Freimaurer-Wiki

Druckversion | Impressum | Datenschutz

Traktat: Esoterik und Freimaurerei

Aus Freimaurer-Wiki

Header800.jpg

Traktat: Esoterik und Freimaurerei

Zeichnung von Dirk Kristek im Orient Friedberg, Montag, den 11. Dezember 2017

Das Thema Esoterik und Freimaurerei, ist eines der Themen, das sehr häufig missverstanden wird und bei vielen auf Ablehnung stößt. Die Lager in der Freimaurerei sind hierbei geteilt. Die eine Seite hat einen rationell logischen Zugang zur Freimaurerei und lehnt das Vorhandensein jeglicher esoterischen Elemente ab. Die andere Seite sieht die esoterischen Elemente als Kernbestandteil der Freimaurerei an. Eine der Ursachen hierfür ist die falsche Einordnung des Begriffes Esoterik, was in der Freimaurerei und im Profanen sehr häufig der Fall ist. Auch wenn es an dieser Stelle hart klingen mag, so gibt es seit jeher in allen Bünden die wissenschaftliche und spirituelle Strömung, die je nach Vorprägung in jedem einzelnen verschieden stark ausgeprägt ist.

Die (königliche) Kunst ist es diese Polaritäten in harmonischen und sich gegenseitiger befruchtender Koexistenz nebeneinander bestehen zu lassen. Wir werden im weiteren Verlauf des Vortrages einiges zur Herkunft des Wortes und zum Gebrauch von esoterischen Elementen in der Freimaurerei hören. Wir werden eine Reise unternehmen um dem Begriff Esoterik näher zu kommen. Es wird nicht immer geschichtlich haltbares zu hören geben, aber es ist ein Versuch die losen roten Fäden der Vergangenheit in eine mögliche Ordnung zu bringen. Das ist auch eine der Disziplinen in der Freimaurerei, um auf dem eigenen Einweihungsweg weiter voranzuschreiten. Es geht darum sich das Wissen unserer Altvorderen zu erarbeiten und zu verinnerlichen.

Wenn wir uns den Begriff Esoterik anschauen, dann müssen wir den Wortsinn im ursprünglichen Sinne verstehen. Esoterik kommt aus dem Griechischen und bedeutet „nach innen gerichtet, innerlich“ im Gegensatz zu exoterisch „nach außen gerichtet“. Im freimaurerischen Kontext bedeutet Esoterisch zum einen die Innenschau, also das „schau in dich“ im Bezug auf den Einzelnen. Für die Gemeinschaft bedeutet es, dass wir Initiierte, also Eingeweihte sind. Wohingegen Exoteriker nicht eingeweihte, also Profane oder Suchende sind.

Die Esoteriker waren die Eingeweihten oder auch initiierten im Bunde des Pythagoras. Hierzu ein Textauszug: „Hatte man die Adepten auf Grund ihrer Lebensführung und ihrer sonstigen guten Wesensart nach des Meisters Urteil für würdig befunden, die Lehren zu empfangen, so wurden sie nach dem fünf Jahre langen Schweigen für den Rest ihres Lebens zu »Esoterikern«, hörten innerhalb des Vorhangs den Pythagoras und durften ihn dabei auch sehen; vorher hatten sie nur außerhalb desselben durch bloßes Hören an den Vorträgen teilgenommen, ohne Pythagoras jemals zu Gesicht zu bekommen, und dabei lange Zeit eine Charakterprobe abgelegt.“

Hieraus ergibt sich eine parallele zur Freimaurerei. Ursprünglich war die Freimaurer, also die Steinmetze eine Organisation, die ein gewisses Betriebsgeheimnis zu waren hatte. Die Kunst zum Herstellen von Bögen oder Figuren und die Architektur einer Kirche waren der Garant für ein gutes Auskommen und ihr Alleinstellungsmerkmal (USP) wie wir es heute nennen würden. Dieses Wissen wurde nur im engsten Kreise der Zunft bzw. der Hauptbauhütten geteilt. Um dieses Wissen zu schützen wurde spezielle Griffe – Handschenk genannt – und gewisse Begrüßungsformel angewendet. Hierdurch konnten die Steinmetze sich untereinander erkennen. Ähnlich wird es heute noch in der Freimaurerei praktiziert.

