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Traktat: Jahresschlussloge 1945

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Jahresschlussloge 1945

Emil Selter
Meister vom Stuhl
Lessing“ im Orient Frankfurt am Main

Meine lieben Brüder!
Das Jahr 1945 neigt sich seinem Ende zu und das neue Jahr 1946 zieht eilend heran.

Was ist also näher liegend als "zwischen den Jahren“, wie der Frankfurter sagt, zurückzublicken auf die Vergangenheit, zu überdenken ,was sie uns gebracht ,was sie uns versagt hat, zu überdenken, was an unseren Handlungen in der Vergangenheit richtig, was falsch war, und vorauszusehen in die Zukunft, unsere Pläne und Wünsche zu überdenken und uns zurechtzulegen, was im neuen Jahre uns zu tun zur Pflicht gemacht ist.

Es ist alter freimaurerischer Brauch, das höchste Fest des Jahres im Sommer zu feiern wenn die Sinne auf ihrem höchsten Punkte steht. Das ist begründet in der Tatsache dass die freimaurerische Lehre eine Lehre des Lichtes ist. Aber vom Tage des höchsten freimaurerischen Festes dem Johannisfest an wird das Licht des Tages immer kürzer und weniger, das Johannisfest ist also mehr ein Fest des Abschiedes denn ein Fest der Freude. Aber in den Tagen, in denen wir uns heute versammeln, tritt genau das Gegenteil ein: nach langen Nächten und lichtarmen kurzen Tagen wächst Zeit und Kraft der Sonne und damit des Lichtes. Die Wintersonnenwende ist ein Tag des Abschiedes von der Dunkelheit und ein Tag der Freude auf neues und reicheres Licht. Ist dieser Tag nicht ein Tag der Verheißung, dass nun nach Nacht und Dunkel neue Tage des Lichtes und damit auch für unsere Gemeinschaft nach Zeiten des Niedergangs und der Unterdrückung nun Zeiten der Auferstehung, der guten Entwickelung« ja vielleicht des Glanzes komme*?

Blicken wir zunächst also zurück auf das vergangene Jahr. Oder besser noch blicken wir auf die letzten 12 Jahre. Das letzte Fest bei dem wir alle uns sahen, war die Einsetzung unserer Loge Spinoza, einer Loge, die wir mit Fug und Recht als die Mutter der Loge Lessing bezeichnen können. Keiner von uns hat wohl damals die drohend heraufziehenden Gefahren für unseren Bund und unser Vaterland, ja für die ganze Menschenwelt in ihrem vollen Umfang erkannt. Wenige Tage nach diesem glänzenden Fest, an dem Brüder aus vielen Orienten und vielen Nachbarländern teilnahmen, setzte der Staatsstreich Hitlers einen Schlussstrich praktisch hinter jede freimaurerische Arbeit. Das Schicksal hat es gewollt, dass der Großteil der Teilnehmer an der Einsetzungsfeier der Loge Spinoza in jenen ereignisreichen Tagen krank zu Bett lag und erst später erfuhr was vor sich gegangen war. Für uns Freimaurer begann eine lange Zeit des Stillhalten Müssens, für viele von uns eine Zeit der Unterdrückung, der Herabsetzung im bürgerlichen und staatlichen Leben, für Manche auch eine Zeit der Vernichtung ihrer Existenz ja ihres Lebens. Aber ich will nicht von dem sprechen, was der im Verhältnis nur kleinen Schar der Freimaurer widerfahren ist. Denken wir im weiteren Sinne an das, was dem ganzen deutschen Volke, was vielen Völkern Europas, ja was der ganzen Menschheit angetan worden ist.

