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Traktat: Angst

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Angst

Autor: Christoph G.


Ich gehe spazieren. Ich bemerke, wie von weitem etwas auf mich zukommt. In dem Moment, in dem mein Sehnerv das Aufgenommene an den visuellen Cortex in meinem Gehirn übermittelt, beginnt die Auswertung. Das Etwas hat Fell, vier Beine und ist schnell. Um Einschätzen zu können, ob es sich hierbei um eine Gefahr für mich handeln könnte, werden die gesammelten Informationen zum Thalamus gesendet. Dieser filtert die Sinnesinformationen und klärt ihre Bedeutung. Er schlägt in der körpereigenen Bibliothek, dem Hippocampus nach. Hier sind alle Informationen, die der Mensch im Laufe seines Lebens gesammelt hat, archiviert.

Als ein mögliches Objekt identifiziert der Hippocampus in den Eigenschaften „Fell“, „vier Beine“ und „schnell“ einen Hund, der auf mich zuläuft.

Gleichzeitig hat der Thalamus auch den Mandelkern über die Eigenschaften informiert. Der Mandelkern ist für die emotionale Bewertungen zuständig und weiß, dass Hunde gefährlich sein können. Unmittelbar startet er ein gespeichertes Programm – Angst entsteht. Ein erster Impuls geht an den Hirnstamm, der die Reflexe im Körper koordiniert, etwa die Atmung. Der Hirnstamm lässt meinen Körper sich auf eine der beiden möglichen Optionen dieser Situation zu entkommen, Angriff oder Flucht, vorbereiten. Ich fange an zu zittern und zu schwitzen.

Wäre ich mit meinen Kindern unterwegs und eine Flucht mit Kindern hätte zweifelhafte Erfolgsaussichten, würde die Angst, den Kindern könnte etwas passieren, die Angst vor einer Konfrontation mit dem Hund wohl bei weitem übersteigen und der Hirnstamm würde sich für einen Angriff entscheiden.

Ich bin jedoch alleine und der Hund ist groß, Flucht ist die sinnvollste Option. Das Striatum koordiniert daraufhin die Bewegungen, die für die Flucht notwendig sind. Um auf die für dafür benötigten Energiereserven zugreifen zu können, veranlasst der Hypothalamus die Ausschüttung von Adrenalin, Noradreanalin und Cortisol. Diese Hormone steigern Blutdruck, Herzfrequenz und Blutzuckerspiegel, die Bronchien erweitern sich. Mein Körper ist bereit, meine Muskeln mit der für die Flucht benötigten Energie umgehend zu versorgen. Gleichzeitig behindern die ausgeschütteten Hormone mein Denken. Während mein Körper mit diesen Vorbereitungen beschäftigt ist, bewertet der Gyrus cinguli noch einmal die Lage. Er hat die Aufgabe, Widersprüche zu entdecken und aufzuklären.

In Abgleich mit Hippocampus und Mandelkern überprüft er Alternativen. Mein Gehirn registriert bei genauerer Betrachtung, dass es sich bei dem Objekt zwar um einen Hund handelt, dieser mir aber bekannt ist und schwanzwedelnd vor Freude auf mich zukommt. Das Notprogramm wird gestoppt. Es werden hemmende Signale an alle Bereiche meines Gehirns entsendet, die an der Fluchtreaktion beteiligt waren. Nach ein paar Sekunden beruhigt sich mein Körper und ich begrüße, jetzt ebenso erfreut wie er, den Hund.

Diesen prinzipiellen Ablauf im Körper bei einer akuten Gefahr, sei es mit einem Hund oder im Straßenverkehr, hat wohl jeder von uns schon unzählige Male durchlaufen. Meiner Meinung nach bemerkenswert sind hierbei zwei Sachen: Die Zeitspanne, zwischen der das Sinnesorgan etwas potentiell gefährliches aufnimmt und der Körper die Bereitschaft zu Flucht oder Angriff meldet, ist winzig klein, beträgt nur Sekundenbruchteile. Die zweite Sache ist, dass der Körper das aktive Denken so weit wie möglich blockiert. Das ist von Mutter Natur ziemlich schlau eingefädelt. Es geht darum, mich reflexartig auf eine potentiell gefährliche Situation einzustellen und den Fokus einzig und allein auf dieser Situation zu halten, denken ist da nur hinderlich.

