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Traktat: Die Gründung der ersten Großloge der Freimaurer, Deutschland 1250

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Die Gründung der ersten Großloge der Freimaurer, Deutschland 1250

Von Br.: Henning A. Klövekorn, Übersetzung: Br M.P.

Kapitel 5.7 des Buchs „The 99° of Freemasonry: Turning the Solomon Key“ (Die 99 Grade der Freimaurerei: Die Drehung des salomonischen Schlüssels). Reproduziert mit Erlaubnis des Autors. Henning A. Klövekorn.

Mit Verbreitung des Christentums durch ganz Deutschland und der Anforderung an römische Bischöfe, Kathedralen zu errichten, blühten maurerische Akademien in Deutschland auf. Unter der Bezeichnung „Steinmetze“ errichteten diese Maurerbruderschaften Kirchen und Kathedralen in ganz Kontinentaleuropa. Diese umfassten Steinmaurer, Steinhauer und Steinmetze, die mit kunstvollen Bildhauerarbeiten befasst waren. Bauhütten, die neben den Baustellen errichtet wurden, fungierten als Werkstätten, Architekturbüros und Schlafquartiere gleichermaßen.

Eine der frühesten Aufzeichnungen einer solchen Bauhütte findet sich in der deutschen Stadt Hirschau (heute Hirsau) im heutigen Baden-Württemberg. Diese im späten 11. Jahrhundert in Hirschau errichteten Bauhütten arbeiteten unter dem Benediktinerorden in Deutschland und waren die ersten, die den gotischen Architekturstil entwarfen.

Schon 1149 entstanden deutsche Steinmetzzünfte in Magdeburg, Würzburg, Speyer und Straßburg. 1250 wurde im Zuge des Großprojektes Kölner Dom die erste Freimaurergroßloge in Köln gegründet.

Die erste maurerische Zusammenkunft („Masonic congress“) datiert in das Jahr 1275 und fand in Straßburg statt. Sie wurde ausgerichtet durch den Großmeister Erwin von Steinbach. Dies ist auch die erste verbriefte Verwendung der freimaurerischen Symbole Winkelmaß und Zirkel. Während Straßburg als die vornehmliche Freimaurergroßloge galt, gab es zum damaligen Zeitpunkt bereits weitere, in Wien, Bern und dem oben erwähnten Köln. Sie wurden als „Oberhütten“ bezeichnet. Straßburg erlebte weitere maurerische Zusammenkünfte, u.a. in den Jahren 1498 und 1563. Aus dieser Zeit stammt das Wappen der Maurer von Deutschland, welches vier Zirkel in Form eines heidnischen Sonnensymbols, der Swastika/Hakenkreuz, also dem arischen Sonnenrad, zeigt. Das Wappen führt ebenfalls den Evangelisten Johannes als Schutzheiligen der deutschen Maurer an. Die Oberhütte Köln und ihr Großmeister galten als Oberhaupt der Bauhütten Oberdeutschlands („upper Germany“). Der Großmeister der damals deutschen Stadt Straßburg hingegen war das Oberhaupt der Bauhütten Niederdeutschlands, Frankens, Bayerns, Hessens und der französischen Kernlande („main areas of France“).

Die deutschen Großlogen wurden unterstützt durch die Kirche und die Monarchie. Kaiser Maximilian übte die Schirmherrschaft über die Zusammenkunft in Straßburg 1275 aus und erklärte sich zum Protektor des maurerischen Handwerks. Zwischen 1276 und 1281 wurde König Rudolf I von Habsburg Mitglied der Bauhütte von St. Stephan. Er war eines der ersten nicht-operativen Mitglieder einer Bauhütte, die auch als „freie“ oder „spekulative“ Mitglieder bezeichnet wurden. Der Status der Maurer in Europa wurde 1459 durch die Zusammenkunft von Ratisbonne (Regensburg), den Reichstag, erneuert. Dieser Erneuerung vorausgegangen war Vorarbeit, die sieben Jahre früher in Straßburg stattgefunden hatte [ii]. Die Neuerung hielt fest, dass fremde Brüder vor ihrer Annahme in die Bauhütten nach einem etablierten, anscheinend international bzw. europaweit gültigen Begrüßungszeremoniell getestet werden sollten.

Die erste größere Versammlung von europäischen Maurern fand im Jahr 1535 in Köln statt. Der Bischof von Köln, Hermann V., hatte 19 Bauhütten versammelt um die auf Lateinisch verfasste Satzung von Köln („Charter of Cologne“) zu erlassen. Die erste Maurergroßlogen aus Köln, Straßburg, Wien, Magdeburg und Zürich waren damaligem Brauch entsprechend ebenfalls anwesend. Die Große Mutterloge von Köln und ihr Großmeister galten inzwischen/nun als vornehmliche/oberste Großloge Europas. Nach Erfindung der Buchpresse versammelten sich die Steinmetze Deutschlands in Ratisbonne im Jahr 1464, um die „Ordnung der Steinmetzen“ zu drucken. Dieses Regelwerk wurde durch nachfolgende Kaiser wie Karl V. und Ferdinand genehmigt und legitimiert.

Der deutsche Mönch Martin Luther und sein Protest gegen die Ungerechtigkeiten und die Heuchelei der katholischen Kirche, hatte ab 1517 die Entstehung der protestantischen Kirchen zur Folge. Dies hatte auch eine liberalisierende Wirkung („liberalised“) auf die Bauhütten der Zeit. Das Straßburger Münster wurde 1525 evangelisch-lutherisch und viele weitere folgten.

