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Traktat: Freimaurerei und Öffentlichkeit

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Inhaltsverzeichnis

Freimaurerei und Öffentlichkeit

von Emil Focke


Freimaurerei und Öffentlichkeit, Anmerkungen zu den jüngsten Büchern: Dan Brown „Das verlorene Symbol“ und Burkhardt Gorissen „Ich war Freimaurer“.

Informationsabend für Gäste

Mit meinem heutigen Thema möchte ich an unseren Informationsabend für Gäste vom letzten Monat, mit dem Titel: „Freimaurerei heute“ anknüpfen und Sachverhalte, die von Br. Joachim Alt aufgezeigt wurden, aus meiner Sicht weiter behandeln, zumal die anschließenden Fragen zeigten, dass der Begriff Freimaurerei sehr wohl bekannt ist, aber Unkenntnis darüber besteht, um was es sich dabei konkret handelt.

In den letzten Wochen und Monaten ist das Thema Freimaurerei immer wieder von den Medien aufgegriffen worden. Im Fernsehen und in den Zeitungen gab es Berichte, sodass viele Bürger, die sich bisher keine Gedanken darüber gemacht haben, fragen: „Was hat es eigentlich mit der Freimaurerei auf sich?“

Vor allem ältere Menschen haben vielfach wirre Vorstellungen über diese Bruderschaft, die auf die negativen Veröffentlichungen vor allem der kath. Kirche basieren, aber auch auf die Nazi-Propaganda aus dem 3. Reich zurückgehen. Verschwörungstheoretiker behaupten immer wieder, wir seien ein Geheimbund und wollen die Weltherrschaft erringen. Mit dieser Aussage dichten sie der Freimaurerei ein Machtgefüge an, das die Logen noch nie hatten, nie angestrebt haben und auch nicht anstreben, da es nur um den einzelnen Bruder geht, der sich als rauen Stein begreift. Der raue Stein ist das Symbol für den Menschen mit seinen Unvollkommenheiten und unsere Vorstellung ist es, wenn ich in der Welt etwas verändern will, muss ich bei mir selbst anfangen, gemäß des Wortes von Johannes dem Täufer:
„Kehret um und ändert euren Sinn.“ [1]

Um dies einzuleiten wird der neue Bruder bei seiner Aufnahme an das Orakel von Delphi erinnert, indem er hört: „Erkenne dich selbst!“ Diese Forderung ist in meinen Augen eine Hürde, vor der sehr viele Menschen zurückschrecken, da sie gar nicht wissen wollen, wer sie sind, denn die Erkenntnis könnte Zweifel an sich selbst aufkommen lassen.

Wollen sich die Menschen überhaupt selbst erkennen?
Wer sucht wirklich die Wahrheit über sich selbst?
Sie könnte erschreckend sein, denn wir sind drei Personen in einer.

Nämlich:

einmal wie uns die anderen sehen,
einmal wie wir uns selbst sehen und
einmal wie wir wirklich sind.

Beide Sichtweisen, sowohl die, wie uns die anderen sehen als auch die, wie wir uns selbst sehen, sind mit Mängeln behaftet. Hier beginnt die Schwierigkeit, denn üblicherweise möchten wir unsere vorgefaßte Meinung über uns selbst von unseren Mitmenschen bestätigt haben, und wer uns schmeichelt, ist uns allemal sympathischer als jener, der uns den Spiegel vorhält. Und Hermann Hesse hat dazu geschrieben: „Nichts auf der Welt ist dem Menschen mehr zuwider, als den Weg zu gehen, der ihn zu sich selber führt.“

Die Parole der franz. Revolution: „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ war und ist auch eine Maxime der Freimaurer. Dieser Leitspruch hat natürlich viele Veränderungen innerhalb der bürgerlichen Gesellschaften gebracht, die vor allem von den Kirchen als verdammungswürdig ausgelegt wurden, da dadurch ihr bisheriges Herrschaftsmonopol in Frage gestellt ist.

Für die Nationalsozialisten wurde der Bund wegen seiner internationalen Verbindungen – wir nennen es Weltbruderkette – als Verschwörungsgemeinschaft gegen den Nationalstaat begriffen, zumal den Logen auch Juden angehörten und weiter angehören und diese mit deutschen Brüdern in einer Kette stehen. Deshalb wurden die Brüder Freimaurer von den Nazis als deren Handlanger bezeichnet und 1935 wurden die Logen verboten.

