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Der Grad der „Unbekannte Philosophen

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Flammende Stern Tschoudy.jpg

Inhaltsverzeichnis

Der Grad der „unbekannten Philosophen“, 1766

Bearbeitet von Roland Müller


Théodore Henri de Tschoudy: Der flammende Stern. Oder die Gesellschaft der Freymäurer. 1779, II, 135-230
 (frz. 1766, II, 189-327);
2. Aufl. als Sechster und Siebenter Theil von „Der Signatstern“, 1810; 3. Aufl. 1866; Neuabdruck 1920; Nachdruck 1979

Mit leichten Abänderungen nachgedruckt in:
Traktat von den ersten Elementen in einem geheimen Unterricht eines Adepten an seinen Sohn, aus einem französischen Manuscript, dem beygefügt ist der Unterricht für den Adeptengrad. Herausgegeben von einem Verehrer der edlen Schmelz- und Maurerkunst.
Leipzig, bey Christian Gottlob Hilschern, 1784, 83-135

Im „Internationalen Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932) stehen einige fragwürdige Angaben zu Baron Tschoudy.
Sp. 690: er habe in dem untenstehenden Katechismus „die hermetische Anschauungsweise auf die Freimaurerei übertragen“.
Sp. 1600: er habe 1766 „in Paris den (Schottischen) Orden ‚L’Etoile flamboyante‘ gestiftet, mit den Graden Lehrling und Geselle, „Rose-Croix Grand Ecossais de la voute sacrée de Jacques VI. und Grand Ecossais de Saint André d’Ecosse“; niedergelegt sei dieses System im Buch „L’Etolie flamboyante“.
Sp. 452 hat dieser „Ritus“ fünf Grade [1600 fehlt ein Komma nach Rose-Croix …]

Eine Biographie des Juristen Tschoudy:
http://sog1.free.fr/ArtHally200Tschoudy.htm

Louis Claude des Saint Martin, ebenfalls Jurist, veröffentlichte 1775 eine Schrift „Des Erreurs et de la Vérité, ou les Hommes rappellés au principe universal de la science“ unter dem Namen „Ph … Inc…“ (= „Philosophe Inconnu“).
Sie wurde von Matthias Claudius auf Deutsch übersetzt: Irrthümer und Wahrheit, oder Rückweiß für die Menschen auf das allgemeine Principium aller Erkenntniß. Verlegt bey Gottlieb Löwe in Breßlau. 1782


Allgemeine Idee der Maurerey,

aus einem philosophischen Gesichtspunct betrachtet, wie sie schon die Alten unter dem Namen der Gesellschaft der unbekannten Weisen angedeutet haben.


Die Theorie der hermetischen Wahrheiten hat verschiedenen maurerischen Graden den Ursprung gegeben, die mit dem Namen des Adepten, Phönix, erhabenen Philosophen u. s. w. bezeichnet werden. Eine ernstliche Prüfung aller Gegenstände, die stückweise in den verschiedenen Uebungen der Freymäurer vorkommen, die Auseinandersetzung des größesten Theils ihrer Sinnbilder, und besonders des flammenden Sterns, wovon sie so viel Wesens zu machen scheinen, könnte vielleicht die Meynung rechtferigen [!], daß die Wissenschaft des Hermes der Ursprung und der Zweck der Vergesellschaftung ist, die gemeiniglich Freymäurerey genannt wird.

Der Vorgang der erster, Grade, die Gestalt der Logen, die innere Anordnung des Tempels, die geheimnißvolle Zahlen, die Gelübde der Aufnahme, die allgemeinen Regeln des Ordens, die Ausübung der Tugend, und die so dringend empfohlne Verschwiegenheit, bestärken sehr die Vermuthung, daß die ersten Menschen, die sich unter dem Vorwande, den salomonischen Tempel wieder aufzubauen, vergesellschafteten, ein Werk im Sinne hatten, was mit der Geschicklichkeit dieses frommen Monarchen, der in der geheimen Wissenschaft der Natur so tief bewandert war, in einer nähern Beziehung stand.
Vielleicht daß die Gesellschaft der Maurer, die so erstaunlich angewachsen ist, gewänne, wenn sie diese für sie so vortheilhafte Idee vor den Augen des Publikums rechtfertigen wollte, und daß man sie weit mehr schätzen würde, wenn man wüßte, daß sie sich mit gelehrten Speculationen, wären selbige auch noch so falsch, beschäftigen,, als wenn man sie, wie es scheint, unzusammenhangende Ceremonien treiben sieht, die sich auf keinen bestimmten Gegenstand beziehen, und nach welchen man die Legen mehr wie eine Versammlung müßiger oder seltsam frölicher Menschen, als wie eine ehrwürdige Schule nützlicher Bürger ansehen muß, die sich auf die Erforschung der für die Menschheit tröstlichsten Schätze legen.
Man hat sich in diesem Werk nicht vorgesetzt, die vernünftigen Zweifel, die das Publikum in dem Betracht hat, zu heben, es ist hinreichend, demselben einen Faden zu seinen Betrachtungen zu geben, und diesen wird man ihm verschaffen, wenn man ihm den ersten Theil der Gebräuche und Kenntnisse, die den Hauptpunkt der Gesellschaft der unbekannten Philosophen ausmacht, welche sich, so wie die Gesellschaft der Maurer, in drey Hauptgrade, nämlich Lehrling, Gesellen und Meister oder Weise abgetheilt, vor Augen legt.

Es ist hier nur von dem Lehrlingsgrade die Rede, von welchem man hier das Gemählde und die Unterweisung oder den Catechism in der größesten Ausführlichkeit beyfügt: wenn dieser gute Aufnahme findet, so wird es leicht seyn, den Wißbegierigen in einem besondern Bande die zween andre Thelle nachzuliefern, welche diesen Zweig ausmachen, den ich beynahe den Stamm der Maurerey nennen möchte.

Es würde zu viel Eigenliebe verrathen, wenn ich hier mein besonderes Urtheil über diese Sache anführen wollte: da ich von der Möglichkeit des grossen Werts innig überzeugt bin, so brauch ich meine Meynung nicht vorzubringen, und ich werde mit Vergnügen die Meynung des Publikums oder der Liebhaber hierüber abwarten.

Um dies kleine Stück jedermann faßlich zu machen, habe ich selbigem so viel möglich war, die maurerischen Formen und die Fragen, die eine unmittelbare Beziehung auf die Ritualien des Ordens haben, zu benehmen gesucht; indem ich dadurch auf einer Seite der zärtlichen Bedächtigkeit meiner Brüder schone, lasse ich auf der andern, dem ungeweihten Kenner das Mittel, seine Einbildung an alle den Vorschriften und Urkunden, die zur Wissenschaft gehören, üben zu können; und ich würde mich vorzüglich glücklich schätzen, wenn mir jemand, Maurer oder nicht Maurer, andre Ideen eröfnete, mich mehr aufklärte, oder meine Grundsätze bestärkte.

Die Staunen der unbekannten Philosophen, welche Johann Joachim d'Estringel bereits selbst herausgegeben halte, stehen in zu genauem Verhältniß mit der Maurer ihren, welche nach jenen geformt zu seyn scheinen, als daß ich mich ihrer bey der Gelegenheit nicht hätte erinnern sollen, und ich habe geglaubt, selbigen den ersten Platz anpreisen zu müssen.

Statuten der unbekannten Philosophen.


Erster Artikel.
Die Mitglieder können aus allen Ständen seyn.

Diese Gesellschaft soll nicht auf eine Gegend, ein Volk, ein Königreich, eine Provinz, kurz nicht auf einen besondern Ort eingeschränkt werden, sondern sie soll sich über die ganze bewohnbare Erde verbreiten, so weit eine heilige Religion selbige erleuchtet, oder die Tugend bekannt ist, oder die Vernunft befolgt wird, denn ein allgemeines Gut muß nicht in einem engen Ort eingeschlossen, sondern hingegen allenthalben, wo man Menschen antrift, die selbiges anzunehmen fähig sind, ausgebreitet werden.

Zweyter Artikel.
Abteilungen in besondere. Zünfte.

Damit in einer so weiten Strecke von Ländern keine Verwirrung entstehe, haben wir für gut befunden, die ganze Gesellschaft in Versammlungen oder Zünfte abzusondern, und diese besondern Zünfte dergestalt zu vertheilen, daß jede ihren angewiesenen Ort und ihre bestimmte Provinz habe. Zum Beyspiel, daß jede Colonie sich in ein Reich einschließe, wo es nur ein einziges Oberhaupt habe; daß jede Versammlung sich bloß auf eine Provinz beschränke, und sich nicht über den bestimmten Bezirk des Landes hinaus erstrecke.
Wenn es sich demnach zuträgt, daß jemand ansucht, in unsre Gesellschaft aufgenommen zu werden, der nicht aus einem bekannlen und mit vesten Gränzen bezeichneten Lande ist; so nöthige man ihn, eines zu wählen, wo er sich häuslich niederlasse, damit er nicht zu gleicher Zeit zu zween Colonien oder Versammlungen gehöre.

Dritter Artikel.
Die Zahl der Mitglieder.

Was die Zahl der Mitglieder in jeder Colonie oder Versammlung betrift, so ist es aus unten angeführten Gründen weder leicht noch nützlich, selbige vorzuschreiben: die Vorsicht wird dafür sorgen, da in der Thal die Ehre, der Dienst Gottes, der Dienst des Fürsten und des Staats, der einzige Zweck ist, den man sich in dieser ganzen Stiftung vorgesetzt.
Was man überhaupt sagen kann, ist, daß man sich hierin auf die Klugheit derjenigen verlassen muß, welche aufnehmen, und welche nach Zeit, Ort und übrigen Umständen mehr oder weniger Personen den Eintritt in ihre Zunft verstatten werden. Nur werden sie sich erinnern, daß die wahre Philosophie sich nicht recht mit einer großen Menge von Personen vertrage, und daß es also immer sicherer seyn werde, sich auf eine kleine Anzahl zu beschranken. Der Aelteste oder der Erste von jeder Colonie oder Versammlung wird das Register aller Mitglieder bey sich haben, in welchem die Namen und das Land derer, die zu seiner Zunft gehören, nebst der Ordnung ihrer Aufnahme, aus Gründen, die wir sogleich sagen wollen, verzeichnet seyn müssen.

Vierter Artikel.
Es können Leute von jedem Stande und jeder Religion zugelassen werden.

Es ist keinesweges nothwendig, daß diejenigen, welche man in die Gesellschaft aufnehmen wird, alle von einerley Stand, Gewerbe oder Glaube seyn müssen. Es ist ein Erforderniß bey ihnen, daß sie mindestens von den heiligen Geheimnissen der christlichen Religion unterrichtet seyn, daß sie die Tugend lieben, und daß sie die zur Philosophie gehörige Anlage haben, dergestalt, daß der Gottesleugner und Götzendiener nicht zugelassen werden kann: blos durch eine Ausnahme, die sich auf die Achtung für das alte Gesetz gründet, wird der Jude, obgleich selten, daran Theil nehmen können, wofern er übrigens die Eigenschaften eines ehrlichen Mannes an sich hat; man wird demnach gar nicht auf die Geburt der Personen sehen; denn da man keine andere Absicht hat, als den Armen der christlichen Staaten zu helfen, und allen Bekümmerten im Menschengeschlecht, an welchem Ort und von welchem Stande sie seyn mögen, Erleichterung zu schaffen; so werden die Mitglieder von einer niedrigen Geburt darin eben sowohl fortkommen können, als die Personen von dem höchsten Range.
Es wäre also zum Nachtheil der Menschheit, wenn man sie aus unserer Zunft ausschließen wollte, vornehmlich da diese Art Menschen gemeinhin weit eifriger sind, die moralischen Tugenden auszuüben, als jene, die in hohen Würden stehen. Das Gemische der Religionen kann keiner derselben nachtheilig seyn, noch der wahren schaden, noch Zwistigkeiten oder Spaltungen veranlassen, weil durch ein Gesetz verbothen seyn wird, niemals über Materien von der Art zu sprechen, und da es überdem nicht wahrscheinlich ist, daß der große Baumeister Menschen die Gnade verleihen werde, das große Werk, wovon unsere Philosophie die Grundsätze entwickelt, glücklich zum Ende zu bringen, wofern sie nicht zuvor ihr Herz von allen Arten böser Gesinnungen gereinigt haben: indessen wird der Orden nur denjenigen die Geheimnisse der Philosophie im wahren Lichte zeigen, die aufgehört haben in den Geheimnissen des Glaubens -blind zu seyn.

Fünfter Artikel.
Man soll nicht leichtlich die Ordensgeistlichen zulassen.

Obschon es, wie eben gesagt, gleichgültig ist, von welchem Stande die Mitglieder seyn, so ist doch zu wünschen, daß man keine, oder wenige von den Klostergeistlichen, vornehmlich von den Orden, die man Bettelorden nennt, aufnehme, es wäre denn im Fall eines äußersten Mangels an andern zu unserm Institut tüchtigen Personen.
Das nemliche Gesetz gelte auch von den Sklaven und von allen, die dem Dienst und dem Willen der Großen gänzlich unterworfen sind; denn die Philosophie verlangt freye Menschen, die ihre eigene Herren sind, die arbeiten können, wenn es ihnen gefällt, und die ohne einige Hinderung ihre Zeit und ihre Güter anwenden können, um die Philosophie mit neuen Entdeckungen zu bereichern.

Sechster Artikel.
Selten die Landesfürsten.

Unter den freyen Personen sind am wenigsten tauglich zu diesem Beruf die Könige, die Fürsten und andere Landesherrn.
Das Nemliche muß man in anderm Betracht von gewissen geringen Leuten urtheilen, welche zwar die Geburt ein wenig über das Gemeine erhoben, das Glück aber in einem niedrigen Range läßt; denn weder die einen noch die andern sind für uns brauchbar, dafern nicht gewisse vorzügliche Tugenden, die aus ihrem ganzen Betragen hervorleuchten, sie von dieser Ausnahme befreven. Der Grund davon ist, weil es sich selten trift, daß nicht der Ehrgeiz die herrschende Leidenschaft dieser Arten von Stände ist: wo aber diese unglückliche Neigung statt findet, ds handelt man nicht mehr aus Bewegungsgründen einer allgemeinen Mildlhätigkeit und Liebe fürs Menschengeschlecht.

Siebenter Artikel.
Man sehe vornehmlich auf die Sitten.

