Öffentliche Meinung

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Definitionen

1932 bei Lennhoff, Posner, Binder:

Das Bild der Freimaurerei in der öffentlichen Meinung wird weniger von ihr selbst als von der Besonderheit der widerspiegelnden Flächen bestimmt. Als in sich geschlossene Gesellschaft mit Bräuchen, die nur den Eingeweihten vorbehalten bleiben, hat sie gleich nach ihrem ersten Auftreten die Neugier der Außenstehenden erweckt. Ursprünglich von dieser naiven Neugierde verfolgt weckt sie in der öffentlichen Meinung Vorstellungen, die sich großenteils im Volksaberglauben verankert haben.

Die Freimaurerei erscheint als ein Geheimbund, dessen Mitglieder mit besonderen Kräften ausgestattet sind, die schwarze und weiße Magie treiben, sich dem Teufel mit Blut verschreiben, sich verwandeln und Tiergestalt annehmen können u. a. m. Kirchliche Einflüsse, durch Bullen, Enzykliken und Kanzelpredigten genährt, erzeugen in der Öffentlichen Meinung die Vorstellung einer Gesellschaft von Gottlosen, Kirchenfeinden, Teufelsanbetern, Sittenlosen, Sexualverbrechern, wobei wie immer die sexuellen Ausschweifungen mit religionsschänderischen Handlungen in Verbindung gebracht werden (Schwarze Messen u. a m) Der Freimaurer schändet in dieser Vorstellung die heiligsten Gebrauchtümer der Kirche, er durchbohrt Hostien (was bekanntlich im Mittelalter den Juden vorgeworfen wurde), er hat die Nägel seiner Schuhsohle in Kreuzform eingeschlagen, um ständig das christliche Ziechen mit Fußen treten zu können, u. a. m.

Ein anderes Gesicht bekommt die Öffentliche Meinung wenn sie den Freimaurer als Gegenstand politischer Erklärungsversuche mißbraucht. Der Freimaurer wird so zum Königsmörder kat exochen, erregt alle Revolutionen, die irgendwo ausbrechen, er ist an allen politischen Ereignissen eines Volkes schuldtragend, selbst wenn aus diesen politischen Ereignissen Freimaurer eines anderen Volkes also dessen Angehörige Nutzen ziehen. Er ist international, daher kann er nach dieser Art a. M. nicht vaterländisch eingestellt sein.

Er wird daher zum Volksverräter, zum vaterlandslosen Gesellen, der, um einer fiktiven Idee willen, sein Volk bei jeder Gelegenheit preisgibt. So wird verbreitet, 1871 hätten die französischen Freimaurer die Franzosen an die Preußen verraten, im Weltkriege hätten die deutschen Freimaurer ihre Pflichten verletzt. Besonders beliebt ist die gedankenlose Stigmatisierung mißliebiger Politiker des eigenen Staates und fremder Länder als Freimaurer.

Der Freimaurer wird so in der öffentliche Meinung zum Schwarzen Mann der Weltgesehichte, zum Großen Unbekannten, der hinter allen Verbrechen am Volksleben steht. Freimaurerei wird ein Schlagwort der Politik, das in Wahlkämpfen gegen den Gegner ausgespielt wird. Wo das Wort Jude allein nicht langt, muß der Freimaurer seinen Zauber spielen lassen. Durch unkritische, mehr von Stimmungen als von Kenntnissen belastete Spiegelbildvorstellungen vom Gegner, dem alle erdenkbaren Laster angehängt werden, ist eine Vorstellung vom Freimaurer in der Öffentlichen Meinung gezuchtet worden, die wohl nicht dem geschichtlichen Verständnis, wohl aber dem Entlastungsbedürfnis (Suche nach dem Schuldigen usw.) entgegenkommt.

