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Traktat: Hat sich das Institut des freien Maurertums wirklich in der Gegenwart überlebt?

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Hat sich das Institut des freien Maurertums wirklich in der Gegenwart überlebt?

Eine didaktisch-historische Skizze,

dargestellt bei der Aufnahme eines Katholiken, in der gerechten und vollkommenen St. Johannisloge Socrates zur Standhaftigkeit, im Jahre 5837.


Wir vernehmen oft in den Kreisen der sogenannten gebildeten Welt die kühn und apodiktisch ausgesprochene Bemerkung: das Zeitalter des Maurertums sei vorüber, dasselbe habe sich überlebt und wäre in der Reihe höherer sozialer Anstalten überflüssig geworden.

Auf die bescheidene Frage weshalb? erhalten wir von den Meisten keine oder eine höchst flache Antwort; nur die Unterrichteteren entgegnen: weil die großartigen Ideen, um deren Verbreitung sich unser erhabener Bund unbestreitbare Verdienste erworben habe, wie z. B. die von der Perfektibilität der Menschheit, sittlicher Freiheit als der Blütenkrone allseitiger Veredlung, Gleichheit der Menschen vor dem Richterstuhl der Vernunft, längst Gemeingut aller Geister geworden seien. —

Ist dem aber so, meine hochgeehrten BBr! hat sich der Bund freier Maurer im 19. Jahrhundert wirklich überlebt, ist sein Institut heut zu Tage in der Reihe höherer sozialer Anstalten in der Tat überflüssig geworden? Dies die Frage, zu deren Lösung ich hier nur einige Andeutungen zu geben versuche.

Zuerst wäre es nötig, uns über den eigentlichen Zweck und die Hauptrichtung unseres erhabenen Bundes zu verständigen, und demnach finde ich beides in der Lösung der Aufgabe, welche die Maurerei in ihrer ursprünglichen Reinheit sich stets gesetzt hat und noch setzt: das Ideal der Menschheit zu verwirklichen und diese zu ihrer höchstmöglichen Vollkommenheit hin zuleiten.

So also wäre der wahre und einzige Zweck unseres Vereins, wenn wir das Geschichtliche und die Idee zusammenfassen: Einigung der durch Stände, Staaten und andere — selbst kirchliche — Verhältnisse getrennten Menschen zu einer Menschheit, mittels einer gemeinsamen, an Symbole geknüpften Betrachtung aller rein menschlichen Zustände, und durch gesellige Förderung aller wahrhaften und wesentlichen Zwecke der Menschheit.

In seinem Kreise liegt mithin auch die Erweckung wahrhaft religiöser Gefühle, wie ich sie in mehreren meiner Reden häufig andeutete, aber wahrlich nicht kirchlich-konfessioneller Dogmen, ferner die Verbreitung rein menschlicher Kenntnisse, die Förderung rein menschlicher Kunst, die Erziehung der Ungebildeten zur Höhe einer wahrhaft menschlichen Bildung, zur Heiligung der Liebe und Freundschaft; die Ermunterung durch Beispiel, liebevollen Umgang, Würde und Anstand; die tätige Unterstützung alles Guten durch gemeinsame Kraft, und die Verbindung aller durch Raum- und Zeitverhältnisse getrennten Menschen durch diese edlen Zwecke der Menschheit, und durchs den Genuss der höheren, welche sich auf dieselben beziehen. —

Und die Mittel, durch welche der Maurerbund diesen Zweck zu erreichen strebte und ihn großenteils wirklich erreicht hat?

Statt der Antwort richte ich meinen Blick auf die geweihte Symbolik unsrer Hallen.

Der Suchende empfängt auf das Geheiß des Vorsitzenden das Licht, im Gegensatze zu feinem bisherigen Zustande, als die erste Belohnung seiner Unterwerfung unter das Gesetz; allein diese symbolische Handlung hat zugleich noch eine höhere Bedeutung, die wir Alle, m. gel. BBr.! anerkennen und ehren.

So wie nämlich das Licht von dem Blinden oder Verfinsterten am meisten verlangt wird, so muss die dem Suchenden verheißene und von ihm erwartete Erkenntnis das Höchste sein, wonach er Verlangen tragen soll. „Licht ist" — sagt in dieser Beziehung Br. Krause in. s. K. Urkunden so treffend — „das natürlichste, erfreulichste Bild wahrer, anschaulicher Erkenntnis.

Unsere Altvordern im Bunde ließen deshalb ganz folgerecht den Aufzunehmenden eine ihm neue, der damaligen Welt fremde, Erkenntnis erwarten, welche ihn erwecken und beleben soll, weil alles Gute und Schöne nur in anschaulicher Erkenntnis ausgebildet werden kann, so wie alle natürliche Dinge nur im Lichte gedeihen.

Im Herzen ist er, wenn er an diese Stelle kommt, der Voraussetzung nach, schon vorbereitet und für die Kunst: gut und vollkommen ohne Furcht und Hoffnung zu werden, und für die brüderliche Liebe, für die allgemeine Menschenliebe und für die allgemeine Weseneinigkeit in der einen Liebe zu Gott, empfänglich. Nun ist ihm am meisten Erkenntnis Not, ohne welche das beste Herz schwach und der beste Wille blind ist; so wie überhaupt eine Erkenntnis, die nicht den ganzen Menschen als Menschen durchwirkt, die das Herz nicht erwärmt, mit der kalten Klarheit und unfruchtbaren Pracht nordischer Eisfelder verglichen werden mag."

Licht verbreiten heißt also im maurerischen Sinne: die Menschheit zur Wahrheit oder richtigen Erkenntnis der Dinge und dadurch zu allen Tugenden heranzubilden, die Himmelstochter Duldung zu lehren und zu üben, alles Hemmende, Entgegenwirkende, Kastengeist, politischen und religiösen Sektenwahn, Systemsucht, mit einem Worte: ausschließende und verdammende Unduldsamkeit zu entfernen.

Darum gehört zum Licht die Wärme, und Br. Krause bemerkt a. a. O. „Licht ist so der Wärme vermählt, als wahre Erkenntnis dem Gefühle. Licht und Wärme verhalten sich ebenso zu allen schaffenden Kräften der Natur, wie Erkenntnis und Gefühl zu dem Kraftleben des Geistes." — Darum sei es hier noch einmal ausgesprochen: die Maurerei nimmt, wie kein anderes geistig-sittliches Institut der Welt, den ganzen Menschen in Anspruch, und zwar in weiser Anwendung ihrer Kunst auf das praktische Leben.

Das, meine hochverehrten BBr., sind die Mittel, durch welche jener Zweck unseres Bundes erzielt wird. Und unsre Zeit oder vielmehr die Menschheit in ihr — selbst in dem hochgebildeten Europa — sollte in der Tat auf einer solchen Stufe der Zivilisation stehen, dass die maurerischen Zwecke an ihr erreicht, und die Anwendung der eben angedeuteten Mittel überflüssig wären??!

Die kurze Andeutung einiger der jüngsten Erscheinungen, wie sie nur innerhalb eines Jahres im Gebiete der Menschheitsbildung auftauchten, und wie sie gerade meinem Gedächtnisse vorschweben, wird faktisch die Frage am sichersten lösen. Dabei werde ich jedes rein kirchliche oder politische Ereignis, nach dem Gebote unsres Bundes, insofern dasselbe nicht sogleich auch das Gebiet der Humanität berührt, vermeiden.

Es ist nicht zu verkennen, meine hochverehrten BBr.:, dass im Gebiete der Technik, der gewinnbringenden Erfindungen, des Luxus und vorzüglich auch der Kunst, unser Zeitalter mit Riesenschritten vorwärtseilt. Dampfschiffe und Eisenbahnen, Maschinendruck und kolorierte Lithographien, Daguerrotypen und elektrische Telegraphen, die uns in wenigen Minuten die Ereignisse aus fernen Ländern künden, vor allen aber die herrlichsten Gebilde der Kunst zeugen von der Richtung der Menschheit in der Gegenwart; sie heißt: Geldinteresse und Ausbildung der Phantasie auf Kosten der höheren Seelenvermögen.

Allein auch ein Benuenuto Cellini bildete, ein Rubens malte, während Unwissenheit, Barbarei und Aberglaube Europa umnachteten!

Wie aber steht es jetzt unter uns mit den Fortschritten der Menschheit zur Humanität, um mich jenes so oft missbrauchten, und doch hier allein richtig bezeichnenden Wortes zu bedienen; wie weit sind wir heute mit der Lösung der maurerischen Aufgabe gekommen: in jedem Stande und unter allen Verhältnissen wahrhaft Mensch zu sein, oder, wie unsere ältesten Kunsturkunden sich ausdrücken, in Ausübung der Kunst: „gut und vollkommen als Mensch zu werden, ohne die Antriebe von Furcht und Hoffnung??"

Ach! dass ich mit gleichfroher Zuversicht, wie im Gebiete der Kunst und der Gewerbstätigkeit, so auch in dem der Fortbildung des Rein - Menschlichen unter uns, nur auf Tatsachen, welche ein Weiterschreiten verkünden, hindeuten könnte! — Allein die schöne Zeit, wie sie am Abende des vergangenen und am Morgen dieses Jahrhunderts kulminierte, ist entflohen, und statt des lebendigen Besitzes der Riesengeister, welche damals Deutschland allseitig erleuchteten, eines Goethe, Schiller, Lessing, Wieland, Garve, Herder, Kant, Fichte, Jean Paul Richter und ihrer Geistesverwandten, von denen die meisten des Maurerbundes Weihe empfangen hatten, und uns nur ihr Wort zurückließen, begnügen wir uns, ihr Bild in Marmor oder Erz zu verewigen, und, anstatt selbst vorwärts zu schreiten, in wehmüthigen Erinnerungsträumen einer schöneren Vergangenheit zu schwelgen.

Die Geister, wie ich sie eben bezeichnete, sind wieder zum Lichte emporgeschwebt, aus dem sie herabkamen. Dafür aber haben die Theosophen der Gegenwart die schmutzigen Dämonen der Unterwelt heraufbeschworen, welche zwar bis jetzt noch ihre Wohnungen nur im Unterleibe des schwäbischen Bauernvolkes aufschlugen; aber wer bürgt uns dafür, dass sie, lüstern nach einem zarter gefalteten Organismus, nicht bald auch bei den höheren Ständen Hütten bauen?

Die Folge der schriftlichen Kunde und Lektüre solch gespenstischen Treibens auf das Volk ist stiller Wahnsinn und Raserei, wie ich denn seit einigen Monaten teils amtlich, teils zufällig mehre solche Individuen, (eine Dienstmagd, einen Porzellanmaler und einen Schriftstecher) kennen lernte, bei denen sich durch die Lektüre der jüngsten Schriften der bekannten Koryphäen der Gespensterkunde ein vollkommener Wahnsinn ausbildete, der bei dem einen unter ihnen in furchtbare Raserei ausartete, die ihn zuerst in das Irrenhaus und dann unter Eskorte in die Heimat brachte. —

Soll ich ferner erinnern an den vor wenigen Monaten verübten aktenmäßigen Mord einer betagten Witwe, Mutter mehrer Kinder, in dem Fischerdorfe Ceinoda, unweit Danzig, einer stillen, frommen Frau, die man einzig um des Verdachtes willen, sie sei eine Hexe, in der See ertränkte, und als sie nicht gleich untergehen wollte, ihr mit Ruderstangen den Kopf zerschmetterte? Oder auf die berühmte theosophische Gesellschaft in Königsberg, welche das Volk jedoch mit einem andern Namen bezeichnet?

Soll ich hindeuten auf die Restauration der Bettel- und anderer Klöster im Vaterlande, die Schutz- und Heilkraft der vom Himmel gefallenen Medaillen, die uns die romantische Zeit des gehörnten Siegfried zurückführen?

Verweilen wir, m. hochverehrten BB.! nur für wenige Augenblicke geistig in der alten klassischen Weltstadt (Rom) und blicken wir dort auf die nächtlichen Prozessionen mit entblößtem Unterkörper, die das, was sie abwenden sollten, die asiatische Brechruhr, zehnfach vermehrten; auf den höhern Ortes dort verweigerten Eintritt protestantischer Geistlichen in die Hospitäler zum Troste der Sterbenden ihrer Konfession, auf den Angriff und die beabsichtigte Verbrennung des Judenhospitals, da das Volk diesen Nicht-Christen das Entstehen der Seuche beimisst.

Schließen wir endlich die Betrachtung dieses Jammerbildes zu unserer Erheiterung mit dem weniger schädlichen und in der Tat humoristischen Erlasse des römischen Kardinals Pacca, der soeben öffentlich erklärte: dass kein Anderer an dem Unwetter dieses Jahres und der dadurch herbeigeführten Seuche Schuld sei, als die Philosophen, und zwar in England Loke und seine Schule, in Frankreich die Eklektiker, in Deutschland aber die Trias: Kant, Fichte, Schilling und vor allen Hegel. Von dieser Wetterpropagandabande rühre das schlechte Wetter zwischen unseren Polen her und nur mit dem Verschwinden der Philosophie könne es sich etwas erheitern.

Ach! und nicht allein im Süden Europa's tauchen solche betrübende Erscheinungen auf, durch welche die arme Menschheit in die alte Nacht zurückgezerrt werden soll; auch im deutschen Vaterlande trägt sich Ähnliches zu, stehen wenigstens die Ertreme einander schroff entgegen; hier ein schaler, hohler Indifferentismus, eine flache Aufklärerei der Halbgebildeten, ohne wissenschaftliche Gründlichkeit und Tiefe, dort stets wachsender Fanatismus des Sektenwesens, ein bindender, hemmender, ausschließender, verdammender, dogmatisierender Separatistenschwarm, der von der Tiefe und Stille eines echten, reinen Mystizismus auch keine Ahnung hat, sondern seinen Grund und Anker in dem Buchstaben toter Glaubensformeln sucht, konfessionelles Kirchtum, und den ewigen Himmelsgeist der Religion auf das betrübendste nicht nur vermengt, sondern die Würde und Wahrheit des ersteren auch missversteht und missbraucht.

Hier nun dünkt es mich an der Zeit: einen Hauptgrundsatz des Eklektischen Bundes, „dass die Maurer keine kirchlich-religiösen Zwecke kultivieren," kurz zu beleuchten; denn so wie eine oder mehrere Logen dogmatische Gegenstände behandeln wollten, so würden sie in ebenso viele abgesonderte Kirchengemeinden ausarten; so würden ohne Zweifel ebenso viele Schwärmereien und Sekten entstehen; und indem jede Loge glauben würde, das allein Wahre und Höchste errungen zu haben, müsste statt brüderlicher Liebe und Duldung, gewiss Neid, Hass und Verfolgung erzeugt werden.

Ich habe indessen hier und da in der jüngsten Zeit einige gewiss treu und gut gemeinte Stimmen vernommen, welche den Wunsch äußerten: es möge und müsse in den Hallen des Eklektischen Bundes, und namentlich in unsrer Halle, immer mehr noch ein echt christlicher Geist herrschend werden! —

Ein Wunsch, der in seiner höchsten Reinheit erfasst, gewiss das Herrlichste und Vollendeste will, was die Menschheit beseeligen kann. —

Denn in jenem Sinne ist das Prinzip der Maurerei und das Grundgesetz des Christusgeistes in Beziehung auf die Veredlung des Geschlechts durchaus Eins und dasselbe. —

Wenn freilich Alle, die sich Christen nennen, das wollten, was Christus gewollt hat, dann hätten jene Besorgten Recht, wenn sie die Freimaurerei und besonders den Eklektischen Bund für überflüssig erklärten. Aber dem ist leider nicht so, wie ich näher entwickeln werde. —

Wir nehmen heute einen Edlen in unsre geweihte Bruderkette auf, der zur katholischen, d. h. dem Worte nach: zur allgemeinen Kirche gehört, der aber diese Allgemeinheit in Beziehung auf das Ethische und Reinmenschliche erst in unserm erhabnen Bunde zu finden bestimmt ist. Denn wer mag es leugnen, dass nur der Maurerbund die allgemeine Kirche der nach Vollendung strebenden besseren Menschheit genannt werden kann, unbeschadet der Richtung aller heterogenen, von uns so hochgeachteten kirchlichen Konfessionen! —