Ueberhaupt gedenke niemand, von welchem Stande er auch sey, in diese Gesellschaft zu kommen, wenn er nicht wirklich ein ehrlicher Mann ist; es wäre, wie gesagt, sehr zu wünschen, daß er den christlichen Glauben bekännte, und daß er die Tugenden desselben ausübte; daß er eine gewissenhafte Redlichkeit, eine veste Hofnung, eine brünstige Menschenliebe hätte — dies sind die drey Hauptsäulen eines jeden vesten Gebäudes — daß er ein umgänglicher Mann, aufrichtig in seinen Reden, gleich im Glück und Unglück wäre, kurz, an welchem sich kein Zeichen einer bösen Gesinnung blicken ließe, damit nicht eben diejenigen, durch welche man an dem Glück der andern zu arbeiten gedenkt, selbst zum Verderben dienten.
Man hüie sich vor allen Dingen vor Leuten, die dem Wein und den Weibern ergeben sind; denn würde wohl selbst Harpocrates seine Freyheit unter den Gläsern bewahren? Und Hermes selbst, würde er wohl mitten unter Weibern weise seyn? Welche Unordnung wäre es nicht, wenn dasjenige, was der Lohn der höchsten Tugend seyn soll, der Preis einer schändlichen Schwelgerey würde.

Achter Artikel.
Es sollen Leute seyn, die natürliche Wißbegierde haben.

Es ist nicht genug, daß die Sitten untadelhaft sind, es müssen noch überdem unsere Proselyten wahres Verlangen in die Geheimnisse der Chymie zu dringen, und eine aus dem Grunde der Seele quellende Wißbegierde haben, nicht nach falschen Kunststücken der Marktschreyer, sondern nach den wunderbaren Arbeiten der hermetischen Wissenschaft; auf daß sie nicht allmählig Verachtung für eine Kunst gewinnen, deren Vortreflichkeit sie nicht auf einmal fassen können.
Bey alledem muß man dies nicht so verstehn, als ob jemand bloß seiner Neugierde wegen schon tüchtig wäre, unter uns aufgenommen zu werden; niemals ist die Neugierde größer, als bey denen, die von falschen Grundsätzen eingenommen, sich in die Arbeiten einer betrüglichen Chymie vertiefen, und gerade diese sind am unfähigsten und am wenigsten würdig, ins Heiligthum unserer Wahrheiten gelassen zu weiden.

Neunter Artikel.
Die Verschwiegenheit, eine wesentliche Bedingung.

Schlüßlich füge man noch zu allen guten Eigenschaften eine unbestechliche Verschwiegenheit, die derjenigen gleiche, welche Harpocrates so wohl zu beobachten wußte; denn wenn ein Mensch nicht zu schweigen und zu reden versteht, wenn es nöthig ist, so wird er niemals den Charakter eines wahren und vollkommenen Philosophen haben.

Zehnter Artikel.
Art aufzunehmen.

Wer einmal in die Zahl unserer Auserwählten aufgenommen ist, darf seiner Seits andere aufnehmen, und wird alsdann ihr Patron. Nur muß er in der Wahl der Proselyten die vorhergehenden Regeln beobachten, und nichts unternehmen, ohne den Patron, von welchem er selbst aufgenommen worden, davon benachrichtigt, und dessen Einwilligung erhalten zu haben.

Elfter Artikel.
Formular der Aufnahme.

Wenn nun jemand, angelockt durch den Ruf, den diese Gesellschaft sich erwerben wird, wünschte, zu derselben zugelassen zu werden, und wenn er sich deshalb an einen wendete, von dem er vermuthete, daß er dazu gehöre, so wird dieser anfangen, die Sitten und die Gesinnung seines Postulanten fleißig zu beobachten, und ihn eine Zeitlang hinhalten, ohne ihn von etwas zu versichern, bis er hinlängliche Proben von seiner Fähigkeit habe, es wäre denn sein guter Name so bekannt, daß man keine Ursache hätte an seiner Tugend und an den andern erforderlichen Eigenschaften zu zweifeln.
In dem Fall wird das Mitglied die Sache demjenigen anzeigen, der ihm selbst zum Patron gedient hat; er wird ihm getreulich, ohne Verhehlung und ohne Gunst anzeigen, was er Gutes oder Böses an dem, den er in Vorschlag bringt, bemerkt hat; aber er muß ihm zugleich seine Person, seine Familie, seinen Namen verschweigen, es sey denn, daß der Postulant darein willige, und daß er selbst inständig darum anhalte, nachdem er vorher belehrt worden, daß ein ausdrückliches Verboth vorhanden sey, nach welchem man ihn in der Gesellschaft nicht nennen darf; denn es ist eine der weisesten Einrichtungen der Gesellschaft, daß alle, die dazu gehören, nicht nur den Fremden unbekannt sind, sondern sich auch selbst unter einander nicht kennen; daher sie den Namen der unbekannten Philosophen bekommen.
In der Thal wenn sie es so halten, so wird es geschehen, daß sie sich leicht vor den Nachstellungen und Fallstricken bewahren werden, die man den wahren Philosophen zu legen pflegt, und besonders denen, die an dem Stein arbeiten, welche vielleicht ohne diese Vorsicht, durch Antrieb des Dämons, ihren eigenen Freunden zum Raube werden würden, so daß die ganze Gesellschaft Gefahr liefe, sich in Kurzem zu Grunde gerichtet zu sehen; da im Gegentheil nach diesen Maaßregeln, wenn sich unter ihr ein Verräther oder irgend jemand fände, der, ohne seine eigne Schuld, das Unglück gehabt, entdeckt zu werden, die andern, die aus Klugheit unbekannt geblieben, und daher weder angegeben noch verklagt werden können, keinen Theil an dem Unglück ihres Mitgenossen nehmen, und ohne Furcht ihre Untersuchungen und Arbeiten fortsetzen werden. Wenn jemand nach dieser Warnung noch die Unbedachtsamkeit hat sich zu erkennen zu geben, so schreibe er es sich selbst zu, wenn es ihm in der Folge übel geht.

Zwölfter Artikel.
Pflichten der Patronen.

Damit der alte Patron, der von dem künftigen Patron angegangen wird, seine Einwilligung zur Aufnahme seines neuen Proselyten zu geben, die Sache nicht auf die leichte Achse! nehme, so soll er zuvor verschiedene Fragen an das Mitglied thun, das ihm davon sagt, und so gar wenn er an seiner Aufrichtigkeit einigen Zweifel hat, ihn durch einen Eid versprechen lassen, die Sachen zu sagen, wie sie sind.
Nach dem trage man die Sache der Versammlung vor, das heißt, denjenigen von seinen Mitgenossen, die ihm bekannt sind, und folge ihrem Gutachten darüber.

Dreyzehnter Artikel.
Vorrecht der Oberhäupter.

Das Oberhaupt oder der Aeltesle einer Colonie soll von obigem Gesetz sowohl als von verschiedenen andern Dingen dieser Art frey seyn. Wenn es sich indessen zutrüge, daß die Zahl der Mitglieder abnähme, und man genöthigt würde, nur eine Versammlung aus der ganzen Colonie zu machen; alsdann verliert das Oberhaupt sein Vorrecht, worin man es auf sein eigen Gewissen ankommen lassen muß. Nach seinem Tode soll ihm auch niemand folgen, bis die Menge der Mitglieder es nöthig gemacht, sie in mehrere Versammlungen abzutheilen.

Vierzehnter Artikel.
Aufnahme.

Wenn alles dies geschehen, und die Einwilligung in bemeldter Form gegeben worden, so soll der Candida! auf folgende Weise aufgenommen werden. Zuerst wird man die Gnade des Ewigen anrufen, indem man in dieser Absicht eine öffentliche gottesdienstliche und feyerliche Verrichtung an einer geheiligten Stäte thut, so wie es der Ort, und der Glaube desjenigen, den man aufnimmt, erlauben. Wenn es nicht in einer Zeit geschehen kann, schiebe man es auf eine andere auf, nachdem derjenige, der die Aufnahme verrichtet, darüber verfügen wird. Alsdann soll der Aufzunehmende angeloben, obgenannte Statuten unverbrüchlich zu beobachten, und vor allen Dingen sich zu einer unverletzlichen Verschwiegenheit, wie auch die Sachen gehen mögen, und was sich auch immer ereignen mag, verbindlich machen.

Ferner soll er versprechen, den Gesetzen und dem Landesfürsten eben so wie seinen neuen Mitgenossen treu zu seyn, und schwören, alle diejenigen, die er dafür erkennen wird, wie seine eigene Brüder zu lieben. Endlich soll er sich verpflichten, daß er, wenn er sich jemals im Besitz des Steines sieht, damit so umgehen werde, wie es die Verordnungen der Gesellschaft vorschreiben.
Hierauf wird derjenige, der ihm zum Patron gedient, und diese Gelübde thun lassen, ihm seiner Seits im Namen der ganzen Gesellschaft und seiner Mitgenossen, seine Versprechungen thun; er wird ihn von ihrer Freundschaft, von ihrer Treue, von ihrem Schutz versichern, und daß sie zu seinem Besten alle Gesetze befolgen werden, wie er es verheißen in Ansehung ihrer zu thun; wenn dies geendigt ist, wird er ihm ganz leise und ins Ohr die Worte des Ordens, und hernach, in der Sprache der Weisen, den Namen der Magnesia sagen, das heißt, des wahren und einzigen Stofs, aus welchem der Stein der Weisen gemacht wird. Es wird indessen dienlicher seyn, ihm davon zum voraus eine räthselhafte Beschreibung zu geben, und ihn geschicklich darauf zu führen, daß er es von selbst zu entziffern suche, und wenn er erkennt, daß er unmöglich darin fortkommen kann, so wird ihm der Patron Muth machen, und ihm allmählig helfen, jedoch so, daß er von selbst das Geheimniß entdecke.

Fünfzehnter Artikel.
Von den Namen der Mitglieder.

Der neuaufgenommene Bruder wird einen caballistischen Namen annehmen, welchen man, wenn es sich fügllch thun läßt, durch ein Anagramm aus seinem eigenen oder aus dem Namen eines allen Philosophen ziehen kann; er wird selbigen seinem Patron anzeigen, damit er ihn aufs eheste in das Verzeichnis oder Tagebuch der Gesellschaft eintrage; es kann dieses durch eines von den alten Mitgliedern geschehen, der dafür sorgen wird, es sowohl dem allgemeinen Oberhaupt der Colonie, als dem besondern Vorsteher jeder Versammlung zu wissen zu thun.

'Sechszehnter Artikel.
Von der Verschreibung, die der neue Bruder seinem Patron zu geben gehalten ist.

Außer dem, was bereits gesagt ist, wird der Patron, wenn er es für nöthig erachtet, den Neuaufgenommenen noch vester zu verpflichten, von ihm einen eigenhändigen und mit seinem caballistischen Namen unterzeichneten Zettel fordern, der die Art, wie die Sachen vorgegangen, und den Eid, welchen er abgelegt, bescheinigen soll; von der andern Seite wird der neue Bruder auch seinen Patron vermögen können, ihm in Kraft eines Certificats, sein Zeichen und seinen caballistischen Namen unter einem Exemplare dieser Statuten zu geben, wodurch er allen Mitgliedern der Gesellschaft bezeugen kann, daß er in ihre Zahl aufgenommen sey.

Siebzehnter Artikel.
Nöthige Schriften, die dem Neuaufgenommenen mitgetheilt werden sollen.

Wenn es die Zeit erlaubt, wird man dem neuen Bruder die Freyheit geben, sowohl gegenwärtige Statuten, als den Abriß der Zeichen und cabalistischen Charaktere, welche zur Kunst dienen, nebst ihrer Auslegung, abschreiben zu dürfen, damit er, wenn er sich von ohngefähr mit einem von der Gesellschaft zusammen trift, denselben erkennen, und von ihm erkannt werden könne, indem sie sich über die Erklärung dieser Charaktere einander ausfragen.
Endlich wird er auch die Liste der cabalistischen Namen der Mitglieder nehmen können, die ihm sein Patron mittheilen wird, indem er ihm die rechten Namen derselben, falls er sie wüßte, verschweigt.

Was unsre andre besondre Schriften betrift, die der Patron bey sich haben möchte, oder durch irgend ein Mittel verschaffen könnte, so soll er gleichfalls gehalten seyn, selbige dem neuen Bruder vorzuzeigen, entweder alle auf einmal, oder stückweise, wie er es thun kann, oder für dienlich erachten wird: ohne jedoch jemals das geringste falsche, oder was unserer Lehre entgegen wäre, einzumischen; denn ein Philosoph kann wohl auf eine Weile verhehlen, aber es ist ihm niemals erlaubt, zu betrügen.
Der Patron soll nicht gehalten seyn, diese Arten von Belehrung ausführlicher oder geschwinder zu geben, als es ihm belieben wird; dabey soll er gar nichts verabfolgen lassen, bevor er nicht von dem neuen Bruder die Abgabe eingenommen hat, die zur Erhaltung der gemeinsamen Masse der Gesellschaft abgefodert wird, und bevor er ihn nicht in allen Puncten auf die Probe gestellt, und für einen genauen Beobachter der Statuten erkannt hat, damit nicht dies neue Mitglied sich es einfallen lasse, aus der Zunft zu treten, und unsere Geheimnisse zu verrathen.
Was die Einsichten betritt, die ein jeder anders woher geschöpft hat, so soll es ihm frey stehn, nach seinem Belieben selbige zu verbergen, oder mitzutheilen.

Achtzehnter Artikel.
Pflichten des neuen Mitgliedes.

Nun ist noch übrig, daß man den Neuaufgenommenen ermahne, sich mit Fleiß sowohl auf das Lesen unserer Bücher und der Schriften anderer bewährten Philosophen, entweder allein vor sich, oder zusammen mit einem seiner Mitbrüder zu legen, als auch selbst das Werk anzugreifen, da ohne dieses alle Speculation ungewiß ist.
Er hüte sich hauptsächlich vor dem Verdruß, der die Langweiligkeit der Arbeit begleitet, und nie lasse er sich von der Ungedult, eine Sache zu haben, die er seit so langer Zeit erwartet, hinreißen. Er tröste sich damit, daß alle seine Mitbrüder für ihn arbeiten, so wie er selbst auch für sie arbeiten muß, weil er sonst keinen Theil an ihrer Entdeckung haben würde; er gedenke, daß die Ruhe und die vollkommne Wissenschaft das Ende und der Lohn der Arbeit ist, so wie der Ruhm den Sieger belohnt; und daß die Trägheit und Kleinmüthigkeit nichts als Unwissenheit und Irrthümer zu Folgen haben.