Heutzutage wenden wir das esoterische und exoterisch Prinzip noch an. Wenn wir Gäste bzw. Suchende empfangen. Die Suchenden bekommen nur im Rahmen von Vortragsabenden oder unserem jährlichen Gästezeremoniell eine Ahnung von dem was Freimaurerei ist. Sie lauschen nur den Vorträgen, aber die vielschichtige Bedeutung bleibt ihnen verborgen. Es fehlt das Erlebnis der Initiation und der Schlüssel zum Dechiffrieren der jeweiligen Symbole und Allegorien.

Was könnte Pythagoras an wichtigen und geheimnisvollen Lehren seinen Esoterikern, also Eingeweihten mit geteilte haben. War es sein heute noch gültiger Satz des Pythagoras, oder die Lehre seiner Zahlen in dessen Mittelpunkt die Tetraktys („Vierheit“) die Gruppe der Zahlen 1,2,3 und 4 stehen. Diese Zahlen ergeben in ihrer Summe die Zahl 10. Also die Grundlage für das Dezimalsystem. Die Zehn war im Pythagoreismus die grundlegende Zahl für die Weltordnung. Es gibt leider keine schriftlichen Dokumente aus dieser Zeit, dennoch haben die Lehren von Pythagoras Platon, Aristoteles und andere Philosophen beeinflusst. So ist wahrscheinlich einiges seiner Lehren als tradiertes (mündlich überliefertes) Wissen von seinen Schülern an andere Philosophen weitergegeben worden, die ihre Theorien auf seiner Grundlage aufbauten.

Um tiefer in die freimaurerische Esoterik eindringen zu können, ist es sinnvolle gewisse Voraussetzungen zu erfüllen. Die grundlegende Frage „Was Freimaurerei ist“ sollte man für sich schon mal beleuchtet haben. In der englischen Freimaurerei wird sie kurz wie folgt beschrieben: "a peculiar system of morality, veiled in allegory and illustrated by symbols“

D.h. Freimaurerei ist ein moralisches System, das sich in Allegorien hüllt und illustriert wird durch Symbole. Die Grundideale des moralischen Systems sind unsere Tugenden Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Menschenliebe. In unseren Ritualen werden diese Ideale in verschiedenen Ausführungen allegorisch dargestellt. Das Wort und jeder Satz innerhalb eines Rituals wird zu einer Allegorie. Wenn wir sagen „Geht in die Welt und bewährt euch als Freimaurer, kehret nie der Not und dem Elend den Rücken“, dann wird mit diesem Satz ein moralischer Wert und eine Tugend vermittelt, sowie eine aktive Aufforderung zur Tätigkeit unter besonderen Umständen.

Die Symbolwelt der Freimaurerei ist vielfältig. Neben den offensichtlichen Symbolen, wie dem Winkelmaß und dem Zirkel oder dem Allsehenden Auge gibt es noch vielerlei weitere Symbole. Ein sehr schönes und doch nicht so beachtetes Symbol mit esoterischer Wirklichkeit stellt die Kette dar. Wir haben bei der Bildung der Kette mit den Händen dieses Symbol dargestellt. Hier taucht ein weiterer Aspekt auf, die Haptik. Die offensichtliche Bedeutung erschließt sich einem gleich. Das verbindende Element, eine Verbindung von Menschen. Auf einer weiteren Ebene ist dies nicht nur eine physikalische Verbindung. Es ist mehr. Eine spirituelle Verbindung. Hierbei fließt Energie und die Körper gehen in Resonanz, je größer die Harmonie innerhalb der Gruppe ist. Wir reichen einander die Hände und symbolisieren dadurch ein gewollt friedliches Miteinander, dass auch nach der Trennung als Wille in uns fortwirkt. Wenn wir das Symbole der lebenden Kette nun weiter esoterisch, also aus der Innenschau dem Intellekt betrachten, dann sind wir Menschen gedanklich alle miteinander verbunden. Ein weiterer Aspekt im Bezug auf die Kette hat jeder sicher schon einmal gehört. Die Kette ist so stark, wie ihr schwächstes Glied. Was in der kausalen Innenschau daraus folgt, wird eine Veränderung im Bezug seiner eigenen Person in Verbindung mit anderen Menschen und der Welt auslösen. Das ist gelebte Esoterik, das Wirken der Freimaurerei, nicht mehr und aber auch nicht weniger.

