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Die Ursprünge der Freimaurerei in Stade

Version vom 12. November 2017, 22:07 Uhr von Jens Rusch (Diskussion | Beiträge)

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Die Ursprünge der Freimaurerei in Stade

Meine sehr geehrten Damen und Herren,wir schreiben das Jahr 1777. 60 Jahre sind vergangen nach Gründung der weltweit ersten Großloge der Freimaurer in England 1717, dessen Jubiläum in diesemJahr in vielen Veranstaltungen der Freimaurer in der Bundesrepublik gewürdigt wurde. England gilt seither als Wiege der modernen Freimaurerei. Überall in Europa verbreitet sich seit diesem Zeitpunkt die „Idee Freimaurerei“; in Deutschland beginnend mit einer Logengründung in Hamburg 1737, was durch seine vielfältigen wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte mit London zu verstehen ist.Stade, als Provinz- und Verwaltungshauptstadt der Herzogtümer Bremen und Verden und Garnisonsstadt, gehört zum Kurfürstentum Hannover und hat 1777 etwa 3400 Einwohner. Die Aufklärung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, deren Beförderung und Beschleunigung man unter anderem vielen Freimaurern zuschreibt, fand auch in Stade einen guten Nährboden.Voraussetzung dazu war die Bildung der Menschen, die Beschäftigung mit Literarischen, wissenschaftlichen und politischen Themen. So gab es in Stade Lesegesellschaften und Leihbibliotheken, die sich zu Zirkeln der Diskussion und des Meinungsaustausches entwickelten.Folgerichtig wurde 1777 in Stade die erste Freimaurerloge „Zum Großen Christoph“ gegründet, benannt nach dem Schutzheiligen Christopherus, der nach Überlieferung das Christuskind über einen Fluss getragen haben soll und sich als Beschützer der Menschheit einen Namen gemacht hat. Diese Loge gehört zum Freimaurerorden, der eine christliche Weltanschauung vertritt und heute in Hamburg ansässig ist.Mitglieder dieser Loge waren damals Beamte, Militärs und Juristen.10 Jahre später, also 1787, wurde eine zweite Loge ins Leben gerufen, die Loge „Charlotte zur gekrönten Tugend“.Namensgeberin war die Hannoversch-Englische Königin Sophie-Charlotte. 12 Brüder des „Großen Christoph“ waren mit dem System der damaligen Hamburgischen Großloge (In Klammern: Freimaurerorden) nicht einverstanden und wollten nach dem englischen System arbeiten und suchten daher den Anschluss an die Provinzialloge von Hannover. Beide Logen verkehrten aber freundschaftlich miteinander.Man darf davon ausgehen, dass oben genannte Lesegesellschaften und die Logen eng miteinander verknüpft waren. Um Bildung auf eine erfolgreichere Basis zu stellen, erkannte der für die Volksschulbildung zuständige Konsistorialrat Watermeyer, dass eine breite Bildung und Erziehung notwendige Voraussetzung ...... einer künftigen prosperierenden Gesellschaft sei. Er begann selbständig im Rahmen seiner Aufgaben „Schulmeister für die Provinz“ auszubilden.Lehrfächer waren der Katechismus, Orthographie und Grammatik, Arithmetik, Geographie, Naturgeschichte und die Fähigkeit, Gedanken schriftlich zu formulieren.Seinen Nachfolgern ist es zu verdanken, dass aus diesen Anfängen der Bildungsarbeit 1822 das staatliche Schullehrerseminar hervorging. Gründungsmitglied dieses Seminares war der Regierungssekretär und spätere Regierungsrat Haltermann, der 1816MvSt der Loge „Zum Großen Christoph“ war.Haltermann war es auch, der 1831 den „Vaterländischen Verein“ mitbegründet hat, dessen Statuten von freimaurerischen Grundsätzen durchdrungen waren.Sie lauteten unter anderen - Zitat:Verbreitung lehrreicher Schriften gemeinnützigen Inhalts; Beförderung und Unterstützung wohltätiger und gemeinnütziger Anstalten und Anlagen; Ermunterung zu edlen Handlungen und bürgerlichen Tugenden. – Zitat Ende.Neben dem Namen Haltermann finden sich weitere Namen in diesem„Vaterländischen Verein“ wie Wasserbaudirektor Niemeyer, Zimmermeister Fliedner, Rechtsanwalt Freundentheil, Wegebaumeister Wendelstadt, Apotheker Eichstedt; alles Männer, deren Namen in den Mitgliederverzeichnissen der Loge auftauchen.Das bedeutendste Projekt des „Vaterländischen Vereins“ war die Umsetzung des Planes zum Bau eines Krankenhauses für die unvermögenden Klassen der Dienstboten, Handwerksgesellen und Lehrlinge. Ein Ausdruck besonderer Wohltätigkeit, die allen Logen besonderes Anliegen ist.Freimaurer waren zu der Zeit auch politisch aktiv und spielten eine bedeutende Rolle im öffentliche Leben, ohne dass Freimaurerei als Parteipolitik - damals wie heute -verstanden werden darf. Dazu sind die Interessen und Auffassungen der Freimaurerbrüder zu unterschiedlich. Aber der Freimaurer als Einzelperson darf und soll sich natürlich politisch betätigen.11 Jahre nach Gründung der Loge „Charlotte“ gab es 1801 ein letztesLebenszeichen dieser Loge und ohne offizielle Auflösung war sie damit praktisch erloschen. Die Bruderschaft bestand überwiegend aus Beamten und Offizieren. Die Offiziere mussten an Koalitionskriegen teilnehmen, die Beamten zogen durch Versetzung fort.Nach der napoleonischen Zeit gründeten 1816 Offiziere und Ärzte alsdeutsche Besatzungstruppen in Frankreich eine Feldloge mit dem Namen „Adolfus zur deutschen Einigkeit und Treue“. Namensgeber war wohl Prinz Adolf von England und Herzog von Cambridge, Generalstatthalter von Hannover, der sich Sympathien der Bevölkerung erworben hatte. Mitglieder der Loge gehörten bereits der Loge „Charlotte“ an, so dass ein gewisser Zusammenhang mit Hannover bestand.Als zwei Jahre später, 1818, das Besatzungsregiment aus Frankreich abzog, wurde die Feldloge aufgelöst und das Infanterie-Regiment nach Stade verlegt. Hier in Stade gründeten dann einzelne Mitglieder 1822 als Fortsetzung der Feldloge die Loge „Adolfus zur gekrönten Tugend“. Diese Loge unterhielt ein gutes Verhältnis zum „Großen Christoph“ mit gemeinsamen Veranstaltungen und gegenseitigen Absprachen.Als das Infanterie-Regiment verlegt wurde, war auch diese Loge derart geschwächt, dass sie sich 1825 für inaktiv erklären musste. Meine Damen und Herren,Sie haben zum heutigen Abend eine Einladung der Loge „Friederike z.U.“ erhalten und werden sich fragen, wann von dieser, unserer heutigen Loge die Rede ist.Ich werde Sie nicht länger auf die Folter spannen.Bei allen guten Vorsätzen, deren Befolgung sich die Logen rühmen, ich nenne hier in erster Linie Toleranz und Brüderlichkeit, gibt es bisweilen auch in diesem Kreis unterschiedliche Auffassungen, die unüberbrückbar zu sein scheinen. Es menschelte, wie wir heute sagen würden. 1833 hatte König Wilhelm IV. als letzter Vertreter der Hannover-Britischen Doppel-Monarchie ein neues liberales Staatsgrundgesetz erlassen, das von den bürgerlichen Demokraten als Anfang einer Demokratisierung im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie gesehen wurde. Allerdings wurde dieses Gesetz 1837 von Ernst August, seinem Nachfolger, wieder aufgehoben, woraus eine lang andauernde Auseinandersetzung und Entfremdung zwischen den liberal bürgerlichen Demokraten und der Hannoverschen Regierung einsetzte. Als bekanntestes Ereignis dieser Zeit sind „Die Göttinger 7“ in die Geschichte eingegangen mit ihren Protesten gegen die Rücknahme des Staatsgrundgesetzes.Nun war es der Wunsch des Königs Ernst-August, dass sich die Logenseines Einflussbereiches der Großloge von Hannover anschließen möchten.Bereit diesem Wunsch zu entsprechen, waren im Wesentlichen die Brüder, die im Staatsdienst standen und Brüder, die als Militärs sich ihrem Dienstherrn verpflichtet fühlten.Dagegen setzten sich federführend die Anhänger liberal-demokratischer Denkungsweise, voran unser Stader Ehrenbürger Gottfried Wilhelm Freundentheil, der Rektor des Gymnasiums Müller und der Pastor an St. Cosmae, Lunecke. Es waren nicht nur Gründe der Abneigung gegen Ernst-August, der das liberale Staatsgrundgesetz vom 1833 aufgehoben hatte, sondernauch freimaurerische Gründe.Freudentheil und die Anhänger seiner Einstellung gehörten mit der Loge „Zum großen Christoph“ der Großen Landesloge an, dem Freimaurer Orden, einer christlich orientierten Lehrart, wie oben bereits erwähnt.Mit einem Wechsel zur Großloge Hannover wäre ein Wechsel der Lehrart verbunden gewesen, die eine humanitäre Richtung verfolgt, d.h. nicht nur Christen, sondern Männer aller Religionen aufnimmt.Freudentheil schrieb damals, Zitat: „Ich bin überzeugt, dass der Bund nur auf christlichem Boden wurzeln kann und habe ferner die Überzeugung, dass er am lautersten erhalten sei in dem uralten Systeme, nach dem der „Große Christoph“ arbeitet und dass er von keiner Großloge richtiger und treffender ausgelegt werde.“ Zitat Ende So war ein Streit zwischen den Parteien programmiert, der schließlich zur Trennung und 1845 zur Gründung der heutigen Loge „Friederike zur Unsterblichkeit“ führte.Zwei Logen in Stade waren dann doch zu viel. Die Mitgliederzahl gingbeim „Großen Christoph“ von ehemals 56 Brüdern auf nur 29 zurück und hielt sich konstant 10 Jahre. Als 1856 König Georg V. von allen Logen forderte, sich der Großloge von Hannover zu unterstellen, zeigte Freundentheil als amtierender MvSt die Inaktivität seiner Loge„Zum Großen Christoph“ an.Fortan bestand und besteht die JL „Friederike zur Unsterblichkeit“ alseinzige Loge in Stade. Warum der Name Friederike? Er bezieht sich auf den Namen der Königin (Gattin von König Ernst-August), die vier Jahre vor Gründung der Loge gestorben war. Unmissverständlich wurde damit die patriotische, konservative Haltung der Brüder nach außen getragen. Die Mitgliederzahl der Loge entwickelte sich von anfangs 36 Brüdern im Gründungsjahr auf 60 im ersten Jahrzehnt, um ihren Höhepunkt mit ca. 90 Mitgliedern drei Jahrzehnte zu halten. 1925 im Jahr ihres 80-jährigen Bestehens wurden im Mitgliederverzeichnis sogar 100 Brüder gezählt.Bekanntermaßen mussten sich die Logen im 3. Reich alle auflösen. Wir Freimaurer sprechen daher von „Der dunklen Zeit“ in den Jahren 1933 bis 1945“. Die „Friederike“ löste sich 1934 auf, die Gestapo beschlagnahmte das gesamte bewegliche Inventar, das Logenlokal Hotel Birnbaum wurde aber noch vor der Auflösung an den Hotelbetreiber verkauft. Nach dem Krieg traten bereits 1945 einige Brüder zusammen, zunächst in einem sog. Freimaurerkränzchen, bis dann die englische Besatzungsmacht 1947 die endgültige Genehmigung zu einer offiziellen Freimaurerloge erteilte. Seither arbeitet die „Friederike“ wieder mit knapp 70 Brüdern zum Wohl der Stadt Stade und seines Umlandes.Was hält uns Brüder in einer Loge, was die Freimaurerei seit 300 Jahren am Leben?Die Loge ist ein Ort der Entschleunigung. Hier kann man dem Alltagsstress entfliehen und in ungezwungener Atmosphäre neue Kräfte sammeln im freundschaftlichen Miteinander, Empathie und Takt im gegenseitigen Umgang. Die Loge ist ein Ort brüderlicher Gespräche und toleranter Diskussionen über ethische, politische, moralische und soziale Fragen. Sie bringt Erfahrung und Erlangung von Selbsterkenntnissen bei den rituellen Arbeiten.Sie ist auch Geselligkeit mit gemeinsamen Unternehmungen mit unseren Frauen.Sie ist eine weltweit verbreitete Bruderschaft und führt zu vielen Kontakten und Erlebnissen, die sonst nicht zustande gekommen wären.So können schließlich aus Brüdern auch Freunde werden.All diese aufgeführten Punkte habe ich in meiner 30-jährigen Mitgliedschaft im Bruderbund erfahren und mich zu einem begeisterten Freimaurer werden lassen.H.-Chr. Esken - 13.10.2017


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