Neunzehnter Artikel.
Jahrstag der Aufnahme.

Alle Jahr, an dem Tage seiner Aufnahme, dafern man nicht einen gemeinschaftlichen Tag für alle festgesetzt, wird jedes Mitglied, wenn es catholischen Glaubens ist, Gott das heilige Opfer bringen, und von dem Ewigen die Gabe der Wissenschaft und der Erkenntnis erbitten. Jeder Christ überhaupt, oder jeder andere, von welcher Sekte er sey, wird das Nemliche nach seines Art thun: wenn man indessen vergäße es zu thun, soll man sich darüber kein Gewissen machen; denn diese Anordnung ist nur als ein Rath, und nicht als eine Vorschritt anzusehen.

Zwanzigster Artikel.
Man gebe sich nicht mit alchymistischen Verfälschungen ab.

Man enthalte sich aller Mittel, Metalle zu verfälschen, von welcher Art sie seyn mögen. Man habe keinen Verkehr mit allen Marktschreyern und Receptenkrämern, denn nichts ist einem christlichen Philosophen, der die Wahrheit sucht, und seinen Brüdern helfen will, unanständiger, als sich mit einer Kunst zu bemengen, die nur aufs Betrügen hinausläuft.

Ein und zwanzigster Artikel.
Man kann nach der gemeinen Chymie arbeiten.

Es soll denjenigen, welche noch nicht die Erfahrung von den Dingen haben, die im Feuer geschehen, und die folglich dis Kunst zu distilliren nicht verstehn, erlaubt seyn, sich mit Versuchen über die Mineralien, Pflanzen und Thiere, und selbst mit Läuterung der Metalle zu beschäftigen, weil dies eine Sache ist, die wir bisweilen nöthig haben, aber niemals befasse man sich damit, selbige mit einander zu vermischen, noch weniger von solcher Mischung Gebrauch zu machen, weil dies eine schlimme Sache ist, und die wir vornehmlich unsern Brüdern und Mitgenossen verbieten.

Zwey und zwanzigster Artikel.
Man kann diejenigen zurecht weisen, die auf einem unrechten Wege sind.

Man wird bisweilen in die Laboratorien der gemeinen Chymie gehen, dafern nicht diejenigen, die darinn arbeiten, von üblem Ruf sind; auch kann man sich in den Zusammenkünften dieser Leute einfinden, sich mit ihnen besprechen, und wenn man sieht, daß sie in Irrthum sind, sich bemühen ihnen denselben zu erkennen zu geben, wenigstens durch negative Gründe, die sich aus unsern Schriften ziehen lassen, und dies alles, wo möglich, aus einem bloßen Triebe der Menschenliebe und mit Bescheidenheit, damit nicht mehr thörigte Ausgaben getrieben werden; aber bey diesen Gelegenheiten erinnere man sich, nicht zu viel zu sagen; denn es ist genug, den Blinden abzuhalten, daß er nicht in den Abgrund stürze, und ihn auf die rechte Bahn zu bringen; man ist nicht verbunden, ihm hernach zum Wegweiser zu dienen; man würde so gar bisweilen übel daran thun, vornehmlich wenn man erkennt, daß es ihm an Licht des Geistes gebricht, und daß er nicht auf Tugend hält.

Drey und zwanzigster Artikel.
Man darf jemanden Lust machen, in die Gesellschaft zu treten.

Wenn unter denen, die sich mit der Chymie beschäftigen, sich ein rechtschaffener Mann befindet, der einen guten Namen hat, der die Weisheit und die Frömmigkeit liebt, und der hermetischen Wissenschaft, aus Wißbegierde und nicht aus Geiz, anhängt, so wird es keine Gefahr haben, ihn von demjenigen, was in unserer Gesellschaft getrieben wird, und von den Sitten unsrer vornehmsten Mitglieder zu unterhalten, damit wenn jemand vom Himmel zu diesem Amt berufen und bestimmt wäre, er bey solcher Gelegenheit auf die Gedanken kommen könnte, sich zu uns zu schlagen, und seine Bestimmung zu erfüllen, jedoch muß man in diesen Reden sich nicht für ein Mitglied ausgeben, bis man in dieser Person die erforderlichen Eigenschaften erkannt, und die Einwilligung seines Patrons eingeholt habe, sonst würde man in Gefahr gerathen, den Titel des unbekannten Philosophen zu verlieren, welches wider unsre Statuten ist.

Vier und zwanzigster Artikel.
Man kann von Zeit zu Zeit einander besuchen.

Diejenige Mitbrüder, welche sich kennen, auf welche Art es seyn mag, und zu welcher Colonie oder Versammlung sie gehören mögen, können mit einander Abrede nehmen, an gewissen Tagen und bestimmten Orten, wie sie es für gut finden, zusammen zu kommen, um mit einander Rath zu halten. Daselbst wird man sich von Dingen unterhalten, welche die Gesellschaft betreffen; man wird von den besondern Schriften, die man gelesen, von seinen Nachforschungen und Versuchen sich besprechen, damit einer vom andern, sowohl in dieser Materie aIs in jeder andern Wissenschaft lernen könne.
Alles dieses wird, wenn es angeht, mit einem gemeinschaftlichen Mahl beschlossen, mit dem Beding, daß daselbst nichts wider die Anständigkeit vorgehe, und daß sie in den Häusern, wo sie sich versammeln, immer eine große Achtung von sich und ihrer Aufführung zurücklassen.
Ob nun gleich diese Versammlungen von großen Nutzen seyn können, soll doch niemand dazu gezwungen werden.

Fünf und zwanzigster Artikel.
Sich schriftlich unterreden.

Es soll auch erlaubt seyn, mit einander Briefe zu wechseln, dafern nur niemals der Name und die Natur der wesentlichen Sache, die verborgen bleiben muß, geschrieben werde. Die Mitglieder werden diese Briefe nicht anders als mit ihrem cabalistischen Namen unterzeichnen; eben dieses muß in der Aufschrift geschehen, und hernach ein Umschlag gemacht werden, auf welchen man die Adresse mit dem rechten Namen dessen macht, an den man schreibt. Fürchtet man, daß diese Briefe aufgefangen werden, so wird man sich der Chiffren oder hieroglyphischen Zeichen oder allegorischen Worte bedienen.
Dieser Briefwechsel kann bis an diejenige Mitglieder reichen, die in den entferntesten Oertern der Welt leben, wenn man sich dazu ihrer Patrone bedient.

Sechs und zwanzigster Artikel.
Von der Art, sich unter einander zurecht zu weisen.

Wenn man bemerkt, daß jemand von den Mitgliedern die vorgeschriebenen Regeln nicht befolgt, oder daß seine Sitten nicht so untadelhaft sind, wie wir es wünschen, so wird das erste Mitglied, und vorzüglich sein Patron, ihn mit Bescheidenheit und Liebe ermahnen, und derjenige, der so ermahnt worden, soll gehalten seyn, diesen Rath willig und folgsam anzunehmen: lhut er es nicht, so muß man ihm nicht auf einmal allen Umgang mit den andern untersagen; sondern man wird ihn bloß bey allen Brüdern, die man von seiner Versammlung oder Colonie kennt, angeben, damit man künftig gegen ihn auf seiner Hut sey, und sich gegen ihn nicht mehr so wie zuvor auslasse, indessen muß man dabey mit Klugheit verfahren, damit er nicht gewahr werde, daß man ihn verbannen will und den andern schade: aber niemals lasse man ihn an dem Stein Theil nehmen.

Sieben und zwanzigster Artikel.
Derjenige, welcher das Werk gemacht haben wird, soll davon Nachricht geben.

Wenn jemand von den Brüdern glücklich genug ist, das Werk zu seiner Vollkommenheit zu bringen, so wird er davon Nachricht geben, nicht in der Art, die wir oben beym Briefwechsel vorgeschrieben, sondern durch einen Brief ohne Tag und ohne Datum, und wenn es seyn kann, mit einer verstellten Hand geschrieben, den er an alle Häupter der Colonien adreßiren wird, damit diejenige, welche diesen glücklichen Bruder nicht sehen können, durch die Hofnung eines gleichen Glücks aufgemuntert werden, und unermüdet die Arbeit forttreiben, die sie unternommen haben.
Es wird dem Besitzer dieses großen Schatzes frey stehn, aus den Mitgliedern, sowohl bekannten als unbekannten, diejenigen zu wählen, denen er seine Entdeckung mittheilen will, sonst würde er sich genöthigt sehen, selbige allen zu geben, selbst denen, gegen welche die Gesellschaft noch keine Verbindlichkeit hat, wodurch er sich, so wie die ganze Gesellschaft, großen Gefahren aussehen würde.

Acht und zwanzigster Artikel.
Er soll es denjenigen mittheilen, die zu ihm kommen.

Man wird vornehmlich dieses glückliche Mitglied durch ein Decret, welches man heiliger als alle andere halten soll, verbinden, dasjenige was er gefunden haben wird, sogleich seinem eigenen Patron, wofern er nicht dazu unwürdig ist, hernach allen andern bekannten oder unbekannten Mitbrüdern zu offenbaren, die sich bey ihm einfinden werden, wenn sie zu erkennen geben, daß sie allen Verordnungen genau nachgelebt, daß sie unabläßig gearbeitet haben, daß sie verschwiegene Leute und unfähig sind, jemals einen schlimmen Gebrauch von dem offenbarten Geheimniß zu machen. Wie es ungerecht wäre, daß ein jeder zu dem öffentlichen Nutzen beytrüge, wenn nicht jedes Mitglied an Zeit und Ort darüber seine Erkenntlichkeit beweise; so wäre es auch gänzlich widersinnig, zu Theilnehmern an einem so großen Glück die Verräther, die Kleinmüthigen und diejenigen zu machen, welche sich fürchten, Hand ans Werk zu legen.

Neun und zwanzigster Artikel.
Art. wie diese Mittheilung geschehen soll.

Die Methode, dies Geheimniß mitzutheilen, wird gänzlich demjenigen überlassen, der selbiges besitzt; so daß es ihm frey steht, entweder einen kleinen Theil von dem Pulver, das er gemacht haben wird, zu geben, oder sein Verfahren deutlich zu erklären, oder bloß durch seinen Rath denen von seinen Mitbrüdern zu helfen, von denen er weiß, daß sie daran arbeiten. Das zuträglichste wird seyn, sich dieser letztern Art zu bedienen, damit, so viel möglich, jeder nur sich selbst und seinem eigenen Fleiß einen grossen Schatz zu danken habe.
Was diejenigen betrift, die durch einen dergleichen Weg sich bereichert finden sollten, so sollen sie nicht die Erlaubniß haben, es eben so in Ansehung ihrer andern Mitbrüder, selbst ihres eigenen Patrons nicht zu machen, wenn sie nicht zuvor wenigstens eine Erlaubniß erhalten haben von demjenigen, der sie belehrt hat; denn die Verschwiegenheit ist die geringste Erkenntlichkeit, die sie ihm schuldig sind; und dieser soll es nicht leichtlich erlauben, sondern bloß denen, die er dazu würdig findet.

Dreyßigster Artikel.
Von der Anwendung, die davon gemacht werden soll.

Der Gebrauch und die Anwendung eines so köstlichen Schatzes soll folgendermaßen regulirt werden: Ein Drittel wird dem Ewigen geweiht, neue Kirchen zu bauen, die alten zu verbessern, öffentliche Stiftungen zu gründen, und andere fromme Werke zu thun; ein anderes Drittel soll an die Armen, an unterdrückte und bekümmerte Personen, auf welche Art sie es seyn mögen, vertheilt werden; der letzte Theil endlich bleibt dem Besitzer, von welchem er Geschenke machen, seinen Verwandten und Freunden helfen kann, aber dergestalt, daß er nicht beytrage, ihren Ehrgeiz zu nähren, sondern nur so viel, als ihnen nölhig ist, auf daß sie den großen Baumeister der Welt verherrlichen, daß sie ihm und ihrem Vaterlande dienen, und daß sie in Frieden ihre Seligkeit bewirken.
Man bedenke, wie selten man sich bey einem plötzlichen Glückswechsel zu mäßigen weiß, und daß man selbst in den Allmosen, die man den Armen giebt, wenn man es blos aus Eitelkeit thut, Gelegenheit finden kann, sich zu verderben.


Ende der Statuten und Verordnungen der cabbalistischen Gesellschaft der unbekannten Philosophen.

== Anmerkung ==

Es würde sehr leicht seyn, wenn man jeden Artikel dieser Verbrüderung mit denen, welche in den allgemeinen Verordnungen der Freymäurerey enthalten sind, vergliche, die durchgängige Aehnlichkeit sehen zu lassen, und zu beweisen, daß in der That die Statuten der Maurer nach diesen zugeschnitten zu seyn scheinen, woraus man mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit schließen möchte, daß der physische Endzweck vielleicht der wesentliche Gegenstand unserer Vergesellschaftung ist; aber diese Wahrheit ist eine von denen, die man dem Vorurtheilfreyen nur von weiten zeigen darf; wir wollen uns auch gar nicht bemühen, selbige zu bestätigen, und ohne Verweilen zu dem Lehrlingscatechism der Philosophen, so wie er in der Einleitung angezeigt worden, übergehen.

Catechismus,

oder Unterricht für den Adeptengrad, oder den Lehrling der erhabenen und unbekannten Philosophen.


Eine englische Übersetzung:
http://www.levity.com/alchemy/tschoudy.html

Fr. Welches ist das erste Studium eines Philosophen?
Antw. Die Erforschung der Wirkungen der Natur.
Fr. Was ist das Ende der Natur?
A. Gott, so wie er der Anfang derselben ist.
F. Woher kommen alle Dinge?
A. Aus der bloßen und einzigen Natur.
F. In wie viel Regionen ist die Natur getheilt?
A. In vier.
F. Welches sind sie?
A. Das Trockne, das Feuchte, das Warme, das Kalte, welches die vier Elementareigenschaften sind, von welchen alle Dinge hervorgehen.
F. Worin verändert sich die Natur?
A. In Mann und Weib.
F. Womit ist sie zu vergleichen?
A. Mit dem Merkurius.
F. Welchen Begrif werdet ihr mir von der Natur geben?
A. Sie ist nicht sichtbar, obschon sie sichtbar wirkt, denn nur ein flüchtiger Geist ist es, der ihr Amt in den Körpern verwaltet, und der durch den allgemeinen Geist belebt wird, welchen wir in der gemeinen Maurerey unter dem ehrwürdigen Sinnbild des flammenden Sterns kennen.
F. Was stellt derselbe eigentlich vor?
A. Den göttlichen Hauch, das innere und allgemeine Feuer, welches alles, was da ist, belebt.