Wenn wir uns den Strang der Esoterik durch die Geschichte einmal anschauen, dann kommen interessante Vereinigungen zum Vorschein. Ich werde hier nur einige anführen, die für mich einen besonderen Bezug zur Freimaurerei darstellen.

Neben dem pythagoreischen Bund gab es in der Folge weitere Philosophen die eine Weiterführung der Ideen vorantrieben. Hier an der Stelle sei der Neuplatonismus erwähnt. Platon spielt in der Freimaurerei insofern eine Rolle, da er den Großen Baumeister der Welt in seinen Schriften erwähnt . Er legt mit seinen Ausführungen in Timaios eine grundlegende Idee vor, dass es einen Demiurg gibt und dieser die Welt baute. Diese Idee war die Grundlage für die hermetischen Prinzipien, z.B. „wie oben so unten“.

In der weiteren Linie ist zwei Generationen weiter Plotin zu erwähnen. Von ihm stammt die Aussage, dass alles individuelle stufenweise hervorkommt aus einem einzigen letzten Urgrund und auch wieder dahin zurückkehrt. In der Freimaurerei können wir es als die Stufenweise Initiation der einzelnen Grade verstehen (Lehrling, Geselle und Meister). Nach Plotin führt dieses voranschreiten zu Unio Mystica, der mystischen Vereinigung des Menschen mit seinem göttlichen Ursprung. „Daher ist tugendhaftes leben (wie es Plato lehrte) gut, aber der <Weg nach innen> (via contemplativa) ist besser. Philosophisches Denken ist gut ekstatisches <Eins-Sein> mit Gott, mit dem göttlichen in uns selbst, ist besser. Wenn wir das hören, könnten wir auf den falschen Weg kommen.

Wir sprechen von Esoterik im eigentlichen Sinn, also die Innenschau. Es geht nicht um eine kirchliche Vorstellung, darum geht es nie in der Esoterik und auch nicht in der Freimaurerei. Es geht darum den Weg zu uns selbst zu finden und die Verbindung zwischen Köper und Geist, also dem materiellen Körper und dem spirituellen Körper herzustellen. Das ist die Grundlage aller Vereinigungen seit alters her, auch der Freimaurerei. Den Kern zu erkennen und dem Weg der Tugend zu folgen wird durch allerlei Prüfungen und Reisen erschwert. Das ist sicherlich auch der Grund dafür, warum wir unser freimaurerisches Tun „Arbeit“ nennen. Der Weg der Erkenntnis ist durch Arbeit gesäumt. In der Reihe der Neuplatoniker sind für Freimaurer noch Spinoza und Pseudo-Dionysius Areopagita zu nennen.

