Freimaurer-Wiki

Druckversion | Impressum | Datenschutz | Aktuelle Version

Mozart: Alle Logenmusiken mit Text und CD

Version vom 3. Oktober 2017, 23:24 Uhr von Rudirabe37 (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Mozart lieferte bestimmt den kostbarsten Schatz freimaurerischer Musik. Neben der "Zauberflöte" komponierte er auch für seine Loge eine Reihe von Einzelgesängen und Kantaten. Auf dieser CD werden sie von der Salzburger Hofmusik dargeboten. Länge: 63 Minuten.

Rezensionen:
Ihr Opernratgeber 06/2017: »Die Salzburger Hofmusik unter ihrem Dirigenten Wolfgang Brunner bieten einen großartigen Mozartklangteppich, der sofort begeistert. Die Tenöre Jan Kobow und Maximilian Kiener, zusammen mit dem Bass David Steffens, bieten eine exzellente, gesangliche Ausdeutung dieser Musik, die allerdings weniger von den charakteristischen Eigenheiten der Solisten geprägt ist, sondern in erster Linie darauf ausgelegt ist, die Musik für sich selbst sprechen zu lassen.«
klassik-heute.de 07/2017: »Eine ausgezeichnete Darstellung von Mozarts Musik für einen wichtigen Lebenskreis seiner Wiener Jahre.«
Die CD kann hier um 14,99 Euro erworben werden: https://www.jpc.de

Inhaltsverzeichnis

Wolfgang Amadeus Mozart:
Alle Logenmusiken mit Text und CD

„Laut verkünde unsere Freude …“ - So begann am 15. September 2017 im Salzburger Mozarteum ein außergewöhnliche Konzert: Einen Tag vor dem 50. Stiftungsfest der Salzburger Loge ’Tamino’ lud die Salzburger Hofmusik zu einem Abend, an dem sie alle Freimaurer-Kompositionen Wolfgang Amadeus Mozarts jenseits der Zauberflöte aufführte. In kleiner ständig wechselnder Besetzung - „so wie zu Mozarts Zeiten in den Logen“ (Hofkapellmeister Wolfgang Brunner) - sangen und spielten sich die 15 Musiker und 8 Sänger in die Herzen der 400 Zuhörer. Die meisten dargebrachten Kompositionen sind in öffentlichen Konzerten selten zu hören. Manche der historischen Instrumente wie der Hammerflügel waren schon zu Mozarts Zeiten im Einsatz.

Im Programmheft, das Hofkapellmeister Brunner am Konzertabend verteilen ließ, ging er auf jedes der 19 Stücke ein. Das Freimaurer-Wiki dankt Wolfgang Brunner für die Genehmigung, seine Ausführungen hier (leicht gekürzt) wiedergeben zu dürfen. Rudi Rabe


Die fröhlichen Salzburger Hofmusikanten ...

Wolfgang Brunner: Mozart und seine Freimaurermusiken

Mozart und die Freimaurerei

Hatte Mozart Freunde?

Er gebraucht das Wort „Freund“ in seinen Wiener Jahren am häufigsten in Briefen an seinen Freimaurer-Bruder Michael Puchberg: „Liebster, bester Freund“ eröffnet er oft in der Anrede, oder auch „ich baue aber ganz auf ihre ächte Freundschaft“. 21 Briefe zwischen 1788 und 1791 sind heute bekannt, in denen Mozart Puchberg um finanzielle Hilfe bat, insgesamt um ca. 400 Gulden (das entspricht heute umgerechnet ungefähr 120.000 Euro).

Und in der Tat scheint Mozart im Kreise der Wiener Freimaurer in seinen letzten sieben Lebensjahren eine Art „Freundschaft“ gefunden zu haben, die ihm emotionale Bindungen und geistige Anregungen schenkte. Soweit wir aus den erhaltenen Protokollen und Anwesenheitslisten der Wiener Logen ersehen können, war Mozarts freimaurisches Leben äußerst aktiv: Bereits zehn Tage nach seiner Aufnahme („Rezeption“ am 14. Dezember 1784) wissen wir ihn bei einer anderen Rezeption zu Besuch, wieder zwei Wochen später wird er bereits zum Gesellen befördert.

Was bedeutete Mozart die Freimaurerei?

