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Traktat: Absalom-Logenjubiläum 1962

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Traktat: Absalom-Logenjubiläum 1962

Das Geheimnis im Luftschutzkeller

Zum 275-Jahr-Jubiläum der ältesten deutsche Loge „Absalom zu den drei Nesseln“ im September 2012: Erinnerungen an die 225-Jahr-Feier vor einem halben Jahrhundert.

Eine Hommage von Rudi Rabe aus Wien.


Am 6. Dezember 1737 wurde die ‚Absalom‘ im weltoffenen Hamburg gegründet,
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Jahre vor den ersten masonischen Regungen bei uns im kaiserlich-katholischen Österreich. In ihren Annalen finden sich prominente Mitglieder: Etwa der Preußenkönig Friedrich der Große, der in einer Tochterloge der Absalom sogar eine Zeit lang Stuhlmeister war, als König Religionstoleranz übte, so etwas wie frühe Menschenrechte formulierte („Antimachiavell“) und schließlich die Folter abschaffte. „Doch wir wollen nicht mit Toten glänzen sondern mit den Lebenden für ein nachhaltiges, liebevolles und vertrauensvolles Zusammensein wirken“, heißt es ebenso bescheiden wie gegenwartsbezogen auf der Homepage der Absalom. Das vielfältige karitative Tun der Absalom zeigt, dass dies keine leeren Worte sind. Die Loge zählt heute um die 120 Mitglieder.

Mich interessiert die Nachkriegszeit: Sie hat mich geprägt. Und so ersteigerte ich bei Ebay die Festschrift zu den 225-Jahr-Feiern der ‚Absalom zu den drei Nesseln‘ aus dem Jahr 1962. Da war ich 19 und hatte von der Freimaurerei null Ahnung.

Welch wunderlicher Logenname!

Ankunft der amerikanischen Gäste: verspätet wegen Nebel
Altgroßmeister Vogel geleitet den deputierten Großmeister der United Grand Lodge, Sir Allan Adair, in den Tempel
Festliche Tafelloge mit 400 Brüdern im Mozartsaal des Logenhauses
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‚Absalom‘, ein Sohn König Davids, das ist aus der Zeit heraus zu verstehen. Aber ‚zu den drei Nesseln‘, den Sprichwörtlichen, in die sich doch höchstens Tolpatsche setzen? Was soll denn das bedeuten??? Leider: Es scheint auch den Absalombrüdern nicht ganz klar zu sein, wie das in ihren Logennamen kam. Dieser verwundert nicht nur mich: In diesem Freimaurer-Wiki gibt es eine ganze Diskussionsseite darüber: Absaloms Namen. Zusammenfassung: Die Loge hatte zuerst gar keinen Namen, dann einfach ‚Loge d’Hambourg‘, dann ‚bunch of grapes‘, also Traube, und schließlich nach fünf Jahren Absalom. Aber weil die Londoner draufgekommen seien, so wird in einer anderen Quelle behauptet, dass es in Hamburg davor schon eine französische Loge gegeben haben soll, hätten sie den jungen deutschen Brüdern mit feinem britischem Spott zum Absalom noch den Nesselappendix verpasst. Eine lustige Namenslegende, belegt ist sie nicht. Sicher ist jedoch: Die Loge ist und bleibt die älteste deutscher Zunge, daher hat sie im deutschen Logenverzeichnis auch die Matrikelnummer 1.

1962: Nach Jahrzehnten Hass und Krieg endlich wieder Friede

Ich lese die fünfzig Jahre alte Festschrift als Österreicher und mit dem Bewusstsein des Jahres 2012. Dabei fällt mir auf: Aus New York kam ein Sonderflugzeug mit amerikanischen Brüdern, darunter viele Emigranten; die Nazizeit lag ja kaum zwei Jahrzehnte zurück. Unglaublich: New York war 1962 „der größte Orient deutschsprachiger Freimaurer“, so der damalige Absalom-Stuhlmeister in der Festschrift. Es gab dort „nahezu 5.000 Brüder, doppelt so viele wie in Hamburg, die in deutscher Sprache arbeiten.“ Und Hamburg war immerhin die Nummer Eins in Deutschland.

Nach Jahrzehnten Hass und Zwietracht und nach zwei Kriegen mit vielen Millionen Toten war auch endlich wieder ein Großmeister der Großloge von England in offizieller Mission in Deutschland: das erste Mal seit 1913, also seit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Durch die ganze Festschrift zieht sich ein Gefühl der Dankbarkeit, dass diese schrecklichen Jahrzehnte zu Ende waren, dass die deutsche Freimaurerei nach der Nazikatastrophe wieder auferstehen und ihre Zersplitterung in eine humanitäre und in eine christliche Richtung durch eine Großlogenvereinigung überwinden konnte.

