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Schönheit im Wertekodex

Ist Schönheit wirklich nur Zierde, also Luxus und damit etwas Entbehrliches ? Wenn das so wäre, müsste Schönheit lediglich Fiktion des Menschen sein. Und es ist tatsächlich etwas Wahres daran, denn das Schönheitsempfinden ist auch Geschmacksache, also dem ewigen Wandel unterworfen, abhängig von der Zeitepoche und dem Kulturkreis. Jedoch gibt es auch die natürliche Schönheit, etwa die eines Schmetterlings oder einer Rose oder einer Lotosblüte. Nur sind aber die Signale, die von dieser Schönheit ausgehen, nicht an den Menschen gerichtet. Trotz allem nehmen wir sie wahr – sofern wir dafür empfänglich sind. Das wiederum hängt von den Umständen ab. Wenn, beispielsweise Kriegseinwirkungen, Not und Elend die Existenz bedrohen, wird die Empfindungsschwelle sehr hoch sein. Schönheit ist in der Rangfolge dann ganz hinten. Bei Blindheit oder Taubheit sind die Schönheit des Lichts oder der Musik nicht wahrnehmbar. Wenn Hast und Gier unsere alltäglichen Bedürfnisse bestimmen, wird Schönheit eben auch kaum unser Interesse wecken.

Es ist uns also das Empfinden für natürliche Schönheit eigen. Die Sprache der Kunst ist international. Schönheit wird auf der ganzen Welt begriffen. Und diese Art Schönheit ist offenbar für uns zeitlos, unabhängig von Modeerscheinungen. Und sie ist kaum rational zu erfassen, sie muss erlebt werden. Um so erstaunlicher ist es, dass gerade die Mathematik uns den Weg zu einer universellen Schönheit weist. Denken wir nur an den Goldenen Schnitt, der in der Geometrie die Teilung einer Strecke so bestimmt, dass die Proportionen eine wohltuende Wirkung auf das Auge ausüben. Deswegen ist in der Architektur der goldene Schnitt häufig anzutreffen. Aber auch Proportionen des menschlichen Körpers entsprechen oft dem goldenen Schnitt. Im Bild der berühmten Mona Lisa lässt sich dies gut zeigen. Das feste Zahlenverhältnis des goldenen Schnitts tritt übrigens auch beim fünfzackigen Stern, dem Pentagramm, in Erscheinung. Wird in einen Kreis ein Pentagon, also ein Fünfeck, eingezeichnet, entsteht durch Verbindung der gegenüberliegenden Ecken ein Pentagramm. Dessen Linien sind im goldenen Schnitt geteilt. In der Pflanzenwelt weisen Blätter des Efeus jene Proportionen auf. Im Bereich des Hörsinns ergibt sich ein weiteres Phänomen. Die Tonleiter folgt einem streng mathematischen Aufbau und Tonintervalle, die wir als angenehm empfinden, haben ein bestimmtes, einfaches Zahlenverhältnis. Hier werden also 3 spezielle Eigenschaften der Schönheit sichtbar: Wahrheit, Klarheit und Vollkommenheit. Sie offenbart sich in Proportionalität und Ordnung. Die Mathematiker haben übrigens zu ihrer schönsten Formel eine gekürt, die sehr kurz ist und in der die vielleicht 5 fundamentalsten Zahlen zusammengefasst sind: Sie stammen aus verschiedenen Zweigen der Mathematik: die Null, die Eins, die Kreiszahl Phi, die Eulersche Zahl e und die imaginäre Einheit j nach Gauss. Eine besondere Eigenschaft der Natur im allgemeinen ist die Symmetrie. Die einfachste Form davon kommt in der Mathematik als das Gleichgewichtsprinzip vor. Es verdeutlicht die Ausgewogenheit und den Vergleich. Einfachste Berechnungen sind nicht ohne Gleichung durchführbar. Namentlich durch Vergleichen gewinnen wir Erkenntnisse. Sicherlich allen ist die Spiegelsymmetrie gegenwärtig. Lebewesen sind äußerlich danach gebaut, aber ebenso auch technische Gegenstände wie Autos, Flugzeuge, Schiffe. Geigen sollen besser klingen, wenn ihr Resonanzkörper exakt spiegelbildlich ist. Durch die Mitte eines rotierenden Systems geht gleichfalls eine Symmetrieachse. Je weiter die Wissenschaft in die Urgründe des Kosmos eindringt, desto mehr Symmetrie-Erscheinungen werden sichtbar. Als Beispiel sei die Entdeckung der Antimaterie genannt. Allerdings reicht zur Erklärung nun die einfache Spiegelsymmetrie nicht mehr aus. Die Mathematik definiert u.a. weitere Symmetrie durch Verschiebung bzw. Verdrehung. In der Kunst wurde die erweiterte Symmetrie den Ergebnissen der Mathematik übrigens bereits geraume Zeit vorweggenommen, in arabischen Wandverzierungen der Alhambra Granadas beispielsweise, die vor 700 Jahren entstanden.

Über den Zusammenhang von Schönheit und Wahrheit ist an der Universität Bergen in Norwegen ein Experiment zum Gebrauch von Schönheit als Wahrheit durchgeführt worden. Den Probanten wurden als Projektionsbild kurzzeitig Punktmengen gezeigt, die sie addieren und mit Ergebnisvorschlägen vergleichen sollten. Die Punkte waren teils symmetrisch, teils asymmetrisch angeordnet. Im Ergebnis zeigte sich, dass für die Teilnehmer allein die Symmetrie ein Zeichen für die Korrektheit der Summation zu sein schien. Auch durch Kernspinaufnahmen des Gehirns konnten natürliche Schönheitsempfindungen nachgewiesen werden an, u. zwar Hand der Bilder von Skulpturen aus der Epoche der Klassik und der Renaissance, die kanonische Proportionen zeigten. In der Pflanzenwelt weisen Blüten die Symmetrie des Hexagramms aus. In unserem Wesen ist es wahrscheinlich vorbestimmt, dass wir Symmetrie in jeder Erscheinung als schön empfinden. Das ist auch erklärlich, denn wir sind ein Bestandteil des Kosmos. Allerdings wirkt ein Übermaß an Ordnung und Ebenmäßigkeit doch langweilig und starr. Baumeister haben wohl deshalb kleine Asymmetrien in Bauwerke eingefügt und persische Teppiche sollen eben deshalb vorsätzlich einen kleinen Fehler enthalten. Nach Erkenntnissen der Naturwissenschaft ist eine gewisse Asymmetrie auch nötig, damit eine zeitliche Entwicklung ablaufen kann. Bei perfekter Symmetrie gebe es uns wohl gar nicht, ebenso wie im reinen Chaos auch. Und letztlich lehrt uns die Erfahrung, dass Schönheit wiederum auch trügerisch sein kann. Namentlich wir Menschen können der Schönheit nachhelfen. Die Anfänge der Kosmetik sind reichen bis in die Urgründer der Menschheitsgeschichte zurück. Heute schenken Mütter ihren Töchtern aus Anlass der Volljährigkeit das Geld für Schönheitsoperationen, um vorhandene Unregelmäßigkeiten ausgleichen zu können.

Im philosophischen Sinne wird Schönheit wie folgt definiert:

  • nach Platon (um 440 v. Chr.) entwickelt sich das Schöne vom niedrigen Zustand der sinnlichen Wahrnehmung zur Idee des Schönen in der geistigen Erkenntnis. Dann wird das Schöne zum Inbegriff höchster Vollkommenheit, zum idealen Prinzip, das sich in der Schöpfung, der Ordnung und der Harmonie des Kosmos manifestiert. In enger Verbindung stellt es so das Leitbild für sittliche Vervolkommnung der menschlichen Seele dar.
  • nach Kant (vor 250 Jahren) hat man zu unterscheiden zwischen dem interessenlosen Wohlgefallen, das durch die Schönheit angeregt wird, und demjenigen, das durch das Erhabene bewirkt wird, welches das menschliche Vorstellungsvermögen überwältigt.
  • nach Schiller (vor 250 Jahren) würde durch ästhetische Erziehung des Menschengeschlechts ein ästhetisch veränderter Mensch entstehen und damit eine Welt, in der alle Gegensätze in Harmonie aufgehoben sind.
  • nach Schopenhauer (vor 130 Jahren) kann der Mensch im ästhetischen Genuss die Lasten des Alltages leichter ertragen
  • nach Emerson (etwa zur gleichen Zeit wie Schopenhauer) wird der Geist wachsen und Meinungen und Handlungen werden wahre Größe erlangen, wenn unser Auge auf die Ewigkeit gerichtet ist.
  • nach maßgeblichen Philosophen des 20. Jh. wohnt der Kunst die Fähigkeit inne, Vorbote möglicher Wahrheiten zu sein – also ein Potenzial gegen verdinglichte und verfremdete Wirklichkeit.

Es ist also offenbar, dass Schönheit viele Facetten hat, die offensichtlich weit über die Funktion des Zierrates hinausgehen. Klarheit, Harmonie der erhabenen, naturgemäßen Schönheit sollten uns ein Gefühl der Ehrfurcht vor den Werken der Schöpfung vermitteln Die Entwicklung des Lebens basiert auf der natürlichen Auslese. Das ist der Grundgedanke der Darwinschen Evolutionslehre. Aber Darwin soll auch gesagt haben, dass Schönheit über praktischen Nutzen siegt.

Wir erleben in unserer Zeit das Verschwinden der Handschrift und damit wird auch ein individueller Anreiz für Schönheit erlöschen. Massenkonsum führt zu einem einheitlichen Lebensstil für die Masse der Bevölkerung. Damit werden weitere Merkmale der Schönheit eingeschränkt: die kulturelle Vielfalt, desgleichen individueller Geschmack. Letzterer bezieht sich allerdings sehr viel öfter auf Kosmetik denn auf kosmischen Bezug. Des weiteren besteht zwischen Schönheit und Luxus ein nicht zu übersehender Zusammenhang. Nicht jeder hat künstlerische Begabung, nicht jedem ist ein hohes Schönheitsempfinden vergönnt. Allein: Schönheit ist eine Eigenschaft des Kosmos. Schönheit ist der Glanz der Wahrheit. (Thomas v. Aquin) In einer Studie der Uni Nürnberg von 2011 wurde nachgewiesen, dass die Beschäftigung mit Kunst positive Spuren im Gehirn hinterlässt und somit die psychische Widerstandskraft stärkt.

“Des Menschen Psyche findet Ruhe in der Betrachtung der Schönheit“ - heißt es in einem die Alhambra zu Granada betreffenden arabischen Gedicht. Und darum kann sich jeder bemühen.


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