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Traktat: Vom Selbstverständnis der Freimaurerei

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Traktat: Vom Selbstverständnis der Freimaurerei

Festrede zum Johannisfest der 3WK Loge "Zum Silbernen Schlüssel" im Orient Bremen am 21.6.2018

Vom Selbstverständnis der Loge und der Brüder

Wer sind wir als Freimaurer? Wer sind wir als Loge? Wer sind wir als Gemeinschaft der Freimaurer?

Alles Fragen, die nicht leicht zu beantworten sind. Anders als in einer Partei, in der alle vier Jahre das Arbeitsprogramm neu ausgehandelt wird, gibt es in der Freimaurerei kein einheitliches Programm. Anders als in den Religionen, wo es einen klaren Regelkanon gibt oder eine allgemeinverbindliche Auslegung, die sich nur mit der Zeit verändert, haben wir nur Andersons „Alte Pflichten“ und ein paar Vorgaben der UGLE. Freimaurerei unterscheidet sich von all diesen Dingen, durch die Individualität ihrer Auslegung.

Das auch wir das Bedürfnis nach Regeln haben, zeigt sich an den bitteren Debatten zu manch einem Thema. Parteipolitik, Gott und die Religion z.B. waren schon zu Albert Pikes Zeiten beliebte Streitthemen und das obwohl die alten Pflichten genau das eigentlich vermeiden wollten. Kann eine Gemeinschaft überhaupt bestehen, ohne ein einheitliches Bild nach außen? Ich meine ja.

Das was uns eint ist das Ritual und die Symbolik. Die ordnungsgemäße Ausführung der Rituale und die Einhaltung gewisser Regeln, sind der Kit der Freimaurerei. Wenn wir anfangen die Rituale zu verändern, lösen wir genau dieses verbindende Element auf, denn dann übergeben wir das Ritual der individuellen Gestaltung und damit auch der Auseinandersetzung über richtig und falsch. Es ist also eine ganz merkwürdige Ambivalenz zwischen Individualität, Freiheit und strengen Regeln bei uns Freimaurern.

Vielleicht ist das ein Grund, warum das Arkanum bei uns immer schon so eine Bedeutung hatte. Es verbindet und eint die Gruppe. Das sollte man immer bedenken, wenn man über Öffnung spricht. Natürlich wollen wir modern sein und Verschwörungstheorien etwas entgegensetzen Wir dürfen aber bei aller Werbung für den Bund nicht die „Assets“ aus den Augen verlieren, zu denen das Geheimnis genauso gehört wie die Exklusivität und das Besondere, das der großen Masse verschlossen bleibt. Eingerichtete Tempel und Bilder aus den Ritualen gehören daher nicht in die Öffentlichkeit, denn mit der Transparenz löst sich immer auch der Zauber auf und das Ritual verliert an Wirkung.

Müssen wir uns nun in der Öffentlichkeit mehr positionieren? Zu gesellschaftlichen Themen Stellung beziehen? Verschafft uns das mehr Bedeutung und gesellschaftliche Relevanz? Sprechen wir dadurch mehr junge Brüder an?

Nun, meiner Meinung nach sollten wir hier sehr vorsichtig sein. Erstens werden wir es niemals schaffen, uns auf eine gemeinsame Position zu einigen, denn dazu ist das politische Spektrum in den Logen viel zu breit. Zum anderen haben wir mit 15.000 Brüdern sowieso keine gesellschaftliche Relevanz in Deutschland. Und wir würden uns damit auch nur den Angriffen und Debatten ausliefern, die wir niemals für uns entscheiden können.