F. Welche Eigenschaften sollen die Forscher der Natur haben?
A. Sie sollen so seyn, wie die Natur selbst ist. Das heißt: Wahr, einfach, geduldig und beständig; dies sind die wesentlichen Merkmale, welche den guten Maurer unterscheiden, und wenn man diese Gesinnungen schon den Candidaten in den ersten Einweihungen einflößt, bereitet man sie zum voraus zur Erwerbung der für die philosophische Classe nothwendigen Eigenschaften vor.
F. Worauf sollen sie hernach Acht haben?
A. Die Philosophen sollen genau darauf sehen, ob das, was sie sich vorsetzen, dar Natur gemäß, ob es möglich und thunlich ist; denn wenn sie etwas machen wollen, wie es die Natur macht, so müssen sie derselben in allen Stücken folgen.

F. Welchen Weg müßte man einschlagen, um etwas zu bewirken, was vortreflicher wäre, als die Natur es gemacht hat?
A. Man muß beobachten, worin und wodurch sie sich verbessert, und man wird finden, daß es immer mit ihres gleichen ist: zum Beyspiel, wenn man die innere Tugend eines Metalls weiter treiben will als die Natur, so muß man die metallische Natur selbst fassen, und das Männliche vom Weiblichen in genannter Natur zu unterscheiden wissen.
F. Wo enthalt sie ihre Saamen [semences]?
A. In den vier Elementen.
F. Wodurch kann der Philosoph etwas hervorbringen?
A. Durch den Keim der genannten Sache, der das Elixir oder die Quintessenz derselben, und für den Künstler viel besser und nützlicher als die Natur selbst ist; also, sobald der Philosoph diesen Saamen oder diesen Keim [germe] wird erhalten haben, so wird die Natur bereit seyn, ihre Schuldigkeit zu thun, um ihm zu helfen.
F. Was ist der Keim, oder der Saame jedweder Sache?
A. Es ist der vollständigste und vollkommenste Extract derselben Sache, oder vielmehr, es ist der Balsam des Schwefels, welcher das nemliche ist, als die radicale Feuchtigkeit in den Metallen.
F. Wer erzeugt diesen Saamen oder diesen Keim?
A. Die vier Elemente, durch den Willen des höchsten Wesens und durch die Einbildung der Natur.
F. Wie wirken diese vier Elemente?
A. Durch eine unermüdliche und anhaltende Bewegung, indem jedes derselben nach seiner Eigenschaft seinen Saamen mitten ins Centrum der Erde wirft, wo derselbe gar gemacht und digerirt, hernach durch die Gesetze der Bewegung herausgetrieben wird.

F. Was verstehen die Philosophen unter dem Centrum der Erde?
A. Einen gewissen leeren Ort, den sie sich einbilden, und wo nichts ruhen kann.
F. Wo legen also die vier Elemente ihre Eigenschaften oder Saamen hin?
A. In das Excentrum, oder den Rand und Umfang des Centrum, welcher, nachdem er eine gehörige Portion davon genommen, das übrige heraustreibt, woraus sich die Abgänglinge, die Schlacken und selbst die Steine der Natur bilden, wie dies der rohe Stein, das Sinnbild des ersten maurerischen Standes andeutet.
F. Erkläret mir diese Lehre durch ein Beyspiel.
A. Man nehme einen ebenen Tisch, und auf demselben in der Mitte stelle man ein Gefäß voll Wasser. Rund um das Gefäß lege man hernach mancherley Sachen von verschiedenen Farben, unter andern vornehmlich Salz, und habe dabey Acht, daß jede dieser Sachen wohl abgetheilt und abgesondert liege, wenn man nachdem das Wasser in die Mitte gießt,, wird man es hieher und dorthin fließen sehen; wenn dieser kleine Bach dahin kommt, wo er die rothe Farbe begegnet, wird er sich roth färben, wenn jener andre durchs Salz geht, wird et Salzigkeit annehmen; denn es ist gewiß, daß das Wasser die Oerter nicht ändert, sondern die Verschiedenheit der Oerter ändert die Natur des Wassers; eben so erleidet der durch die vier Elemente ins Centrum der Erde geworfene Saame verschiedene Veränderungen, weil er durch verschiedene Oerter, Gänge, Canäle durchgeht; dergestalt, daß jede Sache nach der Verschiedenheit der Oerter sich erzeugt, und wenn der Saame einer Sache an einen solchen Ort käme, wo er reine Erde und reines Wasser anträfe, so würde daraus eine reine Sache entstehen, eben so ists in Ansehung des Gegentheils.
F. Wie und auf welche Art erzeugen die Elemente diesen Saamen?
A. Um diese Lehre wohl zu begreifen, muß man merken, daß zwey Elemente schwer und wichtig, und die andern zwey leicht, zwey trocken und zwey feuchte, jedoch das eine äußerst trocken, und das andere äußerst feuchte, und überdem männlich und weiblich sind: nun ist jedes derselben, sehr thätig in seiner Sphäre Sachen hervorzubringen, die ihm gleichen: diese vier Elemente ruhen nimmer, sondern wirken beständig, und jedes treibt von sich und durch sich, was es am feinsten hat: sie haben ihren allgemeinen Sammelplatz im Centrum, und so gar in jenem Centrum des Archäus, jenes Dieners der Natur, wo sie ihre Saamen vermischen, selbige wirksam machen und sie hernach heraustreiben.
Man wird dies Verfahren der Natur viel deutlicher in den erhabenen Graden erkennen, welche auf diesen folgen.

F. Welches ist der wahre und erste Stoff der Metalle?
A. Der erste eigentlich sogenannte Stoff ist von zwiefachem Wesen, oder in sich selbst zwiefach, dem ungeachtet erzeugt das eine ohne dem Beytritt des andern kein Metall; das erste und vornehmste ist eine Feuchtigkeit der Luft, gemischt mit einer warmen Luft in Gestalt eines fetten Wassers, welches jeder Sache, sie sey rein oder unrein, anhängt.
F. Wie haben die Philosophen diese Feuchtigkeit genannt?
A. Merkurius.
F. Wodurch wird er regiert?
A. Durch die Stralen der Sonne und des Mondes.
F. Welches ist der zweyte Stoff?
A. Es ist die Wärme der Erde, das heißt eine trockne Wärme, welche die Philosophen Schwefel nennen.

F. Verwandelt sich der ganze Körper des Stoffs in Saamen?
A. Nein, sondern nur der achthundertste Theil, der in dem Mittelpunct desselben Körpers ruht, wie man es an dem Beyspiel eines Saamenkorns sehen kann.
F. Wozu dient der Körper der Materie in Beziehung auf den Saamen?
A. Um denselben vor aller übermäßigen Wärme, Kälte, Feuchtigkeit oder Trockenheit, und überhaupt vor aller schädlichen Witterung zu bewahren, gegen welche die Materie ihm zur Hülle dient.
F. Der Künstler, der den ganzen Körper der Materie zu Saamen machen wollte, würde der wohl, vorausgesetzt, daß es ihm gelingen könnte, darin wirklich einigen Vortheil finden?
A. Keinen, hingegen würde seine Arbeit gänzlich unnütz werben, weil man nichts gutes machen kann, sobald man sich vom Verfahren der Natur entfernt.
F. Was muß er demnach thun?
A. Er muß die Materie von allen ihren Unreinigkeiten säubern; denn es giebt kein Metall, so rein es sey, welches nicht seine Unreinigkeiten habe, doch eines mehr oder minder als das andre.

F. Worauf muß der Philosoph am meisten Acht haben?
A. Auf den Punct der Natur, und diesen Punct muß er nicht suchen in den gemeinen Metallen, weil er nicht in demselben ist, da sie bereits aus den Händen der bildenden Natur gegangen sind.
F. Was ist der Grund davon?
A. Der Grund ist dieser, die gemeinen Metalle, vornehmlich das Gold, sind gänzlich todt, anstatt daß unsere hingegen gänzlich lebendig sind und Geist haben.
F, Was ist das Leben der Metalle?
A. Es ist nichts anders als das Feuer, wenn sie noch in ihren Minen liegen.
F. Was ist ihr Tod?
A, Ihr Tod und ihr Leben haben dieselbe Ursache, weil sie gleicherweise durch das Feuer sterben, aber durch Schmelzfeuer.
F. Auf welche Art werden die Metalle in den Eingeweiden der Erde erzeugt?
A. Nachdem die vier Elemente ihre Kraft in dem Mittelpunkt der Erde geäußert, und daselbst ihren Saamen abgelegt haben, läutert der Archäus der Natur denselben und sublimirt sie auf die Oberfläche durch die Wärme und Thätigkeit einer immerwährenden Bewegung.
F. Worin löst sich der Wind auf, wenn er sich durch die Zwischenräumchen der Erde durchdrängt?
A. Er löst sich in Wasser auf, aus welchem sich alle Dinge erzeugen, und es ist alsdann nur ein feuchter Dunst, aus welchem sich hernach das Urprincipium jeder Sache bildet, und welches denen Philosophen zur ersten Materie dient.

F. Welches ist dann dieses Urprincipium, welches den Kindern der Wissenschaft in dem Philosophischen Werk zur ersten Materie dient?
A. Es wird diese nämliche Materie seyn, welche, so bald sie empfangen ist, durchaus nicht mehr ihre Gestalt verändern kann.
F. Haben Saturn, Jupiter, Mars, Venus, die Sonne, der Mond u. s. w. jeder verschiedene Saamen?
A. Sie haben alle denselben Saamen, aber der Ort ihrer Erzeugung ist die Ursache dieser Verschiedenheit gewesen, obwohl die Natur weit eher ihr Werk vollendet, wenn sie Silber, als wenn sie Gold hervorbringt, und eben so in Ansehung-der übrigen» Metalle.
F. Wie bildet sich das Gold in den Eingeweiden der Erde?
A. Wenn jener Dunst, von dem wir gesagt haben, im Mittelpunct der Erde sublimirt wird, und durch warme und reine Oerter, wo ein gewisses Schwefelfett an den Wänden hängt, durchgeht, dann legt dieser Dunst sich an dieses Fett an, durchdringt es und erhebt es hernach mit sich; und aus diesem Gemische entsteht ein gewisses schmieriges Wesen, welches den Namen Dunst verliert, und alsdann Fett genannt wird, und indem es sich hierauf zu andern Oertern erhebt, die durch den vorhergehenden Dunst gereinigt worden, und an welchen die Erde subtiler, reiner und feuchter ist, erfüllt sie die Zwischenräumchen dieser Erde, wächst mit ihr zusammen, und das ist es dann, was das Gold herverbringt.

F. Wie erzeugt sich Saturn?
A. Wenn jenes schmierige Wesen oder Fett an gänzlich unreine oder kalte Oerter kommt.
F, Wie findet man diese Erklärung im Noviciat angedeutet?
A. Durch die Erklärung des Worts Profan, welches den Namen des Saturns vertritt, aber welches wir wirklich auf alles dasjenige anwenden, was an einem unreinen und kalten Ort sich aufhält, wie dieses durch die Allegorie der Welt, des Zeitalters und seiner Unvollkommenheiten andeuten.

F. Wie bilden wir das Werk und das Gold ab?
A. Durch das Bild eines Meisterstücks der Baukunst, dessen Pracht, ganz von Gold und edeln Metallen glänzend, wir umständlich schildern.

F. Wie erzeugt sich Venus?
A. Sie erzeugt sich alsdann, wenn die Erde rein, aber mit unreinem Schwefel vermischt ist.
F. Welche Kraft hat jener Dunst im Mittelpunct der Erde?
A. Er hat die Kraft, durch seinen beständigen Fortgang alles, was roh und unrein ist, immer zu läutern, und nach und nach was rein ist, an sich zu ziehen.

F. Welches ist der Saame des ersten Stoffs aller Dinge?
A. Den ersten Stoff der Dinge erzeugt die Natur ohne Beyhülfe irgend eines Saamens, dies will sagen, daß die Natur die Materie der Elemente nimmt, aus welcher sie hernach den Saamen erzeugt.
F. Welches ist denn überhaupt zu reden der Saame aller Dinge?
A. Der Saame in einem Körper ist nichts anders als eine geronnene Luft, oder ein feuchter Dunst, welcher, wenn er nicht durch einen warmen Dunst aufgelöst wird, gänzlich unnütz wird.
F. Wie verschließt sich die Erzeugung des Saamens im metallischen Reich?
A, Durch die Kunst des Archäus; die vier Elemente treiben in der ersten Erzeugung der Natur im Mittelpunct der Erde einen Dunst von schwerem Wasser ab, welcher der Saame der Metalle ist, und Merkurius heißt, nicht wegen seines Wesens, sondern wegen seiner Flüßigkeit und leichten Anhänglichkeit an alle Sachen.
F. Warum wird dieser Dunst mit dem Schwefel verglichen?
A. Wegen seiner inneren Wärme.

F. Was wird der Saame nach der Gerinnung?
A. Er wird die Radicalfeuchtigkeit [l’humide radical] der Materie.
F. Welchen Merkurius versteht man, wenn man sagt, daß die Metalle daraus gebildet werden.
A. Dies versteht sich blos vom Merkurius der Philosophen, und auf keine Weise vom gemeinen Quecksilber, der nicht ein Saame seyn kann, da er selbst in sich seinen Saamen hat, wie die andern Metalle.
F. Was muß man denn eigentlich nehmen zu unserm ersten Stoff?
A. Man muß nehmen den Saamen allein, oder das feste Korn, und nicht den ganzen Körper, der unterschieden wird in ein lebendiges Männliche, das ist Schwefel, und lebendiges Weibliche, das heißt Merkurius.

F. Welche Operation hat man hernach zu machen?
A. Man soll sie zusammen fügen, damit sie einen Keim bilden können, woraus sie hernach eine Frucht von ihrer Natur erzeugen mögen.
F. Was gedenkt dann der Künstler in dieser Operation zu machen?
A. Der Künstler gedenkt nichts anders zu machen, als das Subtile von dem Groben zu scheiden.
F. Worauf läuft folglich alle philosophische Combination hinaus?
A. Sie läuft darauf hinaus, aus Einem zwey und aus Zweyen eins zu machen, und nichts mehr.

