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Rezension: Klaus Jürgen Grün - Wörter machen Götter: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Ich verstehe dieses Buch so, dass Klaus-Jürgen Grün die Argumente des philosophisch immer noch nachglühenden mittelalterlichen Universalienstreits auf die Freimaurerei anwendet und diese dabei eindeutig im Lager der Nominalisten verortet. Was dazu führt, dass nach Ansicht von Grün freimaurerische Richtungen wie die ‘Große Landesloge von Deutschland’ keine Freimaurer sind, sondern eine „christliche Sekte“. Von [[Rudi Rabe]].'''
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'''Ich verstehe dieses Buch so, dass Klaus-Jürgen Grün die Argumente des philosophisch immer noch nachglimmenden mittelalterlichen Universalienstreits auf die Freimaurerei anwendet und diese dabei eindeutig im Lager der Nominalisten verortet. Was dazu führt, dass nach Ansicht von Grün freimaurerische Richtungen wie die [[Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland]] keine Freimaurer sind, sondern eine ''„christliche Sekte“.'' <br> Von [[Rudi Rabe]].'''
  
[[Datei:Sw-800-600-gruen woerter cover.jpg|thumb|350px|Der Buchcover mit einem Bild von René Margritte veranschaulicht die These: „Ceci n’est pas une pomme“ (das ist kein Apfel) - klar: das ist nur das Bild eines Apfels. Man kann es nicht essen. <br>  Klaus-Jürgen Grün: ''„Margrittes Kunst ist der malerische Ausdruck dessen, was uns Freimaurerei seit 300 Jahren präsentiert."'']]
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[[Datei:Sw-800-600-gruen woerter cover.jpg|thumb|350px|Der Buchcover mit einem Bild von René Margritte veranschaulicht die These: „Ceci n’est pas une pomme“ (das ist kein Apfel) - klar: das ist nur das Bild eines Apfels, letztlich ein Symbol. Man kann es nicht essen. <br>  Klaus-Jürgen Grün: ''„Margrittes Kunst ist der malerische Ausdruck dessen, was uns Freimaurerei seit 300 Jahren präsentiert."'']]
Im Universalienstreit ging und geht es um die Frage, ob Allgemeinbegriffe wie etwa Menschheit oder Gerechtigkeit oder Gott ein eigenständiges, objektiv fassbares Etwas sind, also Universalien, oder nur Wortetiketten für Denkfiguren, also Nominalien, hinter denen keine verortbare Realität steht. Während Religionen oder andere Machtsysteme zwischen Kommunikation und der Wirklichkeit, auf die sich die Kommunikation bezieht, nicht wirklich unterscheiden, sind das für die Nominalisten zwei völlig verschiedene Welten.  
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Im Universalienstreit ging und geht es um die Frage, ob Allgemeinbegriffe wie etwa Menschheit oder Gerechtigkeit oder Gott ein eigenständiges, objektiv fassbares Etwas sind, also Universalien, oder nur Wortetiketten für Denkfiguren, also Nominalien, hinter denen keine verortbare Realität steht. Während Religionen oder andere Machtsysteme zwischen Kommunikation und der Wirklichkeit, auf die sich die Kommunikation bezieht, ganz bewusst nicht unterscheiden, sind das für die Nominalisten zwei völlig verschiedene Welten.  
  
Klaus-Jürgen Grün zieht diesen Konflikt mit vielen Beispielen durch das ganze Buch, und es wird bald klar, dass seine These nicht nur den Sinn hat, das Wesen der Freimaurerei schärfer zu fassen, sondern auch masonische Richtungen auszugrenzen, die in seinen Augen quasi häretisch sind, wie eben der deutsche Freimaurerorden.
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Klaus-Jürgen Grün zieht diesen Konflikt mit vielen Beispielen durch das ganze Buch, und es wird bald klar, dass seine These nicht nur den Sinn hat, das Wesen der Freimaurerei schärfer zu fassen, sondern auch masonische Richtungen auszugrenzen, die in seinen Augen quasi häretisch sind, wie eben die 'Große Landesloge von Deutschland', die oft auch Freimaurerorden genannt wird.
  
  
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Klaus-Jürgen Grüns Buch ist letztlich eine hochintellektuell verfasste Kampfschrift gegen den Freimaurerorden, also die Große Landesloge von Deutschland. Er hält diese Richtung für Pseudofreimaurerei. Und methodisch wirft er ihr vor, mit falschen Karten zu spielen, weil das in den ersten drei Graden noch nicht zu durchschauen sei. Erst ganz oben, wenn's mehr oder weniger zu spät ist, werde dann klar, dass der Freimaurerorden keine Freimaurerei sei, die nach den Grundsätzen der Aufklärung ticke, sondern eine „christliche Sekte.“
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Klaus-Jürgen Grüns Buch ist letztlich eine hochintellektuell verfasste Kampfschrift gegen den Freimaurerorden. Er hält diese Richtung für Pseudofreimaurerei. Und methodisch wirft er ihr vor, mit falschen Karten zu spielen, weil das in den ersten drei Graden des hochgradigen Freimaurerordens noch nicht zu durchschauen sei. Erst ganz oben, wenn's mehr oder weniger zu spät ist, werde dann klar, dass der Freimaurerorden keine Freimaurerei sei, die nach den Grundsätzen der Aufklärung ticke, sondern eine „christliche Sekte.“
  
 
Das Buch wird sehr stark polarisieren. Und es ist ja nicht das erste Buch Klaus-Jürgen Grüns, das sich diesem Thema mit Leidenschaft widmet. Aber ich denke, zum Glück leben wir in einer Weltgegend, wo Bücher wie diese gedruckt werden können. Es wäre schön, wenn es bald eine Antithese geben würde.
 
Das Buch wird sehr stark polarisieren. Und es ist ja nicht das erste Buch Klaus-Jürgen Grüns, das sich diesem Thema mit Leidenschaft widmet. Aber ich denke, zum Glück leben wir in einer Weltgegend, wo Bücher wie diese gedruckt werden können. Es wäre schön, wenn es bald eine Antithese geben würde.

Version vom 9. Februar 2018, 13:09 Uhr

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Inhaltsverzeichnis

Rezension: Klaus-Jürgen Grün - Wörter machen Götter
Der symbolische Bund der Freimaurer und seine Freinde

Ich verstehe dieses Buch so, dass Klaus-Jürgen Grün die Argumente des philosophisch immer noch nachglimmenden mittelalterlichen Universalienstreits auf die Freimaurerei anwendet und diese dabei eindeutig im Lager der Nominalisten verortet. Was dazu führt, dass nach Ansicht von Grün freimaurerische Richtungen wie die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland keine Freimaurer sind, sondern eine „christliche Sekte“.
Von Rudi Rabe.

Der Buchcover mit einem Bild von René Margritte veranschaulicht die These: „Ceci n’est pas une pomme“ (das ist kein Apfel) - klar: das ist nur das Bild eines Apfels, letztlich ein Symbol. Man kann es nicht essen.
Klaus-Jürgen Grün: „Margrittes Kunst ist der malerische Ausdruck dessen, was uns Freimaurerei seit 300 Jahren präsentiert."

Im Universalienstreit ging und geht es um die Frage, ob Allgemeinbegriffe wie etwa Menschheit oder Gerechtigkeit oder Gott ein eigenständiges, objektiv fassbares Etwas sind, also Universalien, oder nur Wortetiketten für Denkfiguren, also Nominalien, hinter denen keine verortbare Realität steht. Während Religionen oder andere Machtsysteme zwischen Kommunikation und der Wirklichkeit, auf die sich die Kommunikation bezieht, ganz bewusst nicht unterscheiden, sind das für die Nominalisten zwei völlig verschiedene Welten.

Klaus-Jürgen Grün zieht diesen Konflikt mit vielen Beispielen durch das ganze Buch, und es wird bald klar, dass seine These nicht nur den Sinn hat, das Wesen der Freimaurerei schärfer zu fassen, sondern auch masonische Richtungen auszugrenzen, die in seinen Augen quasi häretisch sind, wie eben die 'Große Landesloge von Deutschland', die oft auch Freimaurerorden genannt wird.


