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Traktat: Freimaurerei im Hier und Jetzt

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Freimaurerei im Hier und Jetzt

Vortrag von Peter Hofmann, gehalten in der Freimaurerloge „Zur Wahrheit und Treue“ in Neuwied am 08.12.2014

Ich freue mich, dass ich heute Abend hier vor Ihnen stehen kann und über „Freimaurerei im Hier und Jetzt“ plaudern darf. Warum ich mich freue? Nun, es beweist immerhin, dass ich zum einen Hier und Jetzt bin, also noch am Leben teilnehmen kann und der Planet auf dem wir Alle leben noch so existiert, dass wir darauf leben können.

Ich habe mir natürlich am Anfang so meine Gedanken gemacht. Hier und Jetzt, habe ich mir gedacht: Das ist ziemlich viel! Freimaurerei: Ist auch viel! Und so lief die Zeit vor sich hin, bis ich jetzt hier vor Ihnen stehe und sie vor mir sitzen und etwas über Freimaurerei im Hier und Jetzt erfahren möchten. Interessant ist, dass man Gefühle nur im Hier und Jetzt erleben kann. Gefühle kann man gar nicht gestern oder morgen haben. Das geht nur in der Gegenwart. Das ist so, wie der Titel: Freimaurerei im Hier und Jetzt! Freimaurerei kann man auch nur Hier und Jetzt praktizieren. Und wenn Sie jetzt genug von Hier und Jetzt haben, sind Sie Hier und Jetzt angekommen!

Ich schlage vor, wir gestalten den Abend gemeinsam: Erst erzähle ich Ihnen etwas über meine Gedanken, die mich hierhin geführt haben und anschließend sprechen wir über das Thema. Ich erzähle Ihnen erst die Geschichte dieses Vortrages und anschließend können Sie Fragen stellen, oder wenn Sie mögen, einfach Ihre Antworten zum Thema einbringen. Ich hoffe, Sie sind alle damit einverstanden!
Beginnen wir mit der Freimaurerei. Freimaurerei wurde in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder unterschiedlich - sowohl historisch als auch geographisch - gewertet. Diese Wertung reicht vom Weltverschwörer bis zum Heiligen und vom Teufelsanbeter bis zum Naturwissenschaftler.
Sie werden verstehen, dass diese Thematik nicht für einen Abend, sondern für ein ganzes Leben reichen könnte und ich sie deshalb vorerst einfach links liegen lasse. Ich lasse also die Nachwelt werten und versuche, Ihnen eine Utopie näher zu bringen, die man auch heute noch zeitgemäß betrachten und mit Leben füllen kann.

Da die Freimaurerei ein offenes System ist, geht es in der Freimaurerei immer um dieses „kann“. Einen Anspruch auf die allein gültige Wahrheit hat in der Freimaurerei niemand. In der Freimaurerei geht es ohnehin mehr um das Können als um das Wissen oder eigentlich darum, das Wissen ins Leben zu bringen; das Wissen mit Leben zu füllen anstelle das Leben mit Wissen. Das reine menschliche Potential reicht nicht aus, die Intelligenz eines Menschen reicht nicht, wenn sie nicht auch eine gute Tat zur Folge hat.

Vorab versuche ich mich an einer Definition: Freimaurerei ist ein ganzheitliches System zur Selbstkultivierung des Menschen mit dem Ziel eine sich selbst tragende Persönlichkeit zu schaffen, die selbstbestimmt eigenverantwortlich und souverän im eigenen Leben aktiv ist und vernünftig und mitmenschlich handelt.
Aber lassen Sie mich zurück zu der Geschichte dieses Vortrages kommen. Das Thema als solches ist nicht sonderlich schwierig, dachte ich mir. Also spreche ich ganz oberflächlich über das Thema und dann kommen wir zur Fragerunde und zum gemütlichen Abend. Hier und Jetzt bekommt man aus der Zeitung schnell geklärt. Ich schlug die Zeitung auf und suchte nach dem Hier und Jetzt. Ein paar Schlagzeilen möchte ich Ihnen einfach zusammenhangslos wiedergeben. Sie werden verstehen, dass ich als Mensch assoziiere und mir bei Schlagzeilen das ein oder andere einfällt. Und wenn es manchmal abstrus wird, macht nichts: Wir sind ja unter uns!

Ich las, „Apple verlor in wenigen Sekunden 40 Milliarden US-Dollar an Wert!“. Der Verlust ist größer als das Budget der Bundeswehr. Na ja, Gott sei Dank, geht es hierbei nicht um den Preis der Aktie! Es sind lediglich die Werte, die Apple verlor. Schuld daran waren ein paar Computer, die im Hochfrequenzhandel eingesetzt werden und innerhalb von Millisekunden Aufträge platzieren. Diese Aufträge schaukeln sich dann selbständig auf- oder abwärts. Eine vernünftige Ursache gibt es, abgesehen von ein paar programmierten Algorithmen, dabei nicht. Hoffentlich hat das nichts mit meinem Schicksal zu tun! Es würde mir nicht gefallen, wenn alles dem Zufall geschuldet wäre und mein Leben keine vernünftige Ursache hätte.

Millisekunden! Das hört sich so niedlich, so harmlos und unschuldig an! Milli bezeichnet etwas ziemlich Kleines. Etwas, was wir Menschen als Zeiteinheit gar nicht erleben können. Etwas, was so schnell ist, dass es sich unserer Wahrnehmung entzieht und eigentlich in unseren Augen gar nicht passiert ist. Erst da wird einem die Bedeutung von „Zeit ist Geld!“ klar. Je schneller etwas läuft, desto mehr Geld scheint es zu bringen. Ist sie nicht wundervoll, diese Schnelllebigkeit unserer Zeit?

Nur manchmal, gerade wenn überraschende Termine wie beispielsweise Weihnachten plötzlich vor der Tür stehen, kommt in mir der Gedanke auf, dass man eigentlich etwas ändern müsste. Geht Ihnen das auch so, dass Sie manchmal glauben, die Zeit verrinnt Ihnen zwischen den Fingern; dass Sie die Zeit gar nicht mehr schluckweise genießen können sondern sie wie aus Eimern auf Sie herabströmt? Ich könnte mir denken, dass Sie das so wie ich empfinden! Die Autos werden immer schneller und dennoch muss ich mich beeilen um pünktlich zu sein. Die Moderne Technik nimmt mir immer mehr Arbeiten ab und dennoch habe ich zu wenig Zeit. Die Heere an Waschmaschinen, Spülmaschinen und Staubsaugern sparen mir Zeit, die ich am Ende gar nicht habe. Je mehr Zeit ich zu sparen glaube, desto weniger Zeit habe ich in der Wirklichkeit.

Früher war das irgendwie anders. Ich erwartete ungeduldig Weihnachten – nicht nur wegen der Geschenke - sondern auch, weil wir Alle zusammen waren und uns gegenseitig zuhörten. Niemand versuchte Zeit zu sparen und doch hatten wir alle genug davon.


Der gesunde Menschenverstand sollte mir schon sagen, dass wenn ich den Inhalt meiner Geldbörse jeden Abend zur Bank bringe, ich am kommenden Morgen kein Geld für mein Frühstück in der Börse habe. Ich sollte also zur Bank gehen und mir mein Geld zurückholen. Vielleicht sollte ich manchmal zu meiner Zeitbank gehen und mir Zeit nehmen. Mir von meiner Zeit zurückholen, die ich mir mühsam gespart habe! Ich sollte mir überhaupt überlegen, wie viel Zeit ich nutzen und wie viel Zeit ich sparen möchte.

Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht, dass die Freimaurerei ein Symbol zum Thema Zeit hat. Es wird der 24-zöllige Maßstab genannt. Ich nehme mir vor, es irgendwie im Vortrag zu erwähnen und markiere mir Fett auf meinem Notizzettel: Zeit!

40 Milliarden Wertverlust für Apple. Schade!, denke ich. Schade, dass diese Presse nicht zwischen Wert und Preis unterscheiden kann. Gerade Freimaurer haben sich übrigens immer wieder für Werte stark gemacht. Denken wir beispielsweise an die Menschenrechte der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung zu Beginn der Aufklärung vor 300 Jahren oder auch an die Menschenrechtserklärung der UNO. Dort heißt es ganz klar: Die Würde des Menschen ist unantastbar!

Aber zurück zum Hier und Jetzt. Ich lese eine Seite weiter in der Zeitung: „José Mujica, genannt Pepe, der Präsident Uruguays, verzichtet auf 90 Prozent seiner Gage und gibt sich mit 800 Euro zufrieden. Der 78-jährige Ex-Guerrillero lebt auf einem Kleinbauernhof und nimmt sich kein Blatt vor den Mund.“

Ein mutiger Mann dieser Pepe!, denke ich. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und züchtet Blumen. Er scheint ein glücklicher Mensch zu sein! Seneca sagte einmal sinngemäß: „Wirklich arm ist der der viel braucht, denn er wird nie genug haben!“

Andererseits muss man das auch nicht zu eng sehen. Immerhin sind die erfolgreichsten Menschen unserer Zeit mit viel Geld ausgestattet. Geld regiert die Welt! Haste was Biste was! Medienpräsenz zeigt den Bürgern, wie gut es den Menschen gehen könnte. Immerhin kann hier bei uns jeder Multimillionär werden. Ja, jeder kann hier bei uns erfolgreich und wohlhabend sein – kleiner Wehrmutstropfen dabei: Jeder ja, Alle nein!

Mir fällt da eine nette Bemerkung von Warren Buffett ein. Herr Buffett besitzt ungefähr 65 Milliarden US Dollar und ist somit einer der erfolgreichsten Menschen unserer Tage. Er sagte: „Es herrscht Klassenkrieg richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen" - zitiert bei Jutta Ditfurth. Zeit des Zorns. http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13886

Vielleicht ist dieser Pepe gar nicht so erfolgreich! Immerhin hat er nur einen Kleinbauernhof und Herr Buffett kann sich von ihm Millionen von Blumen kaufen. Andererseits ist mir nicht klar, ob Pepe ihm überhaupt Blumen verkaufen würde. Warum soll man einem Menschen Blumen verkaufen, der Blumen überhaupt nicht wertschätzt sondern den Wert einer Sache nach seinem Preis bemisst?