Vergessen wir nie, dass ein paar alte Männer, die Texte aus dem 17. Jahrhundert rezitieren und mit Zylinder und weißem Schurz bekleidet im Kreis um Kerzen herum sitzen für den profanen Blick zumeist wohl eher albern anmuten dürften. Es hat daher seinen Sinn, dass wir im verborgenen arbeiten. Müssen wir als Freimaurer einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten? Ja, das müssen wir. Und welche Möglichkeiten bieten sich dazu? Nun, es spricht nichts gegen Wohltätigkeit und Charity. Freimaurer haben weltweit großes in diesem Bereich geleistet. Allerdings müssen wir hier zugeben, dass die Lions und Rotarys hier definitiv schon das Feld sehr gut bestellen.

Wenn wir es realistisch betrachten, werden wir feststellen, dass wir mit unserem Wirken als Kollektiv nur wenig bewegen können. Die Chance für Veränderung liegt nicht im öffentlichen Wirken sondern sie liegt in jedem einzelnen von uns. Freimaurerei ist nicht kollektiv Gutes tun, sondern ist Arbeit am rohen Stein. Das bedeutet, dass nicht die Welt um uns herum im Zentrum freimaurerischer Arbeit steht, sondern wir selbst. Wir bauen am Tempel der Humanität aber dieser Tempel sind erst einmal wir selber.   Zu gerne lassen wir uns von dieser Arbeit ablenken, Besonders gerne durch das beobachten und verurteilen unserer Brüder, wohlwissend, dass wir uns mit jedem Urteil, das wir über einen Bruder fällen, unfreimaurerisch verhalten. Unsere Aufgabe ist es, an dem eigenen Stein zu arbeiten, den Charakter zu entwickeln und die Seele zu veredeln. Diese Aufgabe ist groß – sehr groß. Und damit wir hier bei der Stange bleiben, haben wir die Brüder, die uns bei dem Ziel unterstützen können.

Die Werkzeuge für diese Arbeit sind das Ritual und vor allem die Symbole. In der Auseinandersetzung mit ihnen und im Erleben des Rituals lassen wir uns anregen, inspirieren, über uns und unserer Rolle in der Welt nachzudenken. Ein gut gemachtes ernsthaftes Ritual erzeugt eine Atmosphäre, in der wir uns vollkommen fallen lassen können und in der sich unser Herz und der Verstand öffnet für die Botschaften unseres Bundes.

Wenn wir bei der Arbeit an uns selbst erfolgreich sind, dann werden wir etwas bewirken. Sei es in der Familie, im Freundeskreis, auf der Arbeit oder bei dem einen oder anderen in bedeutender Position auch in größerem Maßstab. Dadurch, dass wir selber Vorbild sind, das richtige tun und unser Handeln Gutes schafft, dadurch haben wir einen echten Einfluss auf die Welt. Jeder für sich und je erfolgreicher wir sind, desto mehr Menschen können wir ebenfalls inspirieren und damit eine Kettenreaktion auslösen.

Je mehr wir versuchen, nach außen zu wirken, als Gemeinschaft der Freimaurer, desto mehr Zeit geht verloren für die individuelle Arbeit an uns selbst. Wir müssen das, was wir den suchenden beim Gästeabend erzählen ernst nehmen und wirklich tun. Weil diese Arbeit eine große Herausforderung ist, prüfen wir die Kandidaten genau. Wir brauchen Männer, die sich mutig der Aufgabe der Selbstveredelung stellen. Die unermüdlich an sich arbeiten. Reflektieren, denken, handeln.   Brauchen wir dazu einen religiösen Bezug? Nein das glaube ich nicht. Brauchen wir dazu einen Bezug zur Spiritualität? Ja, das glaube ich schon. Ein gewisses Bewußtsein für eine höhere Instanz, Respekt vor der Schöpfung und eine weise Demut vor den Wundern des Lebens wird jeder bewußt reflektierende Maurer aufbringen. Welche Bedeutung der spirituelle Aspekt hat, dass ist unter uns Brüdern sehr unterschiedlich ausgeprägt und das ist gut so.

