Juden und Freimaurer in Nürnberg

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Juden und Freimaurer in Nürnberg

Juden und Freimaurer in Nürnberg

Betrachtungen auf Grundlage von Beständen der Sammlung IKG in der Stadtbibliothek Nürnberg

Referat gehalten in der Stadtbibliothek Nürnberg am 2. März 2004

von Leibl Rosenberg


„Seitdem ich meinen Kampf gegen Judentum und Freimaurerei begonnen habe, werde ich verleumdet, verspottet und gequält. Nur das eine tröstet mich, daß es in der Ge-schichte allen anderen, die den selben Kampf geführt haben, gleichermaßen ergangen ist. Wenn ich die Freimaurerei angreife, versucht man mich zu überzeugen, dass ich zwischen der internationalen und „deutschen“ Freimaurerei unterscheiden müsse. Man komme mir nicht mit diesen Einwänden! Die sogenannte „deutsche“ Freimaurerei ist, ebenso wie die internationale, ein Werkzeug des Juden zur Erreichung seiner Ziele. Wenn man mir weiter entgegnet, daß in den „deutschen“ Logen Juden nicht aufge-nommen werden, so erwidere ich, daß ein Jude sich ur taufen zu lassen braucht, um Mitglied werden zu können. Ich kenne genug Juden, die sich nur zu dem Zweck haben taufen lassen, um das Christentum zersetzen zu können. Das wollen aber die Priester nicht einsehen! Sie sehen nur den „armen verfolgten Juden“, dem man Nächstenliebe angedeihen lassen müsse. Wie viele falsche „Apostel“ gibt es aber schon im Christen-tum, die jüdische Zwecke verfolgen! Was würde Jesus Christus sagen, wenn er heute da wäre und die überaus herzliche Freundschaft seiner Priester mit dem Juden sähe?“ Julius Streicher am 17. September 1924 in Bamberg.

„Der Zusammenhang der Freimaurer mit dem Judentum ergäbe nicht nur ein dickes Buch für sich, es müßte vielmehr an jeder Universität der Welt ein Lehrstuhl errichtet werden, um die Weltgeschichte der beiden letzten Jahrhunderte unter dem Gesichts-punkt jener heimlichen überstaatlichen Kräfte neu zu schreiben und die Verantwortung für ihren blutigen Gang von den damit fälschlich belasteten und geschmähten Fürsten auf die drahtziehenden Juden zu übertragen. (...) Gerade die Freimaurerei ist ein wert-voller Beleg dafür, daß das Judentum immer das kostbare lichteste Geistesgut der germanischen Wirtsvölker zu eignem Vorteil geraubt hat, um es in seinem dunklen Sinne umzugestalten, oder gar als Rasseneigentum anzusprechen und falschmünzend gerade zum Gegenteil dessen zu machen, was es für das Wirtsvolk eigentlich bedeutet hatte.“


Beispielsweise mit diesen zwei Zitaten schmückt der heute vergessene, aber seinerzeit vielgelesene, Schriftsteller Philipp Stauff seinen Artikel über „Freimaurerei, Massonis-mus“ in dem 1929-31 erschienenem, berüchtigten, völkisch-antisemitischem Lexikon „Sigilla Veri – Semi-Kürschner“. 24 Seiten lang beleuchtet dieser geistige Wegbereiter des heraufdämmernden „Dritten Reichs“, der übrigens aus Neustadt an der Aisch stammte, eines seiner beiden bevorzugten Haßobjekte. Neben den Freimaurern waren das natürlich die Juden. Beide Gruppierungen verschmelzen dem Autor zu einer einzi-gen Verkörperung des Bösen an sich.

Philipp Stauff war nicht der einzige und schon gar nicht der erste Autor, der sich in dem angedeuteten Sinne mit Juden und Freimaurern beschäftigte. Schon seit dem frühen 19. Jahrhundert schwillt die Zahl der Publikationen antisemitischen und anti-freimaurerischen Inhalts von einem kleinen Bächlein zu einer veritablen Sturzflut von Broschüren, Büchern, Zeitschriften und Zeitungen an, die – von Rußland ausgehend – schon lange vor Hitlers Geburt im Jahre 1889 eine feste Größe im öffentlichen Diskurs Europas darstellten. Einen guten, aber keineswegs vollständigen, Überblick über die-ses Schrifttum – Antisemitica und Antimasonica – bietet die Sammlung IKG in der Stadtbibliothek Nürnberg, die ich seit einiger Zeit katalogisiere und bearbeite. Doch da-von nachher mehr.

Wenden wir uns als ersten Schritt bei den Anmerkungen zum Thema „Juden und Frei-maurer in Nürnberg“ dem Freimaurertum zu. Vorausschicken möchte ich an dieser Stelle, daß es hier und heute nicht möglich sein wird, eine umfassende und erschöp-fende Übersicht zu dieser übergreifenden Themenstellung zu geben. Es sollen lediglich Umrisse sichtbar und hoffentlich Zusammenhänge einsehbar gemacht werden. Schwerpunkt wird das Freimaurertum sein, weil hierüber noch viel weniger bekannt ist als über das Judentum. Wir stehen hier alle erst am Anfang.


