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Zur Weltbruderkette im Vest

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Inhaltsverzeichnis

Loge Zur Weltbruderkette im Vest, Recklinghausen - Weltoffenheit als Programm

Festschrift anlässlich "Freimaurer Ruhr 2010, von Harry Schröter

Quellen: Website der Freimaurer Ruhr 2010

Der Welt eine Bruderkette – Geschichte

Die Entwicklung der deutschen Freimaurerei seit der ersten Gründung einer deutschen Loge in Hamburg 1737 verlief zunächst recht stürmisch. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die meisten der noch heute existierenden Logen ins Leben gerufen. Bedingt durch nationalistische Entwicklungen, die ihren Anfang Ende des 19. Jahrhunderts nahmen, geriet dann die Freimaurerei, die ja prinzipiell multinational und nicht religiös ausgerichtet ist, in die Defensive. Beispiele dafür geben die drei deutschen Kaiser zwischen 1871 und 1918: Während Wilhelm I. und Friedrich III. noch Großmeister und Protektoren ihrer jeweiligen Großlogen waren, wurde Wilhelm II. nicht nur kein Freimaurer, er machte sogar die internationale Freimaurerei verantwortlich für den Zusammenbruch der beiden Kaiserreiche Hohenzollern und Habsburg nach dem I. Weltkrieg. Er bereitete damit auch den Zusammenbruch der deutschen Freimaurerei vor, die 1935 von der nationalsozialistischen Regierung verboten und in den darauf folgenden Jahren abgewickelt wurde.

Obwohl die nationalsozialistische Regierung nur 12 Jahre an der Macht war, konnte der unselige Einfluss, den sie und ihre Gesinnungsgenossen auf die Freimaurerei ausübten, nicht mit der Niederlage Deutschlands 1945 beendet werden.

Die westdeutschen Freimaurer waren zwar schon bald wieder in der Lage, in den Westzonen zu arbeiten, aber konnten niemals an die große Zeit der Freimaurerei vor den beiden Weltkriegen anknüpfen. Logen in der damaligen sowjetischen Besatzungszone blieb die Wiedereröffnung ohnehin versagt; erst 1989, nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Gewaltherrschaft über Ostdeutschland und Osteuropa, etablierte sich dort wieder freimaurerisches Leben.

Im Ruhrgebiet, der bevölkerungsreichsten Region Deutschlands, existierten – verglichen mit anderen Metropolen zum Beispiel Hamburg oder Berlin – selbst in der Hochzeit der Freimaurerei nur wenige Logen, Diese änderte sich auch nach dem II. Weltkrieg nicht.

Heute existieren im Ruhrgebiet 12 Logen, die der Vereinigten Großloge von Deutschland (dem Dachverband der Großlogen wie z.B. der AFuAM) angehören. In Hamburg, eine Stadt mit gerade einmal 1,4 Millionen Einwohnern deutlich kleiner als das Ruhrgebiet, gibt es insgesamt 36 Logen, die der Großloge angeschlossen sind. Es ist deshalb unzweifelhaft richtig, das Ruhrgebiet nicht als die Herzkammer der deutschen Freimaurerei zu bezeichnen, es zählt eher zu den weniger bedeutenden freimaurerischen deutschen Landschaften.

Umso bemerkenswerter ist die Neugründung unserer Loge in Recklinghausen 1987, passt diese Neugründung doch gar nicht in das Bild der jahrzehntelangen Abwärtsentwicklung in der deutschen Freimaurerei. Auch war Recklinghausen selbst niemals schon Stätte einer Freimaurerloge gewesen; es war geprägt von einem traditionellen Katholizismus, der bis weit in das 19. Jahrhundert eine Art geistiger Monokultur für diese Stadt begründete. Die erste evangelische Kirche Recklinghausens, die Gustav-Adolf-Kirche, wurde in 30er Jahren des 19. Jahrhundert noch außerhalb der alten Stadtmauern erbaut. Es ist darum nicht verwunderlich, dass Freimaurer hier selbst in der besten Zeit der Logen nicht heimisch werden konnten.

