigen Mitbrüder prüften mich, den „Su-chenden“ ein Jahr lang, ob ich zu den „guten und aufrichtigen Männern“ gehören darf, nicht „,sittenlos“, „ von gutem Ruf' und nicht „übelbeleumdet“, bin. Nach vielen „Gästeabenden“, persönlichen Gesprächen und einer geheimen Abstimmung, ob der Neuling genehm erscheint, ist der Zeitpunkt für das feierliche Einweihungsritual erreicht.

Nichts werde geschehen, sagt man mir, was „gegen die männliche Ehre“ verstoße. Ein Hosenbein wird hochge-krempelt, und der rechte Schuh muss einem Pantoffel weichen, so dass der junge Mann hinkt - eine symbolische Körperbehinderung, aus vielen männerbündischen Ritualen bekannt: Mit einem Bein steht er noch in der Welt der Mütter, mit dem anderen schon dort, wo er ein ganzer Kerl sein darf. Frauen haben ohnehin keine Chance auf Aufnahme in eine Loge. Das bestimmt der immer noch gültige Kodex, die „Alten Pflichten“ aus dem Jahre 1723. Die Begründung: Es könnte sich „Eros“ in den fest geschlossenen Männerreihen einnisten, was gefährlich ist. „Es gibt zwar viele Frauen“ so ein Freimaurer, „die ganz geschlechts-los wirken, aber von dieser Wirkung kann man nicht die Aufnahme abhängig machen.“ Damit sicher ist, dass sich keine Dame einschleichen will, wird dem „Suchenden“ sein Hemd ausgezogen und so verknotet, dass eine Brustwarze frei bleibt. Und, eine Vorsichtsmaßnahme gegen magische Kräfte: Geld, Schlüssel, Gürtelschnalle bleiben in der schwarzen Kammer zurück.

Früher, als Siegfried gegen den Zwerg Alberich kämpfte und die König Artus Schwerter aus Felsen zog, galt der, der mit Metallen und Erzen umgehen konnte, als Zauberer. Der Initiand soll aber dass Ritual demütig über sich ergehen lassen und dem Hokuspokus nichts hinzufügen. Oberstes gebot der Freimaurer ist die Geheimhaltung. Der alte Schwur droht, im Falle des Eidbruchs auf sich zu nehmen“ „dass mir die Kehle durchschnitten, dass mir die Zunge ausgerissen und im Sand des Meeres eingegraben wird.“ Gegner der Freimaurer setzten das Gerücht in die Welt, Wolfgang Amadeus Mozart habe deshalb so früh sterben müssen, weil er in der Oper „Die Zauberflöte“ Details des Einweihungsrituals ausgeplaudert hatte.

Aus der dunklen Kammer werde ich jetzt ans Licht geführt, immer noch mit der Binde vor den Augen. Der „Suchende“ muss dem Zeremonienmeister so hartnäckig wie eine Drehtühr folgen. „Freundeshand wird sie beglei-ten“ flüstert eine Stimme. Der junge Mann kniet nieder. Er hält einen Zirkel in der linken Hand, mit der Rechten fühlt er das kühle Metall eines Winkels, der quer über einem Buch, der Bibel, liegt. Es dient als Symbol für die Nächstenliebe, die die Härte des kapitalistischen Dschungels mildern soll. Ein Hohn, wenn man weiss, dass die gut 20000 deutschen Freimaurer unter der kulturellen Hegemonie von Juristen und Steuerberatern stehen.

Jetzt wird der „Suchende“ auf die Reise geschickt, Am Händchen des Zeremonienmeisters umrundet er drei Mal das Innere des Tempels. Er begegnet einem Bunsenbrenner, der fast seine Nase versengt. Der Initiand denkt: altgriechischer Mythos vom Feuer, das klaute Prometheus, der schlug Zeus, dem entschlüpfte Athene, die Frau wird also vom Mann gezeugt... Plötzlich spritzt Wasser ins Gesicht, eines der vier Elemente. Ein Ethnologe über die Bedeutung dieses Zeremoniells: „Die Intrauterine Existenz wiederherzustellen, wo das Kind in einem kleinen dunklen Raum eingeschlossen und von Flüssigkeit umgeben ist.“ Schliesslich fällt die Binde, und der „Suchende“ sieht sich in einer Kette von Männern mit weißen Schlipsen und Sonntagsanzügen. Sie halten sich bei den Hän-den, schunkeln und singen: „Brüder reicht die Hand zum Bundes!“ Und weiter: „Seid auf diesem Stern die Bes-ten!“ Freimaurerei will noch heute verstanden werden als ein Beitrag zu einer menschlichen Welt durch die Stär-kung der Kräfte des Individuums. Ihre Mitglieder nennen sich Brüder und haben sich die Aufgabe auferlegt, „durch ehrwürdige rituelle Handlungen sittliche Festigung, Pflege echter Menschlichkeit und geistige Vertiefung anzustreben.“