Wer oder was sind die Freimaurer?


Die erste Grossloge wurde 1717 in England gegründet, die erste deutsche Grossloge entstand 1737 in Hamburg. 1932/33, am Vorabend der nationalsozialistischen Herr-schaft, zählte man In Deutschland 74.325 Freimaurer, in den 11 Grosslogen weltweit ca. 4,5 Millionen. In wenig mehr als 200 Jahren war aus kleinsten Anfängen ein erd-ballumspannendes, geheimnisvolles Netz von Menschen entstanden, denen die „Nichteingeweihten“ so gut wie alles zutrauten: Eine undurchschaubare Machtfülle jen-seits nationaler und religiöser Grenzen, stark genug, um die Geschichte der Welt zu bestimmen und zu lenken. An allem sollten – so das weitverbreitete Vorurteil – die Freimaurer Schuld haben: an der Amerikanischen und an der Französischen Revoluti-on, an nationalen Kriegen und an internationalen Waren- und Geldströmen.

Keine herkömmliche Macht, weder Papst noch Kaiser, unterworfen, nur sich selbst und ihren nach Außen unsichtbaren Führungskräften verantwortlich, übten die Freimaurer – so meinten viele - Kontrolle aus, ohne selbst irgendeiner Kontrolle unterworfen zu sein. Die Veränderung der überkommenen mittelalterlichen Ständegesellschaft mit dem je-weiligen nationalen Adel an der Spitze in eine nationale Bürgergesellschaft, der Über-gang von der landwirtschaftlich-handwerklichen Sozialstruktur in eine Industrie- und Warengesellschaft, der Verlust religiöser Bindungen zugunsten individueller Freiheiten und Menschenrechten – dies alles und noch viel mehr hätten die Freimaurer bewirkt. In wessen Auftrag? Auf Geheiß des ebenfalls weltweit agierenden Judentums, das selbst von der Scholle losgelöst, somit heimat- und verantwortungslos, seit der Antike nur ein Ziel verfolgte: mit allen Mitteln die Herrschaft über alles und alle an sich zu reißen und auf ewig über ihre Verfolger zu triumphieren.

Wenn Sie nun denken, daß ein Konstrukt von solch evidenter historischer und ideolo-gischer Verwirrtheit und Widersprüchlichkeit sich jedem denkenden Menschen – we-nigstens diesen! – ohne Zweifel als gigantische Unsinnigkeit enthüllen würde, dann lie-gen Sie falsch. Vieles davon wurde und vieles wird auch heute noch geglaubt und ent-faltet dank dieses Glaubens eine gewaltige Wirkungsmacht. Nur wenige machen sich die Mühe, die offen zu Tage liegenden Inhalte und Überzeugungen des Freimaurer-tums nachzufragen oder nachzulesen. Dank des, beinahe hätte ich gesagt: freimaure-risch inspirierten, Internets wäre und ist dies ohne weiteres möglich. Was sagen denn die Freimaurer im Jahre 2003 über sich selbst?

„Die Freimaurer der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland bekennen sich zu den auf Würde, Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen ausgerichteten Traditionen ihres Bundes. Dieses Erbe zu bewahren und es angesichts der Herausforderungen der Gegenwart in Denken und Handeln neu zu be-stimmen, ist wichtigster Inhalt freimaurerischer Arbeit. Damit zieht die Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland zugleich die Konsequenz aus der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, aus der sie hervorgegangen ist. Im Bewußtsein eigener Identität wirkt sie mit anderen Großlogen im Rahmen der "Vereinigten Großlogen von Deutsch-land" zusammen und fühlt sich als Bestandteil einer weltumspannenden Gemeinschaft.

Das Wesen des Freimaurerbundes besteht in der Einheit von leitender Idee, tragender brüderlicher Gemeinschaft und vertiefendem symbolischem Erlebnis. Als Glieder eines ethischen Bundes treten die Freimaurer für Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz, Friedensliebe und soziale Gerechtigkeit ein.

Der Freimaurerbund verzichtet darauf, politische Programme zu formulieren und nimmt nicht Teil an parteipolitischen Auseinandersetzungen. Logen sollen vielmehr Stätten sein, an denen durch Information und gemeinsames Nachdenken verantwortliches persönliches Handeln vorbereitet wird.

Grundlage freimaurerischen Wirkens ist die Loge. Sie ist Zentrum geistiger Arbeit, Stät-te der Begegnung und Ort ernster Besinnung. Für den Erfolg ihrer Arbeit ist offenes, ehrliches und hilfsbereites Miteinander Voraussetzung. Zum Zeichen engster Verbun-denheit und Vertrautheit nennen sich die Freimaurer untereinander "Brüder". Am gesel-ligen Leben der Loge nehmen auch die Frauen der Mitglieder und ihre Familien teil. Trotzdem ist die Freimaurerei aus Tradition ein Männerbund. Sie sieht hierin keinen Widerspruch zur Gleichberechtigung von Mann und Frau, hält vielmehr Vereinigungen, die nur Männer (oder nur Frauen) umfassen, für ebenso legitime wie sinnvolle Formen menschlicher Gemeinschaft.