Im schlimmsten Fall verschlafe ich in meinen Gedanken den Zeitpunkt zu Flucht oder Angriff – der Ausgang könnte verheerend sein. Dieses Beispiel zeigt auch, wie tief verwurzelt Angst und ihre Konsequenzen in unserem Körper ist. Angst ist die stärkste Emotion. Jeder Mensch hat Angst. Angst ist einer der Gründe, warum wir überhaupt in unserer jetzigen Form existieren.

In den Anfängen der Menschheit gab es Menschen ohne Angst vor Höhe und Menschen mit dieser Angst. Die Menschen ohne Angst fielen runter und starben, die mit der Angst überlebten. Es gab Menschen ohne Angst vor Spinnen und Schlangen und Menschen mit dieser Angst. Die Menschen ohne Angst wurden gebissen und starben, die Menschen mit dieser Angst überlebten. Wir sind die Nachfahren dieser Angsthasen. Ohne sie würden wir jetzt hier nicht beisammen sein.

Angst kann man nicht lernen. So sehr ich mich auch bemühe, ich werde es nicht schaffen, mir Angst vor dem Blatt Papier, von dem ich gerade ablese, anzueignen. Was aber natürlich nicht heißt, dass ich im Laufe der Zeit nicht neue Ängste entwickeln kann. Sollte ich eine Allergie gegen einen der Stoffe in diesem Blatt Papier bekommen, so werde ich auch eine Angst vor Papier entwickeln, weil ich gelernt habe, dass Papier mir potentiell gefährlich werden kann. Bekanntlich haben kleine Kinder ja vor nicht sehr viel Angst. So rasen sie kopfüber auf einem Schlitten den Berg runter.

Oder ein aktuelles Beispiel aus meinem Alltag. Während ich in meinem zarten Alter versuchte das Segeln zu erlernen, aber bei jeder noch so kleinen Böe das oben beschriebene Programm durchlaufen bin, flitzten die siebenjährigen Steppkes auch bei Windstärke fünf oder sechs auf der Alster in ihren Optimisten-Booten umher, als wären sie auf so einem Boot geboren worden. So langsam begreife ich auch, woher der Optimist seinen Namen hat. Aber kleine Kinder erweitern ihr Angstportfolio auch recht schnell. Ein Beispiel hierfür ist die berühmte heiße Herdplatte. Einmal drauf gefasst und für den Rest des Lebens ist die Verbindung „Hitze gleich Gefahr“ abgespeichert.

Und in der Tat kommen und gehen Ängste im Laufe des Lebens, wobei zwischen akuter Angst vor einer potentiell gefährlichen Situation und dauerhaften Ängsten vor etwas zu unterscheiden ist. Diese dauerhaften Ängste sind die Sorgen um oder vor etwas. Der Körper durchläuft das Notprogramm zwar nicht, ist also nicht durchgehend in Lauerstellung für Flucht oder Angriff, dennoch sind Sorgen eine Form der Angst. In der Regel gibt es ein Maximum an Sorgen in der Altersspanne zwischen 20 und 40 Jahren.

Davor gibt es wohl einfach noch nicht so viel, worum man sich Sorgen machen muss und danach ist es dann anscheinend irgendwann egal. In der Tat ist es zumindest bei mir so, dass das Bündel an Sorgen noch nie so groß war wie heute. Die Familie, allen voran die Kinder, sollen gesund sein. Wie oft bin ich gerade im Säuglings- und Babyalter meiner Kinder vor dem Schlafen gehen noch zum Bettchen gegangen, um dann mit Erleichterung einen sich hebenden Brustkorb zu sehen oder ein leises Atmen zu hören. Dazu muss der Job sicher sein, die finanziellen Verpflichtungen laufen weiter. Nebenbei möchte man sich in irgendeiner Weise auch noch selbst verwirklichen, denn schließlich möchte ich mir auch eine Antwort geben können, wenn ich irgendwann dem großen Baumeister gegenüber trete und mich frage, was ich in und aus meinem Leben eigentlich gemacht habe.

