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Theodor Vogel

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Inhaltsverzeichnis

Theodor Vogel

"Das große Geheimnis der Bruderschaft ist, daß es leichter ist, mit all den Schwierigkeiten des Lebens fertig zu werden, unsere Pflicht zu tun, die Nöte des Tages und die bitteren Stunden der Nacht zu überstehen — leichter in der brüderlichen Gemeinschaft als in der Einsamkeit und Verlassenheit."
Quelle: 1961 Zitat Altgroßmeister Theodor Vogel - Die Bruderschaft


Loge "Theodor Vogel": Theodor Vogel (Hamburg)


Bijou der Hamburger Loge "Theodor Vogel"

Biographie

Dr. Ing. Theodor Vogel

  • 31.07.1901 in Schweinfurt geboren
  • Oberrealschulabschluß
  • Studium des Bauwesens in Nürnberg
  • 1924 Diplom als Tiefbauingenieur
  • 1926 in der Schweinfurter Loge Brudertreue am Main zum Freimaurer aufgenommen
  • 1932 zum Dr. Ing. promoviert
  • 1948-1961 Großmeister der Großloge Zur Sonne in Bayreuth,
  • 1958 Theodor Vogel, Meister vom Stuhl der Schweinfurter Loge Brudertreue am Main
  • 1958-1961 Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland, danach
  • Vorsitzender des auswärtigen Ausschusses.
  • Inhaber der Metallbaufirma Dr. Ing. Vogel GmbH in Schweinfurt
  • 1963-1967 Präsident der Ihk Würzburg-Schweinfurt
  • Verheiratet mit Else Vogel, geb. Raasch. Tochter Brigitte.
  • gestorben 09.02.1977



Quelle: Wikipedia, Artikel dort: „Theodor Vogel“

Dr. Ing. Theodor Vogel (* 31. Juli 1901 in Schweinfurt; † 09. Februar 1977 in Glashütten (Taunus))

Theodor Vogel studierte nach dem Oberrealschulabschluss 1920 in Nürnberg das Fach Bauwesen an den Technischen Hochschulen in München und Darmstadt und erhielt 1924 das Diplom als Bauingenieur. Im gleichen Jahr schloss er die Ehe mit Else Anna, geb. Raasch. Zwischen 1926 und 1944 wurden ihnen neun Kinder geboren, sechs Töchter und drei Söhne. Zunächst lebte die junge Familie in Schweinfurt. Im Jahr 1932 wurde er in Darmstadt zum Dr.-Ing. promoviert. Es schloss sich ein Studium der Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main und in München an. In den Jahren 1934 und 1935 lebte die nunmehr sechsköpfige Familie vorübergehend in Nürnberg, wo Theodor Vogel sein erstes Ingenieurbüro unterhielt. Im Sommer 1935 übersiedelte er mit seiner Familie nach Schonungen bei Schweinfurt, wo sie bis 1953 wohnen blieben. Ab 1953 lebte die Familie dann wieder in Schweinfurt. In den 1930er Jahren unterhielt er ein Ingenieurbüro in Saarbrücken und während des Krieges in Schweinfurt bzw. nach dessen Zerstörung in Schonungen, wo Pläne zur unterirdischen Verlagerung von Kunstschätzen, dann auch bayrischer und thüringischer Industrieanlagen ausgearbeitet wurden. Nationalsozialistischen Organisationen gehörte er nicht an. Nach dem Krieg übernahm er die Metallbaufirma seines Vaters in Schweinfurt, die er über die Jahre zu einem international tätigen Unternehmen mit 500 Mitarbeitern ausbaute. In den fünfziger Jahren gründete er eine Zweigfirma in Sontra in Hessen mit ca. 200 Beschäftigten. Eine Dependence in Beirut (Libanon), AG STAL, die zu 50 % in libanesischen Händen lag, ergänzte ab 1962 sein unternehmerisches Wirken. Er engagierte sich in berufsständischen Organisationen wie dem Deutschen Stahlbau Verband, dessen Präsident er zeitweilig war, und im Landesverband der Bayerischen Industrie. Von 1963 bis 1967 war er Präsident der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt.

Über Theodor Vogel

Quelle: Website der Loge "Theodor Vogel" i.O. Hamburg

Der Namensgeber der Hamburger Freimaurerloge „Theodor Vogel“, der von 1901 bis 1977 lebte, war der bedeutendste Großmeister der Freimaurer in Deutschland während des 20. Jahrhunderts.

Ihm gelang die Einigung der vor 1933 nach Systemen zerstrittenen Großlogen in Deutschland, worum sich die deutschen Freimaurer während eines Jahrhunderts zuvor vergeblich bemüht hatten.