Vielleicht ist es so: Dieser Pepe ist mutig und Warren Buffett ist erfolgreich! Gut, dass Uruguay und die USA so weit weg sind! Hier in Deutschland ticken die Uhren anders! Ich lese lieber weiter in der Zeitung! Forscher haben sich mit unserer Gesellschaft beschäftigt. Generell ist der Befund der Forscher, dass den Deutschen ihre Sicherheit lieber als ihre Freiheit ist. Das heißt: Nach wie vor befindet sich Freiheit damit im Hintertreffen gegenüber konkurrierenden Werten wie Sicherheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Tendenz weiter sinkend.“ Ich freue mich, dass Werte wie Gleichheit und Gerechtigkeit in Deutschland einen wichtigen Platz haben. Es sind immerhin auch Werte, die den Freimaurern wichtig sind.

Anderseits wird die Überwachung natürlich zunehmen müssen, wenn wir mehr Sicherheit haben wollen. Diese Überwachung ist Ausdruck einer Angst vor dem Verhalten der Anderen. Ich habe den Eindruck hier wird die gegenseitige Unterstützung und das gegenseitige Wohlwollen, das Gemeinschaft eigentlich erst möglich macht, aus unserer Gesellschaft verbannt. Es entsteht eine latente Verdachtskultur die die Mitglieder der Gesellschaft allesamt kriminalisiert und dauerhaft nach Schuldigen sucht. Wer unschuldig ist, werfe den ersten Stein! Wer kennt schon alle Gesetze und Paragraphen des BGB oder die Kilometer an Gesetzen, die die EU jedes Jahr neu produziert. Da niemand alle Gesetze kennt, gegen die man verstoßen könnte, ist Unschuld hier purer Zufall aber niemals Absicht. Was ist in diesem Zusammenhang Unschuld überhaupt noch wert?

Was wäre das Schlimmste was uns passieren könnte, wenn wir das Gegenüber nicht mehr überwachen würden; wenn wir dieser Verdachtskultur erst gar keinen Raum gäben? Wovor haben wir Angst?
Genau hier sollte unsere Gesellschaft genau hinschauen, ob sie nicht vielleicht die Gesellschaft ist, die sich selbst Angst erzeugt und in Folge dadurch Kranke produziert und dann zuletzt an der eigenen Angst scheitert!
Wenn wir so um uns schauen, sollten wir mehr Angst vor Macht- und Datenmissbrauch haben als vor den anderen Gesellschaftsteilnehmern! Wie oft haben wir es erlebt, dass Macht missbraucht wurde – sei es im häuslichen Bereich mit Gewalt und sexuellem Missbrauch wo ohnehin keine Überwachungskamera steht oder im staatlichen Bereich mit Krieg und Unterdrückung -, wie oft haben wir erlebt, dass Daten von Geheimdiensten für Kriege und Wirtschaftskriege geliefert wurden und wie oft wurden wir in unserem Land bis heute überfallen, weil eine Überwachung fehlte? Jeder Asylant in unserem Land zeigt uns, dass irgendwo anders Macht falsch angewandt wird – nicht zum Wohl der Gesellschaft sondern ganz im Gegenteil indem Macht Angst durch Terror und Gewalt verursacht.

Davor ist eine demokratische Gesellschaft wie unsere natürlich geschützt. Wir nehmen immerhin alle aktiv an der Demokratie teil und setzen uns auch ehrenamtlich und unentgeltlich für die Belange der Anderen Gesellschaftsteilnehmer ein. Also, wenn sie jetzt sagen, ich wäre ein Träumer und ein Utopist, wenn Sie jetzt sagen, dass das kein Mensch für den Anderen tut, dann sind wir uns sicherlich auch einig darüber, dass wir die Macht der Mächtigen viel eher überwachen müssten als unsere Mitmenschen. Denn unsere Mitmenschen kosten höchstens Geld, Machtmissbrauch der Macht hingegen unsere Würde und unser Leben! Überwachung kann niemals die Verantwortung des Einzelnen Menschen ersetzen. Die Antwort müsste eigentlich Zivilcourage heißen. Vielleicht sollten wir uns irgendwann zwischen diesem Pepe und diesem Buffett entscheiden. Ich hoffe, wir treffen eine gute Wahl! Immerhin, Buffett hat, wie erwähnt 65 Milliarden US Dollar. Diese Seite hat schon ein paar gewichtige Gründe Krieg und Klassenkampf zu führen! Die Kultur des Geldes hat was!<br / In Afrika gibt es so eine Art Kampfameisen. Eigentlich wälzen sie sich unaufhaltsam vorwärts. Nichts kann dieses Ameisenheer stoppen. Sie leben nicht in Hügeln oder Bauten. Sie folgen lediglich ihrem Instinkt und ihren Nahrungsquellen. Eine Ameise folgt der Vorhergehenden. Unaufhaltsam strömt die Masse vorwärts. Aber es gibt dennoch eine einzige Möglichkeit diese Ameisen aufzuhalten. Sie müssen die ersten dazu bringen, irgendwie in einem Bogen zu laufen und sich dem Ende anzuschließen. Die Ameisen laufen bis zu ihrem Tod im Kreis herum! Das Problem dieser Art ist, dass sie dem Geruch des Vordermannes folgen. Ich markiere fett auf meinem Notizzettel: Geld und Fondsanteile hinter mich werfen!

Sie kennen sicherlich alle Noam Chomsky. Chomsky ist einer der bekanntesten US-amerikanischen Sprachwissenschaftler (Linguisten) der Gegenwart, der – durch die Verbindung der Wissenschaftsdisziplinen Linguistik, Kognitionswissenschaften und Informatik – vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts starken Einfluss auf deren Entwicklung ausübte. Er sagte: „Die Mehrheit der gewöhnlichen Bevölkerung versteht nicht was wirklich geschieht. Und sie versteht noch nicht einmal, dass sie es nicht versteht!“

Vielleicht hat Chomsky recht! Dann müsste man sich gar nicht zwischen Pepe und Bufftet entscheiden sondern etwas anderes, eine andere Kultur leben. Vielleicht sollte man sich über unsere Kultur Gedanken machen. Jeder Kultur liegt ein Ur-Kult zugrunde. Dieser zugrunde liegende Kult drückt sich durch Bauwerke aus in dem sich Menschen versammeln – üblicherweise sind es die höchsten Gebäude der Gegend.
Die Freimaurerei bezieht sich in der Theorie auf die alten Dombauhütten des Mittelalters. Denken wir an die gotischen lichtdurchflutenden Kathedralen, heimelige romanische Kirchen, eindrucksvolle Paläste oder imposante Burgen oder die vielen schönen Bürgerhäuser des letzten Jahrhunderts. Heute sind es die Hochhäuser der Banken und Versicherungen oder vielleicht auch die moderne Architektur die sich in den Häusern einiger Millionäre ausdrückt.

Eines fehlt dieser neuen Kultur: Der Aspekt der Versammlung! Das Gefühl der Einigkeit und der Geborgenheit! Und, da sind wir uns sicherlich einig, der Kult vereinigt uns nicht um den Altar einer Wahrheit. Und Dennoch wer würde schon sagen wollen, dass wir einen Kult ums Geld oder den Konsum betreiben würden? Vielleicht ist es doch eher der natürliche Narzissmus im Menschen, der uns sagt, dass Warren Buffett erfolgreich ist und wir selbst auch erfolgreich sein wollen. Der Begriff des Selbst ist völlig unstrittig: Das Selbst! „Ich“ mit all meinen Möglichkeiten! Gerade in unserer Zeit legen wir viel Wert darauf dieses „Ich“ zu kultivieren. Wir achten dabei besonders auf unsere Grenzen und unsere Bedürfnisse.

Gerade heute achten wir auf eine gute Belohnungskultur. Wenn wir uns etwas gönnen wollen, gehen wir shoppen oder einfach nur gut Essen. Manchmal gönnen wir uns was! Oder auch, wenn der Frust einfach zu hoch gestiegen ist und wir uns ablenken müssen. Nach der Befriedigung unseres „Ichs“ können wir wieder gut arbeiten und etwas leisten!

Das einzige Problem dabei ist vielleicht, dass wir nicht wollen, dass es uns gut geht sondern, dass es uns besser geht. Wir wollen nicht ausreichend Besitz haben, sondern wir wollen mehr Besitz haben. Und in der Folge geht es uns gar nicht darum, was wir brauchen, sondern was wir Alles besitzen könnten ohne zu Hinterfragen ob wir es wirklich brauchen oder nutzen können. Und so sehen wir vor lauter Möglichkeiten die Tat nicht mehr.

In der Freimaurerei beschäftigte man sich von Anfang an damit. Nicht mit Geld oder kein Geld sondern damit, ob das Leben auch glücklich ist. Das Ziel des Freimaurers ist, egal ob nun mit oder ohne Geld, Zufriedenheit! Und gerade hier wird klar: Mancher Preis, den wir für den Verlust von Werten bezahlen, ist es eigentlich nicht wert!

Und hier sind wir auch wieder beim Thema Freimaurerei. Kultur und Werte sind eine Grundvoraussetzung für Gesellschaft. Die Kultur bezeichnet den Raum, also das Gebiet auf dem eine Gesellschaft die Umwelt kultiviert, als Kulturraum und die Werte, also die Grundlagen der gelebten Ethik und Moral der Gesellschaft, zeigt den geistigen Raum auf. Diese Überlegungen liegen natürlich auch der Freimaurerei als Teil der Gesellschaft zugrunde.