Auf die Historie werde ich nicht besonders eingehen, stattdessen möchte ich aktuelle Themen behandeln, die bereits vor einem Monat hier angesprochen wurden. So werde ich auf den neuesten Kriminalroman von Dan Brown, der gerade vor 6 Wochen in Deutsch erschien und in den englischsprachigen Ländern bereits ein Riesenerfolg ist, eingehen, dessen Titel lautet: „Das verlorene Symbol.“ Ungefähr gleichzeitig erschien in einem deutschen kath. Verlag des Buch: „Ich war Freimaurer“, geschrieben von einem ehemaligen Bruder Gorissen aus Mönchengladbach, der aus mir unbekannten Gründen den Bruderbund verlassen hat und als reuiger Sünder bei der Kirche anklopfte.

In Verbindung mit der Freimaurerei wird immer wieder der Begriff „Schottischer Ritus“ bzw. Hochgrade erwähnt, deshalb ein Satz vorab. Schon bereits sehr früh entwickelte sich in den USA ein System neben der regulären Freimaurerei, in dem das Gedankengut der sogenannten blauen Grade, Lehrling, Geselle und Meister weiter ausgedeutet wurde, was in der Praxis einen Wildwuchs von seltsamen Blüten hervorbrachte, die sich in der Literatur niederschlugen und somit zu den wildesten Spekulationen Anlass gaben und weiter geben.

Dan Brown hat einen Roman geschrieben, wogegen Gorissen sein Buch in Form einer Abrechnung mit der Freimaurerei verfasst hat, das er selbst als Sachbuch bezeichnet. Das trifft aber nicht voll zu, da es streckenweise einem Roman gleicht, indem der Autor seiner dichterischen Phantasie freien Lauf lässt. Er lässt die Vorurteile der Kirche geschickt in die Handlung und Beschreibungen einfließen. Dies ist notwendig, um die Botschaft, welche er aus Sicht des Verlages und seiner kirchlichen Berater, zu vermitteln hat, umgesetzt werden kann. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass ein verlagseigener Co-Autor mitgewirkt hat, denn für das Wesentliche zum Titel des Buches, hätten hundert Seiten ausgereicht, so sind es dreihundert geworden. Und als Widmung schreibt er: „Allen, die für mich gebetet haben“.

Das verlorene Symbol

Aber zunächst zu Dan Brown und seinem Buch: „Das verlorenen Symbol.“ Wer die Freimaurerei aus eigener Anschauung kennt, erkennt schnell, dass Dan Braun sich zwar intensiv mit dem Thema Freimaurerei beschäftigt hat, dieser aber nicht selbst angehört. Er versteht es einen Cocktail zu mixen, der Vergangenes mit Gegenwärtigem und frei Erfundenes, zusammenfügt und die sogenannten blauen Grade mit den Hochgraden verbindet, was zu einem Zerrbild führt, das selbst bei Brüdern, die noch neu im Bunde sind, bzw. den Hochgraden- also dem sogenannten „Schottischen Ritus“ nicht angehören, unverständlich bleibt.

Auf jeden Fall ist es ein Kriminalroman, der Spannung beinhaltet und Spekulationen Raum gibt und so nutzt Dan Brown geschickt die Tatsache, dass Freimaurerei und Loge keine geschützten Markenzeichen sind, um seine Fabulierkunst voll zu entfalten. Ein Grund dafür dürfte sein, dass in der Literatur frei erfundene Rituale kursieren, die mit der regulären Freimaurerei, wie wir sie pflegen, nichts zu tun haben.

So schreibt er, ich zitiere:

„Das Wesen der Freimaurerei ist das Geheimnisvolle, es enthüllt sich ausschließlich durch Symbole und Rituale. Das macht die Sache für mich ja so spannend und genau deshalb haben die Freimaurer immer Menschen angezogen, die im Bunde mit Gleichgesinnten gern über das Alltägliche hinaus denken."

Und eine andere Passage lautet:

„In einer Vorlesung vor Studenten empfiehlt Prof. Langdon einem wissbegierigen Studenten, um hinter das Geheimnis des Symbols zu kommen, sollte er den Freimaurern beitreten, um es aus erster Hand zu erfahren.
„Wie denn?“, meinte der junge Mann. „Die Freimaurer sind eine supergeheime Gesellschaft.“
„Supergeheim? Tatsächlich? (…) Warum tragen die Freimaurer dann für jedermann sichtbare Ringe, Krawatten- oder Anstecknadeln? Warum sind die Gebäude von Freimaurern so deutlich gekennzeichnet? Warum steht es im Internet und in der Zeitung wann ihre Zusammenkünfte stattfinden?“
Langdon lächelte, als er die verwirrten Gesichter sah.
„Die Freimaurer sind keine Geheimgesellschaft, sondern eine Gesellschaft mit Geheimnissen.“
„Das ist das selbe „, meinte jemand.
„Wirklich? Würden Sie die Coca-Cola Company als Geheimgesellschaft bezeichnen?“
„Natürlich nicht“ erwiderte der Student.
„Nun, was würde wohl passieren, wenn Sie zum Hauptsitz des Unternehmens gehen, an die Tür klopfen und nach dem Rezept von Coca-Cola fragen?“

Dr. Langdon zeichnet in seinen Vorlesungen ein sehr realistisches und positives Bild von der heutigen Freimaurerei, von Tugendhaftigkeit, den Sinn für Symbolismus und Spiritualität und sozialem Engagement.