Der Freimaurerbund besitzt ein überliefertes Brauchtum, dessen Ursprung die mittelal-terlichen Bauhütten sind. Die rituellen Arbeiten dienen • der Einfügung neuer Mitglieder in die Gemeinschaft, • der Vertiefung menschlicher Bindungen innerhalb der Bruderschaft, • der Besinnung auf die moralischen Normen des Freimaurerbundes, • der Sammlung und Erbauung des einzelnen Bruders“

Informationen über die Freimaurerei sind gerade für Nürnberger leicht zu erlangen. In Bayreuth kann man das Deutsche Freimaurer-Museum (Im Hofgarten 1) und ihre her-vorragende Bibliothek (auch im Internet) besuchen. Die 1741 vom Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth gegründete Freimaurerloge „Eleusis zur Verschwiegenheit" gehört zu den ältesten Logen in Deutschland. Wie in fast allen Logen üblich, begann man auch hier schon früh mit der Einrichtung einer kleinen Logenbibliothek zum Ge-brauch der Mitglieder. Die Freimaurerei regte die Phantasie vieler Autoren an, ob Mit-glieder oder Außenstehende. Es entstand rasch eine Vielzahl von mehr oder weniger realistischen Entstehungsgeschichten und Enthüllungsversuchen.

Wie alle freimaurerischen Einrichtungen in Deutschland wurde auch die Bayreuther Bi-bliothek nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 geplündert. Die Be-stände dieser Freimaurerbibliotheken wurden im Reichssicherheitshauptamt in Berlin gelagert und im Verlauf des Krieges nach verschiedenen Orten im Osten ausgelagert. Eine Teilmenge von rund 80.000 Bänden gelangte nach Oberschlesien und blieb erhal-ten. Sie befindet sich heute in der Universitätsbibliothek von Poznan (Polen), darunter auch Bände der alten Bayreuther Bibliothek. Heute umfaßt die Bayreuther Bibliothek die größte freimaurerische Schriftensammlung im Deutschen Sprachraum. Über die Bestände in unserer Stadtbibliothek später mehr.

Die Mühe des Fragens und des Lesens kann an dieser Stelle natürlich niemandem ab-genommen werden. Aber man kann über das, woran der Freimaurer glaubt, ganz kurz vielleicht Folgendes sagen: Ein einziger Gott hat das Universum planvoll und absichts-voll erschaffen, vergleichbar einem Architekten, der ein Gebäude aufzurichten hat. Ein Motto der französischen Freimaurer, der franc-macons, lautet deshalb:

A. L. G. D. G. A. D. U. = A la gloire du Grand Architecte de l'Universe

Ein Abbild dieses Weltgebäudes auf Erden war der Tempel, den der biblische König Salomo vor über 3000 Jahren in Jerusalem auf Anweisung und mit Hilfe Gottes erbau-te. Dieser Salomonische Tempel stand und steht jenseits seiner materiellen, in der konkreten Wirklichkeit sichtbaren Strukturen auch für ein geistiges, ein virtuelles Ge-bäude, das sich symbolisch erfassen und im menschlichen Individuum reproduzieren lässt. Der einzelne Mensch kann sich und sein Leben, wenn er nur recht unterrichtet, eingeweiht!, und unbeirrbar entschlossen ist, ebenfalls in ein Gebäude der Heiligkeit verwandeln. Er kann sich sittlich veredeln, den „rauhen Stein in sich“ bearbeiten und diesen Quader in das große universelle Tempelheiligtum einer geläuterten Menschheit einfügen.

Stein um Stein schichten und türmen die Freimaurer so auf. Eine ganze Reihe freimau-rerischer Rituale und Ritualien beziehen sich symbolisch auf diesen Bau: Kelle, Winkel, Hammer und Schürze. Ihre Arbeit ist, wie gesagt, symbolisch und konkret zugleich. Der besagte Tempel besteht aus menschlichen Seelen, zusammengehalten von Bruderlie-be, Wohltätigkeit und Hingabe. An diesem Werk (ich habe hier natürlich stark verkürzt und vereinfacht) mitzuwirken, bedeutet für den Freimaurer Erfüllung und Lebensinhalt und gibt ihm die Gewißheit, die Antwort auf die ältesten und schwersten Fragen menschlicher Existenz überhaupt in Händen zu halten: Woher komme ich, Wozu bin ich da und Wohin gehe ich?

Der Eintritt in eine Loge ist einer Wiedergeburt, einer Auferstehung zu vergleichen, o-der anders gesagt: einer Erweckung aus dem Dunkel der Unwissenheit ins Licht der Erkenntnis. Der alte Mensch muß sterben, um als neuer, wahrer Mensch aufzuerste-hen: Stirb und Werde, wie es der Freimaurer Johann Wolfgang von Goethe formuliert hat.