Wenn man die freimaurerischen Werte, Selbstkultivierung und die Idee Schöpfer des eigenen Schicksals zu sein betrachtet, ist das eine große Aufgabe, die es erst einmal näher zu beleuchten lohnt. Es geht hierbei nicht um eine Selbstoptimierung im Sinne eines wie auch immer gerade geltenden Mainstreams. Diese Selbstkultivierung beginnt mit einem Prozess der Selbsterkenntnis als Ergebnis der Selbstreflexion. Daraus entsteht die Selbstindividuation die es ermöglicht sich selbst zu begreifen und Schöpfer des eigenen Schicksals zu werden. Natürlich sind wir alle keine Heiligen und deshalb ist es ein ewiger Prozess. Jedenfalls so ewig, wie das Leben andauert. Dieser Weg führt über Selbsterkenntnis zu Selbstbewusstsein und zum Selbstwert. Lässt man das „Selbst“ weg, entsteht der schöne Satz: Kennt seinen Wert! Wie sie sehen, um den Preis geht es gar nicht! Wie viele wundervolle Dinge ein Mensch nutzt oder wie viel Plunder ein Mensch besitzt legt jeder einzelne Mensch selbst fest. Wie gesagt, der Preis ist in der Freimaurerei nicht entscheidend. Wir begegnen uns auf einer Ebene. Wir Freimaurer sind davon überzeugt, dass der Wert aller Freimaurer, dass der Wert aller Menschen – bei allen unterschiedlichen Denk- und Handlungsweisen – gleich ist!

Ein gemeinsames Ziel verbindet Alle: Jeder Freimaurer hat das Ziel auf seine eigene Art und Weise ein zufriedenes Leben zu führen. Sie kennen sicherlich dieses Bild mit der halbgefüllten Flasche: für den Optimisten ist sie halb voll und für den Pessimisten ist sie halb leer; für den Freimaurer ist sie entsprechend der Bedürfnisse entweder passend oder unpassend gefüllt. Zufriedenheit ist mehr als Fülle oder Leere. Sie ist ein Lebensmotto!

Vielleicht sollten die wirklichen Werte wieder einen größeren Raum in unserer Gesellschaft bekommen. Ich meine hierbei nicht die Flut an Gesetzen und Kommentaren, die die Ausführung der Gesetze regelt, sondern wirkliche Werte. Werte die es uns ermöglichen ruhig und sicher durch die Gefahren unseres Lebens zu gehen und mit Eifer und Beharrlichkeit an einer für Alle guten Gemeinschaft zu arbeiten. Die Gesetze geben den Rahmen aber wir füllen diesen Rahmen mit Leben.

Klar, die Freimaurerei kommt aus einer anderen Zeit. Sie ist ein Kind der Aufklärung. Da gab es solche Probleme noch nicht! Vielleicht in Frankreich, als es die kleine Episode mit dem Sonnenkönig und der Revolution gab. Oder aber, als sich die USA bildete. Das einzige Problem dieser Revolutionen war nur, dass es nicht wirklich darum ging etwas zu ändern. Es wurden lediglich die erfolgreichen Menschen ausgetauscht. Es wäre natürlich prima, wenn aus Warren Buffett morgen Karl Meier würde, also jedenfalls für Karl Meier! Es sprechen immerhin 65 Milliarden Gründe dafür! Aber was passiert mit dem Rest der Menschheit? 700 Menschen halten 50 Prozent des weltweiten Gesamtkapitals. In der Freimaurerei geht es, wie gesagt überhaupt nicht um den Materialismus, der sicherlich philosophisch auch hinter den vielen Buffetts dieser Welt steht, sondern es geht um die Idee, uns Alle als Brüder zu begreifen, die alle gleich viel Wert sind und haben! Wir wollen uns auf einer Ebene begegnen. Die Freimaurerei nennt das „Begegnung auf der Winkelwaage“. Diese Begegnung auf einer Ebene führt unter Anderem zu der bekannten freimaurischen Gesprächskultur. Es ist wie bei der Kommunikation mit den alten Funkgeräten. Erst spricht der Eine und der Andere hört zu und dann spricht der Andere und der Eine hört zu.

Unabhängig des sozialen Standes zählt in der Freimaurerei, was ein Mensch in seiner Loge bewirkt und ob er in der Lage ist ein zufriedenes Leben zu führen. Wir haben uns als freie Männer von gutem Ruf zusammen gefunden und beschließen seit mehr als 300 Jahren demokratisch – und auch mehr oder weniger einstimmig – darüber, wen wir in unsere Bruderschaft aufnehmen wollen. Diese Mitgliedschaft gibt es nicht zu kaufen. Dennoch hat sie für uns einen hohen Wert!

Neben diesem Prinzip der Gleichheit hat für uns auch die Natur, die Schöpfung einen hohen Wert. In der Aufklärung ging es um den Menschen und seine Beziehung zur Wirklichkeit. Die Aufklärung betrachtet den souveränen Menschen als jemanden, der nur sich selbst und Gott gegenüber verantwortlich für seine Handlungen ist. Die Tat zeichnete den Menschen mehr aus als seine Rede! Der Mensch kann Schöpfer seines Schicksals sein. Währenddessen wir den Schöpfer der Natur nicht wirklich kennen, können wir uns selbst erkennen. Im Tempel von Delphi hing der schöne alte Spruch: Erkenne Dich Selbst! Es bedeutete, gemäß der eigenen Natur in der Natur zu leben. Der zu werden, der man ist!

Den Schöpfer der Schöpfung, viele nennen ihn Gott oder höheres Wesen, können wir vielleicht in der Natur erahnen oder erspüren. Die Freimaurerei nennt dieses Höhere Wesen: Großer Baumeister Aller Welten. Die Freimaurerei bezieht sich hierbei jedoch nicht auf irgendwen bestimmtes. Die Aufgabe des Großen Baumeisters ist es die Natur, die Schöpfung zu Schöpfen. Das persönliche Schicksal zu schöpfen ist die Aufgabe des einzelnen Freimaurers. Deshalb wird der Idee des Großen Baumeisters keine große Bedeutung beigemessen, außer natürlich, dass man erwartet, dass dieser Baumeister seinen Aufgaben gerecht wird. Die Konfession, die dazu gehört, muss jeder Freimaurer außerhalb der Freimaurerei für sich selbst leben und diese Idee mit seinem eigenen Leben füllen.

Die Freimaurerei stand von Anfang an gegen Aberglauben und für Gleichberechtigung, Gewissensfreiheit und Demokratie! Das haben wir heute erreicht, oder? Männer und Frauen, alle Menschen haben heute den gleichen Wert. Nur, jedenfalls in der Arbeitswelt, ist der Preis unterschiedlich. Die Gewissenfreiheit haben wir unseren Politikern ins Gesetz geschrieben. Nur bei Abstimmungen gilt die Fraktionsdisziplin! Die Demokratie haben wir vollständig erreicht. Nur bei Volksabstimmungen sind wir skeptisch!
Den Aberglauben haben wir auch überwunden. Gut, lassen wir die Esoteriker und Verschwörungstheoretiker mal auf Seite. Wann geht morgen die Sonne auf? Wenn Sie darauf jetzt eine Antwort haben, muss ich Sie leider enttäuschen! Die Sonne geht nicht auf! Die Erde dreht sich um die Sonne und wenn die Erde sich der Sonne zudreht wird es hell!

Natürlich, dass war jetzt nur eine Wortspielerei! Eigentlich ist es ja auch egal, ob wir uns drehen oder nicht, Hauptsache es wird hell. Da lassen wir uns gar nicht beirren und vertrauen dem gesunden Menschenverstand!
Da fällt mir eine witzige Begebenheit ein: Drei Brüder essen in einem Restaurant. Die Rechnung beträgt insgesamt 30 Euro. Die drei Brüder teilen natürlich brüderlich und jeder zahlt 10 Euro an den Kellner.

Da bemerkt der Wirt, dass die Rechnung nur 25 Euro betragen hätte, und sagt dem Kellner, er soll die 5 Euro zurückgeben. Der Kellner denkt sich, 5 ist nicht durch 3 teilbar und gibt jedem Herren einen Euro zurück. Zwei Euro steckt er ein. Nun hat also jeder der drei Herren 9 Euro, also insgesamt 27 Euro, bezahlt und 2 Euro hat der Kellner eingesteckt. Das gibt zusammen 29 Euro und nicht 30!


Wo ist der fehlende Euro?

Der gesunde Menschenverstand ist prima! Auch hier hilft er uns weiter, denn er sagt, dass hier etwas faul ist! Selbst wenn unser mathematisches Verständnis nicht ausreicht um es zu erklären, können wir sagen, dass ist Unfug!
Mathematisches Verständnis. Da fällt mir die Alte Rechnung ein, die sich mit Wassertropfen beschäftigt. Sie kennen sie sicherlich! Wir haben auf einem Tisch zwei Wassertropfen: Einen Wassertropfen und noch einen Wassertropfen. Wenn wir diese Wassertropfen zusammenschieben, haben wir einen Wassertropfen plus einen Wassertropfen. Das gibt dann auf dem Tisch einen Wassertropfen!
Natürlich sind das nur Wortspielereien. Aber immerhin sagt die Freimaurerei auch etwas über Selbsterkenntnis. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das sein Leben gestalten und planen kann. Das einzige Lebewesen, das selbst zum Schöpfer des eigenen Lebens werden kann. Wie wir an den Wortspielereien sehen, ist diese Erkenntnisfähigkeit auch heute immer noch sehr beschränkt. Deshalb ist ein weiterer Wert der Freimaurerei die Toleranz. Niemand kann sicher sein, im Besitz der richtigen Wahrheit zu sein. Es gibt immer drei Wirklichkeiten: Deine, Meine und die Richtige! Und meist, das habe ich jedenfalls in meiner Zeit in der Freimaurerei festgestellt, ergibt sich die richtige Wirklichkeit, wenn man viele Wirklichkeiten über einen Nenner bekommt.

Die moderne Freimaurerei gründete sich in England 1717 am Johannistag. Deshalb ist der Schutzpatron der Freimaurer Johannes der Täufer. Seit dieser Zeit lebt auch der Satz „Ändert Euren Sinn!“ von Johannes in der Freimaurerei fort. Schon damals gab es gesellschaftliche Probleme, die dem Mainstream geschuldet waren. Ein Problem vieler Kulturen und Gemeinschaften ist und war die Teilnahmslosigkeit der Mitglieder. Ein Jeder tut, was der Andere tut. Das Ergebnis ist langfristig bekannt! Die Lemminge kennen wir! Und Ihren Erfolg auch!