Zwei Herren spielen „Aufseher“. Sie tragen ein Senkblei und eine Bleiwaage mit sich, der Zeremonienmeister hält einen Stab, der Logenmeister ein Schwert. Auch die Sitzordnung ist symbolisch: Die verschiedenen Ämter bilden ein Dreieck, in der Alchemie das Zeichen der Vollkommenheit. Auf dem Teppich sehe ich alles, was für Freimau-rer wichtig ist und mir jetzt „gedeutet“ wird: schwarz-weißes Pflaster für die Wechselfälle des Lebens, zwei Sälen, Jakin und Boas - die hat König Salomon erfunden - , stehen für die Männlich- und Weiblichkeit.

Dann erfährt der frischgebackene Maurer die geheimen Handzeichen und Passworte und wie er über den Tep-pich zu springen hat, damit er als Logenbruder erkannt wird, Außerdem bekomme ich einen Orden und zwei paar weiße Handschuhe, eines für mich und das andere für „die Dame, die meinem Herzen am nächsten steht.“ Hinter dem, was hier als esoterischer Firlefanz und Selbsterfahrung in der Gruppe erscheint, verbirgt sich ein Geheimbund, der Männer seit Jahrhunderten fasziniert: Kaiser Wilhelm und Kurt Tucholsky, Gotthold Ephrahim Lessing und Salvador Allende, Kemal Atatürk und Carl von Ossietzky, Holger Holger Börner und Ho Chi Minh, der sich 1917 als Student in Paris einweihen ließ - alle dieser Männer waren Freimaurer.

Die Geschichte der Freimaurer geht ins frühe Mittelalter zurück. Damals schlossen sich die Steinmetze zu Bru-derschaften, den „Bauhütten“ zusammen, um ihre Berufsgeheimnisse zu bewahren. Aus dieser Zeit stammen auch die Zeichen, wie der Fingerdruck auf den Handknöchel, und Passworte wie der biblische Name „Tubelkain“. Im 16. Jahrhundert nahmen die verschworenen Brüder auch Laien auf, die sogenannten „Angenommenen Mau-er“. Im absolutistischen Staat waren die Logen der Aufklärung und Toleranz verpflichtet, natürlich im Interesse des männlichen Bürgertums. Der Dichter Lessing auf die Frage eines Freimaurers, ob er in der Loge etwas staatsfeindliches gefunden habe: „Leider nicht.“

Anders als in der Bundesrepublik waren die Freimaurer in der DDR - wie auch unter dem Nazi-Regime - verbo-ten. Aber wie die Wiedereröffnung der Weimarer Loge - hier war Goethe Mitglied - und das rege Interesse an dem Informationsabend im ehemaligen Logenhaus von Potsdam zeigt, hat das staatliche Verbot den Freimaurer-Geist nicht völlig ersticken lassen.

©Burkhard Schröder

1. Anmerkung:
Die in diesem Artikel festzustellenden Rechtschreibfehler sind geistiges Eigentum des Autors.

2. Anmerkung:
Der Autor betreibt eine eigene Homepage: http://www.burks.de


Franz Carl Endres: „Das Geheimnis des Freimaurers“

Es gibt Geheimnisse und ein Geheimnis.

Die Geheimnisse betreffen Ritual und Erkennungsmerkmale. Früher waren sie not-wendig. Heute haben sie in Kulturländern nur mehr traditionellen Wert. Aber den ha-ben sie auch. Eine gewisse Form ist bei gemeinschaftlicher Verrichtung ernster Dinge nützlich, wertvoll und sogar notwendig. (...) Formlosigkeit ist kein Symptom der Frei-heit, aber sehr oft ein Zeichen mangelnder Erziehung. Schmeckt dir der edelste Wein aus einer alten, schmutzigen Kaffeetasse? Du trinkst ihn gerne aus edlem Kristall? Warum? Aus einem Formgefühl heraus, das zu erhalten, ja zu pflegen, wertvoll ist.

Die kleinen Geheimnisse der Freimaurerei sind nichts anderes als liebevoll bewahrte Form aus jenen Zeiten, da es noch Mannesmut bedurfte, Freimaurer zu sein. Sie sollen gepflegt und gehegt und nicht verraten werden. Der Mensch liebt irgendein Arkanum, ein ihm Heiliges, das nicht Eigentum der Allgemeinheit ist. In dieser Zeit der Käuflichkeit (um die Jahrhundertwende!) ist es ein Genuss, sich im Besitze eines Nicht-Käuflichen zu wissen. Es ist auch erzieherisch für Männer (die meist ebenso geschwätzig sind wie die Frauen, über die sie sich so erhaben dünken), ein Geheimnis bewahren zu müssen.

Ein durchaus harmloses, in keinerlei Konflikt mit Staat oder Gesellschaft führendes Geheimnis.