1563 wurden die „Anordnungen und Artikel der Bruderschaft der Steinmetze“ („Ordinances and Articles of the Fraternity of Stonemasons“) in der Straßburger Loge am St. Michaels-Tag erneuert. Diese Regularien weisen drei wichtige Verbindungen zur modernen Freimaurerei auf. Erstens wurden Lehrlinge als ‚frei‘ bezeichnet, sobald sie den Dienst für ihren Meister vollendet hatten, was zweifellos der Ursprung des Wortes „Freimaurer“ ist. Zweitens zeigt sich der brüderliche Geist der Logen in einer Reihe von Vorschriften und Regularien, wie der Krankenpflege oder der Praxis, einen Bruder kostenlos zu unterrichten, wie es in Artikel 14 festgelegt war. Drittens benutzten die Freimaurer einen geheimen Griff um sich einander zu erkennen zu geben.

Zwei Artikel des Dokuments, die auf diese drei Aspekte hinweisen, sind: „Kein Meister soll einem Gesellen („Fellow“) irgendetwas gegen Geld lehren. XIV. Und kein Mitglied des Handwerks oder Meister soll von einem Kollegen Geld annehmen, für die Unterweisung in irgendetwas mit Bezug auf die Maurerei. Ebenso soll kein Aufseher („Warden“) oder Gesellen („Fellow“) irgendjemanden sonst gegen Geld unterweisen. Sollte jedoch einer lehren und unterrichten wollen, so darf er dies tun, im fairen Tausch (>hier übersetze ich sehr frei: „one piece for the other“; könnte auch anders gemeint sein), um der Kollegialität willen oder um seinem Meister dadurch zu dienen.

LIV. In erster Linie soll jeder Lehrling nach seiner Lehrzeit, wenn er freigesprochen wird, bei Wahrheit und Ehre unter Eid und unter Androhung, sein Recht Maurerei zu betreiben zu verlieren, schwören, dass er den Maurergruß und den Griff niemandem verraten oder mitteilen werde, außer denjenigen, denen er rechtmäßig ihn mitzuteilen erlaubt ist; und außerdem wird er nicht darüber schreiben.“ [iii]

Die Straßburger Anordnungen legten fest, dass der Eintritt in die Bruderschaft aus freiem Willen stattzufinden habe und lässt eindeutig auf die drei Grade Lehrling, Geselle und Meister in der deutschen Maurerbruderschaft schließen. Ein Schwur wurde abverlangt und die Maurer trafen sich in „Kappiteln“. Die Anordnungen instruieren weiterhin Maurer, ihre Geheimnisse nicht an Nichtmaurer weiterzugeben.

Dass deutsche oder teutonische Bauhütten und Großlogen schon vor Gründung der englischen Großloge 1717 existierten ist eindeutig, ebenso wie ihre Verwendung geheimer Griffe, die Verwendung des Begriffs „frei“ und ihre Annahme von nicht-operativen Mitgliedern. Die Verwendung von Allegorien und vielschichtigen Symbolen, welche die Freimaurerei so einzigartig machen, ist ebenfalls nachweisbar in den deutschen Logen der damaligen Zeit, wie Steinreliefs und andere bauliche Bestandteile der Kirchen und Abteien zeigen, die von ihnen erbaut wurden.

Von der Webseite www.klovekorn.com

„The 99° of Freemasonry“ geht von der Theorie aus, dass die Wurzeln der modernen Freimaurerei nicht in den Tempelrittern oder englischer Freimaurerei zu suchen sind, sondern in den Dombauhütten Deutschlands liegen, welche wiederum ihr Wissen von früheren Maurerorganisationen hatten. Diese Behauptung wird von sieben hauptsächlichen Belegstücken getragen:

1. Das Regius Manuskript, der älteste (glaubwürdige) überlebende masonische Text in Großbritannien erzählt von vier gekrönten Märtyrern, welche eindeutig auf eine Maurerlegende aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zurück geht.

2. Die älteste verzeichnete Verwendung von Winkelmaß und Zirkel (den Zeichen der Bruderschaft der Freimaurer) auf dem Wappen der deutschen Maurervereinigungen.

3. Die Existenz hochgradig organisierter maurerischer Vererinigungen (die Steinmetze) in Deutschland im 13. Jh., so z.B. die Oberhütten von Straßburg und Köln, und weitere untergeordnete Bauhütten, welche nicht nur Stein bearbeiteten sondern auch allegorische Lehren innerhalb ihrer Zünfte weitergaben.

4. Die Wahl eines Großmeisters der Maurer im 13. Jh. und die Etablierung der Grade Lehrling, Geselle und Meister in Deutschland im 12. Jh. und früher.

5. Das Vorhandensein gedruckter Statuten und Regeln maurerischer Vereinigungen in Deutschland, bevor ähnliches in Großbritannien existiert.

6. Die Aufnahme nicht-operativer (oder spekulativer) Mitglieder, wie König Rudolf I., in Bauhütten im Deutschland des 13. Jh.

7. Der früheste Beleg für eine großflächig gültige geheime Form der gegenseitigen Prüfung durch Gruß und Griff.

„The 99° Freemasonry“ analysiert außerdem die Verwendung von Winkelmaß und Zirkel als allegorisch-ethische Symbole der Maurerei in Kunstwerken der deutschen Kultur des fraglichen Zeitraums – weiterer Beleg für den Einfluss und die Verbreitung masonischer Philosophie in der deutschen und kontinentaleuropäischen Kultur dieser Epoche.

Während viele Freimaurer darauf ‚konditioniert‘ wurden zu glauben, dass die Ursprünge der Freimaurerei aus England oder Schottland stammen, da die großen modernen freimaurerischen Organisationen geographisch dort verwurzelt sind, wirft „the 99° Freemasonry“ neues Licht auf die Geschichte der Freimaurerei und hält die Leser dazu an, hofft sie inspirieren zu können, Kontinentaleuropa als Ursprung der Freimaurerei zu verstehen.

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