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Traktat: Freimaurerei, Brüderlichkeit und die profane Welt

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„Freimaurerei, Brüderlichkeit und die profane Welt – kein Gegensatz“

Distriktmeister Thomas Stuwe


„Das Glück hat sich nicht vermehrt. Der Individualismus hat den Menschen bestenfalls das Ideal der Selbstverwirklichung zu bieten. Doch diese neue Religion hat versagt. Wenn wir aber glücklich leben wollen, dann brauchen wir ein gemeinsames Ziel, ein gemeinsames Gut.“ schreibt der britische Ökonom Richard Layard.

Warum sollen sich nicht andere Wege finden lassen?

Ein gutes Zusammenleben einer jeden Gemeinschaft beruht unter anderem auf Loyalität und Brüderlichkeit, ja Freundschaft.

„Der Mensch hat nichts so eigen, so wohl steht ihm nichts an, als das er Treu erzeigen und Freundschaft halten kann; wann er mit seinesgleichen soll treten in ein Band, verspricht, sich nicht zu weichen mit Herzen, Mund und Hand“

heißt es in der ersten Strophe aus „Fest hält der Freundschaft ewig heilig Band“ von Simon Dach.

Deshalb habe ich mich entschlossen diese Zeichnung unter die Überschrift „Freimaurerei, Brüderlichkeit und die profane Welt – kein Gegensatz“ zu stellen. In meinem Manuskript habe ich bewusst auf ein Fragezeichen am Satzende verzichtet. Wohl wissend, dass ein anderer Bruder mit anderen Gedanken und Argumenten dieses geradezu verlangen müßte.

Wie könnte das gelingen Freimaurerei, Brüderlichkeit und die profanen Welt in Einklang zu bringen? Ganz einfach: es werden die Talente und Bereitschaft eines jeden einzelnen Bruders ausreichen – ausreichend sein müssen.

Die Verfassung der Schweizerischen Großloge Alpina sagt:

„Im Wissen, dass alle Menschen, so verschieden ihre Gaben und ihre Verhältnisse auch sein mögen, als gleichberechtigte Wesen geboren sind, erachten die Freimaurer es als ihre Pflicht, brüderliche Gesinnung unter sich und gegenüber ihren Mitmenschen zu erwecken und zu betätigen. Die einzelnen Mitglieder sollen die Menschenrechte respektieren, sich in Betätigung maurerischer Grundsätze an den öffentlichen Angelegenheiten beteiligen und dabei so handeln, wie es nach ihrer innersten Überzeugung für das Wohl und das Gedeihen des Vaterlandes am besten ist.

Und bei Friedrich Ludwig Schröder – dessen Todestag sich Morgen zum 197. Male jähren wird – heißt es im Original der Erklärung der Aufnahme:

„So wenig wie der Weise deswegen, weil keine Tugend auf der Welt vollkommen ist, die Tugend für ein Unding erklären, sondern wie er vielmehr das höchste Ideal derselben beständig vor Augen haben und nach ihm streben wird; so sollen auch wir alles anwenden, um die großen Zwecke der Gesellschaft zu erreichen“. Das ist nicht einfach.

Denn: „Wann immer jemand auf eine Idee kommt, die das Leben verbessern, bereichern, erleichtern könnte, schreit die Masse kniereflexartig: Gefahr! Von der Glühbirne bis zum Buch, vom Velo bis zum Radio:

Die Geschichte des Neuen ist eine Geschichte der Furcht davor.

Vielleicht dürfen wir Maurer da etwas beherzter sein. Obwohl oder gerade weil unsere Ideale so scheinbar gar nicht in die aktuelle Welt passen bzw. auch nur mit großer Beharrlichkeit und in vermeintlich geringem Maße umsetzbar wirken. Eine Aussage in einer freimaurerischen Festschrift hat mir vermutlich auch deshalb gut gefallen, weil sie ermutigend Rat gibt:

„Je näher die Thematik an die realen Bedingungen der Gesellschaft rückt, desto wichtiger ist der Dialog zwischen den Brüdern. Wohl wissend, dass jeder geschriebene Satz nur Theorie ist, hoffen wir auf die Aktivität des Einzelnen, die Gesellschaft durch die Tat zu verändern.“

Denn, „Sicherlich kann die Freimaurerei zeitgemäß gelebt werden, Lösungsansätze für gesellschaftliche Probleme kann sie aber nicht bieten. Das kann nur der einzelne Freimaurer.... In brüderlichem Miteinander kann er darauf hinarbeiten, praktische Umsetzungsmöglichkeiten zu entwickeln.“ schrieb einst ein Bruder nieder.

