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Die Freimaurerei Europas unter den Nazis

Version vom 26. September 2016, 11:57 Uhr von Rudirabe37 (Diskussion | Beiträge)

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Inhaltsverzeichnis

Die Freimaurerei Europas unter den Nazis

Ein Bericht aus England

Das unabhängige Magazin für Freimaurer: Link

Genau achtzig Jahre nach dem endgültigen Verbot der Freimaurerlogen in Nazi-Deutschland brachte das unabhängige englische Freimaurermagazin ‚The Square’ im Juni 2015 eine dreiseitige Coverstory über „Freemasonry under the Nazis“. Gemeint sind nicht nur Nazi-Deutschland sondern auch alle besetzten, verbündeten und mehr oder weniger befreundeten Länder. Mit Genehmigung der Chefredaktion und des Autors David Lewis hat Rudi Rabe diese Zusammenschau für das Freimaurer-Wiki ins Deutsche übertragen und mit mehreren Nachträgen ergänzt.

David Lewis, Jahrgang 1928, ein Freimaurer aus Südafrika, wo er auch mehrere Logen gründete. Schon bald nach seiner Aufnahme 1971 arbeitete er sich in die freimaurerische Themenwelt ein und entwickelte sich zu einem masonischen Autor, der weit über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt wurde. In seinem Brotberuf arbeitete David Lewis in der Nahrungsmittelindustrie. Er begann als einfacher Mitarbeiter und arbeitete sich bis in die oberen Führungspositionen hinauf.

Deutschland

1919 attackierte der pensionierte Offizier Ludwig Müller von Hausen gemeinsam mit Theodor Fritsch (= beides antisemitische Publizisten und Verleger) im völkischen und antisemitischen Verein ‚Reichshammerbund’ die sogenannte „Weltfreimaurerei“, der sie unterstellten, von Juden beherrscht zu werden. Sie behaupteten, dass die Juden und die Freimaurer 1918 für die Niederlage Deutschlands verantwortlich waren. Der sehr umstrittene Versailler Vertrag (= der Diktatfrieden am Ende des Ersten Weltkriegs) hatte keinen Bezug zur Freimaurerei, aber er war drückend und verursachte in der Weimarer Republik erhebliche Ressentiments. Kein Wunder, dass der exilierte Kaiser Wilhelm II. erklären konnte, sein Thron sei ihm „von Juden und Freimaurern gestohlen“ worden. Diese Verschwörungstheorie lieferte eine einfache Erklärung für Deutschlands demütigende Niederlage.

In jener Zeit rekrutierten sich die Mitglieder der deutschen Freimaurerlogen vor allem aus der Mittelklasse und den Intellektuellen. Höhere Beamte, Richter und Anwälte, Buchhalter, Ärzte, reiche Kaufleute, Universitätsprofessoren und Banker wurden von der Freimaurerei angezogen, weil diese als vorteilhaft und einflussreich für ihre soziale und berufliche Position galt, ganz abgesehen vom bekannten moralischen Anspruch der Freimaurer. Bevor die antimasonische Propaganda einsetzte waren auch noch Militärs und Adelige dabei.

Hitler und die Freimaurer

Hitlers einzige Bezugnahme auf die Freimaurerei in seinem Buch ‚Mein Kampf’ aus dem Jahr 1924 stellt die Logen als willfährige Werkzeuge der Juden dar: „Der Jude kämpft mit aller ihm eigenen Zähigkeit für die religiöse Toleranz - und hat in der ihm vollständig verfallenen Freimaurerei ein vorzügliches Instrument zur Verfechtung wie aber auch zur Durchschiebung seiner Ziele ... Was die Freimaurerei in den Kreisen der sogenannten Intelligenz an allgemein pazifistischer Lähmung des nationalen Selbsterhaltungstriebes einleitet, wird durch die Tätigkeit der großen, heute immer jüdischen Presse der breiteren Masse, vor allem aber dem Bürgertum, vermittelt.“

Er sagte später auch, „unsere Partei muss ein Orden sein; der hierarchische Orden einer säkularen Priesterschaft. Wir, oder die Freimaurer, oder die Kirche – es ist nur Platz für einen der Drei und nicht mehr. Wir sind von den Dreien die stärksten und werden uns der beiden anderen entledigen.“

Als Hitler 1933 an die Macht kam, verbot er die Freimaurerei seltsamerweise nicht; er wartete bis 1935. Er behauptete, dass die Mitgliedschaft Deutschlands im Völkerbund „Deutschland den Freimaurern auslieferte“.

