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Traktat: Apologie der Alchemie

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Motto „omnia ab uno et in unum omnia“, Alles aus einem und in einem alles.
Alchimia, 1574
Alchimia, 2015, Markertechnik auf Papier, von urbantactics

Inhaltsverzeichnis

Apologie der Alchemie

Traktat von urbantactics

Wie hier üblich geben Traktate ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder und haben keine allgemeine Gültigkeit.

Zitat aus dem Artikel Okkultistische Symbolik:

"Die geschlossene Mehrheit der Freimaurerei steht diesen Gedankengängen fern." (Zitatende)

Prolog

"Es ist ein großer Unterschied zwischen etwas noch glauben und es wieder glauben. Noch glauben, daß der Mond auf die Pflanzen würke, verrät Dummheit und Aberglaube, aber es wieder glauben zeugt von Philosophie und Nachdenken." Georg Christoph Lichtenberg

Alchemie als Königliche Kunst

Die innere Alchemie ist ein Weg der Selbstveredelung, nicht unähnlich der Freimaurerei. Sie bedient sich dafür anderer, eigener Symbole, und einer eigenen Sprache, im Sinne von bestimmten Begriffen, denen jeweils eine den Eingeweihten vorbehaltene Bedeutung zugegeben wird.

Über einen stufenweisen Weg (Grade) und die harmonische Vereinigung (Alchemistische Hochzeit) polarer Gegensätze (Hexagramm, aber auch Yin-Yang) soll das Große Werk (Magnum Opus) erreicht werden. Die unvollkommene Ausgangsmaterie Blei entspricht somit dem rauen Stein, das Gold dem behauenen Stein.

Wer von einer Sache nichts versteht ist leicht geneigt diese zu belächeln oder abzutun. Wie kommt es also, dass gelehrte Köpfe antiker Hochkulturen sich keineswegs zu fein waren der Alchemie ihr Leben zu widmen, während sie heute leichtfertig als Quacksalberei abgetan wird ? Der Vorwurf der Goldmacherei trifft die wahre Alchemie nicht, sondern zielt lediglich auf die Hochstapler, die es verbürgt und zweifelsohne gab, und die manchen Leichtgläubigen um sein Vermögen erleichterten.

Exkurs „Wie oben so unten“

Der Tanz um den Maibaum dient als anschauliches Beispiel für eine missverstandene, weil in Vergessenheit geratene, tradierte Aussage: Er ist bildet kosmisches Geschehen (Makrokosmos) im Kleinen (Mikrokosmos) ab, ist allegorischer Tanz der Gestirne. Der Maibaum ist Weltachse (Axis mundi), die goldgelbe Kugel auf seiner Spitze die Sonne (Sol), der immergrüne Kranz, der sie umgibt der Tierkreis (Zodiak). Der Mann ist die Erde (Terra), die Frau ist der Mond (Luna). Der Mann (die Erde) umkreist die Kugel (die Sonne), die Frau (der Mond) den Mann (die Erde). Die Bänder, die dabei um den Baum gewoben werden und das typische Rautenmuster ergeben, ähneln gar der heute hinlänglich verbreiteten Darstellung der DNA-Stränge.

Das Motto „Du musst alles selbst tun“

Denn wer lediglich die Landkarte studiert, oder nur den Reisebericht eines Entdeckers liest, der hat die beschwerliche Reise doch nie selbst angetreten, und sein vertrautes zu Hause zurückgelassen, sich Gefahren gestellt, Fortschritte errungen und Rückschläge durchlitten, Erfolge gefeiert und Niederlagen gemeistert, Risiken auf sich genommen, und in Unsicherheit unwirtschaftliches Land durchwandert. Hat also nicht das Wagnis unternommen, sich auf den Weg zu machen, um ein fernes Ziel zu erreichen: Das tiefste Meer, den höchsten Berggipfel, Tempel alter, ferner und fremder Kulturen. Drinnen künden universelle Symbole von Osiris, Kundalini, Baraka, En To Pan, Gnosis, prallen Fruchtbarkeitsgöttinnen und gefiederten Schlangen, Geburt, Jagdszenen, Kriegen, Tod und Begräbnis, von Sonne, Mond und den Sternen. Diese Reise führt uns zur Kapelle der Gefahren, denn wir wissen nicht wer wir sind, bis wir auf die Probe gestellt werden.

Diese Reise ist eine innere. Tatsächlich handelt es sich um das aktive Herbeiführen gewisser innerer Geisteszustände mit dem Ziel der Kontemplation und der Erkenntnis.

Die Formel „V.I.T.R.I.O.L.”

Visita interiora terrae, rectificando invenies occultum lapidem. Besuche das Innere der Erde, durch Läuterung wirst du den verborgenen Stein finden. Anders gesagt: Wer zu Höherem sich will erheben, der muss zuerst in seine Tiefen streben.

Alchemie versus Wissenschaft

Bemerkenswert ist welch hohes Ansehen die Alchemie unter Aufklärern und Aufgeklärten genoss, wie bei Isaac Newton: Physiker, Mathematiker, Astronom und Philosoph, gemeinhin einer der Begründer der modernen Wissenschaft – und Alchemist. Die Royal Society, deren Vorsitzender Newton war, veröffentlichte Handschriften Newtons, die seine intensive persönliche Forschung auf dem Gebiet der Alchemie belegen. Ähnlich verhält es sich bei dem Naturwissenschaftler Robert Boyle, einem der Begründer der modernen Physik und Chemie. John Maynard Keynes sagte über Newton, dieser sei "nicht der erste der Aufklärung, sondern der letzte der Magier".