  • Das humanistisch-aufgeklärte Ideengut der Wiener Freimaurerei setzte ihn endlich gesellschaftlich auf dieselbe Stufe wie den Adel. In Salzburg stand er als Musiker sozial auf derselben Stufe wie das Küchenpersonal. Nach all den Bestätigungen, die er als Wunderkind im Ausland erfahren hatte, die er sich als Opernkomponist und reifer Künstler in Italien erarbeitet hatte, passte die „Salzburger Behandlung“ nicht mehr in sein Selbstverständnis. Seine Suche nach Identität fand in den Wiener Kreisen eher Resonanz als in Salzburg.
  • Abgesehen davon war Freimaurerei gesellschaftlich in Wien gerade „schick“, die Mitgliedschaft in einer Loge gehörte zum guten Ton: Die Wiener Schriftstellerin Caroline Pichler zeichnet davon in ihrer Autobiographie ein differenziertes Bild: man sang öffentlich Freimaurer-Lieder, versah Schmuck mit masonischen Zeichen und kreierte Mode „à la franc- maçon“.
  • Der Bund der Freimaurer schenkte Mozart ein freundschaftliches Netzwerk, ein Heimatgefühl, ein Aufgehoben-Sein unter ähnlich gesinnten Freunden. So bezeichnet Mozart in seinen Bettelbriefen nicht nur Logenbruder Puchberg als „wahren Freund“, teilweise vermutlich mit berechnendem Unterton. Andererseits half er seinerseits seinem Klarinettenfreund Stadler, ebenfalls Freimaurer, mehrfach in finanziell schwierigen Situationen, teilte mit ihm Freuden an Wein und Spiel, unterstützte ihn mit Reisegeld und Empfehlungen für eine Konzertreise nach Prag. Charakteristisch für derartige Freundschaften scheint die Ausgewogenheit von Geben und Nehmen in einer engen Verschränkung professioneller und privater Bedürfnisse.
  • Stunden der rituellen Logenarbeiten bedeuteten Auszeiten vom täglichen Broterwerb, schenkten im festlichen Rahmen Phasen der Ruhe und Besinnung. Mozarts psychischer Zustand lässt sich in diesen Wiener Jahren wohl am einfachsten mit dem Begriff „ausgebrannt“ umschreiben. Die symbolische geistige Arbeit der Logen zur Bildung des Menschen konnte entspannend wirken.
  • Im geistigen Kontext der Rituale fand er spirituelle und esoterische Anregungen. Das Denken und Sprechen in versteckten Botschaften war in der Familie Mozart von klein an geübt worden. Dies war einerseits ein pures intellektuelles Training - man sagte zum Beispiel Worte rückwärts, tauschte systematisch in Briefen Vokale und Konsonanten usw. Das Chiffrieren bereitete geistig Freude, schützte gelegentlich vor inquisitorischer Kontrolle, vor allem aber trainierte es künstlerische Kompetenz in einer Koinzidenz von logischem und assoziativem Denken.

Zu Mozarts Freimaurerkompositionen im Einzelnen

In unserem Konzert sind – mit Ausnahme der „Zauberflöte“ – alle masonischen Kompositionen Mozarts versammelt.

🎼 „Laut verkünde unsre Freude“ - KV 623

Diese Kantate ist eine seiner letzten Kompositionen überhaupt. Niedergeschrieben 19 Tage vor seinem Tod stellt sie die letzte Eintragung in Mozarts eigenhändigem Werkverzeichnis und sein letztes vollendetes Werk dar. Die Niederschrift des Manuskriptes zeigt keinerlei Schwäche der Hand, die auf Mozarts baldigen Tod hinweisen könnte. Am Text beteiligt waren die beiden Librettisten der „Zauberflöte“, Emanuel Schikaneder und wohl unterstützend der Freimaurer Karl Ludwig Gieseke. Die Komposition wurde unter Mozarts Leitung am 17. November 1791 zur Einweihung eines neuen Tempels der Loge „Zur gekrönten Hoffnung“ uraufgeführt, drei Tage später erkrankte Mozart und starb am 5. Dezember.

