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Wilhelmsbader Konvent

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Konvent von Wilhelmsbad

Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932)

1782, stellte den letzten Versuch dar, den Orden der Strikten Observanz durch Reform auf eine gesunde Basis zu stellen. In der Zeit der höchsten Verwirrung erließ der General-Großmeister Herzog Ferdinand von Braunschweig an alle schottischen Obermeister ein Rundschreiben, worin er beklagte, daß die Logen Häuser der Uneinigkeit geworden seien und worin es weiter heißt, es könne ihm nicht gleichgültig sein, "Oberhaupt einer Gesellschaft zu heißen, die mit ihren Beschäftigungen keinen Zweck verfolge, als durch Aufnahme ohne Maß die Reichtümer der Schottenlogen zu vergrößern, den einzelnen Gliedern dadurch ökonomische Vorteile zu verschaffen und das beste menschliche Institut in eine Leibrentengesellschaft umzugestalten. Auf der anderen Seite durch Erwerbung dieser Reichtümer an der Wiederherstellung eines Ordens zu arbeiten, der den Sitten und dem Geist des Jahrhunderts nicht mehr passend sei". Daher forderte er zu Reformvorschlägen auf. In einem weiteren Rundschreiben von 1780 wurde ein allgemeiner Ordenskonvent auf den 15. Oktober 1781 angekündigt, der unter anderem neue allgemeine Grundsätze aufstellen, die Frage der Erhaltung des Ordens und seiner Oberen endgültig klären sollte.

Der Konvent wurde dann verschoben und nahm am 16. Juli 1782 in Wilhelmsbad bei Hanau seinen Anfang. Er krankte von Anfang an daran, daß es sich schließlich doch nicht um einen allgemeinen Freimaurer-Kongreß, sondern wieder nur um einen Konvent der Tempelritter handelte. 35 Delegierte waren anwesend. Die hauptsächlichsten Teilnehmer waren: Der General-Großmeister Herzog Ferdinand von Braunschweig (Eques a Victoria), sein Koadjutor, der Landgraf Prinz Karl von Hessen-Kassel (Eques a Leone resurgente), der Geheime Rat Johann Joachim Christoph Bode (Eques a Lilia convallium), der Marquis de St. Amaudaus Montpellier, Freiherr Wolfgang Heribert von Dalberg, Intendant der Mannheimer Nationalbühne, der Reichskammergerichtsassessor Franz v. Ditfurth aus Wetzlar, Dr. Sebastian Giraud aus Turin, Geheimrat Freiherr von Durkheim, Heermeister der 5. Provinz in Straßburg, der Musiker Christoph Kayser, Dr. Diethelm Lavater aus Zürich, Graf Josef Kolowrat - Liebsteinsky, k. k. Kämmerer aus Wien, der polnische Geheimrat Ernst August von Kortum, Graf de la Perouse, Generalvisitator des Großpriorats von Italien, Bürgermeister Freiherr Heinrich von Roßkampff, Heilbronn, Graf Salm-Reifferscheid, Brünn, Johann Friedrich von Schwartz, Kämmerer des Herzogs von Braunschweig, Graf Paul Szapary, k. k. Kämmerer, Budapest, Bürgermeister von Turkheim, Straßburg, Graf Michael von Viczay, Preßburg, und Jean-Baptiste Willermoz, Lyon, der Hauptbegründer des Schottischen Rektifizierten Systems. Daneben gab es auch nicht offizielle Teilnehmer, so den Freiherrn v. Knigge und den Prinzen Friedrich von Hessen.

Der Konvent hielt insgesamt 36 Sitzungen ab. In langwierigen, weitschweifigen Darlegungen wurde die Frage untersucht, ob Beweise für die Affiliation des Tempelherrenordens nach dem System der Strikten Observanz beizubringen seien. Eine Legende nach der anderen wurde zu Grabe getragen. Es ergab sich z. B. aus bis auf das Jahr 900 zurückkontrollierten Totenregistern, daß der "Subprior Carolus von Monte Carmel", auf den die Strikte Observanz die Hiramlegende bezog, nie existiert hatte. Bode bezeichnete die "unbekannten Oberen" als Erfindung Schubarts und erklärte, seiner Meinung nach hätten die Jesuiten in der Maske von Freimaurern die ganze Verwirrung angerichtet, zumal die "fünf Punkte der Meisterschaft" der Strikten Observanz beinahe wörtlich mit den Fundamentalgrundsätzen der Jesuiten übereinstimmten. Ähnliches äußerten Prinz Karl und Kortum.