Die Neugründung unserer Loge geschah auch vor allem von Brüdern, die wohl in der Nähe Recklinghausens wohnten, sich aber in der Regel nicht als eigentliche Recklinghäuser bezeichnen konnten. Die Entscheidung, die Loge in Recklinghausen zu beheimaten, wurde getroffen, weil Recklinghausen das Verwaltungszentrum des entsprechenden Kreises war, aber nicht, weil aus ihr besonders viele Gründungsmitglieder stammten.

Auch heute besteht ein eher distanziertes Verhältnis zwischen der Loge und Recklinghausen; eine Einbindung in das kulturelle Leben dieser Stadt wird von der Loge weiter angestrebt, ist aber noch lange nicht in der Weise erreicht, dass sie sich den Prinzipien unseres Vereins entsprechend als natürlicher Bestandsteil des bürgerlichen Lebens in Recklinghausen widerspiegeln würde. Eine Teilnahme der Loge an den Veranstaltungen der Ruhrfestspiele im Rahmen des Projekts Ruhr.2010 wurde beispielsweise von den Verantwortlichen der Ruhrfestspiele abgelehnt.

Dennoch gab und gibt es auch positive Signale in den wechselseitigen Beziehungen. Nach Gründung unserer Loge am 27. September 1987 im städtischen Saalbau erlaubte die Stadt Recklinghausen, die dortigen Räume bis zur Schließung im Jahre 2000 für unsere Arbeiten zu nutzen und ermöglichte zudem durch geringe finanzielle Forderungen eine stabile Arbeitsgrundlage. Auch fanden 1987 und 1999 im Saalbau zwei große Freimaurerausstellungen statt, die der Recklinghäuser Bevölkerung die Möglichkeit gaben, Freimaurerei kennen zu lernen.

Gerade der städtische Saalbau, ein geschichtsträchtiger Platz in unserer Stadt, war eine vorzügliche Stätte freimaurerischen Arbeitens für uns gewesen. Hier wurden viele Gästeabende veranstaltet, größere Feiern durchgeführt; und immer stimmte der Rahmen, den uns dieses Gebäude gab.

Umso niederschmetternder war dann die plötzlich Schließung des Saalbaus, weil er aktuellen Brandschutzgesetzen nicht mehr entsprach. Buchstäblich von Heute auf Morgen mussten neue Räume gesucht werden und es begann die Zeit der Heimatlosigkeit für die Recklinghäuser Brüder.

Zunächst wurde im Bürgerhaus Süd gearbeitet, dessen Atmosphäre aber unseren Ansprüchen nicht genügte. So wurden für einige Zeit die feierlichen Tempelarbeiten in den Räumlichkeiten der Herner Loge durchgeführt, bis mit der Verwaltung des Menuhin Hauses in Marl eine Vereinbarung getroffen wurde, dieses Haus für die Logenarbeiten zu nutzen. Obwohl nur für kurze Zeit in Marl gearbeitet wurde, blieb diese Episode den Brüdern unserer Loge in guter Erinnerung. Die Gästeabende in Marl waren immer gut besucht, die Diskussionsfreudigkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber Freimaurerei innerhalb der Marler Bevölkerung war bemerkenswert.

Dennoch wurde ein abermaliger Wechsel der Räumlichkeiten notwendig, da die jeweiligen Auf- und Abbauten zu den festlichen Tempelarbeiten einen großen logistischen Aufwand bedeuteten. So fiel Ende des Jahres 2000 die Entscheidung, Räume in Recklinghausen zu erwerben, um endlich eine bleibende Stätte freimaurerischen Schaffens zu erhalten. Im Frühjahr 2001 gelang dann nach Kauf und Umbau der Umzug in unser jetziges Domizil in der Recklinghäuser Innenstadt.

Hier arbeiten die Recklinghäuser Freimaurer jeden Dienstagabend. Sie empfinden sich nun besser zugehörig zu der Stadt, in der sich ihr Logengebäude befindet, zu den Bürgern dieser Stadt, die durch regelmäßige Gästeabende auch eine Bereicherung der kulturellen Landschaft Recklinghausens erleben dürfen, zu den Bürgern des Kreises Recklinghausen, die nun nicht mehr in die alten Zentren des Ruhrgebietes fahren müssen, um Freimaurerei zu erfahren.

Aufgaben

Dennoch war der Anspruch der Logengründer größer, als nur im Kreis Recklinghausen zu wirken. Die Loge heißt Zur Weltbruderkette im Vest, das Logo oder Bijou unserer Loge zeigt die Weltkugel, den Globus, um den eine Kette der Brüderlichkeit geschlungen ist.