Die lebendige eigenverantwortliche Konstruktion des eigenen Lebens stellt einen Lösungsansatz dar. Eine Veränderung ist natürlich nur möglich wenn entweder der Leidensdruck groß genug ist, oder sich jemand verantwortlich für etwas fühlt. Am Anfang des Vortrages erklärte ich: Freimaurerei ist ein ganzheitliches System zur Selbstkultivierung des Menschen mit dem Ziel eine sich selbst tragende Persönlichkeit zu schaffen, die selbstbestimmt eigenverantwortlich und souverän im eigenen Leben aktiv ist und vernünftig und mitmenschlich handelt.

Der Begriff der Selbstkultivierung bezieht sich auf die Zeit der Aufklärung. Dazu gab es in Europa im Laufe der Jahrhunderte mehrere Programme: Sokrates propagierte die Selbstsorge, Epikur riet zum Gebrauch der Lüste, die Stoa erklärte die Selbstbeherrschung als das Höchste, um hier nur ein paar zu nennen. „Das Selbstkultivierungsprogramm der Aufklärung ist nur eines in dieser Reihe und hängt mit den anderen zusammen. Es unterscheidet sich allerdings deutlich von seinen Vorgängern: Dieses Selbstkultivierungsprogramm ist nicht der Entwurf einer spezifisch philosophischen Lebensweise oder der Selbststilisierung einer besonderen Gruppe von Menschen. Vielmehr ist es für jedermann gedacht. Es ist also nicht elitistisch. Damit ist es in manchem bescheidener, im ganzen aber viel anspruchsvoller: Das Selbstkultivierungsprogramm der Aufklärung beansprucht, den Menschen erst eigentlich zum Menschen zu machen.

Das hängt damit zusammen, dass die bürgerliche Klasse in der europäischen Geschichte die erste Klasse ist, der erste Stand, der beansprucht, für die Menschheit als solche zu stehen. Darin war bereits das Programm enthalten, Angehörige anderer Schichten, Arme und Arbeiter einerseits, Adlige andererseits zu humanisieren, indem ihnen die bürgerlichen Normen und Lebensformen vermittelt wurden. ...

Erziehung und Schule sind zwar seit der Antike ein fester Bestandteil der europäischen Kultur. Sie bezogen sich jedoch niemals auf jedermann, sondern sie waren für die Reichen und Herrschenden da und dienten der Ausbildung höherer Kompetenzen und der vornehmen Selbststilisierung. Außerdem bezogen sie sich fast ausschließlich auf das männliche Geschlecht.“ 1 Kant, ein bekannter Philosoph der Aufklärung erklärt dazu: „Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung!“ Er meinte damit das Wissen um die Natur, Geschichte und sonstige Wissenschaften aber auch die Erkenntnis der menschlichen Vernunft im Sinne der Selbstkultivierung.

Nur durch Erziehung und Bildung konnte der Mensch in Europa den Aberglauben überwinden. Die Freimaurerei, als Kind der Aufklärung, bekannte sich ebenfalls zu der Idee „Bildung für Alle“. Die Freimaurerei stellte sich von Anfang an gegen Aberglauben aber für Religion. Sie stand ein für Gerechtigkeit für alle Menschen, Wahrhaftigkeit, Gewissensfreiheit und Anständigkeit.
Die Moderne wäre ohne diese Idee der „Bildung für Alle“ gar nicht denkbar. Wir könnten die ganzen Bedienungsanleitungen unseres Lebens weder schreiben noch lesen. Allerdings: Kennen Sie auch Bedienungsanleitungen die einen in den Wahnsinn treiben? Bedienungsanleitungen die von Ihnen Dinge verlangen, die Ihnen so gar nicht möglich sind? Sie mögen zwar logisch erscheinen, sind es aber nicht!

Natürlich, wie es auch zu jeder Zeit ist, bleibt der Mensch auch heute noch oft hinter seinen Möglichkeiten zurück! Möglichkeiten! Ressourcen! Bleibt der Mensch wirklich hinter seinen Möglichkeiten zurück? Was ist die Bestimmung des Menschen, deren Kenntnis uns erlauben würde, uns die Möglichkeit gäbe, diese Idee zu überprüfen?

Seit Aristoteles wissen wir um die Möglichkeit der Kausalität: Also dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Hierzu fällt mir automatisch immer die Idee der Zeitreisen ein. Sie kennen das sicherlich! Ein Mensch wird in einen Automaten gesteckt und in die Vergangenheit oder die Zukunft geschickt. Hier muss der Mensch – jedenfalls in den einschlägigen Filmen – irgendwelche Abenteuer bestehen. Der Witz dabei ist nicht, dass dieser Mensch die Geschichte als solches verändern könnte. Der Witz dabei ist, dass die Kausalität auf den Kopf gestellt werden könnte. Der Mensch könnte in der Vergangenheit sämtliche seiner Vorfahren zeugen und in der Zukunft sämtliche seiner Nachfahren. Dieser Mensch wäre sowohl seine eigene Ursache als auch seine eigene Wirkung! Anderseits, woher wäre solch ein Mensch gekommen?

Nehmen wir beispielsweise eine Reihe von Dominosteinen die alle fallen werden wenn Sie den ersten Stein anstoßen. Sie wissen natürlich, wenn der erste Stein fällt ist die Frage nicht mehr ob der letzte Stein umfällt sondern lediglich „Wann?“. Im Beispiel der Zeitreisen stoßen Sie den letzten Stein in die falsche Richtung und eigentlich dürfte nur ein Stein fallen: Also der Zeitreisende selbst! Aristoteles und Einstein hatten wohl ähnliche Gedanken, denn auch Einstein behauptete, dass Zeitreisen in die Vergangenheit nicht möglich wären. Was allerdings die Dominosteine angeht: Der erste gefallene Stein verursacht das Fallen des letzten Steines. Insofern hat der Urknall Ihre Existenz verursacht. Im Urknall, oder vielmehr ein paar Millisekunden später, war alles Eins! Vergangenheit, Zukunft, Sie und ich, Planeten und Gedanken, Tiere Pflanzen und Mensch, ... alles entspringt dem selben Ursprung.

Wieder diese Millisekunden! Apple war mit diesen Millisekunden – glaube ich – nicht glücklich! Witzig wäre gewesen, wenn man keine Ursache für den 40 Milliarden-Verlust gefunden hätte. Es wäre also einfach Zufall gewesen, oder Schicksal. War es aber nicht! Die Ursache waren ein paar Computer, die von ein paar Logarithmen abhängig und von Programmierern gelenkt waren. Die Elektrizität kann man wohl vernachlässigen, sonst müsste man den Energielieferanten suchen gehen.
Wenn die Ursache bekannt ist, ist es kein Problem. Das können wir uns erklären. Das ist beim Urknall anders. Da bleiben doch einige Fragen offen. Wenn wir – und auch unsere Taten – lediglich Folge der Ursache sind, ergeben sich natürlich automatisch die Fragen: Kann es einen freien Willen geben? Gibt es „Gut und Böse“? Kann es so etwas wie persönliche Schuld geben? Und wenn es keine Schuld gibt, warum gibt es dann Gefängnisse und Schuldige?

Die Freimaurerei gibt zu diesem Dilemma eine schlüssige Idee! Der Mensch kann verantwortlicher Schöpfer seines Schicksals sein. Währenddessen wir den Schöpfer der Natur nicht wirklich kennen, können wir uns selbst erkennen. Die Freimaurerei nutzt dazu ein System, das aus drei Graden besteht: Lehrling, Geselle und Meister. Es unterscheidet sich in den unterschiedlichen Sichtweisen auf das Leben und durch die Erfahrung, die der Mensch in der Freimaurerei gesammelt hat.
Aber, ich merke ich schweife ab! Wo war ich stehen geblieben? Ja, Pepe und Uruguay! Er züchtet auf seinem Bauernhof Blumen ... zusammen mit seiner Frau ... und er fährt einen VW Käfer. Ich habe einen Film gesehen, in dem er Blumensträuße bindet ... mit seiner Frau zusammen. Die wollte er auf dem Markt verkaufen. Ich würde von Pepe so einen Strauß kaufen, wenn ich ihn sehen würde! Aber mir ist der Flug zu weit ... bis nach Uruguay. ... Vielleicht würde er mir ja einen schenken! Dieses Geschenk würde ich von ihm annehmen!

Die Natur ist wundervoll! So viele bunte Farben und Formen! Die Freimaurerei bezieht sich auf den Tempelbau der Humanität. Dieser Tempel der Mitmenschlichkeit braucht auch viele Farben und Formen. Deshalb ist die Individualität der Menschen besonders wichtig. Die Verschiedenartigkeit trägt zur Schönheit dieses Ideals bei. Das ist wie bei den Blumen. Ein Strauß ist deshalb schön, weil die Blumen zwar harmonisch zueinander passen, aber andererseits auch alle verschieden sind.

Apropos Blumen. Sie kennen sicherlich die große Blume der Freimaurerei: Die drei Rosen. Diese drei Rosen – eine weiße, eine rote und eine rosa – symbolisieren in der Freimaurerei Licht, Liebe und Leben. Prinzipiell deutet es auch auf den Begriff „Sub Rosa“ hin. Es bedeutet „im Verborgenen“. Den Freimaurern wird ein Hang zum Geheimnisvollen nachgesagt. Ich denke, es ist eher die Verschwiegenheit. Gespräche in der Loge, die Ansichten oder Aussagen die fallen, werden nicht nach draußen getragen und man kann sich sicher sein, dass das Gegenüber die Unterhaltung sub Rosa, also unter uns, hält. Hier habe ich persönlich noch nichts Anderes erlebt. Gerade auch aus dieser Kultur ergibt sich das Vertrauen, dass die Gemeinschaft ermöglicht.