Im Voranschreiten durch die Zeit landen wir beim Gnostizismus . Gnosis bedeutet Wissen. Zentrale Leitidee hier ist eine Art esoterischen Wissen, also Wissen nur für Eingeweihte. Es wird unterstellt, dass in jedem Menschen ein göttlicher Funke schläft, welcher erweckt werden muß. Im 2. Jahrhundert hat diese Idee zur Auseinandersetzung mit dem Christentum geführt. Die als Gegensätze definierte Gnosis (Wissen) steht dem kirchlichen Konzept Pistis (Glaube) gegenüber. Die Konflikte die daraus entstanden für die Gnostiker sind ersichtlich. Auch wenn die Gnostiker über die Zeit untergegangen sind, so lebte die Idee noch bis heute in verschiedenen Organisationen weiter. Es wurden gnostische Elemente bei den Alchemisten, den Bogomilen, der Theosophie, den Rosenkreuzern, der Gralsbewegung und weiteren Vereinigungen nachgewiesen. Selbst in unserer Zeitepoche wurden die Ideen von Carl Gustav Jung, den man auch den letzten Esoteriker unserer Zeit nennt, in seinen Schriften aufgegriffen. Auch wenn viele Freimaurer eine starke Verbindung zwischen dem Gnostizismus und der Freimaurerei sehen, gibt es zwar ein paar verbindende Elemente doch eine starke Verwandtschaft ist ausgeschlossen. Der dualistische Gnostizismus ist weltverneinend und somit im Kern nicht vereinbar mit der Freimaurerei. Die wichtigste Gemeinsamkeit der beiden Bünde liegt in der Anwendung von Ritualen, um eine metaphysische Erfahrung in dem Initianden hervorzurufen.

Auf der intellektuellen Ebene haben wir mit dem Bund der Pythagoräer, der christlichen Mystik, dem Neuplatonismus und dem Gnostizismus vier mögliche Quellen der esoterischen Grundlage in der Freimaurerei kennen gelernt. Das schließt weitere Quellen nicht aus, nur die Prinzipien dieser vier sind am offensichtlichsten. Wenn wir weiter nach Osten schauen werden wir auf die Lehren im Yoga oder im Buddhismus stoßen, sowie viele weitere esoterische Lehren finden die einen verbindenden Kern zur Freimaurerei haben können.

Neben der intellektuellen Ebene kommt die operative Ebene in der Tradition der Steinmetze zum tragen, insbesondere der Gotik. Einen wesentlichen Beitrag für die Symbolik, insbesondre der Bau- und Lichtsymbolik hatte hier der Abt Suger von Saint Denis (ca. 1087 bis 1151) geleistet. Sein Interesse galt den Schriften des Pseudo-Dionysius Areopagita . In diesen christlich-neuplatonischen Texten fand er eine Lehre, die ihn viel mehr befriedigte als die offizielle Lehre der Kirche. Im Kern fand er für sich heraus, dass Gott die Welt nicht aus dem Nichts geschaffen hatte, sondern aus sich selbst. (Die Idee ist für uns Freimaurer im Symbol des Pentagramms enthalten). Die Merkmale Gottes die dabei sichtbar werden, konnten für ihn nur Licht und Schönheit sein. Nach dieser Erkenntnis konnte Gott für ihn nicht mehr in einem dunklen Kerker wohnen, also den dunklen romanischen Kirchen. Wenn er als Seelsorger die Menschen zu Gott führen wollte, dann sollte sich Gott in Licht und Schönheit zeigen. Für Dionysius, und damit für Suger, ist alles Göttliche Licht und alles Materielle materialisiertes Licht.

