NSDAP - Schulungsbrief

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Die Vergangenheit kennen, bedeutet nicht, sie zu verstehen

Das Kapitel freimaurerischer Geschichte in Deutschland, welches wir heute die "Dunkle Zeit" nennen, ist nur zu verstehen, wenn man über möglichst komplexe Informationen verfügt. Aber selbst dann ist es noch schwer, Entwicklungen nachzuvollziehen und sich vorzustellen, wie solche Situationen heute zu vermeiden wären. Es gibt in jüngerer Zeit einige wertvolle Buch-Neuerscheinungen, die dabei helfen können. Das Freimaurer-Wiki sieht seine Aufgabe u.a. darin, diese Publikationen zu komplettieren und ein umfassendes Arsenal an Dokumenten zusammen zu tragen, um weitere Forschungen und Publikationen zu ermöglichen. Wir sind ständig auf der Suche nach ergänzendem Archiv-Material und für jede Zustellung dankbar.

Das nachstehende Material dokumentiert einige Kriterien der Nazi-Demagogie gegen die deutschen Freimaurer. Wir veröffentlichen dieses überkommene Propagandamaterial wohlwissend, daß es leider auch heute noch Wirrköpfe in Deutschland gibt, die diese Pamphlete wortgetreu für eine abstruse Wahrheit nehmen. Nahrung für Konspirationsfanatiker bietet jedoch das gesamte Internet in unkontrollierbarer Fülle. Wir hoffen auf ein wissenderes Verständnis und eine Relativierung im Kontext des Gesamtmaterials unserer Dokumentensammlung "Dunkle Zeit".

"Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch" Seit vielen Jahren kennen die Deutschen diesen Satz von Bertolt Brecht. Er steht im Epilog des Theaterstücks "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui". Er kann in unserem Themen-Zusammenhang unverändert übernommen werden.


NSDAP - Schulungsbrief

Die Schrift "Die Freimaurerei, Weltanschauung, Organisation und Politik" von Dieter Schwarz (vielleicht ein Pseudonym) erschien 1938 als Sonderdruck der SS-Zeitschrift "Das schwarze Korps".

Die Broschüre erschien in schwarzem Einband mit eingelegter SS-Rune und war als Informationsblatt für Parteimitglieder gedacht. Die Schrift erschien in einer Auflage von 100 000 und kostete nur wenige Groschen. Erst nachdem die Archive der Freimaurerei durchgesehen und aufgearbeitet worden waren, erschienen solche Schriften u. a. auch mehrere von der SS geförderte Dissertationen.

Reinhard Heidrich schrieb als Chef der Sicherheitspolizei und des SD ein Vorwort, um der Schrift amtlichen Charakter und Autorität zu verliehen. Heidrich schreibt:

"Die Freimaurerlogen und ihr verwandte Organisationen, die unter jüdischer Oberleitung stehen haben lediglich den Zweck, die Menschen in scheinbar gesellschaftlicher Form zu organisieren und für die Zwecke des Judentums zu beeinflussen."

Die Schrift bemüht sich im Gegensatz zu den völkischen und NSDAP-Autoren wie Hasselbacher und Schneider um Sachlichkeit. Sie verzichtet auf die Weltverschwörungstheorie "Freimaurer und Juden". Sie beschreibt die Verbindung zwischen Freimaurern und Juden möglichst sachlich. Den christlichen Großlogen wird vorgeworfen, dass sie die "Judenfrage" nicht als "Rassenproblem" behandelt hätten, wodurch sich ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen Freimaurerei und Nationalsozialismus ergebe. Damit sei das Logenverbot unumgänglich gewesen.

Der 1939 veröffentlichte "Schulungsbrief", der in einer Auflage von fünf Millionen erschien, war dagegen ein Propagandamittel, das an Parteimitglieder und die Wehrmacht verteilt wurde. Als Geleitwort wurde ein Satz aus Adolf Hitler "Mein Kampf" vorangestellt, das einleitende Vorwort hatte Reinhard Heidrich verfasst. Er schreibt dort:

"Gleichzeitig aber wurde der Kampf gegen jene Mächte aufgenommen, die unter geschickter Tarnung im Dienst des internationalen Judentums stehen, hier vor allem die Freimaurerei."

Reinhard Heidrich war ein Judenhasser und Verfolger der Freimaurerei auch lange nach ihrem Verbot 1935.


Weitere "Schulungsbriefe" und Anti-Freimaurer-Propaganda

Siehe auch

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