Die einfachsten, die primitivsten Grundsätze menschlichen Lebens und menschlicher Kultur wurden zerstört. Alles was einem Freimaurer heilig ist, Freiheit des Glaubens, Freiheit des Gewissens, Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz, Gleichheit der Rassen und der Religionen, Brüderlichkeit der Angehörigen des deutschen Volkes, Brüderlichkeit aller Menschen, alles das wurde mit Füssen getreten und als eines deutschen Staatsbürgers unwürdig erklärt. Nicht nur wurden Teile der Menschheit für minderwertig erklärt, selbst Angehörige des gleichen Volkes wurden ja nach ihrer politischen Einstellung für wertvoller oder wertloser erklärt. Die Ausübung des Gottesdienstes wurde erschwert, wenn nicht gar verhindert, die politische Willenserklärung großer Teile unseres Volkes für gegenstandslos erklärt.

Darüber hinaus wurde mit wirtschaftlichem und politischem Druck auf die Wiederstrebenden eingewirkt ihre politische Willenserklärung entgegen ihren wahren Überzeugungen zu äussern, die auch dann noch widerstrebenden, verfolgt, eingekerkert, gefoltert und getötet. Als letztes, das unsere freimau¬rerischen Überzeugungen verletzte, wurde ein sinnloser Krieg vom Zaune gebrochen unter Verletzung beschworener Verträge, der zudem in einer Weise geführt wurde, der allen Gesetzen der Gesittung und der Menschlichkeit ins Gesicht schlug. Was in allen diesen Jahren uns an Lüge und Verleumdung vorgesetzt wurde um uns zu täuschen, sei im Einzelnen gar nicht aufgezählt.

Das ist im Grossen und Ganzen das Bild der Jahre bis 1944. Die wenigen uns bekannt gewordenen Versuche, dieses System mit einem Gewaltstreich zu ändern, wurden in einem Strom von Blut und Tränen erstickt und mit einer Grausamkeit, die selbst vor Frauen und kleinsten Kindern nicht halt machte.

Nach einem Jahre des langsamen Näherrückens der feindlichen Heere an unsere Grenzen begann das Jahr 1945 mit dem Einrücken des Feindes auf das Gebiet unsere Vaterlandes» Manche wenn nicht viele oder gar alle von und haben die Heere unserer Gegner als Befreier begrüßt. Eines steht bereits heute vor dem Urteil der Geschichte unumstösslich fest: Das deutsche Volk war nicht im Stande sich aus eigener Kraft seiner Unterdrücker zu entledigen. Es scheint mir aber auch festzustehen, dass sich— gemessen an unseren freimaurerischen Grundsätzen - nach dem Einzug der erwarteten Befreier wenig an dem geändert hat, was vorher war, dass sich lediglich die Vorzeichen geändert haben. Weder haben wir eine wahre Volksgemeinschaft, geschweige dann wahre menschliche Brüderlichkeit. Was vorher unterdrückt war, unterdrückt heute seine früheren Unterdrücker. Bei allem Verständnis für ein berechtigtes Maas von Vergeltung und Strafe, erinnert mich das heutige Vorgehen an die Zeiten um die Mitte des vorigen Jahrhunderts mit seinen unerfreulichen Erscheinungen der Demagogenriecherei und der Verfolgung der Burschenschaften* Diese Erscheinungen sind um so unerfreulicher, weil Teile des deutschen Volkes sich der Machtmittel einer fremden Besatzungsmacht bedienen, sie gegen die eigenen Volks¬genossen anzuwenden und auszunutzen.

Sicherlich haben wir Freimaurer den einen Grund uns der veränderten Verhältnisse zu freuen: ist es uns doch so erst möglich geworden, den alten freimaurerischen Geist, den wir über die Zeit der Unterdrückung gerettet haben, wieder mit der alten wenn auch neugebauten organisatorischen Form zu umgeben und unsere Anschauungen nicht nur vorzulebendem auch auszusprechen. Zweifellos hat die Zeit der Unterdrückung unserem Bunde auch Vorteile gebracht: sie hat zu einer Reinigung unseres Bundes beigetragen, zu einer Reinigung von einem Teil der Mitglieder, die man früher teils ernst- teils scherzhafter Weise Kasinomaurer und Geschäftsmaurer nannte. Hüten wir uns aber davor, meine Brüder, ähnlichen Kreisen heute wieder Zutritt zu unseren Bauhütten zu eröffnen. Die ersten Anzeichen liegen vor, dass diese Gefahr aufs Neue vor uns steht.