Man kann sie zwar nicht erlernen, wohl kann man sich Ängste aber abgewöhnen bzw. abtrainieren. Immer und immer wieder stellt man sich bewusst seiner Angst und lässt den eingangs genannten Mandelkern lernen, dass etwas nicht mehr als Bedrohung angesehen werden muss. Wenn man weiß, dass bestimmte Spinnenarten nicht giftig sind, so wird man es wahrscheinlich schaffen, die Angst vor ihnen zu verlieren, in dem man immer wieder in körperlichen Kontakt mit ihnen tritt, bis der Mandelkern durch diese ständigen Wiederholungen gelernt hat, nicht mehr reflexartig das Notprogramm zu starten, da ja keine Gefahr besteht. Oder das berühmte Lampenfieber.

Vor zwanzig Jahren hätte ich hier zitternd und mit Schweißausbrüchen gestanden: Oh mein Gott, vor so vielen Menschen zu stehen und alle hören Dir zu. Ich will mich nicht blamieren! Nach aber mittlerweile nicht mehr zählbaren vergleichbaren Situationen hat mein Mandelkern gelernt, bei solchen Situationen das Notprogramm nicht mehr zu starten. Ich werde also nicht die Flucht vor Euch ergreifen und bis jetzt ist auch kein Angriff geplant. An dieser Stelle noch ein kleiner Rat für alle „Zahnarztphobiker“ unter uns: Konzentriert Euch bei Eurem nächsten Besuch beim Zahnarzt darauf, Euch aktiv zu entspannen und vor allen Dingen Hände und Schultern nicht zu verkrampfen. Ich finde es faszinierend, wie oft man sich dabei erwischt, dass alle Muskeln völlig verkrampft sind. So hat man zum einen etwas zu tun, worauf man sich konzentrieren kann und zum anderen hilft es tatsächlich. In einem entspannten Körper ist so ein Zahnarztbesuch bedeutend erträglicher.

Oder Ihr macht es auf die harte Tour – und heiratet eine Zahnärztin. Obwohl das auch kein Erfolgsversprechen ist. Vor meiner Frau habe ich zwar keine Angst, aber zum Zahnarzt gehe ich immer noch höchst ungern. Wie aus dem Eingangsbeispiel ersichtlich, ist unser Wissen über Angst in der heutigen Zeit sehr umfangreich. Der technische Fortschritt hat uns ermöglicht, die physischen Abläufe im Körper bei Ängsten zu erforschen. Das vereinfacht es, neben der Psychotherapie auch gezielt medikamentöse Therapien einzusetzen, wenn Ängste nicht mehr als natürlich, sondern als krankhaft bezeichnet werden müssen. Aber dieses Wissen musste erst einmal aufgebaut werden.

So erklärte im vierten Jahrhundert vor Christus der griechische Arzt Hippokrates, der als Begründer der Medizin als Wissenschaft gilt, Angst sei ein biologisches und medizinisches Problem. Ein plötzlicher Ausfluss von Galle ins Gehirn rufe Angst hervor und indem man die Körperflüssigkeiten wieder ins Gleichgewicht bringt, ließe sich die Angst behandeln. Platon betrachtete die Psyche und Angst dagegen als vom Körper unabhängig. Für eine Heilung seien tiefere Selbsterkenntnis, größere Selbstbeherrschung und eine von der Philosophie geleitete Lebensweise notwendig. Sprachwissenschaftlich betrachtet, bezieht sich Angst auf eine physische Reaktion.

Das Wort wird aus dem lateinischen Hauptwort „angustiae“ - „Enge, Enge der Brust“ - abgeleitet.

Für den dänischen Philosophen Søren Kierkegaard ist Angst eine geistige Erscheinung, ein spirituelles und philosophisches Problem. 1844 schreibt er in seinem Buch „Der Begriff Angst“: „Kein Großinquisitor hat so entsetzliche Foltern in Bereitschaft wie die Angst; kein Spion weiß so geschickt den Verdächtigen gerade in dem Augenblick anzugehen, in dem er am schwächsten ist, oder weiß die Schlinge, in der er gefangen werden soll, so bestrickend zu legen, wie die Angst es weiß.“ Charles Darwin, der selber unter Angststörungen litt, erzählt von einer Episode im Zoo, bei der er sich vor einer Schlange ängstigte. „Mein Wille und mein Verstand waren kraftlos gegen die Einbildung einer Gefahr, welche niemals direkt erfahren worden war.“ Daraus schließt er, dass bestimmte Ängste nicht durch negative Erfahrungen entstehen, sondern automatische körperliche Reaktionen auf eine Bedrohung sind. Die Erkenntnisse von Darwin bilden bis heute die theoretische Grundlage für die neurobiologische Erforschung von Angstzuständen.

1908 formulieren die amerikanischen Ethnologen Robert Yerkes und John Dodson das „Yerkes- Dodson-Gesetz“ oder auch „Gesetz der Angst“. Zu viel Angst kann ihrer Meinung nach das Handeln blockieren, ein gewisses Maß an Angst kann dagegen förderlich sein. Der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers beschreibt Angst so: „Furcht ist auf etwas gerichtet, Angst ist gegenstandslos. Von einer inhaltslosen gewaltigen Angst, die zur Trübung des Bewusstseins und rücksichtslosen Gewaltakten gegen sich selbst und andere führt, bis zur leichten, als fremd und unverständlich empfundenen Ängstlichkeit gibt es alle Grade.“ Der amerikanische Physiologe Walter Cannon entwickelt Darwins Vorstellung einer Stressreaktion weiter und führt dafür den Begriff „Fight or Flight“ - „Kampf oder Flucht“ - ein. Cannon dokumentiert anhand von Tierversuchen als Erster, dass bei der Fight-or-Flight-Reaktion Blut in die Skelettmuskeln gepumpt wird, damit das Tier besser für Kampf oder Flucht gewappnet ist. Seit den 1990er Jahren wurden in Hunderten von Studien die Verbindung zwischen subjektiven Gefühlen und physiologischen Aktivitäten gezeigt. Der medizinische Fortschritt ermöglicht es, mit einem Hirnscan psychische Aktivität im Gehirn in Echtzeit zu messen. Die Genforschung entdeckt Gene, die die Anfälligkeit für Angst steuern.

Wir alle haben Ängste und das ist auch gut so. Ohne Ängste würden wir nicht überleben. Doch haben wir nicht alle die gleichen Ängste in der gleichen Ausprägung. Ängste sind über die Menschen verteilt. Der eine hat mehr Höhenangst als der andere, dafür interessieren den wiederum Spinnen nicht allzu sehr. Wenn ich nun allerdings anfange, übermäßig über eine Angst nachzudenken und diese Angst dadurch eine nahezu dauerhafte Präsenz bekommt, wird Angst krankhaft. So vielfältig die unterschiedlichen Ängste sind, so vielfältig sind auch die Angsterkrankungen. Der Übergang von normaler zu krankhafter Angst ist fließend. Eine ausgeprägte Phobie vor Etwas muss noch nicht krankhaft sein. Ich als Beispiel habe eine sehr ausgeprägte Höhenangst. Wenn ich mich der Kante nähere, hinter der es bergab geht, dann fange ich an, dass volle Programm zu durchlaufen. Das Herz schlägt schneller, ich schwitze, die Beine werden weich, das Denken wird schwieriger und Flucht ist der vorherrschende Gedanke. Aber die Angst hat keinen Einfluss auf mein Leben. Ich gehe großen Höhen einfach aus dem Weg und damit ist es gut.

Ein berühmter Leidensgenosse ist übrigens unser Bruder Johann Wolfgang von Goethe. So beschrieb er, wie er sich zwang, zur Überwindung einen Turm zu besteigen: „Ich erstieg ganz allein den höchsten Gipfel des Münsterturms und saß in dem sogenannten Hals, wohl eine Viertelstunde lang, bis ich es wagte, wieder heraus in die freie Luft zu treten. Dergleichen Angst und Qual wiederholte ich so oft, bis der Eindruck mir ganz gleichgültig war.“ Wenn die Angst allerdings anfängt, spürbare Auswirkungen auf das Privat- und Berufsleben zu haben, spricht von einer Angststörung. Neben generalisierten Angststörungen - das sind lang anhaltende Ängste und Sorgen verschiedenen Inhalts wie Gesundheit oder Zukunft - gibt es die soziale Phobie, die Agoraphobie – das ist die Platzangst, die Panikstörung und die spezifischen Phobien.