Alles hat also einen Teil am Göttlichen, das sich als Schönheit zeigt. Durch Kontemplation wirkt über den materiellen Dingen die Quelle die Schönheit im Menschen fort. So fing Suger mit Hilfe der Steinmetze (Wissende in der heiligen Geometrie) und Bildhauer (kein angesehener Beruf in dieser Zeit, da es „Nur Künstler“ waren) die Abteikirche dem gemäß zu gestalten. Das war die Geburt der Gotik, die uns bis heute noch sichtbare Objekte der in Stein gemeißelten Esoterik eines mystisch-christlichen Lichtkultes bieten. Für Suger war es ein Ziel das himmlische Jerusalem auf Erden in Form von Kirchen entstehen zu lassen, die sich durch Ihre Schönheit, die Lichtdurchflutung und der Verwirklichung der pythagoreischen Geometrie in die Herzen und den Geist ihrer Betrachter einnisten und ein Bedürfnis nach Ruhe und Harmonie entstehen lassen. Als Vorbild diente ihm hierbei der salomonische Tempel, der materialisiert und gleichzeitig im inneren eines jeden Menschen, unzerstörbar vorhanden ist. Für die Steinmetzzunft brach hierdurch ein goldenes Zeitalter an, dass über 600 Jahre eine große Gemeinschaft formte. Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Bauboom rückläufig. Die Logen öffneten sich, um ihr Wissen auch an Berufsfremde weiterzugeben. Das Ergebnis dieser Öffnung war die Grundlage unseres Bundes, der seit über 300 Jahren in der offiziellen Form besteht.

Wenn wir nun den Urgrund der maurerischen Ideenwelt beleuchtet haben, sind im Bezug zur Esoterik Strömungen der neueren Zeit, wie die Alchemie, Hermetismus, Kabbalismus und Rosenkreuzertum zu nennen.

Die Alchemie hat kurz gesagt zum Ziel eine Transformation (Umformung) von etwas Unedlem in Edles. Der Stein der Weisen ist das Ideal, das es anzustreben gilt. Das entspricht in der Freimaurerei dem Prinzip der Selbstveredelung.

Der Hermetismus hat in seinem Kern eine wesentliche Übereinstimmung mit der Freimaurerei. Seine weltbejahende Einstellung (der Kosmos ist grundsätzlich gut) und die damit einhergehende Einstellung der Verbesserbarkeit der Welt durch eine Selbstverbesserung der Menschen hat Freimaurer schon immer auf den Weg gebracht sich mit dem Hermetismus eingehender zu beschäftigen. Das faszinierende aus der freimaurerischen Perspektive ist das hermetische Konzept von Gott und Mensch als Werkmeister. Es taucht immer wieder die Darstellung des Kreises mit einem Punkt auf, dessen Mittelpunkt überall und dessen Umfang nirgendwo endet. In der Freimaurerei kennen wir auch dieses Symbol. Solche hermetischen Konzepte wie Gott als Licht und dem Schöpferwort sind im Hintergrund der Freimaurerei ständig vorhanden.

Der Kabbalismus entstand etwa im 12. Jahrhundert. Die Kabbala sollte eine Aufzeichnung von altem Geheimwissen der jüdischen Mystik sein, u.a. der Merkaba-Literatur. Es gibt im Bezug auf den Lebensbaum, auch Sefirot genannt, Übereinstimmungen mit der freimaurerischen Trias aus Weisheit, Stärke und Schönheit. Dies sind die drei Sefirot die 2 Chokhma – Weisheit, 5 Gevura - Kraft und 6 Tiferet – Schönheit. In früheren Ritualen waren deutlich mehr hebräische Buchstaben und Worte enthalten. Man konnte die Buchstaben bei den verwendeten Worten nur aussprechen, wenn man die entsprechenden Vokale kannte. Ein klassisches Beispiel hierfür sind die uns bekannten Buchstaben JHVH, der unaussprechliche Name Gottes. Das Geheimnis, dass man kennen musste, waren die Vokale. Das beflügelt seit jeher Freimaurer sich mit der Kabbala zu beschäftigen.

Die Verbindung zwischen Rosenkreuzer und Freimaurerei wird zwar vermutet, ist aber nicht hinreichend belegt. Beide fischen im Grunde im Teich der Mysterien und esoterischen Bünde. In den ersten drei Graden sind keine wesentlichen rosenkreuzerische Inhalte enthalten. Anders verhält es sich bei weiterführenden Graden. Dort gibt es mehr Berührungspunkte, u.a. im Grad des königlichen Bogens (Royal Arch).

