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Traktat: Die freimaurerische Einigung in Deutschland

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Inhaltsverzeichnis

Traktat: Die freimaurerische Einigung in Deutschland

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Der lange Weg zur Einheit

Die Freimaurer waren in Deutschland über Jahrhunderte ein Spiegelbild der deutschen Kleinstaaterei: zersplittert und oft zerstritten. Erst seit drei Jahrzehnten sind sie unter einem Dach vereint: Vereinigte Großlogen von Deutschland (VGLvD); die Vielfalt blieb.

Eine Übersicht von Rudi Rabe in Kooperation mit dem deutschen Großmeister Rüdiger Templin für ZEIT&MASS, das Mitgliedermagazin der Großloge von Österreich.

Die Zerrissenheit hielt auch an, nachdem sich die deutschen Teilstaaten 1871 zum Kaiserreich vereinigt hatten. Zwar wurde ein Großlogenbund mit acht Großlogen gegründet, er hatte jedoch keine Bedeutung.

Um die Zersplitterung anschaulich zu machen, hier die Namen dieser acht Großlogen: zuerst die drei sogenannten Altpreußischen in Berlin, nämlich die Große National-Mutterloge ‚Zu den drei Weltkugeln‘, die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland und die Große Loge von Preußen genannt Royal York zur Freundschaft; dann in Dresden die Große Landesloge von Sachsen, in Bayreuth die Großloge zur Sonne, in Darmstadt die Große Freimaurerloge ‚Zur Eintracht‘, in Frankfurt am Main die Große Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes und im Norden die Große Loge von Hamburg.

Nach 1918: Die Kette reißt

Die Politiker und Freimaurer Gustav Stresemann und Aristide Briand (links und rechts vom britischen Außenminister Austen Chamberlain) bemühten sich in den Zwanzigern um eine Aussöhnung von Deutschland und Frankreich: 1926 Friedensnobelpreis. Von vielen Deutschen wurde Stresemann dafür angefeindet: auch von nationalistischen Freimaurern.

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Großlogenbund entlang innerer ideologischer Grenzen: Die drei altpreußischen Großlogen traten aus, weitere folgten, und die in Leipzig neugegründete Großloge ‚Deutsche Bruderkette‘ trat gar nicht ein.

Der Riss machte Unterschiede deutlich, die es schon gab, die sich aber nach dem verlorenen Krieg und der politischen Radikalisierung verschärften. Er teilte die Logen in zwei Gruppen: In die Mehrheit, die immer nationalistischer und isolationistischer wurde; Kontakte ins Ausland mit den Logen der „Feindstaaten“ lehnte sie ab, auch die Beziehungen zur humanitär-pazifistischen Großloge in Österreich wurden schließlich abgebrochen. Und in die humanitär-kosmopolitische Minderheit. Dazu gehörte dann auch die 1930 mit Wiener Hilfe gegründete Symbolische Großloge.

80.000 Brüder in 600 Logen und 10 Großlogen mit wenig bis keiner Bindung untereinander waren betroffen, als die Nazis die deutsche Freimaurerei von 1933 bis 1935 strangulierten und für mehr als ein Jahrzehnt auslöschten.

Nach 1933: Die nationalistische Mehrheit biedert sich an

In ihrer Verblendung verkannten mehrere Großlogen die Gefahr, die von Hitler ausging. Eine der Ausnahmen war die Symbolische Großloge: Sie übersiedelte nach Palästina. Anders die ideologisch kontaminierte Mehrheit: Diese biederte sich den Nazis bis zur Selbstverleugnung an.

Beispiel ‚Große Landesloge‘: Ab 1933 nannte sie sich ‚Deutsch-Christlicher Orden‘. Die Schurze wurden abgeschafft, alttestamentarische Ritualteile gestrichen und die Hiramslegende durch die Baldursage ersetzt. Juden waren in der deutschen Freimaurergeschichte ohnehin immer wieder ausgeschlossen, jetzt wurden ganz offiziell der Arierparagraph der Nazis übernommen und das Führerprinzip eingeführt.

Es half alles nichts: Die Ausschreitungen der SA gegen die Logen hielten an, der Druck des Regimes nahm zu. 1935 verlöschten die letzten Lichter. Aus. Vier Jahre später: Krieg.

