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Traktat: Friedrich Ludwig Schröder, der Natur des Menschen und der eigenen Wahrheit verpflichtet.

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Inhaltsverzeichnis

Friedrich Ludwig Schröder, der Natur des Menschen und der eigenen Wahrheit verpflichtet

Quelle: Peter Lauber, 3. September 2016 - Zeichnung zur 200-jährigen Gedenkfeier am 3. Sept. 2016 im Hamburger Logenhaus Welckerstrasse

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Lasst mich versuchen, die gemeinsame Wurzel zu finden, in welcher die vergleichbaren Bestrebungen des Reformators der Freimaurerei und des deutschen Theaters zu erkennen sind.

F.L. Schröder wird mit 30 Jahren (1774) in die der Strikten Observanz zugehörigen Hamburger Loge „Emanuel zur Maienblume“ auf Empfehlung von Christoph Bode ohne Kugelung aufgenommen und bis in den 4. Grad zum Schottenmeister befördert.

Eine 5 Jahre zuvor beabsichtigte Aufnahme in die Braunschweiger Loge „Jonathan“ wurde ebenso wie die seines Begleiters „einhellig“ abgelehnt, weil „besagte beyde Komödianten seyen“.

Die Aufnahme von F.L. Schröder fand während seiner ersten und wohl erfolgreichsten Theater-Direktion in Hamburg (1771 – 1780) statt. Acht Dramen von Shakespeare wurden in dieser Zeit von ihm in Deutschland uraufgeführt. Erinnert sich unser Br. F.L. Schröder an seine Jugendzeit? Seine Eltern fliehen bei Anbruch des 7-jährigen Krieges (1756) aus Königsberg vor den heran nahenden russischen Truppen. Sie lassen ihren 12-jährigen Sohn alleine zurück.

Nach zweijährigem Aufenthalt bei einem Schuster findet der nunmehr 14-jährige Aufnahme bei dem englischen Seiltänzer-Ehepaar mit dem beziehungsvollen Namen Stuart (1758 – 1759) und lernt Shakespeare kennen, vier Jahre bevor Christoph M. Wieland mit seinen Shakespeare-Übersetzungen (1762 – 1766) beginnt!

Verweilen wir kurz in F.L. Schröders Jugendzeit, von der Wilhelm Hintze (Pastor, Meister vom Stuhl der Loge „Emanuel zur Maienblume“ und erster Großmeister der „Großen Loge von Hamburg“ nach dem zweiten Weltkrieg) berichtet:

„Es mutet uns wie ein Wunder an, dass aus dem Milieu, in dem Schröder seine Jugend, und aus der Art, wie er sein Leben in jungen Jahren verlebte, sich im Laufe der Jahrzehnte ein Mann von solchem Wissen, von dem Charakter und der Lebensauffassung entwickelt hat, wie wir sie an ihm wahrnehmen.“

F.L. Schröder verlässt Königsberg, durchlebt eine bittere Zeit auf der Straße, findet die Theatergruppe Ackermann und dadurch auch seine Eltern in der Schweiz wieder. Er leidet unter ständigen Auseinandersetzungen mit seinem Stiefvater und durchlebt eine turbulente Phase jugendlichen Aufbegehrens.

In seinem „Lebens- und Zeitbild von F.L. Schröder“ skizziert Gustav Höcker die Begegnung zwischen Stiefvater und Sohn mit folgendem Dialog: „Junge, wie siehst Du aus? Ich hoffe, Du bist ein anderer Mensch geworden!“ – „Wenn Hunger und Elend Menschen bilden können, so muss ich vollkommen geworden sein.“ Mit seiner Mutter versöhnt, zieht F.L. Schröder mit der Theatergruppe über Hannover – Begegnung mit Konrad Eckhoff - nach Hamburg (1764).

Es verbleiben nunmehr für F.L. Schröder 10 erfolgreiche Aus- und Weiterbildungsjahre bis zu dem Zeitpunkt seiner bereits erwähnten ersten Hamburger Theater-Direktion und der zeitgleichen Aufnahme in unseren Bund. Es sei am Rande erwähnt, dass im Jahr der Aufnahme von Schröder (1774) das Vorgründungs-Dokument der Illuminaten entsteht, welches Schröder noch zu Lebzeiten von Weißhaupt für seine Materialien-Sammlung erwirbt und für seine Engbünde vervielfältigt. Eine der Vervielfältigungen wird 2015 bei den Engbund-Unterlagen der Dresdener Logen (seinerzeit Schröder - Logen) im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz aufgefunden!