Unser Gelöbnis fordert uns ja unter anderem auf „mich der Humanität aus vollem Herzen und mit ganzer Pflicht zu widmen“. Unsere vielfältigen humanitären und weiteren Einrichtungen sind eine gute und nahe liegende Möglichkeit des Engagements. Aber auch nichtfreimaurerische Vereinigungen bieten sich an.

Ein V5-Bruder hat in einer Zeichnung auf frühere Nachfragen zu seinem politischen Engagement das bis zur Bundestagskandidatur führte, uns hier im Logensaal einmal seine Antwort in Erinnerung gerufen: Dass er eben nicht gedenkt die Loge mit seiner politischen Couleur anzustreichen, vielmehr es sein Wunsch sei, seine politischen Weggefährten blau anzustreichen.

Das paßt doch ganz prima zu dem ebenfalls animierenden Satz unseres Großlogenrituals „geht hinaus in die Welt und bewährt Euch als Freimaurer“.

Unsere vermittelnden Fähigkeiten brauchen wir dabei gar nicht unterschlagen. Beziehungen des gegenseitige Vertrauens und der gegenseitigen Unterstützung sind nichts Schlechtes.


Wir dürfen schon klar machen, dass unsere Maximen gut für die Gemeinschaft aller Menschen sind. Und auch, dass jeder dazu beitragen kann und hierzu eingeladen ist.


Ich denke dabei keineswegs an einen autoritären Ton mit dem wir unseren Standpunkt vertreten, aber an einen mit Autorität ausgesprochenen und daher selbstverständlich von uns auch persönlich zu beweisenden Anspruch. Dabei ist niemand ist so schwach, dass er nicht für andere eine Bereicherung sein kann. Und niemand ist so stark, dass er andere nicht braucht.

Lessing sagt in Ernst und Falk: „Maurer ist jeder, der sein eigenes Leben ausbaut, indem er zur Vollendung des Kunstwerks des ganzen Menschheitslebens beitragen könne. Zum Besten der Menschheit kann niemand beitragen, der nicht aus sich selbst macht, was aus ihm werden kann.“

Bei allem gilt: Autorität braucht Zeit. Sie ist ein Kind der Langsamkeit. Wir haben nicht nur die Möglichkeit unser Gedankengut, sondern auch die lebendige Tat der Öffentlichkeit stärker bewusst zu machen, wenn wir nur loslegen. Soviel kann gar nicht schief gehen. Wir können zeigen, daß es nicht darum geht alles völlig anders anzugehen. Aber wir können darauf aufmerksam machen, dass vieles sehr gut miteinander verbunden werden kann – auch gemeinsam mit und in der profanen Welt. Die Amtszeiten von Br. Bernd Brauer sind dafür eindrucksvoller Beweis.

Ist es aber nicht angemessen, diejenigen, die durchaus könnten an ihre Möglichkeiten zu erinnern und Mut zu machen? Damit jeder tut, was er kann. Das ist alles nicht neu, aber eine Bekräftigung und Ermutigung darf es zu Beginn des Maurerjahres wohl schon sein. Brüder die heute zu Recht hier im Mittelpunkt stehen (werden) haben diese Beweise angetreten und sind uns Ansporn. Vielleicht lässt sich sogar die berühmte Selbstverwirklichung auf diese Weise erreichen. Nur halt anders.

Laßt uns diese Gedanken eine Anregung sein, damit wir beim „laut Denken mit dem Freunde“ gemeinsam der Ritualpassage in diesem Jahr ein weiteres Stück näher kommen:

„…damit alle den segensreichen Einfluß der Maurerei erkennen können, wie ihn alle wahren Maurer erkannt haben von Beginn der Welt und erkennen werden bis ans Ende der Zeiten.“

Ich wünsche es uns und auch mir.


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