Verwüstungen, Verfolgungen, Verbote

Voraussehend wie sich alles entwickeln würde, schickten manche Logen ihre Wertsachen ins Ausland. Eine Loge vergrub sie. Andere verkauften ihre Häuser an nicht mit ihnen verbundene Firmen, aber wenn das die Nazis merkten, beschlagnahmten sie die Gebäude. Währenddessen drangen Nazis überall im Land in Logenhäuser ein, verwüsteten und entweihten sie. Bei einer Parade der Braunhemden (= Hitlers paramilitärische SA) in Berlin wurden Freimaurer wie Tiere in einem Käfig durch die Straßen geschleppt.

Das Ausplündern von Feinden spielte in der Finanzgebarung des Dritten Reichs eine wichtige Rolle. Es war in der Tat ein vom Staat ermunterter Raubzug. Viele Logen hatten erhebliche Bestände an Liegenschaften und Finanzvermögen. Manche ihrer Häuser waren herrschaftliche Gebäude mit prächtigen Möbeln: eine große Versuchung für das Regime. In Mecklenburg, Schlesien, Königsberg und Schleswig-Holstein fanden sogenannte „Exzesse“ gegen Logenhäuser statt, worauf die Polizei die Häuser übernahm, um weitere Zerstörungen zu unterbinden. In einem hing ein Bild von Hitler zwischen Kaiser Wilhelm I. und König Friedrich II., beide in masonischen Regalien dargestellt. Die Brüder fanden nach dem Angriff die beiden Bilder mit dem Kaiser und dem König zur Wand gedreht und einen Zettel, auf dem stand: „Wagt es nicht, unseren Führer zwischen zwei Freimaurer zu platzieren.“ Die Portraits der zwei Monarchen wurden später gestohlen.

Der Wert des gestohlenen und zerstörten Eigentums deutscher Logen wird auf 45 bis 200 Millionen Reichsmark geschätzt. Manche Möbel wurden an Parteimitglieder „gespendet“, andere in öffentlichen Auktionen verkauft. Gegenstände aus Silber wurden eingeschmolzen, ritualbezogene Teile wurden an die von Propagandaminister eingerichteten Freimaurermuseen geschickt. Solche befanden sich in Nürnberg, Hannover, Berlin, Düsseldorf, Erlangen und einigen weiteren Städten. Sie waren für die Öffentlichkeit zugänglich, damit die Bürger sehen konnten, was die Freimaurer für schreckliche Leute waren. Himmler hatte die Aufsicht über die Beschlagnahmungen, aber anscheinend floss daraus nicht viel Geld in die Staatskasse.

1934 sagte Innenminister Wilhelm Frick: „Es ist unangebracht, eine geheime Gesellschaft mit dunklen Zielen im Dritten Reich weiter existieren zu lassen. Und so ist es höchste Zeit, dass die Freimaurerlogen in Deutschland genau so verschwinden, wie sie das in Italien getan haben. Wenn das die freimaurerischen Kreise nicht begreifen, werde ich ihnen bald in dieser Richtung nachhelfen.“

Im Mai 1935 wurde auf der Basis des ‚Ermächtigungsgesetzes’ eine Verordnung erlassen, welche Freimaurer für den Staatsdienst und für die Wehrmacht als ungeeignet qualifizierte.