Diese hier lediglich angedeuteten Überzeugungen der Freimaurerei haben, wie ich noch nachzuweisen versuchen werde, Entsprechungen und Parallelen in der Religion und Überlieferung des Judentums. Was eine sehr passende Überleitung zum jüdischen Freimaurertum, dem Unabhängigen Orden Bne Briss, darstellt.

Wer oder was ist die B’nai Brith?

Der Orden B’nai B’rith, hebr. „Söhne des Bundes“, ist ein Orden jüdischer Männer (und Frauen), der sich zur Aufgabe gemacht hat, Juden zur Förderung hoher Mensch-heitsziele zu vereinigen. Er bemüht sich, „den geistigen und sittlichen Charakter der Stammesgenossen zu stärken, ihnen die reinen Grundsätze der Menschenliebe einzu-prägen, Wissenschaft und Kunst zu unterstützen, die Not der Armen und Dürftigen zu lindern, die Kranken zu besuchen und zu pflegen, den Opfern der Verfolgung zur Hilfe zu kommen und ihnen in allen Lagen hilfreich beizustehen.“

Die Geburtsstunde des B’nai Brith schlug am 13. Oktober 1843 in New York. 12 deutsch-jüdische Immigranten trafen sich in Sinsheimer’s Café in der Lower East Side, um sich über Politik, Wirtschaft und Amerikanische Kultur zu unterhalten. Unter der Führung von Henry Jones, der in Hamburg noch Heinrich Jonas geheißen hatte, grün-deten sie die erste Jüdische Loge der Welt. Sie vereinigte die unhomogenen und ein-ander bekämpfenden verschiedenen Elemente der eingewanderten Juden, indem sie für sie einen Rahmen schuf, der allen genehm war. Die Wahrzeichen des Bundes wa-ren die Worte: Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht. Parteipolitik und Religions-streit wurden ausgeschlossen.

Aus diesem bescheidenem Zusammenschluß wurde im Lauf der Zeit die bedeutendste jüdische Organisation überhaupt. 1929 gehörten ihr 80.000 Brüder und Schwestern an, davon 15.000 in Deutschland, die heutige Mitgliederzahl des B’nai B’rith International wird auf 600.000 Mitglieder geschätzt. B’nai B’rith setzt sich mit großem Erfolg für die Rechte bedrohter Minderheiten und gegen Diskriminierung und Rassenhaß ein. Wohl-tätigkeit und Stärkung der jüdischen Identität durch Erziehung und Kultur gehören zum ständigen Aufgabenbereich.

Natürlich hat es, seit am 20. März 1880 die erste B’nai B’rith Loge in Berlin gegründet wurde, nicht an Aversionen und Agressionen gegen diese Logen und ihre Mitglieder gefehlt. Der völkisch-rassische Antisemitismus war um diese Zeit bereits in vollem Schwange und es macht beinahe den Eindruck, liest man die entsprechenden Publika-tionen, als hätte man geradezu auf das Phänomen jüdischer Freimaurer gewartet. Die-se Kombination wurde mit enormen Haßausbrüchen begrüßt. Andererseits waren auch nicht alle Juden von der Logen-Idee begeistert. Gerade in Deutschland trugen die In-tegrations- und Emanzipationsbemühungen nach Jahrhunderten der Verfolgung und Diskriminierung endlich erste Früchte. Der Patriotismus der deutschen Juden war mas-siv und lautstark. Viele Juden, gerade diejenigen, die Mitglieder der allgemeinen Frei-maurerlogen geworden waren, befürchteten eine erneute Ausgrenzung, wenn sie sich einer grenzüberschreitenden jüdischen Ideologie und Politik anschließen würden. Das-selbe galt übrigens auch im Verhältnis zum beinahe gleichzeitig entstandenem Zionis-mus, der jüdischen nationalen Befreiungsbewegung, die von der aus Überzeugung pat-riotisch gesonnenen Mehrheit der deutschen Juden abgelehnt wurde.

Leider erlaubt die Kürze der Zeit nicht, diese diffizilen und wichtigen Fragen mehr als nur anzudeuten. Nur eines noch: Dem jüdischen Freimaurer geht es nicht zuletzt um den Erhalt des überlieferten Judentums in einer weltweit humanistisch-fortschrittlich ge-läuterten Gesellschaft. Grundlage dafür ist dem B’nai B’rith-Bruder und der B’nai B’rith-Schwester die jüdische Religion, die vom Juden die Veredelung, bzw. Heiligung seiner Seele durch Eigeninitiative bei der Einhaltung der 613 positiven und negativen Gebote der Tora fordert.

Wenden wir uns nunmehr dem Kern unseres Themas zu: „Juden und Freimaurer in Nürnberg“.