Nach 1945: Neuanfang in Ruinen, im Osten weiter Verbot

Heute gibt es in Deutschland fünf Großlogen. Diese haben sich zu den Vereinigten Großlogen (VGLvD) zusammen geschlossen. Der folgende kursiv gestellte Text ist Teil eines Traktats, das der Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland (VGLvD), Rüdiger Templin, für ZEIT&MASS geschrieben hat. Darin schildert er, wie sich die deutsche Freimaurerei ab 1918 entwickelt hat. Langfassung: Traktat: Über die Schwierigkeit der Einigung in Deutschland von Rüdiger Templin. Hier die Zeit nach 1945:

Bereits wenige Monate nach Kriegsende begann in den Westzonen des nun geteilten Deutschlands der zaghafte Neuanfang der Freimaurerei mit der Reaktivierung von Logen. Die administrative Leitung des in Chaos versunkenen Deutschland lag in den Händen der vier Besatzungsmächte. Besonders in den völlig zerstörten Ballungsgebieten und Großstädten stand Wichtigeres auf der Tagesordnung, als die Sorge um den Fortbestand der deutschen Freimaurerei. Dennoch versuchten bereits 1945 einige überlebende Brüder Freimaurer-Strukturen zu ordnen und zu reaktivieren.'

Diesem Bemühen stand in den westlichen Besatzungszonen zunächst das ausdrückliche Verbot zu Landes-übergreifenden Strukturen entgegen. So hatte z.B. im Nordwesten Deutschlands die britische Militärregierung im Mai 1945 in Hamburg die Veranstaltung eines Johannis-Festes mit maximal 20 Teilnehmern gestattet, jedoch die Anfertigung eines Protokolls zur Auflage gemacht.

Anders verlief die Entwicklung im Osten während der sowjetischen Besatzung und in der DDR über fast 60 Jahre, d.h. freimaurerische Dunkelheit über mehr als zwei menschliche Generationen! Die nicht zerstörten Logenhäuser wurden nun von Parteiverwaltungen der SED und Institutionen der sich bildenden sozialistischen Einheitsgesellschaft oder Universitäten genutzt, wie dies auch während des NS-Regimes geschehen war. Es war kein Platz für die Freimaurerei in dieser, wie in der vergangenen Gesellschaftsform.

Wenn die Freimaurerei überhaupt noch erwähnt wurde, so bezeichnete man sie als Relikt der untergegangenen bürgerlichen Gesellschaft, die sich überlebt habe. Die Folgen des Zweiten Weltkrieges und der Diktatur des Proletariates stalinistischer Prägung verhinderten im Osten unseres Vaterlandes eine Hinwendung, insbesondere der jungen Generation, zu einem freimaurerischen Gedankengut. An eine Zulassung der Freimaurerei in ihrer Tradition, wie sie uns seit 1717 bekannt ist, war also nicht zu denken.

Die Entwicklung des Deutschen Modells VGLvD

Die Paulskirche in Frankfurt am Main beim Wiederaufbau: Hier wurde 1949 die AFAM gegründet. In der Paulskirche hatte 1848 die erste deutsche Nationalversammlung getagt: unter Vorsitz des Habsburgers Erzherzog Johann

Die Gründung der Bundesgroßloge von Deutschland Zu den Alten Pflichten im November 1945 hatte keine Zukunft. Sie existierte wegen des Verbotes der westlichen Militärregierungen nur knapp zwei Jahre. Dieser Versuch der Brüder kann aber als der Vorläufer zur späteren erfolgreichen Einigung der deutschen Freimaurerei, die in der Paulskirche in Frankfurt am Main im Mai 1958 durch Bruder Theodor Vogel zur Vereinigten Großloge von Deutschland, der VGLvD erfolgte, angesehen werden.

Auf der Großmeisterversammlung beschloss der Großmeister-Verein 1948 in seiner Präambel, dass die deutsche Freimaurerei sich als ein Teil der Weltbruderkette betrachtet, ein Novum in der jüngeren freimaurerischen deutschen Geschichte und ein Signal der Abkehr von der bisher geübten isolatorischen und nationalen Haltung für die Brüder im Ausland. Dies hatte den Durchbruch in der Haltung der Brüder zur Folge, die am 19.6.1949 in der Frankfurter Paulskirche sich unter der Hammerführung des ersten Großmeisters Theodor Vogel zur Vereinigten Großloge AFuAM von Deutschland zusammen schlossen. Ihr gehörten zunächst 163 Logen an. Die beiden alten Großlogen Große National-Mutterloge und Große Landesloge existierten jedoch zunächst weiter.