Opfer und Kollaborateure

Es gibt verschiedene Sichtweisen über die Rolle der Freimaurer und der Freimaurerei im allgemeinen während der Nazizeit. Was die Haltung der deutschen Freimaurer in den dreißiger Jahren betrifft, ist es klar, dass es unter ihnen beides gab: Opfer und Kollaborateure. Bruder Elic Howe hat sich damit in seiner fundierten Untersuchung „The Collapse of Freemasonry in Nazi Germany 1933-35“ eingehend auseinander gesetzt. Dr. Otto Bordes meldete in einem Brief an die Nazi-Parteileitung, dass die Mehrheit der Freimaurer in voller Sympathie für die Ziele der Partei waren. Richard Brose, Großmeister der Großloge von Hamburg sagte, „wir unterstützen unseren Reichskanzler Adolf Hitler“. Er sandte auch einen persönlichen Brief an Hitler, in dem er dessen Politik Beifall zollte.

Wie immer ihre persönlichen Ansichten lauteten waren die Brüder unter großem Druck, und viele deutsche Freimaurer waren zweifellos eingeschüchtert. In gewisser Beziehung verdienen sie einige Sympathie, aber es muss auch festgestellt werden, dass eine unbestimmte Anzahl sich so verhalten hat, wie es den masonischen Prinzipien diametral widerspricht. Es wird nie eine endgültige Wertung dieser Vorgänge geben können.

1938/39 verkündete Hitler seltsamerweise eine Amnestie für alle Freimaurer, die nicht über den dritten Grad hinaus befördert worden waren oder die in ihren Logen keine hohen Ämter innegehabt hatten. Die Nazis hatten bemerkt, dass ihnen die Talente und Erfahrungen vieler qualifizierter Beamter fehlten. Die Amnestie galt für den Staatsdienst, vorausgesetzt die Freimaurer waren aus ihren Logen ausgetreten. Ein SS-Bericht meldete, „sie erledigten ihre Aufgaben gut“, aber es sei unzulässig, sie in der Wehrmacht zu fördern oder leitende Dienstgrade ausüben zu lassen.

Großbritannien

1940 stellte die SS ein ‚Schwarzbuch’ zusammen, die „Sonderfahndungsliste GB“, eine Liste mit Prominenten, Institutionen und Organisationen, die nach einer erfolgreichen Nazi-Invasion Großbritanniens eingesperrt oder besetzt werden sollten. In dem Buch waren verschiedene Freimaurer, maurerische Organisationen und Logen enthalten.

Es soll auch daran erinnert werden, dass es damals in Britannien eine Anzahl prominenter faschistischer Parteigänger und Freunde Deutschlands gab. Diese wurden von der Runde ‚Cliveden Set’ angeführt, die sich im Haus von Nancy Lady Astor traf. Zu ihr gehörten führende Politiker, einflussreiche Geschäftsleute, Zeitungsredakteure – so zum Beispiel William Joyce, der während es Kriegs zum ‚Lord Haw-Haw’ wurde (= so wurde er in England verspottet, nachdem er sich nach Deutschland abgesetzt und zum Sprecher des Nazi-Propagandasenders geworden war), oder Geoffrey Dawson von ‚The Times’ und Montague Normann, Governor der Bank von England. Sie waren auch mit der Vereinigung ‚Anglo-German-Fellowship’ verbunden, die für die Nazis und antisemitisch war (= existierte 1935 bis 1938/39 mit hunderten einflussreichen Mitgliedern, davon 50 Parlamentsabgeordneten). Prominent war in dieser Sir Oswald Moseley, Führer der Britischen Faschisten-Union; er hatte im Haus von Goebbels in Anwesenheit von Hitler Diana Mitford geheiratet, in jener Zeit die „meistgehasste Frau Englands“. Sie und ihre faschistische Schwestern waren für ihre Sympathien für die Nazis bekannt.

1939 gab es mehrere Logen auf der Insel Jersey (= eine der kleinen britischen Kanalinseln vor der Küste Frankreichs). Deren Großer Tempel fasste leicht 150 Menschen. Er war sehr schön eingerichtet. 1940 eroberten die Deutschen die Insel, das einzige britische Territorium, das von ihnen besetzt werden konnte. In Absprache mit den Deutschen setzten die Logen ihre Arbeiten aus; alles durfte an seinem Platz bleiben, wenn das Haus verschlossen blieb. Aber wie vorauszusehen betrogen die Nazis die Freimaurer. Im Jänner 1941 kamen „Möbelpacker“ der SS aus Berlin. Sie beschlagnahmten alles, einschließlich der wertvollen Bibliothek, und transportierten es nach Deutschland für ihre antifreimaurerischen Ausstellungen. Diese Freimaurerbibliothek war die älteste in Großbritannien, sechs Jahre älter als die der Großloge. Speziell ausgebildete Gestapoleute zerstörten alles, was zurückblieb, und verbrannten die Reste in einem Freudenfeuer. Der Haupttempel wurde zu einem Weingeschäft. Die Nachbarinsel Guernsey wurde ähnlich behandelt, und in Alderney wurde ein Zwangsarbeitslager eingerichtet.

Österreich

Die Großloge von Österreich wurde 1938 von einem Mob geplündert, die Archive wurden zerstört. Der Großmeister Dr. Richard Schlesinger wurde eingesperrt. Bald nach seiner Freilassung starb er als Folge der brutalen Behandlung, die ihm widerfahren war.

Neunzig Prozent der Freimaurer – eingeschlossen die Stuhlmeister der verschiedenen Wiener Logen – wurden entweder erschossen oder ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Hunderte Freimaurer wurden in Konzentrationslager transportiert, und viele starben dort, aber die genaue Zahl ist schwer festzustellen. Manche konnten auch ins Ausland emigrieren. Alle Logen wurden verwüstet und geschlossen. (Die Zahlen in diesem Absatz sind nicht korrekt: siehe unten 'Nachtrag 2'. RR)

Ungarn

1919 übernahm (der Kommunist) Bela Kun die Macht. Alle Freimaurerlogen wurden verwüstet und geschlossen, ihr Inhalt beschlagnahmt. 1920 wurde die Freimaurerei (von dem auf Kun folgenden rechtsautoritären Miklos Horthy) für ungesetzlich erklärt, und das blieb so als die Nazis und später die Kommunisten die Herrschaft übernahmen.

Italien

1923 dekretierte Benito Mussolini, dass Faschisten, die zugleich Freimaurer waren, sich für eines von beiden zu entscheiden hatten. Es folgte eine Periode der Gewalt gegen Freimaurer und der Zerstörung ihres Eigentums. Der ‚Gande Oriente’ machte bis 1925 weiter, aber die Verfolgung nahm zu, und einige führende Freimaurer wurden ermordet. 1926 übernahm die Regierung das bereits verwüstete Gebäude des ‚Grande Oriente’. Horden der faschistischen Schwarzhemden devastierten die Häuser von Freimaurern in Mailand, Florenz und anderen Städten; sie ermordeten mindestens hundert Brüder. Gegen Domizio Torrigani, den Großmeister des ‚Grande Oriente’, der gegen die Gewalt protestiert hatte, wurde in einem Geheimgericht prozessiert. Er wurde auf die Lipari Inseln verbannt und dem Hungertod preisgegeben. Dort erblindete er und starb bald danach. Einige andere prominente Freimaurer teilten sein Los.

1940 ernannte Mussolini Giovanni Preziosi zum Generalinspektor für Rasseangelegenheiten. Dieser behauptete, dass Italien in den Händen von Freimaurern sei, die für die Juden arbeiteten, und das obwohl es in dieser Zeit keine Freimaurer mehr gab; auch keine Juden. Um der Ermordung durch einen Mob zu entgehen beging er 1945 Suizid.

Frankreich

Nachdem das Land 1940 erobert worden war, konfiszierten die Deutschen masonisches Eigentum. Sie raubten Logenfonds aus, sperrten viele Freimaurer ein und erschossen eine größere Anzahl. Sie beschlagnahmten die große Bibliothek des ‚Grand Orient’ und brachten sie nach Berlin, wo sie angeblich verbrannte.

Als Marschall Petain in Vichy eine Marionettenregierung der Deutschen bildete, sahen viele Franzosen in ihm einen „capitulard“, der sich den Deutschen lieber unterwarf als zu bekämpfen. Petain gab ein Dekret heraus, mit dem ‚geheime Gesellschaften’ unterdrückt wurden. Es war bösartig antimasonisch und natürlich antisemitisch.

Der Vorsitzende des Amtes für geheime Gesellschaften, Bernhard Fay, war ein leidenschaftlicher Unterstützer der Deutschen und ein aktiver Kollaborateur. Petain schrieb an ihn, „die Freimaurerei ist Hauptschuld an unserem Unglück“ und „die Freimaurer sind schlimmer als die Juden“. Fay und Pierre Laval verfügten die Verhaftung und die Deportation von ungefähr eintausend Freimaurern und den Tod von zumindest einem weiteren Tausend. Um nach dem Krieg einer langen Gefängnisstrafe zu entgehen, zu der Fay wegen Hochverrats verurteilt worden war, floh er in die Schweiz.

Eine interessanter Seitenaspekt war die Beteiligung des US-Botschafters in Großbritannien an diesen Ereignissen: Joseph Kennedy, dessen Sohn später Präsident wurde. Er war ein Nazi-Unterstützer, und er organisierte für sich ein Treffen mit Hermann Göring in Vichy. Und er spendete einen beträchtlichen Geldbetrag für die Ziele der Deutschen.

Viele Freimaurer waren in der Resistance aktiv. Von 50.000 französischen Freimaurern wurden 6.000 eingesperrt und 989 in Konzentrationslager deportiert. 545 wurden exekutiert oder starben in deutschen Lagern.

Niederlande

Nach der deutschen Invasion 1940 wurden Logenhäuser, Archive und finanzielle Fonds beschlagnahmt, auch der Goldene Hammer des niederländischen ‚Grand East’ und seine wertvollen Bibliothek. Freimaurer aus den Vereinigten Staaten hatten für die Bibliothek fünf Millionen Dollar geboten. Großmeister Hermannus van Tongeren wurde verhaftet und sechs Monate in einem Amsterdamer Gefängnis festgehalten bevor er in das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt wurde, wo er 1941 völlig geschwächt starb.

1939 gab es 4100 niederländische Freimaurer. Viele von ihnen wurden in Gefängnisse gesteckt und starben in deutschen sowie japanischen Lagern (die Niederlande waren Kolonialmacht in Indonesien, das im Krieg von Japan besetzt wurde).

Belgien

Hier schlossen die Nazis 1941 alle Logen. Einer der SS-Offiziere, der für die Abwicklung der zuständig war, entschuldigte sich bei seinen Vorgesetzten für Verzögerungen antijüdischer Aktionen mit dem Argument, er konzentriere seine ganze Kraft auf dem Kampf gegen die Freimaurerei.

Von 112 belgischen Freimaurern wird berichtet, sie seien während des Krieges in Konzentrationslagern gestorben. Raoul Engel, früherer Großmeister der belgischen Großloge, und Georges Petre, Großmeister des Schottischen Ritus, gehörten zu zwölf älteren 33-Grad-Freimaurern, die ermordet wurden.

Norwegen

Nach der Besetzung Norwegens 1940 wurden das Logenhaus in Oslo zu einer Kaserne gemacht und der Orden aufgelöst. Eine Anzahl norwegischer Freimaurer wurde von den Nazis ermordet.

Major Vidkun Quisling, der Nazi-Kollaborateur, hatte die Freimaurer als Aufgabe Nummer Eins auf seiner Agenda. Er räumte Logenhäuser aus und zerstörte mehrere. Der Haupttempel in Oslo wurde in ein Quartier für Offiziere umgewandelt, aber nach dem Bericht eines Bruders, der ihn kürzlich besichtigte, war er erstaunlicherweise nicht verwüstet worden - der einzige in Europa von dem man weiß, dass ihn den Nazis nicht devastierten.

Ironischerweise wurde die Gerichtsverhandlung gegen Quisling nach dem Krieg in einem früheren Freimaurertempel abgehalte. Quisling wurde verurteilt und erschossen.

Rumänien, Bulgarien, Dänemark und Polen

Um den Nazis ihre Willfährigkeit zu beweisen, verboten die Marionettenregierungen die zuvor in diesen Ländern durchaus aktive Freimaurerei. Sie unterdrückten und konfiszierten, sie sperrten Freimaurer ein, folterten und exekutierten sie. Alle Logen wurden geschlossen.

Jugoslawien

Als der Krieg ausbrach wurde die Freimaurerei durch ein Dekret aufgelöst. Das masonische Eigentum wurde beschlagnahmt, Logenmitglieder wurden aus dem Staatsdienst entlassen, und viele wurden ins Gefängnis geworfen.

Tschechoslowakei

Es gab dort zwei Großlogen: eine war überwiegend jüdisch und deutsch sprechend mit etwa 5000 Mitgliedern und die andere tschechisch sprechend mit ungefähr 500 Mitgliedern.

Als die Deutschen einmarschierten hatten sie eine Liste mit drei- bis viertausend vermuteten Freimaurern; viele wurden verhaftet und in Konzentrationslager deportiert.

Griechenland

Alle Logen wurden geschlossen, die Archive zerstört und viele Freimaurer erschossen. Hunderte von Freimaurern wurden in Gefängnisse geworfen, einige Großlogenbeamte begingen nach Folterungen Suizid. Der oberste Rabbi von Saloniki, Dr. Zvi Koretz, wurde fast ein Jahr lang eingesperrt; nicht weil er Jude war sondern weil er beschuldigt wurde, in eine freimaurerische Verschwörung verwickelt zu sein.

Japan

Obwohl es dort keine Juden gab wurde die Unterdrückung der Freimaurerei mit der jüdisch-freimaurerischen Verschwörungstheorie begründet. Ein japanischer Delegierter erklärte 1938 bei einer internationalen Konferenz, "die jüdische Freimaurerei zwingt China, Japan anzugreifen. Japan befindet sich nicht im Krieg mit China sondern mit der Freimaurerei, repräsentiert von Tschiang Kai Schek, dem Nachfolger seines Meisters, des Freimaurers Sun Yat-Sen."

In allen von den Japanern kontrollierten Regionen wurden die Logen geschlossen, die Gebäude zerstört, und wenn es möglich war, wurden Freimaurer brutaler behandelt als andere Kriegsgefangene.

Portugal

1931 unterdrückte Salazar die Freimaurerei, die Logenhaustüren wurden versiegelt. Großmeister John Martin de Matos wurde "heimlich" in einem Spital festgehalten; "wegen seiner Gesundheit".

Spanien

Hier kam es zu einem zügellosen Gemetzel. Obwohl General Franco ein Faschist war und völlig auf einer Linie mit den Nazis, war er klug genug, sich nicht in den Krieg hinein ziehen zu lassen. Er war jedoch bösartig antimasonisch und schrieb unter einem Pseudonym eine größere Zahl von Artikeln, man sagt ungefähr fünfzig, in denen er die Freimaurerei in der schlimmsten Art und Weise verleumdete. Es wird erzählt, dass ihn in Nordafrika eine Loge, in der sein Bruder Mitglied war, abgelehnt hatte, und das habe seine antimasonische Einstellung begründet. Er richtete in der militärischen Abwehr eine Abteilung für jüdisch-freimaurerische Angelegenheiten ein: "zur Bestrafung der Feinde der Regierung".

Nach Francos Militärputsch im Jahr 1936 wurden viele Freimaurer verhaftet und im Schnellverfahren exekutiert. Todesschwadronen grassierten in jeder spanischen Stadt. Obwohl es in Spanien nur ungefähr 5000 Brüder gab, verfertigten sie Listen mit 80.000 Namen angeblicher Freimaurer. Mit schrecklichen Folgen: ganz einfache Beschuldigungen reichten für Folter, Gefängnis und Hinrichtung.

In Madrid befahl General Benito die sofortige Exekution aller Freimaurer einschließlich des Bürgermeisters. Logenhäuser wurden in Cordoba und Teneriffa verwüstet, andere mit Artillerie beschossen. In Salamanca wurden dreißig Mitglieder einer Loge inklusive ein Priester erschossen. Fünfzehn Freimaurer wurden in Logrono erschossen, siebzehn in Cuala, dreiunddreißig in Algericas und dreißig in Valladolid, dort auch der Gouverneur. In Malaga wurden achtzig Freimaurer mit der Garotte umgebracht (= an einen Pfahl gebunden und mit einem Eisenring erwürgt). In Lugo, Zamora und Cadiz wurden noch mehr getötet, und in Granada wurden Freimaurer aus der Stadt getrieben und ermordet; sie hatten ihre eigenen Gräber ausheben müssen.

Wie der Nazi Heydrich die Freimaurerei auszeichnete

1938 veröffentlichte Hitlers Parteiverlag "Die Freimaurerei - ihre Weltanschauung, ihre Organisation und Politik", geschrieben von Dieter Schwarz mit einem Vorwort von Reinhard Heydrich, dem stellvertretenden Chef der Gestapo. Heydrich schrieb: "Freimaurerlogen sind Vereinigungen von Männern, eng verbunden durch symbolische Rituale. Sie sind eine übernationale spirituelle Bewegung, die sich für die Idee der Humanität einsetzt ... für eine Menschheit ohne Differenzierung nach Rassen, Völkern, Religionen oder nach sozialen und politischen Verschiedenheiten."

Obwohl das von einem bösartigen Feind geschrieben wurde, ist es eine treffende und genaue Beschreibung des Sinns, des Wertes und der Bedeutung von Freimaurerei in der Welt. Es ist irgendwie ironisch und beinahe unglaublich, dass dies von einem dieser üblen Schläger kommen konnte.


So sah die europäische Landkarte 1941/42 aus: auf dem Höhepunkt der Machtausdehnung Hitler-Deutschlands. In fast allen blau gefärbten Ländern wurde die Freimaurerei verfolgt und verboten: entweder von den Nazis selbst oder von den von ihnen Abhängigen und Verbündeten; außerdem in Spanien und in Portugal. In Ost- und Südosteuropa haben die Kommunisten nach 1945 das Verbot fortgesetzt; das dauerte bis zum Zusammenbruch des Kommunismus 1989. In manchen Regionen hat sich die Freimaurerei bis heute nicht völlig erholt. - Illustration: Wikimedia Commons.

Nachtrag 1: Finnland

Obwohl dieses Land während des Zweiten Weltkriegs auch in der (oben blau gefärbten) Einflusszone Hitlerdeutschlands war, fehlt es seltsamerweise in der Aufzählung von David Lewis. Finnland kämpfte von 1941 bis 1944 als Verbündeter des Deutschen Reichs gegen die Sowjetunion. Finnischer Premierminister und anschließend Präsident war ein hochrangiger Freimaurer namens Risto Ryti. Weder von der finnischen Regierung noch von der Deutschen, deren Truppen im Norden des Landes gegen die Russen kämpften, wurde ein Freimaurerverbot erlassen. Nationalsozialistische Medien druckten zwar viele freimaurerfeindliche Artikel, diese beeinflussten die herrschende öffentliche Meinung aber kaum. Die Freimaurer entschieden schließlich selbst, alle ihre Aktivitäten unbefristet zu suspendieren, also zu unterbrechen. Sie dachten, das sei im Interesse des Landes. Theoretisch hätten die finnischen Logen ihre Arbeiten auch während dieser Zeit fortsetzen können. Das einzige wirksame Hindernis wäre aber die Absenz der Brüder gewesen, die an der Front kämpften. Die Suspendierung dauerte vom 14. Februar 1941 bis zur Kapitulation des Deutschen Reichs am 8. Mai 1945 (Quelle: ‚Großloge von Finnland’).

Nachtrag 2: Ungarn

László aus Budapest sandte uns folgende Präzisierung: "1919 rief Béla Kun in Ungarn die Diktatur des Proletariats aus; freimaurerisches Eigentum wurde verstaatlicht. Nach dem Fall dieser Diktatur bezichtigten die Anführer der Konterrevolution wie Miklós Horthy die ungarischen Freimaurer, schuld an der Niederlage im Ersten Weltkrieg und an der Revolution danach zu sein. 1920 wurde die Freimaurerei verboten. Das war für Armeeoffiziere der Startschuss für Plünderungen, Beraubungen und manchmal Zerstörungen der Logen, ihrer Bibliotheken, ihrer Aufzeichnungen, Archive, Requisiten und Kunstwerke. Einige Häuser wurden besetzt und für antifreimaurerische Ausstellungen benutzt. Zum Glück wurden die masonischen Dokumente aber aufbewahrt, so dass sie bis heute für Forschungsarbeiten benutzt werden können.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Ungarn Logen wieder eröffnet, aber nach fünf Jahren erklärte die Regierung sie als „Treffpunkt der Feinde der volksdemokratischen (= kommunistischen) Republik, der kapitalistischen Elemente und der Anhänger des westlichen Imperialismus.“ 1950 wurden sie wieder verboten."

Nachtrag 3: Zu den Opferzahlen

Der lesenswerte Artikel von David Lewis liefert eine kompakte Übersicht, wie die Nazis und andere mehr oder weniger vergleichbaren Regime in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts mit den Freimaurern verfuhren: in manchen Ländern mit Folgen, die auch im einundzwanzigsten Jahrhundert weiter zu spüren sind.

Die Opferzahlen sind jedoch nicht immer korrekt. Vor alle wenn es um die ermordeten Freimaurer geht, sind sie gelegentlich übertrieben. Das gilt sicher für Österreich, für das wir die Zahl der Ermordeten dank neuerer Forschung genau kennen: hier. Laut Information aus der Redaktion von ‚The Square’ gab es auch für Norwegen einen Einspruch.

Das führt zu einem Problem, das mir durch die Beschäftigung mit der ‚dunklen Zeit’ immer bewusster wurde: Lange Zeit gab es in der Freimaurerei eine Tendenz, den eigenen Opferstatus zu überhöhen. Das verleiht Prestige. Um nicht missverstanden zu werden: Die monströsen Verbrechen Hitlerdeutschlands sind unbestritten. Und natürlich haben die Nazis die Freimaurerei beraubt, unterdrückt und verboten. Aber jedenfalls im Großdeutschen Reich, zu dem ab 1938 auch Österreich und ab 1939/40 weitere Randgebiete wie das Sudetenland und Teile Polens gehörten, wurden Freimaurer im allgemeinen nicht ermordet weil sie Freimaurer waren sondern – und das ist wichtig – aus anderen Gründen: weil sie Juden waren oder in den Augen der Nazis politische Gegner. Ich muss allerdings konzedieren: Es kann durchaus sein, dass die Verhältnisse in den von den Nazis unterworfenen und besetzten Ländern komplexer waren. Das kann ich nicht beurteilen.

Jedenfalls finde ich, wir sollten diese Unterschiede nicht verwischen. Besonders in englischsprachigen Berichten habe ich schon Zahlen von hunderttausend und mehr von den Nazis ermordeten Freimaurern gelesen. Das sind Dimensionen auf die man nicht einmal kommt, wenn man diese Unterscheidung ignoriert.

Siehe auch

Auch von David Lewis:

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