Text: Johann Georg Karl Ludwig Giesecke

  • Coro: Laut verkünde unsre Freude froher Instrumentenschall, jedes Bruders Herz empfinde dieser Mauern Widerhall!
  • Soli: Denn wir weihen diese Stätte durch die goldne Bruderkette und den echten Herzverein heut‘ zu unserm Tempel ein.
  • Coro: Laut verkünde unsre Freude, froher Instrumentenschall, jedes Bruders Herz empfinde dieser Mauern Widerhall.
  • Recitativo, Tenore: Zum ersten Male, edle Brüder, schließt uns dieser neue Sitz der Weisheit und der Tugend ein. Wir weihen diesen Ort zum Heiligtum unserer Arbeit, die uns das große Geheimnis entziffern soll. 
Süß ist die Empfindung des Maurers an so einem festlichen Tage, der die Bruderkette neu und enger schließt;
 süß der Gedanke, daß nun die Menschheit wieder einen Platz unter Menschen gewann;
 süß die Erinnerung an die Stätte, wo jedes Bruderherz ihm, was er war, und was er ist, und was er werden kann, so ganz bestimmt, wo Beispiel ihn belehrt, wo echte Bruderliebe seiner pflegt und wo alle Tugenden heiligste, erste, aller Tugenden Königin, Wohltätigkeit im stillen Glanze thront.
  • Aria, Tenore: Dieser Gottheit Allmacht ruhet nicht auf Lärmen, Pracht und Saus, nein, im Stillen wiegt und spendet sie der Menschheit Segen aus. 
Stille Gottheit, deinem Bilde huldiget ganz des Maurers Brust, denn du wärmst mit Sonnenmilde stets sein Herz in süßer Lust. Dieser Gottheit Allmacht ruhet etc.
  • Recitativo, Tenore: Wohlan ihr Brüder, überlaßt euch ganz der Seligkeit eurer Empfindungen, da ihr nie, daß ihr Maurer seid, vergeßt. Diese heut‘ge Feier sei ein Denkmal des wieder neu und fest geschloß‘nen Bunds. Verbannet sei auf immer Neid, Habsucht und Verleumdung aus uns’rer Maurerbrust, und Eintracht knüpfe fest das teure Band, das reine Bruderliebe webte.

  • Basso: Diese heilige Feier, sei ein Denkmal des wieder neu und fest geschloß‘nen Bundes!
  • Tenore: Verbannt sei auf immer, Neid, Habsucht und Verleumdung, aus unsrer Maurer Brust!

  • Tenore und Basso: Und Eintracht knüpfe fest das teure Band, das Bruderliebe webte!
  • Duetto, Tenore, Basso: Lange sollen diese Mauern Zeuge unsrer Arbeit sein, und damit sie ewig daure, weiht sie heute Eintracht ein. Laß uns teilen jede Bürde mit der Liebe Vollgewicht, dann empfangen wir mit Würde hier aus Osten wahres Licht. Diesen Vorteil zu erlangen, fanget froh die Arbeit an. 
Und auch der schon angefangen, fange heute wieder an. 
Haben wir an diesem Orte unser Herz und unsre Worte an die Tugend ganz gewöhnt, o dann ist er Neid gestillet, und der Wunsch so ganz erfüllet, welcher uns‘re Hoffnung krönt.
  • Coro

Länge: 11,58 Minuten

🎹 Hörprobe (1,46 Minuten): Laut verkünde unsre Freude

🎼 „Zerfließet heut‘, geliebte Brüder“ - KV 483

Die Loge „Zur gekrönten Hoffnung“ war 1786 aus dem von Joseph II. per Dekret angeordneten Zusammenschluss dreier Logen – „Zur Wohltätigkeit“, „Zur gekrönten Hoffnung“ und „Zu den 3 Feuern“ – gegründet worden. Zur rituellen Einsetzung der neuen Loge komponierte Mozart sein Lied „Zerfließet heut‘, geliebte Brüder“ für Singstimme, dreistimmigen Männerchor und Tasteninstrument. Das zur Eröffnung der Feier konzipierte Lied vereint im Text eine unterwürfige Huldigung an Joseph II. sowie recht geschickt die Namen der ursprünglichen Logen. Die Schmeichelei war Mozart wohl zuwider, denn sowohl den Namen Joseph als auch das Wort „Wohltätigkeit“ (Mozarts liquidierte Mutterloge) setzt er rhythmisch verquer und synkopisch in die Vertonung: der Komponist äußert mit musikalischen Mitteln sein Unbehagen am politischen Zwangsprozess.