Einige Zitate aus dem 400-Seiten-Buch:

„Vom Denken führt kein Weg zum Sein! Sei dies auch noch so wünschenswert. Existenz hat nichts zu tun mit Denken. Ich kann mir alles mögliche denken, aber ob es auch existiert, ist eine ganz andere Frage. Sie wird von der Logik niemals beantwortet. Gegen diese Erkenntnis setzt sich allerdings unkritisches und ungeschultes Denken stets hinweg.“ (Seite 67)

„Freimaurerische Symbolik unterscheidet sich von Religion und deren ‘Heiligem Ernst’ auch durch den Abbau der Zwanghaftigkeit, hinter jedem Symbol ein existierendes Übernatürliches sehen zu müssen. Dieser Abbau wiederum kann nicht das Interesse des religiösen Denkens sein.“ (75)

„In der Freimaurerei existiert keine Auffassung, die dem Symbol eine andere Wirklichkeit zuschreibt als die bloß symbolische. Symbole sind und bleiben Symbole, so wie das Brot Brot bleibt und der Wein Wein. Mit der Ablehnung der Neigung des Symbols zur Seite eines als existierend angenommenen Unsichtbaren und all den dazugehörigen Ungehörigkeiten, bleibt Freimaurerei von Religion unterschieden.“(76)

„Freimaurerei provoziert aufgrund seiner umfassenden Verwandlung liturgischer Elemente in rein symbolische Kategorien jedes streng religiöse Bewusstsein. Sie beruht auf der Einsicht, dass vielleicht alle religiösen Handlungen, Zeichen und Gegenstände rein symbolisch und metaphorisch zu verstehen sind, und in keinem von ihnen eine reale Gegenwart oder eine reale Verbindung zum Göttlichen aufgebaut wird. Es könnte nämlich sein, dass jeder Dialog mit Gott nur ein Selbstgespräch des Menschen bedeutet.“ (40)

„Eine paradoxe Konstruktion, die genau diese Ansprüche wieder auflösen will, bildet allerdings der so genannte Freimaurerorden der Großen Landesloge von Deutschland. Er ist keine Freimaurerei und wendet sich von Anfang an gegen die Anerkennung der Grundprinzipien der Freimaurerei.“ (359)

„Gegen die Zumutung von Seiten der Vereinigten Großlogen von Deutschland, unter seiner Satzung Freimaurer zur Anerkennung des Freimaurerordens zu zwingen, sollten sich Freimaurer möglichst bald zur Wehr setzen.“ (387)


Klaus-Jürgen Grüns Buch ist letztlich eine hochintellektuell verfasste Kampfschrift gegen den Freimaurerorden. Er hält diese Richtung für Pseudofreimaurerei. Und methodisch wirft er ihr vor, mit falschen Karten zu spielen, weil das in den ersten drei Graden des hochgradigen Freimaurerordens noch nicht zu durchschauen sei. Erst ganz oben, wenn's mehr oder weniger zu spät ist, werde dann klar, dass der Freimaurerorden keine Freimaurerei sei, die nach den Grundsätzen der Aufklärung ticke, sondern eine „christliche Sekte.“

Das Buch wird sehr stark polarisieren. Und es ist ja nicht das erste Buch Klaus-Jürgen Grüns, das sich diesem Thema mit Leidenschaft widmet. Aber ich denke, zum Glück leben wir in einer Weltgegend, wo Bücher wie diese gedruckt werden können. Es wäre schön, wenn es bald eine Antithese geben würde.


Buchrückseite: Klaus Jürgen Grün - Wörter machen Götter

Es ist reichlich geschrieben worden über den symbolischen Bund der Freimaurer, erstmals jedoch unternimmt Klaus-Jürgen Grün, Philosophieprofessor in Frankfurt und langjähriger Vorsitzender der Forschungsgesellschaft Quatuor Coronati, in seinem eben erschienenen Buch „Wörter machen Götter“ den Versuch, den Symbolcharakter der Freimaurerei anhand einiger ihrer wesentlichen Symbole nach dem Vorbild der konzeptuellen Metapher zu beschreiben. Er weist nach, dass die Umwandlung religiöser und liturgischer Elemente in reine Symbole die wichtigste Arbeit der Freimaurer darstellt. Was der einzelne Bruder dabei denkt, ist nebensächlich, sobald er sich im Ritual durch sein Tun auszeichnet. Nicht im Denken oder Glauben liegt die Kraft, sondern in der Tat.

Klaus-Jürgen Grün spart dabei nicht mit Kritik an denjenigen, die in der Freimaurerei eine wie auch immer geartete religiöse Organisation sehen und etwa christliche Glaubenslehren zum Dogma erheben wollen. Das 400-seitige Werk knüpft an seine Bücher „Menschenähnlichkeit“ und „Das verlorene Wort“ an und ist auch eine Verteidigungsschrift der humanitären Freimaurerei. Verlagstext

Siehe auch

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