Willermoz, der vielleicht den stärksten Einfluß ausübte, drängte darauf, den Tempelherrenorden fallen zu lassen und sein neues Lyoner System anzunehmen. Die Stimmen, die die Fortsetzung des Templerordens für lächerlich erklärten, mehrten sich von Sitzung zu Sitzung. Kortum namentlich trat dafür ein, in Hinkunft die "Vorzüge von eigenem Verdienst und nicht von demjenigen unserer Vorfahren herzuleiten".

Auch verlangte er die radikale Abschaffung aller höheren Grade. Ditfurth erklärte es für kindisch und erbärmlich, einen Orden zu einer Zeit wieder aufzurichten, da Joseph II die wirklich noch existierenden aufhebe. Zweck der Freimaurerei sei allgemeine Menschen- und vorzügliche Bruderliebe, Wohltätigkeit, Aufklärung und Duldung. Man müsse daher alle Systeme arbeiten lassen. Die Beweise der Abstammung vom Tempelherrenorden seien so wertlos, "das wir damit in jedem Gerichtshofe, womit wir darin auftreten, ausgepfiffen werden müssten". Bei der Abstimmung wurde schließlich die Frage, ob die Abstammung vom Templerorden erwiesen sei, verneint, das Votum aber dadurch abgeschwächt daß eine "gewisse Beziehung und Analogie" zwischen Freimaurern und Templern festgestellt wurde. Einmütig war man aber gegen die Beibehaltung der bisherigen, auf die Restauration des Templerordens anspielenden äußere Form der Arbeit.

"Der gewisse Zusammenhang" sollte in Hinkunft nun durch eine historische Unterweisung "in einer besonderen und letzten Klasse des Ordens erteilt werden, welcher zugleich die Regierung der unteren Grade zu übertragen und "der Name der Ritter der Wohltätigkeit beizulegen wäre." Mittels eines feierlichen Renunziationsaktes wurde der Tempelherrenorden begraben. Dagegen konnte man sich nicht entschließen, die Reform auch in einer durchgreifenden Einschränkung der Hochgrade zum Ausdruck kommen zu lassen. Mehrheitlich einigte man sich auf folgenden Aufbau: drei symbolische Grade, Schottengrad, Novize und Ritter. Willermoz trug also mit seinem Lyoner System der "Wohltätigen Ritter der Heiligen Stadt" im Großen und ganzen den Sieg davon. Das leere Spiel mit überflüssigen, unverständlichen Symbolen und allem möglichen äußeren Tand wurde beibehalten.

Nach 50tägiger Konventdauer, Herzog Ferdinand von Braunschweig wurde neuerdings zum General-Großmeister gewählt, gingen die Delegierten schließlich wenig befriedigt nach Hause, trotzdem der Konvent im Grunde keinen Mißerfolg, sondern im Gegenteil in vielfacher Hinsicht den Sieg einer neuen Zeit darstellte: Der Strikten Observanz war der Todesstoß versetzt, die Legende von den "unbekannten Oberen zerstört und dem Gebilde von der vermeintlichen Fortsetzung des Templerordens das Grab geschaufelt. Die Schwärmerei für falsches Rittertum und geheime, übersinnliche Weisheiten, die Macht des Gespenstes, das jahrzehntelang die Köpfe verwirrt und die Besten von wirklicher freimaurerischer Arbeit abgehalten hatte, brach zusammen. Das in Wilhelmsbad angenommene System der Ritter von der Wohltätigkeit erwies sich aber auch nicht als lebenskräftig und fand bei den Logen nur wenige Anhänger. Allgemein war man unzufrieden, daß man nicht zu einer wirklichen Einigung, sondern lediglich zur Aufstellung eines neuen Systems gelangt war. Immer stärker regte sich der Wille, selbst einschneidend zu reformieren und zur Einfachheit und Freiheit der Arbeit zurückzukehren. Nur wenige Logen blieben äußerlich bei der Strikten Observanz. Die Bewegung der Reformation brach sich siegreich Bahn. (Vergl. Reinholt Taute "Der Wilhelmsbader Konvent und der Zusammenbruch der Strikten Observanz", Berlin.)

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