Text: Augustin von Schittlersberg

  • Solostimme: Zerfließet heut‘ geliebte Brüder, in Wonn‘ und Jubellieder, denn Josephs Wohltätigkeit hat uns, in deren Brust ein dreifach Feuer brennt, hat unsre Hoffnung neu gekrönt.
  • Dreistimmiger Männerchor: Vereinter Herzen und Zungen sei Joseph dies Loblied gesungen, dem Vater, der enger uns band. Wohltun ist die schönste der Pflichten; er sah sie uns feurig verrichten und krönt uns mit lieb‘voller Hand.
  • Solostimme: Dank auch der Schar, die eh‘ uns wachte, der Tugend Flamm‘ anfachte und uns zum Beispiel war, aus deren jedem Tritt auf ihrem Maurergang ein Quell des Bruderwohls entsprang.
  • Dreistimmiger Männerchor: Das innigste thätigste Streben, zu ihnen empor sich zu heben, ist allen der herrlichste Dank. 
Drum laßt uns, verdreifacht die Kräfte, beginnen die hohen Geschäfte und schweigen den frohen Gesang.

Länge: 1,59 Minuten

🎼 „Ihr unsre neuen Leiter“ - KV 484

Dieses Lied stand am Ende der rituellen Einsetzung der neuen Loge. Mozart trug es übrigens nicht in sein eigenhändiges Werkverzeichnis ein – vermutlich sah er in derlei Arbeiten nur handwerkliche Verpflichtung gegenüber der maurischen Gemeinschaft.

Text: Augustin von Schittlersberg

  • Solostimme: Ihr unsre neuen Leiter nun danken wir auch eurer Treue; führt stets am Tugendpfad uns weiter, daß jeder sich der Kette freue, die ihn an bess‘re Menschen schließt und ihm des Lebens Kelch versüßt.
  • Dreistimmiger Männerchor: Beim heiligen Eide geloben auch wir, am großen Gebäude zu bauen wie ihr.
  • Solostimme: Hebt auf der Wahrheit Schwingen uns höher zu der Weisheit Throne, daß wir ihr Heiligthum erringen
 und würdig werden ihrer Krone, wenn ihr wohlthätig für den Neid Profaner selbst durch uns verscheut.
  • Dreistimmer Männerchor: Beim heiligen Eide etc.

Länge: 2,57 Minuten

🎼 Zwei Adagios - KV 410 und 411

Wohl 1785 komponierte Mozart als instrumentale Ritualmusiken zwei Adagios für Bläserensembles: Beide Kompositionen, das nur 27 Takte umfassende Adagio in F für zwei Bassetthörner und Fagott KV 410, und das Adagio in B für zwei Klarinetten und drei Bassetthörner KV 411, bewegen sich in einem ruhigen Schreit-Tempo und könnten die Wanderungen unterstützt haben, die jeder neu Aufgenommene im Ritual zu absolvieren hatte. Die Zahl der 27 Takte (= 3 x 3 x 3) könnte gezielt zahlensymbolische Bedeutung besitzen, ebenso die formale Anlage als Spiegelkanon symbolisch auf die sich selbst erneuernde Einigkeit der Bruderkette hinweisen. Das Bassetthorn mit seiner dunkel-warmen und fast mystischen Klangfarbe verwendet Mozart in jener Zeit gerne in Assoziationen nahenden Todes.

Länge: 1,05 und 5,50 Minuten

🎼 Zwei Fragmente - KV 440 und 440c

Auch die beiden Fragmente Allegro assai für zwei Klarinetten und drei Bassetthörner KV 440 und Adagio für Klarinette und drei Bassetthörner KV 440c konzipierte Mozart mit aller Wahrscheinlichkeit 1783 für eine maurische Feierlichkeit. Sie bergen musikalisch enorm wertvolles Material, weswegen wir (den österreichischen Dirigenten, Bratschisten und Komponisten) Paul Angerer (1927-2017) baten, sie zu vervollständigen. Zu seiner daraus entstandenen Komposition merkt er an: „Meine ‚Fantasie über zwei Mozart Fragmente‘ soll und kann keine ‚Ergänzung‘ sein – das wäre anmaßend. Ich habe das Allegro assai mit dem vorhandenen thematischen Material weitergesponnen, wobei freimaurerische rhythmische Symbole eingearbeitet sind. Es folgt das Adagio in derselben Art – es schließt mit den vorhandenen sechs Takten Mozarts. Hierauf folgt die Fortsetzung des Allegro assai, das mit den 22 Takten Mozarts abschließt. Das Adagio kann als selbständiges Stück aufgeführt werden.“ (10. Oktober 2013)