Ja, Maurerei ist — ich wiederhole es noch einmal — auf's innigste verwandt mit jenem ersten Christenbunde; denn höchste, reinste Menschenliebe war ja der apostolischen Urlehre erstes Moralgesetz; im Gelöbnis reinster Menschenliebe bestand die Heiligung vor Gott und der Haupt-Akt der Gottesverehrung, und dieser innigen Verwandtschaft wegen mit dem Christusbunde muss uns der Maurerbund noch teurer und wertvoller sein. —

Aber mit der äußeren Kirche, mit Dogmen und Konfessionellen Glaubenssätzen hat die Maurerei durchaus nichts zu tun. Sie greift in kein kirchliches Recht, in kein kirchliches Lehramt. Der einzige Gegenstand ihres Wirkens — ist der Mensch.

Die Kirche steht auf den kolossalen Pfeilern des Glaubens und der Offenbarung. Das Übersinnliche ist ihrer Bestrebungen hohes Ziel. Näher dem menschlichen Treiben, ja recht mitten in ihm steht die Freimaurerei. Die Vernunft ist es hauptsächlich, welche von der Kunstlehre des Bundes angesprochen wird; das Herz ist es, an das man bei uns appelliert.

Die Kirche beschäftigt sich damit, den von gewissen Glaubensregeln abhängigen Plan eines Gottesreiches auszuführen; der Freimaurerverein arbeitet an der Erziehung des Menschengeschlechts zu einem freien Vernunftreiche.

Sei es nun auch, dass dieser Verein, insofern Christenthum und Vernunft übereinstimmen, die Ideen der christlichen Kirche, als der vollkommensten, auf sein Urbild der Menschheit übertragen muss, — sei es, dass beide Anstalten auf dem Höhepunkt ihrer freien Entwicklung das gleiche Ergebnis herbeiführen werden, weil Gottesreich und Vernunftreich vor dem Seherblicke des Weisen nur verschiedene Namen für dasselbe Paradies sind, so schlagen doch beide gänzlich verschiedene Wege ein, um ihr Ziel zu erreichen.

Die Kirche ist gegründet auf die Autorität einer göttlichen Offenbarung und fordert unbedingten Glauben an die Lehre dessen, den sie für einen Gesandten Gottes erkennt.

Der Freimaurerbund hat seinen Grund auf die menschliche Vernunft gebaut und verlangt Gehorsam gegen ihre Ansprüche.

Der Freimaurerbund stellt als Bedingung der Aufnahme in seine Mitte auf, dass man ein freier Mann von gutem Rufe sei.

Die Kirche benutzt als Beweggrund zu einem heiligen Leben die Verheißung einer ewigen Seligkeit und droht ganz folgerecht den Gottlosen mit der Hölle; die Freimaurerei ist die Kunst gut zu werden und Gutes zu tun ohne die Antriebe der Furcht und Hoffnung.

Die Kirche erstrebt das Erste auch, sie bezweckt jedoch dabei: durch Erweckung frommer Empfindungen und durch Belohnung den Willen auf das Gute zu richten; der Freimaurerbund tut zwar dieses auch, versucht aber daneben zugleich, durch lebendige Darstellung des Urbildes der Menschheit, seine Mitglieder an das Gute zu gewöhnen und ihre Liebe zu demselben zu erhöhen, indem er sie ein freies, sittlich reines und schönes Leben anschauen lässt.

Die Kirche pflanzt eigentlich nur die Lehre ihres Stifters, als Gottes Wort, von Geschlecht auf Geschlecht fort; die Freimaurergesellschaft benutzt die Ergebnisse der Wissenschaft, die Erscheinungen der Natur, die Erfahrungen der Menschen, um durch sie den menschlichen Geist zu bilden.

Die Kirche gibt mehr die bloße Theorie an — wie sie es auch nicht anders kann — und überlässt der Gemeinde und ihren Lehrern die Anwendung derselben auf das Leben; der Freimaurerbund lehrt mehr die Praxis und bietet seine Lehren den einzelnen Mitgliedern dar.