Spezifische Phobien zeichnen sich durch starke Ängste gegenüber bestimmten Situationen oder Objekten aus. Spezifische Phobien gibt es nahezu vor allem. Die Psyche des Menschen ist in der Beziehung sehr einfallsreich. Die bekanntesten Phobien sind die wohl schon angesprochene Höhenangst und die Spinnenangst. Daneben gibt es einige sehr skurrile Phobien, über die man wohl nur schmunzeln kann, ist man nicht selbst davon betroffen. Da wäre zum Beispiel

  • die Allodoxaphobie – Die Angst vor einer Meinung. Für einen Freimaurer keine sehr

hilfreiche Angst,

  • die Clinophobie – Die Angst, ins Bett zu gehen. Bei Kleinkindern eine sehr beliebte Phobie,
  • die Hexakosioihexekontahexaphobie – Das ist die Angst vor der Zahl 666,
  • die Hippopotomonstrosesquippedaliophobie – naheliegenderweise die Angst vor langen Wörtern und
  • die Novercaphobie – Die Angst vor der Stiefmutter. Dieses würde zu den Gebrüder Grimm passen, in deren Märchen die böse Stiefmutter stets einen festen Platz hat.


In Deutschland leiden rund 21 % der Frauen und 9 % der Männer unter einer Angststörung, wobei krankhafte spezifischen Phobien den Großteil davon ausmachen. Die Ursachen für die Entstehung einer Angsterkrankung sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es gibt zwar zahlreiche Theorien und Modelle, doch sind die Hintergründe von Angststörungen zu komplex. Mögliche Erklärungen für eine Angsterkrankung sind Stress, seelische Belastungen in der Kindheit wie der Tod eines Elternteils, Missbrauch oder Vernachlässigung, Vererbung, neurobiologische Ursachen oder unterdrückte Triebregungen. Auch Konditionierung kann Ursache einer Angsterkrankung sein.

Obwohl Angst in der Regel etwas ist, auf das wir gerne verzichten, so existiert auch eine Lust und eine Faszination an der Angst. Warum schauen Menschen fasziniert und mit voller Hingabe Horrorfilme? Viele dieser Menschen durchlaufen dabei alle erwähnten Symptome des Angstprogramms des Gehirns. Der Puls und die Atmung sind erhöht. Die Muskeln sind angespannt, das Adrenalin schießt in regelmäßigen Abständen durch den Körper. Eine Situation, auf die wir eigentlich gerne verzichten, sie hier aber absichtlich herbeiführen. Der berühmte „Kick“. Ebenso diverse Extremsportarten. Die Gefahr dieser Sportarten macht ihren Reiz aus, das Adrenalin sorgt für den Kick.

Ich selber bin am Bungee-Seil vom Hamburger Fernsehturm gesprungen. Selten habe ich so eine Angst verspürt, wie in dem Moment, als ich aus 130 Metern über die Kante geschaut habe und das Seil an meinen Füßen zog. Aber auch das Gefühl hinterher war überwältigend. Es gab wohl wenige Situationen in meinem Leben, wo mein Körper so mit Glückshormonen geflutet war wie in diesem Moment.

Wie bei einer Droge laufen wir allerdings Gefahr, die Dosis immer höher schrauben zu wollen. Die Grenzen werden immer mehr ausgelotet. Nicht selten endet das Leben dieser Adrenalin-Junkies erfüllt, aber viel zu früh.

In der Freimaurerei wird die Angst, zumindest im Lehrlings- und Gesellengrad, wenig thematisiert. So wird die Furcht - das Wort Angst wird im Ritual nicht verwendet - lediglich auf den drei Reisen während der Aufnahme und einmal im Ritual II thematisiert.

Während der Aufnahme werden dem Suchenden die Augen verbunden. Alleine das, zusammen mit der Unwissenheit des Kommenden, schon eine Situation, die bei vielen Unbehagen auslösen dürfte. Der 2. Aufseher ersucht um das Vertrauen des Reisenden und fordert ihn auf, ihm ohne Furcht zu folgen und das er sicher geführt werden wird. Dieses Vertrauen wird im Folgenden auf die Probe gestellt. Der 2. Aufseher bewahrt den Suchenden durch seine Führung vor den auftretenden Gefahren: Höhe, Feuer, Bosheit, Eitelkeit und Geltungsbedürfnis. Auf den Hinweis des 2. Aufsehers, der Suchende habe seine Reisen beendet, entgegnet der Meister: „Unbeirrt vom Lärm der Welt geht der Maurer seinen Weg, ruhig und sicher, furchtlos in Gefahren, hohe Ziele vor Augen.“