Anfangs war die Freimaurerei eine Bewegung des Mittelstandes. Dieser Mittelstand lebte gemäß den Bürgertugenden. Heute würden wir sagen, sie waren Spießer. Ihre Tugenden waren „Ordentlichkeit, Sparsamkeit, Fleiß, Reinlichkeit und Pünktlichkeit. Diese Tugenden sind auf die praktische Bewältigung des Alltags gerichtet. Ihre soziale Funktion besteht im Aufbau und der Sicherung einer wirtschaftlichen Existenz. Man bezeichnet sie daher auch als wirtschaftliche Tugenden. Sie stellen das pragmatische Gegengewicht zu den sonstigen, oft an Idealen orientierten Tugenden dar. Bürgerlich werden diese Tugenden genannt, da sie für das Bürgertum in der Epoche der Aufklärung die Voraussetzungen lieferten, sich gegenüber dem Adel kulturell und wirtschaftlich emanzipieren zu können.“ (Wikipedia)

Die Freimaurerei machte diese Menschen mit den Platonischen Idealen vertraut: Gerechtigkeit (iustitia), Mäßigung (temperantia), Tapferkeit und Hochsinn (fortitudo, magnitudo animi bzw. virtus) und Weisheit oder Klugheit (sapientia bzw. prudentia). Und auch mit der Idee des Mittelweges, den schon Aristoteles propagierte. Er nennt es Charaktertugend.

„Charaktertugenden sind Haltungen (hexeis), für die kennzeichnend ist, dass man sie loben und tadeln kann. Sie werden durch Erziehung und Gewöhnung ausgeprägt, wobei dies nicht als eine Konditionierung zu verstehen ist. Zwar hängt von Kindheit an sehr viel von der Gewöhnung ab (EN II 1, 1103b24), Charaktertugenden liegen jedoch erst vor, wenn jemand sich wissentlich für die entsprechenden Handlungen entscheidet, und zwar nicht wegen möglicher Sanktionen, sondern um der tugendhaften Handlungen selbst willen, und wenn er dabei auch nicht ins Wanken gerät (EN II 3, 1105a26-33). Auch unterscheidet sich der Tugendhafte vom Selbstbeherrschten (der dieselben Handlungen ausführen mag, sich aber dazu zwingen muss) dadurch, dass er an der Tugend Freude empfindet (EN II 2, 1104b3ff.). Durch Gewöhnung ausgeprägt werden es die Charaktertugenden, indem Übermaß und Mangel vermieden werden.

Das Instrument der Mitte bestimmt die Charaktertugenden genauer. So ist beispielsweise die Tugend des Mitgefühls eine Mitte zwischen Liebe und Hass oder die Tugend Mildtätigkeit eine Mitte zwischen Geiz und Verschwendungssucht. Die Tugend der Tapferkeit ist eine Mitte zwischen den Lastern Tollkühnheit und Feigheit. Grundlage für die Tugenden sind dabei sowohl die Handlungen als auch die Emotionen und Begierden. Nicht tapfer sondern tollkühn ist jemand, der entweder in einer bestimmten Situation völlig furchtlos ist, obwohl die Situation bedrohlich ist, oder der in einer ernsten Bedrohungssituation seine Furcht ignoriert.

Die Mitte besteht also – hier wie bei den anderen Charaktertugenden – darin, angemessene Emotionen zu haben und demgemäß angemessen zu handeln. Dabei ist diese Lehre von der Mitte vermutlich nicht in konkreten Situationen als normativ handlungsleitend, sondern nur als Beschreibungsinstrument der Charaktertugenden aufzufassen. Sie ist auch keine arithmetische Mitte, sondern eine Mitte für uns (pros hêmas), die die jeweilige Emotion, die Person sowie die Situation berücksichtigt.“ (wikipedia)

Hierdurch wird auch die Idee des Tempelbaus der Humanität klarer. Das Bürgertum lebte mit ganz praktischen Regeln. Die Freimaurerei vergeistigte Tugenden indem sie daraus Ideal oder Lebensutopie erschuf. Dieser Utopie kann man sich annähern aber man wird sie nie vollständig erreichen. Der Weg ist das Ziel! Dieser Tempel ist nicht mehr von dieser Welt sondern existiert und entsteht in den Köpfen der Menschen. Diese Menschen wollen sich tugendhaft verhalten und haben ihre Freude daran! Kurz gesagt, sie wollen sich angemessen und anständig verhalten und das Gegenüber als gleichwertigen Menschen wahrnehmen. Über alle Grenzen hinweg bringt die Freimaurerei so Menschen zusammen, die sich sonst womöglich nie begegnet wären. Weder die nationale noch die soziale Herkunft sind in dieser Lebensutopie wichtig. Entscheidend ist nur der Mensch im Hier und Jetzt mit all seinen Ressourcen und Kompetenzen.

Dieser Blick auf die Möglichkeiten ermöglicht erst die Schaffung einer konstruktiven Utopie. Wie schon erwähnt bezieht sich die Freimaurerei auf die mittelalterlichen Dombauhütten. Das meine ich natürlich nicht praktisch sondern lediglich theoretisch denn eine wirkliche Verbindung hat es nicht gegeben. Der große Vorteil dieser Sichtweise der Welt ist allerdings, dass die Welt plötzlich nicht mehr lokal, in Grenzen, sondern systemisch, im Ganzen, betrachtet wird. Daraus ergeben sich vielfältige Möglichkeiten. Immerhin ist das Leben viel zu komplex, als dass man es in monokausalen Zusammenhängen führen könnte. Die systemische Herangehensweise halte ich für deutlich zielführender. In den Dombauhütten war es ebenso. Der Baumeister betrachtete nicht nur die Schreiner oder nur die Maurer oder nur die Steine oder nur das Holz. Er musste alles in einen vernünftigen Gesamtzusammenhang setzen. Das Wissen um die richtige und passende und gute Ordnung der Ressourcen in der richtigen Beziehung zueinander ließ beispielsweise eine wundervolle Kathedrale entstehen. Das konnte nur durch den systemischen Zugang, dem Wissen um den Gesamtzusammenhang und dem Wissen vom Zweck des Bauwerks gelingen.

Die Freimaurerei kennt natürlich keine realen Steine und kein reales Holz sondern sie nutzt Symbole um den Gesamtzusammenhang begreiflich zu machen. Sie kennen sicherlich die Idee der Wirklichkeitskonstruktion. Unser Gehirn erschafft mit unseren Sinnesorganen ein Abbild der uns umgebenden Wirklichkeit. Jedes unserer Sinnesorgane ist beschränkt und insofern haben wir natürlich kein Bild der Wirklichkeit sondern lediglich eine Konstruktion der Wirklichkeit, die so gut ist, wie unsere Sinnesorgane.

Man unterscheidet Wirklichkeitskonstruktionen der 1. und 2. Ordnung. Ein Beispiel hierfür ist eine rote Ampel. In der 1. Ordnung erlebt man einen Gegenstand der ein rotes Licht zeigt. In der 2. Ordnung wird Bedeutung, Sinn und Wert vermittelt. Deshalb bleiben wir üblicherweise an einer roten Ampel stehen. Die Freimaurerei hat viele Symbole. Sie müssen natürlich ebenfalls in diesen Unterscheidungen betrachtet werden.

Nehmen wir beispielsweise die drei bekannten Symbole der Freimaurerei: Winkelmaß, Zirkel und Allsehendes Auge. In der 1. Ordnung sind sie was sie eben sind. Abbilder von einer Wirklichkeit. In der 2. Ordnung geben wir diesen Symbolen Bedeutung Sinn und Wert. Das macht jeder Freimaurer für sich persönlich. Fangen wir beim Winkelmaß an. Das Winkelmaß ist ein Werkzeug um Winkel zu messen. In der 2. Ordnung bedeutet es, dass wir das rechte Maß suchen und den Lebensweg gemäß unseren Rechten und Pflichten gehen wollen. Hier sieht man das offene System. Was nun Recht und was nun Pflicht ist bestimmt der jeweilige Mensch selbst und ist nur Gott und seinem eigenen Gewissen gegenüber dafür verantwortlich. Entscheidend ist hierbei „Verantwortlich“. Diese Verantwortlichkeit gegenüber dem eigenen Leben ermöglicht die Toleranz in der Freimaurerei. Der Zirkel bedeutet, dass man seine Grenzen erkennen und nur dann überschreiten sollte, wenn man das wirklich möchte. Und das Allsehende Auge bedeutet, dass wir darauf vertrauen können, dass das Schicksal Gutes für uns bereit hält. Die Indianer haben einen klugen Satz: „Der Adler vertraut dem Wind und wird von ihm getragen!“

Die Schlüsselwörter sind hierbei vertrauen auf das Gute! Die Freimaurerei will mitnichten die Welt verbessern und sie will auch nicht die Menschheit verbessern. Das Problem dieser Ideen war zu jeder Zeit, dass sie in ihr Gegenteil umschlagen. Wer das Gute in die Welt bringen will muss gegen die Bösen kämpfen. Der ewige Kampf Gut gegen Böse nimmt so seinen Lauf und der Menschheit viel Gutes – vor Allem viel gute Lebenszeit! Die Freimaurerei will vielmehr, dass der Freimaurer sich verbessert; also selbst Gutes tut. So ähnlich wie die Pfadfinder sagen: Jeden Tag eine gute Tat!