Länge: 5,10 Minuten

🎼 „Die Seele des Weltalls“ - KV 429

Diese Kantate ist mit sieben Bläsern farbig besetzt und konnte deshalb vermutlich kaum innerhalb der Logen aufgeführt werden. Der Verleger André, der von Mozarts Witwe Constanze viele Quellen übernahm, datierte sie in das Jahr 1783 – damals war Mozart allerdings noch nicht Mitglied einer Loge, hatte aber freilich viele Kontakte zu Brüdern. Der eröffnende Hymnus an die Sonne und das Licht erinnert inhaltlich an die Ägyptensehnsucht, wie sie auch in der „Zauberflöte“ immer wieder zum Tragen kommt. Zudem steht er in Es Dur – diese Tonart verwendete Mozarts bevorzugt als Symbol der Transzendenz und Erlösung und etablierte sie daher auch als Grundtonart der „Zauberflöte“.

Text: Joseph Franz von Ratschky

  • Coro: Dir, Seele des Weltalls, o Sonne, sei heut’ das erste der festlichen Lieder geweiht!
 O Mächtige! Ohne dich lebten wir nicht; von dir nur kommt Fruchtbarkeit, Wärme und Licht! O Sonne! O Mächtige! O Seele des Weltalls, etc.
  • Aria Tenore: Dir danken wir die Freude, daß wir im Frühlingskleide die Erde wieder seh’n. Daß laue Zephiretten aus süßern Blumenketten uns Duft entgegenweh’n. Dir danken wir, daß alle Schätze spendet und jeden Reitz verschwendet die gütige Natur, daß jede Lust erwachet und alles hüpft und lachet auf segensvoller Flur.
  • Coro: Dir, Seele des Weltalls, o Sonne, etc.

Länge: 9,23 Minuten

🎼 Maurerische Trauermusik - KV 477

Dies ist eine der dichtesten Kompositionen Mozarts. Vermutlich 1785 für eine rituelle Feier der Erhebung zum Meister entstanden, kreist sie um die Auseinandersetzung mit der menschlichen Sterblichkeit. In nur 69 Takten spannt sich im Laufe der Komposition ein Bogen von den eröffnenden Seufzermotiven in der „verzweifelten“ Tonart c-Moll und dunklen Bläserfarben zu tröstlichen Affekten. Nach wenigen Eröffnungstakten folgen über sanft, aber unerbittlich pochenden Streicherbässen und unsicher drängenden Synkopen von Viola und 2. Geige herzzerreißende Ausrufe der 1. Geige, die sich beruhigen und in einen Bläser-Choral münden. Der Choral war schon bei den Salzburger Komponisten Johann Michael Haydn und Johann Ernst Eberlin in Zusammenhang mit Requien- oder Karwochenkompositionen verwendet worden, wurde außerdem als Lamentation in der jüdischen Liturgie gesungen. Mozart entlehnte hier tradierte Assoziations-Bausteine und stellt den Bläserchoral in einem bewegten fünfteiligen (auch dies entspricht dem Ritual) Disput zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Hell und Dunkel der Streicherstimmen. Schließlich endet er in einem völlig überraschenden und strahlenden C-Dur-Akkord als Symbol der Erlösung.

Vor allem diese Komposition Mozarts war es, die mich zu einer solistischen Besetzung der Streicher bewog – meine Bläser sind dankbar, dass sie in der Maurerischen Trauermusik „endlich einmal piano spielen können und trotzdem zu hören sind“.


Bis heute herrscht Unklarheit über die Größe der Wiener Logenräume. Soweit man aus erhaltenen Anwesenheitsprotokollen schließen kann, fanden sich im Durchschnitt 50 Brüder zu den feierlichen Logensitzungen ein. Große Räume fassten wohl auch bis zu 100 Stühle. Fremde waren zum Ritual nicht zugelassen, Mozart war also auf die unter den Brüdern befindlichen Instrumentalisten angewiesen. Das vorhandene Instrumentarium der Wiener Elite-Loge „Zur wahren Eintracht“, die Mozart häufig besuchte, bestand nach einem Bericht von 1782, also zwei Jahre vor Mozarts Eintritt in den Bund, nur aus einem für zehn Gulden erstandenen Clavichord, das allerdings bald durch eine kleine Orgel ersetzt wurde. Die beschränkten Platzverhältnisse bedingten geradezu eine möglichst kleine Besetzung.