"Weisheit, Stärke, Schönheit"

Mag sein, dass es nur eine masonische Verklärung ist. Eigentlich ziemlich sicher: Theodor Vogel war ja ein großer Geschichtenerzähler. Das macht nichts: Die folgende Passage aus der festlichen Rede des Altgroßmeister geht ans Herz; daher will ich sie wörtlich zitieren. Vogel bezieht sich auf die damals noch sehr präsente Erinnerung der Menschen an die deutschen Luftschutzkeller, in denen die Zivilbevölkerung im Krieg Schutz vor den alliierten Bombenangriffen suchte:

„Es war in einer jener schrecklichen Bombennächte in Berlin, in einer Nacht, in der Tod und Elend und Bomben und Feuer vom Himmel regneten und in der die geängstigten Menschen Zuflucht suchten in den Kellern. Die Menschen waren wieder einmal zusammengetrieben und zusammengedrängt, und in dieser Bedrängnis und in der Angst und Not geschah nun das Schlimmste noch: Das Licht erlosch. Und so wird erzählt, dass in dieser Stunde, da Dunkelheit und Not in den Menschen waren, einer, ein alter Mann, aus dem Hintergrund vortrat und aus seinem Gewand eine Kerze kramte und die Kerze auf den steinernen Kellerboden stellte und sie entzündete und ein Wort dazu sprach: WEISHEIT. Und es geschah zum zweiten, dass ein anderer alter Mann aus dem Hintergrund dieses Zufluchtskellers vortrat, auch eine Kerze aus dem Gewand nahm, sie an der ersten entzündete und niedersetzte auf den steinigen Boden und ein zweites merkwürdiges Wort sprach: STÄRKE. Die Menschen horchten auf und spürten, dass hier Geist, Freiheit, Recht aufflammten. Und es geschah, dass zum dritten einer vortrat, wiederum mit einem Kerzenstummel, das Licht entzündete an der zweiten schon brennenden Kerze, seinen Kerzenstummel niedersetzte im merkwürdigen Dreieck und das dritte große Wort sprach: SCHÖNHEIT. In dieser Stunde haben die geängstigten Menschen etwas gespürt von der Unsterblichkeit der Freiheit, von der ewigen Jugend eines Gedankens, der vor 225 Jahren in Deutschland aufflammte … der wieder etwas Mut in unsere Herzen brachte, in den dunkelsten Tagen unseres Volkes, in der dunkelsten Zeit unserer Geschichte.“

Eine Erzählung aus der Nachkriegszeit. So berührend diese Worte Theodor Vogels waren: Heute würde man sie wohl ergänzen und daran erinnern, dass dieser Schrecken keine Naturkatastrophe war, sondern eine von Menschen gemachte: aus der eigenen Nation heraus. Und viele von uns Österreichern waren dabei.

Eine freundliche Presse

Der ebenso wortgewaltige wie umtriebige Altgroßmeister Theodor Vogel war damals der deutsche Freimaurerpatriarch schlechthin. Und er war der Einiger der deutschen Freimaurerei, die bis zur Nazikatastrophe zersplittert und oft zerstritten war. Der Spiegel widmete ihm und der deutschen Freimaurerei ein paar Monate später sogar eine Titelgeschichte, kritisch aber nicht unfair: hier

Die Presseberichte über das Jubiläum waren nicht nur wohlwollend sondern mit österreichischen Augen gesehen auch erstaunlich breit gestreut. Von der FAZ über die Welt bis zur Bildzeitung wurde berichtet: Mag sein, dass es kein Schaden war, dass Axel Springer, der berühmte Verleger von ‚Welt‘ und ‚Bild‘, sich selbst zum Bund bekannte. Stuhlmeister Kurt Mauch freut sich über das große öffentliche Echo. Und so zitiert er im Geleitwort der Broschüre den Reformator der deutschen Freimaurerei, den Hamburger Friedrich Ludwig Schröder (1744 bis 1816): "Der Zweck der Freimaurerei ist nicht auf ein Verbergen, sondern auf ein Bewirken gerichtet."

Und schließlich viele Glückwünsche aus dem Ausland. Aus Österreich von Großmeister Carl Helmke: „225 Jahre – ein Zeitraum, der jeden wahrhaften Maurer mit Ehrfurcht und mit Demut erfüllen muss, weil er beweist, dass die Idee unserer Gemeinschaften und des Weltbruderbundes unzerstörbar ist.“

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