F. Giebts in der Maurerey irgend eine Analogie, welche auf diese Operation hinweist?
A. Jeder Kopf, der denken kann, wird sie deutlich genug einsehen, wenn er sich an der mystischen Zahl Drey verweilt, auf welcher die ganze maurerische Wissenschaft wesentlich beruht.

[F.] Wo findet sich der Saame und das Leben der Metalle und Mineralien?
A. Der Saame der Mineralien ist eigentlich das Wasser, welches sich im Mittelpunct und im Herzen des Minerals findet.
F. Wie wirkt die Natur durch die Hülfe der Kunst?
A. Jeder Saame, er sey welcher er wolle, ist von keinem Werth, wenn er nicht durch die Kunst oder die Natur in eine für ihn gehörige Mutter gebracht wird, wo er sein Leben empfängt, indem er den Keim verwesen läßt, und die Gerinnung des reinen Puncts oder Keims verursacht.
F. Wie wird der Saame hernach ernährt und erhalten?
A. Durch die Wärme seines Körpers.

F. Was macht demnach der Künstler im mineralischen Reich?
A. Er vollendet dasjenige, was die Natur nicht endigen kann, wegen der Roheit der Luft, die durch ihre Gewalt die Zwischenräumchen jedes Körpers erfüllt hat, nicht in den Eingeweiden der Erde, sondern auf ihrer Oberfläche.
F. Was für eine Gemeinschaft haben die Metalle unter einander?
A. Um diese Gemeinschaft wohl zu verstehen, muß man die Stellung der Planeten betrachten, und Acht geben, daß Saturn der höchste von allen ist, auf welchen Jupiter folgt, dann Mars, die Sonne, Venus, Merkur, und endlich der Mond.
Man muß bemerken, daß die Tugenden der Planeten nicht aufwärts steigen, sondern herabwärts, und die Erfahrung lehrt uns, daß Mars sich leicht in Venus verwandelt, und nicht Venus in Mars, da selbige um eine Sphäre niedriger ist; eben so geht Jupiter leicht in Merkurius über, weil Jupiter höher ist als Merkur; jener ist der zweyte nach dem Firmament, dieser ist der zweyte über der Erde, und Saturn der höchste, der Mond der niedrigste; die Sonne vermischt sich mit allen, aber sie wird niemalen durch die niedrigere verbessert.
Mari sieht klärlich, daß eine große Gemeinschaft zwischen Saturn und dem Mond statt findet, in deren Mitte die Sonne ist; aber bey allen diesen Veränderungen muß der Philosoph sich bestreben, Sonne zu verschaffen.

F. Wenn die Philosophen von dem Golde oder Silber sprechen, woraus sie ihre Materie ziehen, verstehen sie darunter das gemeine Gold oder Silber?
A. Nein; denn das gemeine Gold und Silber ist todt, da der Philosophen ihres voll Leben ist.

F. Was ist der Gegenstand der Untersuchungen der Maurer?
A. Es ist die Erkenntniß der Kunst, dasjenige zu vervollkommnen, was die Natur in dem menschlichen Geschlechte unvollkommen gelassen, und zum Schatz der wahren Moral zu gelangen.

F. Was ist der Gegenstand der Untersuchung der Philosophen?
A. Es ist die Erkenntnis der Kunst, dasjenige zu vervollkommnen, was die Natur in dem mineralischen Geschlecht unvollkommen gelassen, um zum Schatz des philosophischen Steins zu gelangen.
F. Was ist dieser Stein?
A. Der philosophische Stein ist nichts anders als die Radicalfeuchtigkeit der vollkommen gereinigten und zu einer vollständigen Festigkeit gebrachten Elemente, welches macht, daß sie so große Dinge für für [!] die Gesundheit wirkt, indem das Leben einzig und allein in der Radicalfeuchtigkeit liegt.

F. Worin besteht das Geheimniß, dies bewundernswürdige Werk zu machen?
A. Dies Geheimniß besteht darin, daß man die ingeborne Wärme, oder das Feuer der Natur, welches in dem Centro der Radicalfeuchtigkeit eingeschlossen ist, aus dem Vermögen in die Wirksamkeit zu bringen wisse.
F. Was muß man für Behutsamkeit brauchen, um nicht das Werk zu verfehlen?
A, Man muß Sorge tragen, der Materie die Unreinigkeiten zu benehmen, und nur bedacht seyn den Kern zu bekommen, oder den Mittelpunct, der die ganze Kraft des Gemischten in sich schließt.
F. Warum heilt diese Arzeney alle Arten von Uebel?
A. Diese Arzeney hat die Kraft, alle Arten von Uebel zu heilen, nicht wegen ihrer verschiedenen Eigenschaften, sondern nur in so fern sie die natürliche Wärme allmählig stärkt, welche sie sanft erweckt, anstatt daß die andern Mittel sie durch einen zu starken Reiz übertreiben.

F. Wie werdet ihr mir die Wahrheit der Kunst in Ansehung der Tinctur beweisen?
A. Diese Wahrheit gründet sich erstlich darauf, daß das physische Pulver, da es aus derselben Materie gemacht ist, woraus sich die Metalle bilden, nemlich aus Quecksilber, die Kraft hat, sich mit denselben in dem Fluß zu vermischen, in dem eine Natur sich sehr leicht mit einer andern vereinigt, die ihr ähnlich ist; zweytens darauf, daß da die unvollkommene Metalle nur darum unvollkommen sind, weil ihr Quecksilber roh ist, das physische Pulver, welches ein reifes und gares Quecksilber und eigentlich ein reines Feuer ist, selbigen leichtlich die Reife mittheilen und sie in seine Natur verwandeln kann, nach geschehener Anziehung ihre rohen Feuchtigkeit, das heißt, ihres Quecksilbers, welches die einzige Substanz ist, die sich verwandelt, indem der Ueberrest nur aus Schlacken und Abgänglingen besteht, die bey der Schmelzung weggeworfen werden.

F. Welchen Weg soll der Philosoph einschlagen, um zur Kenntnis und Ausführung des physischen Werks zu gelangen?
A. Denselben Weg, den der große Baumeister der Welt bey Erschaffung der Welt nahm, indem er bemerkt, wie das Chaos [cahos] in Ordnung gebracht wurde.
F. Welches war die Materie des Chaos?
A. Es konnte nichts anders seyn, als ein feuchter Dunst, weil unter den erschaffenen Wesen nichts als das Wasser ist, was durch einen fremden Umfang sich begränzt, und was alle mögliche Formen anzunehmen fähig ist.
F. Gebt mir ein Beyspiel von dem, was Ihr so eben gesagt habt.
A. Dies Beyspiel kann man von den einzelnen Hervorbringungen der gemischten Wesen hernehmen, deren Saamen sich immer in eine gewisse Feuchtigkeit auflösen, die das besondere Chaos ist, aus welchem hernach die ganze Gestalt der Pftanze wie durch eine Strahlung hervorgeht.
Uebrigens muß man bemerken, daß die Schrift an keiner Stelle eines andern materiellen Stoffs erwähnt, als des Wassers, über welches der Geist Gottes geschwebt.

F. Welchen Vortheil kann der Philosoph aus dieser Betrachtung ziehen, und was soll er vorzüglich bemerken in der Art, wie das höchste Wesen die Welt erschaffen?
A. Zuerst wird er die Materie betrachten, woraus die Welt erschaffen worden, er wird sehen, daß der oberste Baumeister aus diesem vermischten KIumpen zuerst das Licht herausgezogen, welches in demselben Augenblick die Finsternis, welche die Erde umfieng, zerstreute, und der Materie zur allgemeinen Form diente; er wird hernach leichtlich einsehen, daß bey der Erzeugung aller gemischte» Wesen eine Art von Bestrahlung, und eine Scheidung des Lichts von der Finsternis vorgeht, worin die Natur eine beständige Nachahmerin ihres Schöpfers ist.
Der Philosoph wird gleichfalls begreifen, wie durch die Thätigkeit dieses Lichts die Ausdehnung entstanden, oder anders, das Firmament, welches die Gewässer von den Gewässern scheidet: der Himmel wurde darauf mit leuchtenden Körpern geschmückt; aber da die obern Dinge allzu entfernt von den untern sind, war es nöthig, den Mond zu erschaffen, als die Fackel zwischen dem Hohen und dem Niedrigen, welcher die himmlischen Einflüsse von oben empfängt, und der Erde mittheilt: der Schöpfer sammlete hierauf die Gewässer, und ließ das Trockne erscheinen.
F. Wie viel giebt es Himmel!
A. Eigentlich nur einen, nemlich die Veste, welche die Wasser von den Wassern scheidet; indessen nimmt man drey an; der erste, der von über den Wolken, wo die verdünnten Gewässer sich aufhalten und zurückfallen, bis zu den Fixsternen geht, und in diesem Raum sind die Planeten und irrenden Sterne. Der zweyte ist der Ort der Fixsterne selbst; der dritte ist der Ort der überhimmlischen Gewässer.
F. Warum begränzt sich die Verdünnung der Gewässer auf den ersten Himmel, und steigt nicht hinüber?
A. Weil es die Natur der verdünnten Dinge mit sich bringt, sich immer in die Höhe zu heben, und Gott in seinen ewigen Gesetzen jedweder Sache ihre eigene Sphäre angewiesen hat.
F. Warum dreht sich jeder himmlische Körper unveränderlich wie um eine Axe, ohne sich umzubiegen?
A. Dies kommt blos von der ersten Bewegung, die ihm eingedrückt worden.
F. Warum machen die obern Gewässer nicht naß?
A. Wegen ihrer äußersten Dünnigkeit; eben deshalb weiß ein gelehrter Scheidekünstler mehr Vortheile aus der Wissenschaft der Verdünnung zu liehen, als aus einer jeden andern.
F. Aus welcher Materie besteht das Firmament oder die Veste?
A. Das Firmament ist eigentlich die Luft, deren Natur vielmehr Gemeinschaft mit dem Licht als mit dem Wasser hat.

F. Was machte der Schöpfer nach der Scheidung der Gewässer vom Trocknen und von der Erde, um zu den Erzeugungen Anlaß zugeben?
A. Er schuf ein besonderes zu diesem Amt bestimmtes Licht, welches er in das Centralfeuer setzte, und mäßigte dies Feuer durch die Feuchtigkeit des Wassers und die Kälte der Erde, um die Wirksamkeit desselben zu hemmen, und damit seine Wärme zur Absicht seines Urhebers tauglicher würde.
F. Was ist die Wirkung dieses Centralfeuers?
A. Es wirkt beständig auf die feuchte Materie, die ihm am nächsten ist, aus welcher dasselbe einen Dunst aufsteigen läßt, der der Merkur der Natur und der Urstoff der drey Reiche ist.
F. Wie bildet sich hernach der Schwefel der Natur?
A. Durch die zwiefache Wirkung oder vielmehr Gegenwirkung dieses Centralfeuers auf den merkurialischen Dunst.
F. Wie entsteht das Meersalz?
A. Es bildet sich durch die Wirkung desselben Feuers auf die wäßrige Feuchtigkeit; wenn die Luft und die Feuchtigkeit, die darin verschlossen ist, verduftet.

F. Was soll ein warlich weiser Philosoph thun, wenn er einmal den Grund und die Ordnung, die der große Baumeister der Welt bey der Erschaffung der ganzen Natur beobachtete, wohl begriffen hat?
A. Er soll, so weit es möglich ist, ein getreuer Nachahmer seines Schöpfers werden; in seinem physischen Werk soll er sein Chaos so machen, wie es wirklich gewesen ist; das Licht von der Finsterniß scheiden; sein Firmament, das die Wasser von den Wassern scheidet, bilden, und endlich durch Befolgung des angezeigten Weges das ganze Werk de« Schöpfung vollenden.
F. Womit macht man denn diese große und erhabene Operation?
A. Mit einem einzigen Körperchen oder kleinen Stück Materie, welches nur so zu sagen die Feces, den Schmutz und Unrath enthält, aus welchen man eine gewisse dunkele und merkurialische Feuchtigkeit herauszieht, die alles in sich enthält, was den Philosophen nöthig ist; weil er in der That nur den wahren Merkurius sucht.
F. Welches Merkurs soll er sich denn zum Werk bedienen?
A. Eines Merkurs, der sich nicht als solcher auf der Erde findet, sondern der aus Körpern und keinesweges aus gemeinem Quecksilber, wie gesagt worden, ausgezogen ist.
F. Warum ist das letztere nicht tauglich zu unserm Werk?
A. Weil der weise Künstler bemerken muß, daß das Quecksilber nicht eine hinlängliche Menge von Schwefel in sich enthält, und daß er folglich einen von der Natur erschaffenen Körper bearbeiten muß, in welchem sie selbst den Schwefel und den Merkur zusammen gemischt hat, welche der Künstler scheiden soll.
F. Was hat er hernach zu thun?
A. Er muß beydes vereinigen und wieder zusammen fügen.
F. Wie nennt ihr jenen Körper?
A. Roher Stein, oder Cahos, oder Jlliast, oder Hyle [Pierre brute, ou cahos, ou illiaste, ou hylé].

F. Ist dies der nemliche rohe Stein, dessen Symbol unsere ersten Grade bezeichnet?
A. Ja, es ist der nämliche, den die Maurer bearbeiten, zu behauen und zu glätten suchen; dieser rohe Stein ist so zu sagen ein Theil des ersten Cahos oder der verwirrten Masse, die gekannt, aber von jedem verachtet wird.

F. Weil Ihr mir sagt, daß der Merkur die einzige Sache sey, die der Philosoph kennen soll, so gebt mir eine umständliche Beschreibung davon, damit man sich nicht darin irre!
A. Unser Merkur ist in Betracht seiner Natur zwiefach, feuervest und flüchtig; in Betracht seiner Bewegung ist er auch zwiefach, weil er eine Bewegung des Aufsteigens und Herabsteigens hat: beym Herabsteigen erweckt er durch den Einfluß in die Pflanzen das schlummernde Feuer der Natur, und dies ist sein erstes Amt vor seiner Gerinnung: durch das Aufsteigen erhebt er sich, um sich zu läutern, und da dies nach seiner Gerinnung geschieht, so wird er dann als die Radicalfeuchtigkeit der Dinge betrachtet, welche unter schlechten Schlacken dennoch den Adel ihres ersten Ursprungs behält.