Im Jahre 1958 konnten die „Vereinigten Großlogen von Deutschland“ gegründet werden, deren erster Großmeister Theodor Vogel war.

Er bereiste die Großlogen der Welt und konnte die geeinigte Freimaurerei wieder in die Regularität der weltweiten Bruderschaft eingliedern.

Für seine einmaligen Verdienste erhielt Theodor Vogel zahlreiche Ehrungen, sowohl im Inland wie im Ausland.

Der dynamische, aber immer bescheiden gebliebene Theodor Vogel war zu Gast bei der Königin der Niederlande, beim Schah von Persien, beim Herzog von Kent wie beim amerikanischen Präsidenten Truman.

In Schweinfurt leitete er ein weltweit agierendes Metall- Stahlbauunternehmen mit 500 Mitarbeitern, war Präsident der Handelskammer Schweinfurt/Würzburg, wie ebenfalls des Deutschen Stahlbauverbandes. Theodor Vogel ist für die deutschen Freimaurer, aber auch im Ausland, nach wie vor ein Begriff.

Hunderte begleiteten ihn auf seinem letzten Weg.

Verfasser: Rolf Appel

Der erste Großmeister Theodor Vogel aus Schweinfurt

Quelle des Auszuges: "Woher Wohin" von Rolf Appel

Wie war nun eigentlich dieser Mann Theodor Vogel? Sein Großvater, der den Enkel stark geprägt hatte, war Schmiedemeister und Präsident seiner Innung. Der Vater hatte keine Neigung zum Schmiedehandwerk und ent­wickelte den Betrieb zu einer Fabrik, in der Fabrikfenster, Tore, Wendeltreppen, Glasdächer und Träger hergestellt wurden. Theodor Vogel, der Älteste von sieben Geschwistern, wurde am 11. Juli 1901 geboren und studierte nach Abschluß der Oberrealschule in Nürnberg das Bauwesen. Das Diplom als Tiefbauingenieur erhielt er 1924 und promovierte im Jahre 1932 zum Dr. Ing.

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Mehrere Jahre arbeitete er als beratender Ingenieur, und als es eine wirtschaftlich schwere Zeit mit Arbeitslosigkeit gab, ernährte er seine Familie allein durch die Honorare, die er für Zeitschriftenartikel erhielt . Sogar ein Schauspiel von ihm wurde in Leipzig aufgeführt und brachte Geld in die notleidende Haushaltskasse. Später über­nahm er zwei Stahlbaubetriebe, von denen einer die väterliche Firma war. Theodor Vogel wurde bereits zu seinen Lebzeiten in der deutschen Freimaurerei zur historischen Persönlichkeit. Besonders über dem Kapitel der Einigung der verschie­denen Systeme zu einer deutschen Bruderschaft - vom Jahre 1945 bis zum Jahre 1958 - vom Neubeginn bis zu jenem Berliner Konvent, an dem die Vereinigten Großlogen von Deutschland gegründet wurden, wird stets ein Name als Symbol dieses großen Geschehens genannt werden: Theodor Vogel.

Im Grunde aber ist er sein ganzes Leben lang der Wandervogel seiner Jugendjahre geblieben, mit der eigenartig unruhigen Sehnsucht im Herzen.

Betrachten wir ihn nun einmal als Großmeister; da wirkte er in seinem Auftreten gestrafft, der mit freundlichen Augen zur Mitarbeit einlädt. Amt und viel Arbeit belasteten ihn nicht. Er war gewohnt, die Aufgaben zu bewältigen. Gefahren und Bedrohungen beeindruckten Theodor Vogel nicht. Anders aber war es mit der Repräsentation, die mit einem solchen Amt nun einmal verbunden ist. Daran mußte er sich erst gewöhnen.

Er brauchte aber nicht lange, um mit betonter Festigkeit aufzutreten, ein Mann, der wußte, daß er der Großmeister war. Er verstand blitzartig zu reagieren, war wendig, diplomatisch und immer voll engagiert. Seine überlegene Konzentration wußte er zu pflegen. Wenn auf den Großlogen- tagen wichtige Beratungen und Beschlüsse anstanden, dann legte er diese Tagesordnungspunkte auf den Nachmittag. Während die anderen Teilnehmer sich das Mittagessen schmecken ließen, das Bier genossen, zog sich Theodor Vogel auf sein Hotelzimmer zurück, trank ein Glas Zitronensaft und legte sich eine Stunde schlafen.