Zeuge für diese Bilder der Öffentlichen Meinung ist die Presse aller Völker. Ein Musterbeispiel für die Festigkeit des Urteils aus historischer Zeit: Die ,,Vossische Zeitung" kann sich bis zum Jahre 1740 nicht genug tun in spöttischen Bemerkungen über die Freimaurer. Als Friedrich II., dessen Freimaurertum bekannt war, den Thron besteigt, tritt die ,,Vossische Zeitung" sofort den Rückzug an und weiß die Honetete (so!) der Frey-Maurer wohl zu rühmen !

In den folgenden Jahrzehnten ist die Presse als Spiegel der Öffentlichen Meinung überreich an Meldungen über die Freimaurer, wobei immer wieder die politische Haltung des Blattes den Kontrapunkt darstellt, auf dem sich die verschiedenen Melodien aufbauen. Die Freimaurer bemühen sich, ihrerseits die Öffentliche Meinung zumindest zu richtiger Beurteilung umzustimmen. Da ihnen im allgemeinen eine eigene Presse fehlt, die auch in der breiteren profanen Offentlichkeit gelesen wird (Ausnahmen bilden hier die ,,Wiener Freimaurerzeitung" und früher die ungarische Tageszeitung ,,Vilag"), so behelfen sie sich mit gelegentlichen Mitteilungen, aufklärenden Vorträgen, Presseempfängen (s. d.), Broschüren, wie die des Vereins deutscher Freimaurer.

Dies gilt jedoch nur für den europäischen Kontinent. In England und Amerika haben alle Großen Zeitungen ständige Rubriken, die sich mit der Freimaurerei beschäftigen. Dort wird die Freimaurerei als gesellschaftliche Erscheinungsform, als Selbstverständlichkeit hingenommen.

Es fällt auch dort etwas schwer, eine Vereinigung, der die Mitglieder des Königshauses oder die Staatspräsidenten angehören, des Landesverrates oder des parteimäßig betriebenen Massenmordes zu bezichtigen. In leidenschaftlich erregten Zeiten wird daß Bild des Freimaurers immer wieder um Einzelheiten vermehrt. Diese gehen dann unausrottbar in die Öffentliche Meinung über, die ihr Urteil zeitweise wohl vergessend in den Hintergrund schiebt, es aber bei kommenden Anlässen immer wieder hervorholt. Nur so ist es erklärlich, daß die Phantastereien nachweislich Geistesgestörter oder geistig Minderwertiger immer wieder an der Oberfläche erscheinen und neuen Nährstoff abgeben.

Die Sicherheit, mit der derartige Behauptungen aufgestellt werden, verleitet mitunter sogar ernsthafte Geschichtsschreiber, unter der Suggestion des gedruckten Buchstabens vollkommen unglaubhafte Deutungen für bare Münze zu nehmen. Da die Freimaurer, besonders in Deutschland, lange Zeit den schweren Fehler begangen haben, diese Angriffe widerspruchslos hinzunehmen, wird daß Bild der Freimaurerei in der Öffentlichen Meinung heute zumeist durch die Tendenzschriften der Nachgriegszeit, wie Wichtl, Schwartz Bostunitsch, Ludendorff u. a., bestimmt. Erst in allerjüngster Zeit tritt dem die Freimaurerei gegenüber und sucht zumindest in einsichtigen Kreisen auf daß Fadenscheinige des ganzen Lügengewebes hinzuweisen. Dab sie damit die Massenstimmungen, die einen Blitzableiter ihrer Spannungen suchen, nicht beseitigen kann, liegt auf der Hand.

Anmerkung der Redaktion: Man mag kaum glauben, daß diese Darstellung gut 80 :Jahre alt ist. Auch heute noch können Hetzkampagnen, beschleunigt durch neue :Medien und das Internet, ungeregelt und unkorrigiert ein weitgehend :uninformiertes Publikum erreichen. Das, was Lennhoff und Posner :"widerspruchsloses Hinnehmen" nannten, sucht immer noch nach geeigneten :Möglichkeiten. Das einzige öffentlich wirksame Zentralorgan objektiver und :ideologisch unverfälschter Darstellung, ist bislang dieses Freimaurer-Wiki.