F. Wie vielerley Feuchtes rechnet man in jedem zusammengesetzten Wesen?
A. Dreyerley.
1) die Elememarfeuchtigkeit, die eigentlich nur der Behälter der andern Elemente ist:
2) die Radicalfeuchtigkeit, die eigentlich das Oel oder der Balsam ist, in welchem die ganze Kraft des Wesens sitzt:
3) die Nahrungefeuchtigkeit, welche das wahre Auflösungsmittel der Natur ist, das innere schlummernde Feuer erweckt, durch seine Nässe die Fäulniß und die Schwärzung verursacht, und das Wesen unterhält und nährt.
F. Wie vielerley Arten von Merkur haben die Philosophen?
A. Der Merkur der Philosophen läßt sich aus vier Gesichtspunkten betrachten;
erstens nennt man ihn den Merkur der Körper; dieser ist, genau zu reden, der verborgene Saame:
zweytens den Merkur der Natur; dieser ist das Bad oder das Gefäß der Philosophen, sonst Radicalfeuchtigkeit genannt,
drittens der Merkur der Philosophen, weil er sich in ihrer Werkstätte und in ihrer Fundgrube findet; dieser ist die Schwere des Saturns, er ist ihre Diana, ist das wahre Salz der Metalle, mit welchem man, nachdem man ihn gewonnen, erst das wahre philosophische Werk anfängt:
im vierten Betracht nennt man ihn den gemeinen Merkur, nicht das gemeine Quecksilber, sondern denjenigen Merkur, der eigentlich die wahre Luft der Philosophen das wahre Mittelwesen des Wassers, das wahre geheime und verborgene Feuer ist, welches gemeines Feuer genannt wird, weil es allen Bergminen gemein ist, weil in ihm die Substanz der Metalle besteht, und weil sie von ihm ihre Menge und Eigenschaft ziehn.

F. Warum halten die Maurer die unpaare Zahlen, und namentlich die Sieben in Ehren?
A. Weil die Natur, die ein Gefallen an ihren eigenen Zahlen hat, sich mit der geheimnißvollen Zahl Sieben befriedigt, vornehmlich in den Dingen hienieden, oder die von dem Monde abhängen; indem der Mond uns eine unendliche Zahl von Veränderungen und Abwechselungen in der Zahl Sieben sehen läßt.

F. Wie viel Operationen giebt es in unserm Werk?
A. Nur eine, welche auf die Sublimation ankommt, die nach dem Geber nichts anders als die Erhebung der trockenen Sache vermittelst des Feuers mit Anhängung an sein eigen Gefäß ist.

F. Was für Vorsicht hat man bey Lesung der hermetischen Philosophen zu brauchen?
A. Man muß sich vornehmlich hüten, das, was sie hierüber sagen, nicht buchstäblich und nach dem Schall der Worte zu nehmen: denn der Buchstab tödtet, aber der Geist macht lebendig.
F. Welches Buch soll man lesen, um zur Kenntniß unserer Wissenschaft zu gelangen?
A. Unter den Alten muß man insbesondere alle Werke des Hermes lesen, hernach ein gewisses Buch, welches die Aufschrift führt, der Durchgang durchs rothe Meer, und ein anderes, die Anlandung an das gelobte Land, betitelt.
1) Unter den Alten muß man nächstdem vornehmlich den Paracelsus lesen, und unter andern seinen chymischen Fußsteig, ober Handbuch des Paracelsus, welches alle Geheimnisse der demonstrativischen Physik und der verborgensten Cabala enthält; dieses köstliche und originale Werk findet sich nur in Handschrift auf der vaticanischen Bibliothek; aber Sendivogius hatte das Glück, eine Copie davon zu nehmen, welche gedient hat einen von den Weisen unseres Ordens aufzuklären.
2) Man muß den Raymond Lullius und vornehmlich sein Vademecum, sein Gespräch, genannt Lignum Vitae, sein Testament und sein Codicill lesen, aber man sey gegen die letztern zwey Werke auf seiner Hut, weil sie so, wie die Werke des Geber und. des Arnold von Villanova, mir falschen Recepten, unnützen Erdichtungen und Irrthümern ohne Zahl erfüllt sind; ihre Absicht ist allem Anschein nach dabey gewesen, die Wahrheit vor den Unwissenden noch mehr zu verstecken.
3) Die Turba philosophorum, die nur eine Sammlung von alten Autoren ist, enthält einen ziemlich guten Theil, obgleich viele schlechte Sachen mit unterlaufen.
4) Unter den Schriftstellern des mittlern Zeitalters ist Zacharias Trevisanus, Roger Bacon und ein gewisser namenloser, dessen Werk zum Titel hat: die Philosophen, sehr zu schätzen. Unter den neuern verdient Jean Fabre und Despagnet oder der Verfasser der wiederhergestellen Physik Hochachtung, ob er gleich, die Wahrheit zu sagen, in sein Buch einige falsche Vorschriften und irrige Meinungen mit eingemischt.


F. Wenn kann ein Philosoph das Werk zu unternehmen wagen?
A. Wenn er durch Theorie aus einem ausgelösten Körper, vermittelst eines rohen Geistes, einen lautern Geist zu ziehen weiß, der wiederum mit dem Lebensöl vereiniget werben muß.
F. Erkläret mir deutlicher diese Theorie.
A. Um die Sache begreiflicher zu machen, ist dies da« Verfahren: der Philosoph muß wissen, durch Hülfe eines vegetabilischen Auflösungsmittels, das mit einem mineralischen vereinigt worden, ein drittes wesentliches Auflösungsmittel, aufzulösen: mit diesen vereinigten dreyen muß er die Erde waschen, und sie hernach zu einer himmlischen Quintessenz erheben, um daraus den schweflichten Blitz zu verfertigen, der in einem Augenblick die Körper durchdringt, und ihre Unreinigkeiten zerstört.
F. Wie wird in unsern maurerischen Unterweisungen auf diese himmlische Quintessenz angespielt.
A. Durch das Symbol des flammenden Sterns, welchen wir das Centralfeuer und dos belebende Feuer nennen.
F. Haben diejenigen, die sich des gemeinen Goldes zum Saamen und des gemeinen Merkurius zum Auflösungsmittel oder zur Erde bedienen, in welche selbige gesäet werden soll, eine vollkommne Kenntniß der Natur?
A. Nein, gewiß nicht, weil weder eins noch das andere das agens externum in sich enthält; das Gold nicht, weil es durch die Schmelzung desselben beraubt worden, und der Merkur nicht, weil er niemals etwas davon gehabt hat.
F. Wenn man aber diesen goldmachenden Saamen anderswo als im Golde selbst sucht, läuft man nicht Gefahr eine Art von Ungeheuer hervorzubringen, da es scheint, daß man sich von der Natur entfernt.
A. Ohne Zweifel ist in dem Golde der goldmachende Saame enthalten, und so gar vollkommner als in irgend einem andern Körper: aber dieses nöthigt uns nicht, uns des gemeinen Goldes zu bedienen, denn dieser Saame findet sich gleichfalls in jedem andern Metalle, und dies ist nichts anders als das feuerveste Korn, (grain fixe) das die Natur in die erste Gerinnung des Merkurs gelegt hat, indem alle Metalle einerley Ursprung und einen gemeinsamen Stoff haben, wie es bey dem folgenden Grade diejenigen vollkommen einsehen werden, die sich würdig machen durch ihren Fleiß und Aemsigkeit selbiges zu erhalten.

F. Was folgt aus dieser Lehre?
A. Sie zeigt uns, daß obgleich der Saame vollkommner im Golde ist, man ihn dennoch viel leichter aus einem andern Körper als aus dem Golde selbst ziehen kann: der Grund davon ist, weil die andern Körper viel offener, das heißt, minder verdichtet und ihre Feuchtigkeit nicht so stark verschlossen ist.
F. Gebt mir ein Beyspiel aus der Natur!
A. Das gemeine Gold gleicht einer Frucht, die zu einer vollkommnen Reife gelangt und vom Baum abgesondert ist, obgleich darin ein sehr vollkommner und fester Saame ist, so würde doch, wenn jemand, um ihn zu vervielfältigen, selbigen in die Erde legt, viel Zeit, Mühe und Arbeit dazu gehören, um ihn bis zur Keimung zu bringen; aber wenn man statt dessen ein Pfropfreis oder eine Wurzel desselben Baums nähme und in die Erde setzte, würde man denselben in kurzer Zeit und ohne Mühe aufschießen und viele Früchte bringen sehen.

F. Ists einem Liebhaber dieser Wissenschaft nöthig, die Bildung der Metalle in den Eingeweiden der Erde zu kennen, um zur Verrichtung seines Werks zu gelangen?
A. Diese Kenntnis ist so nothwendig, daß wenn man nicht vor jedem andern Studium sich darauf legte, und die Natur in allen Stücken nachzuahmen suchte, man niemals dazu kommen könnte, was guts zu machen.
F. Wie bildet denn die Natur die Metalle im Schoos der Erde, und woraus setzt sie selbige zusammen?
A. Die Natur setzt sie alle aus Schwefel und Merkur zusammen, und bildet sie durch den zwiefachen Dampf derselben.
F. Was versteht Ihr durch diesen zwiefachen Dampf, und wie können durch diesen zwiefachen Dampf die Metalle gebildet werden.
A. Um die Antwort wohl zu verstehen, muß man wissen, daß wenn der merkurialische Dampf sich mit dem Dampf des Schwefels in einem hohlen Ort vereinigt, wo sich ein salzig Wasser befindet, das ihnen zur Mutter dienet, sich zuerst der Naturvitriol bildet: zweitens aus diesem Naturvitriol erhebt sich durch die Erregung der Elemente ein neuer Dampf, der weder merkurialisch noch schweflich ist, aber von beyden etwas an sich hat; wenn dieser an Oerter kommt, wo das Fett des Schwefels anhängt, vereinigt er sich mit demselben und aus ihrer Vereinigung bildet sich ein leimichtes Wesen oder ungestalte Masse, auf welche der in diesen hohlen Oertern ausgebreitete Dunst durch Hülfe des Schwefels, den er enthält, wirkt, und dadurch vollkommne Metalle hervorbringt, wenn der Ort und der Dunst rein, und unvollkommene, wenn im Gegentheil der Ort und der Dunst unrein sind; sie heißen unvollkommne oder nicht vollkommne, weil sie nicht ihre gänzliche Vollkommenheit durch die Kochung erhalten haben?
F. Was enthält dieser Dunst in sich?
A. Er enthält einen Geist des Lichts, und des Feuers von der Natur der himmlischen Körper, welcher eigentlich als die Form des Universums anzusehen ist.
F. Was bildet dieser Dunst ab?
A. Dieser von dem allgemeinen Geist also beschwängerte Dunst, der nichts anders, als der wahre flammende Stern ist, bildet sehr wohl das erste Chaos ab, welches alles dasjenige in sich verschlossen hielt, was zur Schöpfung nöthig war, das heißt die universale Materie und Form.

F. Kann man denn nicht auch das gemeine Quecksilber zu diesem Verfahren brauchen?
A. Nein, weil, wie gesagt, das gemeine Quecksilber das agens externum nicht bey sich führt.
F. Wie wird dieses in der Maurerey angedeutet?
A. Durch das Wort Profan oder gemein, welchen Namen wir allen geben, welche zum maurerischen Werk nicht geschickt sind.
F. Woher kommts, daß das gemeine Quecksilber sein agens externum nicht bey sich führt?
A. Daher, weil bey dem Aufsteigen des zwiefachen Dampfs, die Erregung so groß und so innig ist, daß selbige den Geist oder das agens verdunsten läßt, ohngefähr so, wie es in der Schmelzung der Metalle geschieht, dergestalt daß bloß allein der merkurialische Theil seines männlichen und schweflichten agens beraubt, übrig bleibt, welches macht, daß selbiger niemals in Gold durch die Natur verwandelt werden kann.

F. Wie vielerley Arten von Gold unterscheiden die Philosophen?
A. Dreverley: das Astralgold, das Elementargold, und das gemeine Gold.
F. Was ist das Astralgold?
A. Das Astralgold hat seinen Mittelpunkt in der Sonne, die dasselbe durch ihre Strahlen zu gleicher Zeit mit ihrem Licht allen Wesen, die unter ihr sind, mittheilt: es ist eine feurige Substanz, und die beständig mit den Sonnenkörperchen ausfließt, welche alles Lebende, Wachsende und Mineralische durchdringen.
F. Muß man in diesem Sinn die Sonne nehmen, die auf dem Gemählde der ersten Grade gezeichnet ist?
A. Allerdings: alle andere Auslegungen sind Schleyer, um die philosophische Wahrheiten zu verhüllen, daß man sie nicht beym ersten Anblick wahrnehme, und seinen Geist und seine Betrachtungen daran übe.
F. Was versteht Ihr durch das Elementargold?
A. Es ist der reinste und unflüchtigste (fixe) Theil der Elemente und aller Substanzen, die daraus zusammengesetzt sind, so, daß alle sublunare Wesen der drey Reiche in ihrem Innern ein köstliches Gran ihres Elementargoldes haben.
F. Wie wird dieses bey unsern Brüdern abgebildet?
A. So wie die Sonne im Gemälde das Astralgold bedeutet, so zeigt der Mond seine Herrschaft über alle Körper an, die unter ihm sind, und die in ihrem Innern den unflüchtigen Keim vom Elementargolde enthalten.
F. Erkläret mir das gemeine Gold!
A. Es ist das schönste Metall, welches wir sehen, und welches die Natur hervorbringen kann, eben so vollkommen in sich, als unveränderlich.
F. Durch welche Symbole der königlichen Kunst wird selbiges angedeutet?
A. Durch die Kleinodien und Zierrathen.

F. Von welcher Art von Gold ist der Stein der Philosophen?
A. Er ist von der zweyten Art, da er der reinste Theil von allen metallischen Elementen nach seiner Läuterung ist, und wird hernach das philosophische Queckgold. (Or vif)
F. Was ist eigentlich das Queckgold der Philosophen?
A. Es ist nichts anders als das Feuer des Merkurs, oder jede feurige Kraft, die in der Radicalfeuchtigkeit verschlossen ist, welcher dasselbe bereits die Festigkeit und Natur des Schwefels, wovon es herausgegangen, mitgetheilt hat: der Schwefel der Philosophen wird auch oft Merkur genannt, weil seine ganze Substanz merkurialisch ist.
F. Welchen andern Namen geben die Philosophen ihrem Queckgold?
A. Sie nennen es auch ihren lebenden Schwefel, oder ihr wahres Feuer, und es findet sich in jedem Körper, und kein Körper kann ohne dasselbe bestehen.
F. Wo muß man unser Queckgold oder unsern lebenden Schwefel und unser wahres Feuer suchen?
A. In dem Hause des Merkurs.
F. Wovon lebt dies Feuer?
A. Von der Luft.

F. Gebt mir ein Gleichnis von der Gewalt dieses Feuers.
A. Um jene Anziehung des innern Feuers auszudrücken, kann man es mit nichts besser vergleichen als mit dem Blitz, der anfänglich nur eine trockne und indische Ausdünstung ist, die sich mit einem feuchten Dampf vereinigt, die aber, so wie sie sich erhebt, eine feurige Natur annimmt, auf das Feuchte, das ihr anhängt, wirkt, selbiges an sich zieht, und in seine Natur verwandelt, worauf sie mit Schnelligkeit zur Erde stürzt, wo sie von einem ihr ähnlichen fixen Wesen angezogen wird.
A. Was soll der Philosoph machen, nachdem er seinen Merkur herausgezogen?
A. Er soll ihn nach der Schulsprache zu reden, ex potentia in actum reduciren.
F. Kann es die Natur nicht selbst thun?
A. Nein, weil sie nach einer ersten Sublimation still hält, und aus der also zubereiteten Materie die Metalle erzeugt.

F. Was verstehen die Philosophen unter ihrem Golde und unter ihrem Silber?
A. Die Philosophen geben den Namen des Goldes ihrem Schwefel, und den Namen des Silbers ihrem Merkur.
F. Wo nehmen sie dieselbe her?
A. Ich habe schon gesagt, daß sie beydes aus einem homogenen Körper ziehn, wo es sich in Ueberfluß befindet, und woraus sie es durch ein bewundernswürdiges und ganz philosophisches Mittel auszuscheiden wissen.
F. Wenn diese Operation gehörig geschehen, was soll man dann thun?
A. Man soll sein philosophisches Amalgam mit großem Fleiße machen, welches sich dennoch nicht thun läßt, bis man den Merkur sublimirt, und gehörig bereitet hat.
F. Zu welcher Zeit vereinigt Ihr Eure Materie mit dem Queckgolde?
A. Nur in der Zeit, wenn man es amalgamirt, das will sagen, vermittelst dieses Amalgama, bringt man in selbiges den Schwefel, um sie zusammen zu einer Substanz zu machen, und durch den Zusatz dieses Schwefels wird das Werk verkürzt, und die Tinctur vermehrt.

F. Was enthält das Centrum der Radicalfeuchtigkeit?
A. Es enthält und verbirgt den Schwefel, der mit einer harten Schale bedeckt ist.
F. Was muß man machen, um ihn zu dem großen Werk zu brauchen?
A. Man muß ihn aus seinen Kerkern mit viel Kunst und durch den Weg der Fäulnis ziehn.
F, Hat die Natur in ihren Minen ein gehöriges Auflösungsmittel, das diesen Schwefel aufzulösen und zu befreyen vermag?
A. Nein, weil er keine Lokalbewegung hat; denn könnte sie den metallischen Körper wieder auflösen, in Fäulnis dringen und reinigen, so gäbe sie uns selbst den physischen Stein, das heißt, einen erhöheten und an Kraft vervielfältigten Schwefel.

F. Wie würdet Ihr mir durch ein Beyspiel diese Lehre erklären?
A. Ebenfalls durch das Gleichnis einer Frucht oder eines Korns, welches wiederum in eine gehörige Erde gelegt wird, um da zu faulen und hernach sich zu vervielfältigen; der Philosoph nun, der das gute Korn kennt, zieht es aus seinem Mittelpunkt, wirft es in die dazu schickliche Erde, nachdem er es wohl geräuchert und zubereitet hat, und da verfeinert es sich dermaßen, daß seine Zeugungskraft sich ausdehnt, und ins Unendliche vervielfältigt.
F. Worin besteht dann das ganze Geheimnis in Ansehung der Saat?
A. In der genauen Kenntnis der Erde, die dazu tauglich ist.
F. Was versteht Ihr durch die Saat in dem Werk der Philosophen?
A. Ich verstehe die angeborne Wärme, oder den specifischen Geist, der in der Radicalfeuchtigkeit eingeschlossen ist, oder, die Mittelsubstanz des Quecksilbers, die eigentlich der Saame der Metalle ist, der die Saat in sich schließt, welche seinen Keim in sich enthält.
F. Wie befreyt Ihr den Schwefel aus seinen Kerkern?
A. Durch die Fäulnis.

F. Welches ist die Erde der Mineralien?
A. Es ist ihr eigenes Menstruum.
F. Wofür muß der Philosoph sorgen, um den Vortheil daraus zu ziehn, den er verlangt?
A. Er muß sorgen, selbige von ihren stinkenden Dämpfen und unreinen Schwefel zu reinigen, nachdem wirft man den Saamen hinein.
F. Welche Anzeige kann der Künstler haben, daß er auf dem rechten Wege zum Anfange seines Werks ist?
A. Wenn er sehen wird, daß zur Zeit der Auflösung, das Auflösungsmittel und die aufgelöste Sache unter derselben Form und Materie zusammen bleiben.
F. Wie vielerley Auflösungen giebt es in dem philosophischen Werk?
A. Es giebt derselben drey, und eben deswegen wird diese Zahl für geheimnisvoll und ehrwürdig gehalten; die erste ist die Auflösung des rohen und metallischen Meers, durch welche er in seine Bestandtheile des Schwefels und Quecksilbers zerlegt wird; die zweyte ist die Auflösung des physischen Körpers; und die dritte der mineralischen Erde.
F. Wie kann man durch die erste Auflösung einen metallischen Körper in Merkur und Schwefel zerlegen?
A. Durch das verborgene künstliche Feuer, oder den flammenden Stern.
F. Wie geschieht diese Operation?
A. Indem man zuerst den Merkur oder den Dunst der Elemente auszieht, und nachdem man ihn gereinigt hat, sich desselben bedient, den Schwefel aus seinen Hüllen, durch den Weg der Fäulnis, deren Zeichen die Schwärze ist, zu befreyen.
F. Wie geschieht die zweyte Auflösung?
A. Wenn der physische Körper sich durch die zwey obgenannten Substanzen wieder auflöst, und die himmlische Natur bekommt.
F. Welchen Namen geben die Philosophen der Materie zu der Zeit?
A. Sie nennen sie ihr physisches Chaos, und alsdann ist sie der wahre erste Stoff, prima materia, der eigentlich nicht eher so genannt wird, als nach der Vereinigung des Männlichen, welches der Schwefel, und des Weiblichen, welches der Merkur ist.
F. Worauf bezieht sich die dritte Auflösung?
A. Sie ist die Befeuchtung der mineralischen Erde, und sie hat eine gänzliche Beziehung auf die Vervielfältigung (Multiplication).
F. Muß man in diesem Sinn die Vervielfältigung nehmen, die in den maurerischen Zahlen gebräuchlich ist?
A. Ja, namentlich die Vervielfaltigung der Zahl Drey in den bekannten Progreßionen von 3, 9, 27 und 81.

F. Welches Feuers soll man sich in unserm Werk bedienen?
A. Des Feuers, dessen sich die Natur bedient.
F. Welche Gewalt hat dies Feuer?
A. Es löst alle Dinge in der Welt auf, weil es das Principium aller Auflösung und Verwesung ist.
F. Warum nennt man es auch Merkur?
A. Weil es von luftiger Natur, und ein sehr feiner Dampf ist, der jedoch etwas vom Schwefel an sich hat, woraus er einigen Schmutz angezogen.
F. Wo ist dies Feuer versteckt?
A. Es ist versteckt in dem Subjekt der Kunst.
F. Wer kann dies Feuer kennen und bilden?
A. Der Weise versteht dies Feuer anzumachen und zu reinigen.
F. Welche Macht und Eigenschaft hat dies Feuer in sich?
A, Es ist sehr trocken, und in einer beständigen Bewegung, und strebt nur die Dinge zu durchdringen, und es potentia in actum zu ziehen; dieses ists, was, wenn es in den Minen veste Oerter antrift, in Dunstgestalt über die Materie circulirt und sie auflöst.
F. Wie würde man dies Feuer leichter erkennen?
A. Durch die schweflichte Auswürfe, worin es verschlossen und durch den salzigen Ueberzug, womit es bekleidet ist.
F. Was braucht dies Feuer, damit es sich besser in das Weibliche einschleichen könne?
A. Wegen seiner äußersten Trockenheit hat es nöthig, befeuchtet zu werden.
F. Wie vielerlen giebt es philosophische Feuer?
A. Es giebt drey Arten; diese sind, das natürliche, das unnatürliche und das widernatürliche.
F. Erkläret mir diese drey Arten von Feuer.
A. Das natürliche ist das männliche Feuer, oder das Hauptagens; das unnatürliche ist das weibliche oder das Auflösungsmittel der Natur, welches die Gestalt eines weißen Rauchs annimmt, und welches, wofern man nicht Acht darauf giebt, leicht verschwindet, und fast unbegreiflich ist, ob es gleich durch die philosophische Sublimation körperlich und leuchtend wird; das widernatürliche Feuer ist dasjenige, welches das zusammengesetzte zerlegt, und die Kraft hat, das, was die Natur stark verbunden hatte, zu zertrennen.

F. Wo findet sich unsre Materie?
A. Sie findet sich überall, aber man muß sie vornehmlich in der metallischen Natur suchen, wo sie sich leichter findet, als anderswo.
F. Welche soll man allen andern vorziehn?
A. Die reifste, reineste und leichteste; aber man muß vornehmlich Acht geben, daß das metallische Wesen darinnen nicht bloß in potentia, sondern auch in actu sey, und dann, daß es einen metallischen Glanz habe.
F. Ist alles in dieser Materie »erschlossen?
A. Ja, aber man muß doch der Natur helfen, damit das Werk besser und geschwinder gemacht werde, und dies durch die Mittel, welche man in den andern Graden kennt.
F. Ist diese Materie von einem großen Werth?
A. Sie ist geringe, und hat anfänglich keinen Werth in sich, und wenn einige sagen, daß sie feil sey, so sehen sie auf die Gattung, aber im Grunde wird sie nicht verkauft, weil sie zu nichts als unserm Werk nützlich ist.
F. Was enthalt unsere Materie?
A. Sie enthält das Salz, den Schwefel und den Merkur.
F. Welches ist die Operation, die man lernen muß.
A. Man muß lernen, das Salz, den Schwefel und Merkur eins nach dem andern heraus zu ziehen.
F. Wie geschieht dieses?
A. Durch die einzige und vollständige Sublimation.
F. Was zieht man zuerst heraus?
A. Man zieht zuerst den Merkur in Gestalt eines weißen Rauchs heraus.
F. Was kommt nachdem?
A. Das feurige Wasser oder der Schwefel.
F. Was muß man hernach machen?
A. Man muß ihn mit dem gereinigten Salze auflösen, zuerst das Feuerveste verflüchtigen, und hernach das Flüchtige zu einer köstlichen Erde fixiren, welche das wahre Gefäß der Philosophen und aller Vollkommenheit ist.


F. Könntet Ihr nicht die Grundsätze, die Formen, die Wahrheiten und die wesentliche Charaktere sowohl der Wissenschaft der Philosophen, als des methodischen Verfahrens beym Werk auf einmal vor Augen legen, und gleichsam in einen Punkt vereinigen?
A. Ein lyrisches Stück von einem alten gelehrten Philosophen, der mit der Gründlichkeit der Wissenschaft das angenehme Talent, mit den Musen zu scherzen verband, kann in jedem Betracht Euer Verlangen befriedigen.
Diese Ode, obgleich in Italienischer Sprache, malt unsere erhabene Ideen mit den schönsten Farben, und verdient hier ihre Stelle.

[Es folgt jeweils eine Seite mit dem italienische Text, hernach eine Seite mit der deutschen Übersetzung.
Das Gedicht stammt von Francesco Maria Santinelli und datiert von 1666;
italienisch siehe:
http://www.levity.com/alchemy/crassellame.html
http://ordineammonio.blogspot.ch/2015/01/lode-alchemica-del-crassellame.html
]

Auf den ersten Laut der allmächtigen Lippe war es aus Nichts hervorgegangen, das düstere Chaos, eine Masse, so gestaltlos, so verworren, daß die Unordnung selbst es geboren zu haben schien, obgleich ein Gott dasselbe hervorgebracht; unwirksam lagen alle Dinge in ihm, und ohne den scheidenden Geist ruhte jedes Element gemischt in ihm verschlossen.

Wer kann es sagen, wie sich der Himmel, die Erde, das Meer (so leicht an sich selbst, so mächtig in ihrer Große) gebildet? Wer kann es einhüllen, wie dort oben der Mond und die Sonne Licht und Bewegung empfiengen, wie hienieden Stand und Form in allem, was da ist, hervorgieng: wer jemals begreifen, wie jedwedes Ding von jener ungeordneten, unreinen Masse, Name, Geist, Gesetze, Größe und Maß erhielt.

O ihr, des sittlichen Hermes nacheifernde Söhne, denen die väterliche Kunst die Natur unverschleyert erscheinen läßt, ihr allein, nur ihr wißt, wie einst den Himmel und die Erde aus dem ordnunglosen Chaos die Hand des Ewigen baute. Euer großes Werk zeigt euch klar, daß Gott auf eben die Art, wie das physische Elixir hervorgebracht wird, das Ganze zusammengesetzt habe.

Aber ich vermag nicht mit der schwachen Feder einen so unabsehlichen Vergleich zu ziehn, ich, ein noch unerfahrner Sohn der Kunst, obgleich eure Urkunden ein gewisses Ziel meinem Blick entdecken, obwohl mir der vorsorgende Jlliastus bekannt, obwohl der wunderbare Stoff mir nicht verborgen ist, durch welchen ihr die Reinigkeit der Elemente aus der Möglichkeit in die Wirklichkeit gebracht habt.

Obwohl ich einsehe, daß euer unbekannter Merkur nichts anders ist, denn ein lebendiger, allgemeiner, ingeborner Geist, der in einem luftigen immer regen Dunst von der Sonne herabsteigt, das leere Centrum der Erde zu erfüllen, der hierauf von dannen unter unreinen Dämpfen herausfährt, aus einem Flüchtigen in ein Festes zusammen wächst, und nach angenommener Gestalt sich zum Radicalsaft umbildet.

