Gustav Stresemann

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Stresemann, Gustav

Quelle: Lennhoff, Posner, Binder von 1932

deutscher Staatsmann, Führer der Deutschen Volkspartei, Reichskanzler, Reichsaußenminister, Friedensnobelpreisträger, * 1878, † 30. Oktober 1929, war Freimaurer, seit 1923 Mitglied der Loge "Friedrich der Große", Berlin (Großloge "Drei Weltkugeln"), und Ehrenmitglied seiner Großloge. Stresemann war ein Staatsmann, der ganz in der geistigen Atmosphäre von Weimar wurzelte, in dessen Wesen sich Politik und Kultur aufs innigste verbanden - sein deutscher Idealismus war durchaus von Goethe beeinflußt. In der schwersten Zeit des Deutschen Reiches auf dem verantwortungsvollsten Posten stehend, sah er unbekümmert um noch so heftige Widerstände über die Grenzen hinaus, um in Gemeinschaft mit anderen Staatsmännern eine Atmosphäre des Friedens und der Verständigung und dadurch neuer Blüte für sein Vaterland zu schaffen.

Er setzte die Aufnahme des Reiches in den Völkerbund und seiner Vertreter in den Völkerbundrat durch, er wollte ein von allem Druck befreites Deutsches Reich in einem nicht mehr von Haß vergifteten, sondern in wahrhafter Friedensarbeit geeinten Europa erreichen. So wurde er zum Begründer der Locarno-Politik. Für seine hohen Ideen gab Stresemann seine ganze Kraft her, bis sein durch Krankheit und schweres seelisches Leid (Haßkampagne seiner politischen Gegner!) geschwächter Organismus nicht mehr weiter konnte. Er setzte noch bei der Haager Konferenz die frühere Räumung des Rheinlandes durch, erlebte diese aber nicht mehr.

Im Erfülltsein von der Goetheschen Gedankenwelt, in dem bei ihm immer wiederkehrenden Gedanken von der Ausbildung der eigenen Persönlichkeit und ihrer Einordnung in den Dienst der Gesamtheit, lag die tiefste Ursache seiner Verbundenheit mit dem Deutschen Freimaurertum. schon zwei Jahrzehnte vor seinem Eintritt in den Bund schrieb Stresemann in einem Aufsatz: "Maurertum und Menschheitsbau":

"Der Mensch soll in jedem Moment seines Denkens und Handelns von der Überzeugung sich tragen lassen, daß er eine Mission auf Erden zu erfüllen hat, daß ihm Kraft gegeben ist, zur Veredelung des Menschheitsbaues beizutragen..."

1927 veröffentlichte Stresemann in einem literarischen Streit um die Persönlichkeiten Blüchers und Scharnhorsts (anläßlich der Aufführung von "Gneisenau" von Wolfgang Goetz) in den "Deutschen Stimmen" einen Aufsatz, in dem er, gestützt auch auf freimaurerische Quellen, manchen Anschauungen des Dichters entgegentrat. Aufsehen erregte es, als er in seiner berühmt gewordenen Rede anläßlich des Eintrittes Deutschlands in den Völkerbund deutliche Anlehnung an den freimaurerischen Sprachgebrauch nahm, indem er ausführte:

"Der göttliche Baumeister der Erde hat die Menschheit nicht geschaffen als ein gleichförmiges Ganzes. Er gab den Völkern verschiedene Blutströme, er gab ihnen als Heiligtum ihrer Seele ihre Muttersprache, er gab ihnen als Heimat Länder verschiedener Natur.
Aber es kann nicht der Sinn einer göttlichen Weltordnung sein, daß die Menschen ihre nationalen Höchstleistungen gegeneinander kehren und damit die allgemeine Kulturentwicklung immer wieder zurückwerfen. Der wird der Menschheit am meisten dienen, der, wurzelnd im eigenen Volk, das ihm seelisch und geistig Gegebene zur höchsten Bedeutung entwickelt und damit, über die Grenzen des eigenen Volkes hinauswachsend, der ganzen Menschheit etwas zu geben vermag, wie es die Großen aller Nationen getan haben, deren Namen in der Menschheitsgeschichte niedergeschrieben sind. So verbindet sich Nation und Menschheit auf geistigem Gebiet, so kann sie sich auch verbinden in politischem Streben, wenn der Wille da ist, in diesem Sinne der Gesamtentwicklung zu dienen."

Daß Stresemann hierbei auch das freimaurerische Zeichen gegeben habe, ist Erfindung. Für die allgemeine Wertschätzung, deren er sich im Auslande erfreute, sprach die tiefe, aufrichtige Trauer beim Einlangen der Todesnachricht. Aus diesem Anlasse hielten fast alle Blätter der freimaurerischen Presse übereinstimmend dem großen Staatsmann und Kämpfer für ehrliche Völkerversöhnung huldigende Nachrufe. In mehreren Großlogen wurde seiner auch in Trauerfeiern gedacht.

Die Jahresmarke der Allgemeinen Freimaurer-Liga 1930 ist mit dem Bild Stresemanns geziert.