Ein weiteres sehr Erfreuliches hat das Jahr 1945 uns beschert: die Gründung der neuen Bundes-Grossloge „Zu den Alten Pflichten“, die eine Einigung der Deutschen Freimaurerei wenigstens in ihrem humanitären Anteil verspricht. Leider sind die Anzeichen dafür, dass aus diesem Einigungswerk sich eine einheitliche deutsche humanitäre Freimaurerei entwickeln könnte, nur sehr spärlich. Bereits wird in gewissen Kreisen über anerkannt und nicht anerkannt, über gerecht und vollkommen oder nicht, über christliche oder humanitäre Freimaurerei diskutiert und disputiert. Und wie Sie wissen habe ich selbst zur Feder greifen müssen um unsere Loge gegen derartige Anwürfe in Schutz zu nehmen.
Wir selbst stehen ja unerschütterlich auf dem Standpunkt der humanitären Freimaurerei, alter englischer Herkunft. Das bedeutet in keiner Weise, dass wir etwa die Lehren des Christentums ablehnen.

Aber wir können nicht anerkennen, dass der christliche Glaube die unabdingbare Voraussetzung jeder freimaurerischen Arbeit und Lehre ist. Das würde bedeuten, dass wir jeden Mohammedaner, jeden Hindu, jeden Buddhisten, jeden Anhänger der mosaischen Lehre, des Laotse und des Kong-fu-tse und noch so manchen anderen wertvollen Menschen von unserem Bunde ausschließen müssten. Aber meine Brüder, sehen wir einmal tiefer. Schliesst nicht die Lehre von der Würde alles dessen was Menschenantlitz trägt, von der brüderlichen Liebe aller Menschen, von der gegenseitigen Duldung und dem gegenseitigen Verständnis für unsere körperlichen und seelischen Nöte das Christentum völlig mit ein? Ja geht nicht diese Lehre weit über die Lehre Christi - oder besser über die Lehre Christi wie seine angeblich berufenen Vertreter auf Erden sie auslegen - hinaus und stellt eine Erweiterung dieser Lehre über einen weit grös¬seren Kreis der Menschheit dar? Wer sich zur humanitären Freimaurerei bekennt, hat der nicht die Grenzen eines oder seines kirchlich gebundenen Glaubens überschritten ohne dessen Gebote zu verletzen? In diesen Sinne wäre für die Brüder der früheren sogenannten christlichen Systeme durchaus ein Platz und offene Arme und Herzen in der neuen deutschen Grossloge, wenn diese Brüder im Stande wären ihren Orthodoxismus abzulegen und die Lehre Christi in einem weiteren- nicht durch kirchliche Dogmen eingeengten - Sinne zu sehen. Hoffen wir, dass eines Tages auch diese nicht kleine Schar von Brüdern zu uns stossen wird.

Für unseren engeren Kreis hat das Jahr 1945 noch manches Schöne und Erwähnenswerte gebracht. Über den Verlust so manchen Bruders, der sich unseren geistigen Gegnern - oder sagen wir vorsichtig deren Organisation - angeschlossen hat, der unser Vaterland und damit unsere Loge hat verlassen müssen oder der zur Arbeit im ewigen Osten abberufen wurde, hat uns der feste Zusammenhalt und die erfreuliche Einigkeit der wenigen Brüder der Logen Goethe zu den drei Säulen und Spinoza hinweggetröstet, die nunmehr diese Loge Lessing bilden. Wenn auch die endgültige Konstituierung nach Genehmigung der Militärregierung noch aussteht, so ist die Loge doch bereits ein Factum, eine Tatsache die feststeht, wie unsere heutige erste Tempelarbeit in feierlichem Rahmen zeigt. Ich sage bewusst in feierlichem Rahmen, denn meine Brüder: Die Welt, die ein jeder in sich trägt, ist das Wichtigste, und es liegt (zum Teil) in unserer eigenen Macht, sie groß und rein und schön zu gestalten, weder Ort noch Zeit noch äussere Umstände können ihr etwas anhaben.