Auch der Freimaurer soll hinter den kleinen Geheimnissen nicht mehr suchen, als sie sind. (...) Er soll sich nicht wichtig machen mit ihnen und damit die Gegner womöglich auf den Gedanken bringen, dass diese kleinen Ge-heimnisse der Form eine für die Allgemeinheit in Frage kommende Bedeutung hätten. (...)

Die Freimaurerei hat auch ein großes Geheimnis. Ein einziges, ganz großes, tiefes und wunderbares Geheimnis. Ein Geheimnis, das zu ergründen die Menschen seit Anbeginn ihres Denkvermögens nachgedacht haben. Ein Geheimnis, das uns alle umschließt und mit dem Kosmischen verbindet.

Und deshalb hat es seit dem grauesten Altertum Freimaurer gegeben. Sie nannten sich nur nicht so. (...)

Freimaurerei ist die durchaus geheime Kunst des rechten Lebens. Sie kann im tiefsten Sinne nicht gelehrt wer-den. Weil keine Kunst, d. i. schöpferisches Tun, gelehrt werden kann. Der uns Freimaurer „Suchende“ muss durch Form und Inhalt des Erlebens den Weg zum Geheimnis finden. Er kann von uns Eingeweihten nur geleitet werden. Er muss selbst gehen und selbst erleben.

(...) Nicht die Zugehörigkeit zu einer Loge macht den Freimaurer aus, sondern die Eigenschaft seiner Gesinnung, seines Charakters. Die Größe seiner Sehnsucht! „Warum ist das nun in Geheimnis?“ So werden manche fragen. „Wir sehen da nichts Geheimes darin! - Meine Antwort: „Wie sollte der Blinde etwas sehen?“ Das ist ja gerade die Aufgabe der Freimaurerei, den Menschen „sehend“ zu machen. Der sehend gewordene Mensch sieht das Ge-heimnis. Es zu lösen, steht in keines Menschen Macht.

Franz Carl Endres: „Die Symbole des Freimaurers“

Die Keuschheit der Symbole nennen wir „Geheimnis“.

Alfried Lehner: „Die Esoterik der Freimaurer“ (1990)

Wenn der Nichteingeweihte Teile eines freimaurerischen Rituals am Fernseh-schirm erlebt, wird er kaum von dem Gezeigten ergriffen werden; im Gegenteil, es könnte sogar lächerlich auf ihn wirken. (...) Warum wirkt jenes Geschehen auf den Eingeweihten nicht auch lächerlich? Warum bedeutet es ihm so viel?

Nehmen wir ein Liebespaar, das seine Ferien am Meeresstrand verbringt. Die beiden schlendern Hand in Hand am Wasser entlang. Sie sind überglücklich. Alles scheint verklärt und nur für sie beide geschaffen. Da entdecken sie zu ihren Fü-ßen einen Kieselstein von besonderer Schönheit. Aus den leuchtenden Farben und Formen kann man beliebige Phantasiegestalten herauslesen.

Ein kleines Wunder der Natur, dieser Stein. Sie nehmen ihn mit nach Hause, und nach Rückkehr aus den Ferien erhält er einen würdigen Platz auf der Kommode. Manchmal, wenn der Blick zufällig auf dieses Erinnerungsstück fällt, oder in Stunden der Muße beim bewussten Betrachten, wird in den beiden jenes Gefühl des unsagbaren Glücks wieder erwachen, das sie damals am Strand erfüllte. In diesem Glück fühlten sie sich innig verbunden. Vielleicht kann dieser Stein in Phasen der Dissonanz sogar wieder zur Harmonie beitragen; es war doch einmal so schön. Er ist zum Symbol geworden, das mehr aussagt, als Worte es vermögen; das auch Kraft und Harmo-nie vermitteln kann. Vielleicht wird er eines Tages zum Symbol für die Vergänglichkeit des irdischen Glücks. Auch dann spricht er mehr, als man mit Worten ausdrücken könnte.

Aber das alles gilt eben nur für den „Eingeweihten“. Jenes Liebespaar mag seinen besten Freunden noch so viel von ihrem Erlebnis erzählen und, warum dieser Stein nun auf der Kommode liegt. Auch beim besten Willen und Einfühlungsvermögen wird der Gast die Gefühle der Eingeweihten nicht nachvollziehen können. Für ihn bleibt jenes Symbol ein schöner Stein.

Alfried Lehner: „Mysterium“

Manches, was der Geist erkennt,
niemals sich mit Namen nennt.
Unaussprechliches zu fühlen,
nach der Dinge Mitte zielen,
schließt uns Seelentiefen auf.

Einer höhern Wahrheit Kern,
die dem Göttlichen nicht fern,
jenem Telos nachzustreben,
Seelenwahrheit zu erleben,
allen Reichtum geb’ ich drauf.

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