Die Samurai, die japanischen Ritter, hatten Schwerter, die waren zig-Millionen-fach gefaltet. Dadurch zog sich die Herstellung der Schwerter über Monate hin. Wie glauben Sie, hat der Schmied innerhalb von ein paar Monaten den Stahl mehrere Millionen mal falten können? Wir würden hier im Westen jetzt anfangen zu rechnen. Ein Schmied kann in einer Minute den Stahl ein Mal falten. Das macht in einer Stunde 60 mal. Und am Tag macht das dann ... Keine Ahnung! Jedenfalls um die Millionen Faltungen zu erreichen muss er eine ganze Weile auf dem Stahl rumschlagen! Und weil wir das wissen ist das Samurai Schwert auch so teuer und so wertvoll!
In Wirklichkeit passiert es so: Der Schmied faltet den Stahl ein Mal und erhält zwei Lagen. Diese zwei Lagen faltet er wieder und erhält vier Lagen. Diese vier Lagen faltet er wieder und erhält 8 Lagen. Wenn er diesen Vorgang 30 Mal wiederholt hat, erhält der Schmied 536.870.912 Lagen Stahl. Das Schwert bleibt dennoch wertvoll und teuer. In der Wirklichkeitskonstruktion 1. Ordnung ist es ein Stück Stahl das von einem Schmied 30 Mal gefaltet wurde. In der 2. Ordnung bedeutet es die Seele des Samurais der sich damit als Teil der Schöpfung betrachtet und 536 Millionen Lagen Stahl in seinem Innern trägt.
Die Freimaurerei rechnet ähnlich. Ein simples Beispiel! Nehmen wir an, wir sehen einen Menschen, der aus seinem Auto steigt und vergisst das Licht auszumachen. Es regnet in Strömen und die Nacht bricht herein. Wenn wir diesem Menschen hinterhereilen und ihn nach 300 Metern triefend vor Nässe eingeholt haben und ihm sagen, dass er vergessen hat sein Licht auszumachen, wie wird dieser Mensch das nächste Mal reagieren, wenn er selbst jemanden sieht, der das Licht anlässt?
Oder aber jemand verliert seine Geldbörse und sie geben sie ihm wieder ohne sich Geld herauszuholen. Klar, natürlich kann es sein, dass dieser Mensch dann denkt, „So ein Trottel! Das würde ich nie machen! Ich täte das Geld behalten!“ Aber, ich glaube fest daran, dass das die Minderheit ist. Die weitaus meisten Menschen lernen an dem Vorbild der anderen Menschen und würden eine gefundene Geldbörse ebenfalls abgeben.

Kommen wir auf das Samurai Schwert zurück. Wenn wir in 30 Fällen Menschen fänden, die es uns nachmachen, kämen wir schon nach 30 guten Taten auf eine stattliche Summe von 536.870.912 Menschen, denen wir einen schönen Tag bereitet hätten. Und, Sie werden mir sicherlich Recht geben, einer dieser 536 Millionen Menschen sind wir selbst! Das ganze funktioniert natürlich auch umgekehrt. Und wenn Sie sagen: Es gibt zu wenig Gutes in der Welt, dann liegt es letztlich daran, dass jeder Einzelne zu wenig Gutes tut. Der erste Mensch, der aussteigt und sagt, egal ob es töricht ist oder nicht, egal ob ich ein Trottel bin oder nicht, ich beginne damit gutes zu Tun nicht weil ich dafür gelobt werden will, sondern weil ich es für richtig halte und weil es mir Freude macht beginnt eine Kettenreaktion der Güte und Toleranz. Wie bei den Dominosteinen folgt auf eine gute Tat eine gute Tat. Egal wen sie trifft, es trifft den Richtigen. Denn die Natur ist voller Güte – immerhin regnet es auf Arme und Reiche, es regnet auf Starke und Schwache und es regnet auch auf Gute und Böse.

Diese Kultur des Wohlwollens und der Güte, die auch in allen Religionen steckt, führt letztlich zu einem guten Leben für uns Alle! Der Weg, der alle Angst, der allen Hass zerstreut bedeutet Liebe und Vertrauen. Goethe sagte, Liebe hält Alles im innersten zusammen. Und auch wenn diese Liebe enttäuscht wird, auch wenn das Vertrauen missbraucht wird, ist es immer noch besser aufzustehen, sich die Nase zu putzen und weiterzumachen als ein Leben in Angst, Hass und Missgunst zu verbringen. Denn diese Angst zerstört unser Selbst und unser Leben!

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das sich bewusst für seinen Weg entscheiden kann. Er ist das einzige Lebewesen, das sich als Schöpfer seines Schicksals und seiner Lebenszeit begreifen kann. Notwendig ist hierfür die Übernahme von Verantwortung für sich selbst und Wohlwollen für die Anderen. Es liegt in unserer Hand, ob die Welt ein Kriegsschauplatz oder ein Paradies ist. In jedem System ist klar, wenn man ein Teil des Systems ändert, ändert man Alles. Nehmen wir das System Auto. Wenn man aus dem Auto ein kleines Schräubchen nimmt, was wird passieren? Wahrscheinlich nichts, werden Sie sagen! So ein kleines Schräubchen, was soll das schon machen! Ja, das ist natürlich völlig richtig! Und weil es richtig ist, bitte geben Sie mir einen Schraubendreher und wir gehen an Ihr Auto. Die Frage ist nicht, ob Sie die Nerven verlieren, wenn ich anfange kleine Schräubchen zu entfernen, sondern nur wann!
Jedes noch so kleine Schräubchen ist wichtig! Deshalb, wenn wir uns selbst ändern, ändern wir auch das Gesamtsystem. Vielleicht, oder sogar wahrscheinlich, wird erst mal überhaupt nichts weltbewegendes passieren. Aber, wie beim Auto auch, es ist keine Frage ob etwas weltbewegendes passiert, sondern nur: Wann?
Diese Idee liegt weit weg von einer Konfession. Sie basiert rein auf menschlicher Logik. Es erwartet sie kein Himmelreich, die Freimaurerei verspricht nichts und sie hat auch nichts zu halten. Die Frage ist nur: Tun Sie es oder tun Sie es nicht!

Egal, ich schweife wieder ab! Ich wollte Ihnen eigentlich die Geschichte dieses Vortrages erzählen und war bei dem Hier und Jetzt. Wo waren wir jetzt stehen geblieben? Ach so, ja, Zeitung und ich las über Pepe der 90 Prozent seines Salärs spendet und Blumen züchtet. Auf der nächsten Seite der Zeitung steht: „Edwin Edwards kandidiert mit 87 als Abgeordneter in Louisiana, USA. Dieser Mann ist populistisch, er ist vorbestraft und über doppelt so alt wie sein Kontrahent. Trotzdem will Südstaatendemokrat Edwin Edwards es noch einmal wissen – und muss in eine Stichwahl.“

Nachrichten sollen informieren! Ich finde das ist heute eine prima Sache. Ich werde über Sachen informiert, die ich sonst gar nicht gewusst hätte. Ich hätte noch nicht einmal gewusst, dass Edwin Edwards auf diesem Planeten ein paar tausend Kilometer von mir entfernt wohnt, geschweige denn, dass er sich zu irgendeiner Wahl stellen muss. Ihm ist es wohl ernst mit seinem Anliegen. Nur, ... mir es völlig unwichtig. Viele Sachen sind zwar ernst aber nicht wichtig. Kinder spielen mit einer wundervollen unschuldigen Ernsthaftigkeit! Ich habe das auch getan! Ich spielte gerne Räuber und Gendarm. Kennen Sie das noch? Die eine Gruppe waren die Räuber und die andere Gruppe waren die Gendarmen. Die Gendarmen mussten die Räuber verfolgen und zum Sammelplatz bringen. Die Räuber mussten vor den Gendarmen weglaufen. Ich war am liebsten Räuber! Was waren Sie am liebsten?
Es war natürlich alles nur Spaß und am Ende ist man zusammen ein Eis essen gegangen. Wir gingen immer zum Italiener. Da kostete das Bällchen damals noch 20 Pfennig. Daran kann man auch erkennen, wie alt man ist. Je weniger das Eis in der Kindheit kostete, desto älter ist man!

Edwin Edwards ist 87 Jahre alt. Wahrscheinlich hat sein Eis in der Kindheit 8 Cent gekostet, ... wenn es überhaupt den Italiener um die Ecke gab.
Das Eis war früher wichtig, aber es war nicht ernst. Das Spiel war mir ernst, aber es war nicht wichtig. Wahrscheinlich bringt alles Wichtige Freude und aus der Freude entsteht die Ernsthaftigkeit.

Es war in unserer Kindheit nur eine Simulation. Wir simulierten das Leben. Wir spielten auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit Vater, Mutter, Kind. Ich wollte nie das Kind sein. Das Kind bekam immer das Fläschchen. Ich fand das widerlich. Es wurde auch nie sauber gemacht. Und die Mutter wollte ich auch nie sein, ... die musste das Fläschchen geben und durfte das Haus nie verlassen. Das fand ich langweilig. Ich wollte weder alles bekommen müssen, noch mich so abhängig machen, dass ich deswegen nur noch zu Hause sein musste. So hatte jedes Spiel seine eigenen Regeln. Je mehr Regeln, desto schöner erscheint das Spiel! So ist das wohl, Sklavenhalter müssen erkennen, dass es keine Sklaven geben darf und Sklaven müssen erkennen, dass sie ihr Leben eigenverantwortlich meistern müssen. Das wäre eine Erkenntnis, die beiden Seiten Gewinn versprechen würde. So weit haben wir als Kinder allerdings nie gedacht und erfanden immer wieder neue Regeln! Weil wir diese Regeln nicht aufschrieben, hatten wir sie natürlich auch schnell wieder vergessen.

Irgendwann hörten diese Simulationen auf. Mein Vater erklärte mir, ich müsse jetzt Verantwortung übernehmen. Je mehr Verantwortung ich für mich und mein Leben übernahm, desto weniger Raum hatte die Simulation. Ich musste erwachsen werden! Was ich aber gelernt hatte, war, dass Freude am Leben zwar nicht Alles ist, aber das Leben ohne Freude nichts ist.

Ich glaube, dass wirklich tiefe Lebensfreude schon in der Kindheit entsteht. Und ich glaube, dass das gerade heute wichtig ist: Die Lebensfreude! Oder aber, etwas tiefgründiger, wie es die Freimaurerei nennt, die Zufriedenheit mit dem, was man eigenverantwortlich tut und geschaffen hat.