Darum fragt die Brüderschaft nicht nach dem Glaubensbekenntnisse ihrer Genossen und nicht nach ihrer Abkunft und Staatsangehörigkeit, sondern fordert bloß einen vernünftig - guten Lebenswandel von ihnen, um sie als Züge in das von ihr darzustellende Urbild der Menschheit mischen zu können, durch welche dieses nicht verunstaltet wird.

Sie überlässt es dem Einzelnen, sich zu überzeugen, in wie weit sein Benehmen, der Ausdruck seiner Gesinnungen und Ansichten, zu der Darstellung des genannten Bildes sich eignet, und hegt den Glauben: seine Vernunft und sein Herz werden ihm bald die rauen Seiten bezeichnen, welche er noch an sich trägt, und ihn bewegen, dieselben zu glätten!


Nein, meine BBr.! Die Freimaurerei soll nicht die öffentliche Gottesverehrung verdrängen, sondern vielmehr fördern und empfehlen, — nicht Separatisten und Pietisten in ihrem Schoße erzeugen!

Ihr Zweck ist und bleibt, ihre Glieder aufzuregen, die Lehren reiner christlicher Sittenlehre im Leben und Wandel zu zeigen, das Dogmatische der Chriftusreligion aber der Kirche und der Überzeugung jedes Einzelnen zu überlassen; denn eben dadurch, dass sie diesen Grundsatz wenigstens im Eklektischen Bunde bisher auf das Strengste befolgt hat, ist Duldung und Bruderliebe in ihren Versammlungen heimisch geworden und wird solange ihr schönes Eigentum bleiben, als sie diese rein menschliche Tendenz befolgen wird, und beides stellt ja auch die christliche Kirche oben an, oder soll es doch.

Nachdem ich hier nur in wenigen, lückenhaften Andeutungen, durch die Zeit beschränkt, ein kleines Charakterbild unserer Zeit gegeben habe, frage ich: ist in ihr ein Institut von den Zwecken, Grundsätzen und Handlungen des Freimaurerbundes in der Tat überflüssig? oder verlangt nicht der Geist seiner Richtung, die Tätigkeit desselben jetzt mehr, als je?

Gehört eine Gesellschaft, die es sich zur Hauptaufgabe ihres Wirkens gemacht hat, Licht zu verbreiten, in dem Sinne, wie ich ihn früher andeutete, reine Menschlichkeit, Liebe im Geiste Jesu, Duldung und Anerkennung des Menschenwertes in den Individuen aller Konfessionen, Stände, Völker und Farben zu fördern, die Verbreitung der Ideen von sittlicher und bürgerlicher Freiheit unter dem Schutz der Gesetze, von Gleichheit aller Menschen, so wie aller Stände im Innern ihres Heiligtumes stets allgemeiner zu machen — gehört eine solche Gesellschaft wirklich zu den überflüssigen Erscheinungen in der Reihe höherer sozialer Anstalten der Gegenwart?? —

Lassen Sie mich, Verehrteste! mit dem erhabensten Menschenfreunde, der sich nicht grundlos das Licht der Welt nannte, Ihnen und sämtlichen Gliedern unseres Bundes zurufen: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt! und durch sorgfältige Prüfung und Vorsicht bei der Wahl neu aufzunehmender Profanen zu verhüten, dass nicht das Salz dumm werde, und das Licht der Humanität unter dem Scheffel verdunkelt bleibe, und in dieser Überzeugung uns durch das Wort eines maurerischen Dichters festigen: "

Rastlos mußt Du vorwärts schreiten, bis es Dir an Kraft gebricht;

Denn ein Ziel winkt Dir von Weiten, diesem Ziel entsage nicht!

Der Vollendung rasch entgegen schwinge sich Dein Geist hinan!

Durch des Maurerlichtes Segen mache Deiner Forschung Bahn.

Wie des Aares kühne Schwingen durch der Wolken trübes Grau

Mit gewalt'gem Fluge dringen bis zum lichten Aetherblau —

So durch's schlackenreiche Leben, wo sich trüb'der Lichtstrahl bricht,

Soll der Geist empor sich heben zu der Menschheit reinstem Licht!!!

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