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Testament Salomos

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Inhaltsverzeichnis

Testament Salomos

Quelle: Wikipedia

Das Testament Salomos (abgekürzt mit TestSal oder TSal) ist eine christlich-gnostische apokryphe Schrift, die auf das 4. Jahrhundert datiert wird. (Anmerkung: Also etwa 1317 Jahre vor der Etablierung der modernen Freimaurerei wie wir sie heute kennen).

Inhalt der in griechisch verfassten Schrift ist der salomonische Tempelbau. Sie beginnt mit der Übergabe eines Siegelringes von Gott an Salomo, mit dem dieser jeden Dämon kontrollieren kann. Salomo befiehlt eine Reihe von Dämonen zu sich, befragt sie über ihre Eigenschaften und bestimmt die meisten von ihnen zur Mithilfe beim Bau des Tempels. Dabei dient der Tempelbau jedoch in erster Linie als Rahmenhandlung; die Beleuchtung der Dämonen steht im Mittelpunkt.

Handelt es sich bei vielen anderen Apokryphen lediglich dem Namen nach um Testamente, lässt sich die literarische Form beim ‚TestSal‘ durchaus erkennen. Ursprünglich wird das Testament Salomos als Text mit jüdischem, vorchristlichen Ursprung angesehen, der durch frühchristliche Autoren überarbeitet wurde. Der Kommentar zur 2006 erschienenen deutschen Übersetzung legt jedoch nahe, dass der Inhalt vollständig aus dem 4. Jahrhundert stammt.

Erläutertungen

Quelle: Wikisource

Das Testament Salomos dürfte eine christliche Überarbeitung eines jüdischen Werkes sein. Flavius Josephus zeigt, dass ähnliche Anschauungen über Salomo, wie sie sich hier finden, schon bei den Juden des ersten nachchristlichen Jahrhunderts bekannt waren. Der ursprünglich jüdische Kern dürfte aus den erzählenden Kap I II XX–XXV bestanden haben. Die anderen Kapitel enthalten später hinzugefügte dämonische und magische Erzählungen und Berichte.

Testament des Salomo

1. Kapitel: Der gefesselte Dämon

Gepriesen bist du Herr Gott, der du dem Salomo so große Macht verliehen! Dir sei Lobpreis und Ruhm in Ewigkeit! Amen.

Als zu Jerusalem der Tempel ward gebaut und Bauleute dabei beschäftigt waren, erschien der Geist Ornias zur Zeit des Sonnenunterganges und nahm dem jungen Oberaufseher die Hälfte seines Lohnes und der Speise. Und dazu saugt er täglich am Daumen seiner rechten Hand. Da ward der Jüngling, der mein Liebling war, ganz abgezehrt.

Da ließ ich, Salomo, den Jüngling eines Tages rufen und fragte ihn:

“Hab ich dich nicht weit mehr geliebt als alle andern an dem Gottestempel angestellten Bauarbeiter? Gewährt ich dir nicht doppelt soviel Lohn und Kost? Wie kommt’s, dass du mit jedem Tage abgezehrter wirst?“

Der Jüngling sprach:

„Ich bitte dich, mein König. Hör, was mir zugestoßen! Ruhen wir uns von der Arbeit an dem Gottestempel aus nach Sonnenuntergang, dann kommt in der Erholungszeit ein böser Geist und raubt die Hälfte meines Lohnes mir und meiner Kost; er nimmt auch meine rechte Hand und saugt an meinem Daumen. Da sich nun meine Seele drüber ängstigt, so zehrt mein Körper täglich immer weiter ab.“

Als ich, der König Salomo, dies hörte, ging ich zum Tempel Gottes und betete aus ganzer Seele Tag und Nacht, es möchte mir der Dämon überliefert werden, ich möchte ihn in meine Hand bekommen.

Als ich zum Gott des Himmels und der Erde betete, ward mir vom Herrn der Heeresscharen durch Michael, den Erzengel, ein Ring gegeben, darin ein eingraviertes Siegel aus Edelstein.