Mit Ackermanns beeindruckendem Theaterneubau mit 1400 Zuschauerplätzen (1765) wird die fahrende Schauspielgruppe als Theatergesellschaft in Hamburg sesshaft. Ein Zitat seines Biographen Berthold Litzmann über F.L. Schröders erste Jahre seiner Direktion verhilft uns zu einem tieferen Verständnis von Person und Werk:

„Es ist ein Schauspiel von unendlichem Reiz, den jungen Schröder … an der Arbeit zu beobachten: Diese Mischung aus nüchterner, kühler Berechnung und ganz in der Sache aufgehender selbstloser künstlerischer Begeisterungsfähigkeit; diese wolkenlose reine Klarheit über die zu erstrebenden höchsten Ziele, gepaart mit dieser Klugheit und Geschmeidigkeit in der geschickten Verwertung von Stimmungen und Launen des Publikums, um es unmerklich Schritt für Schritt diesen Zielen näher zu bringen, dieser tiefe strenge Ernst in allen künstlerischen Fragen … , innig verschmolzen mit sprudelnder Lebensfreudigkeit und heiterster Laune“.

Mit Klarheit, Klugheit, Begeisterungsfähigkeit, Nüchternheit und tiefem stillen Ernst nennt Berthold Litzmann Persönlichkeitseigenschaften, die später gleichermaßen in F.L. Schröders Freimaurerei wirksam werden.

An anderer Stelle notiert der Biograph:

„Die beiden Ziele, auf deren Verwirklichung er (Schröder) vom ersten Augenblicke seiner Direktionsführung hingearbeitet hat, lassen sich in zwei Worten zusammenfassen:

„Erziehung seines Publikcums von dem Standpunkt einer blos müßigen Schaugelüsten frönenden, kritiklosen Menge, zu der Einsicht eines, mit Geschmack nach höheren Gesichtspunkten, Dichtung und Darsteller beurteilenden Parterres, und zweitens, die moralische und zoziale Hebung seines Standes“. Mit anderen Worten ebenfalls von Berthold Litzmann vorgetragen: „Erziehung seines Publikums zu höchster künstlerischen Genussfähigkeit und die Erziehung seiner Künstler zu vornehmem Bürgertum.“

Erziehung und Bildung

Damit kommen zwei weitere Dimensionen hinzu: Erziehung und Bildung!

In schauspielerischer Hinsicht verlässt Schröder die in seiner Jugend begonnene tänzerische Laufbahn und distanziert sich auch vom „niederen Lustspiel“. Beide Sparten gehören damals schon – wie auch der Gesang – zur Grundausbildung der Schauspielkunst.

F.L. Schröder, sein väterlicher Freund und Lehrer Konrad Eckhoff sowie der jüngere August Wilhelm Iffland beherrschen als Dreigestirn den Theaterhimmel des ausgehenden 18. Jahrhunderts. F.L. Schröder wird sie jedoch alle übertreffen, auch seinen umjubelten Vorgänger in Wien, Johann F.H. Brockmann.

Friedrich Gottlieb Klopstock schreibt (1781) in F.L. Schröders Stammbuch (1780 – 1806):

„Schröder spielte keine Rolle gut [er war immer mehr als die Rollen, die er spielte, der Verf.], denn er war immer der Mann selbst“. Seine - der ersten Theaterdirektion in Hamburg - folgende Mitgliedschaft als Schauspieler und Regisseur am „Teutschen Nationaltheater“, dem späteren Burgtheater in Wien (1781 – 1785) stellt wohl den Höhepunkt seiner schauspielerischen Tätigkeit dar und festigt endgültig seinen herausragenden Ruf.

F.L. Schröder ist im Burgtheater der höchstbezahlte Schauspieler und gleichzeitig der meist gespielte Autor! In Wien lernt F.L. Schröder Wolfgang Amadeus Mozart kennen. Er wird (1781) von seinem späteren Bruder (1784) gebeten, ein Libretto zu schreiben. Die in der Literatur verbreitete Aussage, F.L. Schröder habe in Wien an keiner freimaurerischen Arbeit teilgenommen, erscheint auf Grund der intensiven persönlichen Beziehungen zu Freimaurern fragwürdig.