Wegen des besonderen politischen Status in Berlin war hier eine gesonderte Lösung zu finden. Daher gründete die GL Royal York mit ihren und den früher zur Großen Loge von Hamburg gehörenden Berliner Logen die Vereinigte Großloge in Berlin. Diese traten 1954 der in Frankfurt gegründeten AFuAM bei. Nachdem im gleichen Jahr die Große Landesloge in einer Erklärung kein Trennendes zwischen christlichen und humanitären Systemen mehr sah und der Druck aus Skandinavien und der Vereinigten Großloge von England spürbar erhöht wurde, fanden sich alle Gesprächspartner auf der GM-Konferenz in London am 14.6.1957 zu einigenden Verhandlungen ein. Vorbereitend zum ersten Konvent in Berlin verabschiedeten daraufhin am 17.5.1958 die AFuAM und die Große Landesloge eine Magna Charta als Grundlage für eine gemeinsame Zukunft unter dem Dach einer gemeinsamen Organisation, den ‚Vereinigten Großlogen von Deutschland – Bruderschaft der Freimaurer‘.

Eine Regelung brüderlicher Vernunft

Am 14.9.1958 fand diese historische Vereinigung auf dem ersten Konvent in Berlin statt und hat bis heute Bestand. Nach weiteren 12 Jahren schlossen sich die Reste der Großen National-Mutterloge und die zwei auf deutschem Boden arbeitenden Provinzial-Großlogen der westlichen Streitkräfte an.

Eines von vielen deutschen Logenhäusern: das Hamburger in der Moorweidenstraße. Es gilt als „das Stattlichste“. Baujahr 1909. Logenhaus Moorweidenstraße Hamburg

Auf dem alle 3 Jahre abgehaltenen Konvent wird der GM der VGLvD gewählt, wobei nur eine Wiederwahl möglich ist, der Senat Vorschlagsrecht für einen Kandidaten hat und der neu zu wählende GM alternierend aus den Mitglieds-GLL wechselt. Die wesentlichen Aufgaben dieses Amtes sind die souveräne Vertretung aller deutschen Freimaurer gegenüber dem Ausland und der Öffentlichkeit, die Förderung der Einheit der Freimaurerei und der freimaurerischen Forschung. Die GLL-internen Angelegenheiten bleiben das souveräne Arbeitsgebiet der Mitglieds-GLL einschließlich ritueller Belange und eigener Öffentlichkeitsarbeit in ihren Wirkungsbereich.

So ist unter schwersten Bedingungen im Westen Deutschlands ein Wiederbeginn mit vielen Mühen und Opfern möglich geworden, der sich bisher als ein stabiler status quo im wiedervereinigten Deutschland und anderen Ländern als ein Beispiel für (Ver-)Einigungsbestrebungen anbietet, wenn Probleme zur Überwindung einer Spaltung einer Lösung bedürfen.

Soweit Rüdiger Templin. Langfassung: Traktat: Über die Schwierigkeit der Einigung in Deutschland

Derzeitiger Stand in Deutschland (2012)

Die Vereinigten Großlogen (VGLvD) vertreten 14.000 Brüder in drei deutschsprachigen und in zwei englischsprachigen Großlogen:

Das Vergissmeinnicht: Nach dem Ersten Weltkrieg ein Abzeichen der Großloge 'Zur Sonne'; heute wird es im Ausland als deutsches Freimaurer-Emblem verstanden.
Nachdenk-Foto von Br Jörn Lindhorst-Moll
  • GLL/FO: Große Landesloge der Freimaurer/Freimaurer-Orden:
    3500/99. Christliche Richtung (Christus als Obermeister). Nach schwedischem Vorbild bis zu sieben zusätzliche Grade (Andreas- und Kapitelgrade).
    Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland
  • 3WK: Große National-Mutterloge ‚Zu den drei Weltkugeln‘:
    800/38; war vor 1933 die stärkste Großloge. Christliche Tradition wird nicht mehr betont, alt-preußische Tugenden schon; vier zusätzliche Grade möglich.
    Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“


Siehe auch


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