Rezension: "Schloss Rosenau im Waldviertel" von Rudolf Siegfried Zappe
Rezension: Schloss Rosenaus im Waldviertel
Mehr als ein umfassender Führer zum Freimaurerschloss Rosenau
Schloss Rosenau im Waldviertel Geschichte – Bau- Geheimnisse 250 Seiten, Eigenverlag (office@zappe-art.at), Mauthausen 2025
Eine Rezension von Thomas Vindo
Das über 250 A4-Seiten starke Werk des Regionalhistorikers Rudolf Siefried Zappe über das „Schloss Rosenau im Waldviertel“ bietet umfassend und detailreich, was es im Untertitel „Geschichte – Bau – Geheimnisse“ verspricht.
Das Fehlen der Freimaurerei im Titel mag auch Freimaurerei-adverse Leser*innen zum Griff zu diesem Buch ermutigen. Dennoch ist die Freimaurerei – im Allgemeinen, in ihrer Geschichte, ihren (auch Hoch-)Graden, ihrer Ausbreitung in Österreich (bis heute) und darüber hinaus, vor allem auch in Rosenau – Hauptinhalt des vorliegenden Werkes. Ist doch der Rosenau-Tempel der älteste erhaltene in Kontinentaleuropa und lt. Zappe „gehört die sicherlich im Hochgrad betriebene Loge (eigentlich ein Kapitel) im Schloss Rosenau nach Expertenmeinung zu den ältesten am europäischen Kontinent.“ Und kann der Autor auch darauf zurückgreifen, dass er „sich zeitweilig einer regulären niederösterreichischen Loge angeschlossen“ hatte.
Zappe bietet detaillierte Informationen zum Gebäude ab dem 12. Jahrhundert, dem Barock-Schloss, dessen Umgestalter Leopold Christoph Graf von Schallenberg sowie den „Geheimnissen“ des Schlosses, wie auch zur Freimaurerei, den Logenraum (Tempel) und die mögliche Loge im Schloss. Er gibt tiefe Einblicke nicht nur in eine große Anzahl von Themen, sondern dies auch unter Beiziehung einer Unzahl von Disziplinen. Der Autor seziert gewissermaßen alle Rosenauer Grundriss- und Baupläne, sowie Architektur-, Fresken und Bilderdetails auf deren Inhalte und – maurerische – Symbolik. Auch auf die abseits vom Schloss unter Schallenberg errichtete Bauten – u.a. den Obelisken und die sogenannte „Steinpyramide“ – und deren maurerische Symbolik geht das Buch ein, auf die auch in den religiösen Darstellungen in der Schlosskapelle / Pfarrkirche hingewiesen wird. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis sowie Zeitzeugenberichte aus dem 20. Jahrhundert ergänzen die vorliegende Arbeit sinnvoll.
Im Buch wird neben dem Barockschloss und dessen prominente künstlerische Ausgestalter vor allem dessen Umgestalter in seinen herrschaftlichen, religiösen und freimaurerischen Funktionen porträtiert. Die Schaffung einer eigenen Pfarre, einer Schule und eines Spitals spiegle die Geisteshaltung des Schlossherrn wider. Er habe durch den Umbau des Schlosses „sein persönliches Utopia, ein einzigartiges Gesamtkunstwerk und insgeheim eine allegorische Nachbildung des Tempels Salomos geschaffen.“
Zur Loge, falls es eine ständige in Rosenau gegeben haben sollte - was vorstellbar ist -, vermeint Zappe v.a. aufgrund von Darstellungen auf der Kaminabdeckplatte im Vorraum zum Tempel „Schottenmeister“- und eventuell auch Adoptionsritus-Elemente nach Harodim-Tradition identifizieren zu können. Schallenberg könnte dieses Wissen bzw. die entsprechenden Kontakte von seiner denkbaren Kavalierstour (in Frankreich, den österreichischen Niederlanden und eventuell auch England) mitgebracht haben. Allerdings müsste diese wohl vor seiner Heirat im Jahr 1735 erfolgt sei, was einige Fragen aufwirft. Die mögliche Loge habe er lt. Zappe um 1747 gegründet, möglicherweise in seiner Eigenschaft als Schottenmeister mit Recht auch im Alleingang. Allerdings gibt es zu ihr keinen überlieferten Namen noch andere Dokumentation.
Sicherlich erhielten die freimaurerischen Aktivitäten Schallenbergs, der ab 1740 am Wiener Hofe stufenweise zum k k Kämmerer, k k Geheimrat, k k Obriststäbelmeister, k k Oberstäbelmeister und schließlich zum Landmarschall der niederösterreichischen Landstände aufstieg, durch das „Freimaurer-Patent“ und die späteren Verfolgungen des Bundes einen entsprechenden Dämpfer. Daher habe er sich gezwungen gesehen, „zwischen 1785 und 1795 seine Hochgrad-Loge aufzulösen.“ Ob Mitglieder der 1743 militärisch ausgehobenen und offiziell aufgelösten Wiener Loge „Aux Trois Canons“ oder Mozart auf seinen Reisen nach/von Prag im Rosenauer Tempel maurerisch tätig waren, muss mangels bekannter Quellen Spekulation bleiben.
Zum Freimaurerschloss Rosenau und seiner Loge fehlen viele historische Quellen. Weder die Gründung noch der Name noch das Ritual noch die Mitglieder noch die Aktivitäten dieser „Schallenberg-/Rosenau-Loge“ sine nomine sind bekannt – falls sie überhaupt eine organisierte ständige Einrichtung war. Daher ist auch Zappe vor allem auf die deutlich und umfangreich die Freimaurerei abbildenden architektonischen Zeugnisse angewiesen. Und er bietet darauf aufbauend wie auch unabhängig davon viele Spekulationen zu dieser „Hochgradloge“ an, welche einer näheren historischen Prüfung bedürfen.
Dennoch ist das vorliegende Werk auch wegen seiner Breite der behandelten Themen sowie Tiefe deren Ausleuchtung für Rosenau- und Freimaurerei-Interessierte äußerst lesenswert. Es ist fähig, einerseits Rosenau- und Lokalgeschichte-Interessierte in die Freimaurerei umfassend einzuführen und anderseits Freimaurerei-Interessierte nicht nur viele Details des Schlosses Rosenau, sondern auch einige spannende Aspekte der Frühzeit, frühen Symbolik und frühen „Hochgraden“ der Freimaurerei näherzubringen.

