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Traktat: Der Zauber des Ordens

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Inhaltsverzeichnis

Traktat: Der Zauber des Ordens

Quelle: Arbeiten. Reden über die Freimaurerei. Eine Jubelschrift, von W. L. SCHMIDT, 1840. Google Books

Vorbemerkung

Die Schreibweise entspricht der 1840 gebräuchlichen Rechtschreibung, welche hier nicht verändert wurde / wird.

Abkürzungen:

  • theure u. gel. BBr. = teure und geliebte Brüder

Der Zauber des Ordens

Im ersten Augenblick ist alles reich, aber will ich's mit dem Wort anfassen, da ist alles verschwunden, so überrascht der geweihte Augenblick! Eure Blicke, theure u. gel. BBr., ruhen auf dem geweihten Orte und suchen das Auge des Meisters; und so ziehen Eure forschenden Blicke die Gedanken aus mir, so beleben sie meine Gefühle, und sind die Schwingen der Begeisterung, auf denen mein Wort zu Euch kommt, Euch zu erheben. Das Ungewöhnliche hat Euch Alle ergriffen, es ergreift Euch immer, wohin Ihr die Blicke wenden möget. Das ewige Licht, was uns aufgegangen, vermag kein Wahn der Menschen mehr zu verlöschen. Eine geheimnißreiche, und doch wieder so sichtbare Wonne muß uns durchdringen, wenn wir uns bewußt werden, welchen Zauber der Orden über uns auszubreiten vermag. Er blüht uns zu aus den Erinnerungen, beglückt uns durch Gewährungen und erhebt uns auf magischen Schwingen zu köstlichen Ahndungen.

