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Traktat: Meisteransprache zum 200ten Todestag Friedrich Ludwig Schröders

Version vom 30. Oktober 2017, 10:12 Uhr von Jens Rusch (Diskussion | Beiträge)

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Meisteransprache zur Gedenkarbeit 200. Todestag von Friedrich Ludwig Schröder am 3. Sept. 2016

Taggenau vor 200 Jahren, am 3. September 1816 verstarb der Reformator unserer Rituale in allen drei Graden auf seinem Wohnsitz im nahe Hamburg gelegenen Rellingen.

Aus diesem Anlass haben wir uns heute hier versammelt, um diesem verehrenswertenBruder Freimaurer unseren Respekt vor seinem Lebenswerk zu erweisen.

Ihm, dem es nach all den berechtigten Querelen, Irrungen und Wirrungen in der FM gelungen ist, mit seinem unglaublich Reformationswillen und seiner gelungenen Umsetzung des „Zurück zu den Wurzeln“ im Geist der GL der Antients gehalten, da er annahm, dass das das älteste Ritual sei um uns wieder zu einem geistig schnörkellosen Freimaurertum zurück zu führen.

Friedrich Ludwig schrieb seinerzeit, Zitat: "Die Freimaurerei soll etwas in uns Mitgliedern bewirken, was weder der Staat noch die Kirche bewirken kann, und was doch unerlässlich notwendig ist, um den Menschen in der Gesellschaft und im Staat moralisch zu vollenden."

Zitat Ende.

Ja, wir Schröderianer sind der Ansicht und Hoffnung, dass wir uns in seinem Geist auf dem richtigen Weg befinden.

Wenn man sich mit der Vita unseres Brs. F.-L. Schröder beschäftigt, beschleicht einen unmerklich ein Gefühl des Erstaunens. Wie war es möglich, dass ein Mensch im Verlauf seines Lebens zu einer solchen Geistesgröße und einfühlsamen Menschenkenntnis gelangte.

Br. Schröder hatte beim besten Willen kein leichtes Erwachsenwerden zurück gelegt.

Geboren 1744 in Schwerin, wurde er als Kindschauspieler von seinen Schauspieler-Eltern in seiner Prägephase intensiv in Anspruch genommen und von diesen als 12 jähriger in Königsberg allein gelassen. Für den jungen Schröder wahrscheinlich bei allem Unglück ein Glücksfall, denn dort hatte er, auf sich allein gestellt und bei einem Schuster arbeitend, Kontakt zu einem geistig-kulturell interessierten Ehepaar, das ihn mit der englischen Sprache und letztlich mit Shakespeare vertraut machte. Innerhalb von 4 Jahren war er in dieser Sprache und dem Schrifttum zu Hause. Br. F.-L. muss hervorragende Gene gehabt haben, wie sich später noch herausstellte. Trotz aller zu vermutenden seelischen Inanspruchnahmen seines bisher erfahrenen bunten Lebensablaufs, bildete sich ein selbstständig, selbstbewusster junger Mann heran. Er ließ sich Jahre später, wieder mit den Eltern in der Schweiz zusammengekommen, zum Tänzer ausbilden und vollendete diese Kunst als Ballettmeister. Mit diesem Fundus zog es ihn, jetzt 20 jährig, nach Hamburg, um hier 1771 das Theater am Gänsemarkt zu übernehmen, nachdem das von Ackermann etablierte, den HH-Kaufleuten übernommene und wieder an Ackermann zurückgefallene Haus wenig Fortune verzeichnete, obwohl G.E. Lessing in der Zeit als Dramaturg beratend tätig war. Man vergegenwärtige sich, Br. Schröder traf hier auf G. E. Lessing und befreundete sich mit ihm. Mit anderen Worten, Schröder war hier bereits in der geistigen Verfassung, Gespräche auf gleicher Ebene mit wahrlichen Geistesgrößen der Zeit zu führen. Wie er das in solch relativ kurzen Lebenszeit bewerkstelligt hat, bleibt eines der unbeantworteten Geheimnisse.

Eingangs schon erwähnt, man ist erstaunt, letztlich erfreut, zu erfahren, welch unglaublichen Weg Br. Schröder in der eigenen Entwicklung zurück gelegt haben muss.

So ist es letztlich nicht verwunderlich, wenn auch andere Mitmenschen im Gesellschaftsleben der Freien Reichs- und Hansestadt auf ihn aufmerksam wurden.

So der MvSt der Loge Absalom, Br. Johann Christoph Bode. Er hatte ja schon G. E. Lessing der FM zugeführt und ihn in der Loge „Zu den drei Rosen“ auf.- und annehmen lassen.

Br. Schröders Verbindung zu Br. Bode und ihre Gespräche über die damals noch bearbeitete Irrlehre der Strikten Observanz führen dennoch dazu, dass F. L. großes Interesse zeigte.

1774, als 30 Jähriger, wurde er Bruder in der Loge Emanuel zur Maienblume, 1787 ihr MvSt.

In der Zwischenzeit, mit zeitlich frm. Unterbrechungen, er war ja Theater-Direktor der Bühne am Gänsemarkt und ließ durch seine Inszenierungen das Haus zu Ruhm gelangen, muss es unseren späteren Reformator mächtig umgetrieben haben, als ihm bewusst wurde, in welchem Chaos sich das Gedankengut der frm. Lehren befand. Die Befindlichkeit seiner seelischen Empfindungen, das sehen mit seiner Seele, ließen ihn handeln.

In Folge wand er sich umfangreich und seinem Wesen nach akribisch sorgfältig der maurerischen Forschung zu. Durch persönliche Begegnungen mit Herder, Goethe, Fessler und vielen anderen frm. Geistesgrößen seiner Zeit suchte er seine Anschauungen zu erweitern und zu vertiefen. Es kam zu Treffen und intensivem Gedankenaustausch mit Fessler in Berlin, Schneider in Altenburg, Meyer in Bramstedt und mit Bode, der nach seinem Wohnwechsel amtierender MvSt der Weimeraner Loge „Anna Amalia“ war, weil der eigentliche MvSt, Staatsminister Fritsch den Suchenden J.W.v. Goethe partout nicht aufnehmen wollte. Die Rolle fiel unserem Br. Bode zu.

Entscheidend waren die Gespräche mit Herder in Weimar, auch Fessler, die Schröder dazu brachten, die Bestrebungen, besonders interessierte Freimaurer des Meistergrades zu eigenen wissenschaftlichen Vereinigungen zusammenzuführen, dem späteren Engbund, wenn man so will, ein Vorläufer von Quator Coronati Es war inzwischen in den Kreisen der um Reformen bemühten führenden Köpfen seiner Zeit, auch bei den Vereinigten Fünf Hamburgischen Logen eine abzusehende Entscheidung, den Br. zum z. GM der Provinzialloge von HH zu ernennen.

Erste Ansätze eines Schröder-Ritual fanden in Hamburg und bei „Friedrich zum weißen Pferd“ in Hannover sowie zahlreichen anderen Logen landesweit ab 1801 Bedeutung. Ihr Inhalt entsprach der sehnlich erwarteten Klarheit. Wie F.L. sagt, Zitat: „Wie aber die Wahrheit an sich einfach ist, so muss auch das Symbol, das sie lehren soll, einfach und in dieser Einfachheit klar und verständlich sein“, Zitat Ende.

Bis 1808 legt Schröder eine umfassende Sammlung von Ritualen aller Lehrarten und Grade an, arbeitet diese durch und veröffentlicht sie mit seinen Kommentaren.

Einer der wesentlichen Ausgangspunkte seiner Sammlung waren die vom Großsekretär Beckmann 1785 aufgezeichneten Gedächtnisprotokolle der Rituale des von der GL aus England entsandten August Gräfe.

