Bestimmung der Freimaurer

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Über die Bestimmung der Freimaurer

Ein Lied mit Variationen, 1774-1801

Bearbeitet von Roland Müller

siehe auch ein stellenweise ähnliches Lied:
Ermahnungen an die Brüder, 1774
Ein Lied mit vielen Versionen, 1774 bis 1823


In:
Allgemeines Gesangbuch für Freymäurer. 1784,
gibt es 11 Lieder mit dem Titel: Ueber die Bestimmung der Freymaurer:

24: Das Glück, das Ungeweihte kaufen
Theodor Gottlieb von Hippel: 19 neue Lieder, 1772
24-25: Dem großen Meisterstücke
13 neue Lieder aus Frankfurt, 1782
31: Der Tugend sanften Reitz empfinden
Acht neue Hamburger Logenlieder, 1772
47-48: Edle Maurer! auf! und singt erfreut
Johann Adolf Scheibe: 4 neue Lieder, 1776 (Werner Hans Friedrich Abrahamson)
48-49: Edle Maurer, schmeckt das Glück
Acht neue Hamburger Logenlieder, 1772
58-59: Geruhig seines Weges gehn
Christian Gottfried Telonius: 11 neue Lieder aus Hamburg, 1779
79-81: Im Kreis erwählter Freunde der Weisheit still geweiht
Ermahnungen an die Brüder, 1776, Version VII, 1782
91-92: Maurer, für der Wahrheit Spur
(siehe untenstehend)
98-99: O! blühe stets durch dreymal drey
Johann Adolf Scheibe: 4 neue Lieder, 1776 (Werner Hans Friedrich Abrahamson)
127-128: Weise Maurer! schmeckt das Glück
Acht neue Hamburger Logenlieder, 1772
133: Wie schön, o Brüder! ist die Frucht
Johann Wilhelm Bernhard von Hymmen: 24 weitere Liedtexte, 1776

Version I


Zum Singen für Brüder
[Hamburg, 1774,] 65-68

Auch in:
Freymaurer-Lieder mit Melodien, zum Gebrauch der, von der Großen Landes-Loge der Freymaurer in Deutschland constituirten Logen. Herausgegeben von einem Mitgliede der Brüderschaft [Christian Gottfried Telonius]. Hamburg, Zwote Sammlung 1779; 2. Aufl. 1781; 3. Aufl. 1784, 32-33 (nur die Strophen 1, 2, 4 und 7)
Lieder für Frey-Mäurer. Zwote Sammlung. Philadelphia im Jahre 3886 [= 1780],
XLVIII. ohne Titel
Allgemeines Gesangbuch für Freymäurer. 1784, 91-92,
unter dem Titel: Ueber die Bestimmung der Freymaurer
Vollständiges Liederbuch der Freymäurer mit Melodien, in Zwey Bücher. Zweyter Band. Kopenhagen: Proft 1785, 138-140 (mit der Kennzeichnung: H = Freymaurer-Lieder mit Melodien. Zwote Sammlung Hamburg 1778-1779)
Gesangbuch für Freymäurer. Königsberg 1787, 202-204,
unter dem Titel: Erinnerung des Maurerberufs
Auswahl von Freymaurerliedern zum Gebrauch der gerechten und vollkommenen Loge Günther zum stehenden Löwen im Orient von Rudolstadt, 1794, 21-23 (nur die Strophen 1, 2, 5, 4, 7 und 8)
unter dem Titel: Erinnerung des Maurerberufs
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801, 177 (ohne die 3. Strophe)
Auswahl der brauchbarsten maurerischen Gesänge herausgegeben von der Loge zum Morgenstern in Hof. 5801 [= 1801a], 36-38
Lieder für Freymaurer. Hannover 1809, 31-32 (nur die Strophen 1, 2, 4, und 7)
Sammlung Maurerischer Lieder zum Gebrauch der zum Sprengel der Provinzial-Loge von Niedersachsen gehörigen Logen. 1823, 254-255 (nur die Strophen 1, 2, 4 und 7)


Maurer, für der Wahrheit Spur,
Und ihr Licht gebohren,
Die der Meister der Natur
Sich zum Ruhm erkohren,
[1787, 1794: Liebreich sich erkohren,]
Wer sich Euren [1784, 1801a: einen] Bruder nennt,
Sey es Ihm zur Ehre!
Und für das, was er erkennt,
Bau' er Ihm Altäre.

Wenn in fauler [1787: träger; 1801: steter] Ueppigkeit
Sich die Prasser pflegen,
[1779, 1794, 1809, 1823: Wenn nur Lust zur Sinnlichkeit
Eitle Thoren hegen:]
Fühlt Ihr im Gebrauch der Zeit
Eures Daseyns Segen [1787: Seegen].
Glücklich, wem die stille Nacht
Mit dem Trost begegnet:
Wiederum [1801a: abermals] ein Tag vollbracht,
Der mein Daseyn segnet!