Viele Freimaurer würden es weit von sich weisen, sich mit Magie zu beschäftigen, geschweige denn diese gar zu praktizieren. Man belächelt, dass Magier die im Folgenden beschriebenen Handlungen vornehmen – während sie selbst jedoch mit der größten Selbstverständlichkeit ähnlich agieren (hier unter Wahrung des Arkanums angedeutet):


Der Magier Der Freimaurer
zieht eine Robe an zieht einen Schurz an
zeichnet einen Kreis auf den Boden zeichnet ein Rechteck auf den Boden
spricht rituelle Sprache spricht rituelle Sprache
zeichnet Symbole in den Kreis zeichnet Symbole in das Rechteck
führt Gesten und Bewegungen aus führt Gesten und Bewegungen aus
Invokation/Beschwörung Anrufung eines A.B.A.W.
Opfergabe (Weihrauch) Opfergabe (z.B. bei Grundsteinlegung in den USA)
verwandelt gewöhnlichen Raum in einen geweihten Schutzraum verwandelt einen profanen Raum in einen Tempel
ordnet auf dem Altar Buch, Messer, Kelch, Stab, Kerzen, ordnet auf dem Altar Buch, Schwert, Winkel, Zirkel, Kerzen,
geht im Kreis, um 4 Himmelsrichtungen geht im rechten Winkel, um 4 Himmelsrichtungen
nimmt Ordensnamen an nimmt je Grad allegorischen Namen an


Wer dem jeweils anderen vorwirft bei der Anrufung 'Etwas' oder 'Jemanden' außerhalb seiner selbst anzurufen, der meint wahrscheinlich auch Alchemisten wollten aus Blei Gold herstellen. Tatsächlich handelt es sich um das aktive Herbeiführen gewisser innerer Geisteszustände als Grundlage zur praktischen Werktätigkeit.

Begriffswelt der Alchemie

Grüner Löwe, Pfauenschweif, Adler, Rabe, Schwan, Philosophisches Ei, Lapis, materia prima und Stein der Weisen … Die Begriffe der Alchemisten bedeuten nicht was sie auf den ersten Blick scheinen und gaben somit wohl Anlass für unverdienten Spott und Häme. Unerklärlich bleibt den meisten die ‚dunkle‘ Sprache:

„So wisset denn, dass das Ding allen Menschen, jung und alt, bekannt ist. Man bekommt es in Feldern, Bergen, Dörfern, Städten, und niemand achtet sein. Arme und reiche haben es; oft wird es von Frauen und Mädchen auf die Straße geworfen, auch gehen sie am meisten damit um. Desgleichen spielen die Kinder auf der Straße damit. Ist aber dennoch das kostbarste nach des Menschen Seele, das schönste, dazu das schlimmste und verachteteste Ding auf der ganzen Welt, von allen Menschen verstoßen und verworfen; dennoch so gut, dass es nicht zu bezahlen, wenn es verarbeitet worden."

Mineralis, Vegetabilis, Animalis

Wer schon einmal einen Rotwein verkostet hat, aus welchem man den mineralischen Boden herausschmecken konnte, hat eine Ahnung davon wie der mineralische Gehalt des Steins, der Erde wurde, durch die Wurzeln in den Rebstock, und über die Trauben letztendlich zu unserem Geschmackssinn wanderte.

Aufbauend darauf fällt es nicht schwer nachzuvollziehen wie der Mineraliengehalt über Wurzeln in das Gras wandert, welches das Tier frisst, dessen Fleisch wir essen. Somit nehmen wir also beim Verzehr tierischen Fleisches auch dessen Nahrungsgrundlage in uns auf: Die Pflanzen, die Erde (auch ihren Wassergehalt) und den Stein.

Das aus dieser Einsicht (auch) eine ganzheitliche Betrachtung der Themen Ökologie, Umweltschutz, Tierhaltung und Ernährung erwachsen kann, ist ein durchaus beabsichtigter Effekt.

Das All-Eine (en to pan – oder: omnia ab uno et in unum omnia) meint die Verbindung (und Einheit) von allem mit allem. Der Alchemie typische Begriffe wie Transfiguration oder Transformation sind anhand dieser einfachen Beispiele leichter zu erfassen.

Epilog

Aspiranten wie Adepten mögen persönlichen Gewinn aus der Reflektion der beiden Crowley-Tarotkarten ziehen: „Die Kunst“ (weißer Löwe, roter Adler) und „Die Liebenden“ (roter Löwe, weißer Adler).

"So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn." Matthias Claudius

Empfohlene Literatur

Theorie / Grundwissen

  • Geschichte der Alchemie, Karl Christoph Schmieder, 1832.
  • Die Alchemie, Dr. Gottlieb Latz, 1869.
  • Die königliche Kunst. Eine Geschichte der Alchemie, Federmann, Reinhard, 1964.
  • Alchemie, Helmut Gebelein, 1991.

Für Fortgeschrittene

  • Schmiede und Alchemisten (Original: Forgerons et alchimistes), Mircea Eliade, 1980.

Praxis

  • Blei zu Gold (Original: The Tower of Alchemy), David Goddard, 1999.

Siehe auch


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