Freimaurer in Nürnberg

Wir haben heute schon gehört, daß das Freimaurertum 1737 nach Deutschland kam. Bereits 1761 wurde in Nürnberg die Loge „Joseph zur Einigkeit“ gegründet. Das Frei-maurertum faßte in der altehrwürdigen Reichsstadt festen Fuß. Bis 1933 kamen hinzu:

die Logen • Zu den 3 Pfeilen • Albrecht Dürer • Luginsland • Zur Wahrheit,

der Freimaurerbund „Zur aufgehenden Sonne“ und der Freimaurerverein „Rat und Tat“. Das Zentrum freimaurerischen Lebens befand sich im Freimaurer-Logenhaus an der Hallerwiese 16.

Eine zusammenfassende Darstellung der Nürnberger Freimaurer-Geschichte bis auf die Gegenwart fehlt bedauerlicherweise. Es gibt jedoch zu vielen Einzelaspekten Lite-ratur und, was m. E. noch wichtiger ist, es gibt noch aktive Logen, wie die Loge „Lu-ginsland“, die keineswegs im geheimen wirken, sondern die man besuchen und ken-nenlernen kann.

Lange Zeit durchzog die deutsche Freimaurerei ein Riß. Es ging bezeichnenderweise um die Frage, ob Juden in die Logen aufgenommen werden können und sollen. Be-sonders in Preußen herrschte ein strikter Ablehnungskurs, das humanistische Ideal ei-ner brüderlichen Gemeinschaft jenseits von parteipolitischen und konfessionellen Grenzen war stark umkämpft. In Franken öffneten sich schon relativ früh manche Lo-gen auch für Juden. Vorreiter war wieder einmal die Loge „Joseph zur Einigkeit“. Zwi-schen 1861 und 1911 wurden 104 Juden in die Logen „Joseph zur Einigkeit“ (Nürn-berg), „Zur Wahrheit und Freundschaft“ (Fürth), „Libanon zu den drei Cedern“ (Erlan-gen), „Eleusis“ (Bayreuth) und „Morgenstern“ (Hof) aufgenommen.

Für die jüdischen Mitglieder war die Aufnahme in diese Logen, wie schon oben ange-deutet, ein Beweis für die gelungene Integration in die bürgerliche Gesellschaft und Volksgemeinschaft. Natürlich handelte es sich bei ihnen, wie bei den meisten anderen Logenbrüdern, um Teile des tonangebenden Bürger- und Honoratiorentums, man könnte auch sagen: der staatstragenden Kräfte. Die Logen zogen vor allem Akademi-ker, Beamte, Geistliche, Kaufleute und Industrielle an sich. Nürnberg war auf dem Weg zum führenden Industrie- und Handelszentrum Bayerns mit Ausstrahlung weit über die deutschen Grenzen hinaus. Die Freimaurer hatten daran starken Anteil, ohne das laut hinauszuposaunen. Man kannte eben noch keine „Public Relations“!

Den Freimaurern, somit auch den Nürnberger Freimaurern, eine „Männerbündelei der Oberen Zehntausend“ vorzuwerfen, ist rein polemisch, gerade in einem Land wie Deutschland, das – mit den Worten des Historikers Albert Bruer zu sprechen – schon immer „das Land der unerklärten Kartelle“ war. Das Bildungsbürgertum als Träger der Aufklärung und der Innovation hat sich von Anfang an nicht zuletzt aus den Kräften mehr oder weniger stillschweigender Übereinkünfte und Interessens-Koalitionen ge-speist. Dies gilt natürlich bis heute, einer Zeit, in der allgemein nur von Deutschland als einem „Parteien-Staat“ gesprochen wird. Ich bitte auch an dieser Stelle um Verständnis dafür, daß dieses Thema heute nachmittag nicht vertieft werden kann.

Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß am Vorabend des sogenannten Dritten Reichs 21 Logen und Ritterbündnisse in Nürnberg gezählt wurden. Darunter waren die beiden B’nai B’rith- Logen „Maimonides“ und „Jakob Herz“ und zwei Odd-Fellows-Logen, die beide, zufällig oder nicht, jüdische Vorsitzende hatten.

Freimaurer, Juden und ihre Gegner

Der Kampf und die ideologische und politische Macht im Deutschen Reich nach der Reichsgründung im Jahre 1871 war hart und schonungslos. Die Ausbildung des Natio-nalstaates im kolonial-imperialistischen Zeitalter brachte massive gesellschaftliche Ge-gensätze zum Vorschein. Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen trat in Deutsch-land auch eine aggressive völkisch-rassische Ideologie zu Tage, die sich in erster Linie gegen die Juden, aber mit nicht weniger Zorn und Eifer gegen die Freimaurer richtete. Hinter dem Vorwurf, „artfremde, vaterlandslose Gesellen“ zu sein, stand der offene Versuch, den Deutschen Nationalstaat auf dem Konstrukt einer nach Außen abge-schotteten Bluts- und Volksgemeinschaft zu gründen und sich dadurch gegen die Nachbarstaaten und Nachbarvölker abzugrenzen.