Ich weiss, das manche meiner Brüder der Meinung sind, dass nur ein vollkommen und schön ausgestatteter Tempel im Stande ist die Stimmung aufkommen zu lassen, die eine Tempelarbeit erfordert und vermitteln soll. Ich aber bin der Meinung, dass wie oben gesagt, die innere Stimmung, die wir in uns tragen, im Stande ist uns die Widrigkeiten und die nicht immer schönen äusseren Umstände vergessen zu lassen. Ich hoffe, dass die heutige Arbeit auch die Brüder überzeugt hat, die bisher anderer Meinung waren. Wenn es uns auch noch nicht gelungen ist, einen eigenen Tempel allein oder in Gemeinschaft mit anderen Brüdern zu errichten, so haben wir doch manche Arbeit schon weit gefördert. Wir haben alle Schritte erledigt, die zu unserem Anschluss an die Bundesgrossloge „zu den Alten Pflichten“ von uns aus getan werden können und hoffen nun, dass dieser Anschluss bald vollzogen wird.

Wir haben auch schon viele Schritte zur inneren und äusseren Ausstattung der Loge getan: wir sind uns über den Kreis klar geworden, den die Loge jetzt und in der Zukunft umfassen soll, wir haben die Vorbereitungen zu einen Hausgesetz fast abgeschlossen, wir haben für unsere Loge ein sehr schönes Bijou ausgearbeitet, haben einen ausführungreifen Entwurf zu einen Teppich fertiggestellt. Die Ausführung die¬ser Entwürfe ist bisher nur durch technische Schwierigkeiten verhindert worden. Daneben haben wir aber manches getan um unsere -ich möchte einmal sagen der freimaurerischen Kost entwöhnten - Brüder wieder einzuführen in das freimaurerische Gedankengut und in die freimaurerische Geschichte, sicherlich eine fruchtbringende und erfolgversprechende Aufgabe.

Das, meine Brüder, ist der Stand der Dinge an diesem Jahreswechsel. Was bleibt uns nun im kommenden Jahre zu tun und was wünschen und erhoffen wir nun von ihm. Für unseren engerem Kreis bleibt in erster Linie die Fortsetzung und möglichst der Abschluss der begonnenen Arbeiten: die Suche und die Einrichtung eines endgültigen Tempels dürfte neben den endgültigen Redigierung unseres Hausgesetzes die wichtigste organisatorische Arbeit für unsere kleine neue Bauhütte sein. Daneben ist aber mit noch grösserer Intensität die Erziehung der Brüder und ihre geistige Weiterbildung fortzusetzen. Nicht vergessen will ich hier, dass es mir notwendig erscheint, bald nach Einrichtung eines Tempels die Brüder, die jetzt ein halbes Menschenalter im Lehrlings- und Gesellengrade gearbeitet haben, zu Meistern der Königlichen Kunst zu erheben.

Aber über unsere Loge hinaus erscheint es mir eine wertvolle Aufgabe zu sein ,der Loge Lessing im Kreise der Logen der Landesgrossloge für Hessen und der Bundesgrossloge für Deutschland den Platz zu sichern, den Sie ihrer freimaurerischen Einstellung und dem Geiste ihrer Brüder nach beanspruchen kann. Hier ist der Platz für jeden unserer Brüder, wo er zeigen kann, was er früher und was er jetzt unter meiner Hammerführung gelernt hat. Lege ein jeder Ehre für sich, seine Loge und seine Lehr¬meister ein. Persönlich lege ich das grösste Gewicht auf eine eifrige Mitarbeit der Loge bei den zu erwartenden Arbeiten an der Verfassung der Bundesgrossloge und mehr noch bei der Ausarbeitung der neuen Rituale, die ja einer besonderen Kommission übertragen werden soll.