F.-L Schröders gebildeter Engbund sollte eine inhaltlich Materialiensammlung zum Studium und der Überarbeitung der Irrwege verfügbar machen, um den Übergang zur reinen Freimaurerei zu erleichtern. Seine Engbundorganisation (erst "Vertraute Brüder", dann "Historische Kenntnisstufe", schließlich "Engerer geschichtlicher Bund") hatte zum Ziel, aus allen bekannten Lehrart-Ritualen die Essenzen herauszufinden, die in seinen schnörkellosen späteren 3-Grad Ritualen ihren Niederschlag fanden.

3 Grade – 3 Reisen – 3 Tempi : Geburt – Leben – Tod , so wie wir es auch heute zelebrieren.

Man vergegenwärtige sich, dass die uns bekannten Bemühungen in der Zeit der französischen Besetzung Hamburgs erfolgten. Eine schwierige Zeit, denn im napoleonischen Machtbereich war jeglicher Kontakt nach England, gleich welcher Art, strikt untersagt.

Es zeichnete sich ab, dass die deutsche FMrei unter die Diktion des Grand Orient gestellt werden sollte. Es folgte ein seit geraumer Zeit geplanter, politisch kluger Schachzug des z.GM der Provinzialloge.

Auf Initiative Schröders erfolgte 1811 die Konstitution der Großen Loge zu Hamburg als selbstständige Großloge und damit auch die Trennung als Provinzialloge von der großen Loge von England. Der drohende Anschluss an den Grand Orient wurde durch diese Maßnahme verhindert.

Im gleichen Jahr erhielten die neuen 3 – Grad Schröder-Rituale im Einflussbereich der GL z. HH verbindliche Geltung. Sie wurden weit verbreitet angenommen, auch in Weimar (die Loge "Anna Amalia" wurde nach 25 dunklen Jahren neu geöffnet).

Schröder schrieb die gestrafften Ritualtexte, ersann die Einrichtung des Logensaals, gestaltete eine Vorlage für einen eigenen Arbeitsteppich und schuf so ein komplettes System. Seine Ritualtexte zeichneten sich durch eine schlichte, nicht manierierte Sprache aus.

Wir schreiben das Jahr 1814, der z. GM Schröder wurde GM der GL z HH . und festigt mit energischem Führungsmaßnahmen das Gesamtgefüge der GL. Sein GM-Portrait kennt ihr alle, es hängt in unserem Foyer-Eingangsbereich. Unser zu höchster frm. Ehre gelangter Bruder hatte über Jahrzehnte hinweg weder Kosten noch physisch und geistigen Aufwand gescheut, um der deutsche Freimaurerei wieder das einzuverleiben, was ursprünglich gedacht und gewollt war.

Solch Engagement blieb nicht ohne Folgen.

Eine anfangs nicht sonderlich beachtete, schon längere Zeit andauernde Unpässlichkeit führte 1816, am 3. September zu seinem Ableben durch psychische und physische Erschöpfung auf seinem Gut in Rellingen. Vorausgegangen waren die schweren Jahren der Besatzung einhergehend mit seiner Leitungsverantwortung für die GL.

Auf seinem auf dem Ehrenfriedhof zu Ohlsdorf liegendem Grabstein liest man die Grabinschrift: "Dem Freunde der Wahrheit und des Rechts, dem Förderer menschlichen Glücks, dem unerreichten Künstler“ (dieser Text gehört zum St. Petri Kirchhof , in Ohlsdorf steht meines Wissens:“ Der Reformator der deutschen Freimaurerei …“) Wie wahr.

Aus diesem Anlass haben sich heute 15 im Norddeutschen Raum nach dem Ritual unseres Reformers F.- L. Schröder arbeitende Logen zusammengefunden, um unserem verehrungswürdigen Bruder an seinem taggenauen 200. Todestag die Ehre zu erweisen.

Hans-Peter Meißner, Stuhlmeister der Hamburger Loge "Absalom zu den drei Nesseln" 2016

Das Schröder-Gemälde aus dem Vorraum des Logenhauses in der Welckerstraße in Hamburg. Dieses Portrait diente als Orientierung für das Portrait der Statue.

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