Ich habe von einem Mann gehört, der hat sich morgens eine Hand voll Bohnen in die Hosentasche gesteckt. Immer wenn er eine schöne Begebenheit erlebte steckte er sich eine Bohne in die andere Hosentasche. Am Ende des Tages zählte er, wie viele Bohnen er in der „guten Tasche“ hatte und freute sich darüber – selbst wenn es nur eine Bohne war! Er muss ein glücklicher und zufriedener Mensch gewesen sein!

Lebenssimulationen gibt es heute noch viele: Fernsehen, Internet, Massenmedien, ... Wer kennt das nicht? Irgendwer spielt heute Abend Fußball mit der Chipstüte in der Hand vor dem Fernseher?

Die Freimaurerei ist gewissermaßen ebenfalls eine Simulation. Sie ersetzt die großen Fragen der Menschheit: Woher komme ich? Was tue ich hier? Wohin gehe ich? mit den Fragen: Was sind meine Ressourcen und Kompetenzen? Was fehlt mir? Wohin möchte ich?

Um diese Fragen zu beantworten sollte die eigene Wahrnehmung bewusst sein. Welche Werte, welche Bedürfnisse und welche Gefühle hat der Fragende? Es sollte auch geklärt werden, welche Ressourcen und Kompetenzen der Fragende hat. Und es sollte ebenfalls geklärt werden, was dem Fragenden fehlt damit er sein Ziel erreichen kann. Was fehlt dem Fragenden noch, um die Utopie der Harmonie zu empfinden. Und vor Allem muss er die Fragen für sich selbst im Stillen Kämmerlein beantworten und sich über die Gestaltung seines Lebens klar werden. Die Freimaurerei betrachtet das Leben konstruktivistisch. Wie schon häufiger heute Abend erwähnt, geht es um die Gestaltung des Lebens, um die Schöpfung des eigenen Schicksals und um ein gutes Mit- und Füreinander. Als ich den ersten Kontakt zu dieser Loge bekam fielen mir zuallererst die leuchtenden Augen der Alten auf. Sie waren voller Lebensfreude! Erst später erkannte ich, dass diese Menschen mit ihrer Lebensfreude nicht nur ansteckend wirkten. Sie erklärten einen tiefen Sinn der Mitmenschlichkeit. Es war sicherlich nicht Alles Gold in ihrem Leben. Trotz aller widrigen Umstände waren sie in der Lage, die Steine, die ihnen das Schicksal auf ihren Lebensweg warf zu nehmen und damit etwas Gutes zu bauen: Ihren eigenen persönlichen Lebensweg!

Die Freimaurer sind davon überzeugt, dass die Steine, die einem auf dem Weg begegnen immer auch zu irgendetwas taugen. Freimaurer suchen nicht nach Unmöglichkeiten sondern nach Möglichkeiten und sie suchen nicht das Dunkel sondern das Licht. Sie suchen nach den guten Begebenheiten, den guten Dingen und lassen die Dinge und Begebenheiten die ihnen nicht gut erscheinen einfach liegen. Freimaurer brauchen sie nicht!

Es ist ähnlich wie beim Bau einer Kathedrale – wie gesagt, Freimaurerei bezieht sich symbolisch auf den Bau von Kathedralen. Wenn man etwas bauen will, muss man sich im klaren sein, was man hat, was man noch braucht und wie das Bauwerk aussehen soll. Man nimmt nur die Baumaterialien die einem passend und gut vorkommen. Es mag sein, dass die Einschätzung falsch ist und das Bauwerk einstürzt. Es mag sein, dass man im Laufe der Zeit noch anderes oder mehr Material besorgen muss, aber eines ist klar: Das Bauwerk wird, wenn es erst einmal begonnen wurde, ausgeführt bis der Bau beendet ist. Der ursprüngliche Baumeister mag sterben, die Idee des Bauplanes lebt weiter und der Bau wird weitergebaut!

Innerhalb der Bauhütte hilft man sich und man unterstützt sich. Niemand will in der Freimaurerei besser sein als der Andere. Jeder lernt von Jedem. Jedenfalls in der Theorie, die hat ja bekanntlich in der Praxis ihre Grenzen. Und deshalb sagte ich schon einmal, Freimaurer sind auch keine Heiligen sondern eben Menschen wie wir Alle Menschen sind! Andererseits, was ist schon Perfektion? Perfektion ist der Ausdruck eines bestmöglichen Zustandes. Es kann also anschließend entweder keine Veränderung mehr geben, das wäre der Tod oder es wird schlechter werden. Perfektion ist kein Zustand, der in der Freimaurerei angestrebt wird. Die Bauhütten wollten sich immer weiter entwickeln und ihr Wissen ausbauen. Die Griechen hatten schöne Worte dafür: Pantha Rei! Alles fließt! Und die Freimaurer glauben nicht, dass es einen perfekten Zustand gibt. Wie in der Natur Frühling, Sommer, Herbst und Winter aufeinander folgen, ist Leben immer auch Entwicklung. Perfektion ist hierbei gar nicht möglich, da es die Entwicklung beendet! In der Natur ist alles perfekt weil sich alles verändert.

Wenn sich zwei Baumeister treffen ist es nicht nötig, dass der Eine dem Anderen Steine mitbringt. Diese Treffen dienen dem Wissensaustausch. Die Unterstützung in der Bauhütte ist wie die Utopie Freimaurerei selbst von Grund auf ideell. Wer materielle oder wirtschaftliche Vorteile sucht, sucht sie in einer Loge vergebens. Wie schon gesagt, es gibt solche und solche Baumeister. Wir sind keine Heiligen! Wir versuchen eine Utopie mehr schlecht als recht zu leben.

Dennoch reichte der Versuch und der Wille diese Utopie Freimaurerei mit Leben zu füllen aus, um bei den Menschen die ich zu Beginn in der Freimaurerei traf, dieses bekannte Leuchten in den Augen zu verursachen: Den Ausdruck einer tiefen Lebensfreude! Und genau die hat mich tief beeindruckt!

Diese gegenseitige Unterstützung führt dazu, dass man seinem Gegenüber vertrauen kann. Es reicht sogar so weit, dass man das Gegenüber Bruder nennen kann. Jeder baut sein eigenes Leben und niemand versucht das Leben des Anderen zu zerstören. Jeder baut es auf seine eigene Art und Weise! Die Steinmetze der Dombauhütten, und ich meine gehört zu haben, dass das auch heute noch der Fall ist, haben in ihre Steine ihre Zeichen geritzt, damit diese Steine als ihre eigenen erkannt wurden und sie ihren Lohn dafür bekommen konnten. Die Arbeiter wurden damals nach der Anzahl der gefertigten Steine entlohnt. So soll auch der einzelne Freimaurer seine eigenen Zeichen in seinem Leben setzen. Sein Leben in seiner eigenen Art und Weise gestalten. Eine Missionierung irgendwelcher Lebensinhalte findet nicht statt. Vielleicht abgesehen von den Prinzipien, die der Freimaurerei zugrunde liegen. Allerdings muss auch hier jeder Freimaurer selbst entscheiden, welche Tugenden ihm brauchbar erscheinen und welche nicht. Freimaurerei ist ein ganzheitliches System zur Selbstkultivierung des Menschen mit dem Ziel eine sich selbst tragende Persönlichkeit zu schaffen, die selbstbestimmt eigenverantwortlich und souverän im eigenen Leben aktiv ist und vernünftig und mitmenschlich handelt. Und natürlich, erinnern wir uns an das Samuraischwert, in seinem Umfeld wirkt.

Hier wird auch klar, dass Verschwörungstheoretiker Unrecht haben. Diese Verschwörungstheoretiker erklären oft, Freimaurerei sei eine gigantische Idee zur Weltverschwörung. Ich habe mich letztens mit einem Verschwörungstheoretiker unterhalten. Wir unterhielten uns über Physik und er erklärte mir die Entstehung von Blitzeis mit einem Wintergewitter. Ist klar, wenn es kalt ist und es blitzt, dann ... Er bezog seine Kenntnis von Wilhelm Schulz. Ich sagte ihm, dass sich alles ausdehnt, was wärmer wird. Und er antwortete mir, dass ihm jetzt klar sei, warum die Tage im Sommer, wenn es warm ist, länger sind. Er würde meine klare Antwort zu dem Thema jetzt, natürlich unter Namensnennung, so weitergeben! Sollten Sie also einmal erklärt bekommen, warum die Tage im Sommer länger werden und meinen Namen hören, bitte: Vergessen Sie es! Er war leider nicht mehr zu beruhigen aber er hatte solch eine Freude mit meiner Antwort ...! Ich habe ihn dann aus den Augen verloren! Logik ist wohl doch nichts für Jedermann!

Der Freimaurerei geht es natürlich um keine Weltverschwörung, es ist keine Sekte. Wenn jemand Freimaurer werden möchte, kann er nicht einfach anklopfen und sagen: Hier bin ich! Und ich will bei Euch mitmachen! Der Weg in die Freimaurerei erfolgt völlig anders. Jemand der sich für uns interessiert, wird gebeten uns zu besuchen. Wir möchten ihn und er soll uns kennenlernen. Nach ungefähr einem Jahr, wenn wir uns näher stehen und wir uns gegenseitig anerkennen, kann dieser Mensch fragen, ob er Mitglied der Loge werden kann. Anschließend erfolgen abschließende Gespräche und eine Abstimmung in der Loge, in der die Bruderschaft einstimmig abstimmen muss, ob wir diesen Zuwachs für uns wollen. Die Kosten einer Logenmitgliedschaft liegen in Deutschland im Schnitt bei rund 30 Euro pro Monat.

Wenn dieser Mensch zu einem späteren Zeitpunkt aus der Loge austreten möchte, schreibt er einen Brief und schreibt: „Ich trete aus!“ und fertig! Sie sehen, im Unterschied zu einer Sekte, braucht man viel Zeit um überhaupt in einer Loge aufgenommen zu werden und wenn man wieder austreten möchte, ist das sofort möglich. In einer Sekte ist es umgekehrt. Sie kommen schnell rein aber es dauert lange, bis Sie wieder draußen sind.