Er sprach zu mir:

“Nimm, Salomo, des Davids Sohn, hier das Geschenk, das dir der Herr, der höchste Gott der Heeresscharen, sendet! Damit kannst du die Geister all bezwingen, die männlichen und weiblichen; mit ihrer Hilfe kannst du auch Jerusalem erbauen, trägst du dies Gottessiegel.“

Da ward ich hocherfreut und pries den Gott des Himmels und der Erde. In aller Früh ließ ich den Jüngling rufen und übergab ihm diesen Ring.

Ich sprach zu ihm:

“Kommt über dich der Geist, wirf diesen Ring dem Dämon an die Brust und sprich: „Komm! Salomo ruft dich.“ Dann eil zu mir! Beachte nicht, womit er dich verängstigen will!“

Da kam zu der gewohnten Stunde der lästige Geist Ornias, gleichwie ein brennend Feuer, und wollte wie gewöhnlich den Lohn des Jünglings nehmen.

Da warf der Jüngling nach des Salomo Wort den Ring dem Dämon an die Brust und sprach:

„Komm! Salomo ruft dich.“

Dann lief er schnell zu Salomo.

Der Dämon aber schrie gar laut und sprach zum Jüngling:

“Warum hast du mir das getan? Nimm fort den Ring und gib ihn wieder Salomo! Dann geb ich dir das Silber und das Gold der ganzen Erde. Nur führ mich nicht zu Salomo!“

Da sprach zu ihm der Jüngling:

“So wahr der Herr, Gott Israels, lebt! Nein! Ich müsste dich wieder haben, führt ich dich nicht zu Salomo.“

So kam der Jüngling und sprach zu Salomo:

“König Salomo! Ich bringe dir den Dämon, wie du mir befahlst.Er steht gefesselt vor der Türe draußen und schreit mit lauter Stimme, er wolle mir das Silber und Gold der ganzen Erde geben, führt ich ihn nicht zu dir.“

2. Kapitel: Des Dämons Arbeit

Auf dieses hin, erhob ich, Salomo, mich von dem Thron und schaute nach dem Dämon; der zitterte und bebte. Ich sprach zu ihm:

“Wer bist du denn?“

Der Dämon sprach:

“Ich heiße Ornias.“

Da sagte er zu ihm:

“Sag mir, in welchem Sternbild wohnest du?“

Der Dämon sagt:

“Im Wassermann ...Ich wandle mich in drei Gestalten und wirk im Schlaf. Wenn Menschen Gier nach Weibern haben, werd ich ein schönes Weib und wenn sie mich berühren, empfinden sie gar großen Ärger. Ein ander Mal flieg ich zu Himmelsorten. Und wieder zeig ich mich in der Gestalt des Löwen.

Ich stamme zwar vom Erzengel Uriel, der Gotteskraft, bin aber von dem Erzengel Uriel verstoßen.

Und als ich, Salomo, den Namen des Erzengels hörte, bet ich und preis des Himmels und der Erde Gott. Dann drück ich ihm das Siegel auf, bestimme ihn zur Arbeit in dem Steinbruch, um Steine für den Tempel zu behauen; sie waren auf dem Meer Arabiens herbeigeschafft; doch lagen sie noch an der Küste.

Aus Furcht, in Eisen festgelegt zu werden, sprach er zu mir:

“Ich bitt dich, König Salomo: Lass mich frei! Dann führ ich dir die Dämonen alle zu.“

Da er sich mir nicht fügen will, fleh ich zum Erzengel Uriel, er möge mir zu Hilfe kommen; im Augenblick seh ich den Erzengel Uriel vom Himmel zu mir kommen.

Da ließ er aus dem Meere Ungeheuer kommen und warf den einen Teil davon aufs Land. So zwang er diesen großen Dämon Ornias, sich ihm zu beugen und Steine zu behauen, um so den Bau des Tempels zu vollenden, woran ich, Salomo, gebaut.