Gerade hier kann eine kleine aber eifrige Loge durch Erprobung neuer Ritualentwürfe ganz besonders wertvolle Arbeit leisten, die eine grosse Loge wegen allzu vieler Meinungen nie zu leisten im Stande ist. Möge uns das neue Jahr auf diesem Gebiete reiche und erfolgversprechende Aufgaben stellen. Wir wollen alle Kräfte daran setzen sie zu meistern. Über den Rahmen unserer Logen und Grosslogen hinausgehend erwarten uns aber Aufga¬ben, die mit der Loge direkt nichts zu tun haben, die aber durchaus des freimaurerischen Charakters nicht entbehren. Die Loge selbst hat mit diesen Aufgaben nichts zu tun, im Gegenteil es ist ihr nicht gestattet, sich an einer solchen Arbeit zu beteiligen.

Aber für unsere einzelnen Brüder, besonders die die im bürgerlichen Leben Einfluss durch Amt oder persönliche Geltung besitzen, sind diese Aufgaben doppelte Verpflichtung:

Es gilt in unserem gesamten öffentlichen Leben der wahren Demokratie zum Durch¬bruch und zur Geltung zu verhelfen. Demokratie heisst die Herrschaft des gesagt müsste es heissen: alle Macht geht von der Gesamtheit des Volkes aus. Was wir augenblicklich unter dem Namen Demokratie erleben ist nur eine Herrschaft bestimmter Kreise und bestimmter nicht gerade immer sauberer Gefühle. Ich will in keiner Weise Vorwürfe gegen unsere augenblickliche Regierung erheben aber es reden und handeln in die Maßnahmen der verantwortlichen Regierung immer wieder Kreise offen oder heimlich hinein, deren einzige Legitimation in der Gegnerschaft zu einem System besteht, deren Gegner naturgemäss auch wir alle waren, ohne dass wir uns heute auch berufen fühlten über Wohl und Wehe, Sein oder Nichtsein grosser Teile unseres Volkes zu entscheiden.

Hier aufklärend zu wirken, hier durch eine vorbildliche Lebenshaltung, durch Vorleben unserer freimaurerischen Grundsätze aufklärend und erziehend und beispielgebend zu wirken ist unser aller Aufgabe. Und meine Brüder, vergessen wir bei allem eines nicht: nicht jeder der anderer politischer Auffassung war oder ist als wir, ist oder war dies aus unedlen Motiven. Bei einer Beurteilung einer politischen Handlung kommt es immer auf den Beweggrund an. Keiner von Ihnen wird auf den Gedanken kommen die Männer des 2o. Juli 1944 als Mörder zu bezeichnen, obwohl sie es dem Buchstaben des Gesetzes nach waren. So denken Sie bei der Beurteilung anderer immer auch daran, ob sie ihre Taten reinen Herzens getan haben oder nicht. Wer reinen Herzens handelt, dessen Hände sind auch rein und wenn das Gesetz ihn hundertmal schuldig spricht. Sind wir nicht alle einmal im Dunkel ge¬gangen und haben den rechten Weg verfehlt?

Und vergessen wir weiterhin noch eines nicht, das eine dankbare Aufgabe uns auferlegt die in der gleichen Richtung zielt. Das Ausland verdammt das deutsche Volk in seiner Gesamtheit, unvernommen und ungehört Betrachten Sie es auch hier als unabweisbare Verpflichtung, wo Sie es können, darauf hinzuweisen, dass das deutsche Volk nicht gleichzusetzen ist mit einer Gruppe von Männern, die sich unumschränkte Macht über ein ganzes Volk mit Gewalt und Rechtsbruch angeeignet und diese ausgenutzt hatten und auch immer erneut klarzumachen, dass wegen der Methoden dieser Gewalthaber ein Wiederstand dagegen Selbstmord bedeutet hätte. Das deutsche Volk war dieser Gruppe von Männern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und ein grosser Teil der deutschen Männer und Frauen hat - wenn auch selbst viele Deutsche in teils liebedienerischer teils sogar würdeloser Weise das Gegenteil behaupten – die Handlungen dieser „deutschen Regierung“ innerlich und oft auch offen abgelehnt und passive sowohl wie aktive Resistenz geleisteten einer Mitschuld des gesamten deutschen Volkes kann also unter keinen Umstände die Rede sein.

