Rezension: Robert Lomas - Freemasonry after Covid-19

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Das Buch erschien im Frühjahr 2021, also mitten in der weltweiten Corona-Pandemie, die schon ein Jahr angedauert hatte. Bis Impfstoffe entwickelt werden konnten, behalfen sich die Staaten mit Lockdowns, also mit gesetzlich vorordneten weitgehenden Kontaktbeschränkungen, damit die Ansteckungen nicht explodierten. Davon waren natürlich auch die Freimaurerlogen betroffen: Ab dem Frühjahr 2020 war es für ihre Mitglieder mehr als ein Jahr lang nicht mehr möglich, einander zu rituellen Arbeiten oder sonstigen Veranstaltungen zu treffen. Als Ersatz setzten sich bei vielen Logen Online-Meetings durch, bevorzugt mit dem Programm "Zoom". Vor diesem Hintergrund schrieb Robert Lomas sein Buch, das sich ausschließlich auf die englische Freimaurerei bezieht, auf ihre Situation in der Pandemie aber darüber hinaus auch ganz allgemein auf ihre Entwicklung seit dem späten zwanzigsten Jahrhundert.

Rudi Rabe: Eine Analyse der englischen Freimaurerei

64 Seiten in englischer Sprache mit dem Untertitel: „A Guide to Help Your Lodge Recover After the Covid-19 Pandemic.“ Deswegen hätte ich das Buch nicht unbedingt gelesen. Aber ich habe in der Vorauswahl bemerkt, Robert Lomas, von dem es eine Reihe von Freimaurerbüchern gibt, beschreibt darin engagiert und pointiert auch seine Sicht auf den aktuellen Zustand der englischen Freimaurerei schlechthin, also unabhängig von der Pandemie. Und diese seine Sicht ist betrüblich. Von Rudi Rabe.

In dieser Rezension versuche ich, Robert Lomas’ Darstellung zusammenzufassen. Auf den Punkt gebracht lautet sie: Die englischen Logen verlieren seit Jahrzehnten Mitglieder, weil sie zu viel Dining und zu viel Charity machen - und zu wenig Suche nach persönlichen Wahrheiten bieten („philosophy of truth“). Die Konzentration auf Dining und Charity mag in früheren Zeiten sinnvoll gewesen sein, doch dafür gebe es inzwischen Institutionen, die das besser können. Hingegen werde die Suche der Menschen nach sich selbst, die heute sehr gefragt ist, von der (englischen) Freimaurerei zu wenig gefördert, obwohl das eigentlich ihr USP wäre: ihre Unique Selling Proposition. Kein Wunder - so Robert Lomas - dass die Mitgliederzahlen in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen sind: von mehr als 300.000 in den Jahren um 1990 auf die Hälfte um 2020.

Robert Lomas hat in sein Buch eine Reihe von statistischen Kurven eingebaut, die seine Sicht auf die numerische Entwicklung unterstreichen. Zwei davon:

So entwickelte sich die Zahl der Brüder in England seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Den scharfen Plumps in den 1990er Jahren führt Robert Lomas außer auf die beschriebenen grundsätzlichen Schwächen auch auf Bücher zurück, in denen die Freimaurerei mit großem Erfolg attackiert wurde. Vor allem: Stephen Knight, „The Brotherhood“ (1988). Darin werden die Logen als reine „Freunderlwirtschaft“ zum eigenen Vorteil und zu Lasten der Gesellschaft dargestellt. Außerdem wird insinuiert, dass die Brüder so etwas ähnliches wie Teufelsanbeter seien, bis hin zur Unterstellung, dass sie vom russischen Geheimdienst KGB kontrolliert würden. - Die Bücher hatten großen Nachhall. Ihr Inhalt fand Eingang in die politische Diskussion mit den entsprechenden Schäden für die Bruderkette.
Als die Mitgliederzahlen um 1990 begannen, stark zu sinken, propagierte man Mehrfachmitgliedschaften, um die Zahl der Logen einigermaßen halten zu können. Dennoch reduzierte sich deren Größe. Und die Mehrfachmitgliedschaften haben laut Robert Lomas den Nachteil, vor allem die älteren Logen personell und auch materiell auszuzehren, so daß sich manche ihre Logenhäuser kaum mehr leisten können. Es gebe inzwischen zu viele Logenhäuser, schreibt der Autor. Sein Rezept: Entweder rekrutieren wir mehr junge Freimaurer aus den gesellschaftlichen Schichten, die uns einmal nahestanden, oder wir fusionieren Logen - was wiederum bedeutet, Logenhäuser aufzugeben … macht nichts, in alten Zeiten haben wir einander ja auch in Gasthäusern und Tavernen getroffen, erinnert er seine Leser dann an die Anfänge der Freimaurerei.