Rein kommen Sie in die Freimaurerei nur als Freier Mensch mit Gutem Ruf! Frei in den Entscheidungen und davon überzeugt, dass der Gute Ruf mehr ist als das, was man einem Menschen nachsagt. Der gute Ruf sollte der Ruf sein, der Gutes erzeugt, der Ruf, der andere Menschen in ihrem Leben unterstützt, die Steine zu finden, um dieses andere Leben zu bauen. Manchmal findet man keinen guten Ruf. Dann besteht immer noch die Möglichkeit das eigene Leben zu bauen und den Anderen sein Leben bauen zu lassen, wie der Andere es als gut, schön und richtig erkannt hat. In dem unbedingten Willen nach gelebter Toleranz, Gewissensfreiheit und Brüderlichkeit liegt der Schlüssel zum Eingang in eine Freimaurerloge. Wer diese Tür durchschreitet findet Menschen, die sich als Individualisten begreifen und dennoch eine Gemeinschaft bilden wollen, die in jedem Individualisten lebenslang ein Stück Lebensfreude erzeugen möchte. Das mag bei dem Einen so eintreten, bei dem Anderen nicht. Der Wunsch ist, wie so oft, auch hier der Vater des Gedanken. Inwieweit Jeder diese Idee mittragen kann und mag, inwieweit jeder dieses Geschenk annehmen oder geben möchte, muss – wie immer in der Freimaurerei - jedem Menschen selbst überlassen bleiben.

Jeder Mensch hat einen freien Willen! Die Würde des Menschen ist unantastbar! Selbst wenn wir den Ideen eines Menschen nicht zustimmen halten die Freimaurer es frei nach Voltaire: „Ich werde Ihre Meinung zwar zeit meines Lebens bekämpfen, aber ich werde mich auch zeit meines Lebens dafür einsetzen, dass Sie sie frei äußern dürfen!“

Wo war ich jetzt in der Zeitung? Die Geschichte, also die Geschichte dieses Vortrages geht weiter. Ich hatte diesen Artikel aus den USA gelesen. „Edwin Edwards kandidiert mit 87 als Abgeordneter in Louisiana“. Das ist ein mutiger Mann – wie Pepe! Nur Pepe ist erst 78. Und er hat jetzt einen Nachfolger. Am 30. November 2014 erfolgte in Uruguay eine Stichwahl, bei der Tabaré Vázquez gewann. Jetzt kann sich Pepe zurücklehnen!

Wie war das noch 1973 in Uruguay? In diesem Jahr kam es zu einem Staatsstreich, in dessen Verlauf das Militär die Macht übernahm, und der einen großen Schritt zurück in der Entwicklung des Landes und für die Freiheitsrechte bedeutete. Ein einzelner Mensch kann nichts verändern, sagte man und die Menschen fügten sich in ihr Schicksal. Pepe hat das geschafft, was vor 50 Jahren niemand für möglich hielt. Das ist wie bei den Wassertropfen. Wenn man einen Tisch hat, auf dem ein Wassertropfen und noch ein Wassertropfen liegt und man sie zusammenschiebt hat man zwar immer noch einen Wassertropfen – aber einen größeren! Pepe schloss sich einer Guerillabewegung an. Er nannte das Selbstverteidigung und Notwehr! Wegen seiner Tätigkeit in dieser Guerillabewegung verbrachte er 14 Jahre im Gefängnis, überwiegend in Einzelhaft. Zweimal konnte er fliehen. Nachdem die Demokratie in Uruguay 1985 wiederhergestellt worden war, wurde Pepe zusammen mit Anderen aus dem Gefängnis entlassen und sie gründeten 1989 die Partei die seit Jahren die Geschicke des Landes bestimmt und den Präsidenten stellt.

Ja, stimmt! Ein einzelner Mensch kann nichts bewirken. Pepe ist eine Ausnahme. Wie auch Nelson Mandela, Che Guevara, Garibaldi, General Martin oder auch Spartacus und viele Weitere. Diese Menschen haben sich niemals die Frage gestellt, ob sie etwas bewirken. Sie lebten einfach nur ihre Überzeugungen weil sie sie für richtig hielten. Ob diese Überzeugungen wirklich richtig oder falsch waren, werden die nachfolgenden Generationen festlegen. Ich glaube, auch diese Einschätzung wird von Generation zu Generation variieren. An den Idealen dieser Ausnahmen wird das nichts mehr ändern können: Anständigkeit und Gewissensfreiheit und Chancengleichheit für alle Menschen auf diesem Planeten! Pepe, dieser alte Guerillero, geht jetzt jedenfalls in Rente. Er will, so sagt man, endlich wieder einmal Urlaub machen ... mit seiner Frau ... und seinem VW Käfer. Wahrscheinlich bleibt er in Uruguay. Das heißt übersetzt „Fluss der bunten Vögel“.

Waren Sie schon einmal in Uruguay? Ich nicht! Ich fuhr im letzten Urlaub mit meiner Frau nach Frankreich. Meine Frau entdeckte vor Ort einen Flyer in dem der Palais Ideal angepriesen wurde – das heißt übersetzt der Ideale Palast, also eine Palast Utopie. Ich fragte bei unseren Gastgebern nach und sie erklärten mir, dass das in Hauterives sei und von Cheval gebaut wurde. Cheval heißt auf Deutsch „Pferd“. Das ergab für mich keinen wirklichen Sinn! Eine Palast Utopie vom Pferd gebaut? Es bestärkte mich in dem verlangen wieder mehr französische Vokabeln zu lernen und weckte aber vor Allem meine Neugier! Auf dem Flyer sah es so aus, als sei die Utopie nicht besonders groß. Ich hatte den Eindruck, es hätte Puppenhausgröße.

Haben Sie schon einmal vom Palais Ideal in Hauterives gehört? Ich auch nicht! Dieser Palast wurde von Ferdinand Cheval erdacht und gebaut. Die Menschen seiner Zeit betrachteten ihn als verrückt und als „Schöpfer des Unnützen“. Ferdinand Cheval wurde 1836 geboren. Irgendwann bekommt er eigenartige Visionen und wird lange von Bildern eines außergewöhnlichen Palastes verfolgt. Er notiert diese Visionen sorgfältig, beginnt aber den Bau nicht, da er von dessen Nutzlosigkeit überzeugt ist. Er ist Postbote ohne besondere Bildung. Im Alter von 43 Jahren wird er von seinem Schicksal eingeholt. Ein Stein auf seinem Weg, über den er stolpert, stößt ihn erneut auf die merkwürdigen Formen, die die Natur hervorzubringen vermag. Von nun an widmet er, verspottet von der gesamten Nachbarschaft, 33 Jahre Eifer und Beharrlichkeit, Kraft und Ausdauer, für die Vollendung seines Werkes. Auf seinem 32 km langen Weg, den er zu Fuß als Postbote zurücklegt, trägt er einen Korb für seine Steine auf dem Rücken. 40 Kilo Material, hier und da in kleinen Haufen angesammelt holt er abends mit seiner Schubkarre ab. So verlängert sich seine tägliche Strecke um 8 bis 20 Kilometer; er steht um 2 oder um 3 Uhr morgens auf und arbeitet häufig nachts. Er wird Maurer, Architekt, Steinmetz und Schöpfer von wundersamen Formen von reiner und naiver Inspiration. Der Palast hat eine Ausdehnung von 26 x 14 Metern und ist 12 Meter hoch. Selbst Pablo Picasso und viele weitere Kunstgrößen ließen sich von ihm inspirieren.

Freimaurer wurde Ferdinand Cheval nie. Schade eigentlich! Wir bezeichnen solche Menschen als „Freimaurer ohne Schurz“. Menschen, die sich für eine gute Sache begeistern und sie mit Leben füllen. Wenn Sie mal ins Drome nach Hauterives kommen, und ihm begegnen, bestellen Sie ihm schöne Grüße von mir! Ich habe Ihnen bisher die Geschichte erzählt, die zu meinem Vortrag geführt hat. Ich habe Ihnen verschiedene Nachrichten vorgelesen und Ihnen von meinen Gedanken dazu erzählt, die mir kamen als ich diese Nachrichten las. Danke, dass Sie mir einen Teil Ihrer Lebenszeit geschenkt haben und mich auf meinem Lebensweg begleitet haben!

Aber eigentlich sind Sie doch hierhin gekommen um etwas über „Freimaurerei im Hier und Jetzt“ zu erfahren. Deshalb, lassen Sie uns einfach „Hier und Jetzt“ damit beginnen!

Ich beginne den Vortrag mit dem Versuch einer Definition. Freimaurerei ist ein ganzheitliches System zur Selbstkultivierung des Menschen mit dem Ziel eine sich selbst tragende Persönlichkeit zu schaffen, die selbstbestimmt eigenverantwortlich und souverän im eigenen Leben aktiv ist und vernünftig und mitmenschlich handelt – und zwar Jetzt!

Allerdings, mit diesem „Jetzt“ ergibt sich ein Problem, ich müsste mich an dieser Stelle eigentlich bei Ihnen entschuldigen. Es ist sicherlich ärgerlich für Sie – sie haben sich extra Zeit für diesen Abend genommen! Ich hatte irgendwie keine Idee, wie ich diesen Vortrag gestalten könnte. Leider ist mir zu dem Thema nicht besonders viel eingefallen denn Freimaurerei ist nur im Hier und Jetzt möglich. Freimaurerei ist die freimaurerische Tat des Einzelnen in der Gegenwart. Ich könnte Ihnen natürlich viel darüber erzählen, aber diese Erzählung kann die Tat nicht ersetzen. Deshalb halte ich es für das Beste, wenn ich diesen Vortrag erst gar nicht beginne, sondern Sie zu Wort kommen lasse. Ich schlage vor, dass wir den Titel „Freimaurerei im Hier und Jetzt“ einfach ändern. Lassen Sie uns einfach einen neuen Titel nehmen: „Kein Vortrag sondern Gemeinsamkeit!“ und lassen Sie uns anstelle des Vortrages zusammen über die Idee der Freimaurerei sprechen.

Haben Sie Fragen dazu oder Gedanken, die wir gemeinsam weiterentwickeln können?

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