So schreibt Dan Brown weiter:

„Können Sie mir drei Voraussetzungen nennen, die es braucht, um aus einer Ideologie eine Religion zu formen?“
„VGB“, meldete sich eine Frau zu Wort „Versprechen, glauben, bekehren.“
„Richtig“ bestätigte Langdon. „Religionen versprechen Erlösung, glauben an eine ausgefeilte Lehre und bekehren Ungläubige.“
Er hielt inne. „Nichts davon trifft auf die Freimaurerei zu. Freimaurer versprechen keine Erlösung; sie besitzen keine bestimmte Glaubenslehre und versuchen auch nicht, Menschen zu konvertieren. Um genau zu sein: Diskussionen über Religion sind innerhalb der Logen verboten.“
„Die Freimaurerei wendet sich gegen die Religion?“
„Im Gegenteil. Eine der Voraussetzungen, Freimaurer zu werden, ist der Glaube an eine höhere Macht. Freimaurerische Spiritualität unterscheidet sich von institutionalisierten Religionen insofern, als Freimaurer diese höhere Macht nicht näher definieren und ihr keinen Namen geben. Statt ihr eine definitive theologische Identität wie Gott, Allah, Buddha oder Jesus zu verleihen, benutzen die Freimaurer eher allgemeine Begriffe, wie ‚Oberstes Wesen’ oder ‚Allmächtiger Baumeister aller Welten’. Deshalb können Freimaurer unterschiedlichster Religionszugehörigkeit zusammenkommen.“
„Hört sich ein bisschen weit hergeholt an“, sagte jemand.
„Oder nur erfrischend aufgeschlossen?“, bot Langdon an. „In einem Zeitalter, in dem sich die unterschiedlichsten Völker gegenseitig umbringen, weil sie darüber streiten, wessen Definition von Gott die bessere ist, könnte man sagen, dass die Tradition der Toleranz und Aufgeschlossenheit, wie sie von den Freimaurern propagiert wird, eher empfehlenswert ist.
Langdon ging auf dem Podium auf und ab. „Außerdem steht die Freimaurerei Menschen sämtlicher Rassen, Hautfarben und Glaubensrichtungen offen. Die Freimaurer sind eine spirituelle Bruderschaft, die keine Diskriminierung kennt.“ - (Zitatende)

Von Brüdern, die das Buch gelesen haben wird der Roman wie folgt beschrieben, ich zitiere aus einer frm. Zeitschrift:

„Zusammenfassend kann bestätigt werden, dass Dan Brown nicht viel mehr aufdeckt, als die Freimaurer ohnehin selbst bereits in ihrer rund dreihundertjährigen Geschichte von sich preisgegeben haben.
Die kurzen Einblicke ins Ritual sind eine (durchaus unterhaltsame) Mischung aus viel Fiktion, wenigen realen Details und alten Ritualen der irregulären Freimaurerei.
Wer sich hierdurch angezogen einer deutschen Loge nähert, wird sicherlich schnell enttäuscht werden.
Die sonstige Beschreibung der Freimaurerei ist allerdings durchweg positiv und entspricht weitestgehend der Realität, wirkt aber teilweise ein wenig gestelzt und künstlich in die Geschichte eingearbeitet, ohne dass es diese wirklich voranbringen würde.
Es scheint fast, als habe Dan Brown eine Wette angenommen, dass er es nicht schaffen werde, den kompletten Text einer Freimaurer-Infobroschüre in seinen Roman einzuarbeiten.
Er dürfte die Wette gewonnen haben.“ (Zitatende)

Da ich selbst kein Mitglied des Schottischen Ritus bin, kann ich nur wenig dazu sagen, deshalb möchte ich es bei dieser kurzen Darstellung bewenden lassen. Jedenfalls kann man herauslesen, dass er, Dan Brown, bestätigt, dass das verbreitete landläufige Klischee von Verschwörungstheorien die sich angeblich um die Freimaurerei ranken absurd ist.

