Rezension "Die frühen deutschen freimaurerischen Rituale" von Jan Snoek

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Rezension "Die frühen deutschen freimaurerischen Rituale" von Jan Snoek

Buchcover mit Rückseite

Jan Snoek
Die frühen deutschen freimaurerischen Rituale
Band I: Einführungen
Band II: Transkripte
Zirkelverlag, Remscheid 2026
1199 S., ISBN 9783911517003

Eine Rezension von Thomas Vindo

Nach der (Mit-)Herausgabe von Ritualkompendien zum Adoptionsritus (2012) und zu Teilen der British Freemasonry (2016) sowie jener anderer Autoren - v.a. Harry Carr zu Early English / French Exposures und Alain Bernheim zu französischen - legt der holländische „Ritual-Großmeister“ Jan A. M. Snoek unter Übersetzungs-Mitarbeit des bekannten deutschen Freimaurereiforschers Klaus Bettag nun ein zweibändiges Werk über „Die frühen deutschen freimaurerischen Rituale“ auf 1199 Seiten vor. Herausgeberin ist die GLLFvD/FO-Forschungsvereinigung „Frederik“. In Band I – „Einführungen“ – werden 13 Johannis-Rituale und fünf Manuskripte von „Höheren Graden“ aus den Jahren 1730 bis 1765 detailreich beschrieben, analysiert und mit anderen verglichen. In Band II – „Transkripte“ – werden sie textlich in ihren teilweise nicht-deutschen Originalsprachen und auch manchmal mehreren historischen deutschen Übersetzungen angeboten.

Während die meisten der Rituale allgemein bzw. Forscher*innen bekannt und zum Teil auch digital frei verfügbar sind, bietet der Band I sehr detailreiche, - oft satz- bzw. satzteilweise – Vergleiche mit frühen – einschließlich englischen – und z.T. späteren Ritualen an. Im Textband werden unterschiedliche Rituale bzw. Ritualversionen samt deren Tapisabbildungen auch tabellarisch gegenübergestellt. Da frühe Logen im deutschsprachigen Raum zuerst wenige Jahre in französischer Sprache gearbeitet haben, nimmt Snoek auch sieben originär französischsprachige Rituale und deren historische oder – falls eine solche nicht vorhanden ist – aktuelle deutschsprachige Übersetzungen auf.

Die stattliche 68-seitige „Analyse“, die Snoek „dem durchschnittlichen Bruder mit einem guten Interesse zum Thema, aber wenig Zeit oder Geduld“ nahelegt, beschreibt alle Johannisgrade und die Tafellogen in ihren inhaltlichen Details anhand der im Werk wiedergegebenen Rituale und bietet auch weiterführende Bemerkungen. Dadurch erhält dieses Kapitel auch einen kurzen Überblick über die Ritualentwicklungen in England, Frankreich, den Niederlanden und Skandinavien. Im Appendix „Höhere Grade“, welche mit „IV° (und V°)“ spezifiziert werden, werden die frühen Schottengrade mit deren Hauptcharakteristika – den Farben grün (und schwarz), dem Heiligen Andreas auf dem „Andreas-Kreuz“, und den zwei gebrochenen Säulen (bzw. vier in X-Form angeordneten Halbsäulen) des zerstörten salomonische Tempels - sowie ihre geografischen Variationen in Kontinentaleuropa beschrieben. Die separaten Rituale-, Personen- und Sachregister führen den Suchenden zu gelehrten Bemerkungen, Absätzen und Kapiteln.

Das Werk geht inhaltlich vielfach über seinen Titel hinaus. Die umfassenden Vergleiche der Johannisrituale des „Einführungen“-Bandes, unterstützt auch durch tabellarische Darstellungen, stellen den Haupt-Mehrwert des vorliegenden Werkes dar. Weiters bietet der Religionswissenschafter Snoek weitreichende christliche Erklärungen zu den Ritualen und deren Details. Die zahlreichen historischen Abbildungen von Logen, Tapis und Bucheinbänden „bebildern“ in wahrsten Sinn des Wortes gut die umfassenden Texte.

Wennauch der Autor gemäß seinem Vorwort "deutsch" im breitestmöglichen Sinn auffasst und sein Werk "das gesamte Gebiet der deutschsprachigen Staaten" umfasst, finden sich zum Stichwort "Wien" nur ein Stich aus dem Jahre 1791 und der 1709 gegründete Frauenorden der Chevalières de la Croix / Croisade. Snoek begründet dies damit, dass er kein Ritual aus Österreich vor dem Jahre 1764 gefunden hat, dem Enddatum seiner dargestellten Rituale. Die 1742 in Wien gegründete „Großloge“, bald „Loge Aux Trois Canons“ genannt, findet keine Erwähnung, die österreichischen Niederlande praktisch nur im Zusammenhang mit „höheren Graden“. Von österreichischen Autoren werden Lennhoff und Reinalter referenziert.

Infolge der Herausgabe des Werkes durch die „Forschungsvereinigung Frederik“ (mit Sitz in Flensburg) ist es mit den Ritualen der „Strikten Observanz“ und den skandinavischen sowie den Referenzen auf die „Harodim-Tradition“, Carl von Södermanland, Carl Friedrich von Eckleff und Kopenhagen ein wenig GLLFvD/FO-orientiert. Schottland wird 20-mal, Irland kein einziges Mal referenziert. Infolge der zeitlichen Beschränkung der behandelten Rituale mit dem Jahre 1764 werden Rituale des deutsch-beeinflussten „Rite [écossais] rectifié / Rektifizierten [Schottischen] Ritus“ ebenso wenig referenziert wie A.A.S.R.-Vorläufer.

Angesichts des nunmehr vorliegenden Snoek-Werkes zu frühen deutschen Ritualen erscheint die Bearbeitung und Herausgabe der frühen österreichischen Rituale – von 1742 bis 1793 - mit gewisser Dringlichkeit geboten.

Das vorliegende Werk stellt zweifellos nicht nur eine sehr gute Ergänzung zu ähnlichen Kompendien über frühe Rituale anderer Länder und die exzellente akademische Aufarbeitung sehr früher „deutscher“ Rituale dar, sondern insbesondere auch durch seine detailreichen „Einführungen“ zu den einzelnen Ritualen und deren text- und analytischen Inhaltsvergleiche ein willkommenes Nachschlag- und Nachlesewerk für Ritualinteressierte.