1) Wohl blüht uns der Zauber des Ordens im Erinnerungen. Die Erinnerung ist ja ein schattender Baum am Lebenswege, unter dem man gern einmal ausruht. Wohl dem, der reich ist an Erinnerungen, sie durchwürzen das Leben; die Armuth Vieler besteht in dem Mangel an Erinnerungen, denn die Erinnerungen verketten die Lebensverhältnisse der Menschen! Wie reich an Erinnerungen ist der Orden, und welche Zauberkraft üben sie auf die Gemüther der Brüder aus. Die Erinnerungen an versunkene Jahrtausende tauchen magisch auf in dem Strome des Lebens; die Mysterien der alten Völker wehen bekannte Klänge uns zu; der alten Baukunst mächtige Ueberreste erfüllen uns mit Bewunderung! Die Säulengänge sind zwar in den Staub gesunken, wo die alten Weisen ein höheres Licht entzündeten, aber die Baukünstler des Mittelalters haben das Licht nicht verlöschen lassen, sie haben die kühnen Dome gebaut, die tief in der Erde wurzeln, und hoch in den Aether des Himmels ihre Häupter erheben! Ueberall Geist, wenn auch verschieden in der Gestaltung. Von den Chaldäern im 5ten Jahrhunderte bis auf Melanchthon, welche Erinnerungen an die Treue des Aufbewahrens erhellter Kenntnisse, ewiger Wahrheiten, tieferer Forschungen über Welt, Seele, Unsterblichkeit und Gott! Von der Reformation bis auf unsere Zeit, unauslöschliche Erinnerungen an erhöhtes geistiges Leben, selbst unter Wahn und Bedrängniß im Orden, als Magier und Adepten ihr Spiel mit den heiligsten Dingen trieben. Das Licht der Erkenntniß ist nie erloschen, die Leuchter wurden nur verrückt; die reineren Ideen leben fort und fort im Bunde, und der Suchende findet, der Strebende wird begeistert, der Vertraute befriedigt! Leben denn nicht einzelne durchlebte Momente recht lebendig in der Erinnerung der Brüder? tönen nicht einzelne Hammerschläge in jeder Werkstätte bedeutungsreicher, klingt nicht manches Wort für immer, bei leisen Anlässen, in ihren Herzen wieder? Ist das nicht der Zauber des Ordens in Erinnerungen? –
2) Nicht in Erinnerungen allein liegt der Zauber des Ordens, wir Alle sind auch beglückt durch Gewährungen mannichfacher Art, die er uns spendet. Die Unruhen der Erwartung vermag er zu befriedigen, und das ist Gewährung. Gewährungen sind uns geworden im Bruderkreise für das äußere, wie für das innere Leben. Unser Wunsch für gemeinsames maurerisches Wirken ist erfüllt, mit gemeinsamer Kraft arbeiten verwandte Gemüther am Bau, ihn dauernd zu gründen. Wir fanden uns äußerlich zusammen, wurden gesellig durch die sinnreiche Form des Ordens vereint, um uns gemüthlich verstehen und gegenseitig schätzen zu lernen, als Ersatz für Mühen des Lebens mancher Art. Wir richteten den Tempel auf, in dem wir dankbar erhoben arbeiten; wir richteten die Häuslichkeit ein, die uns gesellig aufnimmt; alle Formen und Gebräuche sind geeignet auf unser ganzes Leben glücklich einzuwirken, wenn wir still befriedigt uns hingeben. Sehnt sich denn nicht jeder Mensch bewußt oder unbewußt nach dem Bessern? und ist die Erfüllung solcher Sehnsucht nicht eine beglückende Gewährung. Jeder Mensch ist ein Räthsel, und es ist die Aufgabe der Liebe zwischen Freunden, das Räthsel aufzulösen, so, daß ein Jeder seine tiefere Natur durch und in den Freund kennen lerne. Aufmerksam wurden wir Alle auf uns selbst und auf Andere; Indolenz, Stolz, Egoismus wurden bekämpft, um einem höhern sittlichen Wesen Platz zu machen. Unser Geist wurde genährt mit ewigen Wahrheiten, unser Herz erquickt mit himmlischen Gefühlen. Eine schöne Welt ist uns aufgeschlossen worden, die Gemüthswelt mit all ihrer Fülle! Nun frage ich die gel. BBr., kann uns der Orden mehr für das innere Leben gewähren, als daß wir ihn in uns fühlen, als daß wir erhellt von ihm wissen kam er uns für das äußere Leben mehr gewähren, als daß er es der Gewöhnlichkeit enthebt und auf alle Weise verschönert? – O, Heil uns, der Zauber der Erinnerung durchwehet uns; in vielfachen Gewährungen sind wir glücklich; Vergangenheit und Gegenwart erleuchtet der Zauber des Ordens mit seiner magischen Kraft, wie kann es da anders sein, als daß unser geistiges Auge mit göttlicher Kraft in die Zukunft hinausschauen möchte, sich solchen Besitz zu sichern!
3) Wir preisen uns glücklich, Maurer zu sein, denn der Zauber des Ordens, nie treffend genug zu beschreiben, wie er den ganzen Menschen erfaßt, erhebt uns auf geistigen Schwingen zu köstlichen Ahndungen! O wir ahnden Alle: Jeder Ort hat seine Geister! auch unsere Baustätte. Alles Sinnliche ist uns hier Symbol des Geistigen, und wir ahnden nur, der Geist hat ewige Wirkung. Wir erkennen durch die Ahndungen in einem sittlich und geistig höheren Leben richtiger die Welt und ihre Bedingungen, die Natur und den Himmel! Inniger ist unser Herz bewegt durch sittliche Kräfte, die sich freier regen, heller unser Geist erleuchtet durch die überzeugenden Lehren des Ordens; verklärt unser ganzes Leben, wenn höhere Weisen erklingen von dem Ideale, welches der Orden von menschlicher Bildung und Vollendung uns vorzeichnet. O glaubt und sagt doch nicht, gel. BBr., daß ihr leicht Alles zu begreifen vermöget. Viel Wonne liegt in heiligen Ahndungen, die den Menschen umschweben; sie bilden dem Maurer eine Zauberwelt im irdischen Dasein, sie leiten ihn in die höhere Welt der Unvergänglichkeit! Umfaßt der Orden in Lehre und Gebrauch die Fülle solchen Glückes, find die erhabenen Begriffe die Gemien, die uns in diese stille geheimnißvolle Welt einführen, so erhebt uns unbezweifelt der Zauber des Ordens auf geistigen Schwingen zu köstlichen Ahndungen! –

Ja, wir gestehen es freudig begeistert: Der Zauber des Ordens hat uns Alle ergriffen, wir fühlen es, daß er aus dem Erinnerungen, den Gewährungen und den köstlichen Ahndungen hervorbricht! Nun, dann behandelt alle Vorschriften, alle Lehren, alle Formen des Ordens, wie die Freunde Eurer Seelen. Das Schöne muß mit dem Guten unter uns unzertrennlich verbunden werden. Nur dem, der für die höhere Welt des geistigen Lebens empfänglich ist, neigt sie sich freundlich entgegen, und reicht ihm dar die Schlüssel zu ihrem Wunderreiche! So getragen vom Strome der lebendig bewegten Gegenwart, sind wir zwar wie die Kinder der Gewöhnlichkeit, und die Erben des Herkommens, doch streben wir mit allem gegebenen Kräften nach des Lebens besten Schätzen, Lassen die Zeiterscheinungen eine größere Belebung der sittlichen Kraft dringend wünschen, wir wollen sie durch das reinste und höchste Prinzip, durch das Wohlwollen hervorzurufen streben! O, walte mächtiger Zauber über uns, umgieb uns mit deinem stillen Geheimniß, binde uns durch das Licht, was vom Geist zu Geist leuchtet, durch die Wärme, die von Herz zu Herzen weht, wie mit einer unauflösbaren Kette, dann wollen wir deinem Genius und unterm Glücke auf ewig vertrauen! –

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