Ich war Freimaurer

Wie anders liest es sich dagegen bei Burkhardt Gorissen in seinem Buch: „Ich war Freimaurer“.

Beim letzten Gästeabend wurde gefragt, ob es das erste Mal sei, dass ein ehemaliger Freimaurer in dieser Form wie Gorissen an die Öffentlichkeit gegangen ist. Nein, er ist nicht der Erste und wird nicht der Letzte sein, zumal sich mit geheimnisumwitterten Spekulationen und Themen vorzüglich Geld verdienen lässt.

Der Augsburger St. Ulrich Verlag schreibt in seiner Ankündigung:

„Mit der Erkenntnis, dass Freimaurerei und Christentum unvereinbar seien, verließ er im April 2008 trotz weiterer Karrierechancen die Freimaurerei. Diesen Trennungsprozess und seine freimaurerischen Erfahrungen beschreibt er in seinem Buch Ich war Freimaurer.“

Soweit so gut, es gehört zur Werbung, dass der interessierte Leser neugierig gemacht wird.

Allerdings erinnert dieser Vorgang an den französischen Publizisten und Buchhändler Leo Taxil, der vor gut 100 Jahren ähnlich handelte und mit der Veröffentlichung seiner Erkenntnisse in der kath. Kirche großes Aufsehen erregte, da man ihm bedingungslos glaubte. Wichtig war nur, es entsprach dem eigenen Klischee, das Papst Leo XIII. im April 1884 mit seiner Enzyklika „Humanum Genus“ wortreich formuliert hatte.

Wie war es überhaupt dazu gekommen?, werden Sie mit Recht fragen. Nun Taxil, war 1881 in einer Pariser Freimaurerloge aufgenommen worden, wurde aber bereits nach dreimaligem Besuch wegen Vergehens gegen die freimaurerische Ehre (unsaubere Geschäfte) ausgestoßen.
Eines Tages merkte Taxil, dass seine Bücher sich zusehends schlechter verkauften. Die Christen kauften sie ohnehin nicht. Und die Klientel, die er bislang angesprochen hatte, fand es auch nicht mehr so interessant für Taxil noch Geld auszugeben. Er stand nun vor der Frage, wie es mit ihm weitergehen solle.

Nun war er als leidenschaftlicher Bekämpfer des Katholizismus bekannt, (er gab sogar ein antiklerikales Jahrbuch heraus). So erregte es gewaltiges Aufsehen, als Taxil 1885 öffentlich seiner Vergangenheit abschwor und sich feierlich zur kath. Kirche bekannte, mit der Ankündigung, jetzt für diese streiten zu wollen.
Die Bekehrung des bisherigen Todfeindes wurde als gewaltiger Triumph der Sache der Kirche gewertet. Der Apostolische Nuntius in Paris lud ihn ein, seine Feder in den Dienst Roms zu stellen, und niemand ahnte, dass Taxil in Wahrheit einen überdimensionalen Schwindel vorbereitete, einmal, um die gehasste Freimaurerei zu treffen, anderseits, um einen großen geschäftlichen Fischzug zu unternehmen.
Damit dieses gelingen konnte, wendete er seine Zauberformel an, die allen Widerspruch im Keime erstickte.

Er triefte vor Ergebenheitsversicherungen gegenüber dem Papst, berief sich immer wieder auf dessen „unfehlbare“ Lehraussprüche über die Teufelsgefolgschaft der Freimaurer, versicherte, jedes Wort und jeden Buchstaben widerrufen zu wollen, die dem heiligen Vater nicht gefielen, schmähte die Protestanten und pries die Jesuiten.

Und siehe da, Taxil wurde im Handumdrehen ein Liebling der papsttreuen Welt und seine Bücher fanden einen reißenden Absatz.
Die katholische Zeitungswelt verherrlichte ihn so sehr, dass die geistlichen Herausgeber mit vollem Recht in ihrer Empfehlung erklären konnten:

„Wenn von irgendeinem Werke, so kann man von dem Werke Taxils sagen, dass dasselbe von der gesamten katholischen Presse Deutschlands, Österreichs und der Schweiz aufs Wärmste in jeder Hinsicht empfohlen ist.“

Ein großer Erfolg war für Leo Taxil, dass er nun durch die Fürsprache des Päpstlichen Nuntius zu Paris, vom Papst selbst in privater Audienz empfangen wurde. Eine Auszeichnung, die nur wenigen hochgestellten oder um das Papsttum wohlverdienten Sterblichen zu Teil wird.
Durch diese hohe Ehrung empfing Taxil einen neuen Antrieb, in seinem Schwindelwerk fortzufahren. Seinen größten Triumph feierte Taxil, anlässlich des 800jährigen Jubiläums der Kreuzzüge, auf dem Weltkongreß der röm-kath. Antifreimaurer zu Trient, im Herbst 1896.
Der Papst selbst hat die ganzen Jahre hindurch, in Rundschreiben, Briefen, Ansprachen und Verordnungen, Erklärungen abgegeben, die als lehramtliche Bestätigungen der Teufelsschwindelein aufgefaßt werden mussten; und die Gesinnungsgenossen Taxils versäumten es nicht, durch fortwährende Berufung auf den Papst dies gründlich zu unterstützen und dadurch jede Neigung des Widerspruchs im Keim zu ersticken.