Schon sehr früh entstanden Kontakte zur Freimaurerloge De Schakel der Stadt Dordrecht, der holländischen Partnerstadt Recklinghausens. Regelmäßige gegenseitige Besuche führten dazu, dass holländische Brüder in unserer Loge angenommen wurden und nun ein aktiver Teil unserer Bruderschaft geworden sind.

Auch nach England wurden fast gleichzeitig Verbindungen geknüpft. Eine enge Verbundenheit ist zur Loge Meridian in Stockport bei Manchester in den letzten 20 Jahren gewachsen, auch dieser Loge gehören Recklinghäuser Brüder durch Doppelmitgliedschaft an, so wie englische Brüder Mitglieder unserer Loge sind.

In den letzten Jahren konnten weitere Partnerschaften zur Loge Geft U Self in Breda sowie der Loge in Plovdiv in Bulgarien initiiert werden. Insgesamt sind es vier ausländische Loge, zu der die Recklinghäuser Freimaurer engen Kontakt haben. Sie entsprechen damit der Forderung unserer Gründungsväter, eine Weltbruderkette zu bilden und immer über den Tellerrand der eigenen freimaurerischen Heimat hinauszublicken. Nimmt man dazu die Gesamtzahl der insgesamt arbeiten Brüder in dieser Stadt, zeigt sich, wie intensiv die Arbeit sein muss, um diesen Vorstellungen und Prinzipien Rechnung zu tragen: Kaum zwanzig Brüder zählt die Recklinghäuser Loge, und sie ist damit auch über 22 Jahre nach ihrer Gründung immer noch eine der kleineren Logen im Ruhrgebiet.

Obwohl eine zweite Aufgabe, die die Arbeit der Loge prägt, die Forderung nach mehr Öffentlichkeit ist, wächst die Zahl unserer Mitglieder nur leicht.

Öffentlichkeit und Freimaurerei

Dabei begann gerade unsere Öffentlichkeitsarbeit mit einer intensiven Auseinandersetzung innerhalb der ganzen deutschen Freimaurerwelt: Im Februar 1988 erschien ein großer Artikel über Freimaurerei im Magazin GEO. Der Titel lautete: Ehrenmanns Bruderbund. Darin wurde ausführlich über die damals letzte Neugründung einer Loge in Deutschland berichtet. Und das war zu diesem Zeitpunkt die Recklinghäuser Loge Zur Weltbruderkette im Vest.

Es wurden Bilder der Logenarbeit veröffentlicht, es wurde der Tempel gezeigt und Brüder photographiert, die eine Tempelarbeit in freimaurerischer Kleidung durchführten. Heute mutet es uns unwirklich an, wie damals diese Veröffentlichung eine so große, oftmals auch persönlich schmerzende Diskussion über Offenheit und Verschwiegenheit innerhalb der Freimaurerei auslösen konnte. Die deutsche Freimaurerei musste sich damals entscheiden, wie weit sie sich gegenüber Nichtfreimaurern, so genannten Profanen, öffnen wollte, um aus Unkenntnis herrührende Vorbehalte zu überwinden.

Es gelang, diese Diskussion zu einem guten Ende zu bringen. Der Anstoß, den dazu die neue und kleine Loge in Recklinghausen gegeben hatte, wirkte noch lange nach und man musste als Recklinghäuser Bruder über viele Jahre bereit sein, bei Besuchen in anderen Logen auf viele Fragen Rede und Antwort zu stehen, die die dortigen Brüder an uns stellten.

Recklinghausen war ab sofort in der deutschen Freimaurerschaft bekannt und akzeptiert. Diese Loge hatte gleich zu Beginn ihrer Geschichte etwas bewegt und der deutschen Freimaurerei zum Aufbruch aus Verkrustungen verholfen, die wie Panzer das freimaurerische Leben einengten.

Forderungen an eine moderne Freimaurerei

Freimaurerei in einer offenen Gesellschaft muss bereit sein, sich dieser Gesellschaft und ihren Fragen zu stellen. Freimaurerei im Deutschland des beginnenden 21. Jahrhunderts hat kein Recht, sich in einem Elfenbeinturm zu verstecken und sich dem wirklichen Leben zu entziehen. Sie muss Antworten finden auf Fragen ihrer Daseinsberechtigung, sie muss Stellung beziehen zu Unrecht und Unterdrückung, unter denen sie selbst bis zur fast gelungen Vernichtung gelitten hatte.

Es reicht nicht, zu wissen, dass man Gutes tun und bewirken möchte, es reicht nicht, im Bewusstsein einer stabilen demokratischen Verfassung im Vertrauen auf die Unveränderlichkeit einer liberalen und demokratischen Ordnung sein eigenes Süppchen zu kochen. Diese Bedenkenlosigkeit nährt die falschen Entwicklungen, die schon erneut in eine andere und undemokratische Ordnung gehen wollen. Freimaurerei muss – auch im Bewusstsein der Geschichte Europas – immer in gesellschaftliche Strukturen eingebunden sein; die Logen müssen Orte des geistigen Austausches von Gleichgesinnten bleiben, die dann – gestärkt durch diese geistige Arbeit in der Loge – in der Öffentlichkeit die Positionen einer humanen, toleranten aber auch gegenüber ihren Feinden widerstandsfähigen Gemeinschaft vertreten können.

Diese Grundzüge der freimaurerischen Arbeit vertraten unsere Gründungsväter im besonderen Maße und wagten es auch, in einer Stadt in der freimaurerischen Diaspora eine Loge zu gründen und zugleich eine Öffentlichkeitsarbeit zu beginnen, die ihresgleichen suchte. Immer war und ist man bereit zum brüderlichen und gesellschaftlichen Diskurs, immer war und ist man bereit, etwas mehr zu leisten, als vielleicht ausreichend wäre, um Menschen außerhalb der Logen zu erreichen und für die Arbeit in der Maurerei zu begeistern, immer war und ist das Credo der Recklinghäuser Loge, der Nationalität der Logenstrukturen zu entsagen und Verbundenheit zu ausländischen Logen zu pflegen.

Dass wir heute in einer demokratischen Gesellschaft frei leben dürfen, verdanken wir leider nicht Bürgern dieses Volkes, sondern unseren damaligen Feinden, die es uns ermöglicht hatten, nach einem an Grausamkeit nicht mehr zu überbietendem Völkergemetzel einen Neuanfang trotz allem zu wagen. Wir haben in der Zeit des Nationalsozialismus gesehen und schmerzhaft erfahren müssen, wie schnell vermeintlich stabile Strukturen sich auflösen konnten und der Barbarei keinen Widerstand entgegensetzen vermochten.

Es soll uns immer bewusst sein, unsere Freiheit nicht durch uns selbst, sondern durch andere erreicht zu haben. Niemand kann in die Zukunft schauen. Aber wenn es erneut dunkel werden sollte in unserem Land, auf unserem Kontinent, dann sind wir Freimaurer, verbunden mit anderen freiheitsliebenden Gruppen, aufgefordert, unseren Anteil an der Verteidigung dieser Gesellschaftsordnung zu leisten. Dieser Aufgabe müssen wir uns gewachsen zeigen. Dazu bedarf es nicht großer Logenhäuser und großer Mitgliederzahlen. Was die Freimaurerei also braucht, ist keine Quantität, die oftmals nur eine Zahl ist, sondern Qualität, die Format hat.

Vielleicht ist dieses auch ein Grund, warum nach dem II. Weltkrieg die Zahl der Freimaurer in Deutschland so niedrig blieb und die Recklinghäuser Loge, die ja nun schon seit über 22 Jahren existiert, über lange Zeit die letzte Neugründung einer Loge im Ruhrgebiet blieb. Zwischenzeitlich sind die beiden Frauenlogen und die englischsprachige Loge Forget Me Not dazu gekommen. Dennoch sind sich die Recklinghäuser Brüder sicher, dass ihre Arbeit eine positive Ausstrahlung auf das gesellschaftliche Leben dieser Stadt hat und mit dazu beiträgt, dass Recklinghausen weltoffen und liberal Heimstatt von Menschen unserer Geisteshaltung bleiben wird.

Kontakt

Loge Zur Weltbruderkette im Vest
Herzogswall 39
45657 Recklinghausen

Siehe auch

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