Den oben erwähnten würdelosen - teils aus politischen Eigensüchten geborenen - Behauptungen entgegenzutreten und auch insbesondere gegenüber Ausländern die Ehre des deutschen Volkes zu vertreten und seine Möglichkeiten zum Wiederstand in den Jahren der Gewaltherrschaft aufzuzeigen, sei ebenfalls eine unserer Aufgaben in der Zukunft. Ich möchte nicht missverstanden werden, ich will hier nicht einem überflüssigen und übertriebenen Nationalismus das Wort reden. Aber es ist unsere Pflicht als Freimaurer nicht nur die Wahrheit zu su¬chen sondern auch sie offen zu bekennen. Das wir mit dem Bekenntnis der Wahrheit auch unserem Volke einen Dienst leisten, kann uns in unserer Aufgabe nur noch bestär¬ken.

Meine Brüder! Wir haben durch den Einzug der amerikanischen Besatzungstruppen unsere Handlungsfreiheit als Freimaurer und die Möglichkeit zur Wiedereinsetzung unserer Bauhütten erlangt. Wir haben aber nicht das deutsche Volk von der Unrichtigkeit der Behauptungen überzeugt, die ein Wichtl, ein Dinter, ein Ludendorff und viele spätere Leute gleichen Schlages und gleicher politischer Auffassung über die Freimaurerei aufgestellt haben, im Gegenteil. Die Tatsache, dass wir die Möglichkeiten zu neuer maurerischer Arbeit den Besatzungsbehörden verdanken, die auch Juden und Judengenossen weitgehend bevorzugen, ist geeignet das Märchen von der jüdisch geleiteten Freimaurerei in den Augen und Ohren Kurzsichtiger und Uneinsichtiger aufs Neue zu bekräftigen.

Darüber hinaus haben die stark ultramontan beeinflussten deutschen Länderregierungen sich bisher zur Frage der freimaurerischen Logenarbeit in keiner Weise geäussert. Ob hier Schweigen Zustimmung bedeutet oder nur ein Sich beugen vor dem Entscheid der Besatzungsmächte, ist noch eine offene Frage, deren Beantwortung nur die Zukunft bringen kann. Seien wir in diesem Punkte ausserordentlich auf der Hut. Ich persönlich bedauere unter diesem Gesichtspunkt, die von der Bundesgrossloge verhängte einjährige Aufnahmesperre sehr. Es hätte für uns einen ausserordentlichen Vorteil bedeutet Freunde und Anhänger zu gewinnen, ehe unsere ständigen Gegner Einfluss auch in dieser Richtung gewonnen haben. So müssen wir suchen auf dem Wege des Vorlebens unserer Ziele und durch vorsichtige Aufklärung im Kreise von Laien der Bildung und Verstärkung alter und neuer Falschmeldungen über die Freimaurerei Einhalt und Abbruch zu tun.

In Abwandelung der altrömischen Vollmacht an die Konsuln in unruhigen Zeiten möchte ich allen Brüdern ständig die Mahnung entgegenrufen: Videant masones, ne quid detrimenti cepit ars regia! Die Brüder sollen darauf achten, dass nicht der Königlichen Kunst Schaden entstehe!

Meine Brüder! Ich habe Ihnen gezeigt wie ich die Vergangenheit sehe und was mir für die Zukunft zu tun notwendig erscheint. Es ist fürwahr kein rosiges Bild, das ich hier vor Ihnen entrollt habe. Aber es ist meine Pflicht als hammerführender Meister Ihnen Ihre Aufgaben klar und verständlich vorzutragen. Wenn ich diese Pflicht erfülle, so muss ich auch mein Recht geltend machen, von Ihnen maurerischen Gehorsam zu Verlangen. Ein jeder sei seiner Pflicht eingedenk, dann wird der A. B. a. W. das Schicksal zum Guten seiner Jünger wenden. Es geschehe also!

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