Am Nachmittag war er dann frisch und zeigte Überlegenheit. Großmeister Theodor Vogel hat Logen in beinahe allen Erdteilen besucht. Er stand mit den Zeichen seines Amtes vor Königen und Staatsmännern. Er war zu Gast bei Logen und Großlogen in fast allen Staaten der USA, in Kuba, Mexiko, in allen euro­päischen Hauptstädten. Er hat an Tempelarbeiten in den verschiedensten Sprachen teilgenommen, die er großenteils nicht verstand. Aber, wie er sagte, eine Sprache hat er überall verstanden, die des brüderlichen Herzens.

Jedoch ein Mann, der über Jahre hinaus gewohnt war, die Eäden fest in der Hand zu halten, hat es schwer, wenn er eines Tages andere Männer an seiner Stelle walten sieht. So gab es den Distriktsmeistertag - Nachfolger der früheren Großmeisterkonferenz -, dem satzungsgemäß immer noch Bruder Vogel vorstand, während der jeweilige Landesgroßmeister nur mit beratender Stimme den Sitzungen beiwohnte. Das mußte zu Spannungen führen, die auch kamen. "

Das Vergißmeinnicht

Auszug aus "Vergissmeinicht", Quelle: Internetloge

Nach dem Krieg gibt Theodor Vogel der Geschichte des Vergißmeinnicht-Abzeichens wesentliche Impulse. Theodor Vogel (1901-1977, wurde 1926 in die Schweinfurter Freimaurerloge "Brudertreue am Main" aufgenommen; wirkte als Meister vom Stuhl der "Brudertreue am Main" 1946, als Großmeister der Großloge "Zur Sonne" 1948, der "Vereinigten Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland" 1949, der "Vereinigten Großlogen von Deutschland" 1958; führte mit seiner Arbeit die deutschen Freimaurer in den 50er Jahren wieder in die weltumspannende Bruderkette zurück) erinnerte sich 1948 bei der Einsetzung der Loge "Zum weißen Gold am Kornberg" in Selb, die ihr Konstitutionspatent am 2. April 1948 erhalten hatte, an dieses Vergißmeinnicht-Abzeichen.

Da in der Porzellanmanufaktur die Formen noch vorhanden waren, ließ er eine größere Menge von diesen "kleinen blauen Blüten" herstellen. In den USA ist es üblich, beim Besuch einer Loge in einem anderen Staat, als Dank für die Gastfreundschaft das Ansteckabzeichen seiner Loge oder Großloge (Siegel) dem Gastgeber zu überreichen. Daher nahm Theodor Vogel die Vergißmeinnicht-Abzeichen 1948 zur Großmeisterkonferenz in die USA und auf seinen weiteren Reisen in Sachen Freimaurerei mit. So wurden viele Brüder im Ausland mit diesem Zeichen bekannt. Man hielt es dadurch bald für das offizielle deutsche Freimaurer-Abzeichen.

Brücken

Quelle: Magazin "Humanität" 1987 Nr.8 Dezember Seite 34-39

„Was das Geschick den Menschen heute aufträgt, was das Schicksal von allen denen fordert, die in der Gegenwart vom Bauen wissen, das sind nicht mehr die hohen Dome, die erhabenen Tempel, sondern die Brücken. Brücken von der Vergangenheit in die Zukunft, vom Alten zum Neuen, vom Verwehenden zum Werdenden, Brücken von Ufer zu Ufer, zwischen den Ständen, den Bekenntnissen der Konfessionen, den Parteien, Brücken vom Untergang der Sonne bis zu ihrem Aufgang. Brücken über die Grenzen der Sprachen und Rassen hinweg. Brücken, meine Brüder Bau­meister-Brücken!" Dr. Theodor Vogel (1901-1977), erster Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland

„Einiger der deutschen Freimaurerei"

Die Vision von der Einigung v. Rolf Appel

Bruno Peters hat in seinem 1986 er­schienenen Buch „Die Geschichte der Freimaurerei im Deutschen Reich 1870 - 1933" auch auf die Zersplitterung des doch eigentlich vor allem auf die Über­windung von Trennungen angelegten Männerbundes hingewiesen. Theodor Vogel übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg dieses unselige Erbe und entwickelte aus der Notwendigkeit un­geschminkter Erkenntnis eine ..Vision von der Einigung" der deutschen Frei­maurerei. Wir wissen, daß ihm dieses gewaltige Werk der Einigung gelang und er dar­um in die freimaurerische Geschichte eingegangen ist als der „Einiger der deutschen Freimaurerei".

Bruder Rolf Appel, über Jahre enger Mitarbeiter des Großmeisters, hat über ihn eine Biographie geschrieben, die in der Akademischen Druck- und Verlags­anstalt in Graz erschienen ist und aus der das 7. Kapitel hier wiedergegeben wird:

„Bedingt durch die deutsche Viel­staatlichkeit im 18. Jahrhundert hatte sich die Freimaurerei entsprechend entwickelt. Schließlich gab es bis zum Verbot durch die nationalsozialistische Reichsregierung im Gebiet des Deutschen Reiches zehn Großlogen mit über 650 Logen und etwa 80 000 Mit­gliedern.

Das waren in der Reihenfolge der Mitgliederstärken:

die Große National-Mutterloge ,Zu den drei Weltkugeln'
die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland
die Großloge Royal York zur Freund­schaft
die Große Loge von Hamburg
die Große Landesloge von Sachsen
die Großloge ,Zur Sonne' in Bayreuth
die Große Mutterloge des Eklekti­schen Bundes
die Große Freimaurerloge ,Zur Ein­tracht'
die Großloge ,Deutsche Bruderkette'
die Symbolische Großloge von Deutschland
der Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne
und einige nicht Großlogen gebunde­ne Logen von teils beträchtlicher Grö­ße.

Jede dieser Großlogen lenkte die ihr unterstehenden Logen und bean­spruchte Souveränität, regelte ihre Be­ziehungen zu den ausländischen Großlogen selber und entwickelte ihr eige­nes System, was von einer christlich-nationalen bis zur freidenkerisch-pazi­fistischen Grundhaltung reichte.

Be­einflußt durch die politischen Wirren in der Weimarer Republik konnte man schließlich von zwei Flügeln sprechen, dem patriotisch-christlichen und dem liberal-demokratischen, was die Frei­maurerei in Deutschland fast ganz von ihrer internationalen Grundlinie ab­brachte. Wie arg sich das entwickelte, mag deutlich werden an jenem Mahn­ruf, den der Altgroßmeister der bayeri­schen Großloge Paret im Juli 1927 in der freimaurerischen Zeitschrift ,Die Bauhütte' an die deutschen Freimaurer richtete:

"Löst euch einmal für einen Augen­blick von eurem besonderen System, ganz gleichgültig, welchem ihr ange­hört, und seht euch die deutsche Frei­maurerei von heute an! Not über Not' Ein Schlacht- und Trümmerfeld! Brü­der und Systeme gegeneinander im er­bittertsten Kampfe! Wo sind die hohen Ideale geblieben, die wir von unseren Vätern ererbt ha­ben, das Ideal der Liebe, der Achtung jeder ehrlichen Überzeugung, die Brü­derlichkeit? Seht es euch an, meine geliebten Brüder! Die Feder sträubt sich fast, es in Worte zu fassen, und doch ist es wahr; das was wir heute sehen müssen, ist etwas ganz, ganz anderes, es ist na­hezu Haß, Verachtung, bitterste Feindschaft, die selbst vor den häßlichsten Mitteln einer sonst stets verurteilten profanen Kampfweise nicht zurück­schreckt!"

Paret rief nach Einigung in der deut­schen Freimaurerei, aber sein Ruf wur­de nicht gehört. Die altpreußischen Großlogen gebärdeten sich patriotisch, konnten und wollten sich mit der Wei­marer Republik nicht abfinden, woge­gen die humanitär ausgerichteten Großlogen die Beziehungen zu den ausländischen Großlogen neu aufzu­richten oder zu stärken suchten.


Diese Zersplitterung wurde schon Ende der zwanziger Jahre sichtbar, als sich das Mitteilungsblatt der Großen Landesloge, die "Zirkelkorrespondenz", im Untertitel als Organ des Deutsch-christlichen Ordens bezeichnete. Und diese Zersplitterung ermöglichte es dann auch, daß die nationalsozialisti­sche Reichsregierung leichtes Spiel mit der Auflösung der Logen hatte. Das war die Situation innerhalb der Freimaurerei in Deutschland, die die Brüder nach 1945 in lebhafter und schamhafter Erinnerung hatten.
Als dann der Zweite Weltkrieg been­det war, die deutschen Städte in Trüm­mern lagen, Hunger herrschte und Ar­beitslosigkeit, die Straßen von Flücht­lingstrecks bevölkert waren, die mei­sten Männer als Soldaten noch in Ge­fangenschaft waren, begannen bereits einzelne Freimaurer, hier und da die versprengten Brüder zu sammeln. Der Lübecker Bruder, Dr. Herbert Buch­wald, machte sich mit einem Empfeh­lungsschreiben des letzten Großmei­sters der Großen Loge von Hamburg, Pastor Wilhelm Hintze, anf den Weg, um die ehemaligen Großmeister der anderen Großlogen aufzusuchen in der Absicht, eine einzige deutsche Großlo­ge zustande zu bringen, zumindest erst einmal die Großmeister an einen Tisch.

Zur gleichen Zeit war Theodor Vogel bei dem letzten Großmeister der Groß­loge "Zur Sonne", Dr. Bernhard Beyer, in Bayreuth und entwickelte ihm seine Vision von einer einzigen deutschen Großloge, in der alle Logensysteme vereinigt sind.

Er vertrat die Ansicht, daß eine Eini­gung zwischen den Großmeistern nur schwer möglich sei. Die Einigungsbe­wegung müsse auf Logenebene wach­gerufen und dann zielbewußt von oben gefördert werden, Bernhard Beyer staunte über den Wagemut und die kühne Vision dieses erst 45jährigen Meisters vom Stuhl. Er erwiderte: ,Wenn du den Mut hast, zu diesem Ziel Ja zu sagen, Kraft und Zeit, viel Zeit, dar anzuhängen, wenn du davon über­zeugt bist, daß die Freimaurerei noch etwas zu bedeuten hat für Gegenwart und Zukunft unserer Nation, dann hal­te fest: Niemals nur eine Dachorgani­sation oder ein Großlogenbund, nie­mals nur eine Arbeitsgemeinschaft, nie mehr christlich und humanitär gegen­einander, sondern nur ein ehrliches Miteinander in einer Großen Loge.

Theodor Vogel darauf: "Der Weg darf nicht über die alten Obödienzen ge­hen. Alle Versuche in den Jahrhunder­ten zuvor waren untaugliche Mittel und führten nie zur Einigung. Es gibt nur einen Weg zur Auferstehung der deutschen Freimaurerei, daß sie über die Grenzen der Rituale, der Lehrarten und Systeme hinaus sich vereint zu ei­ner Vereinigten Großloge von Deutschland. Ich halte es für den fal­schen Weg, die Neuordnung der deut­schen Bruderschaft von den alten deut­schen Großlogen her zu beginnen. Wir müssen es über die Logen versuchen!"

Bernhard Beyer hörte aufmerksam zu. Wie recht hatte doch dieser in der Führung einer Loge noch unerfahrene Bruder. Wie recht hatte er! Die bisheri­gen Großlogen, unterschiedlich an AIter, Tradition und der völlig unter­schiedlichen Auffassung darüber, wie Freimaurerei in einer Republik zu praktizieren sei, hatten im elfenbeiner­nen Turm kontemplativer Zurückgezo­genheit gesessen, gegenseitig sich streitend über freiniaurerische Daseinsformen. Und dieser Theodor Vo­gel erkennt die zeitgeschichtliche Chance, die Reste der deutschen Frei­maurerei nicht nur zu beleben, sondern sie zu einigen. Welch einen Optimis­mus strahlt dieser Mann aus! Wieviel Vertrauen in die Kraft der Königlichen Kunst besitzt er! Dynamik liegt in die­sem Mann! Bald darauf schreibt Großmeister Beyer an den Stuhlmeister der Schweinfurter Loge, daß sein künftiger Stellvertreter in der Großlogenführung Theodor Vogel heiße ...

Zunächst galt es für ihn, die Stuhl­meister zusammenzuführen, die in den verschiedenen Logen Bayerns gewählt worden waren. Es gelang. Die Vertre­ter von 14 Logen der ehemaligen gro­ßen Loge ,Zur Sonne' und bereits fünf Vertreter von Logen, die aus anderen Großlogensystemen erschienen waren, versammelten sich am 29, Juni 1947, und es kam zu den Schweinfurter Be­schlüssen, wonach man weiter eng zu­sammenarbeiten und bei der US-Mili­tärregierung die Zulassung einer Groß­loge beantragen wollte. Dieser Ver­such mißlang jedoch. Theodor Vogel wollte sich aber von seinem Vorhaben nicht abbringen lassen, besuchte den amerikanischen Militärgouverneur und trug ihm die Notwendigkeit der Großlogenzulassung vor. Das gelang ihm. Er überzeugte. Die Großloge in Bayern wurde lizenziert.

Inzwischen hatte der bereits erwähn­te Herbert Buchwald seine Reisetätig­keit fortgesetzt und erreichte, daß es zur ,Bensheimer Tagung' kam, auf der die verschiedenen Großlogen Vertreter die Gründung einer Bundesgroßloge Zu den Alten Pflichten' festlegten. Zum Großmeister wurde der Stuttgarter In­itiator Lichtenberg gewählt; er war die treibende Kraft, doch als er bald darauf starb, war es mit der Bundesgroßloge wieder vorbei, zumal die Zoneneintei­lung der Besatzungsmächte sich dem Vorhaben gegenüber äußerst hinder­lich auswirkte.
Es kam aber am 15. Juni 1947 zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft von Freimaurerlogen, dem sich die bayerischen Logen anschlössen. Das geschah in Frankfurt. In Stuttgart fand dann eine weitere Tagung der Stuhlmeister statt. Diesmal ging es konkret um den Wiederaufbau und die erstre­benswerte Einigung. Zögernd waren die einen, euphorisch die anderen, wieder welche an den alten Großlogensystemen klebend, gab es ein Hin und Her, ohne daß sich eine klare Linie abzeichnete.

Da stand Theodor Vogel auf. Bisher hatte er nur zugehört. Jetzt aber breite­te er vor allen Anwesenden seine Vor­stellung aus, daß eine Einigung nicht auf dem Organisations- und juristi­schen Wege zu erfolgen habe, sondern von unten her, von den Logen, von den einzelnen Mitgliedern mußte der Wille zur Verbrüderung kommen und darauf aufbauend eine Einigung zuwege ge­bracht werden. Alle Anwesenden waren im Bann dieser Ausführungen. Das war der Weg! War Theodor Vogel auch der Mann, der dieses Ziel durchzusetzen vermochte gegen die Unentschlosse­nen, die Zweifler, die Verneiner?

Wollte man damals eine Zonengren­ze überqueren, brauchte man ein mit genauer Begründung zu beantragen­des Ausweispapier. Doch noch schwie­riger war die Lebensmittelversorgung, denn die zum Einkauf berechtigenden Karten galten nur in der jeweiligen Be­satzungszone, so daß die Durchführung von Tagungen äußerst schwierig war. Doch auch hier wußte Theodor Vogel Abhilfe, Er hatte sein Auto zur Benutzung freibekommen. Also besorgte er Kar­toffeln und Schweineblut, lud sie in seinen Wagen und lieferte alles im Ta­gungslokal dem Koch ab, der daraus ein Art von Klößen mit Bratkartoffeln machte. Alle Teilnehmer waren begei­stert.

Am 1. Mai 1948 fand irn Logenhaus zu Erlangen die Jahresversammlung der wiedererstandenen Großloge "Zur Sonne" statt. Großmeister Beyer erstat­tete einen langen Rechenschaftsbe­richt, sprach über Deutschlands Kata­strophe, daß sich niemand von Schuld freisprechen könne, auch er nicht, daß er nicht wisse, ob es mit der Freimaure­rei noch einmal einen Aufschwung nähme, er aber kein Pessimist sein wol­le. Von einer Wiederwahl seiner Person müsse Abstand genommen wer­den. Theodor Vogel dankte dem wäh­rend der Verfolgungsjahre so getreuen Statthalter der Großloge, worauf die Wahl des neuen Großmeisters erfolgte. Von 53 abgegebenen Stimmen wurde Theodor Vogel mit 52 Stimmen zum Großmeister der Großloge ,Zur Sonne' gewählt. Er gab sogleich das Ziel sei­ner künftigen Arbeit bekannt: Diese seine Großloge einzubringen in eine Vereinigte Großloge von Deutschland! Begeistert applaudierten die Anwesen­den. An dieser Jahresversammlung nahmen die Vertreter der Logen in Bayreuth, Ansbach, Erlangen, Regensburg, Passau, Hof, Nürnberg, Fürth, Coburg, Schweinfurt, Würzburg, Augs­burg, München, Bamberg, Kulmbach, Kitzingen, Bad Kissingen, Wunsiedel, Selb und Münchberg teil.


Im Anschluß daran fand die feier­liche Einsetzung der Großloge und die Verpflichtung von deren Großmeister statt. Interessant ist deren Ablauf. Der bisherige Großmeister Beyer be­richtete über Verbot, Schließung und Neubeginn. Dann wurde die von der Militärregierung erhaltene Lizenz ver­lesen. Anschließend wurde eine Lade hereingetragen, in der sich die rituel­len Gegenstände der Großloge befan­den, die von den einzelnen Großbeam­ten herausgenommen und aufgebaut wurden: die 3 Großen Lichter, die Säu­len, der Teppich, die Großbeamtenabzeichen. Die Lade wurde wieder hin­ausgetragen und die Großloge nun­mehr für gerecht und vollkommen er­klärt. Dann erst folgte die rituelle Öff­nung, die Groß logen Verfassung wurde in Kraft gesetzt und die Großbeamten verpflichtet.

Der Großredner, der damalige Bun­desjustizminister Dr. Thomas Dehler, führte aus, daß er aus seiner Tätigkeit im öffentlichen Leben sich eine Er­neuerung des deutschen Volks nur aus den Idealen und dem Geist der Frei­maurerei vorstellen könne. Er habe bei der Suche nach der rechten Ordnung kein besseres Maß gefunden als das der Freimaurer, Darum sei es auch nö­tig, mit allem Ernst und allem Elan die aufgenommene Arbeit fortzuführen.

Der ehemalige Sekretär des 1929 verstorbenen Reichskanzlers Gustav Stresemann, Konsul Henry Bernhard, dankte Theodor Vogel, daß er sich ein tiefes freimaurerisches wie allgemein menschliches Wissen angeeignet habe, das er - seiner Vision von der großen Einigung folgend - in die Zukunft wei­send eingesetzt habe. Unter den Gast­rednern fielen die warmherzigen Wor­te des Vertreters des Grand Orient de France auf. Die Armensammlung er­gab RM 1964,50, die den aus der Tschechei geflohenen Brüdern zur Verfügung gestellt wurden.

Trotz der Anstrengung, die mit der Einsetzung der Großloge für den Lei­tenden verbunden war, führte Br. Vo­gel gleich im Anschluß eine Gesellen­beförderung für diejenigen Brüder durch, die kurz vor 1933 noch aufge­nommen worden waren, aber nicht mehr hatten befördert werden können. Damit nicht genug, er ließ eine Arbeit im Meistergrad für diejenigen folgen, die vor 1933 aufgenommen und bisher nur als Lehrlinge oder Gesellen dem Bund angehörten. Eine Tafelloge beschloß diesen denkwürdigen Tag.

Welche ungeheure Energie und Kraft gehörten dazu, eine Jahresver­sammlung durchzuführen, eine Groß­loge einzusetzen, eine Arbeit im II. und III, Grad und schließlich noch eine Ta­felloge abzuhalten! Welche Dynamik steckte in diesem Manne, der an der Tafel dann noch die Brüder für seine Vision von der einen Vereinigten Großloge zu begeistern verstand!

"Laßt unsere jungen Brüder an die Arbeit! Sie sind nicht nur die psychisch und physisch Jungen, die Kraftvolle­ren, weniger leicht Ermüdeten, weni­ger stark Belasteten. Sie haben vor al­lem kein Teil an den Fehlern und Sün­den der alten Logen, der Auseinander­setzungen der Systeme, der festgefah­renen Geleise, der Verstrickungen, in die sich die deutsche Freimaurerei vor 1933 begeben hatte. Sie sind nicht nur die Jungen, sondern auch die Glaubenden, die Hoffenden und die Vertrauen­den."

Stehend applaudierten die Meister vom Stuhl ihrem jungen Großmeister. Er machte sich dann mit Elan an die Arbeit. Seine Mitstreiter aus jenen Ta­gen konnten sich über mangelnde Be­schäftigung wirklich nicht beklagen: Es wurde eine freimaurerische Alters­versorgung eingerichtet, eine Gebüh­renordnung aufgestellt, die Bernhard-Beyer-Medaille gestiftet, die ,Für her­vorragende Verdienste um freimaure­rische Forschung und Wissenschaft' ausgesetzt wird. Das Collegium masonicum wurde gegründet, der Rückerwerb der unter dem N S-Regime enteigneten oder zwangsverkauften Grundstücke und Logenhäuser betrieben, die Beziehung zum Grand Orient de France aufge­nommen und den Logen Leitthemen für die innere Arbeit vorgeschlagen. Überall war spürbar: Es ist ein mitrei­ßender Zug in die Freimaurerei in Bay­ern gekommen.

Bei allem Einsatz für die ihm übertra­genen Aufgaben im Süden Deutsch­lands hat Theodor Vogel das große Ziel der gesamten Einigung nicht aus den Augen verloren. Überallhin suchte er Kontakte, brachte er Argumente für die Notwendigkeit des Zusaminenrückens, überzeugte er, daß die Öffent­lichkeit keinen Sinn für eine zersplit­terte Freimaurerei aufbringen wurde, und Schritt für Schritt konnten seine Gedanken und Pläne Boden gewinnen.