Wenn der finstre Menschenfeind
Wüsteneyn durchheulet,
[1785: Wüsten sucht und findet,
1787: In die Wüste eilet,]
Sind wir unter uns vereint
Brüderlich getheilet,
[1787: Wo kein Zwist uns theilet.]
[1801a: Wenn den finstern Menschenfeind
Gram und Groll verschließen,
sind wir brüderlich vereint,
Freuden zu genießen.]
Daß die Schöpfung Freuden [1787: Freude] faßt,
Ist ein Glück, zu wissen;
Nicht um aller Güter Last
Wollten [1784, 1801a: wollen] wir es missen.

[1785:
Wenn der finstre Menschenfeind
Wüsten sucht und findet,
Sind wir unter uns vereint
Weil uns Liebe bindet.
Wer es weis daß Freud und Lust
Gottes Schöpfung schmücket,
Dem wird nie der Gram bewust,
Welcher jenen drücket.]


Wenn die Habsucht Schätze mehrt,
Ohne sie zu nützen;
Lehrt die Weisheit uns den Werth,
Froh sie zu besitzen.
[1801a: Wenn die Habsucht Schätze mehrt,
um sie zu besitzen,
hat die Weisheit uns gelehrt,
ihren Werth zu nützen.]
Uns sind sie Ermunterung,
Antrieb zum Erbarmen;
Himmlische Befriedigung,
Ist der Trost [1801a: Dank] des Armen.
[1779, 1809, 1823: Labsal für die Armen.]

Wenn der Ehrgeiz ängstlich keucht,
Und nach Höhen klettert,
Fühlen wir uns froh und leicht
Durch uns selbst vergöttert.
Der, des Ranges trunkne Thor
[1801: Der nach Rang begier‘ge Thor;
1801a: Der von Rangsucht trunkne Thor]
Wird von uns getadelt;
Nur die Demuth hebt empor,
Nur die Weisheit adelt.

[1787, 1794:
Wenn der Ehrgeiz ängstlich keucht
Und sich selbst vergöttert,
Wandeln wir froh, dreust (1794: dreist) und leicht
Wo er ängstlich klettert;
Wenn der rangbedürftge Thor
Brudersitte tadelt,
Heb die Weisheit sie empor,
Die die Demuth adelt.]


Keiner, dem die Binde fiel,
Wird vom Wahn getäuschet;
Ihm bleibt sein gewisses Ziel,
Was die Tugend heischet.
Todesfurcht, ihm unbekannt,
Ist die Quaal des Narren;
Er kann lächelnd, Hand in Hand,
Der Vollendung harren.
[1785: Todesfurcht, ihm unbekannt,
Ist die Qual des Thoren:
Denn er fühlt sich für das Land
Jenes Heils geboren.]
[1787: Mit Unsterblichkeit verwandt
Sieht er Gräber offen
Und kann, mit dem Tod bekannt
Da Vollendung hoffen.]

Brüder! die des Meisters Ruf
Seiner werth erkannte!
Denkt, wozu er Euch erschuf,
Warum er Euch sandte;
[1787, 1794: Und umher euch sandte]
Ins Vergangne hinzuschau’n,
Was ihr da vollendet,
Unermüdet fortzubau‘n,
Bis der Bau sich endet.

Schönheit schmücket Euren Pfad,
Stärke hilft ihn wandeln;
Und wer [1785, 1787, 1794: Den, der] ihn getrost betrat,
Lehrte Weisheit handeln.
Macht dann [1784: denn] jeglichen Versuch
Euch zum stillen Ruhme!
Duftet Euren Wohlgeruch, [1787, 1794: Thatenwohlgeruch]
Wie die Frühlingsblume.
[1785: Folgt dem Trieb der in euch brennt
Glücklich selbst zu werden,
Und daß ihr es werden könnt,
Baut das Glück der Erden.]

[1801a eine neue letzte Strophe:
Macht denn jeglichen Versuch
Euch zum stillen Ruhme;
Duftet ringsum Wohlgeruch
Wie die Frühlingsblume.
Den, der ihren Weg betrat,
lehrt die Weisheit handeln,
Schönheit schmücket seinen Pfad,
Stärke hilf ihm wandeln.]

Version II


1784 hat Heinrich Faber eine völlige Umdichtung vorgenommen.
Sie findet sich in der ergänzten Ausgabe von:
Lieder zum Gebrauch der Freymäurer-Loge zur Einigkeit in Frankfurt am Mayn.
Frankfurt am Mayn, bei Heinrich Ludwig Brönner, 1782 (ergänzte Ausgabe 1784)

Sie kommt in keiner anderen Liedersammlung vor.