Und wiederum pries ich den Gott des Himmels der Erde. Dann ließ ich Ornias kommen und gab ihm jenen Ring und sprach:

“Geh! Hole mir den Obersten der Geister! ....“

20. Kapitel: Vater und Sohn

Da fällt ein Bauarbeiter vor mir nieder, ein Greis, und spricht:

“Erbarm dich meiner, König Salomo, du Davidssohn! Ich bin ein Greis.“

Ich sprach zu ihm:

“Sprich, Alter, was du willst!“

Er sprach:

“Ich habe, König, eine Bitte. Ich habe einen einzigen Sohn und der misshandelt täglich mich gar schwer; er schlägt mich ins Gesicht und auf den Kopf und droht mir einen schlimmen Tod. Deshalb komm ich zu dir, dass du mich schützest.

Als ich dies hörte, befahl ich, seinen Sohn mir vorzuführen. Als er erschienen, fragt ich ihn:

“Verhält’s sich so mit dir?“

Er aber sagte:

“Ich wäre ganz von Sinnen, versetzt ich meinem Vater Faustschläge. König, sei mir gnädig! Es ist schon Unrecht, von solchem Frevel, solchem Leide nur zu hören.“

Und als ich, Salomo, dies von dem Jüngling hörte, sprach ich dem Alten zu, er solle zur Besinnung kommen. Er aber wollte nicht; er sagte nur:

“Gib ihn dem Henker!“

Da sah ich, wie der Dämon Ornias lachte; da ward ich unwillig, weil er in meiner Gegenwart gelacht. So ließ ich jene abtreten und hieß den Ornias nähertreten. Ich frage ihn:

“Lachst du mich aus, Verfluchter?“

Er sagte:

“Ich bitt dich, König; ich lachte deinetwegen nicht, nur wegen des verfluchten Greises und seines Sohns, des armen Jünglings; denn nach drei Tagen wird er sterben und jetzt will ihn der Alte noch schmählich aus dem Wege räumen.“

Ich frage:

“Ist’s wahr?“

Der Dämon sagt:

“Ja, König.“

Ich ließ den Dämon abtreten und dann den Alten mit dem Sohne kommen. Hierauf ermahnt ich sie, sich auszusöhnen.

Zum Alten aber sagte ich:

“Bring nach drei Tagen wieder deinen Sohn hierher!“

Und sie verneigten sich und gingen weg.

Dann ließ ich wieder den Ornias vor mich führen und sprach zu ihm:

“Sag mir! Woher weißt du, dass nach drei Tagen dieser Jüngling stirbt?“

Er sprach: „Wir Dämonen, wir wandeln an dem Himmelsfirmament und fliegen mitten durch die Sterne hin; da hören wir die Ratschlüsse, die Gott für Menschenseelen festgelegt. (Dann gehen wir hin, verwandeln uns und töten mit Gewalt oder Feuer oder Schwert oder Unglücksfall.)“

Ich frage ihn:

“Sag mir! Wie könnet ihr als Dämonen zum Himmel fahren?“

Er sprach zu mir:

“Was in dem Himmel sich ereignet, geschieht auch auf der Erde. Es gibt ja Fürstentümer, Herrschaften und Mächte, die oben fliegen und die des Eintritts in den Himmel schon gewürdigt werden. Wir Dämonen dagegen werden müde, weil wir zum Ausruhen keine Stätte haben; so fallen wir herab, wie Blätter von den Bäumen. Die Menschen, die uns sehen, meinen, es fallen Sterne von dem Himmel.So aber ist’s nicht, König. Nur wegen unserer Schwäche fallen wir herab. Da wir uns nirgends halten können, so fallen wir wie Blitze auf die Erde und zünden Städte an und stecken Ortschaften in Brand. Des Himmels Sterne aber sind am Firmament befestigt.

Dies hört ich, Salomo, und ich befahl, den Dämon für fünf Tage einzusperren.

Nach den fünf Tagen rief ich jenen Greis; doch wollte er nicht kommen. Dann aber kam er doch. Da sah ich ihn betrübt und traurig.

Ich fragte ihn: „Wo ist dein Sohn, du Alter?“

Er sagte:

“König! Ich ward kinderlos und sitze trostlos an dem Grabe meines Sohnes.“

Bei dieser Nachricht wusst ich, Salomo: Der Dämon hat die Wahrheit mir gesagt. Ich pries den Gott des Himmels und der Erde.