Die mit unglaublichem Tempo um sich greifende Industrialisierung und Veränderung der Gesellschaft im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ließ weite Kreise der Bevölke-rung orientierungslos und ökonomisch bedroht zurück. Nicht wenige, darunter auch zahlreiche Akademiker und Gewerbetreibende, suchten ihr Heil im Rassismus und im Verschwörungsfieber. Man sah das „Böse“, das „Undeutsche“ mitten im Volke wirken und herrschen und man kämpfte verbissen dagegen an. Es gehört, wenn Sie mir diese Bemerkung gestatten, neben der historisch viel zu späten Nationalstaatlichkeit, zu den Tragödien der deutschen Geschichte, daß die Selbstfindung des Deutschtums so häu-fig ex negativo stattfand. Man konnte nicht genau sagen, was „einen Deutschen“ aus-machte, aber wußte immer genau, was ein Deutscher nicht ist: kein Franzose, kein Slawe, kein Türke, kein Jude.

Der ganze Haß der in ihren Augen echten Deutschen galt, neben dem jeweils gegneri-schen Katholizismus oder Protestantismus, den Juden und Freimaurern. Die schmach-volle Niederlage im Ersten Weltkrieg, in dem Deutschland sich um seinen ihm zuste-henden „Platz an der Sonne“ betrogen sah, brachte diesen Haß vollends zum Aus-bruch. Im nachhinein gesehen, begann der Siegeszug des Nationalsozialismus nicht am 30. Januar 1933, sondern am 9. November 1918.

Juden und Freimaurer sollten das in der Stadt der Reichsparteitage schon früh zu spü-ren bekommen. Vom ersten Tag nach der sogenannten Machtergreifung an war nicht nur den Eingeweihten klar, was auf die Hauptfeinde der Nazis zukommen würde. Im Juli 1934 wurde das Logengebäude an der Hallerwiese 16 beschlagnahmt, das gesam-te Vermögen der schon vorher aufgelösten Nürnberger Freimaurerlogen auf Befehl des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, wurde zur Durchführung der Liquidation freigege-ben. Am 20. 3. 1937 schreibt Oberbürgermeister Willy Liebel an Heinrich Himmler und schlägt die Errichtung eines Logenmuseums an der Hallerwiese 16 vor. Wenige Wo-chen später erwirbt die Stadt Nürnberg das Gebäude und richtet das „Freimaurerlogen-Museum der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg“ ein. Der später dazu erschienene Museum-Führer liegt uns in Kopie vor.

Die aufgelösten Logen benennen sich um, z. B. in eine „Gesellschaft für deutsche Ethik e. V.“ und versuchen so zu überleben. Aus aktiven Logen werden „schlafende Logen“. Wie erwähnt, fehlt es bislang an einer gründlichen historischen Untersuchung. Deshalb kann ich Ihnen auch nicht erzählen, welche genauen Verluste an Menschen und Besitz die Nürnberger Freimaurer in der Nazizeit hinnehmen mußten. 1947 wird das seiner-zeit beschlagnahmte Logengebäude rückerstattet, bald darauf werden die Logen „Alb-recht Dürer“, „Zur Wahrheit“ und „Luginsland“ neu gegründet.


Jüdische Freimaurer in Nürnberg

Zwei B’nai B’rith-Logen gab es in Nürnberg: Die „Maimonides-Loge“ und die „Jakob-Herz-Loge“. Die „Maimonides-Loge“ wurde am 25. Januar 1903 als 546. Loge des Un-abhängigen Ordens B’nai B’rith, und als 57. Loge des deutschen Distrikts gegründet, die „Jakob-Herz-Loge“ am 20. November 1921 als 913. Loge und 84. des deutschen Distrikts. 23 volle Jahre seit 1880 hatte es gedauert, bis sich die Idee einer jüdischen Loge im stockkonservativen Nürnberger Judentum durchsetzen konnte. Die Namenge-bung der Maimonides-Loge ist kennzeichnend für die Gesinnung ihrer Gründer und Mitglieder. Moses Maimonides (eigentlich Moses ben Maimon), geb. 1135 in Cordoba, gest. 1204 in Kairo als geistliches Oberhaupt der dortigen Gemeinde und des Sulta-nats, galt und gilt als der herausragende Kodifikator des Religionsgesetzes und philo-sophischer Schriftsteller. Sich „Maimonides-Loge“ zu nennen war ein Zeichen von star-kem jüdischen Selbstbewußtsein und Stolz.