Nach 12 Jahren kam der Schwindel endlich allmählich ans Licht, nachdem auch Fürst Bismarck und Kaiser Wilhelm II. zur Sache das Wort ergriffen hatten.

Der Taxil-Schwindel ist aber so umfangreich, dass es unmöglich ist, ihn in wenigen Minuten darzulegen, deshalb nur noch eine kurze Anmerkung zum Ausgang. Taxil hat etliche Bücher, heute würde man sagen Bestseller veröffentlicht und steigerte sich in immer groteskere Erzählungen hinein, bis er das Thema ausgereizt hatte und im April 1897 in Paris in einer von ihm einberufenen Pressekonferenz, in der auch viele katholische Geistliche anwesend waren, dem staunenden Publikum mit lächelnder Mine erklärte: „Liebe Leute, seid mir nicht böse, ich habe euch ja nur an der Nase herumgeführt. Ich wollte der Welt zeigen, was alles in der Kirche möglich ist, die sich rühmt, ein unfehlbares Oberhaupt zu besitzen und die Menschen, die sich von ihr leiten lassen, vor Irrtum zu bewahren.“

In der Folge reiste er durch Frankreich hielt Vorträge und berichtete über den Klerus, der ihm jede Lüge glaubte, wichtig war nur, sie war verwegen genug.


Nun zu Gorissen und seinem Bekenntnisbuch: „Ich war Freimaurer.“
Gibt es eine Parallele zu Taxil? Zumal ich im www über seinen beruflichen Werdegang von mäßigem schriftstellerischen Erfolg gelesen habe. So bleibt zu vermuten, dass er mit dem vorgelegten Titel auf den finanziellen Erfolg spekuliert, den er mit dem Thema erzielen kann.

Liest man sein Buch aus der Sicht eines gläubigen Kirchengängers drängt sich der Verdacht auf, dass alle modernen Einsichten über Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit verwerflich sind, weil sie von den Freimaurern angestoßen, bzw. ins Werk gesetzt wurden.

Denn er schreibt z. B.: (S.43 ff)

„Am Ende ist es das Geheimnis, das Außenstehende an der Freimaurerei begeistert und beängstigt zugleich. Den Wettstreit zwischen Neugier und Befürchtung gewinnt in der Regel die Neugier. Werben die Freimaurer nicht selbst damit, dass in ihren „heiligen Hallen“ das Unaussprechliche geschieht?

Jeder von ihnen bezeichnet sich als Stein, an dem er arbeitet. Darin lag kein Hochmut wie ich fand, sondern die logische Grundhaltung des modernen Menschen, sich selbst als das Maß aller Dinge zu sehen. (…)

Und er behauptet sogar, Zitat:

„Der christlichen Wahrheit, dass in Christus Gott Mensch geworden ist, setzt die Freimaurerei die irdische Gewissheit entgegen, dass in der neuen Weltordnung der Mensch Gott ist.“

Dem muss ich entgegenhalten, dass dies eine bewusste Irreführung des Lesers ist, denn die Freimaurerei vermittelt keine irdischen Glaubenswahrheiten, sondern erwartet lediglich von dem einzelnen Bruder, dass er eine Macht über sich anerkennt, die symbolisch „Allmächtiger Baumeister aller Welten“ genannt wird.
Da die Freimaurerei weder eine Religion noch Kirche ist, braucht sie Gott nicht zu beweisen und hat demzufolge nicht das Bedürfnis den Menschen, auch nicht den Bruder Freimaurer, als Gott einer neuen Weltordnung darzustellen, wie dies der Autor Gorissen, suggerieren will.