21. Kapitel: Die Königin von Saba

Die Königin des Südens, Saba, ward mit Bewunderung erfüllt, als sie den Tempel sah, den ich gebaut. Sie spendet eine Million Sekel Gold, Silber, Erz.

Dann ging sie in den Tempel, beschaute den Altar, die Cherubim und Seraphim, die da den Gnadenstuhl beschatten, die Edelsteine an den Leuchtern, die in verschiednem Farbenspiele leuchten, das von Smaragden, Hyazinthen und Saphiren wird hervorgebracht.

Alsdann bewundert sie die silbernen und ehernen und goldenen Geräte sowie die ehernen Säulenfüße. Und sie besah sich auch das eherne Meer mit seinen Maßen, die sechsunddreißig Stiere.

Am Heiligtume Gottes wirkten alle um ein Goldtalent, mit Ausnahme der Dämonen.

22. Kapitel: Der Brief des Araberkönigs

Mir sandte Adares, Arabiens König, einen Brief, der also lautete.

“Arabiens König Adares schickt König Salomo den besten Gruß. Wir hörten von der Weisheit, die dir verliehen ward; dir wurde von dem Herrn verliehen, obschon du nur ein Mensch, die Kenntnis über alle Geister in der Luft, die auf und unterhalb der Erde. Nun ist ein Geist im Land Arabien. Am Morgen weht er als ein Wind bis zu der dritten Stunde; sein Hauch ist fürchterlich und tötet Mensch und Vieh; kein Lebewesen kann bestehen vor diesem Dämon. Ich bitte dich, – der Geist gleicht einem Wind – Ersinn etwas nach der vom Herren deinem Gotte dir geschenkten Weisheit und hab die Güte, mir einen Menschen, der ihn fangen kann, zu senden! Sieh, König Salomo: Ich und mein ganzes Volk, mein ganzes Land, wir wollen dir gehören, und ganz Arabien wird glücklich sein, wenn du uns diese Huld erweisest. Wir bitten dich deshalb: Verschmäh nicht unsere demutsvolle Bitte! Werd unser Herr für allezeit! Leb immer wohl, mein Herr!“

Ich, Salomo, les diesen Brief; ich falte ihn zusammen und geb ihn meinem Diener mit den Worten:

“Nach sieben Tagen wirst du mich an diesen Brief erinnern.“

Nun war Jerusalem gebaut, der Tempel fertig. Noch lag ein großer Schlussstein da; ich wollt beim Abschlusse des Tempelbaues zum Hauptschlussstein ihn machen.

Da kamen alle Bauleute zusammen und alle Dämonen, die mitgeholfen, und wollten diesen Stein hinaufschaffen und auf die Tempelzinne bringen; sie konnten aber ihn nicht von dem Platz bewegen.

Nach sieben Tagen erinnerte ich mich an das Schreiben des Araberkönigs; ich rufe meinen Diener und befehle ihm:

“Sattle dein Kamel! Nimm einen Schlauch und diesen Ring mit dir! Zieh nach Arabien zum Orte, wo der schlimme Wind stets weht! Dann öffne deinen Schlauch! Halt vor den Schlauch den Ring! Schwillt nun der Schlauch, dann merke dir: der Dämon bläst hinein! Bind schnell den Schlauch dann zu! Drück ihm das Siegel mit dem Ringe auf! Lad ihn auf das Kamel und bring ihn mir hierher! Nun reis gesund!“

Der Diener tat nach dem Geheiß und reiste nach Arabien. Doch zweifelten die Einwohner an jenem Ort, ob er den schlimmen Wind wohl fangen könnte.

Der Diener stand am Morgen in der Frühe auf und stellte sich des Windes Wehen entgegen. Er legt den Schlauch dann auf den Boden und vor den Schlauch den Ring. Da geht der Dämon in den Schlauch und bläht ihn auf.

Da schnürt den Schlauch der Diener im Namen des Herrn der Heerscharen zu. So war der Dämon drinnen in dem Schlauch.

Dann blieb der Diener noch drei Tage zum Beweise dort; doch nimmer weht der Wind. So wussten nun die Araber, dass er den Wind gefangen hatte.