Rabbiner Dr. Max Freudenthal schreibt in seiner Chronik über die Israelitische Kultus-gemeinde Nürnberg 1874-1924: „Die Gründung einer Loge dieses Ordens stieß zu-nächst auf sehr starken Widerspruch, vor allem darum, weil Männer aus maßgebenden Kreisen der Gemeinde den Freimaurerlogen zugehörten und die Schaffung einer kon-fessionellen Loge ihnen für die bürgerliche Stellung der Juden nicht zuträglich schien. Selbst die Bemühungen angesehener und führender auswärtiger Mitglieder vermoch-ten diesen Widerstand bis 1903 nicht zu überwinden. So bildete sich denn aus ganz anderen Kreisen der Gemeinde heraus die Maimonides-Loge. Sie gewann schließlich so viele Mitglieder, daß am 20. November 1921 unter Führung von Dr. Freudenthal ei-ne zweite Loge gegründet wurde. Sie nannte sich nach dem berühmten und verdienten glaubensgenössischen Erlanger Mediziner Jakob Herz, Bayerns erstem jüdischen Pro-fessor. Jetzt setzten sich die Mitglieder beider Logen aus allen Kreisen der Gemeinde zusammen, ein großer Teil der Gemeindeverwaltung und der Führer der gemeindli-chen Vereinigungen besteht aus Logenangehörigen.“ Als Ergebnis der letzten freien Wahlen zur Vorstandsschaft der IKG Nürnberg im Jahre 1932 können wir allein aus der Maimonides-Loge 32 haupt- und ehrenamtliche Mitglieder in den Gemeindeorganen zählen. Die Logen waren zum Rückgrat jüdischen Lebens in Nürnberg geworden, auch die drei Brüder Katzenberger gehörten der Loge an.

Um so grauenhafter erging es ihnen, als die Nationalsozialisten endlich die Macht hat-te, ihre meistgehaßten Gegner auszuschalten. Ich zitiere aus Arnd Müllers „Geschichte der Juden in Nürnberg“: „Am 20. Juli 1933 wurden ungefähr 300 Juden, meistens Mit-glieder der Loge B’ne B’rith, aus den Häusern geholt und verhaftet. Sie wurden durch die Straßen geführt, geschlagen und schließlich nach einem SA-Sportplatz im Süden Nürnbergs gebracht. Unter ihnen waren mehrere mit 70 Jahren und mehr. Sie wurden zu den erniedrigendsten Arbeiten gezwungen und schließlich mußte eine Anzahl von ihnen mit den Zähnen Gras ausrupfen. Es wurde den Juden verboten, etwas darüber zu sagen. Ernst A. Noyner bestätigt, daß die Verhafteten Hundekot lecken mußten und noch anderen Mißhandlungen unterworfen wurden. Der Pogrom-Impresario war der SA-Oberführer v. Obernitz.“ Übrigens organisierte derselbe Herr auch die Vorbereitung und Durchführung der sogenannten Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938.

Nach dem Untergang des Nazi-Regimes ist keine jüdische Loge mehr in Nürnberg ent-standen.

Die Bnai B’rith-Logen besaßen sei dem 29.12.1929 ein prächtiges, 1889 erbautes, Lo-genhaus an der damaligen unteren Pirckheimerstr. 22. Sie hatten es für 100.000 Goldmark gekauft und im Jahre 1931 für Logenzwecke umgebaut. 1934 wurde es von der Polizeidirektion Nürnberg-Fürth beschlagnahmt und zunächst dem Kampfbund für deutsche Kultur gegen eine monatliche Entschädigung von 150 RM überlassen. Da über die Rechtsgültigkeit der Beschlagnahme, wie es in einer vertraulichen Mitteilung heißt, jedoch Zweifel bestanden, wurde ein Mietvertrag vermieden und der Verkauf des Hauses angestrebt. Die Logen „erklärten sich bereit, das Haus an die Stadt zu verkau-fen“, die es am 30.4.1934 erwirbt. Am 29.8.1934 wird es der Heeres-Standortverwal-tung Nürnberg-Fürth zur Unterbringung des neu zu errichtenden Divisionsstabes zur Miete übereignet und dieser am 1.1.1935 verkauft. Ab Februar 1938 ist der Reichsfis-kus (Heer) Eigentümer des Hauses.

Warum erzähle ich Ihnen das so ausführlich? Bis vor knapp zwei Jahren war ich, ganz so wie alle anderen Lokalhistoriker, überzeugt, daß dieses Gebäude, wie so viele an-dere auch, im Bombenkrieg vernichtet wurde. Wie wir heute, dank der Recherchen von Frank Pfann und Claus Petersen wissen, „verschwand“ das Logenhaus auf Grund ei-ner Straßenänderung gewissermaßen aus dem Stadtbild. Nach 1945 wurden die frühe-ren untere, mittlere und obere Pirckheimerstrasse schlicht zur Pirckheimerstrasse ver-einigt. Das Logengebäude befindet sich heute in der Pirckheimerstr. 16, ist im Besitz der Stadtmission und trägt den Namen „Julius-Schieder-Haus“. Viele von Ihnen kennen sicherlich das Haus, zumindest von außen. Daß dort seit Jahrzehnten eine wichtige und positive Arbeit für kranke Mitmenschen geleistet wird, ist das Eine. Das Andere ist die Tatsache, daß uns mit dem „Julius-Schieder-Haus“ das wichtigste bauliche Zeugnis des beinahe komplett untergegangenen Nürnberger Judentums – wenn wir einmal von den beiden jüdischen Friedhöfen absehen – erhalten geblieben ist. Bekanntlich sind beide große Nürnberger Synagogen vernichtet worden. Wenn ich recht unterrichtet bin, sucht die Stadtmission nach einem Weg, an diesen Abschnitt der Baugeschichte wür-dig zu erinnern.

