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Traktat: Natur. Kultur.

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Traktat: Natur. Kultur.

von urbantactics


Das Leben stellt den Menschen in ein Spannungsverhältnis zwischen dualen Polen, die in Balance gebracht und gehalten werden wollen: Natur und Kultur.

Der Mensch begreift sich als kulturschaffendes Wesen, als einen, der einen vorgefundenen Zustand in einen Grad höherer Ordnung überführt.

Zugleich wohnt uns Menschen jedoch ursprüngliches, archaisches inne - fest verwoben in unserem genetischen Erbgut.

Zur Illustration dieser Aussagen dienen folgende Exempel:

Nahrungsaufnahme, Fleisch vom Knochen abessen: Natur.
Zubereitetes Essen mittels diversifiziertem Besteck von feinem Porzellan verzehren, dabei Kenntnis und Anwendung von Etikette und Manieren beweisen und gepflegte Konversation führen: Kultur.
Atome bilden komplexe Strukturen: Natur.
Komplexe Strukturen in Atome aufspalten: Kultur.
Die Sterne betrachten und ob der Erkenntnis dass wir diese nicht geschaffen haben innerlich ergriffen sein: Natur.
Die Sterne benennen, beziffern, kartografieren, mit imaginären Linien zu Sternbildern verbinden, nach ihnen navigieren: Kultur.
Autoerotik, Beischlaf, Orgien: Natur.
Ritualisierter Geschlechtsverkehr, sexualmagische Praktiken: Kultur.
Seine eigenen Unzulänglichkeiten erkennen: Natur.
Aus Schuldgefühlen darüber einen 'Sündenfall' konstruieren: Kultur.
Aus diesem Grund ist die Erfindung von Gott, Göttern, und Religionen - die dem Einfluss von Geographie, Klima, sozialem Leben, mitunter auch Flora und Fauna (z.B. menschlicher Körper mit Tierkopf der stets typisch für die Region ist) unterworfen sind - eine kulturelle Leistung.
Seinem Konkurrenten um Ressourcen (Weibchen, Nahrung, Lebensraum) eine Keule über den Kopf schlagen: Natur.
Kompromiss und Diplomatie: Kultur.
Nacktheit, gebären, Kind säugen: Natur.
Scham, Kleidung, rituelle Bekleidung: Kultur.
Geburt, rituelles 'Stirb und Werde' (Initiation, höchste Weihe), Tod: Natur.
Die Gestaltung des Lebens zwischen Geburt und Tod, Königliche Kunst: Kultur.
Entstehung des Universums, Lauf der Gestirne: Natur.
Darstellendes Schauspiel (reenactment) die Entstehung des Universums oder den Lauf der Gestirne nachahmend: Kultur.
Lehm ertasten: Natur.
Töpfern: Kultur.
Regen von einem großen Pflanzenblatt trinken, eine Frucht mit der Hand zerdrücken und den daraus rinnenden Saft trinken: Natur.
Fruchtsäfte fermentieren, keltern: Kultur.
Einander an den Händen fassen und einen Kreis bilden: Natur.
Im Karree stehen: Kultur.
Wilde Blumenwiese: Natur.
Höfischer Garten, am Reißbrett entworfen mit schnurgeraden Pflanzen- und Baumreihen: Kultur.
Einen Fluss durchschwimmen, einen Berg erklimmen: Natur.
Flüsse und Berge benennen, vermessen, kartographieren, katalogisieren: Kultur.
Sich mittels Lauten verständigen: Natur.
Entwicklung einer Sprache und der Möglichkeit Gesprochenes in Bild-, Bildschrift- oder Schriftform zu dokumentieren: Kultur.
Klatschen, einen Ton erzeugen: Natur.
Instrumentenbau und -spiel, Komposition, Melodie, Harmonie, Rhythmus: Kultur.
Manuelle Manipulation von Materie: Natur.
Werkzeugbau und -Nutzung rituelle Arbeit: Kultur.
Rauer Stein, der ungeformte Mensch: Natur.
Kubischer Stein, behauener Stein, der mittels operativer Arbeit geglättete Stein, der mittels spekulativer Arbeit geformte Mensch: Kultur.
Survival of the fittest: Natur.
Tempel der Humanität: Kultur.

So neigt nun ein jeder in diesem oder jenem Punkte dem ein oder anderen vermehrt zu. Die Symbolik des Arbeitsteppichs, oder der Arbeitstafel, des Werkkultes mahnt den Freimaurer zur Ausgewogenheit:

Sonne, Mond, Stern oder Sterne: Natur.
Werkzeuge, Werkstücke, Tempelbau: Kultur.
(Sinneswahrnehmung) Helligkeit, Dunkelheit: Natur.
(Abstraktion) Musivisches Pflaster: Kultur.

Ganz natürlich treten wir in das Leben und ganz natürlich treten wir wieder heraus. Dazwischen Gelegenheit sich über den bloßen instinkt- und triebgesteuerten Überlebenskampf zur Existenzsicherung zu erheben, ein Mensch zu werden. Dies bedarf der Arbeit. Werkzeuge sind unsere Symbole. Unsere Symbole sind unsere Werkzeuge.

"Wen diese Lehren nicht erfeu'n
Verdienet nicht ein Mensch zu sein."
Aus der Zauberflöte

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