Obwohl ich weiß, daß ohne das ovale Gefäß hermetisch zu versiegeln, der lichte Dunst sich nie in selbigem fest halten läßt, daß wenn nicht schleuniger Beystand eines Luchsauges, einer gewandten Hand dazu kommt, das glänzende Kind in seiner Geburt stirbt, weil seine erste Säfte dann es nicht mehr nähren; wie der Mensch, der in der Mutter von unreinen Blut sich nährt, und hernach von Milch in den Windeln.

Obwohl ich so viel weiß, wage ich's doch nicht heute zum Wettstreit mit euch aufzutreten, denn anderer Irrthümer machen mich zweifelhaft. Aber wenn grämliche Mißgunst in eurer Freundschaft keinen Raum findet, so benehmt dem Genie die Bedenklichkeit. Wenn ich euer Magisterium in diesen meinen Blättern deutlich zeige, wohlan, so laßt mich blos zur Antwort lesen: arbeite, denn du weist's.

Wie sehr betrügen sich die Menschen, die der hermetischen Wissenschaft unkundig sind. Sie verbinden mit den Tönen der Worte bloß ihre gierige Gesinnungen: sie nehmen die gewöhnliche Namen von Gold und Merkurius buchstäblich; sie wagen sich an die Arbeit, und glauben mit dem gemeinen Golde bey langsamen Feuer das flüchtige Silber zu fesseln.

Öffnete sich aber ihr Verstand dem versteckten Sinne, so würden sie offenbar sehen, daß dem einen sowohl als dem andern, dem gemeinen Quecksilber sowohl als dem gemeinen Golde, jenes Universalfeuer fehlt, das ein wirksamer Geist ist, ein Geist, der in gewaltsamer Flamme schnell jedes Metall im Ofen verläßt, welches ohne lebendige Bewegung außer seiner Mine ein todter Körper ist.

Ganz anderes Gold, ganz andern Merkur versteht Hermes hierunter: einen feuchten und warmen Merkur, der im Feuer immer fester wird; Gold, das ganz Feuer und ganz Leben ist. Unendlicher Unterschied zwischen diesen Wesen und jenen, die der Profane meynt, wirst du du [!] dich nun erst offenbaren? Jene sind todte, geistlose Körper; diese körperliche und immer lebende Geister.

O du unser großer Merkur, in dir vereinige sich die Quintessenz von Gold und Silber: Merkur ganz Gold, Gold ganz Silber: dreyfaches Wesen in einem; Einheit, die sich dreyfach äußert. O großes Wunder! Merkur, Schwefel und Salz, ihr lehret mich, daß ihr in drey Wesen nur eins seyd.

Aber wo ist er denn, dieser goldne Merkur, der in Salz und Schwefel aufgelöst, zur Radicalfeuchtigkeit, zum belebten Saamen der Metalle wird? Ach, er ist in so harten Kerkern eingeschlossen, daß ihn die Natur voritzt aus seinen Felsenbanden nicht befreyen kann, wofern die Meisterkunst ihm nicht den Weg eröfnet.

Was thut denn nun die Kunst? Als eine vorsichtige Dienerin der wirksamen Natur reinigt sie mit dunstender Flamme den Pfad, und dringt ins Gefängnis ein, denn mit keinem bessern Gefolge, mit keinem bessern Mittel kann man die Natur unterstützen, als mit anhaltender Wärme; und so entledigt sie hernach unsern Merkur von seinen Fesseln.

Ja, ja, ungeweihte Seelen, nur diesen Merkur müßt ihr suchen, in ihm allein könnt ihr finden, was die Weisen sich wünschen, er enthält in der wirksamsten Kraft beydes, Gold und Silber; denn ohne das Gold und Silber Profanen ist der wahre Saaame des Goldes und Silbers in ihm vereinigt.

Doch sieht man, daß jeder Saame unnütz ist, wenn er ganz, und unverweset nicht modert und schwarz wird. Die Verwesung geht der Zeugung voran, so verfährt die Natur in ihren lebendigen Wirkungen, und wir, ihre Nachahmer, müssen, wenn wir keine unreife Geburt hervorbringen wollen, vorher schwärzen, ehe wir weiß machen.

O ihr, die ihr, um Gold durch Kunst zu bereiten, beständiges Feuer unermüdet mit Kohlen nährt, und eure mannigfaltige Mischungen bald fixirt, bald verflüchtiges, bald wieder ganz auflöst, bald zum Theil gerinnen lasset; doch endlich nur Schmetterlinge räuchert, und thöricht Tag und Nacht beym Feuer wachet!

Laßt doch endlich von euren sinnlosen Bemühungen ab, und laßt blinde Hofnung nicht weiter eure leichtgläubigen Gedanken mit Rauch vergolden. Eure Arbeit ist unnütz, umsonst euer Schweiß, umsonst der Gram, den verlohrne Stunden im schmutzigen Gemach euch auf die Stirne prägen. Wozu hartnäckige Flammen? Nicht Kohlenglut, nicht lichte Lohe brauchen die Weisen zum hermetischen Stein.

Mit dem Feuer, wodurch unterirrdisch die Natur alles bereitet, arbeitet die Kunst, (denn bloß der Natur muß die Kunst nachahmen:) ein Feuer, das aus Dünsten besteht, und doch nicht leicht ist, welches nährt und nicht verzehrt, natürlich ist und doch durch Kunst gefunden wird, trocken ist und Regen verursacht, feucht ist und immer trocknet, ein stehendes Wasser, ein Wasser, das die Körper wäscht und die Hand nicht netzt.

Mit solchem Feuer arbeitet die Kunst, die der unfehlbaren Natur nacheifert, denn wo diese gebricht, tritt jene zum Ersatze. Die Natur beginnt, die Kunst vollendet, denn die Kunst reinigt nur allein das, was die Natur zu reinigen unvermögend war. Die Kunst ist immer spürend, und einfach ist die Natur, daher wenn eine die Wege verbaut, nicht bahnt, bleibt auch die andre stehn.

Wozu demnach so vielerley Substanzen in Alembicken [Lambicchi] und Retorten, wenn die Materie nur eine, und nur eines das Feuer ist! Nur eine ist die Materie, und ist allenthalben, Reiche und Arme haben sie, aber sie wird von allen verkannt, wird von allen dem irrenden Pöbel überlassen, der für einen geringen Preiß auf den Strassen dasjenige verkauft, was dem Weisen, der es kennt, unschätzbar ist.

Diese so gering geachtete Materie müssen die klugen Köpfe suchen, denn in ihr vereinigt sich alles, was sie wünschen; in ihr liegt beydes Gold und Silber, obgleich nicht gemeines, nicht todtes, verschlossen. In ihr steckt das Feuer, wovon diese Metalle das Leben haben; sie giebt das feurige Wasser, giebt die fixe Erde, gebt endlich alles, was ein Verständiger braucht.

Aber ihr, unwissende Scheidekünstler, bemerkt nicht, daß ein einziger Stof dem Weisen genügt, und nehmt daher mehrere Materien zur Arbeit. Er kocht in einem einzigen Gefäße an den Sonnenstrahlen einen Dunst, der sich verdickt; ihr setzt tausend Massen ins Feuer, und da Gott alles aus Nichts zusammengesetzt, bringt ihr endlich alles wieder zum ersten Nichts zurück.

Keine weiche Harze, oder harte Excremente, kein Blut, keinen männlichen Saamen, keine saure Trauben, oder Quintessenzen aus Kräutern, keine scharfe Wasser oder ätzende Salze, keinen römischen Vitriol, dürre Schlacken oder unreines Antimonium, keinen Schwefel, keinen Merkur, und endlich keine Metalls der Profanen braucht ein erfahrner Meister zu dem großen Werke.

Wozu so viele Mischungen? die erhabene Kunst hat unser Magisterium ganz in einer einzigen Wurzel, in derjenigen, die ich euch vielleicht schon zu klar beschrieben habe. Sie enthält zwey Substanzen, die einerley Wesen haben, Substanzen, die in ihrer Kraft Gold und Silber sind, und die dann zur Wirksamkeit kommen, wenn wir, ihre Gewichte gleich machen.

Sind sie so in Wirksamkeit, so werden sie Gold und Silber, auch an Gewicht denselben völlig gleich. Die flüchtige Substanz fixirt sich zum goldenem Schwefel: o lichtvoller Schwefel, beseeltes Gold, in dir bete ich die wirksame Kraft der flammenden Sonne an! Schwefel, ganz Kleinod, Fundament der Kunst, in welchem die Natur, Gold kocht, und zum Elixir zeitiget.



F. Welche Zeit ist es, wenn der Philosoph seine Arbeit anfängt?
A. Tages Anbruch, denn er muß nie von seiner Thätigkeit ablassen.
F. Wenn ruht er aus?
A. Wenn das Werk zu seiner Vollkommenheit gekommen.
F. Welche Zeit ist es am Ende des Werks?
A. Hoch Mittag, das ist der Augenblick, wo die Sonne in ihrer größten Kraft ist, und das Kind djeses Gestirns in seinem glänzendsten Lichte.
F. Welches ist, das Wort der Magnesia?
A. Ihr wißt, ob ich auf die Frage antworten kann und soll. Ich bewahre das Wort.
F. Gebt mir das Wort zu den Zusammenkünften der Philosophen!
A. Fangt an, ich will Euch antworten.
F. Seyd Ihr ein philosophischer Lehrling?
A. Meine Freunde und die Weisen erkennen mich dafür.
F. Welches ist das Alter eines Philosophen
A. Vom Augenblicke seiner Nachforschungen, bis zum Augenblick seiner Entdeckungen altert er nicht.


== Anmerkung ==

Wenn alle Catechismen so lehrreich wären, wie dieser, und wie die Catechismen der andern Grade dieser Gesellschaft, die ich dereinst dem Publiko mitzutheilen hoffe, wenn es diese Probe wohl aufnimmt; so ist zu glauben, daß man sich mehr befleißigen würde, der Fragen des Ordens eingedenk zu seyn; aber die Trockenheit derselben ermüdet das Gedächtnis, verdirbt die Zeit und schreckt den Geist ab.
Man hat mit Fleiß alle Fragen und Antworten, die sich geradezu auf die eigentlich sogenannte Maurerey beziehen, oder die daraus abfließen, mit andern Buchstaben setzen lassen, damit sie denen, die der Sache kundig sind, mehr auffallen möchten; sintemal der blos philosophische Gegenstand, der in diesem Grade oder in der erhabenen unbekannten Philosophie enthalten ist, vielleicht von gleichem Nutzen für diejenigen seyn kann, die nicht Maurer sind, da es viele Wißbegierige und Liebhaber der Wissenschaft giebt, die, ohne in den Grundsätzen der königlichen Kunst bewandert zu seyn, sich auf die Erforschung der Natur legen: und in der That ist es das Vorrecht einer guten Sache allgemein gut für jedermann seyn zu können, ohne daß diese oder jene zu einer besondern Gesellschaft erforderliche Eigenschaft von der Theilnehmung daran ausschließen könnte

Der Vorwurf, den man von allen Zeilen her der Maurerey gemacht hat, besteht darin, daß, da sie durch ihre Einrichtung die Menschen besser machen soll, es ungereimt sey, da sie ihre Kenntnisse gänzlich auf eine kleine Zahl von Wesen einschränkt, welche Kraft ihres Standes gehalten sind, daraus ein Geheimnis zu machen: dieser Vorwurf fällt ganz weg, wenn es wahr ist, daß die Wissenschaft der Maurer und ihr eigentlicher Endzweck die hermetische Philosophie sey, so wie man sie hier aus einander gesetzt.
Ich möchte mich für diese Wahrheit, vorausgesetzt, daß es eine wäre, nicht verbürgen, weil ich mir das Gesetz auferlegt, niemals meine besondere Meynung zum Entscheidungsgrunde anzunehmen, und weil es der Bescheidenheit eines jeden, der sich mit Schreiben abgiebt, ohne ein System errichten zu wollen, geziemt, jedermann frey denken zu lassen, und etwa nur durch vernünftige Gründe der Unentschlossenheit derjenigen abzuhelfen, die sich bey ihm Raths erholen wollen.

Ich für mein Theil wünschte sehr, daß die Sache der Maurer wirklich die Entdeckung des großen Werks wäre: ich finde große Wahrscheinlichkeiten dazu, und es ist ausgemacht, daß wenn man manches von dem, was man hohe Grade nennt, zergliedert, das Mystische der einen und die fabelhaften Einkleidungen der andern absondert, man selbige leichtlich auf die physische Spekulation ziehen könnte, von welcher sie im Grunde die Axiomen scheinen festsetzen zu wollen; ein einziges Beyspiel beweist es: die falschen Spaltungen der Rosenkreuzer, mit der frommen, schwankenden, traurigen und glänzenden Zurüstung behandelt, womit man sie in gewissen Logen überladet, bieten dem Geist desjenigen, den man einweiht, nichts anders als die heilige Handlung, die in Büchern beschriebenen ehrwürdigen Geheimnisse dar, welche dieser Grad so zu sagen copirt, und dies ist bey weitem der wahre Rosenkreuzer nicht mehr, so wie er in seinem sehr alten Ursprunge war; indessen würde derjenige, der ihn zergliedern und unter den Außenseiten den philosophischen Analogien genau nachgehen wollte, darin unfehlbar das veste Korn, wenn ich so sagen soll, von den Elementen der hermetischen Wissenschaft finden: und die Devise selbst der Maurer, die auf diesen Grad stolz sind, F. R. C. bedeutet nichts anders, als Fratres Roris Cocti.
Der Phönixgrad, den einige viel höher schätzen als er werth ist, kömmt gänzlich darauf hinaus; das Tetragrammaton, das Stibium, das Pentacul sind angemessene Sinnbilder: falsche Lehrer fügen sehr falsche Recepte hinzu, die in einer Art von Proceß, der zur Vervollkommung des Spiesglases [Stibium] vorgeschrieben ist, enthalten sind; diese Irrthümer betrügen den Weisen nicht, dem es zukommt, sie zu berichtigen: es ist immer sehr schmeichelhaft für die Maurer, auf diese Eigenschaft Anspruch machen, und sich mit einem Titel schmücken zu können, der dem Geist Ehre macht, die Reinigkeit des Herzens ankündigt, und verständige Arbeiter versammlet, deren Zweck ist, der Menschheit zu helfen, und sie aufzuklären.

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