Es würde viel zu weit führen, wenn ich jetzt versuchen würde an einzelne jüdische Freimaurer zu erinnern, die Großartiges für ihre Kultusgemeinde und für ihre Heimat-stadt Nürnberg geleistet haben. Wichtig ist mir vor allem daran zu erinnern, daß es sie einst gab. Jüdisch oder nicht, ich bin der festen Überzeugung, daß ohne sie diese Stadt eine ganz andere geworden wäre und sicherlich keine bessere. Die Schmach und das Leid, das ihnen angetan wurde, wird zu unserer eigenen Schmach, wenn wir sie vergessen würden.




Literatur über Freimaurer und Juden in der Sammlung IKG

Lassen Sie mich bitte zum Schluss wie versprochen auf die Literatur über Freimaurer und Juden in der Sammlung IKG zurückkommen. Wie Sie wissen, beherbergt die Stadtbibliothek Nürnberg seit langem eine umfangreiche Schriftensammlung, die früher einmal als „Stürmer-Bibliothek“ bekannt war. Sie wird seit einigen Jahren bearbeitet und neu katalogisiert. Diese Sammlung IKG – eine Dauerleihgabe der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg – umfasst sehr viele disparate Themenschwerpunkte. Dar-unter sind u. a. Schriften zur Religion, Kultur und Geschichte des Judentums (Judaica), antisemitische Literatur (Antisemitica), Schriften von und über Freimaurer (Masonica) und auch antifreimaurerische Titel. Einen kleinen Teil dieses Schrifttums habe ich Ih-nen heute mitgebracht, Sie können sehr gerne darin blättern und sich einen ersten Eindruck verschaffen. Bitte beachten Sie, dass sich in manchen Büchern kleine Zettel befinden, bitte lassen Sie diese Dinge in den Büchern, weil ihre Bearbeitung noch nicht abgeschlossen ist.

Es befinden sich heute schätzungsweise 1.000 Masonica in der Stadtbibliothek Nürn-berg, davon etwa 300 in der Sammlung IKG. Bis heute sind 74 Titel katalogisiert. Sie umfassen einen Erscheinungszeitraum von 1781 bis 1941. Welchen genauen Weg diese Schriften von ihren ursprünglichen Eigentümern zum Stürmer-Verlag genommen haben, lässt sich heute noch nicht sagen. Tatsache ist jedoch, dass mindestens ein großer Teil dieser Schriften, wie auch der Sammlung IKG überhaupt, verfolgungsbe-dingt entzogen, man kann auch sagen: geraubt, wurden. Wir bemühen uns auf ver-schiedene Weise um die Feststellung der ursprünglichen Eigentümer, um wo es geht eine Rückerstattung zu ermöglichen.

Die Freimaurerlogen haben, wie bereits erwähnt, schon sehr früh mit dem Sammeln von Masonica und der Einrichtung von Logen-Bibliotheken begonnen. Man kann ohne weiteres sagen, dass Freimaurerei und Bücher zusammengehören. Es besteht auch hier eine auffällige Parallele zum Judentum – der Religion des Buches – und zum Selbstverständnis jüdischer Gemeinden und Vereine. Natürlich gab es auch in Nürn-berger Logen Freimaurer-Bibliotheken. Über deren Bestand kann ich Ihnen leider heu-te keinen Aufschluss gebe. Es gab auch jüdische Bibliotheken, in der Kultusgemeinde und im Logenhaus. Spuren davon befinden sich noch in der Sammlung IKG. Erst vor kurzer Zeit ist ein Band mit dem Stempel „Bibliothek der Maimonides-Loge Nürnberg“ aufgetaucht. Es bleibt abzuwarten, was noch alles bei der Bearbeitung der Sammlung IKG zutage kommen wird.

Selbstverständlich hat die Stadtbibliothek seit 1945 immer wieder Literatur zur Frei-maurerei aufgenommen. Einerseits um die horrenden Verluste durch den Bombenkrieg auszugleichen, andererseits um dieses bedeutende Sammelgebiet nicht außer Acht zu lassen. In den letzten Jahren sind eine Reihe wichtiger Schriften zum Thema erschie-nen und bei uns ausleihbar. Überhaupt bietet die Stadtbibliothek sehr gute Möglichkei-ten, sich mit beiden heute angesprochenen Themen zu beschäftigen. Bitte kommen Sie zu uns, wir werden Sie bestimmt gut beraten!

Die Stadt Nürnberg und die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg sehen es als mora-lische und historische Verpflichtung an, das vorhandene Schrifttum zu pflegen und da-mit einen Beitrag zur Erinnerung zu leisten. Allerdings, erlauben Sie mir zum Abschluss noch die Bemerkung, allerdings erhält Erinnerung erst dann ihren eigentlichen Sinn, wenn aus ihr gelernt wird. So ergeht es mir täglich und ich hoffe sehr, dass der heutige Nachmittag Sie zum Nachdenken und Lernen herausfordern wird. Ich danke Ihnen sehr für Ihre große Geduld und Aufmerksamkeit.