Hinzu kommen Aspekte der Klangbalance, die meines Wissens bisher kaum beachtet wurden: Mozart bevorzugt in seinen Freimaurerkompositionen aus mehreren Gründen Bassetthörner mit ihrem weichen runden, aber auch verhältnismäßig leisen Klang. Werden diese Bassetthörner, wie heutzutage allgemein gebräuchlich, mit einer chorischen Streicherbesetzung „konfrontiert“ und überdeckt, lassen sich Mozarts differenzierte Dynamikangaben – zum Beispiel Schwelltöne im piano – nicht realisieren: Der massive Streicherklang zwingt üblicherweise die Bassetthorn-Spieler zu einem Dauer-forte; sie müssen Mozarts penible Hinweise ignorieren, um überhaupt hörbar zu sein.

Länge: 4,01 Minuten

🎹 Hörprobe (2,04 Minuten): Maurerische Trauermusik

🎼 „Lobgesang auf die feierliche Johannesloge“ - KV 148

Zu Mozarts Jugendzeit gab es in Salzburg keine Loge – abgesehen davon wurden nur Erwachsene aufgenommen. Gleichwohl waren einige Salzburger Mitglied der Münchner Loge „Zur Behutsamkeit“. Aus diesem Bekanntenkreis der Familie Mozart dürfte der Kompositionsauftrag an den jungen Mozart stammen, das allgemein bekannte Freimaurerlied „Oh heil‘ges Band“ neu zu vertonen. Die Datierung lässt sich nicht eindeutig festlegen und wurde musikwissenschaftlich recht kontrovers diskutiert, doch spricht Einiges dafür, dass Mozart diesen Auftrag als 16-Jähriger erhielt. Wir nahmen die Einspielung zum Anlass, die allgemein vorliegende „Volksfassung“, wie sie in zahlreichen freimaurischen Liedersammlungen des 18. Jahrhunderts überliefert ist, Mozarts Neufassung „Lobgesang auf die feierliche Johannesloge“ für Tenor, Chor und Klavier gegenüber zu stellen.

Text: Ludwig Friedrich Lenz

  • 1. O heil’ges Band der Freundschaft treuer Brüder! Dem höchsten Glück der Erd’ an Vorzug gleich! Dem Glauben fremd, doch nimmermehr zuwider! Der Welt bekannt, und doch geheimnisreich!
  • 17. Ist‘s Eitelkeit? Sagt, oder ist es gründlich, das stille Glück, dem sich die Maurer weih‘n? Kann ein Gesetz, das töricht oder sündlich, So fest besteh‘n, von solcher Dauer sein?
  • 18. Nein! Denn ist‘s wahr, daß Gott selbst in uns allen den edlen Trieb, sich zu gesellen, nährt, so muß gewiß ihm ein Gesetz gefallen, das Freundschaft heißt und Menschen lieben lehrt.
  • 19. Gefällt es ihm, so wird mit gleichem Glücke es fortbesteh‘n und Ruhm und Preises voll,
 bis ihm‘s beliebt, daß selbst sein Meisterstücke, der Bau der Welt, nicht länger dauern soll.

Text: Ludwig Friedrich Lenz (anonymes Liederbuch „Freymäurer-Lieder ... 1746“)

  • 1. O heil‘ges Band der Freundschaft treuer Brüder! Dem höchsten Glück der Erd‘ an Vorzug gleich! Dem Glauben fremd, doch nimmermehr zuwider! Der Welt bekannt, und doch geheimnisreich!
  • 3. Auf, Maurer! Singt, laßt heut‘ den Erdkreis hören, es sei der Tag, dem dieses Lied geweiht, 
ein herrlicher, ein großer Tag der Ehren, ein hohes Fest der Treu‘ und Einigkeit.

Länge: 2,40 Minuten

🎼 „Lied zur Gesellenreise“ für Tenor und Klavier - KV 468

Eine ähnliche Situation finden wir im „Lied zur Gesellenreise“ für Tenor und Klavier. Zu Mozarts eigener Beförderung vom Lehrling zum Gesellen erklang das Lied „Die ihr einem neuen Grade der Erkenntnis nun euch naht“ aus der Feder des Ordensbruders Joseph Franz Ratschky, vertont von Anton Johann Holzer, dem Musikmeister der Loge „Wahre Eintracht“. Denselben Text nahm Wolfgang Amadeus Mozart nun wieder auf und vertonte ihn selbst, als sein Vater Leopold bei seinem Besuch in Wien ein Jahr später zum Gesellen befördert wurde. Das Lied strotzt geradezu von rhetorischen Figuren, die unter der Oberfläche einer angenehm zu hörenden Neuvertonung des Textes subkutan eine Fülle an Informationen preisgeben, wie sie nur eng vertraute Musiker miteinander austauschen können: Von der Tonartencharakteristik über das gegenüberstellende Spiel mit charakteristischen freimaurischen Erkennungsrhythmen bis hin zu melodischen Motiven, die tradierte Affekte konnotieren ließen, treibt Mozart hier ein intellektuelles Versteckspiel in vergnüglichstem Sinne, wie es in seiner Komplexität im Moment der Aufführung vermutlich nur sein Vater erfassen konnte.

Text: Joseph Franz von Ratschky

  • Die ihr einem neuen Grade der Erkenntnis nun euch naht, wandert fest auf eurem Pfade, wißt, des ist der Weisheit Pfad. Nur der unverdroß‘ne Mann mag dem Quell des Lichts sich nah‘n.
  • Nehmt, o Pilger, zum Geleite eurer Brüder Segen mit! Vorsicht sei euch stets zur Seite; Wißgier leite euren Schritt! Prüft und werdet nie dem Wahn träger Blindheit untertan!
  • Rauh ist zwar des Lebens Reise, aber süß ist auch der Preis, der des Wand‘rers harrt, der weise seine Fahrt zu nützen weiß. Glücklich, wer einst sagen kann: Es ist Licht auf meiner Bahn!

Länge: 2,44 Minuten

🎼 „Die ihr des unermesslichen Weltalls Schöpfer ehrt“ - KV 619

Für die Komposition dieser Kantate für Tenor und Klavier unterbrach Mozart im Juli 1791 die Arbeit an der „Zauberflöte“. Der Textdichter und Hamburger Freimaurer-Bruder Franz-Heinrich Ziegenhagen hatte ihn gebeten, für den Anhang zu einer sozialreformerischen Schrift seinen Text als Kantate zu verarbeiten. Mozart war offensichtlich von Ziegenhagens geistigem Ansatz fasziniert, der die Ideen Jean-Jacques Rousseaus in die Praxis umsetzen wollte. Dabei sollten alle Religionen gleichwertig gelten, und diese Vision die Grundlage des friedlichen Zusammenlebens bilden. Auch diese Vertonung Mozarts versteckt spielerisch musikalisch-rhetorische Symbole, die der heutige Hörer wohl nur mehr teilweise und intuitiv erfassen kann.

Text: Franz Heinrich Ziegenhagen

  • Recitativo: Die ihr des unermeßlichen Weltalls Schöpfer ehrt, Jehova nennt ihn, oder Gott, nennt Fu ihn, oder Brama. 
Hört! hört! – Worte aus der Posaune des Allherrschers! Laut tönt durch Erden, Monden, Sonnen ihr ew‘ger Schall. 
Hört, Menschen, hört, Menschen, ihn auch ihr!
  • Andante: Liebet mich in meinen Werken! Liebet Ordnung, Ebenmaß und Einklang! 
Liebet euch, euch selbst und eure Brüder! Körperkraft und Schönheit sei eure Zierd‘, Verstandeshelle euer Adel!
 Reicht euch der ew‘gen Freundschaft Bruderhand, die nur ein Wahn nur Wahrheit, euch solang entzog.
  • Allegro: Zerbrechet dieses Wahnsinns Bande! Zerreißet dieses Vorurteiles Schleier! Enthüllet euch vom Gewand, 
das Menschheit in Sektiererei verkleidet! In Kolter schmiedet um das Eisen, das Menschen, das Bruderblut bisher vergoß! Zersprenget Felsen mit dem schwarzen Staube, der mordend Blei ins Bruderherz oft schnellte!
  • Andante: Wähnt nicht, daß wahres Unglück sei auf meiner Erde, Belehrung ist es nur, die wohltut,
 wenn sie euch zu bessern Taten spornt, die, Menschen, ihr in Unglück wandelt, wenn töricht blind ihr rückwärts in den Stachel schlagt, der vorwärts euch antreiben sollte. Seit weise nur, seit kraftvoll und seit Brüder! Dann ruht auf euch mein ganzes Wohlgefallen, dann netzen Freudenzähren nur die Wangen, dann werden eure Klagen Jubeltöne, dann schaffet ihr zu Edens Tälern Wüsten, dann lachet alles euch in der Natur.
  • Allegro: Dann ist‘s erreicht, des Lebens wahres Glück.

Länge: 6,28 Minuten

🎹 Hörprobe (1,54 Minuten): Die ihr des unermesslichen Weltalls Schöpfer ehrt

🎼 „Die Maurerfreude“ - KV 471

Diese fröhlich-unkomplizierte Fest-Kantate für Tenor, Chor und Orchester – wieder einmal in der maurerischen Tonart Es-Dur – schrieb Mozart 1785. Unter den Musikern befand sich Klarinettenfreund Anton Stadler, ebenfalls Freimaurer, für den er im Todesjahr auch das Klarinettenkonzert KV 622 schrieb. Stadler war bekannt dafür, vor allem tiefe Töne sehr virtuos artikulieren zu können. In sämtlichen Werken, die Mozart für ihn geschrieben hat, gibt es solche Stellen (Konzert, Quintett, Kegelstatt-Trio, die Bläseroktette etc.). Stadler war zweiter Klarinettist in der Wiener Hofoper, also ein Experte für die tiefen Töne. Die Tenorpartie passte Mozart seinem ersten Belmonte, Valentin Adamberger an, der bekannt für einen sehr langen Atem war und ausgehaltene Töne gut gestaltete. Adamberger hatte sich 1784 der Loge „Zur neugekrönten Hoffnung“ angeschlossen.

Text: Franz Petran

  • Tenore solo: Sehen, wie dem starren Forscherauge die Natur ihr Antlitz nach und nach enthüllet; wie sie ihm mit hoher Weisheit voll den Sinn und voll das Herz mit Tugend füllet:
 Das ist Maurer Augenweide wahre, heiße Maurerfreude.
  • Recitativo: Sehen, wie die Weisheit und die Tugend an den Maurer, ihren Jünger, hold sich wenden, sprechen:
  • Andante – Presto: Nimm Geliebter diese Kron’ aus unsers ält‘sten Sohns, aus Josephs Händen. Das ist das Jubelfest der Maurer das, das der Triumph der Maurer.
  • Molto Allegro: Drum singet und jauchzet ihr Brüder! Laßt bis in die innersten Hallen des Tempels den Jubel der Lieder, laßt bis an die Wolken ihn schallen! Singt: Lorbeer hat Joseph, der Weise, zusammengebunden, mit Lorbeer die Schläfe dem Weisen der Maurer umwunden.
  • Tenore solo und Coro: Lorbeer hat Joseph, der Weise, zusammengebunden, mit Lorbeer die Schläfe dem Weisen der Maurer umwunden.

Länge: 6,32 Minuten

🎼 Auf der CD ist als Zugabe dann noch der "Lobgesang auf die feierliche Johannisloge" aus dem anonymen Liederbuch "Freymäurer-Lieder" von 1746. Länge: 2,00 Minuten.


Die Künstler am Ende des Konzerts im Salzburger Mozarteum am 15. September 2017.
ÖFlag.jpg

Siehe auch

Links


Finden

Durchsuchen
Hauptseite
FINANZIERUNG
Gemeinschaftsportal
Aktuelle Ereignisse
Letzte Änderungen
Alle Seiten
Kategorien
Hilfe
Bearbeiten
Quelltext anzeigen
Bearbeitungshilfe
Seitenoptionen
Diese Seite diskutieren
Neuer Abschnitt
Druckversion
Kontext
Versionen
Links auf diese Seite
Änderungen an verlinkten Seiten
Meine Seiten
Anmelden / Benutzerkonto anlegen
Spezialseiten
Neue Seiten
Dateiliste
Statistik
Mehr …







Wie wird man Freimaurer?
Kooperationen: