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Über den schwärmerisch-spekulativen Ideen sind die Tendenzen naturwissenschaftlichen Denkens nicht zu vergessen, die sich in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts immer stärker durchsetzen; sie werden zunehmend wichtiger für das sich herausbildende Selbstverständnis der humanitären Maurerei. Bacon, ein Herold der Zeitenwende, stellt seine antischolastische Philosophie in den Dienst fortschreitender Kultur und Aufklärung, die er mit fortschreitender Herrschaft des Menschen über die Natur gleichsetzt. Empirisches Studium der Tatsachen, das sich an Experimenten orientiert, zwingt die Natur dazu, die vom methodischen Beobachter an sie gerichteten Fragen zu beantworten. Gott und die Unsterblichkeit der Seele bleiben wissenschaftlicher Erkenntnis entzogen. Sie sind Sache des Glaubens. Andererseits entrichtet Bacon dem alchemistischen Zeitgeist einen gewissen Tribut; er verehrt die Weisheit der Kabbala, weshalb seine Schriften rosenkreuzerische Motive enthalten. <sup>238</sup>
  
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Mit den Rosenkreuzern verbindet Bacon die Abneigung gegen den Papismus, Gewissenszwang und konfessionelle Eiferer; ihnen gegenüber hat der Staat seine Selbstständigkeit zu wahren. Erwähnenswert als Keimform freimaurerischen Denkens ist Bacons Nova Atlantis von 1638, die fantastisch ausgemalte Schilderung des idealen Gemeinwesens Bensalem, das über wissenschaftlich-technische Errungenschaften verfügt, die der Zeit weit vorauseilen. Als die bedeutsamste Tat des Königs dieses utopischen Inselreichs bezeichnet Bacon „die Gründung oder Einrichtung eines gewissen Ordens oder einer Gesellschaft“, die er das „Haus Salomons“<sup>239</sup> nennt.
Tendenzen
 
naturwissenschaftlichen Denkens nicht zu vergessen,
 
die sich in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts
 
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wichtiger für das sich herausbildende Selbstverständnis der
 
humanitären Maurerei. Bacon, ein Herold der Zeitenwende,
 
stellt seine antischolastische Philosophie in den Dienst
 
fortschreitender
 
Kultur und Aufklärung, die er mit fortschreitender
 
Herrschaft des Menschen über die Natur gleichsetzt.
 
Empirisches
 
Studium der Tatsachen, das sich an Experimenten
 
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zwingt die Natur dazu, die vom methodischen
 
Beobachter
 
an sie gerichteten Fragen zu beantworten. Gott
 
und die Unsterblichkeit der Seele bleiben wissenschaftlicher
 
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entrichtet Bacon dem alchemistischen Zeitgeist einen
 
gewissen Tribut; er verehrt die Weisheit der Kabbala, weshalb
 
seine Schriften rosenkreuzerische Motive enthalten.
 
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Mit den Rosenkreuzern verbindet Bacon die Abneigung
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Es soll der „Erforschung und Betrachtung der Geschöpfe Gottes“ <sup>240</sup> dienen, das heißt der den Menschen förderlichen „Erkenntnis des wahren und inneren Wesens aller Dinge“<sup>241</sup>. Deutlich wird die okkult-magische Herkunft der Konzeption Bacons, wenn er den Zweck der „Gründung“ des „Hauses Salomons“ in der „Erkenntnis der Ursachen und Bewegungen sowie der verborgenen Kräfte in der Natur und (in der) Erweiterung der menschlichen Herrschaft bis an die Grenzen des überhaupt Möglichen“<sup>242</sup> erblickt. Wie Fludd und Comenius ist auch Bacon davon überzeugt, dass das enorme Fortschreiten des Wissens, das er voraussagt, etwas mit dem tausendjährigen Reich zu tun hat.
gegen den Papismus, Gewissenszwang und konfessionelle
 
Eiferer; ihnen gegenüber hat der Staat seine Selbstständigkeit
 
zu wahren.
 
Erwähnenswert als Keimform freimaurerischen Denkens
 
ist Bacons
 
Nova Atlantis von 1638, die fantastisch ausgemalte
 
Schilderung des idealen Gemeinwesens Bensalem, das
 
über wissenschaftlich-technische Errungenschaften verfügt,
 
die der Zeit weit vorauseilen. Als die bedeutsamste Tat des
 
Königs
 
dieses utopischen Inselreichs bezeichnet Bacon „die
 
Gründung oder Einrichtung eines gewissen Ordens oder einer
 
Gesellschaft“, die er das „Haus Salomons“239 nennt.  
 
  
Es
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=== Quellenangaben ===
soll der „Erforschung und Betrachtung der Geschöpfe Gottes“
 
240 dienen, das heißt der den Menschen förderlichen „Erkenntnis
 
des wahren und inneren Wesens aller Dinge“241.
 
Deutlich wird die okkult-magische Herkunft der Konzeption
 
Bacons, wenn er den Zweck der „Gründung“ des „Hauses
 
Salomons“
 
in der „Erkenntnis der Ursachen und Bewegungen
 
sowie der verborgenen Kräfte in der Natur und (in der)
 
Erweiterung
 
der menschlichen Herrschaft bis an die Grenzen des überhaupt Möglichen“242 erblickt. Wie Fludd und
 
Comenius ist auch Bacon davon überzeugt, dass das enorme
 
Fortschreiten
 
des Wissens, das er voraussagt, etwas mit dem
 
tausendjährigen
 
Reich zu tun hat.
 
  
 
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:238 Zum Verhältnis Bacons zum Rosenkreuzertum cf. Frances A. Yates, Aufklärung im Zeichen des Rosenkreuzes, Stuttgart 1975, S. 129-140. – Die Autorin bestreitet den modernen, pionierhaften Grundzug des Bacon‘schen Denkens nicht, macht aber darauf aufmerksam, dass Bacons Konzeption „aus der Magie und Kabbala der Renaissance hervorging. ... Seine große ‚Wiederherstellung' der Erkenntnis war auf eine Rückkehr zum Zustand Adams vor dem Sündenfall gerichtet, einen Zustand reiner und sündenfreier Verbindung mit der Natur und der Erkenntnis ihrer Macht. ... Auch Bacons Wissenschaft ist noch zu einem Teil okkulte Wissenschaft. Unter den Themen, denen er nachgeht, sind natürliche Zauberkraft, Astrologie, die er in einer erneuerten Form zu finden sucht, Alchemie, von der er tief beeinflußt war, ... und andere Gegenstände, die von denen, die die moderne Seite Bacons unterstreichen wollten, einfach ignoriert wurden“ (ibid., S. 130).
 
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:239 Francis Bacon, Neu-Atlantis, in: Der utopische Staat, hrsg. von Klaus J. Heinrich, Reinbeck bei Hamburg 21962, S. 193.
== Quellenangaben ==
 
:238 Zum Verhältnis Bacons zum Rosenkreuzertum cf. Frances A. Yates,
 
Aufklärung im Zeichen des Rosenkreuzes, Stuttgart 1975, S. 129-140.
 
– Die Autorin bestreitet den modernen, pionierhaften Grundzug des
 
Bacon‘schen Denkens nicht, macht aber darauf aufmerksam, dass
 
Bacons Konzeption „aus der Magie und Kabbala der Renaissance
 
hervorging. ... Seine große ‚Wiederherstellung' der Erkenntnis war
 
auf eine Rückkehr zum Zustand Adams vor dem Sündenfall gerichtet,
 
einen Zustand
 
reiner und sündenfreier Verbindung mit der Natur
 
und der Erkenntnis ihrer Macht. ... Auch Bacons Wissenschaft ist
 
noch zu einem Teil okkulte Wissenschaft. Unter den Themen,
 
denen
 
er nachgeht, sind natürliche Zauberkraft, Astrologie,
 
die er in einer
 
erneuerten Form zu finden sucht, Alchemie,
 
von der er tief beeinflußt
 
war, ... und andere Gegenstände,
 
die von denen, die die moderne
 
Seite Bacons unterstreichen
 
wollten, einfach ignoriert wurden“
 
(ibid., S. 130).
 
:239 Francis Bacon, Neu-Atlantis, in: Der utopische Staat, hrsg. von Klaus
 
J. Heinrich, Reinbeck bei Hamburg 21962, S. 193.
 
 
:240 Ibid.
 
:240 Ibid.
 
:241 Ibid., S. 194.
 
:241 Ibid., S. 194.
  
 
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== Siehe auch ==
== Siehe auch: ==
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zum Thema
*[[Entstehungsgeschichte der humanitären Freimaurerei]]
+
*[[Haus Salomonis]]
 +
*[[Nova Atlantis]]
 +
von und über Alfred Schmidt
 +
*[[Alfred Schmidt - Entstehungsgeschichte der humanitären Freimaurerei]]
 
*[[Alfred Schmidt]]
 
*[[Alfred Schmidt]]
 
*[[Rezension: Alfred Schmidt - Entstehungsgeschichte der humanitären Freimaurerei]]
 
*[[Rezension: Alfred Schmidt - Entstehungsgeschichte der humanitären Freimaurerei]]
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*[[Rezension: Klaus-Jürgen Grün: Das verlorene Wort]]
 
*[[Rezension: Klaus-Jürgen Grün: Das verlorene Wort]]
 
*[[Bernhard Beyer]]
 
*[[Bernhard Beyer]]
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[[Kategorie:Literatur]]
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[[Kategorie:Alfred Schmidt]]

Latest revision as of 16:37, 8 September 2017

Alfred Schmidt: Bacons Haus Salomonis

Entstehungsgeschichte der humanitären Freimaurerei
Deistische Wurzeln und Aspekte
von Alfred Schmidt
Medium: Buch
ISBN: 978-3-943539-40-0
Auflage: 1. Auflage 2014
Einband: Softcover
Seitenzahl: 196
Format: 12 x 19 cm
12,00 €

Über den schwärmerisch-spekulativen Ideen sind die Tendenzen naturwissenschaftlichen Denkens nicht zu vergessen, die sich in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts immer stärker durchsetzen; sie werden zunehmend wichtiger für das sich herausbildende Selbstverständnis der humanitären Maurerei. Bacon, ein Herold der Zeitenwende, stellt seine antischolastische Philosophie in den Dienst fortschreitender Kultur und Aufklärung, die er mit fortschreitender Herrschaft des Menschen über die Natur gleichsetzt. Empirisches Studium der Tatsachen, das sich an Experimenten orientiert, zwingt die Natur dazu, die vom methodischen Beobachter an sie gerichteten Fragen zu beantworten. Gott und die Unsterblichkeit der Seele bleiben wissenschaftlicher Erkenntnis entzogen. Sie sind Sache des Glaubens. Andererseits entrichtet Bacon dem alchemistischen Zeitgeist einen gewissen Tribut; er verehrt die Weisheit der Kabbala, weshalb seine Schriften rosenkreuzerische Motive enthalten. 238

Mit den Rosenkreuzern verbindet Bacon die Abneigung gegen den Papismus, Gewissenszwang und konfessionelle Eiferer; ihnen gegenüber hat der Staat seine Selbstständigkeit zu wahren. Erwähnenswert als Keimform freimaurerischen Denkens ist Bacons Nova Atlantis von 1638, die fantastisch ausgemalte Schilderung des idealen Gemeinwesens Bensalem, das über wissenschaftlich-technische Errungenschaften verfügt, die der Zeit weit vorauseilen. Als die bedeutsamste Tat des Königs dieses utopischen Inselreichs bezeichnet Bacon „die Gründung oder Einrichtung eines gewissen Ordens oder einer Gesellschaft“, die er das „Haus Salomons“239 nennt.

Es soll der „Erforschung und Betrachtung der Geschöpfe Gottes“ 240 dienen, das heißt der den Menschen förderlichen „Erkenntnis des wahren und inneren Wesens aller Dinge“241. Deutlich wird die okkult-magische Herkunft der Konzeption Bacons, wenn er den Zweck der „Gründung“ des „Hauses Salomons“ in der „Erkenntnis der Ursachen und Bewegungen sowie der verborgenen Kräfte in der Natur und (in der) Erweiterung der menschlichen Herrschaft bis an die Grenzen des überhaupt Möglichen“242 erblickt. Wie Fludd und Comenius ist auch Bacon davon überzeugt, dass das enorme Fortschreiten des Wissens, das er voraussagt, etwas mit dem tausendjährigen Reich zu tun hat.

Quellenangaben

238 Zum Verhältnis Bacons zum Rosenkreuzertum cf. Frances A. Yates, Aufklärung im Zeichen des Rosenkreuzes, Stuttgart 1975, S. 129-140. – Die Autorin bestreitet den modernen, pionierhaften Grundzug des Bacon‘schen Denkens nicht, macht aber darauf aufmerksam, dass Bacons Konzeption „aus der Magie und Kabbala der Renaissance hervorging. ... Seine große ‚Wiederherstellung' der Erkenntnis war auf eine Rückkehr zum Zustand Adams vor dem Sündenfall gerichtet, einen Zustand reiner und sündenfreier Verbindung mit der Natur und der Erkenntnis ihrer Macht. ... Auch Bacons Wissenschaft ist noch zu einem Teil okkulte Wissenschaft. Unter den Themen, denen er nachgeht, sind natürliche Zauberkraft, Astrologie, die er in einer erneuerten Form zu finden sucht, Alchemie, von der er tief beeinflußt war, ... und andere Gegenstände, die von denen, die die moderne Seite Bacons unterstreichen wollten, einfach ignoriert wurden“ (ibid., S. 130).
239 Francis Bacon, Neu-Atlantis, in: Der utopische Staat, hrsg. von Klaus J. Heinrich, Reinbeck bei Hamburg 21962, S. 193.
240 Ibid.
241 Ibid., S. 194.

Siehe auch

zum Thema

von und über Alfred Schmidt