Der Gesellengrad stellt dem Maurer die Symbolik in der Nacht des Herzens zur Seite. Nicht das der Freimaurer frei von Ängsten ist, wir sind alle Menschen. Die Bruderkette kann aber eine starke Unterstützung darstellen, wenn es darum geht, sich mit seinen Sorgen und Ängsten auseinanderzusetzen und seinen maurerischen Weg ein wenig furchtloser zu bestreiten. So hat der Freimaurer mit seinen Brüdern unzählige helfende Hände, an die er sich mit seinen Sorgen wenden kann. Alleine schon das Wissen hierüber lässt manche Sorgen nicht mehr ganz so groß erscheinen, wenn man sich jederzeit dem offenen Ohr eines Bruders sicher sein kann. Und auch die geistige Reife, die der Freimaurer auf und durch seinen Weg erlangt, beeinflusst die Empfänglichkeit für Ängste und Sorgen positiv. Wie der Suchende während der Aufnahme den führenden Arm des 2. Aufsehers bei der Konfrontation mit den Gefahren des Lebens an seiner Seite wusste, so weiß der Freimaurer den führenden Arm der Maurerei an seiner Seite.

Wird die Angst in der Freimaurerei wenig thematisiert, so ist die Angst vor der Freimaurerei etwas, was sie wohl seit ihren ersten Tagen begleitet. Die Freimaurer sind ein Geheimbund, die Brüder verschwiegen und ihre Arbeiten im Tempel wirken auf Profane fremd. Auch in unserer aufgeklärten Zeit hört man immer wieder von der Verschwörung der Freimaurer. Vor allen Dingen totalitäre Regierungen scheinen eine ausgewachsene Angst vor Freimaurerei und ihren Logen zu haben, die in ihrer Abgeschiedenheit an Sturz und Neuordnung zu arbeiten scheinen. In der heutigen Zeit begegnen einem die immer wieder gehörten Vorurteile und Märchen auch und vor allem in der Anonymität der sozialen Netzwerke im Internet. In diversen Verschwörungs-Foren ist nachzulesen, wie wir morden und manipulieren.

Und wenn man bei Youtube nach Freimaurerei sucht, findet man eine Menge Filme, die dieses ebenfalls nahelegen. Wer etwas zu verbergen hat, der muss etwas im Schilde führen.

Mit Angst lässt sich wunderbar manipulieren. Angst ist ein gern verwendetes Mittel, wenn es darum geht, seine Interessen durchzusetzen. „Wenn Du jetzt nicht ruhig bist und schläfst, gehen wir morgen nicht zum Baden und Dein Bruder darf alle Schokolade alleine essen.“ Diese besonders perfide Erpressung weckt gleich zwei Ängste: Die Angst etwas zu verpassen und den Futterneid. Der Erfolg ist aber leider überschaubar. Was im Kleinen gilt, gilt aber auch im Großen. Einen schönes Beispiel hierfür sind die Anschläge auf das World Trade Center im Jahr 2001 und die Zeit danach. Mit dem Argument der Angst vor weiteren Terrorakten und dem bewussten Schüren dieser Angst war es Regierungen, allen voran den USA, möglich, beliebige Gesetzte zu verabschieden, die weitreichende Eingriffe in und Konsequenzen für das Leben der Menschen zur Folge hatten. Aber wie konnte man dagegen sein?

Wer nichts zu verbergen hatte, der hatte ja auch nichts zu befürchten… Auch ganz aktuell kann man die Instrumentalisierung der Angst beobachten. Mit der Angst vor Überfremdung, Kriminalität, Islamisierung und was sonst nicht noch allem wird der blanke Hass gegen Menschen gerechtfertigt, die in unserer Mitte Schutz suchen.

Da ist von Scheinasylanten und Wirtschaftsflüchtlingen die Rede. Die Kommentare in der scheinbaren Anonymität der sozialen Netzwerke lassen einen immer wieder fassungslos verharren. Da wird die Angst als Vorwand benutzt, um sich auf Kosten der Ärmsten der Armen zu profilieren und endlich mal das Gefühl zu haben, nicht selber am Ende der Nahrungskette zu stehen.

Da wird Meinungsfreiheit mit purer Dummheit verwechselt.

Aber eine Erfahrung ist der Familienvater aus Syrien, der seit Wochen mit seiner Familie unterwegs ist und auf aberwitzigen Wegen in dieses Land gelangt ist, diesen Menschen voraus:

Er weiß, was echte Angst ist.

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