Für die Brüder, die in der Freimaurerei auch einen spirituellen Entwicklungsweg sehen, bietet die Freimaurerei einen passenden Rahmen, auch wenn er in anderen Gruppierungen offensichtlicher ist. Schließlich wird uns bei der Aufnahme schon das Licht erteilt und sehen den flammenden Stern, damit wir eine Idee vom Ziel des freimaurerischen Weges bekommen. In dieser Hinsicht enthält die Freimaurerei vieles von dem was man in alten Schriften findet, sei es bei Pythagoras, den Hermetikern oder den Rosenkreuzern, die alle ihre Spuren in unserer Symbolik hinterlassen haben. Schon die Symbolik in den blauen Logen beinhaltet alles, was es dazu braucht. Wer noch mehr Inspiration benötigt, kann in Hochgraden und Erkenntnisstufen weiter an diesem Ziel arbeiten. Eine von vielen Möglichkeiten in der Freimaurerei.

Das schöne an der Freimaurerei ist, dass es auch ganz ohne Religion geht. Wenn man das Ritual rein historisch betrachtet, dann kann man Ritual und Symbolik allein auf die Bildung und Entwicklung des eigenen Charakters anwenden. Auch das ist Arbeit für Jahrzehnte und von großem Wert für das Individuum und die profane Welt. Diese Vielfalt ist das einzigartige an der Freimaurerei. Es liegt ein großer Werkzeugkasten vor uns, und jeder kann sich die Werkzeuge herausnehmen, die er gerade benötigt und die ihm auf seinem Weg weiterhelfen. Der freimaurische Weg ist also ein höchst individueller. Um so absurder ist jeder Streit über die richtige Auslegung der Freimaurerei.

Wir brauchen diese Auseinandersetzung nicht. Was wir brauchen ist die Erkenntnis, dass alles in der Freimaurerei enthalten ist, und dass alle Wege richtig sind. Wir müssen lernen, dass die jeweils andere Position uns selbst bereichern kann und wir sollten versuchen, den anderen zu verstehen und nicht versuchen ihn von unserer Position zu überzeugen. Echte Freimaurer streiten nicht, sie lernen voneinander.

Erschwert uns das jetzt bei der Außendarstellung? Können wir in dieser Diversität überhaupt neue Brüder ansprechen? Ja das können wir aber nur, wenn wir diese Diversität und die Individualität als Qualität erkennen und auch selbstbewusst kommunizieren?

Laufen wir Gefahr als altmodisch betrachtet zu werden, wenn wir das Arkanum wahren und religiös spirituelle Bezügen kommunizieren? Nein das tun wir nicht. Denn als Freizeitclub zum gemeinsamen Biertrinken sind wir weder attraktiv genug noch gibt es in der heutigen Gesellschaft ein unbefriedigtes Bedürfnis nach Zerstreuung. Der moderne Mann in Zeiten von flexiblen Arbeitszeiten und Facebook hat wenig Zeit, viel Zerstreuung und sucht nach Mehrwerten. Er sucht nach einer Alternative zur sich ständig verändernden Welt, zur Hektik und zum Alltagstrott. Er sucht Stabilität, Vertrauen, geistige Anregung und nach einem Sinn. Vielleicht sucht er auch nach Werten und Zugehörigkeit nach einer Gruppe, die diese Werte teilt – nach Identifikation.

Die Freimaurerei kann das bieten. Die Akzeptanz der Person ohne Ansicht der Stellung, Vermögen oder Leistung. Vertrauensvolle Brüder, Ruhe und Kontemplation. Universelle Weisheit, Erkenntnis und die Möglichkeit des persönlichen Wachstums auf Grundlage bewährter Symbolik.

Der sonst so unter Leistungsdruck stehende Mann kann sich in der Loge fallen lassen. In die Arme der Brüder, in die Logenhierarchie, klare Regeln und das Ritual. Mit diesen Mehrwerten sind wir als Freimaurer unschlagbar. Das ist modern, zukunftsfähig, sinnvoll und heute wichtiger denn je.

Es geschehe also.


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