Wenn wir uns nun die Rituale der Freimaurerei anschauen, was für Gäste nun eher als exoterische Lehre zu verstehen ist, dann sehen wir hier denn allusiven - auf etwas anspielenden – Charakter. Die Rituale arbeiten mit Symbolen, die als Bilder und Text enthalten sind. Der Text wird aus mehreren Quellen zitiert. Wenn jemand die Quellen nicht kennt, merkt er nicht. Wenn man die Quelle kennt, dann wird man tiefer noch in die Welt des Rituals eintauchen können. Das ist die Esoterik die Ritualen innewohnt. Die regelmäßige Teilnahme am Ritual ist Voraussetzung um in die Esoterik, d.h. die Gefühlswelt der Freimaurerei einzutauchen. Hieraus ergibt sich für den freimaurerischen Einweihungsweg auch die Notwendigkeit sich mit den Quellen, also der Literatur und Philosophien rund im die Freimaurerei im Selbststudium auseinander zu setzen.

Wie soll man es nun halten mit der Esoterik? Wenn wir nur nach der Esoterik streben, dann tun wir zwar etwas für unsere spirituelle Entwicklung, aber lassen die weltlichen Dinge zugrunde gehen. Wenn wir uns zu exoterisch verhalten, dann wird die Loge mehr und mehr zu einem Verein. Diesem Dilemma der Alternativen kann man mit der freimaurerischen Tugend der Mäßigung entgegnen.

Wenn wir also in der Freimaurerei über Esoterik sprechen, dann ist es im Kontext der pythagoreischen Definition, also einer vermittelten Lehre zu sehen, die alle 5 Sinne ansprechen soll und zu einer Innenschau anleitet, was dem Aufruf Erkenne dich selbst entspricht. Die Esoterik der Freimaurerei zielt ab auf die Bildung des Menschen hin zur eigenen Selbstbestimmung. Somit hat die Freimaurerei einen Bildungsauftrag. Wir wollen nicht erziehen, sondern esoterisch bilden, d.h. aus dem eigenen Inneren muß das Bedürfnis entstehen sich auf den Einweihungsweg zu begeben. Das System der Freimaurerei ist dabei nur ein Hilfsmittel mit Werkzeugen in der Form von Allegorien und Symbolen die uns helfen weiter fortzuschreiten auf den Weg zu einem besseren Menschen der sich selbst erkennt (Schau in dich), sich in Bezug zu anderen Menschen setzt (schau um dich) und sich durch Intuition oder Verbindung zu etwas höheren entwickelt hin zu eine sittlichen Lebenshaltung (schau über dich). Am Ende noch eine Warnung. Dieser Weg fördert nicht nur die guten Eigenschaften in einem Menschen, u.U. wird auch das Unkraut der negativen Eigenschaften in einem selbst gefördert. Das ist der Weg der Esoterik in der Freimaurerei, die Transformation des eigenen Selbst. In diesem Sinne bauen wir den Tempel Salomos, unseren Tempel der Humanität.

Denn alle Kraft dringt vorwärts in die Weite, Zu leben und zu wirken hier und dort; Dagegen engt und hemmt von jeder Seite Der Strom der Welt und reißt uns mit sich fort. In diesem innern Sturm und äußern Streite Vernimmt der Geist ein schwer verstanden Wort: Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.
Goethe aus „Die Geheimnisse. Ein Fragment“

Siehe auch


Finden

Durchsuchen
Hauptseite
FINANZIERUNG
Gemeinschaftsportal
Aktuelle Ereignisse
Letzte Änderungen
Alle Seiten
Kategorien
Hilfe
Bearbeiten
Quelltext anzeigen
Bearbeitungshilfe
Seitenoptionen
Diese Seite diskutieren
Neuer Abschnitt
Druckversion
Kontext
Versionen
Links auf diese Seite
Änderungen an verlinkten Seiten
Meine Seiten
Anmelden / Benutzerkonto anlegen
Spezialseiten
Neue Seiten
Dateiliste
Statistik
Mehr …









Wie wird man Freimaurer?
Kooperationen: