Abrahamson: Singgedicht

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Werner Hans Friedrich Abrahamson: Singgedicht, 1777

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Ausgearbeitet von Dr. phil. Roland Müller, Switzerland / Copyright © by Mueller Science 2001-2015 / All rights reserved - ESOTERIK von Dr. phil. Roland Müller


Aus:
Trauerrede zum feyerlichen Andenken des weiland Hochwürdigsten Provincial-Großmeisters der vereinigten Freymaurer-Logen in und außer Deutschland
gehalten in der Trauerversammlung den 24. Jenner 1777.
von dem Br. Redner in der Loge Zorobabel zum Nordstern in Kopenhagen,
nebst einem Singgedicht,
so bey dieser Gelegenheit musikalisch aufgeführt worden.
Kopenhagen, verlegts Christ. Gottlob Proft. 1777.

Auch in:
W. H. F. Abrahamson: Neue Deklamationen über einige Maurer-Pflichten. Kopenhagen, 1779, 32-45 (ohne das Singgedicht)
Werner Hans Friedrich Abrahamson: Deklamationen und Reden über Mauer-Pflichten und bey Feyerlichkeiten. Copenhagen, verlegts Christian Gottlob Proft. 1785, 121-134

August Wolfstieg schreibt in seiner „Bibliographie der freimaurerischen Literatur“ (Band I, 1911, 829, Nr. 16408 und 16409) für diese Ausgabe:
„… der vereinigten Freymäurer-Logen (!) …“


siehe auch:
Werner Hans Friedrich Abrahamson: 9 + 3 neue Lieder aus Kopenhagen, 1776-1785
Aus den Deklamationen über Maurer-Pflichten


Singgedicht


Singende Personen:

Die Treue
Die Wahrheit
Ein Chor der Tugenden


Die Treue
nach einer vorhergehenden Trauersinphonie

In diese Klag' und Trauertöne,
Ihr Brüder, aufgelöst, zerfließet nun der Schmerz.
Die Treue äußert so ihr. stark gerührtes Herz
Um Ihn, den wir mit Recht geehrt und hochgeschätzt;
Um Ihn, der uns, ach! nun in Traurigkeit gesetzt;
Um den der Maurer Zunft der Liebe Thränen weinet;
Mit welchen sich auch unser Leid vereinet.
Um den viel Dürftige, von Seiner Müdigkeit
So oft gestärkt, ernährt, erfreut,
Die matten Hände dankend ringen;
Um Ihn, den wir itzt wehmuthsvoll besingen.
Und ach! wem sollte nicht sein Tod,
Des Meisters Tod, zu Herzen dringen?

Arie.

Ihr fühltet ihn, empfindgunsvolle Herzen,
Zur Freundschaft heiß, und weich bey Andrer Schmerzen.
In euch drückt sich der Freunde Wehmuth ab;
Mit Thränen netztet ihr des edlen Meisters Grab.
Erhabner Meister, ach! wir haben Dich verlohren.
Doch warst Du nicht zur Ewigkeit erkohren?
Zum Himmel? der Dir Geist und Tugend gab,

Chor der Tugenden.

Er war zum Himmel auserkohren
Zum Himmel, der ihm Geist und Tugend gab.


Nach der Rede.

Diе Wahrheit.

Oft. sind Geburt und ein erhabner Stand
Der einz'ge Vorzug kleiner Geister.
Doch Ihn, den edlen Ordensmeister,
Ihn fesselte kein leerer Tand
Von Stolz, von eitelm Dünkel, Ehr- und Eifersucht,
Der niemals satten Thorheit Frucht.
Der Wahrheit treu, bemüht sie einzusehn,
Um stets auf ihrer Bahn gewiß einherzugehn;
Von Vorurtheilen frey ergeizt‘ Er keine Gaben,
Die ihren Werth nur blos vom Namen haben.
Was Pflicht und Tugend heischt, drauf war Er stets bedacht:
Sein Leben war ein Stand des Weisen.
Dies, hat Ihn groß, und uns Ihn werth, gemacht:
Dies .wird der Maurer Zunft auch immer an Ihm preisen.


Arie.

Die Götzen der Eiteln verschwinden im Tode.
Wo sind sie? die thörichten Schätze der Mode;
Die Geiz und Schwindel den Sterblichen gab.
Du aber, erhabene Tugend, bist ewig:
Drum blühen deine Verehrer auch ewig;
Und Ruhm und Segen umstrahlen ihr Grab.

Chor der Tugenden.

So blüht der erhabene Meister auch ewig;
Und Ruhm und Segen umstrahlen sein Grab.

Die Treue.

Ja, edler Mann, hat gleich der Tod Dich uns entwandt:
Bleibst Du doch unsers Dankes Gegenstand.
Der Orden wird stets Dein Verdienst verehren:
Und wir, wir opfern Dir die letzten Abschiedszähren.

Arie.

So ruhet sanft, entseelte Glieder!
Wir segnen euch! — Tönt fromme Lieder
Um ihre Gruft! —

Chor der Tugenden.

Nun ruhet sanft entseelte Glieder!
Wir segnen euch! — Tönt fromme Lieder
Um ihre Gruft! —