Dann lud er aufs Kamel den Sack. Die Araber begleiteten den Diener mit Geschenken und mit Ehren und lobten Gott. Sie blieben fortan unbehelligt. Der Diener aber bringt den Wind und legt ihn an des Tempels Hauptort nieder.

Ich, Salomo, kam an dem andern Morgen in den Tempel, bekümmert um den Schlussstein. Da stand der Schlauch von selber auf und machte sieben Schritte; dann fiel er vornen nieder und grüßte mich.

Ich wunderte mich, dass er im Schlauch noch Kräfte habe und wandeln könne; ich hieß ihn aufstehen. Der Schlauch steht wieder auf und stellt sich aufgebläht auf seine Füße.

Ich frage ihn:

“Wer bist du?“

Da gibt von innen her der Wind zur Antwort:

“Ich bin der Dämon aus Arabien, mit Namen Ephippas.“

Ich frage ihn:

“Von welchem Engel wirst du denn bezwungen?“

Er sagt:

“Von dem, der einst aus einer Jungfrau wird geboren. [und den die Engel anbeten,

und der von Juden wird gekreuzigt werden.]“

23. Kapitel: Des Dämons Mithilfe am Tempelbau

Ich frage ihn:

“Was kannst du mir nun leisten?“

Er sagt:

“Ich bin imstande, Berge zu versetzen und Häuser fortzutragen und Könige zu besiegen.“

Ich frage ihn:

“Bist du so stark, dann kannst du diesen Stein auch an des Tempels Hauptecke verbringen.“

Er sagte:

“Ich bin imstande, nicht bloß diesen Stein zu heben, König; ich kann auch mit dem Dämon in dem Roten Meer die blaue Säule drinnen aufheben; die kannst du hinstellen, wo du nur willst.“

Nach diesen Worten tritt er unter jenen Stein und hebt ihn auf; dann steigt er auf die Leiter mit dem Stein und setzt ihn in des Tempelseingangs Spitze.

Da sprach ich, Salomo, hochgemut: „Die Schrift erfüllt sich jetzt, die sagt: ‚Der Stein, den einst die Bauleute verwarfen, der ward zum Schlußstein‘“

24. Kapitel: Die wunderbare Säule

Und abermals sprach ich zu ihm:

“Geh fort! Hol mir die Säule in dem Roten Meer!“

Und Ephippas geht fort und bringt den Dämon samt der Säule; die beiden tragen diese von Arabien her.

Ich denke nun, es könnten diese zwei Geister die ganze Erde in einem Augenblick erschüttern, und so versiegle ich sie ringsum mit dem Ring und sage:

“Haltet treulich Wache!“

Sie blieben da und hoben jene Säule in die Luft bis heute, als ein Beweis der mir verliehenen Weisheit.

So hing die Säule übergroß dort in der Luft, getragen von den Geistern. Von unten aber sahen diese tragenden Geister aus wie Luft.

Und blickten wir hinauf, so war der Säulenfuß ein wenig schief und ist’s bis heute.

25. Kapitel: Der Dämon des Exodus

Ich frag den andern Dämon, der mit der Säule aus dem Meere kam:

“Wer bist denn du? Wie heißest du? Was ist dein Dienst? Ich hör ja viel von dir.“

Der Dämon sprach:

“König Salomo! Ich heiße Abezethibu. Einst saß ich in dem ersten Himmel namens Ameluth. Ich bin deshalb ein lästiger, befiederter, einflügeliger Geist, der jedem Lebewesen nachstellt unterm Himmel. Ich war zugegen, als Moses zu Ägyptens König Pharao ging und dessen Herz verhärtete. Ich bin’s,

den Jannes und Jambres bei ihrem Streit mit Moses angerufen. Ich bin’s, der bei den Wundern und den Zeichen mit Moses wettgeeifert hat.“

Ich frage ihn:

“Wie kam’s, dass man im Roten Meer dich fand?“

Er sagt:

“Beim Auszuge der Israeliten verhärte ich das Herz des Pharao und reize sein und seiner Diener Herz. So machte ich, dass sie die Söhne Israels verfolgten; es folgte ihnen Pharao mit allen den Ägyptern. Damals war ich dabei; wir folgten ihnen allzumal und kamen insgesamt ans Rote Meer. 7

Kaum aber waren Israels Söhne drüben, da kehrt das Wasser unerwartet wieder und deckt das ganze Lager der Ägypter zu. Darunter war auch ich und ward zumal mit Wasser zugedeckt. So blieb ich in dem Meer, unter der Säule wohl verwahrt, bis dann Ephippas kam.“

Ich, Salomo, beschwor ihn, die Säule bis ans Ende der Welt zu tragen. Dann schmückte ich mit Gottes Hilfe seinen Tempel mit jeder Zier. Hierüber wurde ich von Freude voll und lobte Ihn.