Im Oktober 1948 versammelten sich im Kurheim Elisabeth in der Kurhaus­straße 33 zu Bad Kissingen die Vertre­ter aller früheren deutschen Großlo­gen. Theodor Vogel hatte eingeladen und allen die Zukunft der deutschen Freimaurerei aufgezeigt. Er war tief im Innersten von dem als allein richtig er­kannten Ziel überzeugt, aber damit verband er nicht einen Augenblick die Absicht, künftig an der Spitze der ein­mal geeinten Freimaurerei zu stehen. Dennoch wurde er nach einer mit Begeisterung geführten Diskussion als künftiger Großmeister einer vereinig­ten Großloge vorgeschlagen.

Die eigentlichen Beschlüsse wurden dann bald darauf in Offenbach gefaßt. Als alle übereinstimmten, daß der künftige Großmeister nur Theodor Vo­gel heißen dürfe, geschah etwas Uner­wartetes. Er sprang auf und verließ, ohne ein Wort zu sagen, die Versamm­lung, Was war geschehen? Zu gleicher Zeit hatte sich seine Frau vom Hotel aus auf den Weg gemacht, um zu sehen, wie lange die Versamm­lung noch dauern würde, denn es war mittlerweile Mitternacht geworden. Da kam ihr der Frankfurter Dr. Emil Seiter entgegen: ,Wir hatten gerade Ihren Mann zum künftigen Großmeister vor­geschlagen, als er wortlos davonlief! ,Oh, das kenne ich. Wenn ihn etwas bewegt, dann rennt er.' Und die beiden machten sich im nächtlichen Offen­bach auf die Suche. Schließlich fanden sie ihn, an einen Brunnen gelehnt, allein, den Kopf in die Rechte gestützt, unbeweglich. Petrus, du wirst gebraucht', sagte Else Vogel. Als ob er aufwachte, hat er sie angesehen und ist dann mitgegan­gen und hat Ja gesagt zu Amt, Würde, Pflicht und Arbeit.

Und dann wurde die sieben Punkte umfassende Vereinbarung unter­schrieben, die zwei Tage zuvor aufge­stellt worden war und die die Grundla­ge für den Zusammenschluß zu einer. Vereinigten Großloge bildete. Damit war ein großer Schritt zur Einigung der deutschen Freimaurerei getan. In der Präambel, die schon in Bad Kissingen von allen Teilnehmern gemeinsam auf­gestellt worden war, bestand Einigung bei allen Teilnehmern, nicht dagegen im Entwurf zu einer Großlogenverfassung. Diese konnte der Vertreter der Großen Landesloge, Friedrich Pinkerneil, nicht akzeptieren und verließ da­her die Versammlung. Er war ein redli­cher Mann, ein getreuer Eckehard sei­nes Großlogensystems und konnte und durfte daher nicht zustimmen. So blieb diese Obödienz von der weiteren Ent­wicklung für ein Jahrzehnt ausge- schlossen.

Trotz dieses nicht erwarte­ten Rückschlags blieben alle Vertreter der übrigen Großlogen unbeirrt bei ih­rem Vorhaben: Die Vereinigte Großlo­ge von Deutschland mußte gegründet werden! Drei Jahre später sollte Theo­dor Vogel darüber schreiben:

"Die größte und glücklichste, die schönste und herrlichste Zeit der deutschen Freimaurerei begann, als wir 1945, nach den Jahren des Verbots, wieder arbeiten durften, als wir frei wurden von den Äußerlichkeiten und die inne­ren Stimmen wieder vernahmen. Von 1945 an geschah in der deutschen Frei­maurerei alles mit seltsamer und wun­dervoller Folgerichtigkeit: Wir durften uns als Brüder wieder sammeln, gleichgültig aus welchem Land, aus welchem Stand, aus welchem Großlogensystem, konnten Stein um Stein be­bauen und aufeinanderfügen."

Auszug aus: Rolf Appel: „Theodor Vogel - Der Einiger der deutschen Freimaurerei", 316 Seiten
Text mit zahlreichen Abbildungen

Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz

Publikationen

Theodor Vogel: Die ungeschriebenen Gesetze der Freimaurerei. Frankfurt 1950; 5. Aufl. Hamburg: Bauhütten Verlag 1979.

Auszug: "Aber neben diesen geschriebenen Gesetzen, die jeder Bruder Freimaurer und jedes Mitglied einer Loge kennen muß, bestehen seit alten Tagen die ungeschriebenen Gesetze, das ungeschriebene Recht und die ungeschriebene Verpflichtung, oft nur Überlieferung und scheinbare Äußerlichkeit, oft aber auch im Metaphysischen wurzelnde und aus dem Bekenntnis zur Form herrührende, ordnende Kraft"

Siehe auch

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