F.L. Schröder muss seine erfolgreiche Tätigkeit in Wien beenden (1785), um den Niedergang seines Theaters in Hamburg abzuwenden und damit die Einnahmequelle für seine Familie zu erhalten.

Hierzu schreibt sein Biograph F.L.W. Meyer:

„Hätte Schröder sich überwinden können, seine Kunst nur als Erwerbsmittel anzusehen, hätte er seine Reizbarkeit zu besiegen vermocht, oder seiner strengen Rechtschaffenheit entsagen wollen, um zu billigen, was er nicht gut hieß, zu befördern, was er nicht achtete: so bin ich berechtigt zu glauben, dass er alle Bewegungsgründe des Eigennutzes und der Selbstliebe - in weit kürzerer Zeit - in Wien [hätte] befriedigen können, als an jedem andern ihm zugänglichen Orte“.

Im gleichen Jahr (1785) beginnt F.L. Schröder mit seiner Ritualbearbeitung, welche bereits in der Ansprache des Meisters vom Stuhl, Bruder Hans-Peter Meißner dargelegt wurde.

Im Jahr zuvor (1784) hatte Schiller in Mannheim seine Rede über die Schaubühne als moralische Anstalt gehalten. Schillers Leitfrage war: „Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich bewirken?“ Schiller sah in der Schaubühne „ … eine Schule praktischer Weisheit, … ein Instrument gesellschaftspolitischer Aufklärung …“ und damit eine Möglichkeit zur Ästhetisierung des menschlichen Daseins.

Weisheit, Schönheit und Stärke

In F.L. Schröders Wirken erkennen wir eine Parallele zu Schillers Gedankenführung. Was Schiller für die Schaubühne beansprucht, realisieren F.L. Schröders Rituale: Weisheit, Schönheit und Stärke.

F.L. Schröder entspricht damit weitgehend Schillers Gedankenwelt. Doch F.L. Schröder geht weiter. Er bettet seine Konzeption der Bestimmung des Menschen in die Institution Freimaurerei ein. Er bedient sich dabei seines Theaterwissens. In seinen Ritualen entwickelt F.L. Schröder sein Menschenbild sukzessiv weiter und integriert es in den Gang der rituellen Handlung. Hier zeigt sich seine gedankliche Verbindung von Theaterkunst und Freimaurerei am deutlichsten.

Ebenfalls im Jahr 1785 übernimmt F.L. Schröders Freund Christoph Bode von Weimar aus die Leitung des Illuminatenordens in seiner zweiten Phase – nach dem Münchener Verbot durch den bayerischen Kurfürst Karl Theodor.

Bereits 1782 soll Schröder Mitglied der Illuminaten (Ordensname: „Roscius“) geworden sein, was jedoch in der Literatur heftig umstritten ist. Nicht umstritten jedoch ist Schröders Mitgliedschaft in Bodes neugestalteter Nachfolgeorganisation, dem „Bund der deutschen Freimaurer“. Sie gilt als vermeintliche Keimzelle Schröderscher Reform.

Im Jahr 1786 beginnt F.L. Schröders zweite Hamburger Direktionszeit (1786 – 1798) parallel dazu seine erste Amtszeit als Stuhlmeister bei der „Maienblume“. F.L. Schröder schreibt in dieser Zeit:

„Meine gegenwärtige Lage ist äußerst glücklich, … ich bin … sehr gesund, habe das beste Theater in Deutschland, wohne zum Beneiden gut, bin geschätzt und beliebt und besuche die ersten Gesellschaften (F.L.W. Meyer fügt hinzu: „Wie selten!“) F.L. Schröder fährt fort: „Auch kann ich Gutes thun und thue es redlich (F.L.W. Meyer bestätigt: „Wie oft!“)

F.L. Schröder versucht Schiller an seinem Theater zu engagieren, Schiller lehnt ab und bleibt bei Goethe in Weimar. F.L. Schröder reagiert auf seine Art und lehnt die spätere Einladung Goethes, bei der Uraufführung Schillers „Wallenstein“ in Weimar die Titelrolle zu übernehmen, seinerseits ab.

F.L. Schröders zweite Direktionszeit ist geprägt durch die Hamburger Erstaufführungen Mozartscher Singspiele, wie damals die Opern genannt wurden. F.L. Schröder greift in die Handlungen ein, ändert Texte, schreibt zum Beispiel in „Don Giovanni“ die berühmte „Champagnerarie“ und ersetzt damit den Originaltext von Lorenzo da Ponte, welcher mit Champagner nichts zu tun hatte. Die handschriftliche Partitur des Don Giovanni mit der Hamburger, d.h. Schröderschen Textfassung – neben dem italienischen Originaltext – befindet sich als einzige erhaltenen Quelle aus dem Fundus des Hamburger Staatstheater in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg.

Mozarts Schwägerin, seine erste große Liebe, das „Loyserl“ tritt bei F.L. Schröder in Hamburg auf (1795 – 1798) und nach Mozarts Tod gemeinsam mit ihrer Schwester Constanze, der Witwe Mozarts (1796).

Weitere prägende Einzelheiten aus F.L. Schröders Leben

Zum Tode seines Freundes J.J.C. Bode (1793) – die Literatur spricht von inniger Freundschaft - führt F.L. Schröder in seiner Gedenkrede aus: „… Ich verlor in ihm den uneigennützigsten und redlichsten meiner Freunde. Er war mein Rathgeber in meinen Jünglingsjahren; durch ihn ward ich Maurer … Freilich ward auch er getäuscht… Er war aber einer der Ersten, die hinter den Vorhang blickten; einer der Thätigsten, die deutschen Maurer aus der egyptischen Sclaverey und Finsternis leiteten, in welcher sie die hohen, theils bekannten, theils unbekannten Oberen gefesselt hielten.“

Das wohl prägendste - aber auch unbekannteste – Geschehnis in Schröders Leben: Am 29. Oktober 1796 wird Carl Friedrich Heiberg in Klensby Kirchspiel Moldenit bei Schleswig als außereheliches Kind von Friedrich Ludwig Schröder und seiner Adoptivtochter Anna Marianne „Nanette“ von Schwarzenfeld (* 29. Juli 1768 in Wien - † 11. März 1846 in Rellingen) geboren und im dortigen Kirchenbuch als Findelkind eingetragen, um die Illegitimität zu verschleiern.

Die Nachkommen von Dr. Carl Friedrich Heiberg († 1872 in Schleswig) leben in der 5. Generation nach Schröder mit ihren Kindern und Enkeln in den Vereinigten Staaten (New Rochelle, Alaska, Pennsylvania und Vancouver) als „bunter und lebensfroher Stamm Friedrich Ludwig Schröders in voller Blüte und zugleich als Zeugnis der Gradwanderung des Lebens zwischen Sein und Nichtsein, zwischen Zufall und bewusstem Handeln“, wie es der Historiker und genealogische Forscher Wieland Witt aus Rellingen berichtet.

Das uns bekannte Bild der Adoptivtochter Marianne von Schwarzenfeld befindet sich in New York bei den Erben unseres Bruders F.L. Schröder.

Marianne von Schwarzenfeld erbt das gesamte Rellinger Anwesen sowohl anteilig nach dem Tod von F.L. Schröder (1816) als auch vollständig nach dem Tod seiner Frau (1829). Sie verkauft das Anwesen 1834 nach Hamburg, bleibt aber vermutlich bis zu ihrem Tode (1846) in „Schröders Gästehaus“ wohnen.

Nach Ende seiner zweiten Direktionszeit (1798) begibt sich F.L. Schröder auf sein Landgut in Rellingen.

Ein herrschaftliches Wohnhaus auf 170 000 qm. Grund mit Stallungen und Viehbestand lassen aus F.L. Schröder einen Landmann werden.

F.L. Schröder vergleicht Bühne und Landwirtschaft und sagt: „Wer Menschen in Tätigkeit setzen will, der muß sich auf Unarten gefasst machen, wer Ruhe von ihnen begehrt, gar nichts von ihnen verlangen.“

F.L. Schröder hat Zeit, über seine so „moderne“ Theater-Entwicklung, den Übergang vom höfischen, gestelzten zum natürlichen Darstellungsstil nachzudenken.

Wir stellen die Parallele zu seinen freimaurerischen reformatorischen Arbeiten fest. Weg von den Irrungen und Wirrungen der damaligen Hochgradsysteme hin zum originalen Bauhütten-Ritual.

Sein Erfolg im Theaterwesen beflügelt ihn, Gleiches in der Freimaurerei durchzusetzen. Selbstbewusstsein und damit zwangsläufig Ungeduld haben seinen Charakter geformt. Sein überaus starker Wille, sein Streben nach Natürlichkeit und Wahrhaftigkeit prägen seine Arbeit – sowohl im Theater wie auch in der Freimaurerei.

In der „Hamburgischen Theater - Geschichte“ schreibt Johann F. Schütze bereits im Jahr 1794: „War er [Schröder] heiter, so lächelte alles an ihm; geizte er, so war alles an ihm Geiz; war er trunken, so war auch seine Hutfalte nicht nüchtern“ und Schütze fährt fort: „Sein Spiel, … immer so wahr den Charakter darstellend [und] der Natur getreu …“

An anderer Stelle: „ … hält sich an keinen Führer als die Natur …“ und „ … die Wahrheit und Schönheit seines Spiels …“. F.L. Schröder lehnt jede Unnatürlichkeit ab. Gepaart mit seiner Abscheu aller Unwahrheiten und seinem starken Durchsetzungsvermögen – ich darf mich wiederholen – tritt F.L. Schröder für Natürlichkeit und Wahrhaftigkeit ein. Durch diese menschlichen Qualitäten wird er somit zum Reformator des deutschen Schauspiels und der deutschen Freimaurerei. Der Natur des Menschen und der eigenen Wahrheit verpflichtet, erscheint das an Goethes Naturanschauung orientierte Wirken von F.L. Schröder zutiefst authentisch.

Lassen wir Goethe über Natur und Wahrheit zu Wort kommen

„Die Menschen sind all‘ in ihr und sie in allen. Mit allen treibt sie ein freundliches Spiel und freut sich, je mehr man ihr abgewinnt. Sie treibt’s mit vielen so im Verborgenen, dass sie zu Ende spielt, ehe sie’s merken.“ „Ihr Schauspiel ist immer neu, weil sie immer neue Zuschauer schafft. Leben ist ihre schönste Erfindung, und der Tod ist ihr Kunstgriff, viel Leben zu haben“.

„Die Natur versteht gar keinen Spaß, sie ist immer wahr, immer ernst, immer strenge, sie hat immer recht und die Fehler und Irrtümer sind immer des Menschen“.

Könnte das nicht genau so F.L. Schröder gedacht und gesagt haben?

Viel gäbe es von unserem Bruder F.L. Schröder noch zu berichten, seine Enttäuschungen über die Wandlungen des Hamburger Publikums, Ärger mit seinen Schauspielern und den Vertretern der Stadt. Zu nennen ist aber auch die überaus positive Gründung seines Engbundes (1796), dem Vorläufer der späteren Forschungslogen, die Wahl zum Zug. Großmeister der Provinzialloge zu Hamburg (1799), die Freundschaft und Ritual - Zusammenarbeit mit Herder und die zeitweise Annahme des Sohnes von Herder als Pflegesohn (1800), die Einsetzung seines neuen Rituals (1801), das Schrödersche Ritual bei der Reaktivierung der „Amalia“ in Weimar (1808), die erneute, nunmehr dritte Theater-Direktion als seine schwerste Epoche (1811 – 1812), die Gastfreundschaft mit der Aufnahme von Hamburgern und Russen in Rellingen während der französischen Besatzungszeiten (1811 – 1814), die Konstitution der „Großen Loge in Hamburg“ nach Trennung von der „Englischen Provinzial-Großloge zu Hamburg“ (1811), die Wahl zum Großmeister der „Großen Loge in Hamburg“ nach dem Tod seines Vorgängers J.Ph. Beckmann mit Schröders Kommentar „… die Brüder haben Lust, bald wieder eine Trauerloge zu halten“ (1814).

Eine gewisse Resignation breitet sich am Ende seines Lebens aus: Bitter schreibt F.L. Schröder am 23. November 1809:

„Die deutschen Maurer wollen betrogen sein, es liegt ein Hang zur Mystik in ihnen, der die gesunde Vernunft unterjocht.“

Genauso enttäuscht formuliert er es 1815:

„Wann wird die Periode eintreten, in der wenigstens in Deutschland eine vernünftige Freimaurerei allgemein eingeführt werden wird? Nie – denn Stolz, Dünkel und Eigennutz derer, die an der Spitze stehen, sind ein unüberwindliches Hindernis.“

Als Ziel und Aufgabe seines Lebens schreibt F.L. Schröder jedoch im gleichen Jahr: „Wahrheit für den Verstand, Recht für den vernünftigen Willen, Bruderliebe für das Herz – oder die gesellige Neigung. Auf diesen Zweck, ehrliche Leute aus Überzeugung zu vereinigen und zu bilden, muß die Freimaurerei sich einschränken“.

Heute vor 200 Jahren endet das Leben unseres großen Bruders

An seinem Grab singen seine Brüder die von ihm (1789?) vertonten Verse seines Lieblingsdichters, Friedrich von Matthisson (1761 – 1831); Auch von Schubert liegt eine Vertonung (1817?) vor:

„Wenn ich einst das Ziel errungen habe,
in den Lichtgefilden jener Welt,
Heil, der Träne dann an meinem Grabe,
die auf die hingestreuten Rosen fällt.“
Hier lernen wir eine weitere Seite F.L. Schröders kennen!

Friedrich Ludwig Schröder hat eine unfassbar harte und entbehrungsreiche Jugend zu bestehen, welche ihn sicherlich zu dem formt, was er später als Mensch darstellt. Seine Achtung vor dem Menschen wird ihm in seiner Jugend eingegeben.

Friedrich Ludwig Schröder hat das unwahrscheinliche Glück, in seinem Leben von zwei Frauen begleitet zu werden, welche strebsam und liebevoll, verantwortlich und umsorgend für ihn an seiner Seite stehen. Seine Mutter und seine Frau verhelfen ihm zu dem, wie er mit seinem Leben umgegangen ist und was er aus seinem Leben gemacht hat.

Friedrich Ludwig Schröder ist kein einfacher aber ein gerechter; sogar ein schwieriger aber ein korrekter Mensch. Seine Autorität und Geradlinigkeit machen es ihm bei seinen Brüdern und bei seinen Schauspielern leicht, seinen mitunter sehr starken Willen - mit Erfolg für beide Seiten - aufrechtzuerhalten. Aber als außergewöhnlicher Mensch mit großer Begabung besitzt er auch ein Durchsetzungsvermögen und eine Perfektion, welche für die Umwelt nicht immer leicht zu ertragen sind.

Friedrich Ludwig Schröder leistet in seinem Leben Unglaubliches, weit mehr, als der normale Mensch zu leisten vermag und viel mehr, als heute über ihn als Künstler, Schauspieler und als Reformator des deutschsprachigen Theaters und der deutschen Freimaurerei bekannt ist.

Friedrich Ludwig Schröder ist auch ein erfolgreicher Geschäftsmann, der genau weiß, was zu welcher Zeit gehört und gesehen werden will und was von seinem Publikum geliebt wird. Von seiner Geschäftstüchtigkeit profitieren seine Mitarbeiter und er gleichermaßen!

Friedrich Ludwig Schröder vereinigt in seltener Form drei Eigenschaften, welche in einem Menschen nicht oft zusammen treffen; ein geradezu überdurchschnittliches „handwerkliches“ Können, ein begnadetes unternehmerisches Verständnis und beides gepaart mit überaus anerkennenswerter Lebensart und Gesinnung.

Ich darf meine Zeichnung mit einer tiefen Verbeugung vor diesem großen Menschen und mit den Schlussworten seines Meisterunterrichts - dem wohl wertvollsten Credo an unseren Bund - beenden:

„Nach diesem Gesetze (dem Vernunftgesetz) sind wir Menschen, - weiter nichts. Wir suchen, was alle Menschen suchen sollen, - weiter nichts. – Wir kennen keine andre Würde, als die der Mensch sich selbst giebt und keinen anderen Reichthum, als unsere Rechtschaffenheit. Alles was wir sonst sind, und suchen, und wissen, und glauben, und haben, das lassen wir vor der Thüre unsrer Versammlung, und nehmen davon beim Ausgange wieder, was wir noch brauchen können und brauchen müssen.“

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