26. Kapitel: Salomos Abfall

Ich nahm aus jedem Land und Reiche Weiber; sie waren nicht zu zählen.

Ich zog zum Jebusiterkönig und sah in seinem Reich ein Weib; in dieses ward ich ganz verliebt und wollte sie zu meinen Frauen nehmen.

Ich sprach zu ihren Priestern:

“Gebt diese Sunamitin mir! Ich bin in sie verliebt“.

Sie sagten mir:

“Bist du verliebt in unsre Tochter, alsdann bet unsere Götter an, den großen Raphan und den Moloch! Dann nimm sie hin!“

Ich aber wollte sie nicht anbeten; drum sagte ich zu ihnen:

“Ich bete keine fremden Götter an.“

Sie drangen drauf in diese Jungfrau und sagten ihr:

“Begibst du dich ins Reich des Salomo, dann sag zu ihm: „Ich ruhe nicht bei dir, bis dasdu meinem Volke gleichest!“ Nimm auch fünf Heuschrecken mit! Zerreib sie in des Raphan und des Moloch Namen!“

Ich aber war voll Liebe zu dem Mädchen; es war ja wunderschön. Und wie von Sinnen, hielt ich das Blut der Heuschrecken für nichts, nahm sie in meine Hände und opferte den Götzen in Raphans und in Molochs Namen; dann holte ich die Jungfrau in mein Königsschloss.

Und Gottes Geist ward mir entzogen; seit jenem Tage glichen meine Reden leeren Sprüchen; man zwang mich, Götzentempel zu erbauen.

Also befolgt ich Unglückseliger ihren Rat, und Gottes Herrlichkeit wich ganz von mir. Es ward mein Geist verdunkelt; so wurde ich ein Spott den Götzen und den Dämonen.

Deshalb schreib ich mein Testament hier nieder. Ihr, die ihr davon hütet, flehet und betet für die letzten, jedoch nicht für die ersten, auf dass sie endlich Gnade fänden in alle Ewigkeiten! Amen.

Literaturverweise und Sekundundärliteratur

Textausgaben

  • F. A. Bornemann: Das Testament des Salomo, Aus dem Griechischen übersetzt, in: Zeitschrift für die historische Theologie 14/3 (1844), 9–56
  • Peter Busch: Das Testament Salomos. Die älteste christliche Dämonologie, kommentiert und in deutscher Erstübersetzung; 2006
  • Dennis C. Duling: Testament of Solomon, in: James H. Charlesworth (Hg.): The Old Testament Pseudepigrapha, Volume 1: Apocalyptic Literature and Testaments, The Anchor Yale Bible Reference Library, Doubleday, 1983, 935–987.
  • F. F. Fleck: Wissenschaftliche Reise durch das südliche Deutschland, Italien, Sicilien und Frankreick 2/3, Leipzig 1837, 111–140, Nachdruck in: Jacques Paul Migne (Hg.): Patrologia Graeca, Bd. 122, 1315–1358 nebst lateinischer Übersetzung.
  • Chester Charlton McCown: The Testament of Solomon, Untersuchungen zum Neuen Testament 9, Leipzig 1922 (Review von M. R. James)

Sekundärliteratur

  • Dennis C. Duling: The Testament of Solomon: Retrospect and Prospect, in: Journal for the Study of Pseudepigrapha 2 (1988), 87–112.
  • K. Preisendanz: Salomo, in: RE Suppl. 8 (1956), 660–704.
  • Eckard von Nordheim: Die Lehre der Alten, München 1973, S. 185–193

Online

Siehe auch

Links


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