Weiter fährt er fort:

„Wer stand mehr dafür als Voltaire, Rousseau, Goethe, Fichte. Freimaurer allesamt, Heroen und Geistesdespoten zugleich. Ist es ein Wunder, dass viele politische Umstürze der Neuzeit von dem Ideengut Freimaurerei – und Freimaurern selbst geprägt worden sind? Ob wir von Simon Bolivar in Kolumbien reden oder von Miranda in Venezuela, Magalhaes in Portugal, Mazzini und Garibaldi in Italien. Bela Kun und Kossuth in Ungarn, Kemal Pascha Atatürk in der Türkei, Jose Rizal auf den Philippinen, Mirabeau, Robespierre, Danton in Frankreich. Allesamt Logenbrüder! Allesamt Verkünder eines irdischen Paradieses, das sich in Wahrheit als Hölle erwies.“ (Zitatende)

Zu dieser Aussage fällt mir ein, dass die irdische Hölle schon im Alten Testament der Bibel sehr drastisch beschrieben wird, indem es von gottgewollten Kriegen nur so wimmelt. Wobei die Schreckensherrschaft des christlichen Mittelalters in Europa und die Christiani-sierung der neuen Welt kein Ruhmesblatt sind, wie sich dieser Angriff auf die Kämpfer für eine bessere Welt – wie er schreibt – allesamt Freimaurer – darstellt.
Selbst der 30-jährige Krieg war ein reiner Religionskrieg. Mit anderen Worten, er verteidigt nun, als reuiger Sohn der Mutter Kirche, deren Schreckensherrschaft mit ihren brennenden Scheiterhaufen und die Hinrichtung von freiheitlichen Geistern.

Mit der anprangernden Aufzählung der genannten Staatsmänner und Politiker, die in den unterschied-lichsten Ländern für die Befreiung der Bürger aus der Bevormundung durch Adel und Klerus eintraten, bedient er die Haltung der Kirche, die diese Entwicklung zutiefst verdammt.

Weiter führt er aus, ich zitiere:

„Die Verkörperung großer Kulturerrungenschaften nehmen die Freimaurer für ihre Erfolgsgeschichte in Anspruch. Erfindungen und Entdeckungen in Wissenschaft und Künsten, kurz, das Vorwärtsschreiten des Menschengeistes, gedieh nicht all das auf dem freimaurerischen Humus?

In der Tat, die Freimaurerei sieht ihren messianischen Auftrag darin, eine Zeit zu schaffen, in der allein der Geist der Humanität herrscht. Nicht nur im Individuum, sondern in allen religiösen und sozialen Einrichtungen der ganzen Menschheit. Ausgehend von diesem Grundgedanken haben Freimaurer versucht, Wohltätigkeits- und Hilfsorganisationen aufzubauen und globale Vereinigungsprozesse anzustoßen.
Der Schweizer Freimaurer Henri Dunant gründete das Rote Kreuz und stand mit anderen Freimaurern an der Wiege des Christlichen Vereins junger Menschen (CVJM). Auch bei politischen Vereinigungsbewegungen saßen Freimaurer in den Gründungs-Komitees. Der Gedanke der Vereinten Nationen – ein rein freimaure-risches Unternehmen. Die Charta der UNO oder die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ oder die Olympische Idee, alles hochlöbliche Errungenschaften.“

Dazu ein Hinweis auf eine Erklärung der Internationalen Bewegung "Wir sind Kirche" des Europäischen Netzwerks "Kirche im Aufbruch" anlässlich der Europa-Synode katholischer Bischöfe in Rom im Oktober 1999 u. a.:

„Die katholische Kirche muss endlich die Schande tilgen, dass der Heilige Stuhl bis heute die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte nicht unterzeichnet hat und sie muss die volle und ausnahms-lose Gleichberechtigung der Frauen auch in der eigenen Kirche glaubhaft machen – nicht durch Worte, sondern durch Taten.“

Einen Humanisten unserer Tage, einen Bruder Freimaurer, hat er entweder ausgeklammert oder vergessen. Es ist Br. Karlheinz Böhm mit seiner Initiative: „Menschen für Menschen.“

Weiter prangert er an:

„Ökumene und Freimaurertum, auch da ergeben sich Verbindungen. Der Mitbegründer der ökumenischen Bewegung Nathan Söderblom war Hochgradfreimaurer, ebenso gehören etliche hohe Würdenträger der protestantischen Kirche dem Freimaurerorden an. Bei der anglikanischen Kirche verhält es sich ähnlich. (….)
Das Ethos der Humanität ist zugleich ein geheimnisvoller Magnet, der Menschen anzieht. Dadurch, dass in diesem Sammelpunkt politische und religiöse Diskussionen ausgeschlossen wurde, trat der Mensch in den Mittelpunkt.“

Hier schreibt er bewusst die Unwahrheit, denn als ehemaliger Meister vom Stuhl kennt er die Regeln wonach Diskussionen geführt werden. Wobei sich das von Ihm Beschriebene nur auf die rituelle Arbeit bezieht und nicht auf den Austausch von Meinungen der Brüder untereinander. Auch wir Freimaurer sind Bürger eines Staates, somit politische Wesen, die sehr wohl miteinander, sowohl über Politik als auch über Religion diskutieren können. Die einzige Einschränkung besteht darin, dass weder Wahlreden für eine bestimmte poli-tische Partei, noch Missionierung für eine bestimmte Religion betrieben wird. Ansonsten können alle Themen behandelt werden, nur darf es nicht zu Streitgesprächen kommen, die in Feindschaft ausarten könnten.

Gorissen bezeichnet in einem Interview auf der Buchmesse sein Buch als ein Bekenntnisbuch für den christlichen Glauben und fügt hinzu, dass das Christen-tum eine Religion der Freiheit ist. Nun spricht er explizit vom Christentum und da stimme ich ihm sogar zu, wobei aber zu berücksichtigen ist, dass das Christentum ein Kaleidoskop vieler Strömungen ist, die sich alle auf den jüdischen Wanderrabbi Joshua berufen und ihn doch jeweils in ihrem Sinne interpretieren.

Weiter sagte er in dem Interview, ein Großmeister hat gesagt, die Freimaurerei ist eine wunderbare Sache, wenn nur die Brüder nicht wären. Der als Gag gedachte Spruch kursiert schon lange unter den Brüdern und dürfte ein Teil der Selbsterkenntnis sein und soll zum Ausdruck bringen, dass es weder den vollkommenen Menschen, noch die vollkommene Gesellschaft gibt, weder in der Loge, noch anderswo.

Der schweizerische Volksschriftsteller und Freimaurer Heinrich Zschokke (1771-1848), schreibt in einer seiner Schriften:

„Es lebten und leben tausend edle Männer als echte Freimaurer, wenn sie auch nie das Innere einer „gerechten Loge“ sahn; während Tausende es sahn, ohne darum echte Maurer zu sein; gleichwie auch in allerlei Religionen fromme Geister im Geiste Jesu lebten, ohne je einen christlichen Tempel besucht zu haben, während Tausende der Christen, eifrig in der Kirche und für die Kirche, wohl nicht zu den wahren Nachfolgern des göttlichen Meisters gehören. Denn so wie viele den Schein für das Wesen, das Mittel für den Zweck, die Kirchlichkeiten für die Religionen selbst halten, so halten viele auch die Logenbräuche für Maurerei.“ (Zitatende)

Womöglich ist hier der Schlüssel zu finden, warum er enttäuscht die Loge verlassen hat um sich wieder der Kirche anzuschließen, denn im Epilog seines Buches beschreibt er, dass ihm Zweifel kamen ob die Freimaurerei das richtige für ihn sei und deshalb suchte er das Gespräch mit einem Priester. Dieser bestätigte ihm nochmals, was er schon wusste, nämlich dass die Mitgliedschaft in der Freimaurerei mit der Lehre der kath. Kirche nicht vereinbar sei, obwohl er auch hier wieder ungenau Christentum schreibt.

Und er schreibt weiter:

„Ich musste noch mal hören, dass jeder, der das Gegenteil behauptet, bewusst oder unbewusst die Unwahrheit sagt. Jedes Mitglied einer Freimaurerloge lebt in schwerer Sünde.“

Der Priester versicherte ihm: „Die Beichte kann ich Ihnen erst abnehmen, wenn Sie ausgetreten sind.“

Diesen Schritt hat er vollzogen und ich wünsche ihm für die Zukunft seinen irdischen Frieden, denn alles was danach kommt ist Spekulation und entzieht sich, durch einen imaginären Schleier, unserem Auge.

Geheimnis und Verrat in der Freimaurerei

Die kath. Kirche nimmt für sich in Anspruch, dass die Eucharistie ihr innerstes Geheimnis sei. Was sicherlich richtig ist, denn kein Mensch wird dies jemals begreifen, so hat die evangelische Kirche vom Abend-mahl eine andere Vorstellung, weil sie die kath. Definition nicht anerkennt.

Also frage ich, warum lässt man den Freimaurern nicht ihr innerstes Geheimnis und meint man müsse unbedingt etwas aufdecken, was nicht mitteilbar ist, weil es nur das Erleben des einzelnen Bruders betrifft. Gorissen hat versucht, dieses Geheimnis preis zu geben, aber ich konnte es bei ihm nicht finden, obwohl ich mit meiner Aufnahme in den Bruderbund das gleiche Ritual erlebte wie er.

Noch eine kurze Anmerkung zu Freimaurerei und Öffentlichkeit: Es gibt unendlich viel Literatur zum Thema Freimaurerei und ganze Bibliotheken sind damit gefüllt. Wer sich informieren will kann alles finden, sowohl positive als auch negative Veröffentlichungen. Das Problem besteht nur darin die Spreu vom Weizen zu trennen. Was ist authentisch, was ist Spekulation und was ist negative Propaganda?


Das Internet ist eine Fundgrube und in allen Sprachen gibt es Hinweise und Abhandlungen. Gibt man in die Suchmaschine bei Google den Begriff Freimaurer ein, erhält man ungefähr 3,4 Millionen Seiten, also Hinweise auf Freimaurer angezeigt.


Fachleute schätzen die gesamte Literatur zum Thema Freimaurerei auf rund 100.000 Bücher und Schriften. Ein Teil dieser Literatur ist im Verzeichnis der Deutschen Freimaurer Bibliothek, die dem Deutschen Freimaurer Museum in Bayreuth angeschlossen ist, enthalten. (Schneider, 1977).

Gern wird behauptet, wir Heutigen wären die best informierte Gesellschaft, die es je gab.

Das ist eine propagandistische Fehlinformation, um vom wahren Sachverhalt abzulenken. Richtig ist, dass wir die besten Möglichkeiten haben, die es je gab, aber das heißt echte Arbeit, denn die Wahrheit ist nicht auf den Marktplätzen zu finden, sondern sie irrt unerkannt umher und es bedarf großer Anstrengungen um ihr näher zu kommen.

Fazit

Mein Anliegen war es, Gedankenanstöße zu geben, um zur Diskussion anzuregen. Um noch einmal auf Gorissen zurück zu kommen, frage ich Sie verehrte Zuhörer:

„Wie würden Sie – ein jeder Einzelne von Ihnen – einen Freund beurteilen, dem Sie etwas vertraulich mitteilen und der Ihnen gleichzeitig feierlich verspricht, dies nicht an Dritte auszuplaudern?, aber nach einiger Zeit hören oder lesen Sie, dass das von Ihnen Gesagte, entstellt wieder zurückkommt!“

Unsere freiheitlich orientierte Gesellschaft ist mehrheitlich durch die christlichen Kirchen geprägt, und wenn die Kirchen darüber klagen, dass immer mehr Gläubige diese verlassen, was dazu führt, dass dadurch ihr Einfluss geschwächt wird, haben sie sich das selbst zuzuschreiben und sie sollten ehrlichen Herzens eine Gewissenserforschung betreiben.

Tatsache ist jedenfalls, dass durch die Aufklärung die Menschen animiert wurden nicht mehr alles was ihnen erzählt, bzw. als unumstößliche Wahrheit verkündet wird, unreflektiert hinzunehmen.

Es sollte immer die Kernfrage im Hinterkopf behalten werden: „Wem nützt es?“ (lat. Cui bono?)

Aus diesem Grunde möchte ich mit einem Gedicht von Eugen Roth schließen, in dem er schreibt:

Lebenslügen!

Ein Mensch wird schon als Kind erzogen
Und, dementsprechend, angelogen.
Er hört die wunderlichsten Dinge,
Wie, daß der Storch die Kinder bringe,
Das Christkind Gaben schenkt zur Feier,
Der Hase lege Ostereier.

Nun, er durchschaut nach ein paar Jährchen,
Daß all das nur ein Ammenmärchen.
Doch andre, weniger fromme Lügen
Glaubt bis zum Tod er mit Vergnügen.


Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.


Emil Focke
Steinfurt, den 03.12.2009


Literatur:
Lennhoff, Posner, Binder - Internationales Freimaurerlexikon, 1932/2003
Burkhardt Gorissen - Ich war Freimaurer, 2009
Appel/Oberheide - Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit, 1986
P. Bräunlich - Leo Taxil - Ein Miniaturbild aus dem großen Verzweiflungskampfe der
römischen Priesterherrschaft um ihren Bestand, 1899
Zirkelkorrespondenz - Dan Browns „Lost Symbol“, Nov. 2009

Ergänzungen

[1] Johannes der Täufer „Kehret um und ändert euren Sinn.“

Mk.1,4:
"Johannes, der war in der Wüste, taufte und predigte von der Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden."
Lk.3,1-14:
"Und er kam in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung Sünden,"
→ Wikipedia:
"Das griechische Wort, das im Neuen Testament mit Buße übersetzt wird, ist μετάνοια metanoia, von νοεῖν noein, „denken“ und μετά meta, „um“ oder „nach“, wörtlich also etwa: „Umdenken, Sinnesänderung, Umkehr des Denkens“."

Siehe auch


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