Robert Lomas’ Rezept: Um mehr Nachwuchs zu gewinnen, müssten sich die Logen auf die Stärken der freimaurerischen Idee besinnen. Was unterscheidet uns von allen anderen Charity-Organisationen und Bruderschaften? Dass wir mit Hilfe alter Mythen und Symbole die Wahrheit über uns selbst ergründen können. Früher einmal war uns dieses vornehme Ziel ganz wichtig, aber heute seien die Logen zu schrumpfenden Diningclubs für ältere Männer oder zu Vehikeln für karitatives Tun geworden, und das auch noch mit weniger Ansehen von außen.

Robert Lomas macht viele detaillierte Vorschläge, und schließlich endet sein Buch auf der Seite 64 so: Die Covid-Pandemie zwingt uns zu pausieren und über unsere Lage nachzudenken. Wenn wir uns für das 21. Jahrhundert nicht neu erfinden, wird die Freimaurerei sterben. Ich hoffe sehr, dass ich mich irre, weil mich dieser Gedanke sehr traurig macht.


The Masonic Tutor’s Handbooks - Robert Lomas - Volume 2 - „Freemasonry after Covid-19“.
Dowager Books - Web of Hiram Publications: https://webofhiram.org - ISBN: 9798721123085

Das Buch ist der zweite Band in der Reihe „The Masonic Tutor’s Handbooks“. Titel Band 1: „The Duties of the Apprentice Master“ - auch von Robert Lomas.

➤ David Harrison: Freemasonry after Covid

In his new book, Robert Lomas is in his element with statistics, graphs and projections, all of which he uses to predict how the current pandemic will effect Freemasonry. Indeed, the statistics and graphs reveal how the membership of English Freemasonry experienced a boom time after World War II, reaching a peak in the early 1990s, only to fall as the society grasped to find an identity in a modern world.

Why did this happen? Lomas presents a number of events that ultimately effected the decline of membership, one of them being the publication of The Brotherhood by Stephen Knight, a book that was published in 1984 and became a best seller, tarnishing the image of Freemasonry, particularly in England. Of course, the publication of The Brotherhood was part of the growth of anti-Masonic feeling that emerged around the early 1980s after the murder of Italian banker Roberto Calvi, who was found hanged under Blackfriars Bridge in London in 1982, Calvi being associated with the infamous P2 Lodge in Italy.

The graphs that Lomas presents show the drop in overall new membership, and of course, as we reach 2020, the line in the graph freefalls to zero as there have been no new members as we haven’t met (or at least the majority of us haven’t met – some lodges managed to meet in late Summer and in September under the rule of six). So, with no new members coming in, and with some of the elderly brethren passing to the Grand Lodge above, and some brethren leaving altogether, we have an obvious hastening of the decline in numbers.

Lomas does give us a glimmer of hope; if Freemasonry can adapt quickly, using the now common zoom meetings to provide what he terms as hybrid lodge meetings, so the elderly, or more vulnerable brethren could participate at home, while the younger brethren work in the lodge, and perhaps more lodges meeting during the summer months when Covid numbers are low, may help to keep lodges open and Brethren active.

Lomas presents ideas on how to educate new members and to keep them engaged, and to celebrate and promote Freemasonry’s more esoteric values. In short, Lomas urges that Freemasonry needs to reassess itself and become a beacon of Truth and Light in a world that needs it more than ever.

Dr David Harrison is a Masonic historian and leading academic expert on the study of Freemasonry. He has lectured at the University of Liverpool and Hope University, and has worked as an archaeologist, specializing in industrial archaeology in England.

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